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Jürgen
Dorbritz: Demografische Trends
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Jürgen
Dorbritz in seiner eigenen Schreibe
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HÖHN, Charlotte &
Jürgen DOBRITZ (1995): Zwischen
Individualisierung und Institutionalisierung -
Familiendemographische Trends im vereinten
Deutschland,
in:
Nauck,
B./Onnen-Isemann; C. (Hg.) Familie im Brennpunkt
von Wissenschaft und Forschung: Rosemarie
Nave-Herz zum 60. Geburtstag gewidmet,
Neuwied/Berlin: Luchterhand, S. 149-176
DORBRITZ,
Jürgen &
Karl SCHWARZ (1996):
Kinderlosigkeit in Deutschland - ein
Massenphänomen?
Analysen zu
Erscheinungsformen und Ursachen,
in:
Zeitschrift
für Bevölkerungswissenschaft,
Heft 3, S.231-261
DORBRITZ,
Jürgen (2000): Eheschließungen Lediger -
methodische Probleme, Trends und saisonale
Muster,
in:
BIB-Mitteilungen,
Nr.1 v. 08.03., S.17-20
-
Der deutsche
Bevölkerungswissenschaftler Jürgen
DORBRITZ muss zugeben, dass
"wir
für den Geburtsjahrgang 1965 vor einigen
Jahren noch Kinderlosenanteile von mehr
als 30 % erwartet (haben). Die neueren
Schätzungen zeigen, dass sich über
späte Erstgeburten die
Kinderlosenanteile auf 27 % verringert haben."
Der
Bevölkerungsstatistiker
Ron LESTHAEGHE kritisiert
diese Praxis deutscher
Bevölkerungswissenschaftler. |
DORBRITZ, Jürgen (2004): "Nur Tempoeffekte, aber
kein Babyboom".
"Gerontokratie? Nichts da! Bald kommt der Babyboom", so
überschrieb Detlef Gürtler einen Artikel, der am 19.08.2003 in der
"Welt" erschien. Dort wurde ein dritter demographischer Übergang
vorhergesagt, der nicht - wie die beiden ersten - zu einem
deutlichen Geburtenrückgang führen wird, sondern einen neuen
Baby-Boom bringen soll,
in:
BIB-Mitteilungen
Nr.2 v. 22.06.
-
Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB)
hat sich fast ein Jahr Zeit gelassen, um auf die
berechtigte Kritik von Detlef GÜRTLER zu reagieren.
Die Verteidigung von Jürgen
DORBRITZ fällt dementsprechend äußerst mager aus und muss deshalb
als Rückzugsgefecht gewertet werden.
DORBRITZ bestätigt die
Richtigkeit der Berechnungen von GÜRTLER, möchte dessen
Schlussfolgerungen aber nicht ganz folgen. Nichtsdestotrotz spricht DORBRITZ
nun erstmalig vom Ende des Geburtenrückgangs in Westdeutschland
(Aus internationaler Perspektive wurde dieser bereits im Jahr 2002
von
John
BONGAARTS für die Industrieländer prognostiziert). Der
Geburtsjahrgang 1968 markiert hier den Geburtentiefpunkt:
"Die bislang für einen
westdeutschen Geburtsjahrgang niedrigste endgültige Kinderzahl wird
mit 1439 für die 1968 geborenen Frauen geschätzt. Für die danach
geborenen Frauen (1969, 1970) erwarten wir mit 1456 bzw. 1472
leichte Anstiege der endgültigen Kinderzahl. Der Rückgang der
endgültigen Kinderzahlen, der bereits seit dem Jahrgang 1933 (2224)
bestand, ist damit abgeschlossen."
DORBRITZ unterscheidet
strikt zwischen dem Ende des Geburtenrückgangs in den alten
Bundesländern und einem sich anbahnenden neuen Babybooms:
"Ein sich anbahnender Geburtenboom
ist in diesen Zahlen jedoch nicht zu erkennen. Bei genauerem
Hinsehen stellt man fest, dass 1. die im Zeitraum zwischen 1968 und
1975 geborenen Frauen ihre Kinder etwas früher geboren haben und es
2. einige wenige Jahrgänge geben könnte, die wieder eine etwas
höhere endgültige Kinderzahl erreichen".
DORBRITZ verweist in seiner
Argumentation auf die Entkopplung zwischen dem durchschnittlichen
Erstgebäralter und der endgültigen Kinderzahl.
Diese Entkopplung hat Gert
HULLEN jedoch bereits im Jahr 2003 in seinem Beitrag
Tempo und Quantum der Reproduktion
empirisch nachgewiesen. Auch hier wird also nur zugegeben, was den
Experten sowieso bereits seit längerem bekannt ist. Darauf wurde bislang nur von
single-dasein.de und single-generation.de hingewiesen, während in
der
öffentlichen Debatte
weiterhin ein enger Zusammenhang zwischen beiden Faktoren
hergestellt wird. Es geht dabei immer um die Inszenierung des
Aussterbens der Deutschen.
DORBRITZ belegt diese Entkopplung mit
den beiden willkürlich herausgegriffenen Frauenjahrgängen 1965 und
1972.
In seiner weiteren
Argumentation geht DORBRITZ auf den Babyboom der Anfang 1970
geborenen Frauen ein:
"Zweitens haben die in der ersten Hälfte
der 70er Jahre geborenen Frauen mehr Kinder als die in der zweiten
Hälfte der 60er Jahre Geborenen. Der Geburtsjahrgang 1973 hatte,
bezogen auf 1000 Frauen im Alter 27, 597 Kinder. Im Jahrgang 1968
waren es nur 558".
Die Argumentation von DORBRITZ, dass
sich dieser Babyboom bei den nach 1975 geborenen Frauen nicht
fortsetzt, steht jedoch angesichts der Entkopplungsthese auf
tönernen Füßen, weshalb er hinzufügt, dass hierzu eine
"endgültige
Beurteilung noch nicht erfolgen kann".
Die Frage, ob sich ein
Babyboom anbahnt oder nicht, lässt sich - entgegen der großmäuligen
Überschrift - anhand der Daten von DORBRITZ also gar nicht
entscheiden. Damit kann DORBRITZ auch die These von GÜRTLER
letztendlich nicht mit wissenschaftlichen Mitteln widerlegen,
sondern DORBRITZ missbraucht das Interpretationsmonopol des BIB.
Das Problem der Demografen
besteht darin, dass Babybooms nur retrospektiv (d.h. rückblickend)
und nicht prospektiv (d.h. vorausschauend) erfasst werden können.
Obgleich
Karl SCHWARZ in seiner
Erwiderung auf den amerikanischen Demografen
James VAUPEL (FAZ vom 08.04.2004) den Erkenntnisstand der
deutschen Demografen als hervorragend dargestellt hatte, muss
DORBRITZ diverse Defizite eingestehen.
Zum einen können die
Demografen den Babyboom (definiert als Anstieg der zusammengefassten
Geburtsziffer, d.h. der Geburten aller Frauen im gebärfähigen Alter
von 15 und 45 Jahren) Anfang der 90er Jahre nicht erklären:
"Dieser Anstieg der Geburtenhäufigkeit
um 1990 ist (...) nicht nur ein in Deutschland aufgetretenes
Phänomen. Er ist sehr deutlich in Schweden und Norwegen ausgeprägt.
Man findet ihn aber auch in den Niederlanden oder in Österreich, er
ist aber nicht für alle europäischen Länder (insbesondere Südeuropa)
charakteristisch. Warum diese temporären Effekte um 1990 in einigen
Ländern aufgetreten sind, lässt sich nicht beantworten."
Zum anderen ist die
Geburtenentwicklung selbst in Deutschland enorm uneinheitlich.
Zwischen den alten und neuen
Bundesländern, aber auch regional differenziert stehen sich
sozusagen Geburtenrückgänge und Geburtenwachstum gegenüber. Solange für die deutschen
Bevölkerungswissenschaftler einzig die zusammengefasste
Geburtenziffer die Maßzahl ist, mit der ein Babyboom beschrieben
wird, solange sind auch in Zukunft keine besseren Prognosen der
Geburtenentwicklung zu erwarten. Die Meldung: Huch! Wir hatten einen
Babyboom, wird deshalb auch in Zukunft keine Überraschung sein.
Eines ist jedoch deutlich
geworden: Die Beurteilung der Gebärfaulheit der jüngeren
Frauenjahrgänge lässt sich nicht mehr in jener sozialpopulistischen
Form behaupten wie dies
im Anschluss an Susanne GASCHKE
immer wieder versucht wird.
Der Trend eines
kontinuierlichen Geburtenrückgangs wie er die
politische Konstruktion der Geburtenkrise
beherrscht, ist durch DORBRITZ in jedem Fall widerlegt. |
Am
7. November stellte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden
die aktuelle 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung
vor. Single-generation.de berichtete damals darüber,
dass sich die
Einschätzungen zur lebenslangen Kinderlosigkeit des
Frauenjahrgangs 1965 gravierend
unterscheiden. Single-generation.de zeigte auf, dass
die Einschätzungen zwischen 23,3 und 32,1 % liegen.
Nun sind diesen Herbst gleich zwei Hefte der Zeitschrift
für Bevölkerungswissenschaft erschienen, die die
berechtigte Kritik von single-generation.de bestätigen.
Der Vorwurf der Single-Lüge kann nun nicht mehr von der Hand
gewiesen werden. Im Buch
Die
Single-Lüge
ist seit Mai 2006 nachzulesen, dass bereits vor dem
Pflegefehlurteil
des Bundesverfasssungsgerichts im Jahr 2001
bekannt war, dass der Anteil der lebenslang Kinderlosen von
Herwig BIRG zu hoch angegeben wurde.
Damals hatte sich jedoch
der nationalkonservative Bevölkerungswissenschaftler Herwig
BIRG mit seiner Deutung (ein Drittel!) durchgesetzt. Im Heft
4/2005 (!), das aus leicht nachvollziehbaren Gründen erst
jetzt erscheint, bestätigt Jürgen DORBRITZ im Beitrag
Kinderlosigkeit in Deutschland und Europa - Daten, Trends und
Einstellungen erstmals, was bei
single-generation.de bereits nachzulesen war:
"Für die älteren
Geburtsjahrgänge bis 1955 ist die Übereinstimmung noch sehr
hoch. (...). Für den Jahrgang 1965 sind die Abweichungen
dann schon beträchtlicher und bieten kein klares Bild mehr
über die Dimensionen der Kinderlosigkeit in Westdeutschland.
Birg und Flötmann geben einen Wert von 32,1 %
an. Am BiB wurden 27,6 % ermittelt und Sobotka
hat einen Anteil kinderloser Frauen in der hohen Variante
von 25,2 % und in der niedrigen Variante von 23,3 %
berechnet" (S.365)
Jürgen DORBRITZ, ein
Verfechter der umstrittenen Polarisierungsthese, neigt dazu,
die empirischen Ergebnisse im Lichte seiner theoretischen
Voreingenommenheit zu interpretieren. Den Frauenjahrgang 1965
sieht er "in der Nähe von 30 %", obwohl seine eigenen
empirischen Berechnungen eindeutig belegen, dass der Anteil
eher bei 25 % liegt. Es gibt begründeten Verdacht, dass auch
dieser Wert noch zu hoch liegt, wenn man sich die Berechnungen
der Schätzungen genauer betrachtet. Der Beitrag von DORBRITZ
ist trotz seiner gravierenden ideologischen Voreingenommenheit
("die Kinderlosigkeit ist einzudämmen"!) jedem unbedingt zu
empfehlen, der sich mit dem Thema näher befassen möchte.
Selten wurde so deutlich, dass die traditionelle deutsche
Bevölkerungswissenschaft kurz vor dem Offenbarungseid steht.
Single-generation.de wird sich dem Themenkomplex
"Kinderlosigkeit in Deutschland" in den Themen des Monats des
Jahres 2007 ausführlich widmen. Erstmals lässt sich jetzt auch
empirisch belegen, was im Buch
Die
Single-Lüge oftmals nur spärlich
belegt werden konnte, weil der Wissenschaft offenbar von der
Politik ein "Maulkorberlass" verordnet wurde. Dass jetzt erst
die Bücher und Aufsätze zur Kinderlosigkeit in Deutschland
veröffentlicht werden dürfen, wirft ein bezeichnendes Licht
auf die Meinungsfreiheit in Deutschland. Neben Heft 4/2005 ist
auch noch Heft 1/2006 der Zeitschrift für
Bevölkerungswissenschaft erschienen. Darin findet man den
überfälligen
Bericht zur demographischen Lage in Deutschland 2005
von Evelyn GRÜNHEID. Der Titel ist eher unangebracht, denn
die Daten beziehen sich in erster Linie auf das Jahr 2004. Man
möchte deshalb wissen, warum das Heft nicht rechtzeitig zur
SCHIRRMACHER-Debatte erschien, denn dann wären manche der
damaligen Falschdarstellungen der Geburtenentwicklung
sofort zu entlarven gewesen.
Auf single-generation.de ist nachzulesen,
warum dieser Bericht zur demographischen Lage erstmals
bestätigt, dass der Vorwurf der Single-Lüge berechtigt ist.
Erstmals liest
man dort, dass sich der
Strukturwandel bei den westdeutschen Einpersonenhaushalten
in Großstädten bereits vor 1991 vollzogen hat.
Für regelmäßige Leser von
single-generation.de ist das natürlich nichts Neues.
Bereits in der
Titelgeschichte des aktuellen Hefts der Zeitschrift Das
Magazin wurde darauf
hingewiesen, dass Ulrich BECK mit seiner
Prognose
zur Entwicklung der Einpersonenhaushalte
grandios daneben lag.
Sowohl der Stern von Ulrich
BECK als auch derjenige von Herwig BIRG befindet sich im
steilen Sinkflug. In den nächsten Jahren wird sich die
Single-Lüge für jeden deutlich sichtbar abzeichnen.
Die Konsequenzen aus den Versäumnissen der vergangenen Jahre
lassen sich dagegen nicht mehr abfedern. Der Betrug an den
Kinderlosen in Deutschland zeitigt bereits seine Wirkungen. |
DORBRITZ, Jürgen
(2009): Heiratsverhalten Lediger, Geschiedener und Verwitweter in
Deutschland 2007.
Ergebnisse
der Berechnung von Heiratstafeln,
in: Bevölkerungsforschung aktuell, Heft 3 v. 01.10.
DORBRITZ, Jürgen (2010): Kinderzahlen und
Lebensformen im West-Ost-Vergleich- Ergebnisse des Mikrozensus
2008,
in:
Bevölkerungsforschung Aktuell H.1
v. 20.01.
Wie bereits in älteren
Publikationen gibt
Jürgen DORBRITZ nur ganz unwillig zu, dass der Anteil der
Kinderlosen in Deutschland von den deutschen
Bevölkerungswissenschaftlern zu hoch eingeschätzt wurde.
Angeblich gilt das nur für die Akademikerinnenkinderlosigkeit,
mit der Rot-Grün die Einführung des Elterngeldes
rechtfertigte:
"Bisherige
Forschungen zur Kinderlosigkeit kamen zu dem Ergebnis, dass
insbesondere in Westdeutschland ein außerordentlich hohes
Niveau vorherrscht. Dieses Ergebnis konnte ebenso wie andere
bestätigt werden, auch wenn in den Details bisherige
Ergebnisse, deren Richtigkeit bereits seit längerem
angezweifelt wurde, widerlegt wurden. Das betrifft
namentlich die Kinderlosigkeit unter den Akademikerinnen.
Die anhand der Frage nach der Zahl der im Haushalt lebenden
Kinder in der Altersgruppe 35 – 39 Jahre geschätzte
Kinderlosigkeit hat sich als zu hoch erwiesen, da aufgrund
des längeren Ausbildungsweges Akademikerinnen relativ spät
auch noch erste Kinder bekommen."
Dies ist jedoch falsch.
Auch die generelle Kinderlosigkeit in Westdeutschland wurde -
insbesondere von den Nationalkonservativen um Herwig BIRG - zu
hoch angesetzt. Franz-Xaver
KAUFMANN, dessen Buch
Schrumpfende Gesellschaft
von der seriösen Mitte-Presse hochgelobt wurde,
ging noch 2005 von 32,1 %
Kinderlosen beim westdeutschen Frauenjahrgang 1965 aus.
DORBRITZ beziffert dagegen den Anteil Kinderloser in den
Jahrgängen 1964 - 1968 auf 24 %. |
DORBRITZ, Jürgen & Frank MICHEEL (2010):
Weiterbeschäftigung im Rentenalter - Potenziale, Einstellungen und
Bedingungen,
in:
Bevölkerungsforschung aktuell, Heft 3 v.
18.05.
DORBRITZ, Jürgen (2011): Kinderzahlen bei Frauen mit und ohne
Migrationshintergrund im Kontext von Lebensformen und Bildung,
in: Bevölkerungsforschung aktuell v. 26.01.
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Der
Bevölkerungswissenschaftler Jürgen DORBRITZ hat den
Zusammenhang zwischen Kinderzahl, Lebensform,
Bildungsabschluss bei Frauen mit/ohne Migrationshintergrund
anhand des Mikrozensus 2008 untersucht (der Beitrag ist
hier als PDF-Datei downloadbar). Ärgerlich ist dabei, dass
nicht die Geburtsjahrgänge 1960 - 1964 im Mittelpunkt standen,
bei denen auch die Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen das
44. Lebensjahr erreicht haben. Stattdessen werden die
Generation Golf-Geburtsjahrgänge 1965 - 1969 betrachtet,
die insbesondere wenn sie eine Hochschule besucht haben, immer
noch Kinder bekommen können. Dies gilt insbesondere für die
1968 und 1969 Geborenen. |
Neu:
SCHNEIDER, Norbert F.
& Jürgen DORBRITZ (2011): Wo bleiben die Kinder?
Der
niedrigen Geburtenrate auf der Spur,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.10-11 v. 07.03.
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Jürgen
Dorbritz in den Medien
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URICH,
Karin (2002): Bei der Entscheidung zwischen Beruf
und Familie bleibt der Kinderwunsch häufig auf
der Strecke.
Serie
Bevölkerungsentwicklung: Forscher sehen die
Politiker in der Pflicht, die Rahmenbedingungen
für Paare mit Nachwuchs künftig weiter zu
verbessern,
in:
Mannheimer
Morgen v. 21.03.
-
URICH stellt
Christine und Frank als typisches kinderloses Paar in
Deutschland vor. Die beiden
sind DINKs (double income, no kids),
Anfang 30, erst kurz in ihrem jetzigen
Beruf (er als Lehrer, sie als
kaufmännische Angestellte), haben einen
langen Bildungsweg hinter sich (zweiter
Bildungsweg, Umschulungen usw.) und
gerade ein Haus gekauft.
Das
Fallbeispiel wird von URICH mit den
Motiven und Merkmalen verglichen, die
Jürgen DORBRITZ für Kinderlose typisch
hält.
URICH
beruft sich bei ihrer Datenpräsentation
auf die jüngste Studie des
Bevölkerungswissenschaftlers. So neu
können diese jedoch nicht sein, denn die
Daten sind nicht entsprechend den
BIB-Mitteilungen vom
09.03.2001 nach unten
korrigiert. Die DINKs
sind zwar jene, die von
Familienrhetorikern gerne als Kinderlose
par Excellence präsentiert werden, weil
ihr
Neidpotenzial besonders
hoch ist, aber:
"Am häufigsten
entscheiden sich die Frauen gegen Kinder,
die allein leben und keinen festen
Partner haben.
Eine weitere große Gruppe kinderloser
Frauen verfügt über ein geringes
Einkommen und sieht deshalb keine Chance,
sowohl ein Kind als auch den gewünschten
Lebensstandard zu finanzieren."
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Familienbildung in Deutschland
Anfang der 90er Jahre (1999).
Demographische
Trends, individuelle Einstellungen und sozio-ökonomische
Bedingungen. Ergebnisse des deutschen Family and
Fertility Survey.
Schriftenreihe des Bundesinstituts für
Bevölkerungsforschung, Band 30
(Herausgegeben
zusammen mit Juliane ROLOFF)
Opladen:
Leske
+ Budrich
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Klappentext
"Im
Jahre 1992 ist im Rahmen eines
internationalen Forschungsprojektes
durch das Bundesinstitut für
Bevölkerungsforschung der Family and
Fertility Survey (FFS) in West- und
Ostdeutschland in Kombination mit dem
Population Policy Acceptance Survey
(PPA) erhoben worden.
Im vorliegenden Band Familienbildung
in Deutschland Anfang der 90er Jahre
Demographische Trends, individuelle
Einstellungen und sozio-ökonomische
Bedingungen' werden nun die
wichtigsten Ergebnisse verschiedener
FFS- und PPA-Auswertungsprojekte aus
Einzelveröffentlichungen in
komprimierter Form vorgestellt.
Hauptanliegen dieser
Veröffentlichung ist es, Bilder der
Familie in Deutschland zu zeichnen
und Aussagen zu ihrer
Überlebensfähgikeit und damit zu
den zukünftigen Fertilitätstrends
zu gewinnen. Diese immer wieder
aktuelle Problemstellung hatte Anfang
der 90er Jahre mit der deutschen
Wiedervereinigung und dem damit
einhergehenden Wandel der
demographischen Situation in
Ostdeutschland ein besonderes
Gewicht. So wird der Frage
nachgegangen, ob sich mit dem
Verhaltenswandel auch die
Einstellungen zur Familie geändert
haben, ob es Anzeichen einer
längerfristigen Divergenz in den
Verhaltensmustern zwischen West- und
Ostdeutschland gibt. Aber auch für
Westdeutschland harrten drängende
Fragen einer Beantwortung
hinsichtlich der Zukunft der Familie."
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Rezensionen
fehlen noch
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Jürgen
Dorbritz in der Debatte
SCHWARZER,
Alice (2000): Die gläserne Wand.
Siege
und Niederlagen der Frauen im Kampf gegen
die Männerherrschaft,
in:
Spiegel
Nr.41 v. 09.10.
-
Der Spiegel
druckt einen Auszug aus dem neuem
Buch von
Alice
SCHWARZER,
in dem die Feministin die
demographische Lage aus der
Perspektive einer
70er-Jahre-Feministin
interpretiert. Man darf so schön
antiquierte Sätze lesen wie:
"Im krassen Gegensatz zu den
schönen bunten Trendstorys in
den Medien, die uns so gern von
den neuen Hochzeitsbooms und
Kinderbooms erzählen, sieht die
Wahrheit ganz anders aus,
nämlich genau umgekehrt. Jede
dritte 35-Jährige (Jahrgang
1965) ist heute kinderlos (im
Jahrgang 1945 ist es nur jede
achte). Immer mehr Frauen treten
also in den Kinderstreik. Und die
Männer? Die Männer treten in
den Sexstreik!"
Bei Karsten
Pöhl
(01.03.2000), der das Buch
Familienbildung in
Deutschland Anfang der 90er
Jahre der Demographen
Juliane ROLOFF & Jürgen DORBRITZ rezensiert hat, liest
man dagegen:
"Für die 1965
geborenen westdeutschen Frauen
wird erwartet, daß ca. 30
Prozent von ihnen kinderlos
bleiben".
Und
in einer Beschreibung
eines DFG-Forschungsprojektes
(31.07.2000) Späte erste
Mutterschaft lesen wir:
"Madonna bekam ihr erstes
Kind mit 38, Demi Moore mit 36
und Birgit Schrowange bekommt
ihrs mit 42! 12 Prozent aller
Frauen kommen heute ihr erstes
Kind mit über 35 Jahren und die
Zahl steigt: Seite Mitte der 80er
Jahren hat sich dieser Anteil
vervierfacht."
Diese
beiden Meldungen relativieren
SCHWARZERs Aussage entscheidend.
Zum einen wird aus einer
Tatsachenaussage eine Prognose,
denn die 35jährigen aus
SCHWARZERs Jahrgang 1965 sind im
Gegensatz zu den 55jährigen die
als Vergleichsmaßstab
herangezogen werden, noch im
gebärfähigen Alter. SCHWARZER
geht jedoch davon aus, dass die
35jährigen in einen Gebärstreik
getreten sind (klingt eher nach
70er Jahre als Kinderstreik, was
immer dieses merkwürdige Wort
bedeuten soll). In zwanzig Jahren
lässt sich entscheiden, in wie
weit sich SCHWARZERs
Vergleichjahrgänge tatsächlich
unterscheiden.
"Die Männer treten in den
Sexstreit!" SCHWARZER sollte
weniger Emma oder Spiegel
lesen... |
DRIBBUSCH,
Barbara (2001): Viel Job, wenig Liebe.
Die
Leistungsgesellschaft führt zum
heimlichen Gebärstreik. Jede dritte
35-Jährige ist kinderlos - die meisten
bleiben es,
in:
TAZ v. 02.02.
-
"Der
Kanadier Jerry Steinberg hatte
die Nase voll. All seine Kumpels
hatten geheiratet, in seinem
Freundeskreis wurde nur noch
über Babys geschwafelt.
Steinberg gründete 'No
Kidding!'."
Was DRIBBUSCH hier als
Beispiel für die Zunahme der Kinderlosen
präsentiert, ist eher ein Indiz dafür, dass
Kinderlose eine Minorität sind. Der Versuch
Kinderlose auszugrenzen, wie es z.B. in der
sozialpolitischen Debatte immer sichtbarer wird,
führt dazu, dass Kinderlose gezwungen werden, sich
zu organisieren.
Diese
"Ghettoisierung" ist
nicht die Ursache, sondern die
Folge der angeblichen
Polarisierungen, die Demografen
wie DORBRITZ zwar theoretisch
postulieren, aber nicht beweisen
können. Der Begriff
"Gebärstreik" weist
dabei auf die Wurzeln dieser
Position (mehr).
Wenn man von einem
dramatischen Geburtenrückgang reden kann, dann nicht
in Deutschland, sondern im Maghreb. Dagegen
verblasst das Gerede vom Aussterben hierzulande (siehe
L'Express v. 25.01.2001).
Wenn man dort die Geburtenrate
wie bei uns hochrechnen würde,
dann müsste dort die
Bevölkerung lange vor den
Deutschen vollkommen ausgestorben
sein, aber vielleicht stimmt ja
etwas mit den Berechnungen
nicht. Ein Blick auf die Geburtenstatistik
zeigt, dass die Anzahl der Geburten im früheren Bundesgebiet
1999 höher war als in den Jahren 1973 - 1987:
Geburtenstatistik
der Bundesrepublik
1946-1999 |
-
LAKOTTA
rechnet mit den kinderlosen
Karrierefrauen ab. Diese Gruppe
von Frauen hat statistisch
gesehen einen Anteil von nicht
einmal 2 % an der Bevölkerung!
Eine
Karrierefrau ohne Kinderwunsch
ist defizitär, aber eine
Karrierefrau mit spätem
Kinderwunsch ist
unverantwortlich:
"'Eine egoistische
Einstellung: Die Frauen sehen
nicht das Wohl des Kindes,
sondern zuerst ihr eigenes! Nicht
wenige hätten erst ein, zwei
Jahre zuvor eine Abtreibung
hinter sich gebracht.
Klappt es mit dem Baby dann zum
strategisch günstigen Zeitpunkt
nicht, soll die Medizin die
verkorkste Lebensplanung
retten."
Die Kritik an der Karrierefrau
zielte in den 80er Jahren auf
ihre Kinderlosigkeit (siehe
hierzu Susan FALUDIs Bestseller
Die
Männer schlagen zurück),
seit den 90er Jahren steht die
Karrieremutter im Mittelpunkt der
Kritik. Sie ist nun nicht mehr
nur eine Rabenmutter wegen der
Unvereinbarkeit von Berufsarbeit
mit Haus- und Erziehungsarbeit,
sondern bereits die
Karriereplanung gerät nun unter
Beschuss. Nicht erst die
Nichtaufgabe des Berufs beim
Kinderkriegen, sondern das Recht
von jungen Frauen auf eine
Karriere wird mit diesem neuen
Klischeebild - dessen Karriere
als gesichert gelten dürfte -
grundsätzlich in Frage gestellt.
Erst ein Kind, dann - wenn
überhaupt - Karriere. Dies ist
auch die Forderung der
einflussreichen Demografen
Jürgen DORBRITZ und
Karl
SCHWARZ,
die eine Familienpolitik
empfehlen, die erstens
Kinderlosigkeit zurückdrängt
und zweitens junge Paare dazu
ermutigt, mit der Geburt der
Kinder nicht zu lange zu warten
("Kinderlosigkeit in
Deutschland - ein
Massenphänomen?", in:
Zeitschrift für
Bevölkerungswissenschaft, 1996,
Heft 3).
Das vom Spiegel nun verbreitete
neue Klischee der Karrierefrau,
die erst abtreibt, sich dann ein
Kind wünscht, es nicht bekommen
kann und am Schluss
todunglücklich ist, zielt genau
auf jene Aspekte ab, die von
diesen Demographen
bevölkerungspolitisch als
unerwünscht betrachtet werden.
Bis vor kurzem war die
Vollzeitmutter das Leitbild von
Journalistinnen wie
Karin
JÄCKEL.
Mit dem Verfassungsgerichtsurteil
im Rücken soll dieses Leitbild
nun mehrheitsfähig gemacht
werden.
Da
ist es natürlich ärgerlich,
wenn die Reproduktionsmediziner
der Karrierefrau in Nöten
Abhilfe versprechen:
"Das
'Kind in der Warteschleife', so
die Vorstellung der Mediziner,
könnte eines Tages den Konflikt
zwischen Karriereplanung und
Kinderwunsch lösen: Eine Frau
könnte in jungen Jahren ein Kind
auf Eis legen, einen Posten
ergattern und anschließend
Mutter werden."
Diese
Form der weiblichen
Selbstbestimmung ist
unerwünscht, weswegen am Ende
des Artikels eine
Frauenbeauftragte zitiert wird,
die statt individueller
Problemlösung die Einklagung
sozialpolitischer Veränderungen
fordert. |
GREENBERG,
Susan H. (2001): Kleine Prinzen.
Die Geburtenraten
sinken weltweit, das Familienbild wird
vom Einzelkind beherrscht,
in:
Focus
Nr.31 v. 30.07.
-
|
Offensichtlich
gibt es schwerwiegende
Differenzen beim Thema
"Einzelkind".
Renommierte Demographen wie DORBRITZ und
SCHWARZ
gehen von einer zunehmenden
Polarisierung zwischen Kinderlosen und Mehr-Kind-Familien
aus, während GREENBERG einen
Trend zur Ein-Kind-Familie
belegen möchte.
Wenn
die Geburtenrate bei 1,3 Kindern
pro Familie liegt, dann stützt
dies auf den ersten Blick die
These von GREENBERG. Erst beim
zweiten Blick wird deutlich, dass
zwischen einer niedrigen
Geburtenrate und der Anzahl von
Kindern pro Familie kein
besonders enger Zusammenhang
bestehen muss.
Auch
die Haushaltsstatistik, auf der
sowohl die Polarisierungsthese
als auch GREENBERGs These
beruhen, hilft hier nicht weiter,
sondern trägt wesentlich zum
"Mythos
der Ein-Kind-Familie" (Peter
KRAFT)
bei. GREENBERG fasst Familien mit
einem geschwisterlosen Kind und
Familien, deren Haushalt nur ein
Kind zugeordnet worden ist, zum
Konstrukt
"Ein-Kind-Familie"
zusammen. Wenn aber ein
allein erziehender Vater mit
seinem Kind und eine
allein erziehende Mutter mit ihrem
Kind in einer gemeinsamen Wohnung
als Paar leben, dann haben wir es
haushaltsstatistisch gesehen mit
zwei Ein-Kind-Familien zu tun,
obwohl es eher unwahrscheinlich
ist, dass beide Kinder wie
Einzelkinder leben. Jedes
erstgeborene Kind ist zudem bis
zur Geburt des zweiten Kindes ein
Einzelkind. Wenn also eine
Aussage richtig ist, dann
diejenige, dass es heutzutage
immer öfter vorkommt, dass ein
Kind zeitweise alleine mit seinen
Eltern in einer Wohnung
zusammenwohnt, weil entweder das
zweite Kind noch nicht geboren
ist oder bis auf ein Kind bereits
alle anderen Kinder aus dem
Elternhaus ausgezogen sind. Ob
die Schwester oder der Bruder nun
ganz ausgezogen ist, nur unter
der Woche nicht bei den Eltern
wohnt oder in einer
Einliegerwohnung im gleichen Haus
wohnt, das ist der
Haushaltsstatistik nicht zu
entnehmen. Studien, die solche
Differenzierungen nicht
berücksichtigen, können bei der
Untersuchung des Sozialverhaltens
von angeblichen
"Einzelkindern" zu
schweren Fehlschlüssen führen.
Welche Auswirkungen die
Telekommunikationstechnik auf das
Kontaktverhalten von Geschwistern
hat, das wird von der
überwiegend technikfeindlichen
Soziologie erst recht
vernachlässigt.
Auch
wenn es keinen allgemeinen Trend
zur Ein-Kind-Familie gibt,
könnte es durchaus Milieus
geben, in denen dieser
Familientyp vorherrscht.
Möglicherweise gehören die
Beschäftigten in den neuen
Berufen zu jenem Milieu in dem
dieser Typ besonders verbreitet
ist. Die Beispiele, die GREENBERG
aufführt, würden dafür
sprechen. Aber nur Milieustudien
könnten darüber Auskunft geben.
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RUOSS,
Christiane (2002): Die Mehrheit wird
immer grauer.
Weil die
Gesellschaft zunehmend altert, muss sich
vieles ändern, was den Deutschen bisher
selbstverständlich war - und das wird
weh tun,
in:
Süddeutsche
Zeitung v. 07.01.
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RUOSS
beginnt die Rezension von Herwig BIRGs Buch
Die
demographische Zeitenwende
und
Die
Alterspyramide steht Kopf
mit dem Standardsatz der
Polarisierer:
"Inzwischen
bleibt ein Drittel der Frauen und
Männer in diesem Land lebenslang
ohne Nachwuchs, und es werden von
Jahr zu Jahr mehr."
RUOSS ist nicht auf dem neuesten
Stand, denn die deutschen
Demographen müssen ihre
Prognosen ständig nach unten
korrigieren.
Der deutsche
Bevölkerungswissenschaftler
Jürgen DORBRITZ muss in den
Mitteilungen des Bundesinstituts
für Bevölkerungswissenschaften
vom 09.03.2001 gestehen, dass
"wir für den
Geburtsjahrgang 1965 vor einigen
Jahren noch Kinderlosenanteile
von mehr als 30 % erwartet
(haben). Die neueren Schätzungen
zeigen, dass sich über späte
Erstgeburten die
Kinderlosenanteile auf 27 %
verringert haben."
Weitere Korrekturen nach unten
sind vorprogrammiert.
Internationale Demografen wie
Ron
LESTHAEGHE
kritisieren diese deutsche
Praxis, bei der das steigende
Erstgebäralter nicht ausreichend
berücksichtigt wird. |
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Jürgen
Dorbritz im WWW
www.bib-demographie.de
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weiterführende
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