Sowohl für die taz als auch für die Welt bestätigt die Studie von Jutta ALLMENDINGER u.a. ihr jeweiliges Familienbild. Dorothea SIEMS sieht die geschwächte Position der Hausfrauenehe als Problem: 

"Vor allem (...) reagieren die jungen Leute darauf, dass die deutsche Gesellschaft beruflichen Erfolg wertschätzt, nicht aber Familien. Junge Menschen nehmen das Klima hierzulande als kinderfeindlich wahr. Politiker beklagen seit Jahren die niedrige Geburtenrate. Doch weder Krippen noch höheres Kindergeld oder das Elterngeld bewirkten eine Trendumkehr. Denn das Grundproblem bleibt: die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung für die enorme Anstrengung, die es bedeutet, Kinder großzuziehen. (...).Von der finanziellen Belastung ganz zu schweigen. Vielmehr signalisierte die Politik mit der Reform des Unterhaltsrechts, die Mütter im Scheidungsfall oft brutal bestraft, und mit der unsäglichen Debatte über das Betreuungsgeld, dass heute nur der berufliche Erfolg zählt.",

Dagegen sieht Simone SCHMOLLACK die Doppel-Karriere-Familien-Norm gestärkt:

"Gemeinsam haben Männer und Frauen das Überfällige geschafft: Birgit Kelle und ihre Hymne auf das Mutterdasein sind Schnee von gestern. Fast alle junge Frauen wollen arbeiten - auch wenn sie Kinder haben."

Während Meinungen die Stärke unserer meinungsstarken Kommentatorinnen sind, werden die Fakten dagegen schlampig präsentiert. So schreibt SCHMOLLACK über die Studie:

"Zwischen 2007 und 2012 hat das WZB in Kooperation mit dem Institut für Angewandte Sozial- und Marktforschung (infas) und der Frauenzeitschrift Brigitte insgesamt 2.000 junge Frauen und Männer zwischen 17 und 19 sowie zwischen 27 und 29 Jahren nach ihren Wünschen und Lebensrealitäten gefragt: Job, Karriere, Familie, Kinder, Geld, Partnerschaft"

In der FAZ heißt es dagegen:

"2007 wurden 2000 Männer und Frauen interviewt. Im vergangenen Jahr wurden davon 211 Männer und 290 Frauen, die heute zwischen 21 und 34 Jahren alt sind, zum dritten Mal befragt."

Und bei SIEMS lesen wir:

"Für die Studie wurden 2007 gut 2000 Männer und Frauen zwischen 17 und 19 Jahren beziehungsweise zwischen 27 und 29 Jahren ausführlich befragt. 2012 erfolgte bei 500 von ihnen eine Wiederholungsbefragung, um zu sehen, wie sich das Leben dieser Personen und ihre Einstellungen seither verändert haben. Knapp die Hälfte hat mittlerweile ein Kind bekommen, 80 Prozent sind berufstätig."

Was bitte soll der Leser mit diesen Fakten überhaupt anfangen? Außer, dass sie sich teilweise widersprechen, bleibt die "Lebensrealität" der Untersuchungspersonen doch sehr unklar.

"Knapp die Hälfte hat mittlerweile ein Kind bekommen, 80 Prozent sind berufstätig" wird in der Artikelüberschrift mit Karriere in jedem Fall - Kinder vielleicht übersetzt. Aus den Fakten geht jedoch hervor, dass lediglich 80 Prozent berufstätig sind - ob sie Karriere gemacht haben oder diese noch machen - lässt sich daraus also nicht entnehmen. Dass knapp die Hälfte Kinder hat, ist überraschend viel, wenn man bedenkt, dass ein Teil der Befragten nur 22-24 Jahre alt ist, während das Durchschnittsalter bei der ersten Mutterschaft bei ca. 30 Jahren liegt.

Mehr Fakten zur Auftragsstudie Frauen auf dem Sprung gibt es hier. Wer es ganz genau wissen will, der findet dort auch ein Diskussionspapier mit den Daten der 3 Befragungen aus den Jahren 2007, 2009 und 2012.

In den vergangenen Jahren wurde in den Medien und in einer bevölkerungspolitisch geprägten Wissenschaft viel von einer "Kultur der Kinderlosigkeit" geschwafelt. Neuere Längsschnittuntersuchungen - genauso wie die Brigitte-Studie - zeigen nun, dass Kinderwünsche bzw. "Wünsche nach Kinderlosigkeit" eher instabil sind:

"Im Jahr 2007 baten wir die jungen Frauen und Männer, uns die Zahl ihrer Kinder und ihren Kinderwunsch zu nennen. Damals wollten 12 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen keine Kinder. Über die Zeit ist der Anteil bei den Männern leicht auf heute 9 Prozent, bei den Frauen auf 7 Prozent gefallen. Hinter dieser Konstanz liegen jedoch erhebliche Bewegungen. Jeweils etwa die Hälfte der Frauen und Männer, die damals keine Kinder wollten, wünschen sich nun welche. Ebenso sagt etwa die Hälfte der Frauen und Männer, die damals Kinder wollten, dass sie sich nun gegen Kinder entschieden haben. Der Kinderwunsch ist also alles andere als stabil. Dies zeigt auch die Frage nach der Anzahl gewünschter Kinder. Von jenen 6 Prozent Männern und 14 Prozent Frauen, die 2007 bereits Kinder hatten und sich weitere wünschten, wollen 2012 nur noch ein Drittel der Männer und Frauen weitere Kinder. Entsprechend haben sich zwei Drittel der Männer und Frauen von diesem Wunsch verabschiedet. Wir sehen also, dass weder der Kinderwunsch noch die Kinderzahl fixe Größen sind. Der Wunsch nach Kindern ist aber konstant hoch, da jene, die nun keine Kinder mehr wollen, ersetzt werden durch jene, die Kinder wollen." (Diskussionspapier 2013, S.34)

Bedauerlicherweise wird dem Partnerschaftsstatus bei der Betrachtung des Kinderwunsches von Kinderlosen keine Beachtung geschenkt, obwohl neuere Studien die Wichtigkeit dieses Aspektes betonen. Da der Partnerschaftsstatus der Befragten außer Acht gelassen wird, ist die Umfrage in Bezug auf die Lebensrealität der Befragten insgesamt wenig aussagekräftig.