"Wie verändern sich soziale Beziehungen
in der Welt von heute? Nach gängiger Meinung
verwandeln sie sich mehr und mehr von angeborenen in
selbstgewählte Bindungen. Dass die Menschen so
schlicht zur Freiheit fortschreiten, gehört in den
Bereich der modernen Mythen. Anders, als wir
annehmen, sterben Herkunftsbindungen keineswegs ab.
Im Gegenteil, ihre Macht wird größer, je schneller
sich die Gesellschaft verändert. So bindet etwa, als
paradoxes Beispiel, die hohe Zahl an Scheidungen,
also die Auflösung von individuellen
Wahlbeziehungen, die Menschen wieder vermehrt an
ihre nichtgewählten Herkunftsgruppen. Die
Institution der Ehe wird durch die vielen
Scheidungen ebenfalls nicht geschwächt. Eher wird
der einzelne, unzureichende Partner individuell
aufgegeben als die kollektive Idee von Liebe und
Gemeinschaft. Warum tun wir uns dennoch so schwer,
die Wirklichkeit und Wirkungsmacht der Gefühle zu
akzeptieren?
Dieser Frage geht Karl Otto Hondrich in den acht
Essays dieses Bandes nach."
Pressestimmen
"Sigmund Freud, Georg Simmel und Emile Durkheim
(...) bilden die Phalanx wider alle Anhänger von
rational choice und Individualisierungschancen.
Statt lustvoller Entscheidungsfreiheit sieht
Hondrich »handfeste Normzwänge« am Werk; wo Ulrich
Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim die Vielfalt neuer
Lebensentwürfe preisen, hält Hondrich eine
Verschiebung des allgemeinen Wertesystems dagegen,
das die Selbstbestimmung wieder in ihre Schranken
weist."
(Dorian Weikmann in der
Süddeutschen Zeitung vom 25.08.2004)
"Die Aufsätze des Buches, die teilweise in
Tageszeitungen erschienen, richten sich daher auch
gegen jenen Trend in der Soziologie, den heutigen
Individualisierungsprozess als eine Erweiterung der
Freiheit und als Verwirklichung vernünftiger
sozialer Strukturen zu begreifen."
(Hans-Martin Schönherr-Mann am
27.12.2004 im DeutschlandRadio)