Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Sprachliche Bezeichnungen für
Unverheiratetgebliebene
1. Junggeselle und Hagestolz
2. Jungfrau und (alte) Jungfer
II. Die vorbürgerliche Gesellschaft und die
Unverheiratgebliebenen: Frühe Formen der
Diskriminierung
1. Diskriminierung im Diesseits: Rügebräuche in der
Fastnacht
a) Pflug- und Blochziehen
b) Ins Moos fahren
2. Diskriminierung im Jenseits: Verbannungsorte und
Strafarbeiten für verstorbene Alte Jungfern und
Junggesellen in der Sage
3. Diskriminierung in der Volkserzählung
a) Die Alte Jungfer im Schwank
b) Die Alte Jungfer im Witz
4. Junggesellenherrlichkeit und Altjungfernklage im
Volkslied
5. Alte Jungfern und Junggesellen im Bilderbogen
III. Die bürgerliche Gesellschaft und die
Unverheiratetgebliebenen: Vom Klischee zum Stereotyp
1. Alte Jungfern versus Sonderlinge und Hagestolze
bei Karl Julius Weber (1767 - 1832)
2. Das Bild des Sonderlings bei Carl Spitzweg (1808
- 1885)
3. Alte Jungfern und Junggesellen in den
Bildergeschichten, Gedichten und Prosawerken von
Wilhelm Busch (1832 - 1908)
4. Die Anatomie und Physiognomie der Alten Jungfer
bei Heinrich Ploss und Max Bartels
5. Sanfter Engel - böse Hexe: Die Alte Jungfer in
den Romanen der Eugenie Marlitt (1825 - 1887) und
Hedwig Courths-Maler (1867 - 1950)
IV. Die Instrumentalisierung des
Altjungfern-Stereotyps: Der Kampf der
bürgerlich-patriarchalischen Gesellschaft gegen
Frauenbildung und Frauenemanzipation
1. Einführung: Bürgerliches Frauenbild und
Frauenbewegung
2. Der Kampf gegen die "gebildeteten Weiber": Die
Alte Jungfer als Blaustrumpf
3. Die Diffamierung der berufstätigen Frauen:
Typische Frauenberufe und Altjungfern-Stereotyp
a) Die Gouvernante
b) Die Lehrerin
c) Die Chefsekretärin
4. Die emanzipierte Alte Jungfer in Boleslaw Prus'
Roman "Die Emanzipierten"
5. Vom Bubikopf zum Gretchenzopf: Ledig gebliebene
Frauen in der Zeit der Weimarer Republik und des
Nationalsozialismus
V. Das Fortleben der Stereotypen: Traditionelle
Denkmuster zwischen Spiel und Realität
1. Die Rekonstitution der bürgerlichen Familie und
das Bild der Unverheirateten in der Adenauerära
2. Der "eingefleischte Junggeselle" in Theater und
Film: Das Paradebeispiel des Henry Higgins
3. Helden, Käuze und Emanzen: Das Bild der
Unverheirateten im Comic
a) Familie Duck und Gans
b) Asterix und Obelix
4. Unverheiratete zwischen Frauenpower und
Singlekult: Die moderne Gesellschaft und das
Fortleben der Stereotypen
Schlußbetrachtung
Zitat:
Mangelnde
Akzeptanz des Single-Dasein in der
Gegenwartsgesellschaft
"Die kritische Beleuchtung der modernen Singlekultur
belegt die Dauerhaftigkeit der Stereotypen. Deren
Etablierung hat noch längst keine Anerkennung der
Ehe- und Partnerlosigkeit als gleichwertiger
Dauerlebensform bewirkt. Dies bezeugen nicht nur
sozialwissenschaftliche Untersuchungen. In einer
Gesellschaft, die die Ehe nach wie vor
verfassungsrechtlich und gesellschaftspolitisch
privilegiert und eheliche Gemeinschaften
diskriminiert, sind auch Unverheiratete in mancher
Hinsicht benachteiligt. Die Hauptprobleme liegen
aber nach wie vor in jenem Konglomerat aus
Vorurteilen, Klischees und psychisch-emotionalen
Grundeinstellungen, die Unverheiratete, sobald sich
ihre Lebensform als Dauerzustand und nicht als
mittlerweile akzeptierte Übergangslösung abzeichnet,
unter Rechtfertigungsdruck setzt. Und noch immer
sind Frauen stärker in die Defensive gedrängt als
Männer. Solange das Sozialprestige des Mannes in
stärkerem Maße von dessen beruflichen Image bestimmt
ist als das der Frau, wird sich daran auch wenig
ändern. Es darf daher in Frage gestellt werden, ob
der spielerische Umgang mit dieser Problematik, wie
er sich etwa in der modernen Frauen- und
Unerhaltungsliteratur findet, als Anzeichen für
einen nachhaltigen Wandel zum Besseren angesehen
werden kann. Solange auch hier zum Happy-End die
Hochzeitsglocken läuten müssen, scheinen die
Klischees ihre wenn auch relativierte Gültigkeit
unter Beweis stellen zu können." (S.307f.)