"Die soziale
Balance der Generationenverhältnisse ist
heute gestört. Die Generationsbilder der
Nachkriegszeit sind als Lebensmuster
verwischt und in den Hintergrund getreten.
Verschiedene Lebensalter werden von der
Öffentlichkeit nur noch als unterschiedliche
Konsumgenerationen mit spezifischen, von der
Werbung »gemachten« Bedürfnissen
wahrgenommen; Yuppies, Dinks,
Perspektivensucher, Nachkarrieristen,
jugendliche Sechsziger, aktive Siebziger...
Lothar Böhnisch und Klaus Blanc untersuchen
die politische und soziale Bedeutung dieser
Entwicklung und zeigen einen Weg zu einer
neuen Definition des
Generationenverhältnisses."
Zitate:
Die Verlagerung
der Herausbildung einer
Generationenidentität von der Jugendphase in
die Familienphase
"Die Jugendphase
als Ablösungsphase scheint (...) heute
längst nicht mehr die Lebensphase zu sein,
in der sich eine Generationenidentität, ein
gesellschaftliches Zeitverständnis aus der
Abgrenzung gegenüber der Elterngeneration
herausbilden kann. Eher machen wir die
Beobachtung, daß in späteren Lebensphasen,
wenn die Jugendlichen selbst Eltern geworden
sind und sich mit der Zukunft ihre Kinder
auseinandersetzen müssen, sich bei ihnen
eine Generationenidentät aus der Sorge um
die Zukunft der eigenen Kinder heraus
entwickelt." (S.71)
Die
Vorwegnahme der grünen Kinderpolitik
"(In) den letzten
Jahren (...)(haben sich) neue
Generationsfiguren - vor allem in den
sozialen Bewegungen - herausgebildet, die
sich von dem klassischen Modell der
Generationenhierarchie unterscheiden. Aus dem
Leitmotiv der Ökobewegung »Wir haben die
Erde nur von unseren Kindern geborgt, wir
müssen heute anders leben, damit unsere
Kinder morgen überleben können«, bildete
sich ein neues Verständnis des
Generationenverhältnisses aus. Nicht die
Kinder sind es, die sich unserem Tun und
seinen Folgen anzupassen haben, sondern wir
müssen unser heutiges Verhalten so
verändern, daß eine lebenswerte Zukunft
für unsere Kinder gewährleistet ist, auch
wenn wir damit unsere Gewohnheiten
grundlegend revidieren müssen. Vor diesem
Hintergrund verliert das Bild der jungen
Generation sein kulturell-avantgardistisches
Flair: Der Fortschrittsglaube der Moderne,
mit dem dieses Jugendbild verknüpft war, ist
obsolet geworden. Wir erleben ökosoziale
Bewegungen, in denen Männer und Frauen der
älteren Generation ihre Zeitsensibilität
öffentlich ausspielen und dadurch zu
Meinungsführern werden können."
(S.95f.)
Inhaltsverzeichnis
Generationenbeschwörung
Die Relativierung der Lebensalter
Generationenverständnis als Zeitverständnis
Stillstand der Generationendynamik
Der Riß oder die Generation des schlechten Gewissens
Familie und Jugend: Der verschwundene Konflikt
Rückblenden: Der "Kampf gegen die Väter"
Die neuen "Konsumgenerationen"
Die Nivellierung des Zeitverständnisses
Die übergangene Zeit: Generationenbilder auf dem Lande
Wiedergewinnung der gesellschaftlichen Orientierung
Weiblich Realität und patriarchalische Generationsmuster
Zeiterleben gegen die Mehrheitsgesellschaft
Die neuen Studentenproteste: Generationenfrage oder
Sozialkonflikt?
Das Ende der Generationenhierarchie
Das Gespenst der "demographischen Revolution"