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Michael Hartmann: Die geschlossene Gesellschaft des Topmanagements

 
       
     
       
     
       
   

Michael Hartmann in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • HARTMANN, Michael (2000): Die deutschen Spitzenmanager,
    in: Kursbuch Nr.139, Die deutschen Eliten, S.97-109
  • HARTMANN, Michael - Klassenspezifischer Habitus oder exklusive Bildungstitel als soziales Selektionskriterium? Die Besetzung von Spitzenpositionen in der Wirtschaft. In: Beate Krais (Hg.) An der Spitze. Von Eliten und herrschenden Klassen, Konstanz: UVK
  • HARTMANN, Michael & Johannes KOPP (2001): "Elitenselektion durch Bildung oder durch Herkunft? Promotion, soziale Herkunft und der Zugang zu Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft". In:
    Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, H. 3, S. 436 - 466.
  • HARTMANN, Michael (2002): Bildung und andere Privilegien,
    in: Kursbuch Nr.143, Neidgesellschaft, März, S.39-53
  • HARTMANN, Michael (2002): Bürgerkind sucht Bürgerkind.
    Nicht Leistung allein bestimmt beruflichen Erfolg, sondern viel wichtiger ist die soziale Herkunft,
    in: Welt v. 13.04.
    • Inhalt:
      Der Soziologe Michael HARTMANN hat die "Optionsgesellschaft" (Peter GROSS) unter die Lupe genommen und den Kern der Leistungsideologie auf seinen Wirklichkeitsgehalt überprüft. Sein ernüchterndes Ergebnis:
                  "Besonders benachteiligt sind (...) Arbeiterkinder, die es mit viel Mühe und Anstrengung bis zum Doktortitel geschafft haben. In den 400 Spitzenunternehmen hat gerade einmal jeder 200ste von ihnen eine Topposition erreicht. In den anderen großen Firmen war es insgesamt auch nur jeder siebzehnte. Während der letzten vier Jahrzehnte hat sich dieser Unterschied nicht etwa verringert, wie man angesichts der Bildungsexpansion und der von früheren SPD-Regierungen verkündeten Formel von der Chancengleichheit hätte annehmen können, sondern vertieft. Die Aussichten auf eine Topposition sind für die Sprösslinge des gehobenen Bürgertums bis auf das Zweieinhalbfache gestiegen, für die des Großbürgertums sogar bis auf das Fünffache."
                  HARTMANN erklärt dieses Ergebnis folgendermaßen:
                  "Die erheblich besseren Karriereaussichten für Bürgerkinder (...) resultieren im Kern aus der Tatsache, dass die Personen, die an der Spitze der Unternehmen stehen und damit über die Besetzung der Toppositionen entscheiden, für diese Positionen jemanden suchen, der ihnen im Habitus gleicht oder zumindest ähnelt: Bürgerkinder suchen Bürgerkinder. Die entscheidenden Besetzungskriterien: intime Kenntnis der Benimmcodes, breite Allgemeinbildung, unternehmerisches Denken sowie vor allem persönliche Souveränität begünstigen".
  • HARTMANN, Michael (2003): Und immer wieder der "Stallgeruch".
    Von einer sozialen Öffnung der gesellschaftlichen Eliten kann keine Rede sein,
    in: Frankfurter Rundschau v. 28.01.
  • HARTMANN, Michael (2003): Macht muß gelernt sein.
    Die Rekrutierung der deutschen Wirtschaftselite ist keine Frage der Leistung, die bringt man mit,
    in: junge Welt v. 19.09.
    • Kommentar:
      Viel ist zur Zeit vom PISA-Schock zu lesen, wenig dagegen von den weiterführenden Schulen.

                "Voll krasse Bildung" heißt ein Artikel von Martin KRAUSS in der Jungle World. Dort wird auf das Problem der Migrantenkids hingewiesen:
                "Was fürs linke und linksliberale Milieu gern gesehener Anlass ist, über Kanaksprak aus »krass«, »voll konkret« und »ey, Alter« zu lachen, zeigt doch, dass auch hier die Vielfältigkeit dieser Gesellschaft nicht zur Kenntnis genommen wird. Ohne Übertreibung: Die beinah einzige Chance zum sozialen Aufstieg für Millionen Migrantenkids besteht darin, bei RTL als Superstar entdeckt zu werden oder einen Vertrag als Profiboxer zu erhalten."
                Schulbildung ist jedoch nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für den sozialen Aufstieg.
                Das ist das Thema des Soziologen Michael HARTMANN. Nicht Leistung zählt in der geschlossenen Gesellschaft, sondern die Herkunft bestimmt in erster Linie die Zugehörigkeit zur Wirtschaftselite.
                HARTMANN kritisiert aus dieser Perspektive auch die Gerechtigkeitsvorstellungen des SPD-Generalsekretär Olaf SCHOLZ.
  • HARTMANN, Michael (2004): Aus besseren Kreisen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 27.01.
    • Inhalt:
      Michael HARTMANN wendet sich gegen den Missbrauch seiner Studien in der aktuellen Elitedebatte:

            
         "Wenn jetzt überall, oft unter Bezug auf meine Forschungsergebnisse zur Selbstrekrutierung der deutschen Eliten, nach Leistungseliten durch Elite-Unis gerufen wird, so ist das irreführen. Wer an größerer Leistungsgerechtigkeit und auch an einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit unseres Bildungssystems interessiert ist, der müsste über die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems und eine Anhebung der Hochschuletats in der Breite nachdenken. Und nicht über Elite-Unis. "
  • HARTMANN, Michael (2004): Freie Bahn den Aufsteigern!
    Der Umbau des Hochschulwesens wird nicht nur von den Unternehmerverbänden forciert, sondern auch von den sozialen Aufsteigern, die Vorteile für ihre Kinder sichern wollen,
    in: Jungle World Nr.7 v. 04.02.
    • Inhalt:
      Michael HARTMANN schreibt über die gesellschaftlichen Interessen an Eliteuniversitäten:

            
         "Ausschlaggebend für die derzeit verfolgte Bildungspolitik ist (...) das soziale Kräfteverhältnis. Es wird geprägt durch die Interessen erheblicher Kreise des Bürgertums, vor allem unter den (zum Teil vom sozialen Abstieg bedrohten) akademischen Freiberuflern und höheren Beamten, und der sozialen Aufsteiger der sechziger und siebziger Jahre. Sie bestimmen, erstere bei CDU/CSU und FDP, letztere bei SPD und Grünen, den Kurs in Fragen der Schul- und Hochschulbildung, da es trotz der Proteste der Studierenden insgesamt nur relativ geringen Widerstand in der Gesellschaft gibt. Für sie sind dabei zwei Fragen vorrangig: Wie kann dem eigenen Nachwuchs eine gute Ausbildung garantiert werden, ohne dass die Ausgaben für das Bildungssystem deutlich erhöht werden und damit die eigene steuerliche Belastung steigt bzw. geplante Entlastungen nicht realisiert werden können? Und wie kann die eigene soziale Stellung qua Bildungsabschluss an die eigenen Kinder vererbt werden?
      Für den schulischen Bereich lautet die Antwort eindeutig: Beibehaltung der Dreigliedrigkeit. Sie sorgt vergleichsweise effektiv dafür, dass der Nachwuchs aus der Arbeiterschaft und auch aus den unteren und mittleren Angestellten- und Beamtenhaushalten frühzeitig aussortiert wird. Dadurch verbessert sich nicht nur die Konkurrenzlage der eigenen Kinder wesentlich, die überproportional hohen Aufwendungen für die Gymnasialausbildung können so auch gesichert werden.
      "
  • HARTMANN, Michael (2005): Elite ist nicht gleich Leistung.
    Soziologe Hartmann fordert sozial gerechte Leistungsförderung,
    in: DeutschlandRadio v. 27.12.
  • HARTMANN, Michael (2006): Die Vertiefung der Unterschiede.
    Privatisierung der Bildung Teil 3: Die Exzellenzinitiative der Bundesregierung und die Einführung von Studiengebühren werden die Gesellschaft weiter spalten,
    in: Freitag Nr.35 v. 01.09.
 
       
   

Michael Hartmann: Gespräche und Porträts

 
   
  • KRAUTER, Ralf & Andreas SENTKER (2003): "Elitenförderung: Chancengleichheit - Die große Illusion?".
    Zeitforum der Wissenschaft. Transkript der Veranstaltung am 6. Oktober 2003 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften,
    in: Die ZEIT Nr.43 v. 16.10.
    • Inhalt:
      Der Soziologe Michael HARTMANN, der mit "Der Mythos der Leistungselite" das wichtigste aktuelle Buch zum Thema Elite verfasst hat, wehrt sich gegen eine allzu beliebige Definition der Elite:

                "Ich würde als Elite die Gruppen in der Gesellschaft definieren, die wirklich in der Lage sind, auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen Einfluss zu nehmen, die entscheidende Positionen in der Wirtschaft, in der Politik, in der Verwaltung, in der Wissenschaft einnehmen. Aber es wäre kein Boris Becker dabei geschweige denn Verona Feldbusch. Solche Sport- und Showstars werden ja oft auch als Elite tituliert."
  • WURZBACHER, Ralf (2004): Kanzler träumt von Eliteunis: Pfründe für die Oberschicht?
    jW sprach mit Michael Hartmann, Soziologieprofessor an der Technischen Universität Darmstadt,
    in: Junge Welt v. 08.01.
    • Kommentar:
      Der Elitenforscher Michael HARTMANN, der mit "Der Mythos der Leistungselite" das wichtigste Buch der letzten Jahre zum Thema geschrieben hat, kritisiert die Idee der Eliteuniversitäten, weil sie den starken Einfluss der sozialen Herkunft noch weiter verstärkt:

            
        "Die Qualität von Eliteinstitutionen beruht stets darauf, daß für diese unverhältnismäßig viele Mittel zur Verfügung gestellt werden. So entfällt zum Beispiel auf die französischen Elitehochschulen, die gerade einmal gut 100 000 von insgesamt über 2,1 Millionen Studierenden besuchen, mehr als ein Drittel der gesamten Hochschulfinanzen. Davon profitiert aufgrund einer scharfen sozialen Selektion vor allem der Nachwuchs der »besseren Kreise«."
            
        Wie der Politologe Franz WALTER weist HARTMANN darauf hin, dass sich inzwischen ein linkes Establishment entwickelt hat, das in einem Bündnis mit der alten Mitte ihren Besitzstand zu wahren versucht:
            
        "Heute werden auch die Kinder von Chefärzten, Professoren oder Managern überwiegend in den staatlichen Hochschulen ausgebildet, und das ist aufgrund der Finanzprobleme eine Ausbildung mit vielerlei Mankos. Deshalb ist es politisches Ziel maßgeblicher bürgerlicher Kreise, für den eigenen Nachwuchs gute Studienbedingungen auf Kosten der restlichen Bevölkerungsteile zu garantieren. Verhängnisvoll ist, daß inzwischen viele Aufsteiger der 60er und 70er Jahre, die vor allem in der SPD zu finden sind, mit den Bürgerlichen eine Allianz bilden und ihren infolge der damaligen Öffnung des Bildungssystems erreichten Status für die eigenen Kinder ebenfalls mittels Abschottung sichern wollen."
            
        Single-dasein.de hat diese neue Allianz von alter und neuer Mitte bereits vor längerer Zeit als Bobokratie bezeichnet.
            
        Die Bobos wurden von dem Konservativen David BROOKS in Amerika zu einem Zeitpunkt ins Gespräch gebracht, als auch dort dieses neue Bündnis bereits erfolgreich praktiziert wurde.
  • RUNGE, Heike (2004): "Es geht gar nicht um Leistung".
    Spitzenkarrieren sind von der Herkunft abhängig. Der Soziologe Michael Hartmann über den Mythos von der Chancengleichheit,
    in: Jungle World Nr.44  v. 20.10.
  • WURZBACHER, Ralf (2004): "Soziale Selektion wird zementiert".
    Kritik am dreigliedrigen Schulsystem bedeutet noch keinen Sinneswandel. Ein Gespräch mit Michael Hartmann,
    in: junge Welt v. 30.10.
  • HARTUNG, Manuel (2006): Der Linke als Libero.
    Er ist einer der letzten Marxisten im deutschen Wissenschaftsbetrieb. Michael Hartmann kämpft mit empirischen Studien gegen Eliteuniversitäten und Studiengebühren,
    in: Die ZEIT Nr.4 v. 19.01.
    • Inhalt:
      HARTUNG porträtiert den Elitenforscher Michael HARTMANN:

                
      "Geboren im erzkatholischen Paderborn, der Vater Finanzchef des Erzbistums, lernte Hartmann die Kirchengrößen kennen, »die leuchtende Fassade vor einem schwarzen Abgrund«, sagt er. (...).
                
      An der Universität deutete alles auf eine Blitzkarriere hin. Mit 24 war er Magister, mit 26 in Hannover promoviert, mit 30 in Osnabrück habilitiert, »soweit ich weiß, als einer der drei jüngsten in der Soziologie«. Doch dann folgte ein elend langer Marsch zum Lehrstuhl: (...). Siebzehn lange Jahre wartete Hartmann auf einen erfolgreichen Ruf, erst im Alter von 47 Jahren klappte es in Darmstadt"
  • Neu:
    HANK, Rainer (2008): Der Elitenforscher.
    Karriere machen zumeist Kinder aus der Oberschicht. Sagt Professor Hartmann. Neu ist die These nicht. Aber sie kommt so gut an wie nie,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.06.
 
       
   

Eliten und Macht in Europa (2007).
Ein internationaler Vergleich
Frankfurt a/M: Campus

 
   
 
 

Klappentext

"Das Zusammenwachsen Europas ist vor allem ein Projekt der Eliten. Allerdings sind deren soziale Herkunft, Bildungswege und Karrieremuster je nach Land höchst unterschiedlich. Unterschiedlich fällt auch die Einkommens- und Vermögensverteilung in den einzelnen europäischen Ländern aus. Gibt es zwischen der Struktur der Eliten und der sozialen Ungleichheit einen Zusammenhang?

In seinem aktuellen Buch zeigt Michael Hartmann, wer Europas Eliten sind und wer die europäische Politik und Wirtschaft maßgeblich beeinflusst. Neben den drei großen EU-Ländern Deutschland, Frankreich und Großbritannien nimmt er die Eliten aus Italien, Spanien, Österreich, den Niederlanden, Skandinavien, der Schweiz und vielen weiteren, auch osteuropäischen Ländern in den Blick. Nach wie vor, so sein Ergebnis, herrschen nationale Rekrutierungs- und Aufstiegsmuster vor. Die Herkunft und Homogenität der Eliten steht dabei in direktem Zusammenhang mit der sozialen Ungleichheit. Allgemein gilt: Je exklusiver und homogener eine nationale Elite, umso größer die Kluft zwischen Arm und Reich."

 
 
 
       
   
  • Rezensionen

  • WAGNER, Gert G. (2008): Klasse Gesellschaft.
    Der renommierte Soziologe Michael Hartmann analysiert in seinem neuen Buch solide, klug und faktenreich "Eliten und Macht in Europa",
    in: TAZ v. 29.03.
  • WIDMANN, Arno (2008): Wie man ein Nadelöhr herstellt.
    Nationale Eliten gibt es jede Menge; eine europäische ist noch lange nicht in Sicht: Michael Hartmann legt Selektionsmechanismen unters Mikroskop,
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.04.
 
       
   

Elitesoziologie (2004).
Eine Einführung
Frankfurt a/M: Campus

 
   
 
 

Klappentext

"Über Eliteuniversitäten und die Notwendigkeit von Eliten wird zurzeit heftig diskutiert. Aber was sind eigentlich Eliten? Was zeichnet sie aus? Sind Eliten und Demokratie überhaupt miteinander vereinbar? Michael Hartmann stellt im ersten Teil dieser Einführung die wichtigsten Elitetheorien der letzten 120 Jahre - von Mosca bis Bourdieu - in ihren wesentlichen Elementen vor und kommentiert sie kritisch. Ebenso wichtig für jeden, der sich mit Elitesoziologie beschäftigt, ist die Analyse der Eliten in den entwickelten Industrieländern, die Gegenstand des zweiten Teils sind: Wer besetzt in Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Justiz oder Wissenschaft die Spitzenpositionen und welches sind ihre Funktionen? Michael Hartmann stellt dar, wie sich die maßgeblichen Eliten in den fünf größten Industriestaaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan und USA) rekrutieren, und untersucht ihre soziale Herkunft und Homogenität. Damit verbindet er auf anschauliche Weise Theorie und Empirie dieses wichtigen Teilgebiets der Soziologie."

 
 
 
       
   
  • Rezensionen

  • fehlen noch
 
       
   

Der Mythos von den Leistungseliten (2002).
Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft
Frankfurt a/M: Campus

 
   
 
 

Klappentext

"Geschlossene Gesellschaft! – Für Spitzenkarrieren in Deutschland ist die soziale Herkunft ausschlaggebend, nicht die individuelle Leistung. Die hier untersuchten Berufsverläufe von Ingenieuren, Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern zeigen, dass die Promotion noch lange nicht den Weg zu Top-Positionen in der Wirtschaft ebnet. Die größten Chancen haben Promovierte, die aus dem gehobenen oder dem Großbürgertum stammen. Die soziale Öffnung des deutschen Bildungswesens hat bislang nicht zur sozialen Öffnung der Eliten geführt."

Rezensionen

"Hartmanns Studie legt eine unangenehme Konsequenz nahe: Die vermehrten Bildungschancen haben die sozialen Schranken der bürgerlichen Gesellschaft nicht durchlässiger gemacht. Im Zeitalter der Flexibilität steht vieles zur Disposition, aber nicht die Verteilung von Herrschaft, Reichtum und Einfluss. (...).
»Der Mythos der Leistungseliten« demontiert damit auch die geläufigen Soziologien der Gegenwart. Gegen die Vertreter von Individualisierung und Bastelbiografie beharrt Michael Hartmann auf der Stärke der sozialen Kräfte. Wo man herkommt, das bestimmt den Lebens- und Bildungsweg: über die ungleiche Verteilung der Chancen und über den Habitus."
(Ulrich Brieler in der TAZ vom 09.10.2002)

 
 
 
       
     
   
  • Die Studie in der Debatte

  • FEUCK, Jörg (2001): Elternhaus dient als Sprungbrett.
    Herkunft entscheidet noch immer über Akademikerkarrieren,
    in: Frankfurter Rundschau v. 04.01.
  • FRISCHEN, Konstanze (2001): "Nicht Bildung zählt, sondern Herkunft".
    Studie: Keine Chancengleichheit in der Wirtschaft,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.04.
  • REITER, Markus (2001): Geschlossene Gesellschaft.
    Die Leistungsgesellschaft als geschlossene Veranstaltung,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.06.
    • Kommentar:
      Der Darmstädter Soziologe Michael HARTMANN hat die Leistungsgesellschaft an ihren Ansprüchen gemessen und festgestellt, dass nicht allein die Leistung zählt, sondern die Herkunft ausschlaggebend ist (der Franzose Pierre BOURDIEU verwendet dafür den Begriff "Habitus"). Gehobenes Bürgertum und Großbürgertum dominieren die Führungsetagen der Wirtschaft - auch der New Economy. Also nichts mit Yetties! Einen Trost gibt es dann doch noch: "Die politischen Eliten, vor allem in den Volksparteien, sind, was ihre soziale Herkunft angeht, deutlich heterogener. Dies liegt an den unterschiedlichen Rekrutierungsmechanismen von Politik und Wirtschaft. Schließlich muß sich ein Minister auch im Bierzelt wohl fühlen."
    • KÜHNE, Anja (2002): Man erkennt sich.
      In Deutschland läuft Karriere wie in der englischen Klassengesellschaft: Die soziale Herkunft entscheidet
      in: Tagesspiegel v. 30.01.
    • SCHRÖTER, Barbara (2002): Habitus statt Leistung.
      Eine Studie über die Karrieren deutscher Topmanager unterstreicht den Einfluss der sozialen Herkunft,
      in: Welt v. 02.02.
    • NIEJAHR, Elisabeth (2002): Das Märchen vom Aufstieg.
      Die Deutschen glauben, dass es jeder nach oben schaffen kann. Falsch: Von den eigenen Bürgern unbemerkt, ist das Land zur Klassengesellschaft mutiert. Der Sozialstaat muss sich auf die Armen konzentrieren,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 08.05.
      • Kommentar:
        Elisabeth NIEJAHR berichtet über einen Sachverhalt, der in der Kontroverse Familien contra Singles gerne verdrängt wird und mittels Begriffen wie "Generationengerechtigkeit" (siehe hierzu ausführlicher Christoph BUTTERWEGGE) ausgeblendet wird:
             
        "Auf absehbare Zeit wird das soziale Gefälle innerhalb der Generationen größer bleiben als das zwischen den Generationen." Deshalb fordert NIEJAHR:
             "Die Politiker wären gut beraten, weniger zwischen Kinderreichen und Singles und stärker zwischen armen und reichen Familien zu unterscheiden."
             Familienrhetoriker behaupten, dass die Lebenschancen von der Haushaltsform abhängig sind, tatsächlich sind sie jedoch bildungs- bzw. milieuabhängig. Dies gilt nicht nur für die Aufstiegschancen im Beruf (siehe hierzu Michael HARTMANN), sondern auch für die Heiratsmuster (siehe Heike WIRTH).
             
        Familienrhetoriker setzen Singles mit Yuppies gleich, obwohl die Spaltung der Gesellschaft auch die Gruppe der Alleinlebenden spaltet. Für Deutschland ersetzen immer noch Vorurteile empirische Untersuchungen. In Frankreich hat der Soziologe Jean-Claude KAUFMANN 1999 ein Buch zum Thema veröffentlicht, das kürzlich unter dem Titel "Singlefrau und Märchenprinz" auch in Deutschland erschienen ist.
             Obwohl das Buch die partnerlose Frau in den Mittelpunkt stellt, so wird jedoch sichtbar, dass männliche Partnerlose im mittleren Lebensalter die Modernisierungsverlierer sind. Sein Fazit:
             "Die Kennzeichnung der Armut durch Einsamkeit ist öfter männlich, während die Kennzeichnung des gesellschaftlichen Erfolgs durch Autonomie häufiger weiblich ist. Alleinlebende Männer findet man häufiger unten auf der gesellschaftlichen Leiter, alleinlebende Frauen häufiger oben." Dies gilt für männliche Partnerlose außerhalb von Einpersonenhaushalten noch viel mehr: "eine eigene Wohnung zu haben, stellt bereits einen Indikator sozialer Integration dar. Situationen gesellschaftlich viel schwerer wiegender Einsamkeit sind hingegen mit ganz anderen Wohnsituationen verknüpft (...). Untergebracht bei Verwandten, bei Freunden, in Heimen. Und nicht zu vergessen die Wohnungslosen."
             
        Die familienpolitische Debatte in Deutschland verhindert, dass dieser Skandal bei uns öffentlich verhandelt wird. Die Studie von Stefan HRADIL zur "Single"-Gesellschaft enthält deutliche Hinweise darauf, dass die Einschätzung von Jean-Claude KAUFMANN auch für Deutschland zutrifft.
             
        Was muss passieren, bis dies endlich zur Kenntnis genommen wird?
    • WÜLLENWEBER, Walter (2003): Das Märchen von der Chancengleichheit.
      Es war einmal eine Gesellschaft, die glaubte: Wer tüchtig ist, kann es nach ganz oben schaffen. Sogar Arbeiterkinder. Neue Studien enthüllen den Selbstbetrug der Deutschen: Noch immer ist die Elite eine GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT. Eines der wichtigsten politischen Ziele der Nachkriegszeit wurde verfehlt,
      in: Stern Nr.30 v. 17.07.
      • Kommentar:
        Bereits seit über einem Jahr wird bei single-dasein.de immer wieder auf die Studie "Der Mythos der Leistungselite" von Michael HARTMANN hingewiesen.

              
           Nun hat Walter WÜLLENWEBER das wichtige Thema in einer Titelgeschichte aufgegriffen.
              
           Dass unsere Elite kein Interesse daran besitzt, dass der Mythos hinterfragt werden kann, das zeigen die Probleme bei der Recherche:
              
           "Im deutschen »Wer ist wer?« fehlen - anders als im internationalen »Who's Who« - die Angaben über den familiären Hintergrund der Wichtigen im Land. Als der stern die Vorstandsvorsitzenden der 30 Dax-Unternehmen nach ihrer familiären Herkunft fragte, wollten 23 zunächst keine Auskunft geben. Viele hielten die Frage für einen unanständigen Angriff auf ihre Privatsphäre. Den deutschen Chefs gefällt ihr Bild, wonach sie aus dem Nichts aufgetaucht sind und sich einzig durch ihre Leistung an die Spitze gearbeitet haben. Und die Öffentlichkeit glaubt die Legende gern."
    • SPÖRRLE, Mark (2003): Wie man in Deutschland reich wird.
      Die meisten großen Vermögen sind über mehrere Generationen entstanden. Durch harte Arbeit kann man es auch heute zu Geld bringen - aber richtig reich werden hierzulande vor allem die Erben,
      in: Die ZEIT Nr.47 v. 13.11.
      • Inhalt:
        Mark SPÖRRLE berichtet über Reichtum in Deutschland:

              
          "Wer die Gnade der richtigen Geburt hat, sagt Michael HARTMANN, profitiere oft gleich doppelt. Aus den Lebensläufen von Inhabern lukrativer Jobs – Chefärzten, Geschäftsführern – liest er ab, dass diese in der Regel aus Familien kommen, in denen schon der Vater Professor oder Vorstandsvorsitzender war. Der Filius bewegt sich von Kind an in den Kreisen, in die andere erst mühsam und oft vergeblich versuchen müssen aufzusteigen. Und als Startkapital für späteren Reichtum bekommt er Vaters Villa und das Wertpapierdepot.
        Wer viel hat, der kriegt noch mehr
        Noch nie hatten Erben in Deutschland die Möglichkeit, so schnell so reich zu werden. Die Generation ihrer Eltern erlebte eine einzigartige Phase des wirtschaftlichen Wachstums, und sie hat ihr Geld zusammengehalten. Jeder zweite Seniorenhaushalt verfügt über Wohnungen, Häuser oder Grundstücke. Ein Viertel aller Familienunternehmen, die einen Nachfolger brauchen, steht zum Verkauf. Bis zum Jahr 2010, schätzen Finanzexperten, wird Vermögen in Höhe von zwei Billionen Euro vererbt werden.
        Dieser Batzen wird ungleich verteilt. Westdeutsche erben häufiger und größere Summen als Ostdeutsche, Hauptschüler erben seltener als Akademiker, und, natürlich, Kinder von Reichen kriegen am meisten. Und da man in den oberen Schichten auch bei der Partnerwahl gern unter sich bleibt, kommen auf einen Bessergestellten-Haushalt oft gleich zwei erkleckliche Erbschaften: Wer hat, der kriegt.
        "
    • BUGGELN, Marc (2004): das Schreckbild "Masse".
      Bürgerliches Mantra. Zur Geschichte und Entwicklung des Elitebegriffs,
      in: Freitag Nr.5 v. 23.01.
      • Inhalt:
        "
        Die angeblich »demokratische« Elitetheorie ist die Grundlage, auf die sich der Elite-Begriff stützt, der uns nun von Grünen und SPD präsentiert wird. Schröder wie Fischer betonen, dass sie eine Elite wollen, wenn sie denn auf Leistung beruhe, womit sie nur das alte bürgerliche Mantra wiedergeben. Doch wie sieht es konkret aus mit der Elite, die auf Leistung beruht? Studien der TU Darmstadt (unter anderem von Michael Hartmann) haben gezeigt, dass es mit der Bedeutung der Leistung bei der Kooptierung der höchstbezahlten Fachkräfte nicht weit her ist. So sitzen in den Vorständen großer deutscher Unternehmen fast ausschließlich Angehörige des Groß-Bürgertums, während andere Schichten trotz vergleichbarer Leistungen keinen Zutritt zu den Vorstandsetagen haben. Warum? Weil bei Bewerbern mit ähnlichen Leistungen die Entscheidung der Vorständler fast immer nach dem Kriterium ausfällt, wer ihnen im Habitus am ähnlichsten ist. Nicht viel anders sieht es bei der Besetzung von Professoren-Stellen aus. Auch hier wird von der Berufungskommission oftmals der Habitus und die Souveränität stärker bewertet als die an Veröffentlichungen oder Lehrerfahrung ablesbare Leistung. So sitzen in Deutschland in allen Studiengängen Vertreter des Groß- und Bildungsbürgertums auf über 90 Prozent der Professorenstellen. Trotzdem ist laut Hartmann die soziale Durchlässigkeit an den Universitäten größer als in Unternehmen, da das Verfahren an der Uni formaler ist und Personen aus unterschiedlichen Statusgruppen an ihm beteiligt sind. Er zieht daraus den Schluss, dass wenn man Leistung fördern wolle, man erstens die Verfahren stärker formalisieren und zweitens die Leistung von Menschen aus sogenannten »bildungsfernen Schichten« höher bewerten müsste als bei denen, die lediglich den Habitus ihrer Eltern reproduzieren.
        Von solchen Vorschlägen ist aber in der Debatte kaum etwas zu vernehmen
        ", wirft BUGGELN in die Elite-Debatte ein.
 
       
   

Topmanager (1996)
Die Rekrutierung einer Elite
Frankfurt: Campus

 
   
 
 

Klappentext

"Nach wie vor sind die Bosse der Großunternehmen die unbekannteste aller Eliten. Welchen Eigenschaften verdanken sie ihren Aufstieg? Diese Studie gibt klare Antworten: Die deutschen Topmanager stammen ganz überwiegend aus den oberen Klassen und Schichten und können zu vier Fünfteln einen Hochschulabschluß vorweisen. Ausschlaggebend für ihre Karriere ist aber weniger der formale Bildungsabschluß als vielmehr persönliche Eigenschaften wie Souveränität, Allgemeinbildung oder unternehmerisches Denken - also der herkunftsspezifische Habitus der Kandidaten. Hartmann trägt mit seinen Ergebnissen, die er sowohl statistischem Material als auch qualitativen Intensivbefragungen verdankt, zu einer erheblichen Relativierung der derzeit gängigen Individualisierungs- und Pluralisierungstheorien bei."

 
 
       
   
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