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Michael Hüther: Bevölkerungsorientierte Familienpolitik

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1962 geboren
      Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Mittleren und Neueren Geschichte
 
       
     
       
   

Michael Hüther in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

HÜTHER, Michael/KLÖS, Hans-Peter/SEYDA, Susanne (2005): Zur Verzahnung von Familienpolitik und Bildungspolitik.
Eine wirtschaftspolitische Einordnung,
In: Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, Heft 2, August, S.139-159

HÜTHER, Michael (2006): Bevölkerungsorientierte Familienpolitik. Wachstumspolitische Vorsorge. In: Klaus F. Zimmermann (Hg.) Deutschland - was nun? Reformen für Wirtschaft und Gesellschaft, München: DtV, S.131-147

HÜTHER, Michael (2012): Verantwortung zeigen.
Das Alter darf nicht nur als Zeit der besonderen Sorge und des besonderen Schutzbedarfs verstanden werden. Sieben Thesen zur Demografiepolitik,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.10.

Michael HÜTHER, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, zitiert aus dem 6. Altenbericht, bei dem er als Mitglied der Kommission mitgewirkt hat. Aus Sicht der Wirtschaft präsentiert HÜTHER 7 Thesen, die den Rückzug der Unternehmen aus der gesellschaftlichen Verantwortung flankieren, indem sie die Verantwortung allein bei den Bürgern sehen. Der demografische Wandel dient als willkommener Anlass, um profitable Märkte (z.B. durch Abbau der sozialen Sicherung) und noch günstigere Rahmenbedingungen zur Sicherung der Ressource Arbeitskraft (z.B. "Pflicht zur Bildung", "Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen") zu schaffen.

Der Demografie-Gipfel der Bundesregierung in der Debatte

Neu:
HÜTHER, Michael (2016): Der unbemerkte Wandel.
Das Land hat sich längst stärker verändert, als manche es wahrhaben wollen. Diesen Vorsprung müssen wir ausnutzen,
in:
Die ZEIT Nr.4 v. 21.01.

Michael HÜTHER, Lobbyist der deutschen Wirtschaft, singt ausnahmsweise ein Loblied auf den Standort Deutschland:

"Auch auf den demografischen Wandel hat Deutschland reagiert. Die seit Langem bekannte Überforderung des Umlageverfahrens durch eine alternde Bevölkerung führt zu zwei folgerichtigen Ableitungen: Einerseits wurde das Umlageverfahren systematisch durch eine kapitalgedeckte private sowie die betriebliche Altersvorsorge ergänzt. Andererseits wurden Frühverrentungsanreize abgebaut, das effektive Rentenalter heraufgesetzt. Die Perspektive des längeren Arbeitens in einer Welt des (immer) längeren Lebens wurde gesellschaftlich akzeptiert. Inzwischen hat sich die Einschätzung der »gewonnenen Jahre« durchgesetzt, daran wird auch der Irrweg der abschlagfreien Rente mit 63 nichts ändern."

Die Redewendung "gesellschaftlich akzeptiert" darf nicht als "von der Bevölkerung akzeptiert" übersetzt werden, sondern als "von den Eliten politisch durchgesetzt". Denn:

"Die ökonomischen Effekte und die verteilungspolitische Stabilisierung der gesellschaftlichen Mitte haben den Wandel trotz seiner tabubrechenden Qualität durchsetzbar gemacht."

Eine solche schönfärberische Sichtweise versperrt den Blick darauf, dass sich die Mittelschicht in Deutschland polarisiert hat. Mit gesellschaftlicher Mitte sind diejenigen gemeint, die sich der oberen Mittelschicht zugehörig fühlen.

 
       
   

Michael Hüther im Gespräch

 
       
   

MÜLLER, Uwe & Joachim PETER (2006): "Das ist dramatisch".
Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, über Kinder und Konjunktur,
in: Welt v. 14.03.

PETER, Joachim (2006): "Das klingt brutal, aber der Staat hat keine Wahl".
IW-Direktor Michael Hüther fordert familienfreundliche Firmen und will gute Eltern mit höherer Rente belohnen,
in: Welt v. 29.06.

SCHMOLLACK, Simone (2010): "Mehr Vätermonate sind falsch".
Elterngeld: Zwölf Monate Elternzeit reichen, sagt Wirtschaftsexperte Michael Hüther: Die geplante Verlängerung gehe zu Lasten der Berufstätigkeit von Müttern und Vätern,
in:
TAZ v. 09.04.

 
       
   

Michael Hüther in der Debatte

 
       
   

EIGENDORF, Jörg & Martin GREIVE (2009): Keine Trendwende bei den Geburtenzahlen.
Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder - Den Bevölkerungsschwund hält das nicht auf, sagt Michael Hüther,
in: Welt v. 31.12.

ALLMENDINGER, Jutta (2010): Von wegen gleicher Lohn!
Die Schlagzeile, dass Frauen doch fast so viel wie Männer verdienen, entspricht nicht der Realität. Es gilt immer noch: Der Heiratsmarkt ist für Frauen lukrativer als der Arbeitsmarkt,
in:
Tagesspiegel v. 16.11.

 
       
       
   

Bevölkerungsorientierte Familienpolitik (2006).
Wachstumspolitische Vorsorge.
In: Klaus F. Zimmermann (Hg.) Deutschland - was nun? Reformen für Wirtschaft und Gesellschaft, München: DtV, S.131-147

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

Gewandelte Familienstrukturen: Weniger Ehen, mehr Doppelverdiener, höhere Sozialhilfebedürftigkeit
Familiärer Hintergrund bestimmt Bildungserfolg
Familienpolitische Leistungen in Deutschland: Am Geld liegt es nicht!
Folgen eines doppelten Versagens: Wachstumsschwäche und Gerechtigkeitsdefizite
Ein neues Leitbild für die Familienpolitik
Familienpolitik und Bildungspolitik als zwei Seiten einer Medaille
Mehr ökonomische Ratio für die Familienpolitik

Zitate:

Die kinderlose Ehe ist in Deutschland auf dem Vormarsch

"Immer öfter verzichten Eheleute (...) ganz auf Kinder, so dass der Anteil der kinderlosen Ehen an allen Familien inzwischen fast gleich hoch liegt wie der von Ehen mit Kindern. 1999 bekamen westdeutsche Frauen im Durchschnitt 1,4, ostdeutsche Frauen 1,1 Kinder. 1960 waren es noch durchschnittlich 2,4 Kinder. Insgesamt ist die Geburtenrate fast um die Hälfte - von 17,3 auf 9,3 Lebendgeborene je 1.000 Einwohner - gesunken."
(2006, S.133)

Die niedrige Geburtenrate wird hauptsächlich vom Rückgang der Mehrkinderfamilien verursacht

"Die niedrige Geburtenrate kann (...) nicht allein durch Kinderlosigkeit erklärt werden, sie geht im Wesentlichen auf das Verschwinden der Mehrkinderfamilien zurück. Die Entscheidung für Kinder ist immer häufiger auf ein Kind beschränkt. Erst seit Anfang der neunziger Jahre stagniert der Rückgang der Mehrkinderfamilie. Hierbei wirkt sich in besonderer Weise die gestiegene Erwerbsquote der Frauen aus, weil sich gerade bei mehreren Kindern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf häufiger als unlösbar erweist. Im internationalen Vergleich ist dieser Zusammenhang in Deutschland am ausgeprägtesten."
(2006, S.133)

Demographismus und Down-Breeding als Begründung der Bevölkerungspolitik

"In der Familienpolitik wie auch in der Bildungspolitik werden gesetzte Ziele nicht erreicht. Zugespitzt formuliert: Wir werden weniger, wir werden älter, und wir werden dümmer (...).
Die Begründung für eine bevölkerungsorientierte Familienpolitik liegt zum einen in der damit möglichen wachstumspolitischen Vorsorge, zum anderen in der damit zugleich möglichen Sicherung eines höheren Maßes an Chancengerechtigkeit. Wachstum (...) wird vor allem als Konsequenz der Quantität und der Qualität der in der Volkswirtschaft verfügbaren Erwerbstätigen gesehen. Unter gegebenen Bedingungen führt eine schrumpfende Bevölkerung zu nachhaltigen Wachstums- und Wohlstandseinbußen. In der Erhöhung der Erwerbsquoten und der Steigerung der Produktivität liegen wichtige Ansatzpunkte für eine Kompensation des Demografietrends; seine Korrektur erfordert sowohl eine entsprechend orientierte Familienpolitik als auch eine selektive Zuwanderungspolitik. (...).
- Durch die sinkende Kinderzahl hoch qualifizierter Frauen reduziert sich bei gleich bleibenden Bedingungen auch die durchschnittliche kognitive Ausstattung unseres Nachwuchses beständig. In Zukunft werden bei ungebremst hoher Kinderlosigkeit von Akademikerinnen und anhaltend hohem Einfluss der Elternbildung auf die Kinderbildung immer weniger hoch qualifizierte Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen.
- Gleichzeitig verändert sich in unserem Bildungssystem das Verhältnis von leistungsstarken zu leistungsschwachen Schülern durch die abnehmende Zahl an Akademikerkindern. Diese veränderte Zusammensetzung kann sich nachteilig auf die Leistungsentwicklung aller Schüler auswirken."
(2006, S.139f.)

Das Geburtenziel einer bevölkerungsorientierten Familienpolitik und die dazu erforderlichen Maßnahmen

"Eine bevölkerungsorientierte Familienpolitik dient der langfristigen wachstumspolitischen Vorsorge. (...). Bevölkerungsorientierte Familienpolitik muss im Gleichklang mit der gesellschaftlichen Realität stehen und die unterschiedlichen Präferenzen für Lebensentwürfe reflektieren, um nachhaltig wirken zu können. Eine solche Politik sollte sich an dem Leitbild ausrichten, dass Paare eine wirkliche Wahl zwischen verschiedenen Familienmodellen haben müssen und damit mehr Menschen eine Entscheidung für Kinder treffen. (...). Auf dieser Basis kann es gelingen, die zur Stabilisierung der Bevölkerung und zur Verbesserung der Altersstruktur notwendige Erhöhung der Geburtenrate auf 1,7 bis zum Jahre 2015 zu erreichen. Konkret lassen sich in einem Mix aus Zeitpolitik, Geldtransfers und Infrastruktur drei Felder einer bevölkerungspolitischen Familienpolitik identifizieren:
- Neue Perspektiven für die demografische Entwicklung erfordern insbesondere, dass die im Lichte veränderter Präferenzen und vermehrter Optionen im Erwerbsleben verengten und verschobenen Zeitfenster für Familiengründung und Realisierung des Kinderwunsches berücksichtigt werden. (...) Die Umorientierung der Arbeitswelt (...) fordert Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften zu konsistentem Handeln.
- Die Berufstätigkeit und -fähigkeit von Müttern ist in den Mittelpunkt der Bemühungen um eine bevölkerungsbewusste Familienpolitik zu stellen. Wesentlich ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (...). Die bisherige finanzielle Familienförderung (...) geht an den heutigen Bedingungen vorbei (...).
Die Verkürzung der Erziehungszeit auf ein Jahr und die Umstellung des Erziehungsgeldes auf eine Lohnersatzleistung - das Elterngeld - ist deshalb zu fordern. (...). Untersuchungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels belegen, dass ein stärkerer Lohnersatz in der Erziehungszeit die Geburtenzahl positiv beeinflusst.
- Gemeinden und Unternehmen müssen - im wohl verstandenen Eigeninteresse - Kinderbetreuungseinrichtungen bereitstellen, die den Bedürfnissen der Kinder (...) und den Lebensvorstellungen der Eltern Rechnung tragen. (...). Zu diskutieren ist, ob der Staat für Ganztagesbetreuung sorgen muss oder dies dem Markt überlassen werden kann. (...) Viel spricht dafür, beim Angebot an Ganztagesbetreuung unter der Maßgabe staatlicherseits eindeutig definierter Leistungsstandards auf die Effizienz des Marktes zu setzen. Ebenso sollte gerade bei der Förderung von Kindern in einkommensschwachen Familien auf Betreuungsgutscheine gesetzt werden".
(2006, S.142)    

 
     
 
       
       
   

Zur Verzahnung von Familienpolitik und Bildungspolitik (2005).
Eine wirtschaftspolitische Einordnung,
in: Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, Heft 2, August, S.139-159

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
II. Die demographische Ausgangslage und die Folgen des Bevölkerungsrückgangs für das Wirtschaftswachstum
III. Umrisse einer bevölkerungorientierten Familienpolitik
IV. Zusammenhang zwischen Familienpolitik und Bildungspolitik
V. Ansatzpunkte zur wechselseitigen Verzahnung beider Politikbereiche
VI. Ausblick

Zitate:

Die Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung Deutschlands ist unumkehrbar

"Die Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung Deutschlands ist nicht mehr umkehrbar. Nach der amtlichen Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes (2003, Variante 7) wird bei einer Nettozuwanderung von jährlich 100.000 Personen nach Deutschland die hier lebende Bevölkerung von derzeit 82 Millionen Einwohnern bis zum Jahr 2050 auf rund 70 Millionen Einwohner sinken. Dieser Alterungs- und Schrumpfungsprozess ist in erster Linie der niedrigen Geburtenrate zuzuschreiben. (...). Gleichzeitig führt die Erhöhung der Lebenserwartung zu einer Verschiebung der Altersstruktur der Bevölkerung."
(2005, S.140)

Der Rückgang des Erwerbspersonenpotenzial führt zu niedrigerem Wirtschaftswachstum

"Der absehbare Bevölkerungsrückgang geht mit einem Rückgang der Anzahl der Personen einher, die dem Arbeitsmarkt prinzipiell zur Verfügung stehen. Betrachtet man das Erwerbspersonenpotenzial - Erwerbstätige, Arbeitslose und Stille Reserve -, so wird dessen Größenordnung von derzeit knapp 42 auf knapp 30 Millionen sinken (...). Bis zum Jahr 2050 schrumpft das Angebot an Arbeitskräften in jedem einzelnen Jahr durchschnittlich fast doppelt so schnell wie die Anzahl der Einwohner. (...). Die Abnahme der Erwerbspersonenzahl, gerade in den kritischen Jahren zwischen 2010 und 2035, wird (...) mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten niedriger ausfallen oder zeitweilig sogar negativ werden können."
(2005, S.140f.)

Plädoyer für eine bevölkerungsorientierte Familienpolitik

"Die bisher fehlende explizit pronatalistische Ausrichtung der deutschen Familienpolitik mag erklären, warum der »reproduktive Erfolg« in Form steigender Geburtenraten sich trotz eines hohen Mitteleinsatzes bisher nicht eingestellt hat. Deshalb setzt sich inzwischen immer mehr das Bewusstsein durch, dass eine »bevölkerungsorientierte Familienpolitik« einen eigenständigen Beitrag dazu leisten kann, die Geburtenraten mittelfristig wieder zu steigern (Wingen, 2003). Wesentlicher Inhalt dieser Überlegungen ist es, stärker als bisher nicht generell bestehende Familien materiell zu fördern, sondern die Bedingungen für die Erfüllung von Kinderwünschen zu verbessern. (...). Dafür spricht, dass die besser verdienenden Paare mit den bestausgebildeten Frauen die wenigsten Kinder haben."
(2005, S.143)

Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen ist zu hoch

"In Deutschland ist die Kinderlosigkeit mit 26 Prozent im internationalen Vergleich hoch (bezogen auf den Geburtsjahrgang 1960). Die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen übertrifft diesen Wert deutlich und liegt mit über 40 Prozent in Westdeutschland extrem hoch (bezogen auf den Frauenjahrgang 1962-1966 im Jahr 2001)."
(2005, S.150)    

 
     
 
       
   

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© 2002-2017
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 25. November 2014
Update: 30. Mai 2017