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Paul
Nolte in seiner eigenen Schreibe
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- NOLTE, Paul (2001):
Soziologie I.
Heinz Bude: Generation Berlin,
in: Literaturen Nr.6, Juni
- Inhalt:
NOLTE sieht im Buch
"Generation Berlin" von Heinz BUDE den Auftrag zur Reform
an sich und seine Generation:
"»Generation Berlin«: mit diesem
Schlagwort bezeichnet Bude die um 1960/1965 Georenen, die letzten
Kinder der alten Bundesrepublik. (...). Von ihnen, von ihrem
intellektuellen Gestus der Nüchternheit hält Bude viel; sie sollen
zu den eigentlichen Gestaltern der Berliner Republik werden. (...).
Gesellschaftsveränderung stünde nicht
mehr auf der Agenda? Wieder falsch, denn wir sind inzwischen
mitten in einer längst überfälligen Renaissance der
Gesellschaftspolitik, und es sind die 30- bis 40-Jährigen, die sagen
»Reformen - ja, bitte!« Die Anstöße, die Heinz Bude gibt,
müssen deshalb weitergedacht werden."
-
NOLTE, Paul
(2001): Klingeln Sie bei Ihrem Nachbarn!
Die Rückkehr der
Gesellschaft: Wie bürgerschaftliches Engagement
und soziale Gerechtigkeit zusammengedacht werden
können,
in: Literaturen
Nr.9, September
- NOLTE,
Paul (2002): Unsere Klassengesellschaft.
Wie
könnten die Deutschen angemessen über ihr
Gemeinwesen sprechen? Ein unzeitgemäßer
Vorschlag,
in: Die ZEIT
Nr.2 v. 04.01.
-
NOLTE, Paul (2002):
Der Geist flieht links.
Rot-Grün verprellt Wissenschaftler und Intellektuelle,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.02.
- NOLTE,
Paul (2002): Die neue Mitte - ein Selbstbetrug.
Die
SPD setzt auf die schöne neue Arbeitswelt der IT
- und vergisst ihre eigene Klientel,
in: TAZ
v. 18.05.
- Kommentar:
Bis vor kurzem
redete jeder von der neuen Mitte. Der
Münchner Soziologe Ulrich BECK hat mit
seiner Neuformulierung der "nivellierten
Mittelstandsgesellschaft" (SCHELSKY) die
öffentliche Sozialstaats-Debatte
dominiert.
Mit Scheindebatten wie
Familien contra Singles wurde elegant von
der Tatsache abgelenkt, dass die
Unterschiede innerhalb der Generationen größer sind als zwischen den
Generationen. Dieser Konsens ist
angesichts der Wahlerfolge der Populisten
in Europa am Bröckeln.
Paul NOLTE
behauptet nun zwar "dass
Polarisierung, nicht Homogenisierung
sozialer Lagen in der ominösen 'Mitte'
die Bundesrepublik kennzeichnet."
Ausdruck findet diese Polarisierung in
den Distinktionsstrategien:
"Vorherrschend
ist dabei jedenfalls die Zuordnung 'nach
unten' oder 'nach oben' und gerade nicht
die Konsolidierung eines allgemeinen
Lebensstils der Mitte. Nicht zufällig
wird in letzter Zeit der Aufstieg einer
neuen Klasse beschrieben, die sich durch
ihre Lebensführung vom Zentrum der
Gesellschaft abzusetzen versucht: Das
sind die 'Bobos'
oder 'Bourgeois Bohemians' bei David
Brooks; das ist die neue 'globale Klasse' bei
Ralf Dahrendorf."
Auf der
anderen Seite versucht NOLTE die "Familien
contra Singles"-Debatte in die
neue Ära hinüberzuretten:
"der
Abstand zwischen unteren und 'mittleren'
sozialen Lagen (ist) vielfach gewachsen.
Ein Grund dafür ist die
Massenarbeitslosigkeit, ein anderer die
Zunahme familiärer Instabilität in der
Unterschicht - Stichwort: allein
erziehende Mütter. Andererseits nimmt
die Kinderlosigkeit besonders in der
(akademischen) Mittelschicht deutlich zu,
die sich damit auf Kosten der
Allgemeinheit einen höheren Wohlstand
finanziert."
Da
heutzutage Bildungsabschluss und
Einkommenshöhe nicht mehr unbedingt
miteinander korrespondieren, ist eine
solche Behauptung selbst populistisch.
Differenzierter wird das Thema Familie
von Christoph
BUTTERWEGGE behandelt.
-
NOLTE, Paul (2002): Der amerikanische Dissens.
Jedediah Purdy kritisiert die ironische, unpolitisch-distanzierte
Haltung der kommerzialisierten Popkultur in den USA. Seine
Streitschrift ist furios, naiv - und voller interessanter
Anregungen,
in: TAZ v. 17.09.
-
NOLTE, Paul (2002): BürgerInnen, ins Parlament!
Vielleicht haben wir eine schlechte Regierung. Aber das ist noch
lange kein Grund, die gefährlichen Klischees des typisch deutschen
Antiparteien-Affektes wieder zu beleben,
in: TAZ v. 28.11.
- Kommentar:
Der wertkonservative Historiker Paul NOLTE nutzt die berechtigte Kritik an den Anti-Demokraten
zu einer unberechtigten Polemik gegen Kinderlose, denen NOLTE
jegliches Recht auf Kritik absprechen möchte:
"Im Moment ist das Rentner-Bashing
angesagt, und die Flagge der Jugend und ihres Anspruchs auf
Gerechtigkeit zu schwenken verspricht Punkte im politischen Kampf.
Zweifellos: die Lastenverteilung zwischen den Generationen ist lange
vernachlässigt worden, und die typisch deutsche Vorstellung, eine
angeblich konstante gesamtgesellschaftliche Arbeitsmenge nur
gerechter verteilen zu müssen - ein falsches Spiel bereits seit Ende
der 70er-Jahre -, ist endgültig zusammengebrochen. Aber der
kämpferische Gestus einer angeblich betrogenen Generation ist
angesichts des Wohlstands der »Generation Golf« fehl am Platze. Ein
bisschen komplizierter als in dem Schema »Alt gegen Jung« sind die
Verhältnisse schon. Man muss nur daran erinnern, dass für den Erhalt
der Rentenversicherung eine nachwachsende Generation notwendig ist,
weshalb die kinderlosen Jungrevolutionäre über die jetzigen Rentner
mal lieber schweigen sollten.
-
NOLTE, Paul (2003): Stürzt SPD-Chef Bismarck!
Die Sozialdemokratie steckt in der Krise, weil ihr
Gerechtigkeitsbegriff von vorgestern ist,
in: Die ZEIT Nr.8 v. 13.02.
- Kommentar:
Es ist heute schick auf die Sozialsysteme zu
schimpfen.
Neoliberale
aller Länder vereinigt euch, heißt heutzutage der beliebte Kampfruf
des Klassenkampfs von Oben.
Auch Paul NOLTE hat die Schnauze voll vom "Modell Deutschland". Da ist es
unzeitgemäß, wenn ein Buch mit dem Titel "Vorbild
Deutschland"
erscheint und ganz frech behauptet, dass der Sozialstaat zu unseren
Stärken gehört.
Genau
das behauptet der Ökonom Detlef GÜRTLER. Sein Vorbild ist jedoch
nicht Frank BSIRSKE, sondern Ludwig ERHARDT.
Man
muss dem inhaltlich nicht unbedingt immer zustimmen, aber die
Methode macht Sinn, denn sie macht den Kopf frei, um die produktiven
Potenziale unseres Systems entdecken zu können und nicht immer
gleich reflexhaft die richtigen Antworten parat zu haben.
-
NOLTE, Paul (2003): Ein Bruch? Aber sicher!
Agenda 2010 (II): Gewerkschaften und Sozialdemokraten sind in
Deutschland zu eng verbandelt. Das verhindert nicht nur politische,
sondern auch gesellschaftliche Reformen,
in: TAZ v. 24.05.
- Kommentar:
Paul NOLTE schlägt der SPD ganz eigennützig
vor, sich seiner - d.h. der Neuen Mitte - noch mehr anzunehmen.
Dazu ist ein Bruch mit den
Gewerkschaften notwendig und ein bisschen Engagement für die
Marginalisierten schadet zum Kaschieren des Eigennutzes auch
nicht:
"Die einstmals beschworene,
inzwischen abgetauchte »Neue Mitte« könnte dann wieder ein
stärkerer Bezugspunkt werden, aber auch jene neuen Unterschichten
und Marginalisierten, die vom traditionalistischen
Gesellschaftsbild der Gewerkschaften und von deren
Interessenpolitik kaum erfasst werden."
Die Gewerkschaften sollen sich aus
der Produktionssphäre zurückziehen und sich stärker im Jenseits
der Arbeitswelt engagieren.
- NOLTE,
Paul (2003): Wieviel Zumutung braucht der Mensch?
Plädoyer
für eine neue bürgerliche Gesellschaft, für
Reformfreude und Machbarkeitsskepsis, kurz für:
Schwarz-Grün,
in: Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 14.07.
- Kommentar:
Der Historiker Paul NOLTE formuliert
den Sozialabbau als Kernelement einer
neuen Klassengesellschaft, die ihm
vorschwebt. Dazu ist der "'Umbau'
von 'Denkweisen und
Sozialmentalitäten" notwendig, der
den "Abschied vom bequemen
Kollektivismus ebenso wie vom falsch
verstandenen Individualismus"
beinhaltet.
Sein
Gegenentwurf "läßt sich mit dem
Prinzip der Verantwortung beschreiben. Es
bedeutet Verantwortung für die eigenen
Lebensführung, die durch Reformen
gestärkt werden muß, im Arbeitsmarkt
oder in der Krankenversicherung ebenso
wie im Konsum von Lebensmitteln oder
Kulturgütern."
Den
Kernbereich sieht NOLTE im Prinzip der
Verantwortung für Dritte: "Familie
und die verantwortliche Kindererziehung,
ob mit oder ohne Trauschein".
-
NOLTE, Paul (2003): Sozialstaat, Gesundheit und Gerechtigkeit.
Plädoyer für eine neue Sozialpolitik in veränderter Welt,
in: Kommune Nr.3 v. 18.08.
-
NOLTE, Paul (2003): Reformen! Reformen!
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.10.
-
NOLTE, Paul (2003): Vom Verschwinden des Bürgertums in der CDU.
Die Union braucht wieder ein zeitgemäßes bürgerliches Profil -
Sonst droht ihr der Populismus,
in: Welt v. 19.10.
-
NOLTE, Paul (2003): Kleiner Ratgeber für Merkel & Co.
Die Eindämmung der Ego-Gesellschaft. Oder: Warum Konservative nicht
von gestern sein müssen,
in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.
- Kommentar:
NOLTE legt einen wertkonservativen Katalog der
Generation Berlin vor, in dem der "Single-Gesellschaft" und der
Popkultur eine Absage erteilt wird. Stattdessen fordert NOLTE eine
Zivilreligion, deren Wertekanon aus den 50er Jahren stammt.
- NOLTE, Paul (2003): Vom Steuerstaat zur
Gebührengesellschaft.
Sie stärkt die Mündigkeit ihrer Bürger und nimmt sie in die
Verantwortung für von ihnen finanzierte Leistungen,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.12.
-
NOLTE, Paul (2003): Patriotismus.
Zukunft und Selbstverbesserung,
in: Politisches Feuilleton. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 10.12.
-
NOLTE, Paul (2003): Das große Fressen.
Nicht Armut ist das Hauptproblem der Unterschicht. Sondern der
massenhafte Konsum von Fast Food und TV,
in: Die ZEIT Nr.52 v. 17.12.
- Kommentar:
Paul NOLTE will die Unterschichten erst
erziehen und dann kommt der materielle Wohlstand von alleine. Und
natürlich sind die 68er wieder einmal schuld:
"Die
68er haben die Bürgerlichkeit als Bürgerkinder angegriffen, also in
dem stillen Bewusstsein, sich am Ende, nach der Revolte, doch auf
das bürgerliche Sicherungsnetz ihrer Bildung, ihrer Herkunft, ihrer
kulturellen Ressourcen ganz allgemein verlassen zu können. Aber
nicht alle, die das nachahmenswert fanden, hatten dieses Netz zur
Verfügung, und dann war ein Absturz die Folge. Die Schäden kann man
jetzt unter anderem in jenen Elterngenerationen besichtigen, die mit
einer missverstandenen Laisser-faire-Erziehung gescheitert sind. So
waren sie dem Ansturm der neuen Medien und Massenkultur seit den
achtziger Jahren wehrlos ausgesetzt.
Wir stehen vor einem Neubeginn, einem Paradigmenwechsel im
politischen Umgang mit den Unterschichten. Wir sind zu lange einem
Konzept gefolgt, das man als »fürsorgliche Vernachlässigung«
bezeichnen könnte. Einer vergleichsweise hohen materiellen Fürsorge
der Unterschicht steht eine Vernachlässigung in sozialer und
kultureller Hinsicht gegenüber. Das Ziel muss es wieder sein,
Kulturen der Armut und der Abhängigkeit, des Bildungsmangels und der
Unselbstständigkeit nicht sich selbst zu überlassen, sondern sich
einzumischen, sie herauszufordern und aufzubrechen. Es geht um
Integration in die Mehrheitsgesellschaft, aber auch – für viele ein
heikleres Thema – um die Vermittlung kultureller Standards und
Leitbilder."
Wir haben gemäß NOLTE kein
Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsproblem, sondern nur ein
Erziehungsproblem!
-
NOLTE, Paul (2003): Noch ist Ruhe Bürgerpflicht.
Angst vor dem Absturz?
Nein. Nur leichte Verunsicherung macht sich in der Mittelschicht
wegen der Reformen von Rot-Grün bemerkbar. Vor echte
Herausforderungen hat die Politik sie bisher nicht gestellt
in: TAZ v. 31.12.
-
NOLTE, Paul (2003): Politik in neuen Spannungsfeldern.
Dem "Berliner Programm" der SPD liegt ein Menschenbild zu Grunde,
das heute in die Irre führt und zur gesamten Tradition der Partei
nicht pass. Nur wenn die Partei das Ausmaß des gesellschaftlichen
Wandels begreift, kann sie in Zukunft erfolgreich sein,
in: Berliner Republik, Nr.6, Dezember/Januar
-
NOLTE, Paul (2004): Elite von unten.
Eine Hochschulreform muß andere Wege gehen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.01.
- Kommentar:
"Das Wahljahr 2004 als Jahr der Innovation, das
verheißt nichts anderes als die geplante Stilllegung der
Sozialstaatsreformen", befürchtet Paul NOLTE, der ganz gerne in
einer neuen Klassengesellschaft leben möchte, selbstverständlich
in der ersten Klasse, dort wo die Leitkultur der neokonservativen
Werteelite für die Unterschichten fabriziert wird...
- NOLTE, Paul (2004):
Ohne Elite geht es nicht.
Eine Gesellschaft braucht konkurrierende Eliten, sie muss sie
kontrollieren und notfalls auch austauschen können,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.01.
- Kommentar:
An Bekenntnisse à la "Ich habe abgetrieben"
oder "Ich bin schwul, und das ist gut so" hat man sich
mittlerweile gewöhnt, nun bekennt sich
die neue Werteelite zu ihrem Führungsanspruch:
"»Fühlen
Sie sich einer Elite zugehörig?« Da ist dieses typische Zögern,
einen Moment lang, ob man sich mit einem Ja nicht der
Lächerlichkeit preisgibt, dem Vorwurf der Arroganz, des
Abgehobenseins aussetzt. Ich komme aus einer ganz normalen
Akademikerfamilie, aber schon darin lag ein Startvorteil; ich habe
mir im Laufe der Zeit Bildungspatente gesichert und eine
entsprechende berufliche Position erreicht - und solche
Bildungspatente wie der Doktortitel gelten in Deutschland immer
noch vergleichsweise viel, auch wenn die Zeit der übertriebenen
Ehrfurcht vor dem Akademiker, der Frau Doktor, dem Herrn
Professor, längst vorbei ist.
Wenn das Zögern heruntergeschluckt ist, kann die Antwort nur Ja
lauten",
schreibt Paul NOLTE.
Braucht es
jedoch solche Bekenntnisse?
Gemäß
Michael HARTMANN ergibt sich
die Zugehörigkeit zur Elite einzig aus der gesellschaftlichen
Position und der damit verbundenen Macht.
Marc
BUGGELN hat im
FREITAG vom 23.01. geschrieben, was von der neuen
Elite-Debatte zu halten ist, die am Gegensatz von Elite und Masse
orientiert ist, aber konsequent die Realitäten des Leistungsmythos
ignoriert.
-
NOLTE, Paul (2004): Die große Rolle rückwärts.
Angela Merkel Superstar? CDU-Chefin will mit einem gemeinsamen
Kandidaten ein Signal für die Einheit des "bürgerlichen Lagers"
setzen. Aber gibt ges diese Eintracht wirklich?
in: Rheinischer Merkur Nr.11 v. 11.03.
- Kommentar:
Der neokonservative Historiker Paul NOLTE
ist sichtlich verärgert darüber, dass Angela MERKEL von seinem
bevorzugten schwarz-grünen Bündnis nichts wissen will, und
stattdessen mit der FDP liebäugelt:
"Was
ist ein bürgerliches Lager wert, aus dem die zunehmend
verbürgerlichten Grünen kategorisch ausgeschlossen sind? Und
andersherum: Welchen Wert hat dieser Begriff dort, wo eine
bürgerliche Schicht schmal und nicht mehrheitsfähig ist, in
Ostdeutschland nämlich oder auch in vielen Städten des
Ruhrgebiets?
Die CDU muss die schwierige Aufgabe lösen, sich mit einem
konsistenten gesellschaftspolitischen Reformprogramm neuen Formen
der Bürgerlichkeit zu öffnen, dabei aber die »unterbürgerliche
Welt« nicht zu vergessen."
Unterbürgerlich,
da ist das Untermenschliche nicht sehr weit!
-
NOLTE, Paul (2004): Das Rumpelstilzchen-Modell.
Oder: Der schwere Abschied von postmodernen Illusionen,
in: Berliner Republik Nr.2, März/April
- Kommentar:
Als single-dasein.de vor drei Jahren diese
Seiten ins Netz stellte, war eine Zielsetzung
Ulrich BECKs
Individualisierungsthesen zu entmythologisieren.
Immer
wieder beschrieb single-dasein.de diese "Theorie" als
das
erfolgreichste Enttäuschungsprodukt der Neuen Linken (nunmehr
zur neuen Mitte mutiert).
Es
wurde außerdem immer wieder darauf hingewiesen, wie mittels
Single-Rhetorik die gesellschaftliche Selbstbeschreibung
pervertiert wird.
Im
Oktober 2003 hat single-dasein.de zum 20jährigen Jubiläum der
Individualisierungsthese alle Gedanken nochmals zugespitzt und den
Zusammenhang zwischen dem neuen Familienfundamentalismus und dem
"Terror der
Individualisierungsthese" aufgezeigt.
Am
07. März 2004 bescheinigte
Richard HERZINGER im ZEIT-Weblog
diesem Essay, dass er in "origineller Weise" die Entstehung eines
neuen Familienfundamentalismus in Deutschland erklärt. Seitdem ist
dieser Essay zur beliebtesten Seite avanciert.
Paul
NOLTE greift nun in seinem Essay in der gerade erschienenen
SPD-Zeitschrift Berliner Republik die Gedanken von
single-dasein.de unter der Überschrift Wie Ulrich Beck die "Ich-AG"
erfand auf:
"Blickt man auf diesen Trend in
generationeller Perspektive, dann lässt
er sich wohl eher als ein Erbe der »Achtundsechziger« verstehen, die nach
gescheiterter Weltrevolution wenigstens die Revolution in ihrem eigenen
Beziehungschaos, einschließlich der spezifisch deutschen akademischen
Kinderlosigkeit, rechtfertigen wollten."
Es
gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Paul NOLTEs
Perspektive und der Perspektive von single-dasein.de.
NOLTE
kritisiert die BECKsche Individualisierungsthese in reaktionärer
Absicht. Er ist damit das beste Beispiel für die Stimmigkeit der
Thesen von single-dasein.de, wonach sich der neue
Familienfundamentalismus allein aus den Reaktionen auf die
Individualisierungsthese erklären lässt, während die postmoderne
Familienwirklichkeit keine Rolle in diesem "Krieg der Eliten"
spielt.
Die
Single-Rhetorik dient mittlerweile einerseits zur unverblümten
Forderung nach einer
Bevölkerungspolitik und andererseits dient sie
freiwillig
Kinderlosen wie Susie REINHARDT zur Legitimierung eines
Lebensstils, der nur auf ein
eng begrenztes "individualisiertes" Milieu beschränkt ist.
Die
Perversität der gesellschaftlichen Selbstbeschreibung als "Single"-Gesellschaft
verdeckt den Blick darauf, dass wir weiterhin eine "Familien"-Gesellschaft
sind.
Soziale
Herkunft ist nicht umsonst das
entscheidende Kriterium für
individuellen Erfolg. Selbst das
Heiratsverhalten
wird stärker davon bestimmt als die postmoderne Gesellschaft das
nahe legen würde.
Mögliche
Probleme der Paarbildung
der "Generation Bildungsexpansion" bleiben bei NOLTEs
reaktionärer Sicht ebenfalls ausgespart.
Die
Perversität besteht darin, dass wir die heutige
Familiengesellschaft mit dem Maßstab der 50er-Jahre messen, statt
die neuen Familienrealitäten anzuerkennen.
Die
amtliche Statistik ist die Hüterin der überlebten Normen. Das geht
so weit, dass das
Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit
in Deutschland bis zu 50 % von jenen Zahlen abweicht, die in der
öffentlichen Debatte diskutiert werden.
Die
Mehrzahl der einflussreichen Gesellschaftsmitglieder profitiert
offensichtlich von dieser statistischen Verblendung!
Die
Profiteure in der neuen Mitte nutzen die Vorteile postmoderner
Familienformen. Die alte Mitte kann bei ihrer Klientel die
familienfundamentalistischen Reflexe mobilisieren.
Bislang
ist single-dasein.de der einzige Versuch in Deutschland diesen
Skandal öffentlich zu machen.
Bei
den Verlierern handelt es sich um eine Minderheit, die keinerlei
Anwälte in dieser Gesellschaft hat: Nicht-Erben, gering
verdienende Kinder- bzw. Elternlose, gering verdienende
Partnerlose.
Die
Mitte trägt ihren Krieg um das gültige Familienmodell auf dem
Rücken dieser Randgruppen aus!
- NOLTE, Paul (2004): Die Resistenz des
deutschen Wurstbrotes.
Ulrich Beck, Nathan Sznaider und andere prüfen und präzisieren
die Thesen der Globalisierung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.
- Inhalt:
Der Historiker NOLTE kritisiert die "schicke
Gegenüberstellung einer nationalen »ersten Moderne« und einer
globalen zweiten oder »reflexiven Moderne«" von
Ulrich BECK.
-
NOLTE, Paul (2004): In den Spiegel sehen können.
Patriotismus ist nicht mehr der konservative Gegenpol zur
Modernisierung, sondern Teil von ihr,
in: Welt v. 03.06.
-
NOLTE, Paul (2004): Oh! Position!
Kleines Wörterbuch der Reform-Sprachstörungen,
in: Tagesspiegel v. 20.09.
-
NOLTE, Paul (2005): Die Abschiebung der Reproduktion.
Natürlich sind Kinder ein
Armutsrisiko - in den Mittelschichten gibt es Debatte: ja kaum
welche,
in: Welt v. 26.01.
-
NOLTE, Paul (2005): Kinder brauchen Männer, Männer brauchen Kinder.
Das Scheitern der Emanzipation und die neue
Geschlechterdifferenz,
in: Universitas, Mai
- Kommentar:
Im Schwerpunkt "Was Kinder (und Eltern)
brauchen" schreibt Paul NOLTE über die
vaterlose Gesellschaft.
Nach Meinung von NOLTE hatten
es die 68er und jene, die nach ihnen kamen - also NOLTE - in der
Hand "das große Programm der geschlechterpolitischen Emanzipation
umzusetzen". Aber sie sind gescheitert. Dies beschreibt NOLTE
folgendermaßen:
"Zwischen der Mitte der siebziger und
der Mitte der achtziger Jahre - nicht viel früher, nicht viel
länger - tat sich für die damals Jugendlichen und jungen
Erwachsenen in der Bundesrepublik ein Fenster zur Zukunft auf.
(...). Es war die Zeit, in der Jungen auch weinen durften, Väter
sich mit Kinderwagen nicht nur am Sonntagnachmittag zeigten und
überhaupt Männer als »Softies« erstrebenswert waren.
Doch kurz danach, wohl noch im Laufe der achtziger Jahre, muss der
Faden gerissen sein. Das Bild von einer auch äußeren und
verhaltensmäßigen Angleichung der Geschlechter verblasste (...).
Die moderne Geschlechteridentität kapselte sich in einer
Milieunische ein: bei Akademikern, vor allem denen einer
bestimmten Sorte, bei den pädagogischen Berufen und im
Universitätsmilieu."
Eine solche Lesart entspricht
der Legendenbildung wie sie Reinhard MOHR in
"Zaungäste" und
"Generation Z" betrieben hat.
Dass der Softie jemals mehr als
nur ein Milieuphänomen war, muss jedoch bezweifelt werden.
Nimmt man z.B. Diedrich DIEDERICHSENs
"Sexbeat"
oder Jürgen TEIPELs
"Verschwende Deine Jugend", dann spielten selbst in der
Subkultur der frühen 80er Jahre Frauen kaum eine gleichberechtigte
Rolle.
Man wundert sich, dass ein
ausgewiesener Historiker solch eine einseitige
Geschichtsschreibung betreibt...
- NOLTE, Paul (2005): Merkels neue
Mitte.
Die Abkehr von der beaufsichtigten Gesellschaft braucht
selbstbewusste Mittelschichten,
in: Tagesspiegel v. 29.05.
- Kommentar:
Paul NOLTE ist rhetorisch eine Art Rudi DUTSCHKE
der Berliner Republik, dem jegliches Charisma fehlt.
Sein revolutionäres Subjekt ist jedoch
nicht mehr die Arbeiterschicht, sondern die Mittelschicht. Statt
Studentenführer also Angestelltenführer. Und das Projekt ist auch
keine Revolte mehr, sondern nur noch eine Reform. Aber bereits die
Neue Linke hat bekanntlich vergeblich gerufen.
Wenn man
Ijoma MANGOLD
und Frank
SCHIRRMACHER glaubt, dann sind der Neuen Mitte das eigene
Portemonnaie sowieso näher als die Herausforderungen sich als
Vorbild für - und Erzieher von - Unterschichten einspannen zu
lassen.
- Neu:
NOLTE, Paul (2006): Kirchensteuer für alle!
Der Historiker und Vordenker Paul Nolte über die Chancen des
religionsfreundlichen Staates. Kein Störfall, sondern Ressource:
Glaube als wichtiger Faktor. Ein Gemeinwesen, das dies übersieht,
verschleudert leichtsinnig Potenziale,
in: Rheinischer Merkur Nr.6 v. 09.02.
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Paul Nolte:
Porträts und Gespräche
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-
LAU, Miriam & Matthias KAMANN (2004): "Ihr müsst auf nichts
verzichten".
Verzichten muss man nur auf die Illusion vom garantierten Wohlstand
- Paul Nolte und Gabor Steingart diskutieren über Reformen,
in: Welt v. 03.04.
- Kommentar:
Der Untertitel verspricht mehr als das
Interview halten kann.
Paul NOLTE bleibt blass neben dem
SPIEGEL-Journalisten STEINGART, der im Gegensatz zu NOLTE weniger
moralisierend und dagegen eher fordernd auftritt:
"Mich treibt einzig und allein die
Frage: Wie erzeugen wir Wohlstand? Wie schaffen wir es, den
Energiekern des Landes wieder zu vergrößern, ohne den Sozialstaat zu
liquidieren? In anderen Ländern werden die großen Vermögen ganz
selbstverständlich zur Staatsfinanzierung herangezogen, in den USA
ist die Erbschaftssteuer beispielsweise dreimal so hoch. In
Deutschland beginnt der Spitzensteuersatz der Erbschaftssteuer bei
25 Millionen Euro, in Frankreich bei zwei Millionen. Der Ökonom
Meinhard Miegel ist eine Zeit lang in alle Talkshows gegangen und
hat gesagt, das Kapital sei scheu wie ein Reh, es laufe weg, wenn
man nur in die Hände klatscht. Dagegen halte ich, dass auch die
Arbeit scheu ist wie ein Reh, auch sie läuft uns weg, wenn falsche
politische Entscheidungen getroffen werden."
-
LAU, Jörg (2004): Keine Angst vor der Verantwortung.
Der Historiker Paul Nolte beklagt die Fixierung der
Kulturwissenschaften auf die Erinnerung. Er wendet sich lieber der
Gegenwart zu,
in: Die ZEIT Nr.17 v. 15.04.
-
SEILS, Christoph (2004): "Konfliktzonen werden ignoriert".
Die ökologische Gesinnung
liegt wie Mehltau auf Deutschland, sagt der Historiker Paul Nolte, und
wirklich gut gehe es nur den 68ern. Doch zum Klassenkampf wird es
nicht kommen, denn die materielle Not ist nicht das Kernproblem,
in: Weltwoche Nr.20 v. 13.05.
- Kommentar:
Ein umfangreiches Interview mit Paul NOLTE
über die Wohlfahrtsgeneration der 68er, Klassengesellschaft,
Hedonismus, Individualisierung und die Re-Familialisierung:
"Der
Glaube, dass man nur in
Single-
und
Patchwork-Konstellationen leben kann, hatte etwas
Verführerisches, aber er hat gleichzeitig katastrophale Konsequenzen
gehabt. Der Gedanke
war in einer bestimmten sozialen Schicht erfolgreich, vor allem in
der akademischen Mittelschicht, die über bestimmte
Bildungs- und
Verhaltensressourcen verfügte, die ein solches Modell lebbar
machten. In den unteren Schichten
hat die Auflösung der
Familien zu einer Selbstzerstörung der Gesellschaft geführt, hat
sie nicht zuletzt Erziehungs- und Bildungschancen der Kinder
zerstört. Ohne Familien wird die Gesellschaft auch in Zukunft nicht
funktionieren können."
-
HEISE, Katrin (2005): Aus materieller wird "sozial-kulturelle Armut".
Interview mit Paul Nolte zur neuen Unterschicht in Deutschland,
in: DeutschlandRadio v. 15.03.
-
MARGUIER, Alexander (2005): "Wir denken uns ärmer, als wir sind".
Der Historiker Paul Nolte über Unterschichtenfernsehen und unsere
Angst vor dem Niedergang,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.06.
-
SPIEGEL (2005): "Ich spiel doch nicht
den Engels".
Rudolf Hickel und Paul Nolte über die Irrtümer des Marxismus und
Alternativen zur Globalisierung,
in: Spiegel Nr.36 v. 05.09.
- Kommentar:
Paul NOLTE, der sich als Ex-Linker inszeniert,
plädiert für mehr Eigenverantwortung, was ihm selbst jedoch irgendwie
peinlich ist:
"Ich zwinge jemanden dazu, nicht untätig zu Hause zu
sitzen, sondern wieder sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Gut,
das klingt wie eine zynische Perspektive, wenn man wie ich selbst
gerade erst verbeamtet worden ist."
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Klappentext
"Deutschland braucht dringend
grundlegende Reformen – doch wohin diese Reformen
eigentlich führen sollen, das scheint selbst vielen
Politikern nicht recht klar zu sein. Paul Nolte
analysiert die Schieflagen und Sackgassen, in die
wir in den letzten Jahrzehnten hineingesteuert sind,
und plädiert für eine neue Bürgergesellschaft, in
der Individualismus, Initiative und Verantwortung
nicht im Gegensatz zu einer solidarischen
Gemeinschaft stehen. Seine klaren und manchmal
provokativen Thesen über die Zumutungen, die wir uns
alle in diesem Reformprozess gefallen lassen müssen,
sorgen für Zündstoff in einer scheinbar ausgelaugten
Debatte. Gegen die ängstliche Verteidigung von
Besitzständen ebenso wie gegen die Leichtigkeit der
Spaßgesellschaft artikuliert sich hier die wache
intellektuelle Stimme einer Generation Reform."
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Inhaltsverzeichnis
I
Generation Reform: Abschied von Illusionen
1. Generation Reform - Verantwortung für eine neue
Republik
2. Das Rumpelstilzchen-Modell oder Der schwere
Abschied von postmodernen Illusionen
II. Neue Ungleichheit, Neue Klassengesellschaft?
3. Unsere Klassengesellschaft
4. Kritik der Mitte. Geschichte, Ideologie und
soziale Realität heute
5. "Fürsorgliche Vernachlässigung"? Umrisse einer
neuen Politik der Unterschichten
III. Rückkehr der Bürgergesellschaft
6. Die Rückkehr der Gesellschaft. Zwischen
bürgerschaftlichem Engagement und sozialer
Gerechtigkeit
7. Zivilgesellschaft und soziale Ungleichheit.
Überlegungen zur deutschen Gesellschaftsgeschichte
8. Der Bürger als Verbraucher
IV. Bürgergesellschaft, Verantwortung, Reform
9. Die neue bürgerliche Gesellschaft - Ein
Reformprojekt
10. Jenseits der blockierten Republik. Skizzen zu
einem neuen Modell Deutschland
11. Keine Revolution!
12. Reform nach Prinzipien. Auf dem Weg zur
Verantwortungsgesellschaft
V. Reform, Sozialstaat, Gerechtigkeit
13. Das Gewicht der Tradition: Die Deutschen und ihr
Sozialstaat
14. Jenseits des 19. Jahrhunderts. Die SPD auf der
Suche nach der neuen Gesellschaft
15. Sozialstaat, Gesundheit und Gerechtigkeit. Neue
Sozialpolitik in veränderter Welt
16. Mehr Verantwortung, mehr Gerechtigkeit:
Argumente für eine echte Bürgergesellschaft
17. Vom Steuerstaat zum Gebührenstaat
VI. Konservatismus, Werte, Reflektierte
Modernisierung
18. Konservatismus in Deutschland. Geschichte - und
Zukunft?
19. Rückkehr der Werte? Konservative Profile in
einer neuen Moderne
20. Bürgergesellschaft und christliche Verantwortung
in der postsäkularen Welt
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Rezensionen
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HACKESCHMIDT, Jörg (2004): Im Land der Rumpelstilzchen.
Generation Reform. Jenseits der blockierten Republik -
das neue Buch von Paul Nolte,
in: changex.de, 17.03.
-
HERRMANN, Ulrike (2004): Mit der Bratpfanne denken.
Der Historiker Paul Nolte leistet als Essayist
Ungewöhnliches: Er verbindet die präzise
Analyse der deutschen Klassengesellschaft mit seinen
konservativen, ja elitären Wertvorstellungen,
in: TAZ v. 25.03.
- Inhalt:
"Nolte ist interessant, weil er es wagt,
eine offenkundige Tatsache auszusprechen: Deutschland ist
eine Klassengesellschaft. Bildung und Besitz sind
keineswegs gleich verteilt, sondern sozusagen erblich.
Gleichzeitig driften die Einkommen aus selbstständiger und
unselbstständiger Arbeit immer weiter auseinander", führt
HERRMANN in das Denken von Paul NOLTE ein.
Die
präzise Analyse der neuen Klassengesellschaft führt bei
NOLTE jedoch nicht zu progressiven Lösungen, sondern sie
verbindet sich mit einem patriarchalen Programm:
"Obwohl
er so genau wahrnimmt, wie sich in Deutschland eine neue
Klassengesellschaft formiert, bleibt er ein konservativer
Denker. Er will zurück; er will »die 68er« ungeschehen
machen, die nicht zuletzt die »Generation Golf« erzogen
und eine Gesellschaft der hedonistischen »Ich- AGs«
erschaffen haben."
- Kommentar:
Paul NOLTE bietet für die Lösung der
Probleme in Deutschland seine eigene "Generation Reform"
an. Sie steht für die Erneuerung der bürgerlichen Werte,
die es gegen den Hedonismus der neuen Unterschichten zu
verteidigen gilt. Damit tritt Paul NOLTE in direkte
Konkurrenz zu Frank SCHIRRMACHER, der ebenfalls den
40jährigen eine tragende Rolle in der Republik zuweist.
-
FUHR, Eckhard (2004): Oben und unten.
Die Brille geputzt: Paul Nolte entdeckt die
Klassengesellschaft wieder,
in: Welt v. 27.03.
- Kommentar:
FUHR referiert das Verständnis der
neuen Klassengesellschaft aus der Perspektive von Paul
NOLTE:
"Wir
leben (...) in einer Klassengesellschaft, in einer
Gesellschaft des Oben und des Unten. Diese Schere hat sich
in den vergangenen beiden Jahrzehnten geöffnet, nicht
geschlossen. Der Siegeszug einer scheinbar nivellierenden
Pop- und Konsumkultur hat von dieser Tatsache nur
abgelenkt. Wer, wie Nolte, genau hinschaut, erkennt die
Klassenstrukturen aber nun gerade in der Sphäre des
Konsums, der Lebensstile, des Körpergefühls. Es kommt auf
das an, was der Soziologe Pierre Bourdieu die »feinen
Unterschiede« genannt hat. Das neue Proletariat ist fett -
eine Umkehrung des aus der frühneuzeitlichen
Sozialgeschichte bekannten Begriffes popolo grasso,
des »fetten Volks«, der die Patrizier-Oberschicht meinte
-, schaut RTL 2 und geht nie ohne Handy aus. Es ist an
Statussymbolen, nicht aber an wirklichem
gesellschaftlichem Aufstieg interessiert. Welten trennen
es von der alten Arbeiterklasse mit ihrem
sozialdemokratischen Zukunftshorizont und Leistungsethos."
Die
spezifische Sicht von NOLTE auf die neue Unterschicht
entspringt nicht einem neuen Humanismus (gerne wird in
diesem Zusammenhang vom
"Respekt" gesprochen),
sondern sie ist zwingend dem neuen Sozialstaatsverständnis
geschuldet.
Frank
NULLMEIER hat im Heft 4/2003 der Zeitschrift
"Der Bürger im Staat" die
Konfliktlinien der neuen Sozialpolitik dargelegt. Der
"produktivistische Umbau des Sozialstaats" (auch als
aktivierender Sozialstaat bekannt) erfordert die
Gegenüberstellung von produktiven und unproduktiven Teilen
der Bevölkerung. Genau entlang dieser Konfliktlinie hat
Paul NOLTE seinen Klassenkonflikt positioniert. Dies macht
auch die Aktualität seiner Position aus:
NULLMEIER
stimmt in gewisser Weise mit NOLTE überein, er sieht
jedoch Defizite einer solch "investiven" Sozialpolitik.
Die Neupositionierung führt nach NULLMEIER zu einer
Spaltung zwischen (produktiven) Jungen und (unproduktiven)
Alten:
"Diese
neue sozialpolitische Denkweise (...) bietet (...) keine
politischen Leitlinien für die Sozialpolitik gegenüber
Rentnern und Rentnerinnen. Entsprechend entwickelt sich
innerhalb der Sozialpolitik eine Spaltungslinie: investive
Sozialpolitik für die Jungen und Arbeitsfähigen als
Mischung aus Förderung, Qualifizierung und dem mehr oder
minder verstärkten Zwang zur Arbeitssuche und -aufnahme;
die sogenannte passive Sozialpolitik für all diejenigen,
von denen absehbar kein produktiver Beitrag zu erwarten
ist, insbesondere also den Älteren. Sollte sich eine
Sozialpolitik als Investition und Produktivitätsförderung
durchsetzen, könnte politisch eine bisher nicht vorhandene
Spaltung innerhalb der Bevölkerung erzeugt werden.
Sozialpolitik steht heute vor der Frage, ob sie aus
Gründen der Weltmarktintegration eher als potenzielle
Erzeugerin von sozialen Spannungslinien agieren soll oder
- mit anderen, neuen Mitteln - den Pfad der politischen
und sozialen Integration qua sozialer Sicherung
weitergehen will (vgl. Nullmeier 2003). Die
integrative Funktion der Sozialpolitik selbst steht zur
Debatte - und damit auch die Möglichkeit einer weit
konfliktbetonteren Gesellschaft, einer Gesellschaft mit
intensiveren sozialen Ungleichheiten und größeren
politischen Spannungen."
Um
diese von NULLMEIER aufgeworfene - dezidiert politische
Grundsatzentscheidung - versucht sich unsere
selbsternannte Werteelite herumzumogeln. Der demografische
Wandel oder die Globalisierung dient ihr als Sachzwang,
der angeblich keinen Entscheidungsspielraum zulässt. Der
"Generation Reform"
kommt dieses Argument der Entscheidungsverschlossenheit
mehr als gelegen...
-
DÜRR, Tobias (2004): Auf dem Wege zu einem neuen
Gesellschaftsvertrag,
in: Die ZEIT Nr.16 v. 07.04.
- Kommentar:
Null Information, hundert Prozent Pathos!
Daraus zimmert Tobias DÜRR, Chefredakteur der Berliner
Republik, eine Rezension von Paul NOLTEs Buch
"Generation Reform". Gleichzeitig trägt er seine
Generation
Berlin zu Grabe und lässt sie als Generation Reform
wieder auferstehen.
-
RULFF, Dieter
(2004): Stimme des neuen Bürgertums.
"Generation Reform": Der Historiker Paul Nolte wagt eine
Bestandsaufnahme der Gesellschaft und empfiehlt dem
Sozialstaat eine Therapie,
in: Financial Times Deutschland v. 08.04.
-
MÜCHLER, Günther (2004): Paul Nolte: Generation Reform,
in: Das Politische Buch. Sendung des DeutschlandRadio
Berlin v. 30.04.
- Inhalt:
"Nolte enumeriert fünf Eckpunkte eines
neuen konservativen Profils: Religiöse Fundamente in einer
postsäkularen Welt; Eindämmung der Ego-Gesellschaft;
Subsidiaritäts- und Netzstrukturen; Identitäten und
Identitätsräume; Maßhalten und Machbarkeitsprinzip.
Dreh- und Angelpunkt ist für den Autor dabei der Begriff
der »Verantwortung zur Veränderung«", erläutert Günther
MÜCHLER.
- GLOTZ, Peter (2004):
Neugründungspathos.
Die Vierziger proben den Aufstand,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.05.
- Kommentar:
Peter GLOTZ sieht sich (und andere 68er wie z.B.
Meinhard MIEGEL) mit den Vierzigern Paul NOLTE
("Generation Reform"), Gabor STEINGART und Christoph KEESE
("Rettet den Kapitalismus" endlich im Zentrum der
Gesellschaft angekommen.
Die
neue Werteelite soll den Sozialstaat zurechtstutzen
und dem neuen, klassenbewussten Bürgertum zur Blüte
verhelfen.
- KLUY, Alexander (2004):
Schluss mit Zögern und Zaudern.
Der Historiker Paul Nolte fordert keinen Ruck, sondern
gleich einen System- und Denkwechsel,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.05.
- Inhalt:
"Merkwürdig mutet (...) der Schlusstext an.
(...) »Bürgergesellschaft und christliche Verantwortung in
der postsäkularen Welt« ist dieser Vortrag überschrieben,
den Nolte auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 hielt. Er
postuliert darin überraschenderweise das genaue Gegenteil
dessen, was er bis dato forderte: kein Aufruf an eine neue
Mentalität, keine Neue Dynamik. Vielmehr soll sich die
Politikerkaste ändern. Nolte offeriert hier nicht das Modell
einer reflektierten Moderne, sondern eine wertkonservative
Feier einer religiös motivierten Gesellschaft.
Eine intellektuelle Kehrtwende Noltes? Schon der
beschwerliche und schwerfällige (...) Duktus des letzten
Textes, der sich so merkwürdig von seinem ansonsten luziden
Stil unterscheidet, zeigt, dass er hier einen Weg
beschreitet, von dem er selber nicht so genau weiß, wohin er
führen wird. In einen streitbaren Konservatismus - oder doch
in ein intellektuelles Nirvana alltagsfernen Glaubens?"
fragt sich KLUY.
- BARING, Arnulf (2004):
Rückkehr der Werte.
Paul Noltes Plädoyer für eine neue Bürgergesellschaft,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.05.
- Inhalt:
"Das Wort »Reform« gewann seinen Glanz in
den siebziger Jahren, als immer neue Vergünstigungen aus
dem Füllhorn staatlicher Gelder die Bürger verwöhnten.
Jetzt, wo es um Zumutungen statt Zuteilungen geht, also um
eine Gegenreformation, sollte man eher von
»Konsolidierung« sprechen", meint
Arnulf BARING, dem die Ruck-Bücher der Jüngeren
generell nicht entschieden genug sind.
-
GEPPERT, Dominik (2004): Die deutschen Rumpelstilzchen.
Geld wird nicht aus Dreck gemacht, schreibt Paul Nolte
und plädiert für die Rückkehr zu alten Tugenden,
in: Tagesspiegel v. 25.05.
- Inhalt:
"Die Pointe besteht darin, dass Nolte die
Wiederentdeckung bürgerlicher Werte zum Generationsprojekt
erklärt. Was bis vor kurzem als vermufft, spießig, altbacken
diskreditiert war, sollen die heute 30- und 40-Jährigen
gegen ideologische Verblendungen und Staatsgläubigkeit der
68er, aber auch gegen die Politikferne nachfolgender
Spaßjahrgänge, zum Leitbild ihrer Reformpolitik erheben.
Offen bleibt nur, woher die neue Jugendbewegung der
Mittelalten ihre politische Durchschlagskraft beziehen
könnte. Personalfragen diskutiert Nolte nicht.
Außerparlamentarischen Oppositionsformen steht er skeptisch
gegenüber. Bürger, so schreibt er, gehören in die
Parlamente, nicht auf die Barrikaden. Was geschieht aber,
wenn in unseren Parteien und Volksvertretungen die Zukunft
keine Mehrheit findet, wenn die demographische wie
demoskopische Beharrungskraft von Vergangenheit und
Gegenwart sich als stärker erweist?" fragt sich GEPPERT.
- BIRNBAUM, Christoph (2004): Mehr
Schubkraft für alle.
Der Historiker aus Bremen fordert eine konservative
Revolution: Traditionelle Werte wie Verantwortung sollen
wieder eine größere Rolle spielen,
in: Rheinischer Merkur Nr.22 v. 27.05.
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Klappentext
"Wie haben die
Deutschen im 20. Jahrhundert ihre
»Gesellschaft«, ihr soziales
Zusammenleben verstanden? Welche
Kontinuitäten und Brüche lassen
sich in ihrer Selbstwahrnehmung vom
Kaiserreich und der Weimarer Republik
über das »Dritte Reich« bis zur
Bundesrepublik beobachten? Dieses
Buch bietet einen ungewöhnlichen und
faszinierenden Blick auf die
Sozialgeschichte Deutschlands im 20.
Jahrhundert. Es ist zugleich ein
eminent politisches Buch, denn die
Entwürfe sozialer Ordnung, so zeigt
sich, waren stets aufs engste mit den
Chancen für Demokratie und
individuelle Freiheit verknüpft.
Das 20. Jahrhundert war in
Deutschland nicht nur eine Zeit
tiefgreifender politischer Umbrüche
es war zugleich eine Zeit des
sozialen Wandels, in der die Menschen
immer wieder nach Antworten auf die
Frage gesucht haben, was ihre soziale
Ordnung, ihre »Gesellschaft«
angesichts vielfacher Spannungen und
Konflikte zusammenhält. Paul Nolte
beschreibt in diesem Buch, welches
Bild sich die Deutschen seit der Zeit
des Kaiserreichs und des Ersten
Weltkriegs von ihrem sozialen
Zusammenleben machten, mit welchen
Ängsten und Hoffnungen sie den
Verlust älterer sozialer Bindungen,
den Aufstieg der industriellen
Klassengesellschaft und den
Durchbruch einer anonymen
Massengesellschaft begleiteten.
In der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts fielen soziale
Wirklichkeit und soziale Utopie weit
auseinander, und vielen schien der
Rückzug in eine geordnete,
möglichst konfliktfreie Welt der
Stände und der engen Gemeinschaften
vielversprechend. Daraus gewann auch
die nationalsozialistische
Vorstellung von einer
»Volksgemeinschaft« ihre
Attraktivität. Erst in der
Bundesrepublik der fünfziger und
sechziger Jahre gelang es, die
Ängste vor der gesellschaftlichen
Moderne abzuschütteln; die Deutschen
lernten, eine Ordnung zu akzeptieren,
in der die Verschiedenheit von
Klassen und Schichten, von
politischen und sozialen Interessen
selbstverständlich war. Dieser
Wandel war nur möglich dank einer
Neuorientierung des konservativen
Denkens in Deutschland, das sich mit
der früher so heftig bekämpften
modernen Gesellschaft nun abfand oder
sie sogar emphatisch begrüßte. Denn
ob in der Weimarer Republik oder nach
1945, immer waren es Intellektuelle
und vor allem Sozialwissenschaftler,
welche die Entwürfe einer deutschen
Gesellschaft maßgeblich
prägten."
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Paul Nolte und die neue
Klassengesellschaft in der Debatte
- KERN,
Verena (2002): Wo leben wir denn.
Nach
dem Amoklauf von Erfurt hat das
Nachdenken darüber begonnen, was schief
läuft in unserer Gesellschaft. Doch ihr
einseitiges Selbstbild blockiert jede
zukunftsweisende Antwort
in: TAZ
v. 18.05.
-
KNIPPHALS, Dirk (2002): Softies an der Macht.
Die Intellektuellen
in den Wochen des Wahlkampfs: Große Leidenschaftlichkeit
kommt nicht auf. Zum Aufreger gerät allein Schröders
Mythologisierung der Mitte. Und was, verdammt, waren noch
mal die Berliner Republik und das rot-grüne Projekt?,
in: TAZ v. 31.08.
- Kommentar:
KNIPPHALS kritisiert den Historiker Paul
NOLTE, weil dieser in der FAZ vom
26.02.2002 das Problem der
Nachwuchs-Nichtnaturwissenschaftler zum allgemeinen
Problem hochgespielt hat.
Dagegen
hält er es lieber mit Heinz
BUDE und dessen Intellektuellen-Schelte. Es geht dabei
um die Überwindung der Errungenschaften der Bonner
Republik und um eine Ablösung der Flakhelfer-Generation.
Verschwiegen
wird von KNIPPHALS jedoch, dass BUDE darüber frustriert
ist, dass seine Marke "Generation Berlin" z.Z. grosse
Absatzprobleme hat. Dabei möchte BUDE so gerne Führer
einer Jugendbewegung sein.
Beim
Aufbruch zu neuen Ufern sind aber offensichtlich die
sozial Schwachen auf der Strecke geblieben, weswegen jetzt
selbst BUDE nicht mehr nur eine Politik für die sozial
Starken fordern kann, sondern auch "Respekt" für die
sozial Schwachen übrig hat.
Gefördert
müssen jedoch in erster Linie sozial Starke werden, denn
diese können abwandern. Sozial Schwache werden nur
gewalttätig, weswegen Sicherheit bei der Elite der Neuen
Mitte Thema Nr.1 ist (siehe hierzu das Interview von Heinz
BUDE in der Frankfurter Rundschau vom 14.06.2002, auf das sich
auch KNIPPHALS beruft).
-
GREFFRATH, Mathias (2004): Der leere Sockel,
in: TAZ v. 14.01.
- Kommentar:
"Volkshochschulen,
Wüstenrot und Lesering.
Schelskys Mittelstandsgesellschaft wurde zum
Spitzenslogan der soziologischen Nachkriegsideologie. Für
ein Jahrzehnt verschwanden Klasse,
Bürgertum, ja selbst
Unterschicht aus der Diskussion",
doziert
Mathias GREFFRATH.
Paul NOLTE hat in der
ZEIT vom 17.12. 2003 diese
konservativ-bürgerliche Idee von der "klassenlosen"
Gesellschaft verabschiedet, um sein sozialpädagogisches
Konzept der neuen Werteelite vorzustellen.
"Das
klingt fürsorglicher und weniger zynisch als etwa
Peter Glotz fatalistische Prognose, ein Drittel werde eben
im digitalen Kapitalismus nicht mehr gebraucht, man
möge ihnen ein karges Grundeinkommen garantieren, damit
sie nicht mit Steinen schmeißen. Nolte will die Prolls
wieder in die »Mehrheitsgesellschaft« integrieren, an die
bürgerlichen Werte »anschließen«", anerkennt GREFFRATH
erst einmal, um anschließend NOLTEs Vorschläge als
Plädoyer für einen "Turbokapitalismus mit
guten
Manieren" zu kritisieren.
GREFFRATH setzt NOLTE seine
eigene Utopie entgegen, in der die Tradition der
bürgerlichen Geschichte, und ihren beiden Strängen -
Aufklärung und Kapitalismus - vereint wird: "die der
weltbürgerlichen Arbeitsgesellschaft."
"»Work
hard and play by the rules«, das ist
die halbierte Bürgerlichkeit, solange man nicht über die
rules streitet. Und deshalb bleibt, wie
Adorno schon sagte, der Sockel einstweilen leer",
entgegnet er NOLTE.
Unkritisiert
bleibt dagegen der lange
Artikel von NOLTE in der TAZ vom
31.12.2003.
Möglicherweise gibt es ja zwischen GREFFRATH und NOLTE
mehr Übereinstimmungen als Unterschiede.
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