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Paul Nolte: Die neue Klassengesellschaft

 
       
     
       
     
       
   

Paul Nolte in seiner eigenen Schreibe

 
   

NOLTE, Paul (2001): Soziologie I.
Heinz Bude: Generation Berlin,
in: Literaturen Nr.6, Juni

NOLTE sieht im Buch "Generation Berlin" von Heinz BUDE den Auftrag zur Reform an sich und seine Generation:

"»Generation Berlin«: mit diesem Schlagwort bezeichnet Bude die um 1960/1965 Georenen, die letzten Kinder der alten Bundesrepublik. (...). Von ihnen, von ihrem intellektuellen Gestus der Nüchternheit hält Bude viel; sie sollen zu den eigentlichen Gestaltern der Berliner Republik werden. (...).
        
Gesellschaftsveränderung stünde nicht mehr auf der Agenda? Wieder falsch, denn wir sind inzwischen  mitten in einer längst überfälligen Renaissance der Gesellschaftspolitik, und es sind die 30- bis 40-Jährigen, die sagen »Reformen -  ja, bitte!« Die Anstöße, die Heinz Bude gibt, müssen deshalb weitergedacht werden."

NOLTE, Paul (2001): Klingeln Sie bei Ihrem Nachbarn!
Die Rückkehr der Gesellschaft: Wie bürgerschaftliches Engagement und soziale Gerechtigkeit zusammengedacht werden können,
in: Literaturen Nr.9, September

Die Zivilgesellschaft und der Umbau des Sozialstaats in der "Single-Gesellschaft"

NOLTE, Paul (2002): Unsere Klassengesellschaft.
Wie könnten die Deutschen angemessen über ihr Gemeinwesen sprechen? Ein unzeitgemäßer Vorschlag,
in: Die ZEIT Nr.2 v. 04.01.

NOLTE, Paul (2002): Der Geist flieht links.
Rot-Grün verprellt Wissenschaftler und Intellektuelle,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.02.

NOLTE, Paul (2002): Die neue Mitte - ein Selbstbetrug.
Die SPD setzt auf die schöne neue Arbeitswelt der IT - und vergisst ihre eigene Klientel,
in:
TAZ v. 18.05.

Bis vor kurzem redete jeder von der neuen Mitte. Der Münchner Soziologe Ulrich BECK hat mit seiner Neuformulierung der "nivellierten Mittelstandsgesellschaft" (SCHELSKY) die öffentliche Sozialstaats-Debatte dominiert.
         Mit Scheindebatten wie Familien contra Singles wurde elegant von der Tatsache abgelenkt, dass die Unterschiede innerhalb der Generationen größer sind als zwischen den Generationen. Dieser Konsens ist angesichts der Wahlerfolge der Populisten in Europa am Bröckeln.
         Paul NOLTE behauptet nun zwar "dass Polarisierung, nicht Homogenisierung sozialer Lagen in der ominösen 'Mitte' die Bundesrepublik kennzeichnet." Ausdruck findet diese Polarisierung in den Distinktionsstrategien:

"Vorherrschend ist dabei jedenfalls die Zuordnung 'nach unten' oder 'nach oben' und gerade nicht die Konsolidierung eines allgemeinen Lebensstils der Mitte. Nicht zufällig wird in letzter Zeit der Aufstieg einer neuen Klasse beschrieben, die sich durch ihre Lebensführung vom Zentrum der Gesellschaft abzusetzen versucht: Das sind die 'Bobos' oder 'Bourgeois Bohemians' bei David Brooks; das ist die neue 'globale Klasse' bei Ralf Dahrendorf."

Auf der anderen Seite versucht NOLTE die "Familien contra Singles"-Debatte in die neue Ära hinüberzuretten:

"der Abstand zwischen unteren und 'mittleren' sozialen Lagen (ist) vielfach gewachsen. Ein Grund dafür ist die Massenarbeitslosigkeit, ein anderer die Zunahme familiärer Instabilität in der Unterschicht - Stichwort: allein erziehende Mütter. Andererseits nimmt die Kinderlosigkeit besonders in der (akademischen) Mittelschicht deutlich zu, die sich damit auf Kosten der Allgemeinheit einen höheren Wohlstand finanziert."

Da heutzutage Bildungsabschluss und Einkommenshöhe nicht mehr unbedingt miteinander korrespondieren, ist eine solche Behauptung selbst populistisch. Differenzierter wird das Thema Familie von Christoph BUTTERWEGGE behandelt.

NOLTE, Paul (2002): Wieviel Zumutung braucht der Mensch?
Plädoyer für eine neue bürgerliche Gesellschaft, für Reformfreude und Machbarkeitsskepsis, kurz für: Schwarz-Grün,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.07.

Der Historiker Paul NOLTE formuliert den Sozialabbau als Kernelement einer neuen Klassengesellschaft, die ihm vorschwebt. Dazu ist der "»Umbau« von »Denkweisen und Sozialmentalitäten«" notwendig, der den "Abschied vom bequemen Kollektivismus ebenso wie vom falsch verstandenen Individualismus" beinhaltet. Sein Gegenentwurf

"lässt sich mit dem Prinzip der Verantwortung beschreiben. Es bedeutet Verantwortung für die eigenen Lebensführung, die durch Reformen gestärkt werden muss, im Arbeitsmarkt oder in der Krankenversicherung ebenso wie im Konsum von Lebensmitteln oder Kulturgütern."

Den Kernbereich sieht NOLTE im Prinzip der Verantwortung für Dritte:

"Familie und die verantwortliche Kindererziehung, ob mit oder ohne Trauschein".

NOLTE, Paul (2002): Der amerikanische Dissens.
Jedediah Purdy kritisiert die ironische, unpolitisch-distanzierte Haltung der kommerzialisierten Popkultur in den USA. Seine Streitschrift ist furios, naiv - und voller interessanter Anregungen,
in: TAZ v. 17.09.

NOLTE, Paul (2002): Vom Verschwinden des Bürgertums in der CDU.
Die Union braucht wieder ein zeitgemäßes bürgerliches Profil - Sonst droht ihr der Populismus,
in: Welt v. 19.10.

NOLTE, Paul (2002): Kleiner Ratgeber für Merkel & Co.
Die Eindämmung der Ego-Gesellschaft. Oder: Warum Konservative nicht von gestern sein müssen,
in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.

Paul NOLTE legt einen wertkonservativen Katalog der Generation Berlin vor, in dem der "Single-Gesellschaft" und der Popkultur eine Absage erteilt wird. Stattdessen fordert NOLTE eine Zivilreligion, deren Wertekanon aus den 1950er Jahren stammt.

NOLTE, Paul (2002): BürgerInnen, ins Parlament!
Vielleicht haben wir eine schlechte Regierung. Aber das ist noch lange kein Grund, die gefährlichen Klischees des typisch deutschen Antiparteien-Affektes wieder zu beleben,
in: TAZ v. 28.11.

Der wertkonservative Historiker Paul NOLTE nutzt die berechtigte Kritik an den Anti-Demokraten zu einer unberechtigten Polemik gegen Kinderlose, denen NOLTE jegliches Recht auf Kritik absprechen möchte:

"Im Moment ist das Rentner-Bashing angesagt, und die Flagge der Jugend und ihres Anspruchs auf Gerechtigkeit zu schwenken verspricht Punkte im politischen Kampf. Zweifellos: die Lastenverteilung zwischen den Generationen ist lange vernachlässigt worden, und die typisch deutsche Vorstellung, eine angeblich konstante gesamtgesellschaftliche Arbeitsmenge nur gerechter verteilen zu müssen - ein falsches Spiel bereits seit Ende der 70er-Jahre -, ist endgültig zusammengebrochen. Aber der kämpferische Gestus einer angeblich betrogenen Generation ist angesichts des Wohlstands der »Generation Golf« fehl am Platze. Ein bisschen komplizierter als in dem Schema »Alt gegen Jung« sind die Verhältnisse schon. Man muss nur daran erinnern, dass für den Erhalt der Rentenversicherung eine nachwachsende Generation notwendig ist, weshalb die kinderlosen Jungrevolutionäre über die jetzigen Rentner mal lieber schweigen sollten."

NOLTE, Paul (2003): Stürzt SPD-Chef Bismarck!
Die Sozialdemokratie steckt in der Krise, weil ihr Gerechtigkeitsbegriff von vorgestern ist,
in: Die ZEIT Nr.8 v. 13.02.

Es ist heute schick auf die Sozialsysteme zu schimpfen.  Neoliberale aller Länder vereinigt euch, heißt heutzutage der beliebte Kampfruf des Klassenkampfs von Oben. Auch Paul NOLTE hat die Schnauze voll vom "Modell Deutschland". Da ist es unzeitgemäß, wenn ein Buch mit dem Titel Vorbild Deutschland erscheint und ganz frech behauptet, dass der Sozialstaat zu unseren Stärken gehört. Genau das behauptet der Ökonom Detlef GÜRTLER. Sein Vorbild ist jedoch nicht Frank BSIRSKE, sondern Ludwig ERHARDT. Man muss dem inhaltlich nicht unbedingt immer zustimmen, aber die Methode macht Sinn, denn sie macht den Kopf frei, um die produktiven Potenziale unseres Systems entdecken zu können und nicht immer gleich reflexhaft die richtigen Antworten parat zu haben.

NOLTE, Paul (2003): Einer für alle, alle für einen.
Mehr als Korrekturen: Überleben kann der Sozialstaat nur, wenn er gegen die kollektive Unverantwortlichkeit neu begründet wird,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.04.

NOLTE, Paul (2003): Ein Bruch? Aber sicher!
Agenda 2010 (II): Gewerkschaften und Sozialdemokraten sind in Deutschland zu eng verbandelt. Das verhindert nicht nur politische, sondern auch gesellschaftliche Reformen,
in: TAZ v. 24.05.

Paul NOLTE schlägt der SPD ganz eigennützig vor, sich seiner - d.h. der Neuen Mitte - noch mehr anzunehmen. Dazu ist ein Bruch mit den Gewerkschaften notwendig und ein bisschen Engagement für die Marginalisierten schadet zum Kaschieren des Eigennutzes auch nicht:

"Die einstmals beschworene, inzwischen abgetauchte »Neue Mitte« könnte dann wieder ein stärkerer Bezugspunkt werden, aber auch jene neuen Unterschichten und Marginalisierten, die vom traditionalistischen Gesellschaftsbild der Gewerkschaften und von deren Interessenpolitik kaum erfasst werden."

Die Gewerkschaften sollen sich aus der Produktionssphäre zurückziehen und sich stärker im Jenseits der Arbeitswelt engagieren.

NOLTE, Paul (2003): Wieviel Zumutung braucht der Mensch?
Plädoyer für eine neue bürgerliche Gesellschaft, für Reformfreude und Machbarkeitsskepsis, kurz für: Schwarz-Grün,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.07.

Der Historiker Paul NOLTE formuliert den Sozialabbau als Kernelement einer neuen Klassengesellschaft, die ihm vorschwebt. Dazu ist der

"'Umbau' von 'Denkweisen und Sozialmentalitäten" notwendig, der den "Abschied vom bequemen Kollektivismus ebenso wie vom falsch verstandenen Individualismus"

beinhaltet. Sein Gegenentwurf

"läßt sich mit dem Prinzip der Verantwortung beschreiben. Es bedeutet Verantwortung für die eigenen Lebensführung, die durch Reformen gestärkt werden muß, im Arbeitsmarkt oder in der Krankenversicherung ebenso wie im Konsum von Lebensmitteln oder Kulturgütern."

Den Kernbereich sieht NOLTE im Prinzip der Verantwortung für Dritte:

"Familie und die verantwortliche Kindererziehung, ob mit oder ohne Trauschein".

Zivilgesellschaft und der Umbau des Sozialstaats in der "Single-Gesellschaft"

NOLTE, Paul (2003): Sozialstaat, Gesundheit und Gerechtigkeit.
Plädoyer für eine neue Sozialpolitik in veränderter Welt,

in: Kommune  Nr.3 v. 18.08.

NOLTE, Paul (2003): Reformen! Reformen!
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.10.

NOLTE, Paul (2003): Vom Verschwinden des Bürgertums in der CDU.
Die Union braucht wieder ein zeitgemäßes bürgerliches Profil - Sonst droht ihr der Populismus,
in: Welt v. 19.10.

NOLTE, Paul (2003): Kleiner Ratgeber für Merkel & Co.
Die Eindämmung der Ego-Gesellschaft. Oder: Warum Konservative nicht von gestern sein müssen,
in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.

NOLTE legt einen wertkonservativen Katalog der Generation Berlin vor, in dem der "Single-Gesellschaft" und der Popkultur eine Absage erteilt wird. Stattdessen fordert NOLTE eine Zivilreligion, deren Wertekanon aus den 50er Jahren stammt.

NOLTE, Paul (2003): Vom Steuerstaat zur Gebührengesellschaft.
Sie stärkt die Mündigkeit ihrer Bürger und nimmt sie in die Verantwortung für von ihnen finanzierte Leistungen,
in: Frankfurter Rundschau  v. 06.12.

NOLTE, Paul (2003): Patriotismus.
Zukunft und Selbstverbesserung,
in: Politisches Feuilleton. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 10.12.

NOLTE, Paul (2003): Das große Fressen.
Nicht Armut ist das Hauptproblem der Unterschicht. Sondern der massenhafte Konsum von Fast Food und TV,
in: Die ZEIT Nr.52 v. 17.12.

Paul NOLTE will die Unterschichten erst erziehen und dann kommt der materielle Wohlstand von alleine. Und natürlich sind die 68er wieder einmal schuld:

"Die 68er haben die Bürgerlichkeit als Bürgerkinder angegriffen, also in dem stillen Bewusstsein, sich am Ende, nach der Revolte, doch auf das bürgerliche Sicherungsnetz ihrer Bildung, ihrer Herkunft, ihrer kulturellen Ressourcen ganz allgemein verlassen zu können. Aber nicht alle, die das nachahmenswert fanden, hatten dieses Netz zur Verfügung, und dann war ein Absturz die Folge. Die Schäden kann man jetzt unter anderem in jenen Elterngenerationen besichtigen, die mit einer missverstandenen Laisser-faire-Erziehung gescheitert sind. So waren sie dem Ansturm der neuen Medien und Massenkultur seit den achtziger Jahren wehrlos ausgesetzt.
Wir stehen vor einem Neubeginn, einem Paradigmenwechsel im politischen Umgang mit den Unterschichten. Wir sind zu lange einem Konzept gefolgt, das man als »fürsorgliche Vernachlässigung« bezeichnen könnte. Einer vergleichsweise hohen materiellen Fürsorge der Unterschicht steht eine Vernachlässigung in sozialer und kultureller Hinsicht gegenüber. Das Ziel muss es wieder sein, Kulturen der Armut und der Abhängigkeit, des Bildungsmangels und der Unselbstständigkeit nicht sich selbst zu überlassen, sondern sich einzumischen, sie herauszufordern und aufzubrechen. Es geht um Integration in die Mehrheitsgesellschaft, aber auch – für viele ein heikleres Thema – um die Vermittlung kultureller Standards und Leitbilder.
"

Wir haben gemäß NOLTE kein Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsproblem, sondern nur ein Erziehungsproblem!

NOLTE, Paul (2003): Noch ist Ruhe Bürgerpflicht.
Angst vor dem Absturz? Nein. Nur leichte Verunsicherung macht sich in der Mittelschicht wegen der Reformen von Rot-Grün bemerkbar. Vor echte Herausforderungen hat die Politik sie bisher nicht gestellt
in: TAZ v. 31.12.

NOLTE, Paul (2003): Politik in neuen Spannungsfeldern.
Dem "Berliner Programm" der SPD liegt ein Menschenbild zu Grunde, das heute in die Irre führt und zur gesamten Tradition der Partei nicht pass. Nur wenn die Partei das Ausmaß des gesellschaftlichen Wandels begreift, kann sie in Zukunft erfolgreich sein,
in: Berliner Republik, Nr.6, Dezember/Januar

NOLTE, Paul (2004): Elite von unten.
Eine Hochschulreform muß andere Wege gehen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.01.

"Das Wahljahr 2004 als Jahr der Innovation, das verheißt nichts anderes als die geplante Stilllegung der Sozialstaatsreformen", befürchtet Paul NOLTE, der ganz gerne in einer neuen Klassengesellschaft leben möchte, selbstverständlich in der ersten Klasse, dort wo die Leitkultur der neokonservativen Werteelite für die Unterschichten fabriziert wird...

Michael Hartmann - Die geschlossene Gesellschaft des Topmanagements

NOLTE, Paul (2004): Das Fundament der Reform.
Der gründliche Umbau unseres Steuersystems darf nicht auf die lange Bank geschoben werden,
in: Welt v. 20.01.

Paul NOLTE bezeichnet die Reformrezepte von Paul KIRCHHOF und Friedrich MERZ als jene, die seinen Vorstellungen am nächsten kommen. Das Steuersystem soll zwar vereinfacht werden, dennoch muss es Ausnahmen geben, z.B. bei Steuerbefreiungen für Familien.

NOLTE, Paul (2004): Ohne Elite geht es nicht.
Eine Gesellschaft braucht konkurrierende Eliten, sie muss sie kontrollieren und notfalls auch austauschen können,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.01.

An Bekenntnisse à la "Ich habe abgetrieben" oder "Ich bin schwul, und das ist gut so" hat man sich mittlerweile gewöhnt, nun bekennt sich die neue Werteelite zu ihrem Führungsanspruch:

"»Fühlen Sie sich einer Elite zugehörig?« Da ist dieses typische Zögern, einen Moment lang, ob man sich mit einem Ja nicht der Lächerlichkeit preisgibt, dem Vorwurf der Arroganz, des Abgehobenseins aussetzt. Ich komme aus einer ganz normalen Akademikerfamilie, aber schon darin lag ein Startvorteil; ich habe mir im Laufe der Zeit Bildungspatente gesichert und eine entsprechende berufliche Position erreicht - und solche Bildungspatente wie der Doktortitel gelten in Deutschland immer noch vergleichsweise viel, auch wenn die Zeit der übertriebenen Ehrfurcht vor dem Akademiker, der Frau Doktor, dem Herrn Professor, längst vorbei ist.
Wenn das Zögern heruntergeschluckt ist, kann die Antwort nur Ja lauten
",

schreibt Paul NOLTE.
      
   Braucht es jedoch solche Bekenntnisse?
        
 Gemäß Michael HARTMANN ergibt sich die Zugehörigkeit zur Elite einzig aus der gesellschaftlichen Position und der damit verbundenen Macht.
        
 Marc BUGGELN hat im Freitag vom 23.01. geschrieben, was von der neuen Elite-Debatte zu halten ist, die am Gegensatz von Elite und Masse orientiert ist, aber konsequent die Realitäten des Leistungsmythos ignoriert.

NOLTE, Paul (2004): Die große Rolle rückwärts.
Angela Merkel Superstar? CDU-Chefin will mit einem gemeinsamen Kandidaten ein Signal für die Einheit des "bürgerlichen Lagers" setzen. Aber gibt ges diese Eintracht wirklich?
in: Rheinischer Merkur Nr.11 v. 11.03.

Der neokonservative Historiker Paul NOLTE ist sichtlich verärgert darüber, dass Angela MERKEL von seinem bevorzugten schwarz-grünen Bündnis nichts wissen will, und stattdessen mit der FDP liebäugelt:

"Was ist ein bürgerliches Lager wert, aus dem die zunehmend verbürgerlichten Grünen kategorisch ausgeschlossen sind? Und andersherum: Welchen Wert hat dieser Begriff dort, wo eine bürgerliche Schicht schmal und nicht mehrheitsfähig ist, in Ostdeutschland nämlich oder auch in vielen Städten des Ruhrgebiets?
Die CDU muss die schwierige Aufgabe lösen, sich mit einem konsistenten gesellschaftspolitischen Reformprogramm neuen Formen der Bürgerlichkeit zu öffnen, dabei aber die »unterbürgerliche Welt« nicht zu vergessen."

Unterbürgerlich, da ist das Untermenschliche nicht sehr weit!

NOLTE, Paul (2004): Das Rumpelstilzchen-Modell.
Oder: Der schwere Abschied von postmodernen Illusionen,
in: Berliner Republik Nr.2, März/April

Als single-generation.de vor drei Jahren diese Seiten ins Netz stellte, war eine Zielsetzung Ulrich BECKs Individualisierungsthesen zu entmythologisieren. Immer wieder beschrieb single-generation.de diese "Theorie" als das erfolgreichste Enttäuschungsprodukt der Neuen Linken (nunmehr zur neuen Mitte mutiert). Es wurde außerdem immer wieder darauf hingewiesen, wie mittels Single-Rhetorik die gesellschaftliche Selbstbeschreibung pervertiert wird.
      
   Im Oktober 2003 hat single-generation.de zum 20jährigen Jubiläum der Individualisierungsthese alle Gedanken nochmals zugespitzt und den Zusammenhang zwischen dem neuen Familienfundamentalismus und dem "Terror der Individualisierungsthese" aufgezeigt. Am 07. März 2004 bescheinigte Richard HERZINGER im ZEIT-Weblog diesem Essay, dass er in "origineller Weise" die Entstehung eines  neuen Familienfundamentalismus in Deutschland erklärt. Seitdem ist dieser Essay zur beliebtesten Seite avanciert. Paul NOLTE greift nun in seinem Essay in der gerade erschienenen SPD-Zeitschrift Berliner Republik die Gedanken von single-generation.de unter der Überschrift Wie Ulrich Beck die "Ich-AG" erfand auf:

"Blickt man auf diesen Trend in generationeller Perspektive, dann lässt er sich wohl eher als ein Erbe der »Achtundsechziger« verstehen, die nach gescheiterter Weltrevolution wenigstens die Revolution in ihrem eigenen Beziehungschaos, einschließlich der spezifisch deutschen akademischen Kinderlosigkeit, rechtfertigen wollten."

Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Paul NOLTEs Perspektive und der Perspektive von single-generation.de.
      
   NOLTE kritisiert die BECKsche Individualisierungsthese in reaktionärer Absicht. Er ist damit das beste Beispiel für die Stimmigkeit der Thesen von single-generation.de, wonach sich der neue Familienfundamentalismus allein aus den Reaktionen auf die Individualisierungsthese erklären lässt, während die postmoderne Familienwirklichkeit keine Rolle in diesem "Krieg der Eliten" spielt. Die Single-Rhetorik dient mittlerweile einerseits zur unverblümten Forderung nach einer Bevölkerungspolitik und andererseits dient sie freiwillig Kinderlosen wie Susie REINHARDT zur Legitimierung eines Lebensstils, der nur auf ein eng begrenztes "individualisiertes" Milieu beschränkt ist.
      
   Die Perversität der gesellschaftlichen Selbstbeschreibung als "Single"-Gesellschaft verdeckt den Blick darauf, dass wir weiterhin eine "Familien"-Gesellschaft sind.
      
   Soziale Herkunft ist nicht umsonst das entscheidende Kriterium für individuellen Erfolg. Selbst das Heiratsverhalten wird stärker davon bestimmt als die postmoderne Gesellschaft das nahe legen würde.
      
   Mögliche Probleme der Paarbildung der "Generation Bildungsexpansion" bleiben bei NOLTEs reaktionärer Sicht ebenfalls ausgespart.
      
   Die Perversität besteht darin, dass wir die heutige Familiengesellschaft mit dem Maßstab der 50er-Jahre messen, statt die neuen Familienrealitäten anzuerkennen.
      
   Die amtliche Statistik ist die Hüterin der überlebten Normen. Das geht so weit, dass das Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit in Deutschland bis zu 50 % von jenen Zahlen abweicht, die in der öffentlichen Debatte diskutiert werden.
      
   Die Mehrzahl der einflussreichen Gesellschaftsmitglieder profitiert offensichtlich von dieser statistischen Verblendung!
      
   Die Profiteure in der neuen Mitte nutzen die Vorteile postmoderner Familienformen. Die alte Mitte kann bei ihrer Klientel die familienfundamentalistischen Reflexe mobilisieren.
      
   Bislang ist single-generation.de der einzige Versuch in Deutschland diesen Skandal öffentlich zu machen. Bei den Verlierern handelt es sich um eine Minderheit, die keinerlei Anwälte in dieser Gesellschaft hat: Nicht-Erben, gering verdienende Kinder- bzw. Elternlose, gering verdienende Partnerlose. Die Mitte trägt ihren Krieg um das gültige Familienmodell auf dem Rücken dieser Randgruppen aus!

NOLTE, Paul (2004): Die Resistenz des deutschen Wurstbrotes.
Ulrich Beck, Nathan Sznaider und andere prüfen und präzisieren die Thesen der Globalisierung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.

Der Historiker NOLTE kritisiert die "schicke Gegenüberstellung einer nationalen »ersten Moderne« und einer globalen zweiten oder »reflexiven Moderne«" von Ulrich BECK.

NOLTE, Paul (2004): In den Spiegel sehen können.
Patriotismus ist nicht mehr der konservative Gegenpol zur Modernisierung, sondern Teil von ihr,
in: Welt v. 03.06.

NOLTE, Paul (2004): Wider den totalen Pluralismus.
Warum in einer Gesellschaft der Ungleichheit nicht jeder nach seiner Fasson selig werden kann,
in: Tagesspiegel v. 25.07.

Die Tatsache, dass Deutschland keine Leistungsgesellschaft ist, sondern die Herkunft entscheidend für den individuellen Aufstieg und Einkommensreichtum ist, wird von Paul NOLTE umgedeutet zu einer Diktatur der Chancengesellschaft, die den "Unterschichten" (offensichtlich alle, die sich nicht einer neokonservativen Wertepolitik fügen wollen) zu einer Leitkultur verpflichten möchte:

"Diese Leitkultur sollte bürgerlich im besten Sinne sein: indem sie die Achtung des anderen aus der Selbstachtung, aus dem Selbstvertrauen gewinnt – und Selbstvertrauen resultiert aus der Fähigkeit zu einer selbstverantwortlichen Lebensführung, zu einem aktiven Lebensentwurf."

Richard HERZINGER hat erst vor kurzem darauf hingewiesen, dass bei solch einer Lebensstilpolitik grundsätzlich jedes Verhalten als asozial ins Visier genommen werden kann, das sich nicht der herrschenden Mehrheitsgesellschaft unterordnet.

NOLTE, Paul (2004): Oh! Position!
Kleines Wörterbuch der Reform-Sprachstörungen,
in: Tagesspiegel v. 20.09.

Der Tagesspiegel druckt ein gekürztes Reform-Wörterbuch der Reformwilligen aus dem Kursbuch "Die große Entsolidarisierung" nach. Garantiert neuernst textet dort der neokonservative Besitzstandswahrer Paul NOLTE z.B.:

"Bsirske, Peters, Sommer: Neues hochkonservatives Triumvirat der Besitzstandsverteidigung. Zuspätgekommene der siebziger und achtziger Jahre. Drohen dem Kanzler regelmäßig, doch geht wirkliche Gefahr von ihnen nicht aus."

Was in deutschen Pfarrhäusern als humorvoll gilt, liest sich dann z.B. so:

"Familie: Lebensform nicht unbedingt verheirateter Erwachsener nicht unbedingt verschiedenen Geschlechts mit nicht unbedingt eigenen Kindern. Vor Jahren auf Reservate in Hochsauerland und Emsland zurückgedrängt, breitet sich die Familie wieder flächendeckend aus. Besser man hat eine, sonst kriegt man Schwierigkeiten im neuen Verteilungskampf."

Über die demographische Entwicklung, Gerechtigkeit, Spaßgesellschaft usw. gibt es ähnlich Pfarrhäuslerisches.

NOLTE, Paul (2005): Die Abschiebung der Reproduktion.
Natürlich sind Kinder ein Armutsrisiko - in den Mittelschichten gibt es Debatte: ja kaum welche,
in: Welt v. 26.01.

Der Neokonservative Paul NOLTE betreibt die Re-Moralisierung des Kinderkriegens.

"Nicht Kinder machen arm - Armut gebiert Kinder"

ist einer jener Slogans, mit denen neuerdings die Rückkehr der asozialen Familie betrieben wird. Die Kinderlosigkeit der Akademikerin wird in einer solchen Sicht zum Schutzmechanismus für Selbstverwirklichungsprivilegien. Der Gipfel ist dann die Selbststilisierung der eigenen Elternschaft als Außenseitertum!
        
Merkwürdigerweise gibt es jedoch KEINERLEI brauchbare Studien über die ominöse Kinderlosigkeit von Akademikern. Warum eigentlich? Gäbe es sie, es müssten dann vielleicht einige Vorurteile revidiert werden, z.B. dasjenige, dass Herr NOLTE zu einer Minderheit der akademischen Väter gehört...

NOLTE, Paul (2005): Kinder brauchen Männer, Männer brauchen Kinder.
Das Scheitern der Emanzipation und die neue Geschlechterdifferenz,
in: Universitas, Mai

Im Schwerpunkt "Was Kinder (und Eltern) brauchen" schreibt Paul NOLTE über die vaterlose Gesellschaft.
        
Nach Meinung von NOLTE hatten es die 68er und jene, die nach ihnen kamen - also NOLTE - in der Hand "das große Programm der geschlechterpolitischen Emanzipation umzusetzen". Aber sie sind gescheitert. Dies beschreibt NOLTE folgendermaßen:

"Zwischen der Mitte der siebziger und der Mitte der achtziger Jahre - nicht viel früher, nicht viel länger - tat sich für die damals Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Bundesrepublik ein Fenster zur Zukunft auf. (...). Es war die Zeit, in der Jungen auch weinen durften, Väter sich mit Kinderwagen nicht nur am Sonntagnachmittag zeigten und überhaupt Männer als »Softies« erstrebenswert waren.
Doch kurz danach, wohl noch im Laufe der achtziger Jahre, muss der Faden gerissen sein. Das Bild von einer auch äußeren und verhaltensmäßigen Angleichung der Geschlechter verblasste (...). Die moderne Geschlechteridentität kapselte sich in einer Milieunische ein: bei Akademikern, vor allem denen einer bestimmten Sorte, bei den pädagogischen Berufen und im Universitätsmilieu."

Eine solche Lesart entspricht der Legendenbildung wie sie Reinhard MOHR in "Zaungäste" und "Generation Z" betrieben hat.
        
Dass der Softie jemals mehr als nur ein Milieuphänomen war, muss jedoch bezweifelt werden.
        
Nimmt man z.B. Diedrich DIEDERICHSENs "Sexbeat" oder Jürgen TEIPELs "Verschwende Deine Jugend", dann spielten selbst in der Subkultur der frühen 80er Jahre Frauen kaum eine gleichberechtigte Rolle. Man wundert sich, dass ein ausgewiesener Historiker solch eine einseitige Geschichtsschreibung betreibt...

NOLTE, Paul (2005): Merkels neue Mitte.
Die Abkehr von der beaufsichtigten Gesellschaft braucht selbstbewusste Mittelschichten,
in: Tagesspiegel v. 29.05.

Paul NOLTE ist rhetorisch eine Art Rudi DUTSCHKE der Berliner Republik, dem jegliches Charisma fehlt.
      
  Sein revolutionäres Subjekt ist jedoch nicht mehr die Arbeiterschicht, sondern die Mittelschicht. Statt Studentenführer also Angestelltenführer. Und das Projekt ist auch keine Revolte mehr, sondern nur noch eine Reform. Aber bereits die Neue Linke hat bekanntlich vergeblich gerufen.
        
Wenn man Ijoma MANGOLD und Frank SCHIRRMACHER glaubt, dann sind der Neuen Mitte das eigene Portemonnaie sowieso näher als die Herausforderungen sich als Vorbild für - und Erzieher von - Unterschichten einspannen zu lassen.

NOLTE, Paul (2005): Jamaika für Deutschland.
Eine schwarz-gelb-grüne Koalition könnte der Beginn einer neuen Ära sein, findet Paul Nolte. Ob sie will oder nicht,
in: Welt am Sonntag v. 25.09.

NOLTE, Paul (2006): Kirchensteuer für alle!
Der Historiker und Vordenker Paul Nolte über die Chancen des religionsfreundlichen Staates. Kein Störfall, sondern Ressource: Glaube als wichtiger Faktor. Ein Gemeinwesen, das dies übersieht, verschleudert leichtsinnig Potenziale,  
in: Rheinischer Merkur Nr.6 v. 09.02.

NOLTE, Paul (2007): Der Wert der Familie.
Kinder bei den Müttern zu lassen und die Mütter zu Hause, das ist zumindest ein etwas enges Verständnis von konservativer Politik,
in: Welt am Sonntag v. 25.02.

NOLTE, Paul (2009): Weniger Staat, mehr Demokratie.
Warum eine Rückkehr zum Interventions- und Wohlfahrtsstaat weder möglich noch wünschenswert ist. Und wofür der Staat weiter gebraucht wird: als Sponsor und Partner der Bürgergesellschaft,
in: TAZ v. 26.09.

NOLTE, Paul (2010): Freiheit in Zeiten des Internet.
Wissen die Deutschen, was sie an der Demokratie haben? Die jüngere Generation kann mit dem Freiheits-Pathos der Eltern nicht mehr viel anfangen. Für sie zählen die Freiräume im Alltag,
in:
Welt v. 24.04.

NOLTE, Paul (2010): Freiheit in der Bindung.
Immer weniger Menschen sind der Überzeugung, die Demokratie sei die beste Regierungsform. Ein zeitgemäßer Entwurf der Freiheit wird daher nicht im Staat und nicht im Individuum, sondern in der Bürgergesellschaft zu verankern sein,
in:
Frankfurter Rundschau v. 26.04.

Neu:
NOLTE, Paul (2010): Im Sog größerer Kräfte.
Einheit: Äußerlich blieb vieles beim Alten – unter der Oberfläche ist das Land nicht mehr wiederzuerkennen. Doch dabei hat nicht nur die Vereinigung Regie geführt, sondern vor allem die Globalisierung,
in: Rheinischer Merkur Nr.39 v. 30.09.

 
       
   

Paul Nolte: Porträts und Gespräche

 
   

LAU, Miriam & Matthias KAMANN (2004): "Ihr müsst auf nichts verzichten".
Verzichten muss man nur auf die Illusion vom garantierten Wohlstand - Paul Nolte und Gabor Steingart diskutieren über Reformen,
in: Welt v. 03.04.

Der Untertitel verspricht mehr als das Interview halten kann. Paul NOLTE bleibt blass neben dem Spiegel-Journalisten Gabor STEINGART, der im Gegensatz zu NOLTE weniger moralisierend und dagegen eher fordernd auftritt:

"Mich treibt einzig und allein die Frage: Wie erzeugen wir Wohlstand? Wie schaffen wir es, den Energiekern des Landes wieder zu vergrößern, ohne den Sozialstaat zu liquidieren? In anderen Ländern werden die großen Vermögen ganz selbstverständlich zur Staatsfinanzierung herangezogen, in den USA ist die Erbschaftssteuer beispielsweise dreimal so hoch. In Deutschland beginnt der Spitzensteuersatz der Erbschaftssteuer bei 25 Millionen Euro, in Frankreich bei zwei Millionen. Der Ökonom Meinhard Miegel ist eine Zeit lang in alle Talkshows gegangen und hat gesagt, das Kapital sei scheu wie ein Reh, es laufe weg, wenn man nur in die Hände klatscht. Dagegen halte ich, dass auch die Arbeit scheu ist wie ein Reh, auch sie läuft uns weg, wenn falsche politische Entscheidungen getroffen werden."

LAU, Jörg (2004): Keine Angst vor der Verantwortung.
Der Historiker Paul Nolte beklagt die Fixierung der Kulturwissenschaften auf die Erinnerung. Er wendet sich lieber der Gegenwart zu,
in: Die ZEIT Nr.17 v. 15.04.

SEILS, Christoph (2004): "Konfliktzonen werden ignoriert".
Die ökologische Gesinnung liegt wie Mehltau auf Deutschland, sagt der Historiker Paul Nolte, und wirklich gut gehe es nur den 68ern. Doch zum Klassenkampf wird es nicht kommen, denn die materielle Not ist nicht das Kernproblem,
in: Weltwoche Nr.20 v. 13.05.

Ein umfangreiches Interview mit Paul NOLTE über die Wohlfahrtsgeneration der 68er, Klassengesellschaft, Hedonismus, Individualisierung und die Re-Familialisierung:

"Der Glaube, dass man nur in Single- und Patchwork-Konstellationen leben kann, hatte etwas Verführerisches, aber er hat gleichzeitig katastrophale Konsequenzen gehabt. Der Gedanke war in einer bestimmten sozialen Schicht erfolgreich, vor allem in der akademischen Mittelschicht, die über bestimmte Bildungs- und Verhaltensressourcen verfügte, die ein solches Modell lebbar machten. In den unteren Schichten hat die Auflösung der Familien zu einer Selbstzerstörung der Gesellschaft geführt, hat sie nicht zuletzt Erziehungs- und Bildungschancen der Kinder zerstört. Ohne Familien wird die Gesellschaft auch in Zukunft nicht funktionieren können."

LAMBECK, Silke (2004): "Die Reichen sind immer die anderen".
Über die Schwierigkeit, in Deutschland Reformen in die Wege zu leiten - ein Gespräch mit Paul Nolte,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 09.10.

BEGLINGER, Martin (2005): Der LeitKulturWolf.
Mit provokanten Thesen zeigt der Politikprofessor Paul Nolte den vermeintlichen Weg aus der ökonomischen Krise,
in: Rolling Stone, Februar

Martin BEGLINGER stellt Paul NOLTE als Mann der Stunde vor. Im Interview darf NOLTE seine Vorstellungen vom Abbau des Sozialstaates vortragen. NOLTE sieht sich selber als linker Konservativer, genauer wäre er jedoch als Wertekonservativer beschrieben. Auch wenn ihm das nicht gefällt. NOLTE profitiert von der großen Koalition der Eliten oder wie er es ausdrückt:

"Die Unterschiede zwischen aufgeklärten Grünen, jüngeren SPD-Leuten und den Reformorientierten bei der CDU sind nicht so groß - zumindest in der Frage, was schief läuft im Land."

Paul NOLTE sagt den Alleinerziehenden in Deutschland den Kampf an und kündigt damit den Konsens der vergangenen 35 Jahre auf:

"Nicht nur die Kinder nehmen Schaden, sondern es ist auch eine große materielle Belastung, weil dadurch viele Sozialfälle entstehen. Es ist eine Illusion zu glauben, die Patchwork- oder die Single-Gesellschaft koste nichts, oder der Staat habe für die Folgen aufzukommen."

HEISE, Katrin (2005): Aus materieller wird "sozial-kulturelle Armut".
Interview mit Paul Nolte zur neuen Unterschicht in Deutschland,
in: DeutschlandRadio  v. 15.03.

MARGUIER, Alexander (2005): "Wir denken uns ärmer, als wir sind".
Der Historiker Paul Nolte über Unterschichtenfernsehen und unsere Angst vor dem Niedergang,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.06.

BÄHR, Günther (2005): Pickel im Gesicht.
Paul Nolte hat den Begriff „Unterschichtfernsehen“ erfunden. Für die Zukunft hofft er auf Erziehung durch die „Super Nanny“ und glaubt an die Kraft des Sports,
in: Focus Nr.25 v. 20.06.

Der neokonservative Klassentheoretiker Paul NOLTE definiert Oberschichtenfernsehen als das Programm von 3SAT, Arte und Phönix. NOLTE würde wohl das 1950er-Jahre Lustspiel "Muß man sich gleich scheiden lassen?" empfehlen, das heute auf 3SAT läuft... 

SPIEGEL (2005): "Ich spiel doch nicht den Engels".
Rudolf Hickel und Paul Nolte über die Irrtümer des Marxismus und Alternativen zur Globalisierung,
in: Spiegel Nr.36 v. 05.09.

Paul NOLTE, der sich als Ex-Linker inszeniert, plädiert für mehr Eigenverantwortung, was ihm selbst jedoch irgendwie peinlich ist:
         "Ich zwinge jemanden dazu, nicht untätig zu Hause zu sitzen, sondern wieder sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Gut, das klingt wie eine zynische Perspektive, wenn man wie ich selbst gerade erst verbeamtet worden ist."

KNOTT, Thilo (2005): "Die Kuchendiagramme sind Vergangenheit".
Woran ist Angela Merkel gescheitert? Der Berliner Zeithistoriker Paul Nolte meint: an den sozial Konservativen. Die Gesellschaft sei nicht mehr strukturiert nach den Etiketten "konservativ" und "links" - jetzt verlaufe die Grenze zwischen kulturellen Optimisten und Pessimisten
in: TAZ v. 20.09.

SCHMALE, Holger (2006): Freiheit, Verantwortung, Familie.
Paul Nolte rät der CDU, sich auf die Suche nach neuen bürgerlichen Werten zu machen,
in: Berliner Zeitung v. 22.08.

RAB (2007): "Es fehlt die konzeptionelle Kraft".
Der Berliner Historiker Paul Nolte kritisiert das neue CDU-Programm als unentschlossen und konfliktscheu,
in: TAZ v. 09.05.

SIEMS, Dorothea (2008): Wie sich die Mittelschicht neu erfindet.
Gespräch mit Paul Nolte über das Erstarken demokratiefeindlicher Kräfte in Deutschland, die neue gesellschaftliche Verantwortung der Bürger – und weshalb er Stipendien auch für Migranten fordert,
in: Welt v. 07.08.

KELLER, Claudia & Hans MONATH (2009): "Die Probleme wurden im Wahlkampf verdrängt".
Der Zeithistoriker Paul Nolte sprach mit dem Tagesspiegel über Steuersenkungsversprechen, weitere Lasten für die Mittelschicht und die Aufgaben einer neuen Regierung,
in: Tagesspiegel v. 27.09.

HÖNING, Antje (2010): Die Zukunft der Mittelschicht.
Professor Paul Nolte ist Historiker an der FU Berlin. Er kann beruhigen: Die Mittelschicht ist nicht in Gefahr. Sie ändert sich nur. Sie wird weiblicher, älter, bunter werden. Ein Gespräch,
in: Das Magazin der Rheinischen Post v. 07.08.

 
       
   

Generation Reform (2004).
Jenseits der blockierten Republik
München:
C. H. Beck

 
   
     
 

Klappentext

"Deutschland braucht dringend grundlegende Reformen – doch wohin diese Reformen eigentlich führen sollen, das scheint selbst vielen Politikern nicht recht klar zu sein. Paul Nolte analysiert die Schieflagen und Sackgassen, in die wir in den letzten Jahrzehnten hineingesteuert sind, und plädiert für eine neue Bürgergesellschaft, in der Individualismus, Initiative und Verantwortung nicht im Gegensatz zu einer solidarischen Gemeinschaft stehen. Seine klaren und manchmal provokativen Thesen über die Zumutungen, die wir uns alle in diesem Reformprozess gefallen lassen müssen, sorgen für Zündstoff in einer scheinbar ausgelaugten Debatte. Gegen die ängstliche Verteidigung von Besitzständen ebenso wie gegen die Leichtigkeit der Spaßgesellschaft artikuliert sich hier die wache intellektuelle Stimme einer Generation Reform."

Inhaltsverzeichnis

I Generation Reform: Abschied von Illusionen

1. Generation Reform - Verantwortung für eine neue Republik
2. Das Rumpelstilzchen-Modell oder Der schwere Abschied von postmodernen Illusionen

II. Neue Ungleichheit, Neue Klassengesellschaft?

3. Unsere Klassengesellschaft
4. Kritik der Mitte. Geschichte, Ideologie und soziale Realität heute
5. "Fürsorgliche Vernachlässigung"? Umrisse einer neuen Politik der Unterschichten

III. Rückkehr der Bürgergesellschaft

6. Die Rückkehr der Gesellschaft. Zwischen bürgerschaftlichem Engagement und sozialer Gerechtigkeit
7. Zivilgesellschaft und soziale Ungleichheit. Überlegungen zur deutschen Gesellschaftsgeschichte
8. Der Bürger als Verbraucher

IV. Bürgergesellschaft, Verantwortung, Reform

9. Die neue bürgerliche Gesellschaft - Ein Reformprojekt
10. Jenseits der blockierten Republik. Skizzen zu einem neuen Modell Deutschland
11. Keine Revolution!
12. Reform nach Prinzipien. Auf dem Weg zur Verantwortungsgesellschaft

V. Reform, Sozialstaat, Gerechtigkeit

13. Das Gewicht der Tradition: Die Deutschen und ihr Sozialstaat
14. Jenseits des 19. Jahrhunderts. Die SPD auf der Suche nach der neuen Gesellschaft
15. Sozialstaat, Gesundheit und Gerechtigkeit. Neue Sozialpolitik in veränderter Welt
16. Mehr Verantwortung, mehr Gerechtigkeit: Argumente für eine echte Bürgergesellschaft
17. Vom Steuerstaat zum Gebührenstaat

VI. Konservatismus, Werte, Reflektierte Modernisierung

18. Konservatismus in Deutschland. Geschichte - und Zukunft?
19. Rückkehr der Werte? Konservative Profile in einer neuen Moderne
20. Bürgergesellschaft und christliche Verantwortung in der postsäkularen Welt

 
     
 
       
   
  • Rezensionen

HACKESCHMIDT, Jörg (2004): Im Land der Rumpelstilzchen.
Generation Reform. Jenseits der blockierten Republik - das neue Buch von Paul Nolte,
in: changex.de, 17.03.

HERRMANN, Ulrike (2004): Mit der Bratpfanne denken.
Der Historiker Paul Nolte leistet als Essayist Ungewöhnliches: Er verbindet die präzise
Analyse der deutschen Klassengesellschaft mit seinen konservativen, ja elitären Wertvorstellungen,
in: TAZ v. 25.03.

"Nolte ist interessant, weil er es wagt, eine offenkundige Tatsache auszusprechen: Deutschland ist eine Klassengesellschaft. Bildung und Besitz sind keineswegs gleich verteilt, sondern sozusagen erblich. Gleichzeitig driften die Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Arbeit immer weiter auseinander",

führt Ulrike HERRMANN in das Denken von Paul NOLTE ein. Die präzise Analyse der neuen Klassengesellschaft führt bei NOLTE jedoch nicht zu progressiven Lösungen, sondern sie verbindet sich mit einem patriarchalen Programm:

"Obwohl er so genau wahrnimmt, wie sich in Deutschland eine neue Klassengesellschaft formiert, bleibt er ein konservativer Denker. Er will zurück; er will »die 68er« ungeschehen machen, die nicht zuletzt die »Generation Golf« erzogen und eine Gesellschaft der hedonistischen »Ich- AGs« erschaffen haben."

Paul NOLTE bietet für die Lösung der Probleme in Deutschland seine eigene "Generation Reform" an. Sie steht für die Erneuerung der bürgerlichen Werte, die es gegen den Hedonismus der neuen Unterschichten zu verteidigen gilt. Damit tritt Paul NOLTE in direkte Konkurrenz zu Frank SCHIRRMACHER, der ebenfalls den 40jährigen eine tragende Rolle in der Republik zuweist.

FUHR, Eckhard (2004): Oben und unten.
Die Brille geputzt: Paul Nolte entdeckt die Klassengesellschaft wieder,
in: Welt v. 27.03.

Eckhard FUHR referiert das Verständnis der neuen Klassengesellschaft aus der Perspektive von Paul NOLTE:

"Wir leben (...) in einer Klassengesellschaft, in einer Gesellschaft des Oben und des Unten. Diese Schere hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten geöffnet, nicht geschlossen. Der Siegeszug einer scheinbar nivellierenden Pop- und Konsumkultur hat von dieser Tatsache nur abgelenkt. Wer, wie Nolte, genau hinschaut, erkennt die Klassenstrukturen aber nun gerade in der Sphäre des Konsums, der Lebensstile, des Körpergefühls. Es kommt auf das an, was der Soziologe Pierre Bourdieu die »feinen Unterschiede« genannt hat. Das neue Proletariat ist fett - eine Umkehrung des aus der frühneuzeitlichen Sozialgeschichte bekannten Begriffes popolo grasso, des »fetten Volks«, der die Patrizier-Oberschicht meinte -, schaut RTL 2 und geht nie ohne Handy aus. Es ist an Statussymbolen, nicht aber an wirklichem gesellschaftlichem Aufstieg interessiert. Welten trennen es von der alten Arbeiterklasse mit ihrem sozialdemokratischen Zukunftshorizont und Leistungsethos."

Die spezifische Sicht von NOLTE auf die neue Unterschicht entspringt nicht einem neuen Humanismus (gerne wird in diesem Zusammenhang vom "Respekt" gesprochen), sondern sie ist zwingend dem neuen Sozialstaatsverständnis geschuldet.

Frank NULLMEIER  hat im Heft 4/2003 der Zeitschrift Der Bürger im Staat die Konfliktlinien der neuen Sozialpolitik dargelegt. Der "produktivistische Umbau des Sozialstaats" (auch als aktivierender Sozialstaat bekannt) erfordert die Gegenüberstellung von produktiven und unproduktiven Teilen der Bevölkerung. Genau entlang dieser Konfliktlinie hat Paul NOLTE seinen Klassenkonflikt positioniert. Dies macht auch die Aktualität seiner Position aus: NULLMEIER stimmt in gewisser Weise mit NOLTE überein, er sieht jedoch Defizite einer solch "investiven" Sozialpolitik. Die Neupositionierung führt nach NULLMEIER zu einer Spaltung zwischen (produktiven) Jungen und (unproduktiven) Alten:

"Diese neue sozialpolitische Denkweise (...) bietet (...) keine politischen Leitlinien für die Sozialpolitik gegenüber Rentnern und Rentnerinnen. Entsprechend entwickelt sich innerhalb der Sozialpolitik eine Spaltungslinie: investive Sozialpolitik für die Jungen und Arbeitsfähigen als Mischung aus Förderung, Qualifizierung und dem mehr oder minder verstärkten Zwang zur Arbeitssuche und -aufnahme; die sogenannte passive Sozialpolitik für all diejenigen, von denen absehbar kein produktiver Beitrag zu erwarten ist, insbesondere also den Älteren. Sollte sich eine Sozialpolitik als Investition und Produktivitätsförderung durchsetzen, könnte politisch eine bisher nicht vorhandene Spaltung innerhalb der Bevölkerung erzeugt werden. 
Sozialpolitik steht heute vor der Frage, ob sie aus Gründen der Weltmarktintegration eher als potenzielle Erzeugerin von sozialen Spannungslinien agieren soll oder - mit anderen, neuen Mitteln - den Pfad der politischen und sozialen Integration qua sozialer Sicherung weitergehen will (vgl. Nullmeier 2003). Die integrative Funktion der Sozialpolitik selbst steht zur Debatte - und damit auch die Möglichkeit einer weit konfliktbetonteren Gesellschaft, einer Gesellschaft mit intensiveren sozialen Ungleichheiten und größeren politischen Spannungen."

Um diese von NULLMEIER aufgeworfene - dezidiert politische Grundsatzentscheidung - versucht sich unsere selbsternannte Werteelite herumzumogeln. Der demografische Wandel oder die Globalisierung dient ihr als Sachzwang, der angeblich keinen Entscheidungsspielraum zulässt. Der Generation Reform kommt dieses Argument der Entscheidungsverschlossenheit mehr als gelegen...

DÜRR, Tobias (2004): Auf dem Wege zu einem neuen Gesellschaftsvertrag,
in: Die ZEIT Nr.16 v. 07.04.

Null Information, hundert Prozent Pathos! Daraus zimmert Tobias DÜRR, Chefredakteur der Berliner Republik, eine Rezension von Paul NOLTEs Buch "Generation Reform". Gleichzeitig trägt er seine Generation Berlin zu Grabe und lässt sie als Generation Reform wieder auferstehen.

RULFF, Dieter (2004): Stimme des neuen Bürgertums.
"Generation Reform": Der Historiker Paul Nolte wagt eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft und empfiehlt dem Sozialstaat eine Therapie,
in: Financial Times Deutschland v. 08.04.

MÜCHLER, Günther (2004): Paul Nolte: Generation Reform,
in: Das Politische Buch. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 30.04.

"Nolte enumeriert fünf Eckpunkte eines neuen konservativen Profils: Religiöse Fundamente in einer postsäkularen Welt; Eindämmung der Ego-Gesellschaft; Subsidiaritäts- und Netzstrukturen; Identitäten und Identitätsräume; Maßhalten und Machbarkeitsprinzip.
Dreh- und Angelpunkt ist für den Autor dabei der Begriff der »Verantwortung zur Veränderung«",
erläutert Günther MÜCHLER.

GLOTZ, Peter (2004): Neugründungspathos.
Die Vierziger proben den Aufstand,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.05.

Peter GLOTZ sieht sich (und andere 68er wie z.B. Meinhard MIEGEL) mit den Vierzigern Paul NOLTE ("Generation Reform"), Gabor STEINGART und Christoph KEESE ("Rettet den Kapitalismus" endlich im Zentrum der Gesellschaft angekommen.
        
Die neue Werteelite soll den Sozialstaat zurechtstutzen und dem neuen, klassenbewussten Bürgertum zur Blüte verhelfen.

KLUY, Alexander (2004): Schluss mit Zögern und Zaudern.
Der Historiker Paul Nolte fordert keinen Ruck, sondern gleich einen System- und Denkwechsel,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.05.

"Merkwürdig mutet (...) der Schlusstext an. (...) »Bürgergesellschaft und christliche Verantwortung in der postsäkularen Welt« ist dieser Vortrag überschrieben, den Nolte auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 hielt. Er postuliert darin überraschenderweise das genaue Gegenteil dessen, was er bis dato forderte: kein Aufruf an eine neue Mentalität, keine Neue Dynamik. Vielmehr soll sich die Politikerkaste ändern. Nolte offeriert hier nicht das Modell einer reflektierten Moderne, sondern eine wertkonservative Feier einer religiös motivierten Gesellschaft.
Eine intellektuelle Kehrtwende Noltes? Schon der beschwerliche und schwerfällige (...) Duktus des letzten Textes, der sich so merkwürdig von seinem ansonsten luziden Stil unterscheidet, zeigt, dass er hier einen Weg beschreitet, von dem er selber nicht so genau weiß, wohin er führen wird. In einen streitbaren Konservatismus - oder doch in ein intellektuelles Nirvana alltagsfernen Glaubens?"  fragt sich KLUY.

BARING, Arnulf (2004): Rückkehr der Werte.
Paul Noltes Plädoyer für eine neue Bürgergesellschaft,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.05.

"Das Wort »Reform« gewann seinen Glanz in den siebziger Jahren, als immer neue Vergünstigungen aus dem Füllhorn staatlicher Gelder die Bürger verwöhnten. Jetzt, wo es um Zumutungen statt Zuteilungen geht, also um eine Gegenreformation, sollte man eher von »Konsolidierung« sprechen",

meint Arnulf BARING, dem die Ruck-Bücher der Jüngeren generell nicht entschieden genug sind.

GEPPERT, Dominik (2004): Die deutschen Rumpelstilzchen.
Geld wird nicht aus Dreck gemacht, schreibt Paul Nolte und plädiert für die Rückkehr zu alten Tugenden,
in: Tagesspiegel v. 25.05.

"Die Pointe besteht darin, dass Nolte die Wiederentdeckung bürgerlicher Werte zum Generationsprojekt erklärt. Was bis vor kurzem als vermufft, spießig, altbacken diskreditiert war, sollen die heute 30- und 40-Jährigen gegen ideologische Verblendungen und Staatsgläubigkeit der 68er, aber auch gegen die Politikferne nachfolgender Spaßjahrgänge, zum Leitbild ihrer Reformpolitik erheben.
         Offen bleibt nur, woher die neue Jugendbewegung der Mittelalten ihre politische Durchschlagskraft beziehen könnte. Personalfragen diskutiert Nolte nicht. Außerparlamentarischen Oppositionsformen steht er skeptisch gegenüber. Bürger, so schreibt er, gehören in die Parlamente, nicht auf die Barrikaden. Was geschieht aber, wenn in unseren Parteien und Volksvertretungen die Zukunft keine Mehrheit findet, wenn die demographische wie demoskopische Beharrungskraft von Vergangenheit und Gegenwart sich als stärker erweist?" fragt sich GEPPERT.

BIRNBAUM, Christoph (2004): Mehr Schubkraft für alle.
Der Historiker aus Bremen fordert eine konservative Revolution: Traditionelle Werte wie Verantwortung sollen wieder eine größere Rolle spielen,
in: Rheinischer Merkur Nr.22 v. 27.05.

 
       
   

Die Ordnung der deutschen Gesellschaft (2000).
Selbstentwurf und Selbstbeschreibung im 20. Jahrhundert
München:
C. H. Beck

 
   
     
 

Klappentext

"Wie haben die Deutschen im 20. Jahrhundert ihre »Gesellschaft«, ihr soziales Zusammenleben verstanden? Welche Kontinuitäten und Brüche lassen sich in ihrer Selbstwahrnehmung vom Kaiserreich und der Weimarer Republik über das »Dritte Reich« bis zur Bundesrepublik beobachten? Dieses Buch bietet einen ungewöhnlichen und faszinierenden Blick auf die Sozialgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Es ist zugleich ein eminent politisches Buch, denn die Entwürfe sozialer Ordnung, so zeigt sich, waren stets aufs engste mit den Chancen für Demokratie und individuelle Freiheit verknüpft.
Das 20. Jahrhundert war in Deutschland nicht nur eine Zeit tiefgreifender politischer Umbrüche – es war zugleich eine Zeit des sozialen Wandels, in der die Menschen immer wieder nach Antworten auf die Frage gesucht haben, was ihre soziale Ordnung, ihre »Gesellschaft« angesichts vielfacher Spannungen und Konflikte zusammenhält. Paul Nolte beschreibt in diesem Buch, welches Bild sich die Deutschen seit der Zeit des Kaiserreichs und des Ersten Weltkriegs von ihrem sozialen Zusammenleben machten, mit welchen Ängsten und Hoffnungen sie den Verlust älterer sozialer Bindungen, den Aufstieg der industriellen Klassengesellschaft und den Durchbruch einer anonymen Massengesellschaft begleiteten. 
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fielen soziale Wirklichkeit und soziale Utopie weit auseinander, und vielen schien der Rückzug in eine geordnete, möglichst konfliktfreie Welt der Stände und der engen Gemeinschaften vielversprechend. Daraus gewann auch die nationalsozialistische Vorstellung von einer »Volksgemeinschaft« ihre Attraktivität. Erst in der Bundesrepublik der fünfziger und sechziger Jahre gelang es, die Ängste vor der gesellschaftlichen Moderne abzuschütteln; die Deutschen lernten, eine Ordnung zu akzeptieren, in der die Verschiedenheit von Klassen und Schichten, von politischen und sozialen Interessen selbstverständlich war. Dieser Wandel war nur möglich dank einer Neuorientierung des konservativen Denkens in Deutschland, das sich mit der früher so heftig bekämpften modernen Gesellschaft nun abfand oder sie sogar emphatisch begrüßte. Denn ob in der Weimarer Republik oder nach 1945, immer waren es Intellektuelle und vor allem Sozialwissenschaftler, welche die Entwürfe einer deutschen Gesellschaft maßgeblich prägten."

 
     
 
       
   
  • Paul Nolte und die neue Klassengesellschaft in der Debatte

KERN, Verena (2002): Wo leben wir denn.
Nach dem Amoklauf von Erfurt hat das Nachdenken darüber begonnen, was schief läuft in unserer Gesellschaft. Doch ihr einseitiges Selbstbild blockiert jede zukunftsweisende Antwort
in: TAZ
v. 18.05.

KNIPPHALS, Dirk (2002): Softies an der Macht.
Die Intellektuellen in den Wochen des Wahlkampfs: Große Leidenschaftlichkeit kommt nicht auf. Zum Aufreger gerät allein Schröders Mythologisierung der Mitte. Und was, verdammt, waren noch mal die Berliner Republik und das rot-grüne Projekt?,
in: TAZ v. 31.08.

Dirk KNIPPHALS kritisiert den Historiker Paul NOLTE, weil dieser in der FAZ vom 26.02.2002 das Problem der Nachwuchs-Nichtnaturwissenschaftler zum allgemeinen Problem hochgespielt hat.
        
Dagegen hält er es lieber mit Heinz BUDE und dessen Intellektuellen-Schelte. Es geht dabei um die Überwindung der Errungenschaften der Bonner Republik und um eine Ablösung der Flakhelfer-Generation.
      
Verschwiegen wird von KNIPPHALS jedoch, dass BUDE darüber frustriert ist, dass seine Marke "Generation Berlin" z.Z. grosse Absatzprobleme hat. Dabei möchte BUDE so gerne Führer einer Jugendbewegung sein.
        
Beim Aufbruch zu neuen Ufern sind aber offensichtlich die sozial Schwachen auf der Strecke geblieben, weswegen jetzt selbst BUDE nicht mehr nur eine Politik für die sozial Starken fordern kann, sondern auch "Respekt" für die sozial Schwachen übrig hat.
        
Gefördert müssen jedoch in erster Linie sozial Starke werden, denn diese können abwandern. Sozial Schwache werden nur gewalttätig, weswegen Sicherheit bei der Elite der Neuen Mitte Thema Nr.1 ist (siehe hierzu das Interview von Heinz BUDE in der Frankfurter Rundschau vom 14.06.2002, auf das sich auch KNIPPHALS beruft).

GREFFRATH, Mathias (2004): Der leere Sockel,
in: TAZ v. 14.01.

 
     
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 28. Mai 2002
Update: 03. August 2015