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- BERGER, Peter A. (1995):
‘Life politics’.
Zur Politisierung der Lebensführung in nachtraditionalen
Gesellschaften,
in: Leviathan, Jg. 23, Heft 3, S. 445-458
- BERGER, Peter
A. (2002): Soziale Unterschiede auf hohem Niveau.
Jenseits von Schichten und Klassen? Alte und neue Ungleichheiten
in einer wohlhabenden Gesellschaft,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.11.
- Kommentar:
Die Frankfurter Rundschau eröffnet im Forum
Humanwissenschaften einen neuen Themenschwerpunkt zum komplexen
Verhältnis von "alten" und "neuen" sozialen Ungleichheiten.
Der Ungleichheitsforscher Peter A.
BERGER führt auf Erstsemesterniveau in die Geschichte der
soziologischen Ungleichheitsforschung im Nachkriegsdeutschland
ein.
Man lernt hier alle wichtigen
Namen der Neuen-Mitte-Soziologie, die sich rund um die
Individualisierungsthese des
Münchner Pop-Soziologen Ulrich BECK gebildet hat. Es
verwundert deshalb auch kaum, dass die beiden "Soziale
Welt"-Sonderhefte zur Ungleichheitsforschung 1983 und 1990 als
Wendepunkte derselben propagiert werden.
Dass es hier auch um eine
Positionierung in der Kontroverse Familien contra Singles geht,
wird an folgenden Ausführungen deutlich:
"Gerade im Bereich von
Familie und Haushalt zeichnen sich möglicherweise wirklich »neue«
Ungleichheiten ab: nämlich die zwischen Familien mit Kindern,
wobei Kinder in den unteren Einkommensbereichen mittlerweile als
»Armutsrisiko« gelten, und den so genannten »dinks« (double income
- no kids); einige sozialwissenschaftliche Beobachter sprechen
schon von einer drohenden »Polarisierung« zwischen
familienorientierten (Ehen bzw. Partnerschaften mit Kindern bzw.
Alleinerziehende) und erwerbsorientierten Lebensformen (Paare ohne
Kinder bzw. Alleinlebende). Dass der Geburtenrückgang in
Deutschland Folgen für die Systeme der sozialen Sicherung haben
wird, ist mittlerweile allgemein bekannt. Unklar ist aber, ob sich
hier zugleich »neue« Ungleichheiten zwischen den Generationen
ausbilden, die möglicherweise verstärkt werden durch jene
Ungleichheiten, die aus unterschiedlichen Chancen zur privaten
Vermögensbildung und -vererbung resultieren."
Man kann davon
ausgehen, dass zur Zeit an diversen Universitäten am Abschied von
der "Wohlfühl"-Soziologie der 90er-Neue-Mitte-Jahre gearbeitet
wird...
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- BERGER, Peter
A. (2002): Soziale Unterschiede auf hohem Niveau.
Jenseits von Schichten und Klassen? Alte und neue Ungleichheiten
in einer wohlhabenden Gesellschaft,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.11.
-
SZYDLIK, Marc (2002): Von
wegen alte Hüte.
Klassische Unterschiede und neue Herausforderungen:
Generationen statt Schicht?,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.12.
-
HUININK, Johannes (2003): Zwischen Solidargemeinschaft
und Luxusgut.
Alte und neue Ungleichheiten - die Familie in
Deutschland,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.01.
-
HARTMANN, Michael (2003): Und immer wieder der
"Stallgeruch".
Von einer sozialen Öffnung der gesellschaftlichen Eliten
kann keine Rede sein,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.01.
-
ALLMENDINGER, Jutta &
Christine WIMBAUER (2003): Von der Magd zum Markt.
Zwiespalt Beruf und Familie: Trotz unbestreitbarer
Fortschritte bleibt Geschlechtergleichheit oft eine bloß
diskursive Idee,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.02.
- Kommentar:
Die Münchner Soziologin Jutta
ALLMENDINGER und Christine WIMBAUER widmen sich in der Serie
zur sozialen Ungleichheit dem Aspekt der
Geschlechterungleichheit.
Sie beschreiben zuerst den
Erfolg der Bildungsexpansion der 60er Jahre. Die
Bildungsbenachteiligung des
katholischen
Arbeitermädchen vom Lande existiert heutzutage nicht
mehr.
Auf dem Arbeitsmarkt bestehen
die Geschlechterungleichheiten jedoch weiterhin fort,
weswegen sich die Autoren der Frage zuwenden, warum sich
diese nicht auflösen.
Sie unterscheiden dabei die drei
analytischen Ebenen Person, Organisation und
gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
Den Personfaktoren schreiben sie
keinerlei Erkenntniswert zu.
Auf der Ebene der Organisation
werden Frauen dagegen aufgrund möglicher Mutterschaft anders
behandelt als Männer. Dies hat
Katja KULLMANN
in "Generation Ally" anschaulich dargestellt. Außerdem
hindern die extremen Verfügbarkeitsnormen Mütter an der
Einnahme von Führungspositionen. Die größten Hindernisse
sehen die Autoren jedoch auf der gesellschaftlichen Ebene.
Die gesetzliche Begünstigung des
"Ein-Verdiener-Familienernährermodells" ist ihnen ein
Dorn im Auge, denn es definiert die
Familie als
verheiratete Zwei-Eltern-Zwei-Generationen-Familie.
Die Autoren sehen eine
Wende hin
zur Bevölkerungspolitik als Gefahr für die
Gleichstellung von Mann und Frau:
"Die gegenwärtigen
partiellen politischen Reaktivierungsversuche hergebrachter
Rollenaufteilungen, die sich aus dem Zusammenwirken einer
gesellschaftlich für notwendig erachteten Erhöhung der
Geburtenrate und einer ebenso notwendig erscheinenden
Entlastung des Arbeitsmarktes ergäben, legen nahe, dass der
Zenit der gesellschaftlich angestrebten Gleichberechtigung
zwischen den Geschlechtern bereits überschritten ist.
Politische Akteure versuchen so, die Rolle der nicht oder
nur geringfügig erwerbstätigen Mutter auch durch hohe
finanzielle Anreize attraktiver zu machen".
Dem
bevölkerungspolitischen Blacklash stellen die Autoren ihr
"radikales" Modell einer lebenszeitlichen Entzerrung der
Lebensbereiche entgegen:
"Lebenszeit haben
wir mittlerweile genug. Warum also hetzen wir uns in der
frühen Mitte des Lebens ab, um alles auf einmal zu schaffen,
wenn dann die Wenigsten im Alter von 50 Jahren noch im
Erwerbsleben stehen? Könnten Bildungs- und Ausbildungswege
nicht vielmehr so geschnitten werden, dass Personen auch bei
späterem beruflichem Einstieg noch auf der Höhe der Zeit
sind? Was spricht dagegen, dass wir die Hochphase der
Erwerbstätigkeit um zehn Lebensjahre zurückverlegen und im
Alter von 40 bis 60 Jahren konzentriert arbeiten, anstatt
wie heute zwischen 30 und 50? Werden Kinder heute
hauptsächlich aufgrund ihres »Konsumnutzens« geboren, also
wegen der mit ihnen einkehrenden "Güter" wie Freude, Glück
und Liebe, nicht aber wegen ihres finanziellen Nutzens, so
würde eine Entzerrung beiden Elternteilen zumindest diesen
»Konsum« erlauben".
- HAUSER, Richard (2003): Neue
Armut - neuer Reichtum?
"Lebenslagen in Deutschland": Ein wesentlicher
Ungleichheitsfaktor ist das Vermögen, nicht das Einkommen,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.03.
- Inhalt:
Nach einer nüchternen Darlegung der
Reichtumsverteilung und des Armutsrisikos in Deutschland,
wagt HAUSER am Ende eine Zusammenfassung mit Ausblick:
"Seit den
siebziger Jahren hat die Ungleichheit der Verteilung beim
Nettoeinkommen und beim Nettovermögen zwar nur mäßig
zugenommen. Das System der sozialen Sicherung wirkte
ausgleichend; es hat auch die Auswirkungen der hohen
Arbeitslosigkeit weitgehend aufgefangen. Angesichts des
Meinungswandels in der Öffentlichkeit besteht heute aber
die Gefahr, dass mit dem Abbau des Sozialstaates auch
dessen ausgleichende Wirkung stark reduziert wird. Dann
würde die Ungleichheit der Vermögensverteilung noch
gravierender werden; denn nur die Reichen können
wegfallende staatliche Leistungen leicht durch Kauf am
Markt ersetzen".
- MÜLLER, Walter & Reinhard
POLLAK (2003): Bei der Bildung fängt es an.
Die Leistungskraft unserer Gesellschaft lässt sich nach
wie vor nur durch mehr Chancengleichheit vergrößern,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.05.
- Inhalt:
Ein Beitrag zu den alten und neuen
Ungleichheiten. Diesmal geht es um Bildungsungleichheiten:
"Von der Wiege bis zur Bahre
bestimmt die soziale Herkunft in hohem Maß die soziale
Position; die soziale Ungleichheit wird von der Generation
der Eltern zur Generation der Kinder weitergetragen. In
den modernen Gesellschaften verläuft diese Übertragung
hauptsächlich über das Bildungswesen: Kinder
unterschiedlicher sozialer Herkunft sind unterschiedlich
erfolgreich in der Schule und erreichen unterschiedliche
Bildungsabschlüsse. Diese prägen dann entscheidend die
spätere berufliche Laufbahn, die ihrerseits maßgeblich das
Einkommen bestimmt.
Die Bildungsforschung hat vor allem zwei Ursachenbündel
aufgedeckt, die für den unterschiedlichen Bildungserfolg
verantwortlich sind. Als erstes besitzen Kinder
unterschiedlicher Herkunft Fähigkeiten, mit denen man es
in der Schule zu guten Leistungen bringt, in
unterschiedlichem Maß. (...).
Das zweite, wahrscheinlich wichtigere Ursachenbündel für
unterschiedliche Bildungsabschlüsse stellen die
Bildungsentscheidungen dar, die Eltern (zusammen mit ihren
Kindern) treffen", schreiben MÜLLER & POLLAK.
Der Soziologe
Michael HARTMANN sieht
in formalen Bildungsabschlüssen dagegen nur eine
notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Der Habitus
entscheidet über den sozialen Aufstieg.
-
LEGGEWIE, Claus
(2003): Der verblassende Mythos der
Meritokratie.
Dynastische Schließungen: Superreichtum als Gefahr für
die Demokratie,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.06.
- Kommentar:
Wenn ein Thema bei LEGGEWIE ankommt,
dann kann man davon ausgehen, dass es die ehemalige
gesellschaftliche Randlage verlassen hat. So ist es auch
beim "Klassenkampf von oben".
Der
Soziologe Michael HARTMANN hat in seinem
Buch "Der Mythos der
Leistungselite" die Illusion zerstört, dass in unserer
Gesellschaft allein die Leistung zählt. Wichtiger als
Bildung ist der Habitus und damit die soziale Herkunft.
Während
der Journalist David
BROOKS noch die Bobokratie als Sieg der
US-amerikanischen-Leistungsgesellschaft feierte, war
längst das Ende der Meritokratie angebrochen.
Nachdem
der angesehene Ökonom
Paul KRUGMAN in der ZEIT vom 07.11.2002 die große
Ungleichheit in den USA als kontraproduktiv anprangerte,
trauen sich auch weniger mutige Zeitgenossen wie LEGGEWIE
das Thema in Angriff zu nehmen.
Während
neue
Reaktionäre wie
Michel
HOUELLEBECQ den sexuellen Neoliberalismus anprangern
und behaupten, dass zwischen Bildung, Einkommenshöhe und
Chancengleichheit beim Sex kein Zusammenhang besteht, gibt
es einen anderen Zusammenhang, der empirisch bewiesen
ist: Einkommenshöhe und
Chancen auf dem Heiratsmarkt sind weit weniger
entkoppelt als dies die Kritiker der sexuellen Revolution
behaupten. Bei LEGGEWIE heißt es:
"Armut,
darunter ganz wesentlich Bildungsarmut, ist auch in den
reichen Gesellschaften nicht verschwunden und zeitigt
enorme negative Konsequenzen für alle Lebensbereiche: Den
Betroffenen verdirbt sie die Chancen auf dem Arbeits- und
Heiratsmarkt (und verkürzt sogar ihre durchschnittliche
Lebenserwartung), und diese Benachteiligung vererbt sich
auf Kinder und Kindeskinder."
- KOWALZYCK, Markus (2003): Opfer um
der Gemeinschaft willen.
Verbrechen und Strafen oder: Wer ist "kriminell"? Die
deutsche Rechtspraxis verfährt sozial höchst selektiv,
in: Frankfurter Rundschau v. 01.07.
- Neu:
NECKEL, Sighard (2003): Kampf um Zugehörigkeit.
Die Macht der Klassifikation in den inoffiziellen Sphären
der Lebenswelt - ein oft übersehender Ungleichheitsfaktor,
in: Frankfurter Rundschau v. 15.07.
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