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- FUCHS, Peter & Jörg Mussmann
(2001): Das Skandalon der gestohlenen Zeit.
Aufzeichnungen aus
Pflegehäusern (1): Die Misstände sind schier unvorstellbar, aber sie
sind das übliche Normale, der Alltag,
in: TAZ v. 31.10.
- FUCHS, Peter & Jörg Mussmann
(2001): Die Realität der Hochglanzbroschüren.
Aufzeichnungen aus
Pflegehäusern (2),
in: TAZ v. 07.11.
- FUCHS, Peter & Jörg Mussmann
(2001): Die fortlaufende Produktion der Scham.
Aufzeichnungen aus
Pflegehäusern (3): Die Beobachtung, die der gealterte Körper
erfährt, inflationiert. Es gibt keine Stufen der intimen
Zugänglichkeit, die an bestimmte Personen gebunden wären, keinen
Intimpass, mit dem sich regulieren ließe, vor wem man sich nun
schämen müsste oder auch nicht,
in: TAZ v. 14.11.
- FUCHS, Peter & Jörg MUSSMANN (2001):
Der alte Mensch als Trivialmaschine.
Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (4): Der Pflegebedarf muss
errechnet werden. Die Einheit sind exakt festgelegte Bedarfsminuten.
Es muss nur eine Mindestmenge an examiniertem Personal zur Verfügung
stehen. Gerechnet wird mit Kosten- und Nutzenfaktoren. Was darüber
hinaus geht, ist Luxus,
in: TAZ v. 21.11.
- FUCHS, Peter & Jörg MUSSMANN (2001):
Die Erkrankung Einsamkeit.
Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (5): Im
rationellen Zeitmanagement kann eben nicht wahrgenommen werden, dass
Kommunikation zwar alles andere als effektiv und linear ist, sondern
eher ornamental, aber genau darin - unverzichtbar,
in: TAZ
v. 27.11
- FUCHS, Peter & Jörg MUSSMANN (2001):
Lebenswert liebenswert.
Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (6): In einer
auf Jugend getrimmten Gesellschaft ist an die Stelle von
menschlicher Betreuung ein ökonomisches Altenmanagement getreten,
das weder Höflichkeit noch Taktgefühl oder Scham kennt
in: TAZ v. 04.12.
- FUCHS, Peter (2003): Kinder der
Zukunft.
Ein Beispiel für die Kunst der Gegenwartsvernichtung,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.03.
- Kommentar:
Die Einleitung des Beitrags sagt bereits
alles über unsere Gesellschaft:
"Ich bin, um dies vorweg zu
sagen, der Kinderfeindlichkeit nicht unmittelbar verdächtig als
Vater von so vielen Kindern, wie man sie gerade noch unter Rettung
eines Fingers an beiden Händen abzählen kann".
Was der kinderreiche Vater
schreibt, das wird Sozialpopulisten wie
Jürgen BORCHERT
kaum in den Kram passen.
FUCHS kritisiert den Tanz ums goldene Kind.
Hat
Christopher
LASCH den Kinderlosen "Zukunftsvernichtung" vorgeworfen, so
wirft FUCHS den Eltern ihre "Gegenwartsvernichtung" vor.
Aber in beiden Fällen geht es
eher um gesellschaftliche Werte. FUCHS kritisiert deshalb in
erster Linie den "Normenkomplex verantworteter Elternschaft", der
von Wissenschaftlern wie
Elisabeth BECK-GERNSHEIM oder
Christine
CARL für die Kinderarmut unserer Gesellschaft
mitverantwortlich gemacht wird.
Postulate wie "Nachhaltigkeit"
und "Generationengerechtigkeit" verschärfen durch ihre
Zukunftsorientierung den Druck auf die Gegenwart:
"Die Gegenwart (...) ist nicht
Da-Sein, kein Hic et Nunc, kein Erfüllungs- und Lebeort, sondern
ein Presswerk, in dem alles, was geschieht, die Gestalt des
Aufschubs annimmt.
In dieses Presswerk gerät auch die soziale Konstruktion des
Kindes. Es wird zu dem, wovon unsere Zukunft abhängt und folglich
muss es auf diese Zukunft hin stilisiert, es muss zukunftsträchtig
werden".
Das Kind soll die Renten seiner
Eltern sichern, es soll die Eltern pflegen usw. Das Kind wird
instrumentalisiert:
"Die Eltern leben für die Kinder
(nicht für sich selbst), die Kinder leben für die Eltern (nicht
für sich selbst).
Ebendiese Zirkularität, die eine Form der Leere, der Nichtigkeit
begründet, wird verdeckt durch die soziale Mythologie des Kindes,
einer Mythologisierung, die, wie man ja auch sagen könnte, einer
grandiosen Instrumentalisierung der Kinder den Weg bereitet, die
(wie ihre Eltern) in eine Zeitfalle geraten, in die Falle einer
verheerenden Zeitberaubung".
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FUCHS, Peter (2003): Knappheit für alle.
Arbeit und nichts anderes soll für jeden Menschen die Teilhabe an
der Gesellschaft gewährleisten. Systemtheoretische Anmerkungen zur
aktuellen Sozialdebatte, die in staubigen Gleisen rangiert,
in: TAZ v. 06.05.
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FUCHS, Peter (2003): Die Bonzen und die Bockigen.
Die trotzigen Kinder der
Agenda 2010: Bundestagsabgeordnete der SPD, die sich dem
Fraktionszwang nicht beugen, werden wie Dissidenten behandelt. Was
ist bloß los in einer Partei, die Insubordination doch eigentlich
schätzen und schützen müsste?
in: TAZ v. 04.10.
- FUCHS, Peter (2003): Auf die
Parasiten achten.
Wachstum als Metapher: Überlegungen zu einem inflationären
Begriff in Zeiten der Wirtschaftsflaute,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.10.
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FUCHS, Peter (2003): Der dunkle Gott der Manager.
Die politische Rhetorik
dieser Tage behandelt die ganze Gesellschaft wie ein
Wirtschaftsunternehmen - als ob alle Probleme durch
Unternehmensberatung kuriert werden könnten! Systemtheoretische
Anmerkungen zur aktuellen Reformdebatte,
in: TAZ v. 01.12.
- FUCHS, Peter (2003): Was ist los mit
dem Sozialstaat?
Komplexität lässt sich nicht vernichten, sondern allenfalls
verschieben. Systemtheoretische Überlegungen zur Reform der sozialen
Sicherungssysteme,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.12.
- Inhalt:
Peter FUCHS warnt davor, die Komplexität der
sozial differenzierten Gesellschaft zu ignorieren. Aus
systemtheoretischer Sicht ist der Versuch die Ökonomisierung der
Politik durchzusetzen kurzsichtig und gefährdet die
Legitimationsgrundlagen des Systems:
"Die
Exklusionen, die durch eine Politik ausgelöst wird, die selbst
entscheidet, was Exklusionsschicksal ist, was nicht, könnte etwas
zerstören, was zu den Bedingungen der Möglichkeit funktionaler
Differenzierung gehört: das Fehlen eines sich in Taten umsetzenden
Sozialneides."
Die Funktion
des Sozialstaates wirkte zivilisierend, wenn dies auch immer mal
wieder bestritten wird. FUCHS lässt keinen Zweifel daran:
"Wenn
die Funktion des Sozialstaates ausfällt, wenn man leichtsinnig mit
ihr umgeht, werden funktionale Äquivalente auf den Plan treten.
Sie könnten ein gorgonisches Antlitz haben."
Die
neuen Bürgernationalen von
Bernd ULRICH bis
Klaus HARTUNG
setzen dagegen darauf, dass patriotische Gefühle ein funktionales
Äquivalent zur Sicherheit des bisherigen Sozialstaates sind.
- FUCHS, Peter (2004): Versprechen und
Strafe.
Das System Erziehung hat noch kein eigenes Medium gefunden,
in: Frankfurter Rundschau v. 18.02.
- FUCHS, Peter (2004): Ohne Gegengabe.
Zur allmählichen Verfertigung der Arbeitszeiterhöhung,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.07.
- Inhalt:
"Die Arbeitgeber profitieren von der Evidenz der
Arbeitslosigkeit und des damit verknüpften (durch neuere
Reformmaßnahmen) zunehmenden Elends und zunehmender Demütigung.
Sie profitieren zusätzlich von wohlfeilen Zukunftsversprechen:
Mehrarbeit statt mehr Arbeit fördere die Wirtschaft und das
Wachstum", meint der Soziologe Peter FUCHS und interpretiert die
von den Arbeitgebern forcierte Politik der Arbeitszeitverlängerung
systemtheoretisch als Inflation und Deflation.
Sein Appell an die
Arbeitnehmer:
"Wie immer auch die Evolution zum
heutigen Medium Arbeit geführt hat, (...), ein erster und
mächtiger Weg, etwas an dieser Lage zu ändern, wäre die
Verweigerung gegengabenloser Gaben, flächendeckend, rigoros,
angstfrei. Das zumindest ist man den Arbeitslosen schuldig. Man
könnte ja auch sagen, dass das Vokabular, mit dem gedroht wird,
das des fallenden Wachstums, des sich abbremsenden Fortschritts,
der sich verdunkelnden Zukunft, des endenden Wohlstands selbst
längst inflationistisch und deflationistisch geworden ist. Man
muss sich nicht immerzu dadurch erschrecken lassen."
- FUCHS, Peter (2004): Riskante
Entscheidungen.
Die Montagsdemonstrationen und die Moralisierung der
Verhältnisse,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.08.
- Kommentar:
Im Gegensatz zu
Wolfgang SOFSKY
reflektiert der Soziologe Peter FUCHS mit seiner Unterscheidung
zwischen Gefahr und Risiko die unterschiedliche Betroffenheit der
Reformer und Reformierten:
"Die
unbekannte Zukunft wird zur Voraussetzung aktuellen Entscheidens.
Das ist ein überaus modernes Verfahren, das durch ein Schema
dominiert wird, durch die Unterscheidung von Risiko und Gefahr.
Wer in der Gegenwart entscheidet, geht Risiken ein, die sich für
die Nicht-Entscheider, für die Betroffenen als Gefahren
darstellen, die sie selbst nicht ausgelöst haben. Jede
Entscheidung, die sich auf Zukunft bezieht, wirft damit diejenigen
aus, die als Entscheider Risiken streuen, und diejenigen, für die
das Risiko die Zumutung einer Gefahr ist, durch die man betroffen
wird.
Besonders virulent (und dann eben auch: moralanfällig) wird das
Schema dadurch, dass wir dazu neigen, jeweils selbst leichter
Risiken einzugehen als Gefahren zu tolerieren, die wir nicht
ausgelöst haben."
- Neu:
FUCHS, Peter (2005): Ich liebe dich! - Nein.
Passion ist verdächtig, Leidenschaft unmodern,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.04.
- Inhalt:
Peter FUCHS befasst sich aus
systemtheoretischer Sicht mit dem peinlich gewordenen Pathos.
Für FUCHS taugt die
Kommunikation der Gefühle immer weniger als Reflexionsblockade.
Gefühle können nicht mehr als Letztgewissheiten dienen, "weil sie
nur mehr wie gerade noch konzedierte Epiphänomene einer sich durch
bewusstseinsfreie Systeme konstituierenden Gesellschaft wirken,
ausgelaugt bis in den Kern, alles andere als einzigartig, erkennbar
in ihrer Nicht-Individualität."
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