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Klappentext
"Die
letzten zwei Jahrhunderte in der Entwicklung der
deutschen Bevölkerung zeichnen sich durch einen
tiefgreifenden Wandel des generativen Verhaltens
aus: Die Erhöhung der Lebenserwartung und der
Rückgang der Kinderzahl haben zu Veränderungen der
Altersstruktur in der Gesamtbevölkerung und der
Größe und Zusammensetzung der Familien geführt. Im
Verlauf dieses Prozesses, des demographischen
Übergangs, lassen sich Phasen beschleunigten
Bevölkerungswachstums mit Übervölkerung und
Auswanderung von Perioden abnehmenden Zuwachses und
schnellen wirtschaftlichen Ausbaus mit Wanderungen
in die industriellen Zentren und zunehmender
Verstädterung unterscheiden. Die jeweiligen
tatsächlichen und - mehr noch - die befürchteten
Folgen der Bevölkerungsentwicklung, etwa der
Massenauswanderung des 19. Jahrhunderts, des
Rückgangs der Kinderzahl zwischen 1870 und 1930, des
Geburtenrückgangs seit der Mitte der 1960er Jahre
oder der Einwanderung in die Bundesrepublik, haben
wissenschaftliche und publizistische Reaktionen
hervorgerufen, die wiederum Anlaß zu
bevölkerungspolitischem Handeln geworden sind. Im
vorliegenden Band werden - ausgehend von der
Charakterisierung vorindustrieller Bevölkerung und
der demographischen Folgen gewandelter sozialer
Strukturen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- diese Änderungen der generativen Struktur
dargestellt und ihre Rückwirkungen auf Wachstum und
Struktur der Bevölkerung im Zusammenhang mit den sie
begleitenden sozioökonomischen Veränderungen und der
zeitgenössischen Interpretation dieses Wandels
beschrieben."
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I.
Vorindustrielle Bevölkerung
1. Bevölkerungsweise und generative Struktur
2. Zur Bevölkerungsstruktur im 18. Jahrhundert
II. Sozialer
Wandel und Bevölkerungswachstum 1815-1865
1. Bevölkerungswachstum und Übervölkerungskrise
2. Natürliche Bevölkerungsbewegung und generative
Struktur
III.
Demographischer Wandel 1: Der Sterblichkeitsrückgang
1865-1900
1. Die Entwicklung der generativen Struktur
2. Auswanderung, Binnenwanderung und Verstädterung
IV.
Demographischer Wandel 2: Der Geburtenrückgang
1900-1930
1. Geburtenrückgang und Fruchtbarkeitsrückgang
2. Der soziale Kontext des Geburtenrückgangs
3. Bevölkerungsentwicklung 1900-1930
V.
Bevölkerungswachstum und Bevölkerungspolitik
1930-1945
1. Bevölkerung und Arbeitsmarkt
2. Die nationalsozialistische Bevölkerungspolitik
3. Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen
VI. Die deutsche
Bevölkerung in der Nachkriegszeit 1945-1965
1. Vertreibung, Umsiedlung und Wanderung
2. Die Bevölkerungsstruktur der beiden deutschen
Staaten
3. Die natürliche Bevölkerungsbewegung
VII. Die
Bevölkerung der Bundesrepublik seit 1965
1. Geburtenrückgang und Bevölkerungswachstum
2. Die Bundesrepublik als Einwanderungsland
3. Die Konsequenzen des demographischen Wandels -
»Bevölkerungspolitik« und »Wanderungspolitik«
VIII. Die
Bevölkerung der DDR seit 1965
Geburtenrückgang und Bevölkerungspolitik
IX. Der
demographische Übergang in Deutschland
Bevölkerungsgeschichte und Bevölkerungswissenschaft
Glossar
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-
Der demografische Wandel in
der Debatte
-
GASCHKE, Susanne (2001):
Gleichberechtigung allein ist nicht die Lösung.
Sozialdemokraten
und Union entdecken die Familienpolitik als Wahlkampfthema. Es wird
auch höchste Zeit für neue Ideen,
in: Die ZEIT
Nr.48 v. 22.11.
- Kommentar:
"Die
Geburtenrate ist von 2,02 Kindern pro Frau im Jahr 1970 auf 1,37
Kinder in den Neunzigern gesunken. Und die Gesellschaft fängt an
zu ahnen, was das bedeutet", schreibt GASCHKE.
Sie verschweigt aber, dass in
den Jahren 1978 und 1979 die Geburtenrate bei 1,38 Kindern lag
(aus: Peter MARSCHALCK "Bevölkerungsgeschichte
Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert",
1984), Mitte der 80er Jahre sogar noch tiefer.
Der gravierendste Einschnitt
erfolgte jedoch durch die Wiedervereinigung.
Die Geburtenrate in den alten Bundesländern liegt weit höher als
in den neuen Bundesländern, obgleich dort die Betreuungsangebote
besser sind.
Anfang der 90er Jahre fiel die
Geburtenrate in den neuen Bundesländern sogar unter 1,0.
Herwig BIRG
schreibt in seinem neu erschienenen Buch "Die
demographische Zeitenwende":
"Die Zahl der Lebendgeborenen pro Frau betrug 1998 in den neuen
Bundesländern 1,09, in den alten 1,41 und in Deutschland insgesamt
1,36."
GASCHKE versucht mit ihrer
Darstellung einen kontinuierlichen Geburtenrückgang seit 1970 zu
konstruieren, obwohl das Geburtenniveau seit Ende der 70er Jahre
mehr oder weniger konstant geblieben ist. Es handelt sich also um
einen Versuch der zusätzlichen Dramatisierung.
- Neu:
GASCHKE, Susanne (2003): Wo sind die Kinder?
Generationenvertrag. Im Land der Egoisten: Kein Nachwuchs, keine
Rente,
in: Die ZEIT v. 14.08.
- Kommentar:
Frau
Susanne-Generation-Berlin-GASCHKE greift in den
"Generationenkrieg" ein und
verteidigt die 68er-Generation sowie deren Vorgänger:
"Alle
Deutschen, die 60 Jahre und älter sind – von der
Generation der Achtundsechziger
aufwärts –, haben beide Verpflichtungen eingehalten: Sie haben für
die Eltern die Rente gezahlt, und sie haben sich
bevölkerungspolitisch korrekt vermehrt."
Dazu
präsentiert sie auch noch eine Statistik, die dies beweisen soll:
"1964
brachte eine Frau, statistisch gesehen, 2,54 Kinder zur Welt. Die
Nettoreproduktionsrate lag bei 1,18 – das heißt, dass diese Eltern
durch ihre Kinder mehr als ersetzt wurden."
Es
mag ja sein, dass mit
Meinhard MIEGEL (1939) und
Herwig BIRG (1939) prominente Verfechter einer
Bevölkerungspolitik aus der
68er-Generation stammen und GASCHKE, deshalb die Grenze bei 60
Jahren ansetzen möchte. Der Beitrag dieser Generation zur
Bestandserhaltung ist jedoch ein Märchen!
Es
mag in Vergessenheit geraten sein, denn Bevölkerungsgeschichte ist
nicht das, was heutzutage debattiert wird, sondern
sozialpolitische Demagogie
beherrscht die Debatte. Deshalb findet man auch nur in einem Buch
aus dem Jahr 1984 von Peter MARSCHALCK ("Bevölkerungsgeschichte
Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert") einen Hinweis auf den
Babyboom und dessen Zustandekommen:
"Die
um 1955 beginnende neue Phase in der Fruchtbarkeitsentwicklung der
Bundesrepublik ist durch einen Anstieg der Gesamtfruchtbarkeit
(von 2,13 auf 2,54 im Jahre 1964) und eine Verkürzung des
Generationenabstandes um weitere zwei Jahre gekennzeichnet. Ihr
wesentliches Merkmal dürfte aber eine Fruchtbarkeitswelle sein,
die deutliche Vermehrung der Zahl der Geburten für die Jahrgänge
1926 - 1933 und der ebenso deutliche Rückgang der Fruchtbarkeit
der Jahrgänge 1934 - 1941." (S.95).
Demnach
sind die 70- bis 77-Jährigen die letzte Generation, die ihren
"bevölkerungspolitisch korrekten" Beitrag geleistet haben.
Davon
abgesehen unterscheidet GASCHKE nichts von ihrem Gegenspieler
Philipp MIßFELDER,
denn bei beiden mutiert die - wenn überhaupt
"Schicksalsgemeinschaft" - Generation zu einem Gebilde, dem man
eine Kollektivschuld anheften kann. Beide stilisieren sich als
Ankläger von Altersgruppenkollektiven, als ob die Macht nicht bei
den jeweils herrschenden Eliten liegt.
Es
mag ja einfach sein, Bindungslosigkeit, Hedonismus oder sonstige
Motive unter dem
sozialdemokratischen Kampfbegriff Individualisierung
anzuprangern, statt die Änderung gesellschaftlicher Strukturen und
Machtverhältnisse zu analysieren.
Die
Debatte um den Generationenvertrag verschleiert, dass
es innerhalb jeder Generation
Gewinner und Verlierer gibt und dass diese sich nicht auf
Lebensstilgruppen - Singles
hier und Familien dort - aufteilen wie das GASCHKE unterstellt.
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