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Peter Sloterdijk : Der Single aus der Perspektive der Sphärologie

 
       
     
       
     
       
   

Peter Sloterdijk in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • SLOTERDIJK, Peter (2002): Schlagfertig.
    Müssen wir die Gewalt in der Popkultur neu betrachten? Sie ist eine Vorbereitung auf das Leben,
    in: Tagesspiegel v. 24.11.
    • Kommentar:
      Während wir uns noch im Frieden befinden, denkt Peter SLOTERDIJK schon weiter und denkt darüber nach, wie eine Popkultur beschaffen sein müsste, die junge Männer auf einen Kriegseinsatz vorbereitet. Das Problem ist dann:

            
      "wie man in einer scheinbar individualistischen und manifest humanistischen Kultur zu einer Jugend kommt, die sich freiwillig – oder zumindest nicht allzu widerwillig – auf den Altären des Vaterlandes, sprich auf den Schlachtfeldern der kriegsbereiten Nationen, opfern lässt".
            
      Die gegenwärtige Popkultur sieht er dagegen im Zusammenhang mit gewandelten gesellschaftlichen Anforderungen:
            
      "Die großen Gewaltbildermacher verfahren wie Drogenhändler, die ihren Klienten Zugang zu einem brutalisierten Evangelium verschaffen. Ihre Botschaft lautet: Auch die postnationale postmoderne Jugend in der Ersten Welt muss weiter auf diffuse Vernichtungsrisiken vorbereitet werden – mögen es auch nicht mehr konkrete militärische Risiken in nationalimperialen Konflikten sein, sondern vage Deklassierungs-, Chancenvernichtungs-, Lebensentwertungsrisiken. Der massenmediale Gewaltkult bietet den Verlierern von jetzt und morgen symbolische Satisfaktionen an."
 
       
   

Peter Sloterdijk im Gespräch

 
   
  • Neu:
    GÄCHTER, Sven (2004): "Es gibt lediglich Dividuen".
    Singles sind multiple Persönlichkeiten, Folterbilder die Rache des Autorenfilms, und der Begriff Gesellschaft ist tot – es lebe: der Schaum.Ein Gespräch mit dem deutschen Philosophen Peter Sloterdijk über seine «Sphärentheorie»,
    in: Weltwoche Nr.29 v. 15.07.
    • Inhalt:
      Peter SLOTERDIJK hat sich in seinem "Sphären"-Werk auch mit dem Single beschäftigt:

               "Ich würde dem Begriff «Gesellschaft» jenen des Haushalts vorziehen. Ein Haushalt ist eine monadische Grösse, die das Potenzial besitzt, eine Welterzeugung an einer einzelnen Stelle hervorzubringen. Und zu einer Welt gehören naturgemäss mehrere – so wie Robinson seinen Freitag hatte, so hat der moderne Single seine Medien, mit denen er Realkommunikation simulieren kann. Der Single von heute ist sozusagen die Erfolgsausgabe der multiplen Persönlichkeit, die leider meist mit stark psychiatrisierendem Vokabular beschrieben wird. Das erscheint mir nicht gerechtfertigt, denn viele multiple Persönlichkeiten entwickeln gerade aufgrund ihrer elastischen Beschaffenheit besondere Stärken, unter anderem die, sich mit sich selbst nicht allzu sehr zu langweilen. Nach meiner Definition gibt es ohnehin keine Individuen, es gibt lediglich Dividuen, das heisst Teile von Paaren beziehungsweise von Haushalten, wobei ein Alleinlebender in der Regel ein Individuum ist, das durch geeignetes Training gelernt hat, mit sich selbst ein Paar – oder einen Haushalt – zu bilden."
 
       
   

Sphären III. Schäume (2004).
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
 
 

Klappentext

"Mit dem Band Schäume hat Peter Sloterdijk den dreiteiligen Versuch seiner neuen Erzählung der Geschichte der Menschheit vollendet.
Der anthropologische und der Trilogie den Titel gebende Begriff der Sphäre verweist auf die Leitthese des Autors, wonach das Leben eine Formsache ist. »Sie suggeriert, daß Leben, Sphärenbilden und Denken verschiedene Ausdrücke für dasselbe sind.«
Der 1998 erschienene Band Blasen rekonstruiert, wie durch das nahe Zusammen-Sein von Menschen mit Menschen ein Intérieur besonderer Art gestiftet wird. Der Akzent im ersten Band der Sphären wird auf die These gesetzt, daß das Paar gegenüber dem Individuum die wirklichere Größe darstellt. Im philosophischen Roman Globen (1999) wird erzählt, wie das klassische metaphysische Denken als Kontemplation des großen runden Ganzen auf die Welt, den Globus, ausgreift und gleich mehrere Formen der Globalisierung in Gang setzt.
Schäume nun bietet eine philosophische Theorie des gegenwärtigen Zeitalters unter dem Gesichtspunkt, daß das Leben sich multifokal entfaltet. Das heitere Denkbild Schaum dient dazu, den Pluralismus der Welterfindungen wiederzugewinnen und damit eine philosophisch-anthropologische Deutung des modernen Individualismus zu formulieren, die über die bestehenden Beschreibungen hinausreicht. Schäume beantwortet zugleich die Frage, wie das Band beschaffen ist, das die Einzelnen zu dem zusammenfaßt, was die soziologische Tradition die »Gesellschaft« nennt.
Aufgrund seiner Beschäftigung mit den drängendsten Fragen ist es möglich, mit dem dritten Teil von Sphären zu beginnen, als ob er der erste wäre. Er ist es in gewisser Hinsicht tatsächlich."

Pressestimmen

"Der Initiationsgedanke seiner Sphärologie als ganzes ist der des Paares; genauer: der Vorrangigkeit des Paarexistenz vor der des Individuums, des Zusammenseins vor dem Getrenntsein. Der Mensch ist immer schon mit Anderen. Seine genealogisch früheste Daseinsform ist die Zweieinigkeit der pränatalen Position."
(Michael Mayer in der Berliner Zeitung vom 17.05.2004)

"Im Anschluss an die Existenzialisierung der Zeit (Martin Heideggers »Sein und Zeit» erschien 1927) zielt Sloterdijk direkt auf die Existenzialisierung des Raumes.
Damit beansprucht er nichts weniger als eine atmosphärische Deutung des sozialen Raums, der Raumschöpfung und der damit verbundenen »Immunraum-Produktionen«. Sloterdijk schließt an den alten philosophischen Topos an, nach dem der Mensch auf der Suche nach seiner verlorenen Hälfte sei und sich ständig in zumeist unterentwickelten Ergänzungserfahrungen übt, die in Beziehungen und in Sekten oder aber mit Ideologien, Drogen, Alkohol, Haustieren usw. besetzt werden. Schäume bilden außerdem den Gegensatz zum Einheitsdenken und stehen für die Vielheit an Eigenwelten, die Menschen entwickelt haben.
Beispielhaft dafür sind die modernen Apartmenthäuser und ihre Single-Haushalte. Ein großer Teil des Textes widmet sich einer Rekonstruktion der Architekturgeschichte, die diese »Selbstcontainer« entworfen hat. Im Medium der modernen Architektur werde nämlich explizit, wie der Mensch heute in der Welt ist: nicht mehr in einer metaphysischen Einheitssphäre, nicht mehr in eine Kollektivunternehmung eingespannt, sondern als »ko-isolierte Extistenz«. Einzelne zelluläre Weltblasen sozusagen, die sich über unterschiedliche Medien (Architektur, Massenmedien, Marktbeziehungen) integrieren und strukturell zu Schaum verdichten."
(Frank Hartmann in Telepolis vom 03.06.2004)

 
 
       
     
       
   

Das Sloterdijk Alphabet (2002).
Eine lexikalische Einführung in Sloterdijks Gedankenkosmos (von Holger Freiherr von Dobeneck)
Würzburg: Königshausen & Neumann

 
   
 
 

Klappentext

"Peter Sloterdijk ist ein Medienereignis, seinen kommunitarischen Existentialismus verbreitet er in essayistischer Form auf dem gesamten Medienspektrum. Neben Analyse und Kritik des Zeitgeistes legt er in seinem umfangreichen Sphärenprojekt eine politische Ideengeschichte der Menschheit vor. Obwohl sein erfolgreiches Entrée auf der öffentlichen Bühne mit seiner zweibändigen Kritik der zynischen Vernunft ihn als einen Zeitgeistadepten der 68er Jahre auswies, wendete er sich später von den Utopien dieser Generation überzeugend ab und Themen wie Alter, Krieg und Tod zu, die nie ins Blickfeld der mit Scheuklappen versehenen Aufbruchsgeneration gerieten.

Gefährlich Denken - die Motto Nietzsches - macht sich Sloterdijk zu eigen und das heißt auch erkennen, daß der rote Faden des Krieges sich weiterhin durch die Geschichte ziehen wird und eine herrschaftsfreie Diskursgemeinschaft nur in den Büchern mancher Philosophen stattfindet.

Dieses Lexikon möchte die heterogene Vielfalt der Sloterdijkschen Denkbewegungen in einer Momentaufnahme als ein kaleidoskopisches Gesamtpanorama sichtbar machen. Es soll nicht die Lektüre der Originale ersetzen und es bleibt zu bedauern, daß die Werkstatt zu früh verlassen werden mußte."

 
 
       
   
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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 17. Juli 2004
Update: 21. März 2009