Zitate:
Der demographische Wandel
zwingt die Reformpolitik nicht in eine einzige Richtung
"Die Veränderungen der Sozial- und Altersstruktur
werden neben den ökonomischen Herausforderungen
entwickelter Wohlfahrtsstaaten als zweite große
Notwendigkeit für reformpolitische Schritte genannt.
Wie der frühen Globalisierungsliteratur ist den
gegenwärtigen Beiträgen der Demographie-Literatur zu
konzedieren, dass worst-case-Szenarien das Bild
prägen (...).
(...).
Die Reproduktion der europäischen Gesellschaften
zeigt eindeutig eine Schieflage an. Die Daten sind
(...) kaum umstritten, die Interpretationen dieser
Daten und die aus ihnen abgeleiteten Konsequenzen
und Reformempfehlungen sind es jedoch in höchstem
Ausmaße. (...).
Es wird die These vertreten, dass ähnlich wie im
Fall der Globalisierung die demographischen
Veränderungen die wohlfahrtsstaatliche Reformpolitik
nicht in eine einzige Richtung zwingen. Die Politik
hat Wahlmöglichkeiten. Welche Wege zur
reformpolitischen Abfederung demographischer
Veränderungen allerdings gewählt werden, entscheidet
sich im politischen Prozess" (S.50)
Der
Nachhaltigkeitsfaktor als Bremse für
Rentensteigerungen
"Der Nachhaltigkeitsfaktor in der neuen Rentenformel
wird (...) mit einem a-Parameter gewichtet, der
einen Wert von 0,25 bis 1 annehmen und willkürlich
von der Politik festgelegt werden kann. Je näher der
Wert zur 1 festgelegt wird, desto geringer die
Rentenanpassung und desto wahrscheinlicher ein
stabiler Beitragssatz. Zudem wurde bei der
Berechnung der Lohn- und Gehaltssteigerungen
einzigen auf die Beschäftigten abgehoben, die auch
in der GRV versichert sind. Die Gehälter der Beamten
und die Löhne über der Beitragsbemessungsgrenze, die
früher noch bei der Berechnung berücksichtigt wurden
- und die in den letzten Jahren deutlich anstiegen -
, fallen also aus dem Berechnungsraster, was in
Zukunft tendenziell zusätzlich gedämpfte
Rentensteigerungen erwarten lässt." (S.270)
Erfolgreiche
Rentenreformen statt Reformstau
"Die Rentenreformen seit den frühen 1980er Jahren
haben, so kann (...) zusammengefasst werden, in
ihrer Dynamik letztlich einen bedeutsamen
Pfadwechsel bewirkt. Dies zeichnet die
bundesdeutsche Reformpolitik auch im internationalen
Vergleich aus. (...). Somit kann nicht nur die These
eines Reformstaus zurückgewiesen werden, es muss
zudem attestiert werden, dass trotz unverändert
(hoher) Ausgabedaten eine programmatische Zäsur
erreicht wurde." (272)
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1
Einleitung: Wohlfahrtsstaatliche Reformpolitik
zwischen Notwendigkeit, Können und Gerechtigkeit
Teil I - Theorien und Thesen
2
Reformnotwendigkeiten
2.1 Ökonomische Entgrenzung und Europäische
Integration
2.2 Demographischer Wandel
2.3 Arbeitslosigkeit und Beschäftigungsdynamik
2.4 Marktideologie, "Erlösungsliberalismus" und
soziale Gerechtigkeit
3
Reformfähigkeit
3.1 Das Pfadabhängigkeitstheorem
3.2 Parteienherrschaft und Reformpolitik
3.3 Verbändemacht und Konzertierung
3.4 Institutionelle Politikverflechtungen
3.5 Fazit: Institutionen, Interessen, Akteure
4
Reformdynamiken
4.1 Welten der Wohlfahrt
4.2 Dynamik der Sozialausgaben
4.3 Programmatische Dynamiken
4.4 "Wunderländer" im Vergleich
4.4.1 Vom Norden lernen?
4.4.2 Liberale Wohlfahrtsstaaten - die Schweiz und
Großbritannien
4.4.3 Kontinentaleuropäisch-zentristische
Wohlfahrtsstaaten - Österreich und die Niederlande
4.4.4 "Wunderländer" im Vergleich - die Lehren
4.5 Fazit
Teil II - Das deutsche Reformrätsel
5
Reformpolitik in Deutschland
5.1 Deutsche Einheit - Zäsur und Herausforderung
5.2 Beschäftigungsdynamik und Arbeitsmarktpolitik
5.2.1 Gebremste Beschäftigungsdynamik -
Strukturwandel und die Folgen der deutschen Einheit
5.2.2 Sozialpartnerschaft, Lohnpolitik und die
Stilllegung von Arbeit
5.2.3 Nach der deutschen Einheit:
arbeitsmarktpolitische Innovationen und Kehrtwenden
5.2.4 Konzertierte Reformanstrengungen - Die
Bündnisse für Arbeit
5.2.5 Arbeitsmarktpolitik in "Post-Hartz"
Deutschland
5.3 Rentenreform
5.3.1 Die Rentenreform 1992 - Konsenspolitik und
programmatische Sicherung
5.3.2 Die Rentenreform 1997 - Ende der
Konsenspolitik und erste Innovationsversuche
5.3.3 Die "Riester-Rente" von 2001 - Schrittweiser
Paradigmenwechsel
5.3.4 Rentenreformen 2004 - Auf dem Weg zur
manipulierbaren "Nachhaltigkeit"
5.4 Reformen des Gesundheitswesens
5.4.1 Gesundheitsreformgesetz (GRG) von 1988 - Große
Ziele, bescheidene Veränderungen
5.4.2 Gesundheitspolitik im Einigungsprozeß -
Dynamische Pfadtreue
5.4.3 Gesundheitsstrukturgesetz 1992 - Veränderte
Reformlogik mit Konsequenzen
5.4.4 Gesetzliche Pflegeversicherung 1994 - Erneute
Pfadtreue und Innovationen
5.4.5 Die gesundheitspolitische Endphase der
christlichdemokratisch-liberalen Koalition
5.4.6 Rot-grüne Gesundheitspolitik
5.5 Reformpolitik der Großen Koalition
5.6 Fazit
Teil III - Vergleichende Interpretationen
6
Dimensionen des Wandels und der Kontinuität
7 Politische Reformlogik der deutschen
Verhandlungsdemokratie
8 Normative Interpretationen: Staat, Gerechtigkeit
und Freiheit