Die
Familie als wirksamer Schutz
Die
Hilflosigkeit der Alleinlebenden
Der
Zwang zur Wiederheirat
Die
Vermehrung der Witwenhaushalte
Die
Auflösung der traditionellen Hausgemeinschaften
Der
Zwang bürgerlicher Normen
Der
"Take-Off" der Einpersonenhaushalte
Der Anstieg der
Einpersonenhaushalte vom Kaiserreich bis in die 90er
Jahre
"Während
des Kaiserreichs hatte der Anteil der
Einpersonenhaushalte lediglich zwischen 6 und 7 %
geschwankt und war erst während des Dritten Reiches
kurz vor dem Zweiten Weltkrieg auf 10 % gesprungen. Im
Jahre 1950 hatte diese Haushaltsform in der
Bundesrepublik Deutschland bereits einen Anteil von
19,4 % erreicht und konnte bis April 1991 ihr Gewicht
nochmals deutlich steigern, so daß heute 33,6 % aller
bundesdeutschen Privathaushalte Einpersonenhaushalte
sind." (S.23)
"Neu sind
vor allem zwei Phänomene: die Existenz von
Einpersonenhaushalten jüngerer Singles sowie die hohe
Zahl an Haushalten alleinlebender Witwen." (S.24f.)
Hinterbliebenenversorgung und Verbreitung
alleinlebender Witwen
"Die Veränderungen
setzten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
ein: zunächst kaum bemerkt, im 19. Jahrhundert immer
augenscheinlicher.
(...).
Es waren nicht alle Witwen, die Probleme bereiteten;
es war eine spezielle Gruppe. Während Bauern und
Handwerker bei ihrem Tod ihren Hinterbliebenen einen
Hof oder eine Werkstatt mitsamt Meisterstelle
hinterließen, die den Witwen auf dem Heiratsmarkt
einen bevorzugten Platz sicherten, ließen
Staatsbeamte, Offiziere und auch protestantische
Pfarrer oft nur »unbemittelte und hülflose Witwen«
übrig (...).
Aus dieser Erfahrung heraus griffen Beamte, Offiziere
und Pfarrer durch Gründung von Witwen- und
Waisenkassen zur Selbsthilfe. (...).
Nach Mitte des 18. Jahrhunderts erlebten diese Kassen
geradezu einen Gründungsboom und wurden in einzelnen
Ländern für alle Beamten verbindlich. (...).
Seit Ende des 18. Jahrhunderts sind diese Beamten- und
Pfarrwitwenkassen zudem zum Vorbild für andere
Berufszweige geworden.
Parallel zu ihrer Verbreitung erhöhte sich seit Mitte
des 18. Jahrhunderts die Zahl der Witwen und damit -
wenn auch nur geringfügig - die Zahl der
Einpersonenhaushalte." (S.33)
Der
Wohnungsmarkt als Hemmnis für die Ausbreitung der
Einpersonenhaushalte
"Erster Weltkrieg
und Inflation haben den privaten Wohnungsmarkt, bis
dahin fast alleiniger Träger des Wohnungsbaus, fast
völlig zum Erliegen gebracht. Wo bereits für einen
Großteil der Familien keine eigene Wohnung mehr zur
Verfügung stand, mußten Einzelinteressen zurückstehen.
Zudem haben in der Zwischenkriegszeit Architekten und
Bauherren noch kaum Signale in Richtung
Einpersonenhaushalt ausgesandt. Sie boten zwar
vermehrt Kleinwohnungen an, aber kaum
Einpersonen-Appartements. Aufgrund der sehr drückenden
Wohnungsnot ging der Anteil der Einpersonenhaushalte
sogar von 7,3 % im Jahre 1910 auf 6,7 % im Jahre 1925
und 6,5 % zwei Jahre später zurück, um sich dann bis
1933 aufgrund der regen Bautätigkeit in den
»goldenen
Jahren« von Weimar auf 8,4 % zu erhöhen."
Reichshauptstadt
Berlin als frühe "Single"-Hauptstadt
"Als das
Statistische Reichsamt im Jahre 1927 eine reichsweite
Wohnungszählung durchführte, betrug der Anteil der von
Ledigen bewohnten Einpersonenhaushalte in den
Großstädten bereits 37,5 %, in Berlin sogar 41,2 %.
Damit erreichte die Reichshauptstadt schon in der
Zwischenkriegszeit Werte, die in der
Bundesrepublik in den 90er Jahren Gültigkeit hat. Rund
70 % dieser Ledigen-Haushalte entfielen auf Frauen."