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Alphons Silbermann: Von der Kunst der Arschkriecherei

 
       
     
       
     
       
   

Alphons Silbermann in seiner eigenen Schreibe

 
   
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Alphons Silbermann im Gespräch

 
   
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Von der Kunst der Arschkriecherei (1997)
Berlin: Rowohlt Verlag

 
   
 
 

Klappentext

"Lügen, Heucheln, Schmeicheln, Intrigieren ist, obwohl verpönt, alltägliche Praxis. Doch selbst ein massenhafter Mißbrauch solcher Kunstfertigkeiten hebt ihren erlaubten Gebrauch nicht auf. Arschkriecherei ist weder gut noch böse. Es kommt darauf an, zu welchem Zweck sie betrieben wird.
Mit gebotener Unverblümtheit beschreibt Alphons Silbermann ein zwar allseits vertrautes, aber gänzlich 'unerforschtes' Handlungsmuster. Sein alltagssoziologisches Brevier ist ein Aufklärungsbuch im besten Sinne.
"

Inhaltsverzeichnis

I Zur Einstimmung: Knigges "Über den Umgang mit Menschen"

II Begrifflichkeiten: Beliebt dem Herrn, den hintern Teil zu küssen

III Tugend und Untugend: Menschliches, Allzumenschliches

IV Zweckideologie: Weder gut noch böse

V Opportunismus: Sich unterwerfen, wo es notwendig ist

VI Interlude: Keine Frage des Charakters

VII Lügen, Heucheln, Schmeicheln: Das Einmaleins der Täuschung

VIII Intrige und Perfidie: Geheime Machenschaften

IX Liebe: Mächtiger als der Mensch

X Familienleben: Das Tor zum Glück

XI Erziehung, Flegel und die gestattende Gesellschaft:
Wir wollen für dich nur dein Bestes

XII Anpassung: Freiwillige und erzwungene Konfliktvermeidung

XIII Entsorgung: Von Tätern und Opfern

Zitate:

Adolf Franz Friedrich Ludwig Freyherr von Knigge

"Gleich, ob Knigges von Edelmut und Tugendhaftigkeit nur so strotzende Schrift uns als Erziehungsbuch, als lebenspädagogisches oder als menschenbildendes Buch vorgestellt wird, im ganzen gesehen (...) spricht hier ein von bitteren Erfahrungen geprägter Idealist." (S.16)

"Was für eine Lebenshaltung steckt hinter dieser zwiespältigen Ehrsamkeit, die aus dem Munde eines Menschen kommt, dem Humanität und Toleranz als Ideale vorschweben und der von uns um der charakterlichen Vervollkommnung und der Glückseligkeit willen Abhärtung, Aufklärung, gesunden Menschenverstand, Edelmut, Gönnerschaft, Berufstüchtigkeit, nützliche Kenntnisse und Fertigkeiten, Lebensklugheit und Rechtschaffenheit verlangt? Was soll dieses Pendeln zwischen Vernunft, Wirklichkeit und Irrationalität, diesem Brocken aus den Zeiten der »Aufklärung« und des »Sturm und Drang«? Hat dem Knigge bei der Niederschrift des »Umgang« womöglich ein selbstbekennerisches Bedürfnis die Feder geführt? (...).
Gewiß war es dem so edel daherkommenden Knigge nicht darum getan, uns an der Nase herumzuführen. Ganz im Gegenteil. Worüber er auch spricht, seine Ausführungen stehen unter dem Zeichen der moralischen Verfeinerung. Jedoch angesichts seines Ringens zwischen Vernunft und Leidenschaft gelingt es ihm nicht, der Verderbnis aus dem Weg zu gehen.
Nennen wir diese Verderbnis Unterwürfigkeit, Untertänigkeit oder Opportunismus, Liebedienerei, Schmeichelei, Lobhudelei, Demütigung, Servilität oder gar Niederträchtigkeit - letztendlich, sagen wir es laut und deutlich, handelt es sich um das Verhaltensmuster der Kriecherei in all ihren Facetten." (S.16ff.)

"Von einer eher idealistischen Seite aus gesehen, wie beispielsweise bei Knigge, treten in unserer Gesellschaft drei fundamentale Werte nach vorne, an die sich alle anderen Werte, darunter die Arschkriecherei, anbinden: das Gute, das Schöne und das Wahre." (S.48)

Arschkriecherei aus soziologischer Sicht

"Arschkriecherei (...) ist an Gelegenheiten gebunden, tritt hier und da im Leben eines Menschen auf, gleich, ob es sich um einen Choleriker, einen Sanguiniker oder einen anderen Typus handelt. Aus soziologischer Sicht ist die Arschkriecherei uneingegliedert, ungereimt und unbeständig, ob in ihrer rudimentären Form, in ihrer anspruchslosen Form, in ihrer intellektuellen oder hochentwickelten Form. Angesehen als eine auf Handlungen gründende zwischenmenschliche Beziehung, dargetan als ein Verhaltensmuster, kann man sich bei der Arschkriecherei nicht wie beim Charakterzug auf ihre Eigentümlichkeiten verlassen. Arschkriecherei tritt in den verschiedensten Varianten auf". (S.70)

Die Kunst der Arschkriecherei

"Mit Ausnahme eines gesellschaftlichen Drucks (...) wird niemand von außen her weder zur Arschkriecherei gedrängt noch gezwungen. Der Arschkriecher handelt frei, liebt die Arschkriecherei und zeigt sich eben darum ihrer »würdig«. Ohne Bezug auf den zu erreichenden Nutzen oder den anzurichtenden Schaden und auch ohne Bezug auf inkriminierende Untugenden, Laster oder Immoralität fixiert der Kriecher für sich frei einen Wert, einen Selbstwert, den er danach bemißt, was er schätzt und was er als wertlos erachtet. Dieser über den Sachwerten stehende Selbstwert, durch den sich der Arschkriecher von seiner Täterschaft als ungerechtfertigt, moralisch oder gar kriminell entsorgt, enthält jenen Glauben an sich selbst, der da sagt: »Ich bin besser als der andere.«
Von hier aus ist kein weiter Weg zur Eigenliebe. Soweit Arschkriecherei so kunstvoll gehandhabt wird, daß sie einem Gefälligkeitserweis ähnelt, ist sie das Unterpfand für das Paradox, zu gleicher Zeit Täter und Opfer zu sein." (S.188f.)

"Der Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als wozu er sich selbst macht, es ist aber eine Kunst, Arschkriecher zu sein und es zu bedecken verstehen." (S.189)

 
 
 
       
   
  • Manieren in der Debatte

    • SPIEGEL-Titelgeschichte: Die neuen Werte.
      Ordnung, Höflichkeit, Disziplin, Familie

      • MOHR, Reinhard u.a. (2003): Nobel statt Nabel.
        In den Zeiten der Krise, des Pisa-Schocks und um sich greifender Verlotterung ist eine neue Bürgerlichkeit gefragt. Das Einhalten von Regeln, das Leben mit althergebrachten Tugenden und Ritualen wird wichtiger,
        in: Spiegel Nr.28 v. 07.07.
    • JAUCH, Ursula Pia (2003): Die letzte Dame, dahingesunken.
      Prinz Asfa-Wossen Asserate über die Sitten der Deutschen,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 03.12.
      • Inhalt:
        "
        Als ästhetisches Wesen konnte die Dame nur in einer Zeit leben, in der die bedingungslose Hingabe noch nicht unter den Verblendungsverdacht fiel. Wenn Schopenhauer zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegen das europäische Damenunwesen zu polemisieren beginnt, zeigt sich in ihm nicht der Weiberfeind, sondern (und durchaus schopenhauerianisch gedacht) der abstrakte Wille kommender Egalisierung. Der Feminismus entstand, so Asserate, als die Demokratie mit dem Ideal der Dame «krachend» zusammenstiess. Folgerichtig ist für Asserate der Feminismus der Versuch, das für die europäische Zivilisation wesentliche Ideal der Dame unter den Bedingungen der industriellen Massengesellschaft aufrechtzuerhalten. - Das ist als These immerhin so schön wie provokativ, und nach einigen gut gelaunten Bemerkungen über die ästhetische Absurdität einer gender-korrigierten Sprache weinen Autor und Rezensentin jener Dame, die dereinst als letzte ihres Standes dahingesunken sein wird, eine Träne nach", schreibt JAUCH.
              
          Eine Kostprobe aus jenem Kapitel über die Dame, der JAUCH nachweint:
              
          "Das »Fräulein« ist, so zart es klingt, eine Todfeindin der Feministinnen geworden, die etwas besonders Schimpfliches darin sehen, verheiratete und unverheiratete Frauen in der Anrede zu unterscheiden. Man sage auch nicht »Herrlein« zum unverheirateten Mann. (...). Aber muß das »Fräulein« wirklich verschwinden? Ist es nicht um jede außer Gebrauch geratene Differenzierungsmöglichkeit schade?
        (...). Eine meiner Erzieherinnen, Fräulein Hålme, war eine Frau von größter Autorität und hat stets jeden korrigiert, der sie aus Unkenntnis oder falsch verstandenem Taktgefühl als »Frau Hålme« ansprach. Es scheint sich bei der Verfolgung des »Fräuleins« um ein spezifisch puritanisches Problem zu handeln. In Amerika hat man den Unterschied zwischen der verheirateten »Misstress« und der unverheirateten »Miss« unbedingt abschaffen wollen. Man kürzt dort nun »Ms.« ab, in der überreizten Argumentation der Feministen wird alles andere als Beleidigung der Frau verstanden. Glücklich derjenige, der in Verhältnissen lebt, die ihm gestatten, auf solche politisierten Maßregelungen keine Rücksicht zu nehmen."
    • RUTSCHKY, Katharina (2003): Was eine rechte Dame werden will.
      Der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate erklärt den Deutschen, was "Manieren" sind,
      in: Tagesspiegel v. 21.12.
      • Inhalt:
        "
        Der Autofahrer, der Single, der Nachbar, der Erwachsene im Umgang mit der neuen Jugend oder das geschiedene Ehepaar, kurz alle, die in einer demokratischen, alters-, geschlechter- oder sonst von konventionellen Hierarchien nicht mehr geregelten Welt leben, haben von diesem Buch wenig zu erwarten", klärt Katharina RUTSCHKY auf.
    • Neu:
      FOCUS-Titelgeschichte: Benimm ist in.
      Manieren & Stil: Wissen Sie wirklich alles über richtiges Benehmen? Der Knigge für Tisch, Karriere, Liebe und Small Talk

      • ÖZGENC, Kayhan/BEHREND, Till/SCHAERTL, Marika (2003): Stilkontrolle!
        Der Sittenverfall scheint gestoppt. Die Deutschen studieren Manieren-Fibeln und besuchen Etikette-Kurse, um wieder gutes Benehmen zu erlernen,
        in: Focus Nr.1 v. 29.12.
      • FLOCKEN, Jan von (2003): Nicht poltern & lärmen.
        Dem Etikette-Lehrer Knigge ging es in erster Linie um Höflichkeit und Rücksicht im täglichen Leben,
        in: Focus Nr.1 v. 29.12.
      • BEHREND, Till (2003): Lob des Spießers.
        Warum der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate die Sitten des deutschen Kleinbürgers verehrt,
        in: Focus Nr.1 v. 29.12.
      • SCHÖNBURG, Alexander von (2003): Moshammer auf Ecstasy.
        Manieren sind etwas für Kleinbürger -
        Courtoisie ist abgeschafft,
        in: Focus Nr.1 v. 29.12.
      • HARTMANN, Elke (2003): Takt statt Tanga.
        Thomas Gottschalk hat mittlerweile so gute Manieren, dass er die erste Benimm-TV-Show präsentieren darf,
        in: Focus Nr.1 v. 29.12.
    • ASSERATE, Prinz Asfa-Wossen (2004): Seid artig!
      Viel wird darüber geredet, an was es dem Standort Deutschland alles fehlt. Ein Mitglied des äthiopischen Kaiserhauses meint, dass der wichtigste Mangel vergessen wird: Gute Manieren,
      in: Financial Times Deutschland v. 09.01.
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 13. Januar 2004
Update: 09. Februar 2004
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