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- KRAIS, Beate (1996): Bildungsexpansion und
soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland. In:
Bolder, Axel/ Walter R. Heinz/ Klaus Rodax (Hg.) Jahrbuch für
Bildung und Arbeit `96. Die Wiederentdeckung der Ungleichheit,
Opladen: Leske + Budrich, S. 118-146
- KRAIS, Beate - Die Spitzen der
Gesellschaft. Theoretische Überlegungen. In:
Diesselbe (Hg.) An der Spitze. Von Eliten und herrschenden Klassen,
Konstanz: UVK
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KRAIS, Beate (2004): Orientierung in der wuselnden Welt.
Die so genannten Besten und
der so genannte Rest: Die gegenwärtige Eliten-Debatte hat eine
Rückseite - in ihr drücken sich immer noch apokalyptische Visionen
von einer Vermassung aus, die offensichtlich nach wie vor zur
Mythologie der bürgerlichen Mittelschichten gehören. Leider, muss
man sagen,
in: TAZ v. 13.01.
- Inhalt:
"Da
fallen Begriffe wie »wirkliche Elite« oder »Geisteselite«; im
Artikel von Wolf Lotter in der taz vom 9.
Januar werden, bezogen auf die Zeit zwischen den beiden
Weltkriegen, die Intellektuellen, die Wissenschaftler, die
Schriftsteller der Weimarer Republik genannt und dann die »vielen
Außergewöhnlichen«, die »Minderheit, die Elite des Widerstands«.
Bildung ist also, jedenfalls in Deutschland, immer mit im Spiel.
Vor allem aber geht es darum, das »Mittelmaß«, kurzum: die
»nivellierte Masse« hinter sich zu lassen - und hier finden wir
sie wieder, die Entgegensetzung von Masse und Elite, die
Verachtung für den »Rest« der Bevölkerung, der kein Rest ist,
sondern die Mehrheit.
Die apokalyptischen Visionen von der »Nivellierung« und
»Vermassung« gehören offensichtlich nach wie vor zur Mythologie
der bürgerlichen Mittelschichten, insbesondere der
Bildungsschichten,"
kritisiert die Soziologin Beate KRAIS.
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LOTTER, Wolf (2003): Die Ausnahmen und die Regel.
Im Chaos des Wandels mag niemand vorangehen - Eliten sind
verpönt, der Begriff gilt als abgefackelt. Doch wie sollen Vorbilder
entstehen, wenn man sie nicht lässt?,
in: brand eins, Oktober
- Kommentar:
Brand Eins widmet den Eliten diesmal einen
Schwerpunkt.
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Christian Scholz - Darwiportunismus und das generationsspezifische
Wertesystem der Eliten
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WURZBACHER, Ralf (2004): Kanzler träumt von Eliteunis: Pfründe für
die Oberschicht?
jW sprach mit Michael Hartmann, Soziologieprofessor an der
Technischen Universität Darmstadt,
in: Junge Welt v. 08.01.
- Kommentar:
Der Elitenforscher Michael HARTMANN, der mit
"Der Mythos der Leistungselite"
das wichtigste Buch der letzten Jahre zum Thema geschrieben hat,
kritisiert die Idee der Eliteuniversitäten, weil sie den starken
Einfluss der sozialen Herkunft noch weiter verstärkt:
"Die Qualität von Eliteinstitutionen beruht stets darauf, daß für
diese unverhältnismäßig viele Mittel zur Verfügung gestellt
werden. So entfällt zum Beispiel auf die französischen
Elitehochschulen, die gerade einmal gut 100 000 von insgesamt über
2,1 Millionen Studierenden besuchen, mehr als ein Drittel der
gesamten Hochschulfinanzen. Davon profitiert aufgrund einer
scharfen sozialen Selektion vor allem der Nachwuchs der »besseren
Kreise«."
Wie der Politologe Franz WALTER
weist HARTMANN darauf hin, dass sich inzwischen ein linkes
Establishment entwickelt hat, das in einem Bündnis mit der alten
Mitte ihren Besitzstand zu wahren versucht:
"Heute werden auch die Kinder von Chefärzten, Professoren oder
Managern überwiegend in den staatlichen Hochschulen ausgebildet,
und das ist aufgrund der Finanzprobleme eine Ausbildung mit
vielerlei Mankos. Deshalb ist es politisches Ziel maßgeblicher
bürgerlicher Kreise, für den eigenen Nachwuchs gute
Studienbedingungen auf Kosten der restlichen Bevölkerungsteile zu
garantieren. Verhängnisvoll ist, daß inzwischen
viele Aufsteiger der 60er und 70er Jahre, die vor allem in der
SPD zu finden sind, mit den Bürgerlichen eine Allianz bilden und
ihren infolge der damaligen Öffnung des Bildungssystems erreichten
Status für die eigenen Kinder ebenfalls mittels Abschottung
sichern wollen."
Single-dasein.de hat
diese Allianz von alter und neuer Mitte bereits vor längerer Zeit
als Bobokratie bezeichnet.
Die Bobos wurden von dem Konservativen
David BROOKS in
Amerika zu einem Zeitpunkt ins Gespräch gebracht, als auch dort
dieses neue Bündnis bereits erfolgreich praktiziert wurde.
-
LOTTER, Wolf (2004): Die Mitte und ihr Maß.
Weil die neue alte Mitte
nicht über Eliten reden will, bleibt Deutschland die
Mittelmaßrepublik mit Führungsfilz. Doch ein offener Diskurs ist
notwendig. Wer sich dieser Debatte verweigert, spielt den Interessen
von sinistren Korps in die Hände, die jenseits jeder demokratischen
Kontrolle operieren
in: TAZ v. 09.01.
- Kommentar:
In der Regierungs-TAZ darf Brand
eins-Redakteur LOTTER den
Elitismus der Neuen Mitte
rechtfertigen.
Der Begriff
Generation Berlin wurde von
Heinz BUDE mit dem Ziel
eingeführt, althergebrachte Konzepte in Abgrenzung zur Bonner
Republik salonfähig machen zu können.
Dazu gehört nun
auch der Elitenbegriff, der hier von LOTTER - gegen die Bonner
Republik gewendet - , zum Markenzeichen einer neuen Werteelite
aufgewertet wird. Dieser "Leistungsadel" versteht sich als "die
Besten, die im Auftrag und zum Wohl aller arbeiten".
Niemand kann
bestreiten, dass
in Deutschland die soziale Herkunft die soziale Aufwärtsmobilität
bestimmt. In Frankreich mit seiner Elitenbildung hat
Pierre BOURDIEU
diesen Zusammenhang aufgezeigt. Es sind die feinen Unterschiede,
die in den Führungsetagen zählen und nicht vorrangig das
Wissenskapital.
Bei LOTTER
wird die Elite den Massen gegenübergestellt. Es geht bei dieser
neuen Debatte also nicht so sehr um eine Wissenselite, sondern um
Führung im traditionellen Sinne. Die Leistungselite wird deshalb
weiterhin ein Mythos bleiben.
- NECKEL, Sighard (2004):
Klasseperformance.
Elite-Unis im Licht der Ökonomie des gewöhnlichen Scheins,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.01.
- Inhalt:
Der Soziologe
Sighard
NECKEL betrachtet die
gegenwärtige Elitedebatte unter
aufmerksamkeitsökonomischer Perspektive.
Hierzu unterscheidet er beim
Leistungsbegriff zwei Dimensionen:
"Im
deutschen Sprachraum (fehlt) (...) eine semantische
Differenzierung im Leistungsbegriff (...), die dem
Angelsächsischen seit langem vertraut ist. Wird dort als
achievement bezeichnet, was eine Person durch eigene Anstrengung
erreicht, so als performance, wie sie sich dabei vor anderen
ausgenommen hat. Als neudeutscher Anglizismus ist die Performance
auch in die Wirtschaftssprache von Unternehmen und Finanzmärkten
eingesickert, wo man ganz zu Recht der Auffassung ist, dass sich
mithilfe des Performativen der heute hauptsächlich gefragte Typus
von Leistungsstärke am besten ausdrücken lässt. Beim performativen
Leistungsverständnis kommt es - kurz gesagt - darauf an, möglichst
gut auszusehen".
- SEIBT, Gustav (2004): Wider die
Gleichgültigkeit.
Elite und Untergang: Die Manieren des Geistes können nie besser
sein als die der Gesellschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.01.
- Kommentar:
"Das
Ständische ist verschwunden, unguter Dünkel, schlechte Tradition;
aber damit vielfach eben auch jegliche Form von höherem Streben.
Das Verschwinden des Elitären führte in eine bedrückende
Indifferenz",
bedauert Gustav SEIBT aus bildungsbürgerlicher Sicht, der
SCHELSKYs Idee einer "nivellierten Mittelstandsgesellschaft"
näher steht als die Nach-68er-Gesellschaft.
Gustav SEIBT
sieht sich - wie Paul NOLTE - als Teil der
neuen Werteelite in der zukünftigen Klassengesellschaft.
-
ECONOMIST (2004): Social mobility.
What's it worth? The Government tinks more higher education means
more social mobility. It's wrong,
in: Economist v. 16.01.
- Kommentar:
Was der Soziologe Michael HARTMANN als
Mythos der Leistungselite
bezeichnet hat, das hat nun eine britische Forschungsgruppe um den
Soziologen John GOLDTHORPE auch für den Bereich der New Economy in
Großbritannien herausgefunden.
Nicht die schulischen Leistungen,
sondern die soziale Herkunft bestimmen den sozialen Aufstieg auch
in der neuen Dienstleistungsgesellschaft:
"the
qualities that employers in the service sector want are those the
middle classes acquire at home: articulacy, confidence and
smartness." Der
Economist verweist auf einen demnächst erscheinenden Beitrag von
Michelle JACKSON, John GOLDTHORPE und Colin MILLS mit dem Titel "Education,
Employers and Class Mobility" (Rsearch in Social Stratification
and Moblity,
Elsevier)
-
HOLERT, Tom (2004): Die Elite muss Spektakel werden.
Von "Deutschlands klügsten
Kindern" bis zu den "Superstars": Sobald sich irgendwo eine
Testbühne zeigt, wird sie von den Chancensuchern unserer
Ranking-Kultur gestürmt. Vor diesem Hintergrund ist auch die
Elitedebatte zu verstehen: als Disziplinierungsversuch des
massenkulturellen Wildwuchses,
in: TAZ v. 19.01.
- BOLZ, Norbert (2004): An den Besten
messen.
Nach dem Populismus der Elitismus? Gegen das "Kartell der
Mittelmäßigkeit" würden professionelles Verhalten und strenge
Auswahl schon ausreichen,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.01.
- Kommentar:
Norbert BOLZ
stellt durch die Verengung der Perspektive auf das Bildungssystem
- und unter
Absehung der sozialen Verhältnisse im Berufssystem
- das Ideal der Leistungsgesellschaft der herrschenden
Ergebnisgleichheit entgegen. Er gelangt deshalb zum Schluss:
"Die
Selbstselektion und der Leistungskult der Meritokratie verträgt
sich schlecht mit dem sozialistischen Spitzenwert Gleichheit, der
ja nicht die liberale Chancengleichheit, sondern die
Ergebnisgleichheit will: Fast alle bekommen eine Eins, also ein
summa cum laude - jeder Geisteswissenschaftler leidet an der
Inflation der Bestnote. Dabei heißt Gleichheit eigentlich nur,
dass das Recht blind ist für die Ungleichheit - aber eben nur das
Recht! Für Schulen und Universitäten ist diese Blindheit tödlich.
Gleiche Startbedingungen - das muss genügen. Spätestens mit der
Immatrikulation muss die kompensatorische Erziehung enden."
Zur
Professorenkarriere hat BOLZ auch noch etwas beizusteuern:
"Ein
Professor hat heute (...) drei Karriereschauplätze, zwischen denen
er wählen muss. Der Starakademiker macht Karriere in der
Forschung. Wer sich das nicht zutraut, kann immer noch Karriere in
der Lehre machen. Das ist der bei Studenten und Ministerien
beliebteste Typ: (...) er verzichtet weitgehend auf Forschung und
wissenschaftliche Publikationstätigkeit. Genau so wie der
Professor, der Karriere in den Gremien macht: Der Gremienprofessor
umgeht den wissenschaftlichen Reputationsmechanismus, indem er
»Universitätspolitik« macht. Alles Wesentliche dazu findet sich in
Dietrich Schwanitz' Buch Der Campus."
- JÄHNER, Harald (2004): Unsere Elite,
wir brauchen dich.
Die Politik wird zum Gottesdienst - mit liturgischen Begriffen
zur Anbetung der Konjunktur,
in: Berliner Zeitung v. 20.01.
- Inhalt:
"Das
heutige demokratische Misstrauen gegen die Elite speist sich aus
der Verkrustung, die die Eliten in der Geschichte durchmachten.
Eliten, einmal privilegiert, neigen dazu, sich vor dem
Leistungsprinzip zu schützen, das sie nach oben brachte. Von
diesem Punkt an wollen sich Eliten nicht mehr an den Ansprüchen
messen lassen, die sie erfüllen, sondern an den Ansprüchen, die
sie als überlegene Kaste verkörpern. Die Elite wird wieder zum
Stand. Wie lange kam man nach Cambridge und
Oxford nicht aufgrund seiner Leistungen, sondern aufgrund seiner
Herkunft aus bester Familie? Exzellente Professoren mühten
sich dort ab, verzogene Dummköpfe prüfungsreif zu machen",
erklärt JÄHNER.
-
BECKER, Matthias (2004): Proletarische Eliten.
Bei den Studenten von heute
handelt es sich um zukünftige Lohnarbeiter. Ihre Proteste sind
vergleichbar mit gewerkschaftlich organisierten Arbeitskämpfen
in: Jungle World Nr.5 v. 21.01.
- Inhalt:
BECKER sieht in eine düstere Zukunft für
Studierende:
"Die
Studenten wehren sich nicht gegen ihre Proletarisierung, sie sind
längst proletarisiert.
Bei den Studenten von heute handelt es sich um zukünftige
Lohnarbeiter, zur Elite (im Sinne von Entscheidungsträgern) wird
nur eine Minderheit gehören. Und selbst das ist längst nicht mehr
sicher.
»Für Hochschulabsolventen ist der Markt enger geworden. Die
Arbeitslosigkeit von Akademikern hat in den vergangenen Jahren
stetig zugenommen«, heißt es in einer aktuellen Veröffentlichung
der Bundesanstalt für Arbeit. Und die Experten werden noch
konkreter: »Für Deutschland wird im Jahr 2010 – vorsichtig
gerechnet – mit einem Überangebot von Akademikern von fast 1,6
Millionen gerechnet (950 000 überschüssige HochschulabgängerInnen
und 640 000 überschüssige FachhochschulabgängerInnen).«
Insofern sind die Proteste der Studenten quer durch Europa
durchaus vergleichbar mit gewerkschaftlich organisierten
Arbeitskämpfen. Kaum einem fällt ein, streikende Arbeiter dafür zu
kritisieren, dass sie die Warenform ihrer Arbeitskraft nicht in
Frage stellen. An der Bewegung der Studenten wird es denunziert."
-
BUGGELN, Marc (2004): das Schreckbild "Masse".
Bürgerliches Mantra. Zur Geschichte und Entwicklung des
Elitebegriffs,
in: Freitag Nr.5 v. 23.01.
- Inhalt:
"Die
angeblich »demokratische« Elitetheorie ist die Grundlage, auf die
sich der Elite-Begriff stützt, der uns nun von Grünen und SPD
präsentiert wird. Schröder wie Fischer betonen, dass sie eine
Elite wollen, wenn sie denn auf Leistung beruhe, womit sie nur das
alte bürgerliche Mantra wiedergeben. Doch wie sieht es konkret aus
mit der Elite, die auf Leistung beruht? Studien der TU
Darmstadt (unter anderem von
Michael Hartmann)
haben gezeigt, dass es mit der Bedeutung der Leistung
bei der Kooptierung der höchstbezahlten Fachkräfte nicht weit her
ist. So sitzen in den Vorständen großer deutscher Unternehmen fast
ausschließlich Angehörige des Groß-Bürgertums, während andere
Schichten trotz vergleichbarer Leistungen keinen Zutritt zu den
Vorstandsetagen haben. Warum? Weil bei Bewerbern mit ähnlichen
Leistungen die Entscheidung der Vorständler fast immer nach dem
Kriterium ausfällt, wer ihnen im Habitus am ähnlichsten ist. Nicht
viel anders sieht es bei der Besetzung von Professoren-Stellen
aus. Auch hier wird von der Berufungskommission oftmals der
Habitus und die Souveränität stärker bewertet als die an
Veröffentlichungen oder Lehrerfahrung ablesbare Leistung. So
sitzen in Deutschland in allen Studiengängen Vertreter des Groß-
und Bildungsbürgertums auf über 90 Prozent der Professorenstellen.
Trotzdem ist laut Hartmann die soziale Durchlässigkeit an den
Universitäten größer als in Unternehmen, da das Verfahren an der
Uni formaler ist und Personen aus unterschiedlichen Statusgruppen
an ihm beteiligt sind. Er zieht daraus den Schluss, dass wenn man
Leistung fördern wolle, man erstens die Verfahren stärker
formalisieren und zweitens die Leistung von Menschen aus
sogenannten »bildungsfernen Schichten« höher bewerten müsste als
bei denen, die lediglich den Habitus ihrer Eltern reproduzieren.
Von solchen Vorschlägen ist aber in der Debatte kaum etwas zu
vernehmen", wirft
BUGGELN in die Elite-Debatte ein.
- NOLTE, Paul (2004):
Ohne Elite geht es nicht.
Eine Gesellschaft braucht konkurrierende Eliten, sie muss sie
kontrollieren und notfalls auch austauschen können,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.01.
- Kommentar:
An Bekenntnisse à la "Ich habe abgetrieben"
oder "Ich bin schwul, und das ist gut so" hat man sich
mittlerweile gewöhnt, nun bekennt sich
die neue Werteelite zu ihrem
Führungsanspruch:
"»Fühlen
Sie sich einer Elite zugehörig?« Da ist dieses typische Zögern,
einen Moment lang, ob man sich mit einem Ja nicht der
Lächerlichkeit preisgibt, dem Vorwurf der Arroganz, des
Abgehobenseins aussetzt. Ich komme aus einer ganz normalen
Akademikerfamilie, aber schon darin lag ein Startvorteil; ich habe
mir im Laufe der Zeit Bildungspatente gesichert und eine
entsprechende berufliche Position erreicht - und solche
Bildungspatente wie der Doktortitel gelten in Deutschland immer
noch vergleichsweise viel, auch wenn die Zeit der übertriebenen
Ehrfurcht vor dem Akademiker, der Frau Doktor, dem Herrn
Professor, längst vorbei ist.
Wenn das Zögern heruntergeschluckt ist, kann die Antwort nur Ja
lauten",
schreibt Paul NOLTE.
Braucht es
jedoch solche Bekenntnisse?
Gemäß
Michael HARTMANN ergibt sich
die Zugehörigkeit zur Elite einzig aus der gesellschaftlichen
Position und der damit verbundenen Macht.
Marc
BUGGELN hat im FREITAG vom 23.01.
geschrieben, was von der neuen Elite-Debatte zu halten ist, die am
Gegensatz von Elite und Masse orientiert ist, aber konsequent die
Realitäten des Leistungsmythos ignoriert.
- HARTMANN, Michael (2004): Aus
besseren Kreisen,
in: Frankfurter Rundschau v. 27.01.
- Inhalt:
Michael HARTMANN wendet sich
gegen den Missbrauch seiner Studien in der aktuellen Elitedebatte:
"Wenn jetzt überall, oft unter
Bezug auf meine Forschungsergebnisse zur Selbstrekrutierung der
deutschen Eliten, nach Leistungseliten durch Elite-Unis gerufen
wird, so ist das irreführen. Wer an größerer
Leistungsgerechtigkeit und auch an einer Verbesserung der
Leistungsfähigkeit unseres Bildungssystems interessiert ist, der
müsste über die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems und
eine Anhebung der Hochschuletats in der Breite nachdenken. Und
nicht über Elite-Unis."
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FALK, Steffen (2004): Agitation bildet!
Lernt Unnützes und verbreitet die Kritik an den Lebensbedingungen
im Kapitalismus!
in: Jungle World Nr.6 v. 28.01.
- FR (2004): Soziale Herkunft bestimmt
die Schullaufbahn.
Ob Kinder eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen, hängt nicht
nur von den Noten ab. Auszüge aus der
Iglu-Grundschulstudie,
in: Frankfurter Rundschau v. 29.01.
- Neu:
MÜNKLER, Herfried (2004):
Eilige Rückholaktion.
Plädoyer für eine Resozialisierung der Elitevorstellungen in der
Bundesrepublik,
in: Frankfurter Rundschau v. 02.02.
- Kommentar:
"Die
Qualität der Eliten ist ausschlaggebend für das Wohlergehen eines
Landes, denn Elitenversagen entwertet die Anstrengungen und Mühen
aller anderen. Erfolgreiche Eliten verstehen es, den in der
Gesellschaft vorhandenen Leistungswillen zu fördern und Früchte
tragen zu lassen",
behauptet
Herfried MÜNKLER.
Uns Nicht-Eliten wird
damit die Untertanen-Rolle zugewiesen. Gemäß
Gabriel de TARDE
ist Nachahmung der zentrale Mechanismus gesellschaftlicher
Veränderung. Wo Nachahmung (der Massen) ist, da muss auch ein
Vorbild (der Eliten) sein, also Werteeliten. Danke, für die
Belehrung!
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