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Carsten Wippermann: Kinderlose Frauen und Männer in Deutschland

 
       
   

Kurzbiographie

 
       
   

Carsten Wippermann in seiner eigenen Schreibe

 
   

fehlt noch

 
       
   

Ungewollte Kinderlosigkeit (April 2015).
Was Betroffene bewegt - und wie Medizin, Beratungsstellen, Betroffenenverbände, Krankenversicherungen, Wissenschaft und Politik sie unterstützen können
(herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Berlin

 
   
     
 

Untersuchungen zur Feststellung der Fruchtbarkeit sind selten

"Bis zum Alter von 30 Jahren lassen nur wenige Frauen und kaum Männer ihre Fruchtbarkeit medizinisch untersuchen – die Mehrheit der ungewollt Kinderlosen auch dann nicht, wenn sie über 30 sind. Nur 17 % der Frauen und nur 6 % der Männer haben von einer Ärztin bzw. einem Arzt untersuchen lassen, ob die Ursache bei ihnen liegt und organische Gründe hat. Von allen ungewollt Kinderlosen wurde daher auch nur bei 8 % der Frauen (knapp der Hälfte derer, die ihre Fruchtbarkeit untersuchen ließen) und 4 % der Männer (etwa zwei Drittel derer, die sich haben untersuchen lassen) medizinisch festgestellt, dass sie unfruchtbar oder nur eingeschränkt fruchtbar sind. Eine medizinische Untersuchung kann Gewissheit bringen, wie realistisch (oder falsch) die Hoffnung auf ein Kind auf natürlichem Wege ist, aber auch über die medizinischen Voraussetzungen und Erfolgschancen einer Kinderwunschbehandlung. Doch selbst im Alter von 30 bis 39 Jahren lassen nur 5 % der Männer und 24 % der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch ihre Fruchtbarkeit überprüfen, im Alter von 40 bis 50 Jahren auch nur 12 % der Männer und 46 % der Frauen." (2015, S.14)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Die wichtigsten Erkenntnisse kurz gefasst
Der Kinderwunsch im Lebensverlauf
Warten auf den richtigen Zeitpunkt
Elternschaft als Retraditionalisierungs-Falle
Aufgeschoben ist oft aufgehoben
Abschied vom Kinderwunsch
Unverheiratete Paare häufiger ungewollt kinderlos
(Un-)Kenntnis über die eigenen (Un-)Fruchtbarkeit
Nur wenige lassen ihre Fruchtbarkeit untersuchen
Reproduktionsmedizin: Königsweg oder Ultima Ration
Psychosoziale Beratung zur Unterstützung und Begleitung
Kinderlose Frauen und Männer mit Migrationshintergrund
Fazit zu den Erfordernissen
Wie Menschen in den verschiedenen Milieus mit ungewollter Kinderlosigkeit umgehen

"Etablierte"
"Postmaterielle"
"Bürgerliche Mitte"
"Performer"
"Expeditive"
"Hedonisten"
"Benachteiligte"
"Traditionelle"
"Konservative"

     
 
       
   

Die Studie in der Debatte

fehlt noch

 
       
   

Ungewollte Kinderlosigkeit (April 2015).
Was Betroffene bewegt - und wie Fachärztinnen und Fachärzte der Reproduktionsmedizin sie unterstützen können
(herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Berlin

 
   
     
 

Die Inanspruchnahme der Reproduktionsmedizin ist im Vergleich zur Kenntnis reproduktionsmedizinischer Verfahren gering

"Dass gewollt und ungewollt Kinderlose die Angebote nahezu gleich gut kennen, zeigt zwar, dass das Thema im öffentlichen Bewusstsein weit verbreitet ist – dennoch werden die Betroffenen selten aktiv und informieren sich zusätzlich. Zwischen Kennen und Nutzen liegen also Welten: Nahezu alle Kinderlosen mit aktuellem Kinderwunsch kennen zumindest eine Möglichkeit der Behandlung, aber keine 10 % haben sie schon einmal in Anspruch genommen." (2015, S.12)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Die wichtigsten Erkenntnisse kurz gefasst
Der Kinderwunsch im Lebensverlauf
Warten auf den richtigen Zeitpunkt
Elternschaft als Retraditionalisierungs-Falle
Aufgeschoben ist oft aufgehoben
Abschied vom Kinderwunsch
(Un-)Kenntnis über die eigenen (Un-)Fruchtbarkeit
Reproduktionsmedizin: Königsweg oder Ultima Ration
Vertrauen, Aufklärung und begleitende Beratung
Wie Menschen in den verschiedenen Milieus mit ungewollter Kinderlosigkeit umgehen

"Etablierte"
"Postmaterielle"
"Bürgerliche Mitte"
"Performer"
"Expeditive"
"Hedonisten"
"Benachteiligte"
"Traditionelle"
"Konservative"

     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Die Reproduktionsmedizin und die Fruchtbarkeitskrise - Eine Bibliografie der Debatte um Geburtenrückgang und ungewollte Kinderlosigkeit

Kinder machen
Andreas Bernard beschreibt die Reproduktionsmedizin als Stütze der bürgerlichen Kleinfamilie. Aber sein Blick bleibt individualisierend und vernachlässigt dadurch den aktuellen Trend zur Demografisierung gesellschaftlicher Probleme

 
       
   

Kinderlose Frauen und Männer (August 2014).
Ungewollte oder gewollte Kinderlosigkeit im Lebenslauf und Nutzung von Unterstützungsangeboten
(herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Berlin

 
   
     
 

Die Verbreitung der Kinderlosigkeit bei deutschen Frauen und Männern im Jahr 2013

"Es gibt in Deutschland Millionen Frauen und Männer, die ungewollt oder gewollt keine Kinder haben: In der Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren haben 29 % (7,02 Millionen) kein Kind. Erheblich ist die Geschlechterdifferenz: 22 % der Frauen (2,63 Millionen) und 36 % der Männer (4,39 Millionen) in diesem Alter haben (noch) kein eigenes Kind. Auch viele Paare, die im gemeinsamen Haushalt leben, sind im Alter zwischen 30 und 50 Jahren kinderlos: 15 % Frauen (1,48 Mio.) und 22 % der Männer (2,02 Mio.)." (2014, S.5)

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
II. Zentrale Befunde
III. Basisdaten

3.1 Kinderlosigkeit im Lebensverlauf und unter Generationsaspekten

3.1.1 Frauen
3.1.2 Männer

3.2 Kinderlosigkeit und Partnerschaft
3.3 Kinderlosigkeit in sozialen Milieus
3.4 Erwerbsbeteiligung von kinderlosen Frauen und Männern

IV. Gewollte und ungewollte Kinderlosigkeit: Struktur und Veränderungen
V. Gewollte Kinderlosigkeit: Vielfalt der Haltungen und Zeitperspektiven

5.1 Schwerpunkt in gehobenen Bildungsschichten
5.2 Kinderlosigkeit aus Prinzip versus Fester Kinderwunsch in der Zukunft

5.2.1 Bildungsschichten
5.2.2 Lebensphase und Lebenslaufperspektive

5.3 Partnersituation im Lebensverlauf
5.4 Schwerpunkt in (post-)modernen und gehobenen Milieus
5.5 Projektieren und zeitliches Verschieben des festen Kinderwunsches
5.6 Begründungen, momentan kein Kind zu wollen

VI. Enges und weiteres Potenzial der Frauen und Männer mit Kinderwunsch
VII. Ungewollte Kinderlosigkeit (momentan Wunsch nach einem Kind)

7.1 Partnersituation und Familienstand
7.2 Altersverhältnis der Partner
7.3 Schwerpunkt ungewollter Kinderlosigkeit in den gehobenen Leitmilieus
7.4 Kinder des Partners/der Partnerin aus einer früheren Beziehung
7.5 Subjektive Erklärungen der eigenen ungewollten Kinderlosigkeit
7.6 Erstmals der konkrete Wunsch nach einem Kind
7.7 Dauer des bisher unerfüllten Kinderwunsches
7.8 Der Gedanke, dass es ohne Kinderwunschbehandlung möglicherweise nicht klappt

VIII. Angebote professioneller Unterstützung und Lösung: Kinderwunschbehandlung, Psychosoziale Beratung, Adoption

8.1 Bekanntheit
8.2 Bisherige Nutzung
8.3 Künftige Nutzungsbereitschaft
8.4 Erfahrungen bei reproduktionsmedizinischen Behandlungen

8.4.1 Erfahrungen der/des Einzelnen
8.4.2 Erfahrungen in Bezug auf die Partnerschaft

8.5 Altersgrenzen für reproduktionsmedizinische Maßnahmen
8.6 Bedenken gegenüber einer reproduktionsmedizinischen Behandlung

IX. Psychosoziale Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch

9.1 Bekanntheit und Nutzung psychosozialer Beratung
9.2 Ansprüche und Erwartungen an psychosoziale Beratung
9.3 Keine Präferenz für Frau oder Mann als Beratende – aber Interesse an Teamberatung

X. Informationsquellen zum Thema "Unerfüllter Kinderwunsch"
XI. Vertiefung: Einstellungen zum Kinderwunsch

11.1 Hierarchie der Einstellungen und Motive
11.2 Breites Spektrum und erhebliche Differenzen
11.3 Sieben Hauptdimensionen

11.3.1 Veränderungen im Lebenslauf
11.3.2 Geschlechter- und Milieudifferenzen

XII. Anhang

12.1 Methodische Untersuchungsanlage
12.2 Gesellschaftsmodell sozialer Milieus (DELTA-Milieus®)
12.3 Rechtliche Grundlagen der Fortpflanzungsmedizin
12.4 Glossar einiger Fachbegriffes

Zitate:

Zielsetzung der Studie

"Aufgabe dieser sozialwissenschaftlichen Untersuchung (war es), in einer umfangreichen qualitativen Grundlagenstudie sowie einer anschließenden quantitativen Repräsentativbefragung von 3.049 kinderlosen Frauen und Männern im Alter zwischen 20 und 50 Jahren valide Daten und Einsichten zu gewinnen zu den Alltagswirklichkeiten von Kinderlosen bzw. von Kinderlosigkeit in ihren vielschichtigen Zusammenhängen. Die Grundgesamtheit kinderloser Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren (wohnhaft in Deutschland) ohne eigene leibliche Kinder gliedert sich in zwei Teilgesamtheiten:

• Frauen und Männer, die derzeit kein Kind wollen: momentan gewollt Kinderlose (Teilstichprobe von 2.047 Fällen);
• Frauen und Männer mit derzeit unerfülltem Kinderwunsch: ungewollt Kinderlose (Teilstichprobe von 1.002 Fällen)."

Begriff "ungewollte Kinderlosigkeit"

"Die Bezeichnung »Ungewollte Kinderlosigkeit« und die bedeutungsähnliche Variation »Unerfüllter Kinderwunsch« werden meist verwendet als Ergebnis des erfolglosen Versuchs, ein (eigenes) Kind zu bekommen, und sind eng assoziiert mit dem Befund oder der Vermutung der Infertilität.

Dabei wird explizit oder implizit vorausgesetzt, dass ungewollt Kinderlose in einer Partnerschaft leben und das Paar seit einem Jahr (und länger) aktiv und erfolglos versucht, auf natürlichem Wege oder durch Unterstützung einer Kinderwunschbehandlung ein Kind zu bekommen. Kerngedanke ist, dass für Personen mit unerfülltem Kinderwunsch eine Partnerschaft die Voraussetzung ist für einen realistischen Kinderwunsch oder sich mit der eigenen Infertilität oder der des Partners/der Partnerin auseinanderzusetzen. Die Voraussetzung der stabilen Partnerschaft ist zugleich eine normative (teilweise auch moralische) Vorstellung von Familie.

Doch damit werden jene ohne aktuellen Partner per Definition ausgeschlossen und ihr Kinderwunsch wird nicht als gleichwertig anerkannt. Angesichts der Individualisierung und Pluralisierung von Lebensformen und Lebensverläufen, von Partnerschaftsformen und Partnerschaftsverläufen wäre es eine Verkürzung und statische (nicht lebenslaufbezogene) Betrachtung, wenn mit ungewollt Kinderlosen nur jene gemeint wären, die aktuell in einer stabilen Partnerschaft sind. Die vorliegende Untersuchung beobachtet, dass viele ohne Partner einen ausgeprägten Kinderwunsch haben und unter ihrer Kinderlosigkeit leiden; dass einige sich auch ohne Partner ein Kind wünschen; dass einige sich von ihrem Partner trennten, weil dieser kein Kind wollte oder sich der Kinderwunsch nicht erfüllte. Diese aus der sozialwissenschaftlichen Definition »ungewollte Kinderlosigkeit« auszuschließen, wäre realitätsfern, würde ihren Kinderwunsch nicht anerkennen oder als weniger erheblich stigmatisieren.

Daher umfasst in der vorliegenden Studie die Gruppe der ungewollt Kinderlosen alle Personen mit aktuellem unerfüllten Kinderwunsch: Dazu gehören jene in fester Partnerschaft (Ehe, nichteheliche Lebensgemeinschaft) und jene ohne Partnerschaft. Ungewollte Kinderlosigkeit ist eine subjektive Selbstverortung von Personen, die sich momentan ein Kind wünschen und bisher keines bekommen haben oder können. Diese Definition hat zwei wesentliche Vorteile: (1) Das Spektrum von Ursachen und Motiven ist nicht auf eine Teilgruppe reduziert, sondern geweitet und ermöglicht eine ganzheitliche, realitätsgerechte Analyse. (2) Der Kinderwunsch wird nicht nur statisch, sondern dynamisch erfasst durch Einbeziehung von zeitlichen Perspektiven, Lebensplänen sowie Veränderungen im Lebens- und Partnerschaftsverlauf. Insofern wird ungewollte Kinderlosigkeit in dieser Untersuchung umfassend definiert und differenziert analysiert (z. B. nach Partnerschaftsform, Alter, Lebensphase, Milieu u. a.)."
(2014, S.9)

Die Nutzung von Unterstützungsangeboten bei ungewollter Kinderlosigkeit ist gering

"Doch nur ein kleiner Teil hat trotz großem und unerfülltem Kinderwunsch überhaupt schon reproduktionsmedizinische Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen: unter 10 % im Alter zwischen 30 und 39 Jahren; unter 20 % im Alter ab 40 Jahren. Angebote professioneller psychosozialer Beratung bei Kinderlosigkeit sind wenig bekannt (58 % der Frauen, 50 % der Männer haben davon schon gehört) und werden von nur wenigen genutzt (6 % der Frauen, 0,5 % der Männer). Zentrale Hemmnisse und Hindernisse sind zum einen (falsche) Vorstellungen über die Kosten, Ängste vor den körperlichen Belastungen, Ängste vor den emotionalen Belastungen sowie den partnerschaftlichen Belastungen. Diese Vorstellungen sind aber oft nur diffus und erzeugen gerade dadurch den Eindruck einer gigantischen und unkalkulierbaren Belastung für die Partnerschaft und das Selbstwertgefühl, zumal der Erfolg der Behandlung nicht sicher oder hochwahrscheinlich ist, der Ausgang somit subjektiv ungewiss ist."

Anteil der Kinderlosen und Mütter bei deutschen Frauen im Jahr 2013

Quelle: 2014, S.25

Anteil der Kinderlosen und Mütter bei deutschen Frauen mit Partner im Haushalt im Jahr 2013

Quelle: 2014, S.33

Anmerkung: Die Grafik zeigt, dass der Anteil der kinderlosen Frauen mit Partner im Haushalt nicht - wie bei kontinuierlich steigender Kinderlosigkeit - zu erwarten in der Altersgruppe 45-49 Jahren am niedrigsten ist, sondern bei den 40-44-Jährigen. Dies bedeutet, dass die Kinderlosigkeit bei jüngeren Frauen mit Partner im Haushalt - zumindest in der Altersgruppe 40-44 Jahre zurückgegangen ist.

Milieu- bzw. schichtspezifischer Anteil der Kinderlosen und Mütter bei deutschen Frauen im Jahr 2013

Quelle: 2014, S.40

Anmerkung: Da sich die Milieus in der altersmäßigen Verteilung unterscheiden (siehe hierzu die Kurzcharakterisierung der Delta-Milieus S.182ff.) und das Erstgebäralter differiert ist die Aussagekraft der Grafik sehr eingeschränkt

Anteil der ungewollt Kinderlosen nach Alter und Geschlecht im Jahr 2013

Quelle: 2014, S.51

Der Anteil überzeugter Kinderloser bei den 20-50-Jährigen

"Wichtig ist der Befund, dass von allen Kinderlosen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren insgesamt nur 13 % der Frauen und Männer kategorisch sagen, dass sie nie Kinder haben wollten und auch künftig nicht wollen. Insofern ist die Zahl der aus Überzeugung Kinderlosen deutlich geringer (nur jede bzw. jeder Siebte) als die Zahl derer, die ein Kind wollen und für die Kinderlosigkeit ein unfreiwilliges Schicksal oder eine vorübergehende, begrenzte Lebensphase ist. Ebenso wichtig ist der Befund, dass mehr als jede zehnte kinderlose Frau (11 %) und jeder vierzehnte kinderlose Mann (7 %) den früheren Wunsch nach einem Kind aufgegeben hat, weil alle Hoffnungen und Anstrengungen nicht zum Ziel geführt haben." (2014, S.81)

Frauen schreiben ihre Kinderlosigkeit dem Alter zu, statt die Ursachen medizinisch abklären zu lassen

"Frauen zeigen die ausgeprägte Tendenz, die Ursachen ihrer Kinderlosigkeit reflexhaft zunächst bei sich selbst zu suchen. Als Hauptursache vermuten sie – subjektiv voreingestellt – die mit dem Alter abnehmende Fruchtbarkeit von Frauen. Trotzdem gehen nur äußerst wenige Frauen zur Ärztin oder zum Arzt zur Untersuchung ihrer Fruchtbarkeit: Von den ungewollt kinderlosen Frauen im Alter unter 30 Jahren haben nur 4 % die organischen Ursachen ihrer Kinderlosigkeit medizinisch untersuchen lassen; 24 % der Frauen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren sowie 46 % der Frauen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren; von den 40- bis 50-jährigen Frauen in fester Partnerschaft sogar 58 %.

Das führt zu dem Effekt, dass bei 27 % der Frauen zwischen 40 und 50 Jahren von der Ärztin bzw. vom Arzt festgestellt wurde, dass sie nur eingeschränkt fruchtbar oder unfruchtbar sind (35 % bei jenen in fester Partnerschaft). Bei Frauen unter 40 Jahren wurde dies nur bei 9 % der 30- bis 39-Jährigen (bei 13 % in fester Partnerschaft) und gar nur bei 2 % der 20- bis 29-Jährigen diagnostiziert. Frauen tendieren dazu, als Ursache für ihre Kinderlosigkeit nur diffus ihr fortgeschrittenes Alter anzunehmen (ein zu hohes Alter, um noch fruchtbar zu sein); aber keine konkreten organischen Ursachen, die medizinisch behandelbar wären. Insofern ist »das Alter« eine Erklärung, die zugleich verschleiert. Würden Frauen schon in jüngeren Jahren medizinisch ihre möglicherweise eingeschränkte Fruchtbarkeit abklären, hätten sie Gewissheit und sehr viel mehr Zeit für medizinische Behandlungen, für reproduktionsmedizinische Überlegungen oder andere Lebensperspektiven." (2014, S.89)

Gewollt kinderlose Frauen sind genauso gut über Unterstützungsangebote informiert wie ungewollt kinderlose Frauen

"Für die Bildung und zielgruppenorientierte Kommunikation ist bedeutsam, dass die Bekanntheitsgrade der verschiedenen Angebote bei momentan gewollt Kinderlosen und momentan ungewollt Kinderlosen nahezu identisch sind. Das zeigt einerseits, dass diese Themen, Maßnahmen, Begriffe im Bewusstsein der allgemeinen Öffentlichkeit relativ weit verbreitet sind, dass andererseits selbst Betroffene kaum mehr Wissen über den allgemeinen Informationsstand hinaus haben bzw. aktiv suchen." (2014, S.108)

Diskrepanz zwischen Bekanntheit und Nutzung von Unterstützungsangeboten

"Es gibt eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Bekanntheit und Nutzung von Lösungen bei unerfülltem Kinderwunsch. Mehr als die Hälfte der kinderlosen Frauen mit aktuellem Wunsch hat von vielen Angeboten schon gehört, doch nur sehr wenige haben überhaupt eine dieser Maßnahmen bereits in Anspruch genommen." (2014, S.113)

Kinderfeindlichkeit ist nicht typisch für Kinderlose

"Gegenüber Kinderlosen erweisen sich damit mögliche Meinungen in Richtung einer notorischen Gleichgültigkeit, mangelnden Wertschätzung oder gar Kinderfeindlichkeit von Frauen und Männern ohne Kinder als stereotype Unterstellungen und zu Unrecht diskreditierende Vorwürfe."
(2014, S.158)

"Bei mehr als 80 % der kinderlosen Frauen und Männer ist die überragende Vorstellung präsent, dass Kinder in äußerst positiver Weise eine Bereicherung für Identität und Lebenssinn sind: Das betrifft die Partnerschaft (Kind als Ausdruck der Liebe und Gemeinsamkeit), das Erlebnis der Entwicklung eines eigenen Kindes in den verschiedenen Entwicklungsstadien bis hin zur Sehnsucht, mit dem Kind »ein richtiges Zuhause zu haben« und in bestimmter Hinsicht »angekommen« zu sein. Diese emphatische Vorstellung und hohe Wertschätzung eines eigenen Kindes gerade bei kinderlosen Frauen und Männern widerlegt empirisch pauschale Unterstellungen von »Kinderfeindlichkeit«." (2014, S.168)

Die Ausgrenzung kinderloser Frauen ist kennzeichnend für Karrierefrauen (Etablierte und Performer), Postmaterialisten und das traditionelle Milieu

"Soziale Stigmatisierung und Ausgrenzung aufgrund ihrer Kinderlosigkeit erfahren (nach »Traditionellen«) vor allem Frauen in den Milieus Etablierte, Postmaterielle und Performer. Diese in der Regel beruflich gut und höchst qualifizierten Frauen stehen – mehr als Männer dieser Milieus – unter erheblichem Druck, nicht nur aufgrund persönlicher Ambitionen beruflich erfolgreich zu sein, sondern auch Familie zu haben. Dahinter steht die in vielen Unternehmen subkutan bestehende Haltung, dass man Spitzenleistungen im Rahmen einer globalisierten Wirtschaft mit steigenden Anforderungen an Flexibilität, Mobilität und Verfügbarkeit nur auf dem Fundament von Sicherheit und Ordnung erbringen kann. Wenn eine Frau in eine Führungsposition will, ist für sie einerseits dieses Fundament notwendig, andererseits ist es suspekt, wenn sie ihre Familie im Alltag hintanstellt oder nur (professionell) »organisiert«. Die Umkehr der traditionellen Rollenverteilung wird im Spitzenmanagement der Wirtschaft nicht so selbstverständlich akzeptiert wie bei Männern. Und wenn Frauen die Konsequenz ziehen und zugunsten ihrer Karriere auf Kinder verzichten, haben sie den Makel der radikalen, i. w. S. »unordentlichen« und »unberechenbaren« Einzelkämpferin, die keine Sphäre zur Balance hat. Groß ist vor allem bei »Postmateriellen« und »Performern« die Klage über das unzureichende quantitative und qualitative Angebot an Kita-Plätzen, die sich an den beruflichen Bedürfnissen der Frauen und Männer orientieren (stattdessen die Information aus dem Umfeld, dass viele Kitas selbstverständlich von einer traditionellen Geschlechterrollenverteilung ausgehen, bei der die Mutter nur halbtags erwerbstätig ist, keine Dienstreisen hat, im Fall einer Krankheit des Kindes schnell erreichbar und vor Ort ist). Insofern sehen kinderlose Frauen dieser Milieus in den aktuellen Infrastrukturen ein Risiko für ihre eigenen Belange und fordern eine stärkere Orientierung an den Lebenswirklichkeiten von (ganztags) erwerbstätigen Frauen und insofern ein radikales Umdenken in Richtung einer gleichberechtigten Akzeptanz des gleichgestellten Rollenmodells in Partnerschaften. Die bisherige Fokussierung und Ausrichtung der Anreize auf das traditionelle Rollenmodell ist der zentrale Grund dafür, dass gut qualifizierte und erwerbstätige Frauen aus den gesellschaftlichen Leitmilieus der »Postmateriellen« und »Performer« ihren Kinderwunsch sukzessive verschieben (deutlich) über das 30. Lebensjahr hinaus." (2014, S.175)

     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Die Kultur der Kinderlosigkeit in Deutschland: Gewollte Kinderlosigkeit - ein Tabuthema rückt in den Mittelpunkt der politischen Debatte (2007)

Das neue Tabuthema - Gewollte Kinderlosigkeit in Deutschland (2002)

 
       
   

Kinderlose Frauen und Männer. Befragte mit Migrationshintergrund (August 2014).
Ungewollte oder gewollte Kinderlosigkeit im Lebenslauf und Nutzung von Unterstützungsangeboten
(herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Berlin

 
   
     
 

Die Verbreitung der Kinderlosigkeit bei Frauen und Männern mit Migrationshintergrund im Jahr 2008

"Ein Fünftel der in Deutschland lebenden Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund: Im Jahr 2012 lebten in Deutschland 16,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. In Relation zum Bevölkerungsumfang von 80,5 Millionen im Jahr 2012 ist dies ein Anteil von 20,2 %.2 Von den Frauen und Männern mit Migrationshintergrund im Alter zwischen 20 und 50 Jahren haben 37 % der Frauen und 48 % der Männer keine Kinder." (2014, S.7)

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Zentrale Befunde
3. Basisdaten
4. Gewollte und ungewollte Kinderlosigkeit: Struktur und Veränderungen
5. Gewollte Kinderlosigkeit: Vielfalt der Haltungen und Zeitperspektiven

5.1 Migrantinnen: Schwerpunkt in gehobenen Schichten und Milieus
5.2 Fester Kinderwunsch in der Zukunft
5.3 Soziale Hierarchie (Bildungsschichten)
5.4 Partnersituation gewollt kinderloser Frauen und Männer mit Migrationshintergrund
5.5 Projektieren und zeitliches Verschieben des festen Kinderwunsches
5.6 Begründungen und Perspektiven, momentan kein Kind zu wollen

6. Zwischenfazit: gewollte Kinderlosigkeit als temporäres Phänomen
7. Ungewollte Kinderlosigkeit (momentaner Wunsch nach einem Kind)

7.1 Partnersituation und Familienstand
7.2 Subjektive Erklärungen der eigenen ungewollten Kinderlosigkeit
7.3 Erstmals der konkrete Wunsch nach einem Kind
7.4 Der Gedanke, dass es auf „natürlichem" Weg ohne Kinderwunschbehandlung möglicherweise nicht klappt

8. Unterstützungsmöglichkeiten: reproduktionsmedizinische Maßnahmen, psychosoziale Beratung, Adoption u. a.

8.1 Bekanntheit
8.2 Bisherige Nutzung
8.3 Künftige Nutzungsbereitschaft
8.4 Altersgrenzen für reproduktionsmedizinische Maßnahmen
8.5 Bedenken gegenüber einer reproduktionsmedizinischen Behandlung

9. Psychosoziale Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch

9.1 Bekanntheit und Nutzung
9.2 Erwartungen an psychosoziale Beratung
9.3 Leichte Präferenzen für weibliche Beraterinnen bei beiden Geschlechtern

10. Informationsquellen zum Thema "Unerfüllter Kinderwunsch"
11. Vertiefung: Einstellungen zum Kinderwunsch

11.1 Hierarchie der Einstellungen und Motive
11.2 Breites Spektrum und erhebliche Differenzen
11.3 Sieben Hauptdimensionen

12. Anhang

12.1 Methodische Untersuchungsanlage
12.2 Rechtliche Grundlagen der Fortpflanzungsmedizin
12.3 Glossar einiger Fachbegriffe

     
 
       
   

Die Studie in der Debatte

fehlt noch

 
       
   

Frauen in Führungspositionen (März 2010).
Barrieren und Brücken
(herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Berlin

 
   
     
 

Die Verbreitung von Kinderlosigkeit bei Führungskräften im Jahr 2009

"56 % der Frauen in einer aktuellen Führungsposition haben Kinder, davon leben 61 % noch im Haushalt. Aber auch 77 % der Männer in Führungspositionen haben Kinder." (2014, S.10)

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung
II. Von allein ändert sich nichts: Die Politik wird gefordert
III. Aufsichtsräte

1 Forderung von Frauen und Männern in Führungspositionen: Mehr Frauen in die Aufsichtsräte!
2 Gesetzliche Mindestanteilsregelungen für Aufsichtsräte

IV. Führungspositionen im operativen Bereich

1 Mentalitätsmuster von Männern in Führungspositionen: "Hüter der gläsernen Decke"
2 Ablehnung einer Quotenregelung für den operativen Bereich
3 Unternehmerische Vorteile durch Leitungsteams mit Frauen und Männern
4 Portfolio der von Führungskräften geforderten Maßnahmen
5 Betriebliche Zielvereinbarungen zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen
6 Geschäftsbericht: Gleichstellungsaspekte sollten aufgenommen werden
7 Familie & Karriere ist eine Herausforderung, aber sind keine sich ausschließenden Alternativen
8 Berufsunterbrechung ist kein Hindernisgrund
9 Karrieresprünge: Männer steigen früher, häufiger und steiler auf
10 Berufskontinuität ist keine Bedingung für Karrieresprünge
11 Müssen Frauen mehr leisten als Männer?
12 Erfolgsfaktoren in Führungspositionen: Dieselbe Substanz, andere Schwerpunkte
13 Den Sprung nicht wagen: Wer trägt die Mehrfachbelastung?

V. "Hüter der gläsernen Decke": Dichte Beschreibung der Mentalitätsmuster von Männern in Führungspositionen

1 Typ 1: Konservative Exklusion: Ablehnung von Frauen qua Geschlecht
2 Typ 2: Emanzipierte Grundhaltung – doch chancenlos gegen männliche Machtrituale
3 Typ 3: Radikaler Individualismus: Mangel im Markt an „authentischen & flexiblen Frauen"
4 Konklusion

VI. Anhang

1 Daten zur Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen
2 Untersuchungsdesign

Zitate:

Definition: Führungskräfte

"Definierte Grundgesamtheit waren Führungskräfte in Unternehmen mit Standort in Deutschland, die am Standort 20 und mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen. Die Führungskräfte gehörten einer der folgenden Gruppen an: Aufsichtsrat / Firmeninhaberinnen und Firmeninhaber / Vorstand / Geschäftsführung / Betriebsleitung, Bereichsleitung, Niederlassungsleitung / Abteilungsleitung, Teamleitung / Stabstellenverantwortung." (2014, S.81)

     
 
       
   

Die Studie in der Debatte

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 05. September 2015
Update: 06. März 2016