[ Verzeichnis der Single-Forscher/innen ] [ Autoren der Generation Golf ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Christian Schmitt : Kinderlose Männer und Frauen in Deutschland

 
       
     
       
     
       
   

Christian Schmitt in seiner eigenen Schreibe

 
   

SCHMITT, Christian (2004): Kinderlose Männer in Deutschland - Eine sozialstrukturelle Bestimmung auf Basis des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP).
in: Materialien des DIW Berlin, 34,
Januar

SCHMITT, Christian & Ulrike WINKELMANN (2005): Wer bleibt kinderlos?
Was sozialstrukturelle Daten über Kinderlosigkeit bei Frauen und Männern verraten,
in:
Feministische Studien, Thema Kinderlosigkeit, Heft 1, Mai

SCHMITT & WINKELMANN beschäftigen sich in dem Artikel u.a. mit der Kinderlosigkeit von Akademikerinnen, deren Kinderlosigkeit seit einiger Zeit im Brennpunkt der öffentlichen Debatte um die Geburtenkrise steht.
        
Die Autoren widerlegen anhand von Lebenslaufdaten die gängigen hohen Kinderlosenzahlen:

"Unter den Akademikerinnen (Fachhochschul- und Universitätsabschluss) liegt der Anteil an dauerhaft Kinderlosen in der Kohorte der 1950 bis 1960 geborenen unter 25 Prozent. (...). Für die Kohorte der 1960 bis 1965 geborenen Akademikerinnen und Akademiker liegt der Anteil an dauerhaft Kinderlosen geringfügig höher, aber immer noch unter 25 Prozent"

Manfred SCHAREIN & Rainer UNGER, beide Mitarbeiter des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, haben die Richtigkeit dieser Berechnungen in den hauseigenen BIB-Mitteilungen vom 30.06.2005 bestätigt und damit gravierende Mängel der amtlichen Geburtenstatistik eingeräumt.

SCHMITT, Christian & Gert G. Wagner (2006): Kinderlosigkeit von Akademikerinnen überbewertet,
in: Wochenbericht des DIW, Nr.21 v. 24.05., S.313-317

SCHMITT, Christian & Gert G. Wagner (2006): Der Untergang des Abendlands fällt aus.
Die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen wird überbewertet,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.05.

Neu:
SCHMITT, Christian & Heike TRAPPE (2010): Die Bedeutung von Geschlechterarrangements für Partnerschaftsdauer und Ehestabilität in Ost- und Westdeutschland. In: Peter Krause & Ilona Ostner (Hg.) Leben in Ost- und Westdeutschland. Eine sozialwissenschaftliche Bilanz der deutschen Einheit 1990 - 2010, Campus Verlag, S.227-243

 
       
   

Christian Schmitt im Gespräch

 
   
  • SOLDT, Rüdiger (2005): Kinderlose Akademikerinnen?
    Die Demographie braucht genauere Zahlen zur Geburtenstatistik,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.03.

    • Seit Ulrike WINKELMANNs Artikel in der taz vom 21.01.2005 ist dies der wichtigste Artikel für Kinderlose, die dem gegenwärtigen demografischen Alarmismus nichts abgewinnen können. Auf Seite 1 werden die Übertreibungen der deutschen Bevölkerungswissenschaftler angeprangert (wohlweislich wurde bei BIRG und SCHIRRMACHER die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen ausgeklammert, denn beiden geht es ja nicht um die Probleme der erwerbstätigen Mütter, sondern um die Rehabilitierung der "Deutschen Mutter").

      In der Welt am Sonntag vom 27.02.2005 durfte jedoch Daniel BAHR, Bundesvorstand der FDP-Fraktion, unter der Schlagzeile Unfruchtbare Elite schreiben, dass von "den 35- bis 39jährigen Frauen mit Hochschulabschluss (...) in Westdeutschland 44,3 Prozent ohne Kinder" leben.

      Christian SCHMITT belegt dagegen anhand von - im Gegensatz zur amtlichen Statistik - aussagekräftigeren Lebensverlaufsdaten, dass "weniger als dreißig Prozent der Akademikerinnen kinderlos" bleiben werden. Im Essay Geburtenkrise - Die politische Konstruktion eines Themas hat single-generation.de die Problematik der Zahlen zu kinderlosen Akademikerinnen ausführlich dargestellt.

      Single-generation.de hat bereits öfters auf die katastrophale Datenlage hingewiesen. In dem Artikel von SOLDT werden Hintergründe zu dieser Problematik geliefert. Um der politischen Korrektheit willen, sind genaue Daten gar nicht erwünscht, denn dann müssten unsere Sozialpopulisten Abschied von ihren geliebten Ressentiments nehmen.

      Warum erschien dieser Artikel in der FAZ und nicht z.B. in der TAZ? SOLDT geht es natürlich vor allem um Daten, die nachweisen sollen, dass staatliche Kinderbetreuung keinen entscheidenden Beitrag zur Erhöhung der Geburtenrate leistet. Es heißt dann z.B.:

      "die Rolle der Männer (wird) bei der Entscheidung für Kinder stark unterbewertet, und die Frage, inwiefern Frauen Mutterrolle und Beruf vereinbaren können, wird dagegen zumeist überbewertet".

 
       
   

Christian Schmitt in den Medien

 
   

DRIBBUSCH, Barbara & Nicole JANZ (2009): Mit Kind durch die Krise.
Arbeitslose Männer schrecken in Krisenzeiten vor Familiengründung zurück, schlechter qualifizierte Frauen wechseln in Mutterrolle,
in:
TAZ v. 17.02.

 
       
   

Partnerschaftliche Arbeitsteilung und Elternschaft (2008).
Analysen zur Aufteilung von Hausarbeit und Elternaufgaben auf Basis des Generations und Gender Survey

(zusammen mit Annelene Wengler und Heike Trappe)

Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Heft 127

 
   
     
 

Klappentext

"Arbeiten im Haushalt und Kinderbetreuung sind immer noch überwiegend Frauensache. Zwar streben Paare zunehmend eine gleichmäßigere Aufgabenteilung an, in der Praxis ist das tradierte Rollenverständnis zwischen Mann und Frau jedoch noch weit verbreitet. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Wiesbaden) von einem Forscherteam um Prof. Dr. Heike Trappe (Universität Rostock) bearbeitet wurde.

Nach der Studie übernehmen Frauen weiterhin den größten Teil an Hausarbeiten und Elternaufgaben. Der Grad der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern hängt vornehmlich von drei Faktoren ab: Von der Berufstätigkeit der Frau, von ihrem Beitrag zum Haushaltseinkommen und von der persönlichen Einstellung der Partner".

     
 
       
   
  • Die Studie in den Medien

  • fehlt noch
 
       
   

Kinderlose Männer in Deutschland (2004).
Eine sozialstrukturelle Bestimmung auf Basis des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP). Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (
Papier als PDF-Datei downloadbar)
Berlin: DIW

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1 Hintergrund

2 Methodische Vorbemerkungen

3 Prävalenz und Altersspektrum kinderloser Männer

4 Sozialstrukturelle Bestimmung der Gruppe der kinderlosen Männer

5 Zusammenfassung der Ergebnisse

Kategorien

Gruppe der noch kinderlosen Männer:

- Männer im Alter 20 - 45 Jahre

Gruppe der endgültig kinderlosen Männer:

- Männer im Alter über 45 Jahre

Ergebnisse

Der "deutlichste Rückgang der Kinderlosigkeit (über 20 Prozentpunkte) (ist) zwischen der Altersgruppe der 30-35Jährigen und den 35-40-Jährigen zu verzeichnen" (S.7)

"Männer im Vergleich zu Frauen erst relativ spät innerhalb der Altersspanne 20 - 45 Eltern werden (in seltenen Fällen auch später), eine Elternschaft also länger hinauszögern und erst relativ spät aufholen." (S.7)

Erklärung

"Das male-breadwinner-Prinzip, das eine relativ strikte Rollentrennung einschließt, scheint (...) nach wie vor ein hohes Maß an Verbindlichkeit zu besitzen und eine Familiengründung für die Väter vielfach bis zur beruflichen Etablierung zu verzögern." (S.15)

 
     
 
       
   
  • Die Studie in den Medien

WINKELMANN, Ulrike (2004): Männer mit Abi machen keine Kinder.
Studie stellt erstmals Zusammenhänge zwischen männlicher Kinderlosigkeit, Ausbildung und Einkommen dar,
in: TAZ v. 02.02.

WINKELMANN, Ulrike (2004): Warum ist ER kinderlos?
Der Mann ohne Kinder war der große Unbekannte der Gesellschaft. Jetzt wird er entdeckt.
Aber was hat es zu bedeuten, dass er meistens zwar Abitur hat, aber keinen Hochschulabschluss?

in: TAZ v. 02.02.

TENZER, Eva (2004): Vater werden?
Neue Studie untersucht die Motive kinderloser Männer,
in:
Psychologie Heute
, Nr.10, Oktober

 
   

BAHR, Daniel (2005): Unfruchtbare Elite:
Daniel Bahr vom FDP-Bundesvorstand machte mit der Bemerkung Furore, die Falschen kriegten die Kinder. Was meint er damit?
in: Welt am Sonntag v. 27.02.

Der FDP-Politiker BAHR instrumentalisiert das Down-Breeding-Argument, um Klientel-Politik für Besserverdienende durchzusetzen:

"Über Bildungs- und Betreuungsgutscheine können wir ermöglichen, daß Eltern sich die passende Betreuungsform aussuchen - sei es im Kindergarten in kommunaler, freier oder privater Trägerschaft, bei der Tagesmutter oder im Betriebskindergarten. Aufwendungen für die Beschäftigung einer Kinderfrau, Haushaltshilfe et cetera im Privathaushalt müssen im Kalenderjahr bis zur Höhe von 12 000 Euro vom Gesamtbetrag der zu versteuernden Einkünfte abgezogen werden können."

Als Rechtfertigung verweist BAHR auf die Haushaltsstatistik:

"Von den 35- bis 39jährigen Frauen mit Hochschulabschluß leben in Westdeutschland 44,3 Prozent ohne Kinder. Von den gleichaltrigen Frauen mit Hauptschulabschluß bleiben lediglich 23 Prozent kinderlos."

Die Haushaltsstatistik sagt jedoch nur bedingt etwas über die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen aus, und schon gar nichts sagt diese Statistik etwas darüber aus, ob diese Kinderlosen überhaupt die behaupteten Karrieren gemacht haben, die BAHR voraussetzt, wenn er großzügig steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten einfordert!
Wo bleiben also hieb- und stichfeste Studien über das Kinderlosenproblem unserer Akademikerinnen?

LÜHE, Marion (2005): Spagat,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.08.

Im Forum Humanwissenschaften klärt LÜHE darüber auf, wie unverschämt bislang von Sozialpopulisten beim Thema kinderlose Akademikerinnen gelogen werden konnte. Für regelmäßige Leser von single-generation.de ist dies nichts Neues, denn hier lesen Sie heute schon was erst übermorgen auch in Ihrer Zeitung stehen wird! Mit Verweis auf den Beitrag von Christian SCHMITT und Ulrike WINKELMANN wird hervorgehoben, dass das Phänomen der Spätgebärenden dazu missbraucht wurde, den Anteil der dauerhaft Kinderlosen zu dramatisieren. Das ist auch der Hintergrund, vor dem das trotzige wir seien Gebärweltmeister und keine Gebärverweigerer (Hilal SEZGIN) gesehen werden muss.

Bei den 1950 - 1965 geborenen Akademikerinnen liegt der Anteil der Kinderlosen nicht bei 40 %, sondern nur bei 25 %. Allein single-generation.de hat bereits 2003 Susanne GASCHKE widersprochen, die dem Jahrgang 1965 Gebärfaulheit vorgeworfen hatte. Inzwischen steht - empirisch nachgewiesen - fest: Der Jahrgang ist keineswegs so gebärfaul wie GASCHKE das behauptet hat. Dies wäre eigentlich Aufgabe eines investigativen Qualitätsjournalismus gewesen. Aber Journalismus ist heute zum Sprachrohrjournalismus degeneriert. Aufklärung war gestern!

SCHWENTKER, Björn (2005): Von wegen 40 Prozent.
Obwohl es der Mikrozensus so weismachen will: Akademikerinnen sind mitnichten schuld am deutschen Babyschwund,
in: Die ZEIT  Nr.42 v. 13.10.

Diesen Artikel von Björn Schwentker suchen Sie heute vergeblich in der Papier-ZEIT, denn er ist nur in der Online-Ausgabe vom 9. Oktober erschienen!
Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf unsere angeblich weltoffene globale Klasse. Die Medienlandschaft der Neuen Mitte ist inzwischen durch eine Fragmentierung gekennzeichnet. In den Feuilletons der Papier-Mitte werden die zunehmenden Parallelwelten beklagt, gleichzeitig werden sie im Internet vorangetrieben. Die Zielgruppe der Papier-Mitte ist der Nicht-Single, die Zielgruppe der Online-Mitte ist der Single. Der Witz ist nur, dass heutzutage gar nicht mehr sicher ist, wer Single und wer Nicht-Single ist. Viele sind inzwischen sowohl Single als auch Nicht-Single!

"Selten waren sich die Deutschen so einig wie in der Debatte über Kinderlosigkeit. In der Bundesrepublik werden nur rund 1,4 Kinder pro Frau geboren, und schuld am Fehlen des nationalen Nachwuchses sind die Akademikerinnen. Deren Gebärstreik lässt sich an einer besonders imposanten Zahl belegen: 40 Prozent. So viele der gebildeten jungen Frauen – wenn nicht gar mehr - bleiben ohne Nachwuchs, hieß und heißt es quer durch die Medien. Doch während sich eine leidenschaftliche Diskussion über das »Warum« dieser unerhörten demografischen Ziffer entspannt hat, geht eines völlig unter: Die Zahl ist schlichtweg falsch",

schreibt Björn SCHWENTKER. Bereits am 31. Oktober 2004 hat SCHWENTKER in der Papier-FAS Michaela KREYENFELD zum Thema zitiert. Zum damaligen Zeitpunkt gab es eindeutige Hinweise, dass die Zahlen überhöht waren, aber es fehlten Untersuchungen, die das auch wissenschaftliche korrekt bewiesen.

Das Datendesaster ist nicht erst seit 2004 bekannt. Single-generation.de beweist seit dem Jahr 2000, wie mit Statistik gelogen wird. Es geht ja nicht nur um die kinderlosen Akademikerinnen, nicht einmal nur um die Kinderlosen im allgemeinen. Fakt ist: Auch die Geburtenrate von 1,4 wird von den nationalkonservativen Demografen zu niedrig ausgewiesen.

Dies war bereits im April 2001 bekannt als das Bundesverfassungsgericht aufgrund eines Gutachtens des nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG die Kinderlosen zu Zuzahlungen verdonnerte - eine Art Reparationszahlung, die den Kinderlosen von der gut organisierten nationalkonservativen Familienlobby aufgezwungen wurde. Schließlich befinden wir uns mitten im Demografiekrieg! Nicht Kinder fördern, sondern Kinderlose bestrafen heißt die Devise. Dies wäre niemals möglich gewesen, wenn die weltoffene globale Klasse nicht mitgespielt hätte. Klammheimliche Sympathisanten sind das gewesen.

Am 14. August 2003 fragte Susanne GASCHKE in der ZEIT Wo sind die Kinder? und forderte die Rente nach Kinderzahl. Einzig bei single-dasein.de und single-generation.de war damals eine Erwiderung zu lesen. Die Gutmenschen-taz lehnte damals eine Erwiderung in ihrem Blatt dankend ab, und haute ihrerseits drauf. Ulrike WINKELMANN schrieb lieber Auf Wiedersehen, Kinder. Erst im Januar 2005 machte die taz-Journalistin eine wundersame Wandlung durch und im Mai 2005 veröffentlichte sie in der Zeitschrift Feministische Studien zusammen mit Christian SCHMITT einen Artikel, in dem die überhöhten Zahlen widerlegt wurden. Dieser Artikel muss insofern als wegweisend betrachtet werden, weil er erstmals einer breiterer Öffentlichkeit Zahlen präsentierte. Bereits am 08. März kritisierte SCHMITT die Kinderlosenzahlen, die den Elterngeld-Wahlkampf der SPD legitimieren sollten in der FAZ, während Frank SCHIRRMACHER in dieser Zeit das Ideal der deutschen Mutter von Herwig BIRG rechtfertigen ließ. Wissenschaftsintern sah das ganz anders aus. Aber wer will unseren abhängigen Wissenschaftlern verübeln, dass sie in diesen Zeiten ihren Job behalten wollen?

Wo sind die Kinderlosen, Frau GASCHKE? Diesen Artikel vermissen wir in der deutschen Mitte-Presse immer noch. Deshalb erscheint auch SCHWENTKERs Beitrag nicht in der Papier-ZEIT, die ja jahrelang zu den Hardlinern bei der Verbreitung der überhöhten Kinderlosenzahlen gehörte. Noch im neuen Kursbuch schreibt Frau GASCHKE im Beitrag "Alte Rollen, neue Frauen. Tolle Karrieren, glückliche Ehen, gute Figur und prima Kinder. Das kann nicht klappen":

"Für Frauen (...) ist die Vorstellung, in einem eigenen Beruf zu arbeiten, inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Für Mann und Kinder geben sie ihre Berufstätigkeit dann auf, wenn (...) ihr Verdienstausfall durch Kindererziehungszeiten nicht sehr ins Gewicht fällt und ihre Aufstiegsmöglichkeiten dadurch nicht wesentlich geschmälert werden. Dieser Umstand dürfte erheblich zu jenem Trend beitragen, den Bevölkerungswissenschaftler »gespaltenes Fertilitätsverhalten« nennen: Dass nämlich die vergleichsweise schlecht bezahlten Frauen aus den unteren Bildungs- und Berufsgruppen sich mittlerweile weit häufiger für Nachwuchs entscheiden als die Akademikerinnen, die am Ende zu über 40 Prozent kinderlos bleiben."

Es handelt sich hier um die erste Ausgabe der Vierteljahreszeitschrift Kursbuch, die nun zum Presseimperium der ZEIT gehört und die rechtzeitig zur heißen Phase des Familienwahlkampfes erschien.

"Vergangene Woche in Rostock rechneten Mitarbeiter des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), dem »demografischen Arm« des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, vor, dass man fast die selben Ergebnisse auch mit dem Mikrozensus bekommt. Wenn man nur die richtigen, also ältere, Frauenjahrgänge betrachtet und zudem auch Fachhochschulabsolventinnen zu den Akademikerinnen rechnet. Die gebären nämlich mehr als Frauen mit Uni-Abschluss. Die neu berechneten Daten des BiB zeigen: Der Anteil endgültig kinderloser Akademikerinnen liegt nicht über 30 Prozent. Die Statistiker halten den Mikrozensus damit für rehabilitiert. An der mächtigen Erhebung, so der Tenor von behördlicher Seite, führe ohnehin kein Weg vorbei",

erklärt uns SCHWENTKER. Der Journalist spielt hier auf die Studie von UNGER & SCHAREIN an. Mitten in den Endkampf um die Familie, platzte dann noch eine Pressemeldung des statistischen Bundesamtes, die nochmals dafür sorgte, dass die 40 %-Marke wenigstens für westdeutsche Akademikerinnen wieder erreicht wurde. Die wenigsten dürften jedoch die Studie von DUSCHEK & WIRTH selber gelesen haben. Und wenn, dann hätten sie - als Fachfremde - die Problematik nicht verstanden, weil dort die öffentliche Debatte nicht dargelegt  wird. Nicht deren wissenschaftliche Beweisführung ist also zu kritisieren, sondern nur die gezielte Lancierung durch das Statistische Bundesamt lässt Seriosität vermissen. Das wurde auf single-generation.de auch beanstandet.

"Die unglückliche Kommunikation der 40 Prozent Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen sei vielleicht kein Zufall, gibt ein Vertreter der amtlichen Statistik zu: »Mit dramatischen Zahlen erreicht man eben mehr Öffentlichkeit.« Genau das war nach dieser Interpretation das Ziel des Statistischen Bundesamtes. Dessen Pressemeldungen waren es nämlich, die die 40 Prozent erst in Umlauf brachten",

schreibt SCHWENTKER. Nur macht es sich der Journalist mit seiner Ursachenbeschreibung zu leicht. Keineswegs hatte nur die CDU ein Interesse an hohen Kinderlosenzahlen gehabt, sondern auch die SPD. Nachdem der Traum für Rot-Grün ausgeträumt ist, werden die Karten nun offensichtlich neu gemischt. Es wird sich zeigen müssen, ob unsere globale Klasse das  nationalkonservative Deutungsmonopol der deutschen Demografen endlich zerschlägt oder ob weiterhin eine große Allianz der Besitzstandswahrer verhindert, dass auf junge Singles - und damit auf potenzielle Eltern - in diesem Land mehr Rücksicht genommen wird.

MÖNCH, Regina (2005): Überschätzte Kinderlosigkeit?
Aus dem Gewächshaus,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

Der Familienwahlkampf ist vorbei und nun veröffentlichen die Zeitungen, die sich begierig auf die Zahl von  40 % kinderlosen Akademikerinnen gestürzt haben, nach und nach die Gegendarstellungen zu ihrer Wahlkampfberichterstattung. Heute ist die FAS an der Reihe.

Regina MÖNCH zitiert Michaela KREYENFELD, deren Studie zusammen mit Dirk KONIETZKA in der Zeitschrift Berliner Debatte Initial schon längst bei uns zu lesen war. MÖNCH muss zugeben, was unsere Leser seit Jahren wissen:

"Die herumgeisternden vierzig Prozent beruhen auf den Zahlen der jährlichen Geburtenrate aus dem Mikrozensus (...). Da er aber weder Tempoeffekte noch das höhere Alter von Müttern - u. a. bedingt durch längere Ausbildungszeiten - berücksichtigt, ist er ziemlich ungeeignet für die Interpretation des Geburtenverhaltens heutiger Frauen".

Übrigens wird das Datum der Veröffentlichung bei der FAS mit 2005 angegeben. Das hätten unsere Journalisten möglicherweise gerne. Die Veröffentlichung stammt jedoch bereits aus dem Jahr 2004! War natürlich nur ein Druckfehler, der ins Weltbild passt und deshalb unbemerkt durchging. Wir wollen aber natürlich nicht unerwähnt lassen, dass in der FAS wenigstens schon im letzten Oktober über das Problem berichtet worden ist, was ja nicht für jede Zeitung selbstverständlich war.

Bei der Papier-ZEIT ist z.B. das familienpolitische Zugpferd Susanne GASCHKE gerade auf Lesereise mit einem Buch über die Einsamkeit der kinderlosen Akademikerinnen. Wir werden wohl mit einer Gegenanzeige bis nach dieser Buchvorstellung warten müssen. Wie viel Peinlichkeit verträgt sich eigentlich mit einer solchen Position, Frau GASCHKE?

Sascha LEHNARTZ zeigt mit seinem neuen Buch Global Players, dass in der "Spaßgesellschaft" einzig die Schrillheit einer These zählt. Wenn sie sich als falsch herausstellt, dann macht das auch nichts, denn wir leben ja im Zeitalter der Popmoderne.

Unsere Qualitätspresse hält Singles offenbar für besonders dämlich. Sie geht davon aus, dass unsere Singleinteressen politisch nicht organisierbar sind. Diese Rechnung geht bislang auf. Fragt sich jetzt nur noch, was dann erstens die Bevölkerungsvorausberechnungen bis 2050 und zweitens das neue Buch "Die ausgefallene Generation" von Herwig BIRG noch wert ist. Ein solches Datendesaster darf nicht folgenlos bleiben.

Wir warten weiter darauf, dass endlich das nationalkonservative Deutungsmonopol gebrochen wird. Und zwar nicht mit solch läppischen Gegenanzeigen, die spätestens vor der nächsten Kampagne gegen Kinderlose wieder vergessen sein werden, wenn Singles nicht massiv gegen diese Form der Mediendiktatur vorgehen.

DW (2005): Kinderlose Akademiker und eine überraschende Studie,
in: Welt v. 21.12.

"Eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kommt (...) zu etwas anderen Ergebnissen. Danach haben 79 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluß im Alter zwischen 35 und 44 Jahren eigene Kinder",

muss die Welt melden. Diese Meldung ist umso peinlicher, da ja 43 % der Akademikerinnen lebenslang kinderlos sein müssen. Deshalb versucht man diese Zahlen mit großem Aufwand zu dementieren. Da werden dann 43 % Kinderlose gar zu "jeder zweiten Frau" und damit auf 50 % aufgebläht. Wie konnte so ein Fehler passieren? Zwischen 21 und 50 % kinderlosen Akademikerinnen liegt also der Interpretationsspielraum. Man darf davon ausgehen, dass das Ausmaß der lebenslangen Akademikerinnen-Kinderlosigkeit weit geringer ist, als dies die amtlichen Zahlen ausweisen. Die Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist ja keineswegs die einzige Studie, die nachweist, dass das Problem dramatisiert wird.

NL (2006): Studie: Akademikerinnen haben häufiger Kinder als angenommen.
Nach dem Deutschen Institut für Wirtschaftforschung haben mehr als 75 Prozent der deutschen Akademikerinnen eigene Kinder,
in: Welt v. 26.05.

"Die jetzt veröffentlichte Studie des DIW, die in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung erarbeitet wurde, kommt (...) zu dem Ergebnis, daß insgesamt 20 Prozent aller Frauen in Deutschland kinderlos bleiben",

schreibt die Welt. Im Buch Die Single-Lüge von Bernd KITTLAUS heißt es dazu:

"Betrachtet man die Geburtenentwicklung, dann lässt sich auch heute seriös nur eine lebenslange Kinderlosigkeit belegen, die bei ca. 20 % liegt. Nationalkonservative malen dagegen das Horrorbild von 40 % lebenslang Kinderloser an die Wand." (2006, S.252)

SOLDT, Rüdiger (2006): 25 Prozent der Akademikerinnen bleiben kinderlos.
DIW-Studie: Später Abschluß der Universitätsausbildung entscheidender Grund,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.05.

WINKELMANN, Ulrike (2006): Nur 23 Prozent der Studierten kinderlos.
Wer mit "40 Prozent kinderlosen Akademikerinnen" Panik oder Politik machen will, liegt falsch. Eine neue statistische Auswertung am DIW in Berlin zeigt: Kaum mehr als zwanzig Prozent der studierten Frauen bleiben kinderlos,
in: TAZ v. 29.05.

MÖNCH, Regina (2006): Kind niemals ein Hindernis,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.09.

HUFNAGEL, Rainer (2008): Kinderwunsch und Partnerwahl in Deutschland,
in: Hauswirtschaft und Wissenschaft, Heft 1, März

Rainer HUFNAGEL kommt aufgrund der Auswertung der Mikrozensen 1996 - 2002 zum Ergebnis, dass Akademikerinnen seit Mitte der 1990er Jahre mehr Kinder bekommen als schlechter gebildete Frauen.

Noch im Bundestagswahlkampf 2005 wurde bekanntlich das Elterngeld damit begründet, dass 40 % der Akademikerinnen lebenslang kinderlos bleiben würden. Dieser Prozentsatz ergab sich jedoch nur deshalb, weil auch noch 40jährige und ältere Akademikerinnen erste Kinder bekommen bzw. der Begriff "Akademikerin" in diversen Studien unterschiedlich verwendet wurde.

Es stellt sich also die berechtigte Frage, wieso Rainer HUFNAGEL seine Ergebnisse erst im Zusammenhang mit dem geplanten Ausbau der Kinderbetreuung präsentiert und nicht bereits während der Elterngeld-Debatte.

Wie zudem bekannt sein sollte, lässt sich anhand des Mikrozensus gar keine Aussagen über die Zahl der eigenen Kinder machen, sondern nur über die Zahl der Kinder im Haushalt.

Sollte HUFNAGEL also z.B. nur die Altersgruppen der 40 - 45jährigen Frauen untersucht haben, weil Akademikerinnen ihre Kinder eher spät bekommen, so entstehen Verzerrungen bereits dadurch, dass die Kinder von schlechter gebildeten Frauen eventuell nicht mehr im Haushalt leben. Michaela KREYENFELD & Dirk KONIETZKA schreiben in ihrem Buch Ein Leben ohne Kinder,

"dass in Westdeutschland Mikrozensus und Bevölkerungsstatistik bis zum Alter von 39 Jahren zu sehr ähnlichen Ergebnissen kommen. Ab diesem Alter liegt die Schätzung der Kinderzahl mit Hilfe des Mikrozensus jedoch unter der der Bevölkerungsstatistik. Da die Kinder der über 39-jährigen Frauen bereits häufiger das Elternhaus verlassen haben, liefern die im Haushalt lebenden Kinder laut Mikrozensus keine hinreichende Annäherung an die tatsächliche Anzahl der Frauen. (2007, S.23)"

Die diversen Zusammenfassungen bleiben Informationen über diesen wichtigen Aspekt schuldig. Ein anderer möglicher Grund für die Ergebnisse von HUFNAGEL könnte darin bestehen, dass normalerweise nur der Bildungsabschluss und nicht zusätzlich der ausgeübte Beruf in die Untersuchungen mit eingeht. HUFNAGEL hat offensichtlich auch den Verdienst der Paare miteinbezogen. Ein akademischer Abschluss heißt ja nicht unbedingt, dass dieser mit einem entsprechenden Gehalt verbunden ist.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass Hans BERTRAM bereits im Bericht Starke Familie  aus dem Jahr 2005 darauf hinwies, dass die Akademikerinnen-Kinderlosigkeit in den 1970er Jahren höher war als 1995 und 2003. Dies wurde hier bereits im Jahresrückblick 2005 auf single-generation.de erwähnt.

Der Wissenschaftsjournalist Björn SCHWENTKER schrieb am 14.06.2006 dazu in der ZEIT:

"Der Soziologe Hans Bertram, der als familienpolitischer Berater bei Ursula von der Leyen derzeit ein und aus geht, beteiligt sich ebenfalls am Verwirrspiel um das Gebärverhalten deutscher Akademikerinnen. So zeigt Bertram im Bosch-Bericht Starke Familie Daten, die das gängige Bild komplett auf den Kopf stellen: Dort kann man nachlesen, dass die Kinderlosigkeit der westdeutschen Akademikerinnen schon 1971 bei 40 Prozent lag, seitdem aber gefallen ist. Was ist hier richtig? Woran soll sich eine Familienpolitik orientieren, die gerade dabei ist, viel Energie und Geld zu investieren, um auch – oder vielleicht gerade – den höher Gebildeten die Erfüllung ihrer Kinderwünsche möglich zu machen? Am Institut des Soziologieprofessors Bertram an der Berliner Humboldt-Universität war man sich selbst nach dreimaliger Nachfrage nicht sicher, mit welcher Methode die Kinderlosenzahlen in der Studie eigentlich berechnet worden waren."

Eine abschließende Bewertung der Befunde von HUFNAGEL ist aufgrund der genannten Unklarheiten und der Zusammenfassungen des Artikels bzw. der Meldungen in der Presse nicht möglich.

 
     
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002-2016
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 03. Februar 2004
Update: 24. Januar 2016