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LÜHE, Marion (2005):
Spagat,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.08.
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SCHWENTKER, Björn (2005): Von wegen 40 Prozent.
Obwohl es der Mikrozensus
so weismachen will: Akademikerinnen sind mitnichten schuld am
deutschen Babyschwund,
in: Die ZEIT Nr.42 v. 13.10.
- Kommentar:
Diesen Artikel suchen Sie heute vergeblich
in der Papier-ZEIT, denn er ist nur in der Online-Ausgabe
vom 09. Oktober erschienen!
Dies
wirft ein bezeichnendes Licht auf unsere
angeblich weltoffene globale Klasse.
Die
Medienlandschaft der Neuen Mitte ist inzwischen durch eine
Fragmentierung gekennzeichnet. In den Feuilletons der Papier-Mitte
werden die zunehmenden Parallelwelten beklagt, gleichzeitig werden
sie im Internet vorangetrieben.
Die
Zielgruppe der Papier-Mitte ist der Nicht-Single, die Zielgruppe
der Online-Mitte ist der Single.
Der
Witz ist nur, dass heutzutage gar nicht mehr sicher ist, wer
Single und wer Nicht-Single ist. Viele sind inzwischen sowohl
Single als auch Nicht-Single!
"Selten
waren sich die Deutschen so einig wie in der
Debatte über
Kinderlosigkeit. In der Bundesrepublik werden nur rund 1,4
Kinder pro Frau geboren, und schuld am Fehlen des nationalen
Nachwuchses sind die Akademikerinnen. Deren Gebärstreik lässt sich
an einer besonders imposanten Zahl belegen: 40 Prozent. So viele
der gebildeten jungen Frauen – wenn nicht gar mehr - bleiben ohne
Nachwuchs, hieß und heißt es quer durch die Medien. Doch während
sich eine leidenschaftliche Diskussion über das »Warum« dieser
unerhörten demografischen Ziffer entspannt hat, geht eines völlig
unter: Die Zahl ist schlichtweg falsch",
schreibt Björn SCHWENTKER.
Bereits
am 31. Oktober 2004 hat SCHWENTKER in der Papier-FAS
Michaela KREYENFELD zum Thema zitiert. Zum damaligen Zeitpunkt
gab es eindeutige Hinweise, dass die Zahlen überhöht waren, aber
es fehlten Untersuchungen, die das auch wissenschaftliche korrekt
bewiesen.
Das
Datendesaster ist nicht erst seit 2004 bekannt.
Single-dasein.de beweist seit dem Jahr 2000, wie mit Statistik
gelogen wird.
Es
geht ja nicht nur um die kinderlosen Akademikerinnen, nicht einmal
nur um die Kinderlosen im allgemeinen. Fakt ist: Auch die
Geburtenrate von 1,4 ist wird von den nationalkonservativen
Demografen zu niedrig ausgewiesen.
Dies
war bereits im
April 2001 bekannt als das Bundesverfassungsgericht aufgrund
eines Gutachtens des nationalkonservativen
Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG die Kinderlosen zu
Zuzahlungen verdonnerte - eine Art Reparationszahlung, die den
Kinderlosen von der gut organisierten nationalkonservativen
Familienlobby aufgezwungen wurde. Schließlich befinden wir uns
mitten im Demografiekrieg!
Nicht
Kinder fördern, sondern Kinderlose bestrafen heißt die Devise.
Dies
wäre niemals möglich gewesen, wenn die weltoffene globale Klasse
nicht mitgespielt hätte. Klammheimliche Sympathisanten sind das
gewesen.
Am
14. August 2003 fragte Susanne GASCHKE in der ZEIT
Wo sind die Kinder?
und forderte die Rente nach Kinderzahl. Einzig bei
single-dasein.de und single-generation.de war damals
eine Erwiderung zu lesen.
Die
Gutmenschen-taz lehnte damals eine Erwiderung in ihrem
Blatt dankend ab, und haute ihrerseits drauf.
Ulrike WINKELMANN
schrieb lieber Auf Wiedersehen, Kinder.
Erst
im Januar 2005 machte die taz-Journalistin eine wundersame
Wandlung durch und im
Mai 2005 veröffentlichte sie in der Zeitschrift Feministische
Studien zusammen mit Christian SCHMITT einen Artikel,
in dem die überhöhten Zahlen widerlegt wurden.
Dieser
Artikel muss insofern als wegweisend betrachtet werden, weil er
erstmals einer breiterer Öffentlichkeit Zahlen präsentierte.
Bereits am 08. März kritisierte SCHMITT die
Kinderlosenzahlen, die den
Elterngeld-Wahlkampf der SPD legitimieren sollten in der
FAZ, während
Frank
SCHIRRMACHER in dieser Zeit das Ideal der deutschen Mutter von
Herwig BIRG rechtfertigen ließ.
Wissenschaftsintern
sah das ganz anders aus. Aber wer wil unseren abhängigen
Wissenschaftlern verübeln, dass sie in diesen Zeiten ihren Job
behalten wollen?
Wo
sind die Kinderlosen, Frau GASCHKE? Diesen Artikel
vermissen wir in der deutschen Mitte-Presse immer noch.
Deshalb
erscheint auch SCHWENTKERs Beitrag nicht in der Papier-ZEIT,
die ja jahrelang zu den Hardlinern bei der Verbreitung der
überhöhten Kinderlosenzahlen gehörte.
Noch
im neuen Kursbuch schreibt Frau GASCHKE im Beitrag "Alte
Rollen, neue Frauen. Tolle Karrieren, glückliche Ehen, gute Figur
und prima Kinder. Das kann nicht klappen":
"Für
Frauen (...) ist die Vorstellung, in einem eigenen Beruf zu
arbeiten, inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Für Mann und
Kinder geben sie ihre Berufstätigkeit dann auf, wenn (...) ihr
Verdienstausfall durch Kindererziehungszeiten nicht sehr ins
Gewicht fällt und ihre Aufstiegsmöglichkeiten dadurch nicht
wesentlich geschmälert werden. Dieser Umstand dürfte erheblich zu
jenem Trend beitragen, den Bevölkerungswissenschaftler
»gespaltenes Fertilitätsverhalten« nennen: Dass nämlich die
vergleichsweise schlecht bezahlten Frauen aus den unteren
Bildungs- und Berufsgruppen sich mittlerweile weit häufiger für
Nachwuchs entscheiden als die Akademikerinnen, die am Ende zu über
40 Prozent kinderlos bleiben."
Es
handelt sich hier um die erste Ausgabe der
Vierteljahreszeitschrift Kursbuch, die nun zum
Presseimperium der ZEIT gehört und die rechtzeitig zur
heißen Phase des Familienwahlkampfes erschien.
"Vergangene
Woche in Rostock rechneten Mitarbeiter des Bundesinstituts für
Bevölkerungsforschung (BiB), dem »demografischen Arm« des
Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, vor, dass man fast die
selben Ergebnisse auch mit dem Mikrozensus bekommt. Wenn man nur
die richtigen, also ältere, Frauenjahrgänge betrachtet und zudem
auch Fachhochschulabsolventinnen zu den Akademikerinnen rechnet.
Die gebären nämlich mehr als Frauen mit Uni-Abschluss. Die neu
berechneten Daten des BiB zeigen: Der Anteil endgültig kinderloser
Akademikerinnen liegt nicht über 30 Prozent. Die Statistiker
halten den Mikrozensus damit für rehabilitiert. An der mächtigen
Erhebung, so der Tenor von behördlicher Seite, führe ohnehin kein
Weg vorbei",
erklärt uns SCHWENTKER.
Der
Journalist spielt hier auf die Studie von
UNGER &
SCHAREIN an.
Mitten
in den Endkampf um die Familie, platzte dann noch eine
Pressemeldung des statistischen Bundesamtes,
die nochmals dafür sorgte, dass die 40 %-Marke wenigstens für
westdeutsche Akademikerinnen wieder erreicht wurde.
Die
wenigsten dürften jedoch die Studie von DUSCHEK & WIRTH selber
gelesen haben. Und wenn, dann hätten sie - als Fachfremde - die
Problematik nicht verstanden, weil dort die öffentliche Debatte
nicht dargelegt wird. Nicht deren wissenschaftliche Beweisführung
ist also zu kritisieren, sondern nur die gezielte Lancierung durch
das Statistische Bundesamt lässt Seriösität vermissen. Das wurde
auf single-dasein.de auch beanstandet.
"Die
unglückliche Kommunikation der 40 Prozent Kinderlosigkeit bei
Akademikerinnen sei vielleicht kein Zufall, gibt ein Vertreter der
amtlichen Statistik zu: »Mit dramatischen Zahlen erreicht man eben
mehr Öffentlichkeit.« Genau das war nach dieser Interpretation das
Ziel des Statistischen Bundesamtes. Dessen Pressemeldungen waren
es nämlich, die die 40 Prozent erst in Umlauf brachten",
schreibt SCHWENTKER.
Nur
macht es sich der Journalist mit seiner Ursachenbeschreibung zu
leicht. Keineswegs hatte nur die CDU ein Interesse an hohen
Kinderlosenzahlen gehabt, sondern auch die SPD.
Nachdem
der Traum für Rot-Grün ausgeträumt ist, werden die Karten nun
offensichtlich neu gemischt.
Es
wird sich zeigen müssen, ob unsere globale Klasse das
nationalkonservative Deutungsmonopol der deutschen Demografen
endlich zerschlägt, oder ob weiterhin eine
große
Allianz der Besitzstandswahrer verhindert, dass auf junge Singles
- und damit auf potenzielle Eltern - in diesem Land mehr Rücksicht
genommen wird.
- MÖNCH, Regina
(2005): Überschätzte Kinderlosigkeit?
Aus dem Gewächshaus,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.
- Kommentar:
Der Familienwahlkampf ist vorbei und nun
veröffentlichen die Zeitungen, die sich begierig auf die Zahl von
40 % kinderlosen Akademikerinnen gestürzt haben, nach und nach die
Gegendarstellungen zu ihrer Wahlkampfberichterstattung. Heute ist
die FAS an der Reihe.
Regina
MÖNCH zitiert Michaela KREYENFELD, deren
Studie zusammen mit Dirk KONIETZKA in der
Zeitschrift Berliner Debatte Initial
schon längst bei uns zu lesen war. MÖNCH
muss
zugeben, was unsere Leser seit Jahren wissen:
"Die
herumgeisternden vierzig Prozent beruhen auf den Zahlen der
jährlichen Geburtenrate aus dem Mikrozensus (...). Da er aber
weder Tempoeffekte
noch das
höhere Alter von Müttern - u.a. bedingt durch längere
Ausbildungszeiten - berücksichtigt, ist er ziemlich ungeeignet für
die Interpretation des Geburtenverhaltens heutiger Frauen".
Übrigens
wird das Datum der Veröffentlichung bei der FAS mit 2005
angegeben. Das hätten unsere Journalisten möglicherweise gerne.
Die Veröffentlichung stammt jedoch bereits aus dem Jahr 2004!
War
natürlich nur ein Druckfehler, der ins Weltbild passt und deshalb
unbemerkt durchging.
Wir
wollen aber natürlich nicht unerwähnt lassen, dass in der FAS
wenigstens
schon im letzten Oktober über das
Problem berichtet worden ist, was ja nicht für jede Zeitung
selbstverständlich war.
Bei
der Papier-ZEIT ist
z.B. das
familienpolitische Zugpferd Susanne GASCHKE gerade auf
Lesereise mit einem
Buch über die Einsamkeit der kinderlosen
Akademikerinnen. Wir werden wohl mit einer Gegenanzeige
bis nach dieser Buchvorstellung warten müssen.
Wie
viel Peinlichkeit verträgt sich eigentlich mit einer solchen
Position, Frau GASCHKE?
Sascha
LEHNARTZ zeigt mit seinem neuen Buch "Global Players", dass in der
"Spaßgesellschaft" einzig die Schrillheit einer These zählt. Wenn
sie sich als falsch herausstellt, dann macht das auch nichts, denn
wir leben ja im
Zeitalter der Popmoderne.
Unsere
Qualitätspresse hält Singles offenbar für besonders dämlich. Sie
geht davon aus, dass unsere Singleinteressen politisch nicht
organisierbar sind. Diese Rechnung geht bislang auf.
Fragt
sich jetzt nur noch, was dann erstens die
Bevölkerungsvorausberechnungen bis 2050 und zweitens das neue
Buch "Die ausgefallene Generation" von
Herwig BIRG noch wert ist. Ein solches Datendesaster
darf nicht folgenlos bleiben.
Wir
warten weiter darauf, dass endlich das
nationalkonservative Deutungsmonopol
gebrochen wird. Und zwar nicht mit solch läppischen Gegenanzeigen,
die spätestens vor der nächsten Kampagne gegen Kinderlose wieder
vergessen sein werden, wenn Singles nicht massiv gegen diese Form
der Mediendiktatur vorgehen.
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DW (2005): Kinderlose Akademiker und eine überraschende Studie,
in: Welt v. 21.12.
- Kommentar:
"Eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kommt (...) zu etwas anderen
Ergebnissen. Danach haben 79 Prozent der Frauen mit
Hochschulabschluß im Alter zwischen 35 und 44 Jahren eigene
Kinder", muss die Welt melden.
Diese
Meldung ist umso peinlicher, da ja
43 % der Akademikerinnen
lebenslang kinderlos sein müssen. Deshalb versucht man diese
Zahlen mit großem Aufwand zu dementieren. Da werden dann 43 %
Kinderlose gar zu "jeder zweiten Frau" und damit auf 50 %
aufgebläht. Wie konnte so ein Fehler passieren?
Zwischen
21 und 50 % kinderlosen Akademikerinnen liegt also der
Interpretationsspielraum.
Man
darf davon ausgehen, dass das Ausmaß der lebenslangen
Akademikerinnen-Kinderlosigkeit weit geringer ist, als dies die
amtlichen Zahlen ausweisen. Die Studie der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung ist ja
keineswegs die einzige Studie,
die nachweist, dass das Problem dramatisiert wird.
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NL (2006): Studie: Akademikerinnen haben häufiger Kinder als
angenommen.
Nach dem Deutschen Institut
für Wirtschaftforschung haben mehr als 75 Prozent der deutschen
Akademikerinnen eigene Kinder,
in: Welt v. 26.05.
- Inhalt:
"Die
jetzt veröffentlichte Studie des DIW, die in Zusammenarbeit
mit Infratest Sozialforschung erarbeitet wurde, kommt (...) zu dem
Ergebnis, daß insgesamt 20 Prozent aller Frauen in Deutschland
kinderlos bleiben",
schreibt die Welt.
Anmerkung:
Im Buch
"Die Single-Lüge" von Bernd
KITTLAUS heißt es dazu:
"Betrachtet
man die Geburtenentwicklung, dann lässt sich auch heute seriös nur
eine lebenslange Kinderlosigkeit belegen, die bei ca. 20 % liegt.
Nationalkonservative malen dagegen das Horrorbild von 40 %
lebenslang Kinderloser an die Wand."
(2006, S.252)
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SOLDT, Rüdiger (2006): 25 Prozent der Akademikerinnen bleiben
kinderlos.
DIW-Studie: Später Abschluß der Universitätsausbildung
entscheidender Grund,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.05.
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WINKELMANN, Ulrike (2006): Nur 23 Prozent der Studierten kinderlos.
Wer mit "40 Prozent
kinderlosen Akademikerinnen" Panik oder Politik machen will, liegt
falsch. Eine neue statistische Auswertung am DIW in Berlin zeigt:
Kaum mehr als zwanzig Prozent der studierten Frauen bleiben
kinderlos,
in: TAZ v. 29.05.
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MÖNCH, Regina (2006): Kind niemals ein
Hindernis,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.09.
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