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Daniel Lois: Der Übergang zur Elternschaft

 
       
     
       
     
       
   

Daniel Lois in seiner eigenen Schreibe

 
   

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Zur Bedeutung von beruflichen Lagen und Partnerschaftsbildern für das Leben in getrennten Haushalten,
in: Soziale Welt, Heft 2, S.117-140

LOIS, Daniel (2013): Zur Erklärung von sozialer Ansteckung beim Übergang zur Elternschaft.
Ein Test vermittelnder Mechanismen,
in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 3, September, S.397-422

 
       
   

Daniel Lois im Gespräch

 
   
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Zur Erklärung von sozialer Ansteckung beim Übergang zur Elternschaft  (2013).
Ein Test vermittelnder Mechanismen
In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 3, September, S.397-422

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
2 Brückenhypothesen zur Erklärung sozialer Ansteckungsprozesse
3 Ein Überblick über den Forschungsstand
4 Datengrundlage, Methode und Operationalisierungen
5 Empirische Ergebnisse

5.1 Hierarchische Regressionsanalyse: Gibt es soziale Ansteckungseffekte beim Übergang zur Elternschaft?
5.2 Dekomposition: Über welche Brückenannahmen ist soziale Ansteckung erklärbar?

6 Zusammenfassung und Diskussion

Zitate:

Zusammenfassung

"Auf der Basis der Bamberger Panelstudien zu Ehen und Nichtehelichen Lebensgemeinschaften ( N = 1679 Paare) wird untersucht, inwieweit der Übergang zur Elternschaft durch Prozesse der sozialen Ansteckung beschleunigt wird. Die empirischen Analysen bestätigen, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer Erstelternschaft für ein Paar erhöht, wenn der Anteil von Freunden, Bekannten oder Verwandten im interaktiven Netzwerk, die bereits Eltern sind, steigt. Im nächsten Schritt werden verschiedene Brückenhypothesen zur Erklärung von sozialen Ansteckungseffekten getestet. Hiernach erlernen vor allem jüngere Paare die Gratifikationen der Elternschaft sowie biografische Ablaufmuster, die der Familiengründung Priorität einräumen, am Modell von Netzwerkpersonen, die bereits Kinder haben. Mit steigendem Elternanteil im sozialen Netzwerk können werdende Eltern ferner zunehmend auf soziale Anerkennung hoffen. Ältere kinderlose Paare sehen sich verstärkt sozialem Druck von Seiten der Netzwerkpersonen mit Kindern ausgesetzt. Explizite Verhaltenserwartungen erweisen sich jedoch als kontraproduktiv, da sie mit einer verringerten Übergangsrate zur Familiengründung einhergehen."

Begriff der sozialen Ansteckung

"Neben sozialem Druck und sozialer Unterstützung wird in der jüngeren Forschung ein dritter Mechanismus diskutiert, der sich als soziale Ansteckung (»social contagion«) bezeichnen lässt. Hierunter kann vereinfacht der Prozess verstanden werden, in dem ein Akteur (Ego) eine neue Handlungsweise oder Einstellung von einem anderen Akteur (Alter) übernimmt, mit dem er interagiert (...). Im vorliegenden Fall ist hiermit gemeint, dass die Familiengründung als neue Handlungsalternative in sozialen Netzwerken »diffundiert« und es im Zuge eines wechselseitigen Nachahmungsverhaltens zu »Geburtswellen« innerhalb von Freundschafts- oder Verwandtschaftsnetzwerken kommt." (2013, S.398)

"Übernahme neuer Einstellungen oder Verhaltensweisen aus dem Netzwerk durch den Akteur im Rahmen eines, zunächst noch nicht näher definierten, Sozialisationsprozesses". (2013, S.400)

Kontroverse über das Verhältnis zwischen individueller Handlungsautonomie und strukturellen Zwängen

"Trifft die These zu, dass wir in einer Epoche leben, »in der die persönlichkeitsorientierten Werte über die gruppenorientierten dominieren« (Birg et al. 1991, S.26)? Werden Fertilitätsentscheidungen folglich von »individualisierten« Akteuren, losgelöst vom sozialen Kontext, getroffen oder von den im sozialen Nahumfeld vorherrschenden Normen und Verhaltenserwartungen determiniert (Burkart 1994, S.5-14)?" (2013, S.399)

"Als (...) zentrales Ergebnis lässt sich festhalten, dass die (...) vermittelnden Mechanismen überwiegend altersabhängig sind. Von expliziten Verhaltenserwartungen, die von Eltern im sozialen Netzwerk geäußert werden und damit potenziell einen »Strukturzwang« (Burkart 1994) erzeugen, sind ausschließlich Paare in der älteren Vergleichsgruppe (Alter der Frau >27 Jahre) betroffen. Der eher subtile und unterschwellige Mechanismus, der sich im Erlernen der Gratifikationen der Elternschaft am Modell von Netzwerkpersonen äußert, ist dagegen nicht nur effektiver als der offene soziale Drucke, sondern zudem ausschließlich auf jüngere Paare beschränkt." (2003, S.419)

Annahmen zu Effekten des sozialen Lernens im Lebensverlauf

"In Anlehnung an die biografische Theorie der demografischen Reproduktion (Birg et al. 1991) ist (...) davon auszugehen, dass die biografische Offenheit in der Adoleszenz zu einer erhöhten Entscheidungsunsicherheit beiträgt. Der soziale Vergleich mit der Peergruppe sollte in dieser Situation wichtiger sein als in der Postadoleszenz, in der es zunehmend zu einer biografischen Schließung kommt, da jede Entscheidung immer mehr durch Festlegungen der Vergangenheit eingeschränkt wird (Birg et al. 1991, S.49-52). Erreicht die Frau schließlich das Ende des dritten Lebensjahrzehnts, werden Fertilitätsentscheidungen durch die »biologische Uhr« und damit einhergehende entwicklungspsychologische Ziele dominiert (Heckhausen et al. 2001)".

Makrosoziologische Untersuchung zu sozialer Ansteckung auf Fertilitätsentscheidungen

"Ein Beispiel für eine makrosoziologische Studie ist der Beitrag von Kohler (2000), der die langfristige Fluktuation von nationalen Nettoreproduktionsraten in 13 Ländern zwischen 1930 und 1995 untersucht und darin latente Gleichgewichtszustände wie ein »high-fertility-regime« oder ein »low-fertility-regime« findet. Der Autor geht davon aus, dass für die Herausbildung derartiger Fertilitäts-Regime nicht allein die Veränderung sozio-ökonomischer Anreize verantwortlich gemacht werden kann. Vielmehr wird angenommen, dass insbesondere der Prozess eines abnehmenden Fertilitätsniveaus durch soziale Vergleichsprozesse und ein wechselseitiges Nachahmungsverhalten beschleunigt worden ist (siehe auch Kohler 2001; Kohler et al 2002 (...)). Infolge der makrosoziologischen Perspektive derartiger Studien kann allerdings über die konkrete Funktionsweise von Ansteckungsprozessen auf der Individualebene wenig ausgesagt werden." (2013, S.404)

Soziale Ansteckung und Netzwerktypus

"Keim (...) generiert (...) einige Hypothesen zur Bedeutung der Strukturmerkmale des Netzwerks. So seien soziale Ansteckungsprozesse in traditionellen Netzwerken wirksamer als in  »individualisierten« Netzwerken. Traditionelle Netzwerke zeichnen sich hiernach durch eine hohe Dichte und Homogenität, einen hohen Anteil verwandter Personen wie Eltern und Geschwister und das Vorherrschen traditioneller Einstellungen in Bezug auf Elternschaft und Familie aus. Individualisierte Netzwerke sind dagegen eher typisch für räumlich mobile Personen, weisen eine geringe Dichte und eine heterogene Komposition auf, setzen sich überwiegend aus »gewählten« Netzwerkpersonen wie Freunde zusammen und sind durch das Vorherrschen von modernen Einstellungen zu Ehe und Familie gekennzeichnet." (2013, S.405)

Sozialer Druck führt nicht zu einer Steigerung der Übergangsrate zur Erstelternschaft bei kinderlosen Paaren

"Die »Sozialer-Druck-Hypothese« kann (...) nicht bestätigt werden. Ältere kinderlose Paare sehen sich zwar erwartungsgemäß mit steigendem Elternanteil zunehmend Verhaltenserwartungen aus ihrem sozialen Umfeld ausgesetzt, die auf eine baldige Familiengründung abzielen (...); Ansteckungseffekte können durch diesen Mechanismus aber nicht erklärt werden, da Paare, die sich einem expliziten sozialen Druck gegenübersehen, eine geringere Übergangsrate zur Erstelternschaft aufweisen". (2013, S.417)

"Kinderlose Paare, bei denen die Frau das dritte Lebensjahrzehnt erreicht, sind (...) verstärkt einem direkten sozialen Druck vonseiten der Interaktionspartner ausgesetzt, die selbst Eltern sein. Nehmen Netzwerkpersonen nachhaltige Lebensstildivergenzen zwischen sich und Ego wahr, werden folglich explizite Versuche unternommen, Konformität herzustellen. Die Äußerung offener Verhaltenserwartungen erweist sich nach den vorliegenden Ergebnissen aber als kontraproduktiv, da Paare, die diesen Erwartungen ausgesetzt sind, eine verringerte Übergangsrate zur Erstelternschaft aufweisen. Erklärbar ist dieser Befund möglicherweise durch Reaktanz, das heißt eine psychologische Abwehrreaktion gegenüber äußeren Zwängen (Brehm 1966). Eine Alternativerklärung besteht in einem Selektionseffekt. Explizite Verhaltenserwartungen werden vermutlich vor allem an diejenigen Paare gerichtet, die Lebensstilelemente und Einstellungen aufweisen, die offensichtlich eine Kinderlosigkeit erwarten lassen." (2013, S.419)

Defizit des verwendeten Forschungsdesigns

"Eine vollständige Trennung von Sozialisations- und Selektionseffekten erfordert (...) ein Forschungsdesign, in dem soziale Netzwerke wiederholt und zudem namensbasiert in einer Panelbefragung erhoben werden. Die Frage, inwieweit Konformität in sozialen Nahumgebungen auf sozialer Beeinflussung basiert, oder eine Folge der selektiven Wahl von Interaktionspartnern ist, stellt die zukünftige Forschung somit weiter vor Herausforderungen." (2013, 420)

 
     
 
       
     
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 22. Dezember 2013
Update: 22. Dezember 2013