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Hans-Peter Blossfeld: Das Bildungssystem als Heiratsmarkt

 
       
     
       
     
       
   

Hans-Peter Blossfeld in seiner eigenen Schreibe

 
   

BLOSSFELD, Hans-Peter & Johannes HUININK (1989): Die Verbesserung der Bildungs- und Berufschancen von Frauen und ihr Einfluß auf den Prozeß der Familienbildung,
In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 15, H.4, S.383-404

BLOSSFELD, Hans-Peter & Andreas TIMM (1997): Der Einfluß des Bildungssystems auf den Heiratsmarkt.
Eine Längsschnittanalyse der Wahl des ersten Ehepartners im Lebenslauf.
In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 49, H.3, S.440-476

BLOSSFELD, Hans-Peter/HOFÄCKER, Dirk/HOFMEISTER, Heather/KURZ, Karin (2008): Globalisierung, Flexibilisierung und der Wandel von Lebensläufen in modernen Gesellschaften. In: Marc Szydlik (Hg.) Flexibilisierung. Folgen für Arbeit und Familie, Wiesbaden: VS, S.23-46

SKOPEK, Jan/SCHULZ, Florian/BLOSSFEHLD, Hans-Peter (2009): Partnersuche im Internet.
Bildungsspezifische Mechanismen bei der Wahl von Kontaktpartnern,
in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 2, S.183-210

 
       
   

Hans-Peter Blossfeld im Gespräch

 
   

GERBERT, Frank (2004): "Unter dem eigenen Niveau".
Warum finden kluge Frauen oft keinen Mann? Die Antwort liegt in der Geschlechterarithmetik - So der Soziologe Hans-Peter Blossfeld,
in: Focus Nr.43 v. 18.10.

DRIBBUSCH, Barbara (2005): "Frauen müssten nach unten heiraten", sagt Hans-Peter Blossfeld".
Frauen und Männer finden keine Partner oder fühlen sich zu unsicher zum Kinderkriegen. Warum eigentlich?
in: TAZ v. 26.01.

Hans-Peter BLOSSFELD erläutert u.a. die gesellschaftsstrukturellen Hemmnisse der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Frauen:

"Das Erwerbsverhalten der Frauen kommt zur Verunsicherung der Männer hinzu. Doppelkarrieren machen die Familienplanung schwieriger, zumal an junge Paare heute ja hohe Anforderungen gestellt werden, was die Mobilität betrifft. Die niedrigen Geburtenraten haben deshalb nichts mit Egoismus oder mehr Wahlfreiheit zu tun, im Gegenteil: Die Leute haben heute nicht deshalb keine Kinder, weil sie nicht wollen, sondern weil sie häufig in Situationen sind, in denen es nicht »vernünftig« ist, sich für Kinder zu entscheiden."

LINNARTZ, Mareen (2006): "Wir brauchen ein Ministerium für Männer".
Die Frauen sind doppelt belastet, die Männer arbeiten so viel wie früher. Um mehr Zeit für die Familie zu bekommen, müsste die Arbeit umorganisiert werden,
in: emotion, Juli

Der Bamberger Soziologe Hans-Peter BLOSSFELD weist u.a. darauf hin, dass die Geburtenzahlen von Frankreich und Deutschland keineswegs so unterschiedlich sind, wie das in der Presse gerne dargestellt wird:

"Die Unterschiede in der Geburtenrate betragen ein paar Zehntel. Und wenn sie in Frankreich und in Deutschland aus den Statistiken die Migrantengruppen, die die meisten Kinder bekommen, rausnehmen, ist der Unterschied nur noch minimal."

FOCUS-Titelgeschichte: Wer kriegt wen warum?
Forscher erkennen ein neues Paarungsverhalten. Welche Männer und Frauen heute besonders gefragt sind

GOERGENS, Sven F. (2008): "Einen Gefährten auf Augenhöhe finden".
Der Soziologieprofessor Hans-Peter Blossfeld erklärt, warum sich mehr denn je Gleich zu Gleich gesellt,
in: Focus Nr.19 v. 05.05

MALEIKE, Kate (2008): Nationales Bildungspanel gestartet.
Hans-Peter Blossfeld erläutert die Längsschnittstudie zu Bildungsverläufen,
in: DeutschlandRadio v. 20.10.

MAGAZIN des KÖLNER STADT-ANZEIGER-Thema: Romantik 2.0.
40 Prozent der deutschen Singles suchen im Internet nach dem richtigen Partner. Gibt es die Liebe auf den ersten Blick? Zwei Kölner haben sie bereits gefunden

BURGMER, Anne (2009): "Nicht das Ende der Romantik".
Partnersuche im Internet ist vielen peinlich. Dabei ähnelt sie der traditionellen sehr. Gespräch mit Hans-Peter Blossfeld,
in: Magazin des Kölner Stadt-Anzeiger v. 01.08.

Neu:
WIARDA, Jan-Martin (2012): Weiblich, gebildet, partnerlos.
Frauen sind die wahren Bildungsaufsteiger. Was das für Paarbeziehungen bedeutet, erklärt der Soziologe Hans-Peter Blossfeld im Interview,
in: Die ZEIT Nr.33 v. 09.08.

Im Interview bleibt Hans-Peter BLOSSFELD Zahlen schuldig, die belegen, dass heutzutage hochgebildete Frauen öfters partnerlos sind als andere Frauen. Es gibt lediglich ein Gedankenexperiment und ein Verweis auf die Single-Quote, was immer das sein soll.

Die höhere Partnerlosigkeit hochgebildeter Frauen ist möglicherweise ein statistisches Artefakt und gilt nur, wenn man lediglich Ehepaare und Paarhaushalte betrachtet, für die es repräsentative Daten gibt. Aber auch hier gibt es inzwischen Tendenzen, die darauf hindeuten, dass sich das Partnerwahlverhalten ändert. So schreibt Andrea LENGERER aufgrund von Mikrozensusdaten:

"Frauen der niedrigsten Bildungsstufe (weisen) nur in den älteren Kohorten eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit des Zusammenlebens auf. In der Abfolge der Kohorten geht diese überproportional zurück, bis sie in den jüngeren Kohorten unter der von Frauen mit mittlerer Bildung liegt." (2012, S.270)

Wie aber sähe die Sachlage aus, wenn man Paare ohne gemeinsamen Haushalt in die Betrachtung einbeziehen würde? Unsere amtliche Statistik wird modernen gesellschaftlichen Verhältnissen des 21. Jahrhunderts nur ungenügend gerecht. Erst seit den 1990er Jahren gibt es überhaupt sozialwissenschaftliche Studien, die Paare ohne gemeinsamen Haushalt zu erfassen versuchen. Dennoch prägen meist immer noch die Medien mit ihren Klischeebildern die Vorstellungswelt.

Das Bild könnte sich ändern, wenn zukünftig vermehrt sozialwissenschaftliche Studien zu solchen modernen Paarformen veröffentlicht werden. Ein gerade erschienener Artikel fragt z.B. "Living apart together" - eine dauerhafte Alternative? In der Untersuchung von Daniel & Nadia LOI zeigt sich, dass solche Paarformen viel differenzierter betrachtet werden müssen, als dies in der Vergangenheit getan wurde.

 
       
   

Globalisierung, Flexibilisierung und der Wandel von Lebensläufen in modernen Gesellschaften (2008).
(zusammen mit Dirk Hofäcker, Heather Hofmeister und Karin Kurz)
In: Marc Szydlik (Hg.) Flexibilisierung. Folgen für Arbeit und Familie, Wiesbaden: VS, S.23-46

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
2. Globalisierung, wachsende Unsicherheit und Arbeitsmarktflexibilisierung in modernen Gesellschaften
3 Arbeitsmarktflexibilisierung und Filterung des Globalisierungsprozesses durch länderspezifische Institutionen
4 Das GLOBALIFE-Projekt
5 Ausgewählte Ergebnisse des GLOBALIFE-Projekts

5.1 Jugendliche und junge Erwachsene - die Verlierer der Globalisierung

5.1.1 Flexibilisierung der Erwerbstätigkeit junger Erwachsener
5.1.2 Zunehmende Erwerbsunsicherheiten und der Prozess der Familiengründung
5.1.3 Nationale Institutionen und die differentiellen Auswirkungen des Globalisierungsprozesses auf junge Erwachsene

5.2 Globalisierung und der Wandel der Erwerbsverläufe von Frauen

5.2.1 Grundlegende Entwicklungsmuster der Erwerbs- und Familienarbeit von Frauen
5.2.2 Globalisierung und die Verlagerung prekärer Arbeitsformen auf Frauen
5.2.3 Die Auswirkungen nationaler Institutionen auf weibliche Erwerbsverläufe im Globalisierungsprozess
5.2.4 Mittlere Erwerbskarrieren im Geschlechtervergleich

5.3 Globalisierung und der Wandel später Erwerbskarrieren

5.3.1 Globalisierung, Flexibilisierung und die Arbeitsmarktsituation älterer Arbeitnehmer
5.3.2 Nationale Strategien: Frühverrentung versus Beibehaltung älterer Arbeitnehmer
5.3.3 Der Wandel später Erwerbskarrieren und die Entwicklung sozialer Ungleichheit
5.3.4 Umkehr des Frühverrentungstrends?

6 Fazit

Zitate:

Das Globalife-Projekt: Untersuchung von 5 Wohlfahrtsregimen in 17 Ländern

"In den einzelnen Forschungsphasen wurden für insgesamt 17 OECD-Länder nationale Länderstudien (...) erstellt (...). Auf Basis einer detaillierten Analyse ihrer institutionellen und kulturellen Charakteristika wurden diese Länder in fünf verschiedene Gruppen, so genannte »Wohlfahrtsregime« (vgl. Esping-Andersen 1990, Ferrera 1996), eingeteilt:
Liberale Wohlfahrtsregime: Kanada, Großbritannien und die Vereinigten Staaten,
Konservative Wohlfahrtsregime: Deutschland, die Niederlande und Frankreich,
Sozialdemokratische Wohlfahrtsregime: Norwegen, Dänemark und Schweden,
Familienorientierte Wohlfahrtsregime: Italien, Spanien, Irland und Mexiko sowie
Post-sozialistische Wohlfahrtsregime: Estland, Ungarn, die Tschechische Republik und Polen."
(2008, S.28)

Irland als Vorbild für andere?

"Irland stellt (...) bezüglich der Auswirkungen der Globalisierung auf den Prozess der Familiengründung eine bemerkenswerte Ausnahme dar. Der irische Fall ist nahezu ein »Bilderbuchbeispiel« dafür, wie ein Land von Globalisierung profitieren kann, indem es sich der Konkurrenz auf dem Weltmarkt stellt, offene Handelsbeziehungen fördert und steuerliche Anreize für ausländische Investoren setzt (Layte et al. 2005). Irland, das Ende der 1990er Jahre nahezu Vollbeschäftigung realisieren konnte, ist das einzige Land im Rahmen der Untersuchungen (...), in dem die Globalisierung zu einer Abnahme von Erwerbsunsicherheiten geführt hat. Seit Mitte der 1990er Jahre ist in Irland entsprechend auch ein deutlicher Wiederanstieg der Heirats- und Geburtenraten zu beobachten. Es gilt jedoch zu beachten, dass sich der Konkurrenzvorteil Irlands gegenüber anderen modernen Industriestaaten insbesondere aus der Tatsache ergibt, dass andere Länder bislang ihre Unternehmenssteuern nicht so deutlich gesenkt haben. Der erfolgreiche Weg Irlands kann deswegen nicht von allen Ländern gleichzeitig beschritten werden, weil damit der Vorteil eines nationalen Sonderweges verloren ginge."
(2008, S.31)

3 Wege des Umgangs mit älteren Arbeitnehmern

"Zur Bewältigung der problematischen Arbeitssituation älterer Arbeitnehmer im Globalisierungsprozess verfolgen moderne Gesellschaften (...) unterschiedliche Strategien, die sich in drei verschiedene (Ideal)-Typen unterscheiden lassen (vgl. Buchholz et al. 2006).
Insbesondere die mittel- und z. T. auch südeuropäischen Staaten folgen zur Bewältigung des globalen Wettbewerbsdrucks und des wirtschaftlichen Strukturwandels einer Strategie der einseitigen Förderung eines Erwerbsausstiegs älterer Arbeitnehmer. (...).
Andere Gesellschaften verzichten weitgehend auf derartige Frühverrentungsmaßnahmen und ermöglichen durch die Förderung lebenslangen Lernens sowie durch aktive Beschäftigungspolitik älteren Arbeitnehmern, sich flexibel an die Herausforderungen des strukturellen und technologischen Wandels anzupassen. Empirisch lassen sich zwei Strategien einer derartigen Beibehaltung älterer Arbeitskräfte unterscheiden:
Die liberalen Staaten (Vereinigte Staaten, Großbritannien) verfolgen weitgehend ein Modell der Beibehaltung älterer Arbeitnehmer durch den Markt, in dem zur Anpassung älterer Arbeitskräfte an neue Flexibilitätserfordernisse weitgehend auf einen flexiblen Arbeitsmarkt und ein wenig standardisiertes (Aus-)Bildungssystem vertraut wird. (...). Gleichzeitig begrenzen niedrige staatliche Renten und die hohe Bedeutung privater Absicherung (...) die Möglichkeiten eines vorzeitigen Erwerbsausstiegs. (...).
Demgegenüber unterstützen die sozialdemokratischen Staaten Skandinaviens (...) die Anpassungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer an globalisierungsbedingte Flexibilisierungsanfordernisse durch aktives staatliches Engagement (Beibehaltung älterer Arbeitnehmer durch den Staat)."
(2008, S.40f.)

Die Umkehr der Frühverrentungstrends

"Jüngere Arbeitsmarktdaten zeigen, dass sich seit Ende der 1990er Jahre in einer Reihe moderner Gesellschaften erste Anzeichen für eine Umkehr des bislang beobachteten Frühverrentungstrends abzeichnen. Aus mehrer Gründen ist davon auszugehen, dass es sich dabei nicht nur um einen vorübergehenden konjunkturellen Effekt, sondern um eine langfristige Trendwende in der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer handelt. Unterschiedlichste nationale Rentensysteme geraten sowohl demographisch als auch durch die zunehmende Lebenszeitverkürzung finanziell unter Druck, da öffentliche Kassen durch das zunehmende Ungleichgewicht zwischen Einzahlern und Anspruchsberechtigten belastet werden. Entsprechend reduzieren viele OECD-Staaten die (...) Frühverrentungsanreize, sodass ein vorzeitiger Erwerbsausstieg finanziell immer unattraktiver wird (vgl. OECD 2006). Ähnliche Tendenzen zeigen sich auch hinsichtlich betrieblicher Rentenanreize. (...). Die damit einhergehende Verlagerung der Verantwortung für die Alterssicherung auf den Einzelnen spricht daher für eine graduelle Rückkehr zu längeren Erwerbskarrieren. Durch die gefallenen Geburtenraten in modernen Ländern stehen zudem langfristig nicht mehr genügend junge Arbeitskräfte zur Verfügung, die die Positionen älterer Arbeitnehmer übernehmen können."
(2008, S.43)

 
     
 
       
       
       
   

Who Marries Whom? (2003).
Educational Systems as Marriage Markets in Modern Societies
(herausgegeben zusammen mit
Andreas Timm)

Dordrecht/Boston/London: Kluwer Academic Publishers

 
   
     
 

Klappentext

"This is the first cross-national study of the educational system as an increasingly important marriage market. Educational expansion and the rising educational participation of women have increased the rate of "assortative meeting" and "assortative mating" across birth cohorts. The book shows that social inequality is growing because increasingly better (and worse) educated single men and women pool their economic and cultural advantages (and disadvantages) within couples. It demonstrates that there has been an increasing closure of social structure and social networks as an unintended consequence of educational expansion.

The book is theoretically driven and combines demographic and sociological approaches with rational choice theory to explain assortative mating. Using life-history data from a broad range of industrialized countries and longitudinal statistical models, the book analyzes the process of spouse selection in the life courses of single men and women. The countries included vary widely in important characteristics such as demographic behavior and institutional characteristics. The life course approach explicitly recognizes the dynamic nature of partner decisions, the importance of educational roles and institutional circumstances as young men and women move through their life paths, and the accumulation of advantages and disadvantages experienced by individuals.

Who Marries Whom is of interest to sociologists, demographers, economists and students of social structure, social inequality, social and demographic change."

Zusammenfassung der Ergebnisse:

Zielsetzung und Gegenstand der Studie

"In einer gerade veröffentlichten international vergleichenden Studie, die von Professor Dr. Hans-Peter Blossfeld (Universität Bamberg) und Dr. Andreas Timm (Universität Bremen) geleitet wurde, ist die Rolle des Bildungssystems als Heiratsmarkt in dreizehn Ländern genauer untersucht worden. Zu den einbezogenen Ländern gehören Deutschland, Belgien, Frankreich, die Niederlande, Italien, Spanien, Großbritannien, die Vereinigten Staaten von Amerika, Dänemark, Schweden, Ungarn, Slowenien und Israel. Auf der Grundlage von Längsschnittdaten wurden in diesen Ländern jeweils die Prozesse der Partnerwahl im Lebenslauf von ledigen Männern und Frauen Schritt für Schritt nachgezeichnet und im Generationenverlauf analysiert. In den Untersuchungen wurde insbesondere Wert gelegt auf die Nachzeichnung der dynamischen Natur der Partnerentscheidungen, die Bedeutung der Bildungsbeteiligung für die Partnerwahl und die durch die Paarbildung ergebende Kumulation von Vorteilen und Benachteiligungen im Lebenslauf."

Steigende Bildungshomogamie im intergenerationellen Vergleich

"Die Studie zeigt klar, dass in den letzten 50 Jahren in den meisten modernen Gesellschaften das Bildungssystem zu einem immer wichtigeren Partnermarkt geworden ist und dass damit die Bildungshomogamie über die Generationen deutlich angestiegen ist.

Aus der Sicht des Lebenslaufs bedeutet Bildungshomogamie zunächst, dass sich die bisher im Lebenslauf individuell erfahrenen Benachteiligungen und Bevorzugungen durch Heirat noch einmal vergrößern, weil dann die Hochqualifizierten hochqualifizierte Partner und die Wenigqualifizierten wenigqualifizierte Partner heiraten."

Wachsende soziale Ungleichheit durch Bildungshomogamie

"Da Bildung in nachindustriellen Gesellschaften ein zentraler Faktor für den Berufserfolg (den sozialen Status, das Einkommen, die Klassenlage und die Mobilitätschancen) ist, bedeutet steigende Bildungshomogamie über die Generationen, dass es im Prozess der Paarbildung zu einer wachsenden Kumulation sozialer Ungleichheiten, zur Schließung sozialer Kreise und indirekt zu einer Vergrößerung der sozialen und ökonomischen Unterschiede kommt, unter denen dann die jeweils nächste Generation der Kinder aufwächst. Mit anderen Worten, in den meisten Industrieländern hat sich im Zuge der Bildungsexpansion und der Abnahme geschlechtsspezifischer Bildungsungleichheiten - gleichsam hinter dem Rücken der Individuen und völlig ungeplant - die soziale Ungleichheit verstärkt."

Empirische Widerlegung der Individualisierungsthese

"Die Ergebnisse widersprechen insbesondere der Modernisierungs- und der Individualisierungstheorie, die davon ausgehen, dass sich die sozialen Ungleichheiten in der nachindustriellen Gesellschaft immer mehr auflösen. Stattdessen zeigt sich, dass es im Zuge der Bildungsexpansion sowohl zu einem Abbau sozialer Strukturierungen (z. B. hinsichtlich der Angleichung der geschlechtsspezifischen Bildungschancen) kommt, als auch zu neuen Strukturbildungen, die die soziale Ungleichheit an anderer Stelle verstärken. Man kann auch sagen, dass Individualisierungsprozesse an anderer Stelle mit Neustrukturierungsprozessen einhergehen."

Die Ursachen der steigenden Bildungshomogamie

"Wie lässt sich die steigende Bildungshomogamie über die Kohorten hinweg erklären und verstehen? Partner- und Heiratsentscheidungen sind zunächst das Ergebnis eines langfristigen, kumulativen Lebenslaufprozesses. Die Grundlagen für diese Entscheidungen werden bereits in der Herkunftsfamilie gelegt und die Entscheidungskontexte verzweigen sich dann Schritt für Schritt während der Bildungs- und Berufskarriere. Im Lebenslauf ist dieser Prozess mit einer kontinuierlichen Restrukturierung der sozialen Netzwerke und der Interaktionsbeziehungen verbunden. Da die Partner- und Heiratsentscheidungen vor allem in der Übergangsphase vom Jugendlichen zum Erwachsenen getroffen werden, werden sie auch durch die Struktur des Bildungssystems maßgeblich beeinflusst."

Der Einfluss des Bildungssystems auf den Prozess der Partnerwahl

"Vor diesem Hintergrund hat das Bildungssystem drei wichtige Konsequenzen für den Prozess der Partnerwahl: (1) Da der Ausbildungsprozess eine Abfolge von Hürden ist, scheiden die Wenigerqualifizierten jedes Geburtsjahrgangs früher aus dem Qualifikationsprozess aus. (2) Für die im Bildungssystem verbleibenden Männer und Frauen erhöhen sich damit die Kontaktchancen zu Gleichqualifizierten mit zunehmendem Bildungsniveau (...). (3) Da die Ausbildung in der Regel mit ökonomischer Abhängigkeit der Schüler und Studenten (von den Eltern oder dem Staat) verbunden ist, sind diese während der Ausbildung in der Regel nicht zur Heirat bereit. Die jeweils in der Ausbildung Befindlichen schieben deswegen häufig ihre Heiratsentscheidung bis zum Abschluss der Ausbildung auf. (4) Der Ausbildungsabschluss ist deswegen auch häufig eine wichtige Bedingung für die Heiratsentscheidung und die Absolventen treffen diese Entscheidungen dann in um so kürzerer Zeit nach Abschluss der Ausbildung, je länger sie diese jeweils im Bildungssystem aufgeschoben haben. (5) Das frühere Eintreten der Wenigerqualifizierten in den Arbeitsprozess ist schließlich mit einem früheren Anstieg von Kontakthäufigkeiten zu Personen mit heterogenen Merkmalen wie Alter, Beruf oder Bildung verbunden, so dass die Homogamieneigung bei geringerem Ausbildungsniveau niedriger ist."

Die geschlechtsspezifischen Konsequenzen des Wandels von der Allein- zur Doppelverdienerehe

"Die Studie von Blossfeld und Timm hat (...) insbesondere geschlechtsspezifische Präferenzen in Bezug auf das Bildungsniveau der Partner betrachtet. (...).

Bei traditioneller geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung in der Familie und auf dem Arbeitsmarkt, wie sie bei den älteren Kohorten der Studie von Blossfeld und Timm noch ausgeprägt war, entsteht (...) eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen den Geschlechtern und die Orientierungen von Männern und Frauen unterscheiden sich in Bezug auf die Bildung beträchtlich."

Das traditionelle Heiratsverhalten: Aufwärtsheirat der Frau und Abwärtsheirat des Mannes

"Da sich das Haushaltseinkommen und der Status der traditionellen Familie (z. B. in den 60er Jahren) vor allem über das Erwerbseinkommen des Mannes bestimmte, haben Frauen Männer mit einer guten Ausbildung und damit hohem Einkommenspotential bevorzugt. Das Interesse der Frauen hinsichtlich des Bildungsniveaus der Männer war damit strukturell eindeutig.

Bei den traditionellen Männern war das allerdings nicht so klar. Die Präferenzen sind hier eher doppeldeutig. Zum einen ziehen traditionelle Männer dann von ihrer Partnerin die größten Vorteile, wenn ihnen diese möglichst ähnlich ist; andererseits sind sie wegen der komplementären geschlechtsspezifischen Rollenstruktur aber auch an Frauen interessiert, die nicht zu viel in ihre eigene Karriere und damit in ihre marktmäßig verwertbare Ausbildung investieren. Mit anderen Worten, die Ausbildung der Frauen ist für traditionelle Männer erstens von geringerer Bedeutung und zweitens, wenn Ausbildungsfragen ins Spiel kommen, präferieren traditionelle Männer möglichst gleichqualifizierte Frauen mit geringer Erwerbsorientierung.

Da in einem solchen traditionellen Regime (wie etwa in den 60er Jahren) die Frauen andere Lebenspläne haben als Männer und durchschnittlich weniger in ihre Bildung investieren als diese, werden die Frauen rein strukturell häufiger nach oben und die Männer rein strukturell häufiger nach unten heiraten müssen.

Bei den älteren Geburtsjahrgängen zeigt sich diese traditionelle Aufwärtsheirat der Frauen in der Studie von Blossfeld und Timm in allen Ländern zunächst sehr deutlich. Im Kohortenverlauf schwächt sich diese Tendenz dann aber rasch ab, da die lebenslange marktvermittelte Erwerbsarbeit zunehmend zu einem zentralen Bestandteil der Lebenskonzeption der (Ehe)Frauen wird. Dieser Wandel bewirkt nicht nur, dass der Ausbildungsprozess im Leben jeder jüngeren Generation von Frauen zunehmend wichtiger wird - mit all seinen Konsequenzen für die strukturelle Chance gleichqualifizierte Partner zu treffen. Er verändert auch das Entscheidungskalkül jeder jüngeren Generation von Männern. Denn bei moderner geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung bestimmt sich das Haushaltseinkommen (und der „Lifestyle“ der Familie) zunehmend auch über die Erwerbstätigkeit der Frauen. Das heißt, die Frauen übernehmen zunehmend einen Teil der Ernährerrolle und die Bildung beider Partner ist für den sozialen Status junger Paare zunehmend wichtig."

Die Zunahme der allein stehenden Frauen als Konsequenz der gewünschten Aufwärtsheirat bei jungen Frauen

"Junge Frauen präferieren (...) noch immer Männer mit möglichst hoher oder zumindest gleicher Bildung (und das erklärt in der Studie von Blossfeld und Timm bei jungen Frauen in allen Ländern die noch immer relativ geringe Neigung einen geringer gebildeten Mann als Partner zu wählen bzw. einen geringer gebildeten Partner zu heiraten). Bei den jungen Frauen tritt mit zunehmender Bildung deswegen ein gewisser »Ceiling Effekt« ein und ihr »Heiratspool« wird mit zunehmender Bildung immer kleiner. Insbesondere gebildete Frauen bleiben somit, falls sie keinen gleich- oder besserqualifizierten Mann finden, lieber alleinstehend. Unter den qualifizierten Frauen steigt deswegen die Quote der Alleinstehenden rasch über die Kohorten an."

Abnahme der Abwärtsheirat bei jungen Männern

"Aber auch junge Männer bevorzugen jetzt zunehmend Frauen mit möglichst hoher Bildung (und Einkommen) und dies erklärt die starke Abnahme des Anteils der jeweils jüngeren Männer, die noch nach unten heiraten (obwohl es für diese Männer noch immer sozial akzeptabel und »normal« ist, auch nach unten zu heiraten)."

Geringe Heiratschancen von unqualifizierten Männern

"Vor allem unqualifizierte Männer sind aber unattraktive Heiratspartner und sind deswegen zunehmend unter den Alleinstehenden zu finden."

Bildungsexpansion und Präferenzwandel im Übergang von der Alleinverdiener- zur Doppelverdienerehe als Faktoren, die Bildungshomogamie begünstigen

"In der Konkurrenz um möglichst attraktive Partner kommt es dann bei Männern und Frauen zu einem Konkurrenz- und Sortierungsprozess von oben nach unten, mit dem Ergebnis, dass sich vor allem die Gleichqualifizierten finden. Das heißt, nicht nur die im Zuge der Bildungsexpansion verbesserten Kontaktchancen zu gleichqualifizierten Partnern begünstigt die Bildungshomogamie, sondern auch der Wandel der Präferenzen im Zuge des Übergangs von der Alleinverdienerehe zur Doppelverdienerehe."

Der Einfluss der Herkunftsfamilie auf die Ehepartnerwahl

"Nicht wenige Männer und Frauen steigen (...) gegenüber ihrer Herkunftsfamilie bildungsmäßig auf (oder ab) und korrigieren diesen Bildungsaufstieg (-abstieg) durch eine Abstiegs- (Aufstiegsheirat) wieder. Das gelingt diesen Bildungsauf- und -absteigern deswegen sehr häufig, weil sie neben ihren Kontaktnetzen im Bildungssystem noch auf die Kontaktnetze ihrer Herkunftsfamilie zurückgreifen können.

Das heißt, neben dem Heiratsmarkt »Bildungssystem« bleiben noch soziale Netzwerke wichtig, die sich über die Familie vermitteln."

Nichteheliche Lebensgemeinschaften und der Einfluss der Bildungshomogamie auf die Scheidungsraten

"Man könnte gegen die Untersuchung von Blossfeld und Timm einwenden, dass die Männer und Frauen heute zunehmend in nichtehelichen Gemeinschaften leben, insgesamt weniger heiraten und sich mehr scheiden lassen als früher. Das ist richtig, aber die in dieser Studie berichteten Ergebnisse ändern sich durch diese Veränderungen nicht grundsätzlich, denn:
(1) es zeigt sich, dass auch nichteheliche Partnerschaften hoch bildungshomogam sind;
(2) es verstärkt sich der Selektionsprozess im stufenweisen Prozess von »ledig« über die »nichteheliche Gemeinschaft« zur »Ehe« sogar noch, weil sich bildungsungleiche Paare rascher und häufiger trennen. Das heißt, nichteheliche Lebensgemeinschaften stellen sozialstrukturell sogar einen zusätzlichen Filter dar (darüber hinaus ist zu bemerken, dass noch immer weit mehr als 80-85 Prozent eines Geburtsjahrgangs bis zur Mitte ihres 3. Lebensjahrzehnts zumindest ein Mal heiraten).
(3) schließlich zeigen die Untersuchungen von Blossfeld und Müller auch, dass die Scheidungsneigung bei bildungshomogamen Paaren niedriger ist. Die höchste Scheidungsneigung haben Paare, bei denen die Frauen einen weniger qualifizierten Partner geheiratet haben. Sie verstoßen gegen die soziale Norm und müssen sich mit einer kritischeren Umwelt auseinander setzen.
"

 
     
 
       
   

Die Beiträge

BLOSSFELD & TIMM - Educational Systems as Marriage Markes in Modern Societies: A Conceptual Framework

BLOSFFELD & TIMM - Who Marries Whom in West Germany?

CORIJN - Who Marries Whom in Flemish Belgium?

GOUX & MAURIN - Who Marries Whom in France?

De GRAAF/SMEENK/ULTEE/TIMM - The When and Whom of First Marriage in The Netherlands

BERNARDI - Who Marries Whom in Italy?

LÓPEZ - Who Marries Whom in Spain?

CHAN & HALPIN - Who Marries Whom in Great Britain?

TIMM/BLOSSFELD/LANKUTTIS - Who Marries Whom in the United States?

LETH-SØRENSEN - Who Moves Together with Whom in Denmark?

HENZ & JONSSON - Who Marries Whom in Sweden?

BUKODI & RÓBERT - Who Marries Whom in Hungary?

DOBNIC & CERNIGOJ - Who Marries Whom in Slovenia?

STIER & SHAVIT - Two Decades of Educational Intermarriage in Israel

BLOSSFELD & TIMM - Assortative Mating in Cross-National Comparison: A Summary of Results and Conclusions
 
   

Rezensionen

fehlen noch
 
   

Die Studie in den Medien

DPA (2004): Hochqualifiziert heiraten.
Eine Studie belegt, dass weiterführende Schulen und Universitäten Stätten der Paar-Bildung sind,
in: TAZ Nord v. 20.02.

KRUMPHOLZ-REICHEL, Anja (2004): Wer heiratet wen?
Ehen werden nicht mehr im Himmel, sondern auf dem Campus geschlossen,
in: Psychologie Heute, Nr.6, Juni

Anja KRUMPHOLZ-REICHEL berichtet über die international-vergleichende Studie von Hans-Peter BLOSSFELD. Die Bildungsexpansion hat ein neues Heiratsmuster hervorgebracht, das einerseits das Scheidungsrisiko verringert, andererseits aber zu mehr ledigen Karrierefrauen und zu höherer sozialer Ungleichheit in kommenden Generationen führt.

EGGS, Julia (2009): Die beste Kontaktbörse der Welt.
Heiratsmarkt Hochschule: Gleich und gleich gesellt sich gern. Besonders an der Uni bewahrheitet sich dieses Sprichwort. Immer mehr Studenten finden ihren Traumpartner am Campus – spätere Heirat nicht ausgeschlossen,
in: Audimax.de v. 09.12.

Als PDF-Datei hier downloadbar P

 
   

Das Bildungssystem als Heiratsmarkt in der Debatte

JUNGMANN, Uta (2009): Heiratsmarkt Hochschule.
Zwischen Kopierer und Kaffeeautomat, Klausur und Exkursion gibt es Flirtgelegenheiten zuhauf. Soziologen wissen außerdem: Partnerschaften von Studenten sind besonders stabil,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.01.

KAMANI, Nasanin (2009): "Die Universität ist ein Heiratsmarkt".
Gespräch mit der Diplompsychologin und Sozialpädagogin Carin Cutner OCHEJA,
in:
Kölner Stadt-Anzeiger v. 06.01.

 
   

Das Partnerwahlverhalten von Akademikerinnen in der Debatte

GASCHKE, Susanne (2005): Bis dass der Tod uns scheidet.
Ein Plädoyer für Vernunft statt romantischer Liebe bei der Suche nach dem richtigen Mann.
Was ist weiblich?
in: Die ZEIT Nr.12 v. 17.03.

NIEJAHR, Elisabeth (2005): Den Frauen sei Dank.
Arbeitslosenquote, Rentenprognosen, Armutsbericht: Alles sieht besser aus, wenn Ökonomen gezielt auf den weiblichen Faktor achten,
in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.

Elisabeth NIEJAHR weist u.a. darauf hin, dass die Bildungsexpansion die soziale Ungleichheit nicht vermindert, sondern verstärkt hat, denn statt der Arbeiter profitierte das katholische Mädchen vom Lande:

"Nicht nur die Höhe, sondern auch die Verteilung der Einkommen, ja sogar die ganze Debatte über soziale Ungleichheit erscheint mit Blick auf die Frauen plötzlich in neuem Licht. Sie glauben beispielsweise, die Bildungsexpansion der sechziger und siebziger Jahre, die Öffnung der Hochschulen für mehr Arbeiterkinder und für mehr Frauen habe geholfen, soziale Unterschiede zu verringern? Tatsächlich geschah das Gegenteil, wie unter anderem eine große international vergleichende Untersuchung der Wissenschaftler Hans-Peter Blossfeld und Andreas Timm zeigt.
      
  In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich das Bildungssystem zunehmend zum informellen Heiratsmarkt. Man lernt sich während der gemeinsamen Ausbildung kennen und lieben – so wie Bill und Hillary Clinton, die sich in einer Unibibliothek erstmals miteinander unterhielten. Die Folge: Immer häufiger heiraten Männer Frauen mit ähnlichem sozialen Status und vergleichbarem Einkommen. Der Spitzenjurist erwählt die Topanwältin, der Krankenpfleger verliebt sich in die Krankenschwester, der Lehrer heiratet die Lehrerin. »Die bisher im Lebenslauf erfahrenen Benachteiligungen und Bevorzugungen werden dadurch ergänzt«, schreiben die beiden Wissenschaftler. »In den meisten Industrieländern hat sich im Zuge der Bildungsexpansion gleichsam hinter dem Rücken der Individuen und völlig ungeplant die soziale Ungleichheit verstärkt.«"

WILTON, Jennifer (2005): Vätermangel.
Akademiker mit Kinderwunsch gesucht,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.11.

Die FAZ sorgt sich offenbar um ihr zurückgehendes Kleinanzeigengeschäft und veröffentlicht nun schon allgemein gehaltene Heiratsgesuche für ihre akademische Leserinnen im Feuilleton. Leider vermissen wir in allen Artikeln zum Thema, wie viele Akademikerinnen überhaupt vom Heiratsengpass betroffen sein sollen. Wo also bleiben die konkreten Zahlen?

Bislang existiert nur eine fragwürdige Meinungsumfrage aus Allensbach und eine Untersuchung von Hans-Peter BLOSSFELD zum Zusammenhang von Bildungssystem und Heiratsmarkt. Die amtliche Statistik ist zudem am Eheideal orientiert, was für seriöse Forschung ein Desaster ist.

Die Logikkette, dass vor dem Gebären stets eine Heirat steht, gilt bislang - wenn überhaupt (weil das Heiraten irgendwann nach der Geburt doch noch folgt) - nur für die alten Bundesländer. Soll hier also nur ein westdeutsches Bürger-Ideal herbei geschrieben werden? Interessanter als dieser wenig informative Artikel sind die Online-Leserkommentare... 

FEDDERSEN, Jan (2007): "So'n paar Risiken muss man eingehen".
Professor Heinz Bude sagt seinen Studierenden immer, dass sie rosigen Zeiten entgegengehen. Aber sie glauben ihm nicht. Er kämpft gegen ihre Unsicherheit,
in: TAZ v. 24.12.

Der Soziologe Heinz BUDE u.a. über seine Vorstellungen zum postfeministischen Zeitalter:

"Wenn ich denen von meiner Idee erzähle, Frauen könnten sich mit einem Mann zusammentun, der vom Sozialstatus unter ihnen ist, dann gucken die mich an, als hätte ich einen schlechten Scherz gemacht.
            Warum haben die jungen Frauen damit Schwierigkeiten?
            Weil sie keine Modelle dafür haben. Wir könnten ja sagen, dass man an dem Mann, der statusmäßig unter einem ist, handwerkliche Freuden haben kann. Etwas mag an ihm fehlen, anderes wäre dafür da. Dieses Denken ist nicht sehr verbreitet. Eher wird gefragt: Können wir uns auf einen gemeinsamen Lebensstil einigen? Auf die Einrichtung der Wohnung, die Erziehung der Kinder?
            Die Frauen denken immer noch: Krankenschwester sucht Chefarzt?
            Das wäre das klassische Modell. Aber so wird es nicht mehr laufen. Frauen und Männer müssen sich anders aufeinanderzubewegen, zumal wir längst in der Phase des Postfeminismus sind. Beruf oder Familie? Es soll beides gehen. Für die neuen Geschlechterarrangements fehlen die Modelle - der Streit um die Kinderkrippen ist nur ein Ersatzdiskurs."

GOTTLIEB, Lori (2008): Zum Heiraten genug.
Er ist nicht der Mann Ihrer Träume, aber er mag Kinder, bringt den Abfall vor die Tür und ist nicht auf den Kopf gefallen. Sehr gut. Heiraten Sie ihn! Warum Frauen in einer Vernunftehe glücklicher werden. Ein Plädoyer,
in: Neue Zürcher Zeitung am Sonntag v. 23.03.

Die NZZaS hat einen vieldiskutierten Artikel von Lori GOTTLIEB in der Märzausgabe der US-amerikanischen Zeitschrift Atlantic Monthly übersetzt.

FOCUS-Titelgeschichte: Wer kriegt wen warum?
Forscher erkennen ein neues Paarungsverhalten. Welche Männer und Frauen heute besonders gefragt sind

BETTERMANN, Stella (2008): Wer wählt wen?
Das Sozialprestige ist den Deutschen bei der Partnerwahl immer wichtiger. Soziologen erörtern die neuen Liebesregeln - und ihre gesellschaftlichen Folgen,
in: Focus Nr.19 v. 05.05.

STERN-Titelgeschichte: City ohne Sex.
Warum so viele tolle Frauen nicht den richtigen Mann finden

GÖTTING, Markus & Annette LACHE (2008): Auf der Suche nach Mr. Big.
Sie sind tolle Frauen: schön, klug und erfolgreich in ihrem Job. Und doch haben sie noch immer nicht den Richtigen fürs Leben gefunden. Denn viele Männer sind ihnen nicht gewachsen,
in: Stern Nr.25 v. 12.06.

BÜLOW, Ulrike von (2008): "Wir wachsen mit Märchen auf".
Kim Catrall, die "Samantha" in "Sex and the City", über die Suche nach dem Richtigen. Privat ist die 51-Jährige mit einem 23 Jahre jüngeren Koch liiert,
in: Stern Nr.25 v. 12.06.

MÜLLER-LISSNER, Adelheid (2008): Wer's leiden mag.
Helma Orosz, die neue Oberbürgermeisterin von Dresden, klagt öffentlich über ihre schwierige Partnersuche. Es gibt zu wenig Männer, die mit erfolgreichen Frauen zusammen sein wollen, sagt sie,
in: Tagesspiegel v. 03.07.

DRIBBUSCH, Barbara (2008): Allein unter Männern.
Die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) klagt über Probleme erfolgreicher Frauen bei der Suche nach einem Partner. Für ältere Frauen gibt es indessen neue Wege bei der Männersuche,
in: TAZ v. 04.07.

Anlässlich der Klage der frischgewählten 55-jährigen Dresdner Oberbürgermeisterin Helma OROSZ in der Bunten über fehlende Männer für Karrierefrauen, lässt Barbara DRIBBUSCH Artikel im Tagesspiegel, im Stern und in der NZZaS, Revue passieren, die sich in letzter Zeit mit diesem Thema befasst haben.

"Entweder Abstriche machen bei der Romantik oder aber einen Mann akzeptieren, der zum Repräsentieren nicht taugt, der auf Partys weder die richtigen Witze reißt noch einen tollen Job vorweisen kann - das dürfte vielen Frauen zu sehr nach »Notlösung« klingen. Man kann es aber auch pragmatischer sehen",

z.B. wie Kim CATRALL, bekannt aus Sex and the City, meint DRIBBUSCH. 

LEVECKE, Bettina (2008): Die Frauen-Falle.
Hübsch, klug, aber Single: Warum fällt es vielen erfolgreichen Frauen so schwer, einen Partner zu finden?
in: Welt v.  26.07.

Kein Thema wird in der Welt so stupid wiederholt wie jenes von der Karrierefrau, die keinen abkriegt. Das Geheimnis lüftet sich, wenn man die Platzierung des Artikels betrachtet. Er befindet sich genau über den Kleinanzeigen, in denen Karrierefrauen von diversen Partnervermittlungen umworben werden. Dagegen wird das Problem von Männern, die keine Partnerinnen abkriegen, vernachlässigt. Sie können sich solche Dienste meist nicht leisten...

NOLLMANN, Gerd & Hermann STRASSER (2008): Gleich und gleich gesellt sich gern.
Die wachsende Ungleichheit ist nicht Folge der Globalisierung, sondern der Bildungsexpansion, der Dienstleistungsgesellschaft - und des Heiratsmarktes,
in: Welt v. 12.09.

SZ-MAGAZIN: Einsame Spitze.
Warum finden erfolgreiche Frauen so selten ebenbürtige Männer? Ein Frauenheft

HAAS, Michaela (2009): Warum findet sie ihn nicht?
in:
SZ-Magazin Nr.13 v. 27.03.

Michaela HAAS sorgt sich um Frauen, die 1 Million im Jahr verdienen und keinen Mann abbekommen. Das männliche Gegenstück waren vor zwei Wochen die Muttersucher.

WELTWOCHE-Titelgeschichte: Erfolgreich, schön, einsam.
Wenn intelligente, attraktive Frauen keine Männer finden

ALTHAUS, Nicole & Bettina WEBER (2009): Weiblich, schön, erfolgreich sucht...
Gutausgebildete Frauen zwischen 30 und 45 haben es zusehens schwer, einen Partner zu finden. Während eine Karriere Männer attraktiver macht, scheint bei Frauen das Gegenteil einzutreten. Die Emanzipation erweist sich als Bumerang,
in:
Weltwoche Nr.22 v. 28.05.

BAUREITHEL, Ulrike (2008): Heirat "nach oben"? Nein danke.
Jutta Allmendinger über toughe Mädchen und vernachlässigte Jungen, Bildungsmisere und Dienstleistungsgesellschaft,
in: Freitag Nr.23 v. 06.06.

SIEMS, Dorothea (2009): "Frauen tun sich schwer bei der Partnersuche."
Arbeitsmarktforscherin Jutta Allmendinger über unerfüllte Kinderwünsche von Akademikerinnen,
in: Welt
v. 03.08.

WEIGUNY, Bettina (2009): Schön, erfolgreich und ohne Mann.
Wenn Männer Karriere machen, sind sie sexy. Steigen Frauen auf, bleiben sie allein. Es gibt zu wenig interessante Partner mit passendem Status,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.09.

STÜRMER, Michael (2010): Die Einsamkeit der Karrierefrau.
Warum so viele Akademikerinnen keinen Partner finden,
in: Welt v. 30.01.

SCHAAF, Julia (2010): Der kleine Haken der Emanzipation.
Karrierefrauen jenseits der dreißig finden oft keinen ebenbürtigen Partner. Gutverdienende Männer in ihrem Alter sind meist schon vergeben. Fachleute empfehlen: Dating down. Aber so einfach ist es nicht. Schon das erste Rendezvous kann ernüchtern,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.11.

EUL, Alexandra  (2011): Auf ihn reinfallen?
Die Autorin verzichtet lieber auf das Objekt ihrer Begierde. Denn Frauen mit Verstand und Bewusstsein sind nicht angesagt auf dem Pärchen-Markt. Oder? Alexandra Eul, 30, hat herausgefunden, dass die armen Männer noch viel einsamer sind: Nämlich doppelt so häufig Single, wenn sie zwischen 25 und 45 und Akademiker sind,
in: Emma,
Frühjahr

Alexandra EUL, beim Lifestyle-Magazin Neon für die monatlichen ehrlichen Kontaktanzeigen zuständig, versucht mittels der amtlichen Statistiken verzweifelt zu belegen, dass eher Männer als Frauen im Alter zwischen 25 und 45 Grund zur Sorge haben müssten, keine(n) abzukriegen. Amtliche Statistiken sind jedoch nicht in der Lage Partnerlosigkeit  zu erfassen. Zudem werden einige Behauptungen aufgestellt, die so nicht stimmen.

"Sozialwissenschaftler haben herausgefunden, dass gerade die gut ausgebildeten Frauen, die Akademikerinnen, die Karrierefrauen ab 30 neben Hartz-IV-Empfängern die Liebesladenhüter sind. In der Regel steht gar nicht mehr daneben, wer genau diese »Sozialwissenschaftler« eigentlich sind und wen sie befragt haben. Warum auch, die These ist schließlich griffig."

Man kann genau nachvollziehen, wer diese Thesen in Deutschland in Umlauf gebracht hat: Es war der Soziologe Hans-Peter BLOSSFELD und seine Mitarbeiter, die zuerst Untersuchungen im Milieu der Studenten/Akademiker durchführten und inzwischen ihre Thesen mittels Dating-Seiten weiter zu untermauern versuchen. Im Zuge der Debatte um die neue Bürgerlichkeit erhielten die Thesen auch in den Medien vermehrt Aufmerksamkeit. Danach kamen Therapeuten wie Stefan WOINOFF, die sich ein neues Klientel zu erschließen versuchen.

"Übrigens, auch das steht in den sozialwissenschaftlichen Studien, aber nicht in den Zeitungen: So wie Frauen dazu tendieren, sich keinen Mann zu suchen, der ihnen in Sachen Geld oder Bildung unterlegen ist, neigen Männer dazu, »Frauen mit höherem Bildungsgrad systematisch abzulehnen.«"

Aktuelle Studien zum Datingverhalten - auch aus dem Umfeld von Hans-Peter BLOSSFELD - deuten darauf hin, dass Frauen viel mehr Wert auf einen Partner mit gleicher oder höherer Bildung   legen als Männer. Keineswegs ist es so, dass generell von Männern Frauen mit höherem Bildungsgrad systematisch abgelehnt werden. Eher ist es eine Frage der Zugehörigkeit zu traditionellen oder modernen Milieus. Wer eine Hausfrau sucht, der wird sich nicht auf eine Karrierefrau einlassen.
            
Zum Schluss geht EUL noch auf den Spiegel-Titel vom 8. November 2010 ein, wonach der Feminismus schuld an der Beziehungsmisere sei. Auch die Zeugungsfähigkeit von Männern im höheren Alter wird in Frage gestellt, wodurch das Ticken der biologischen Uhr bei Frauen relativiert werden soll. So ganz gelingt das jedoch nicht:

"Ich kenne einige Frauen, deren größte Sorge (...) diese ist: Was ist, wenn ich übrig bleibe? Wenn am Ende alle meine Freunde, männlich wie weiblich, mit ihren Kleinfamilien beschäftigt sind? »Davor habe ich mehr Angst, als selbst keine Kinder zu bekommen«, sagte letztens eine zu mir."

Um der "Single-Falle" zu entkommen, heißt es für Frauen selbst aktiver zu werden.

HAGELÜKEN, Alexander (2014): Heiraten zementiert soziale Spaltung.
Früher war das so: Die Hälfte der deutschen Männer heiratete in eine untere Einkommens- und Bildungsschicht. Heute hingegen haben immer mehr Menschen einen Partner mit ähnlichem Job und ähnlich viel Geld. Das verschärft soziale Ungleichheit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.01.

Alexander HAGELÜKEN berichtet anlässlich der Studie Marry your like über die Zunahme bildungsgleicher Paare, die zur Verschärfung sozialer Ungleichheit führt:

"80 Prozent der deutschen Paare haben inzwischen ähnliche Berufe und ein ähnliches Bildungsniveau, stellt der Soziologe Hans-Peter Blossfeld von der Universität Bamberg fest. Die Veränderungen bei der Partnerwahl sind in den Vereinigten Staaten ebenso zu beobachten, schreiben Jeremy Greenwood und drei Kollegen in ihrem Papier »Marry your like«: Amerikaner heiraten stärker in ihrer Schicht als in den Sechziger Jahren. Und das habe direkte Folgen dafür, wie sehr die Gesellschaft beim Geld auseinanderklafft."

SCHIPPER, Lena (2014): Über das Paarungsverhalten betuchter Großstädter.
Früher heiratete der Chef die Sekretärin, heute nimmt er eine Frau, die genauso viel verdient wie er. Ist die Liebe der wahre Grund für die gesellschaftliche Ungleichheit?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.02.

ZEIT-Thema: Der Preis der Liebe.
Welche Macht das Geld über Beziehungen hat

KOWITZ, Dorit & Elisabeth NIEJAHR (2014): Geliebter Konkurrent.
Von wegen Romantik - wie die Ökonomie unsere Partnerwahl prägt,
in:
Die ZEIT Nr.13 v. 20.03.

"Arbeitslose Männer blieben oft allein. Und die einsame Karrierefrau war noch vor zehn Jahren ein bedauernswerter Prototyp in Filmen und Fernsehserien, verkörpert zum Beispiel durch Miranda, die rothaarige Anwältin aus Sex and the City (...). Frauen in Führungspositionen, das zeigt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, leben doppelt so oft allein wie Männer. Doch das wird sich ändern.
Inzwischen nämlich ticken zumindest die jungen Männer anders. Das zeigte eine Untersuchung von Jutta Allmendinger",

erklären uns Dorit KOWITZ & Elisabeth NIEJAHR. Die Autorinnen verwechseln zum einen Alleinleben mit Partnerlosigkeit, denn gerade Frauen in Führungspositionen haben nicht unbedingt einen gemeinsamen Haushalt mit ihrem Partner. Zum anderen fehlen Altersangaben, denn Männer leben eher im jüngeren Alter und Frauen eher im Alter allein. Die Studie des BIB auf die die Autorinnen verweisen ist im Internet zumindest nicht aufzufinden. Einzig das Statistische Bundesamt liefert Daten zu alleinlebenden Frauen in Führungspositionen, die aus dem Jahr 2011 stammen. Weil offenbar die Datenlage dürftig ist, setzen die Autorinnen auf das gesellschaftliche Stereotyp der einsamen Karrierefrau, das insbesondere die ehemalige ZEIT-Redakteurin Susanne GASCHKE beschworen hat.

KOWITZ & NIEJAHR gehen davon aus, dass das "Aschenputtel-Modell" (Aufstieg durch Heirat) à la Friede SPRINGER, Liz MOHN und Ulla BERKÉWITZ (Männerdämmerung witterte gar Frank SCHIRRMACHER vor über einem Jahrzehnt) durch das Partnerwahlprinzip der Bildungshomogamie abgelöst wird. Dieses ist im individualisierten Akademikermilieu dominant und hat seinen viel beachteten Ausdruck in Doppelkarriere-Paaren wie Bill und Hillary CLINTON gefunden. Wird aber tatsächlich das eine vom anderen Prinzip abgelöst oder ist das "Aschenputtel-Modell" nicht eher ein Oberschichten-Modell, während das Akademikermilieu eher in der oberen Mittelschicht beheimatet ist? Hinzu kommt, dass Bildungshomogamie ja keineswegs gleicher sozioökonomischer Status bedeutet - schon gar nicht in Zeiten der Statusinkonsistenz. Und welche Rolle spielt "Statuspanik" (Heinz BUDE) bzw. die Angst vor dem Abstieg? Stattdessen neubürgerliches Distinktionsgehabe:

"Für die Bezieher mittlerer und höherer Einkommen gehen die Scheidungsraten in den USA seit den siebziger Jahren zurück. Mehrfachtrennungen gelten als Problem der Unterschicht."

Die Soziologin Cornelia KOPPETSCH spricht deshalb von der Wiederkehr der Konformität. Selbstoptimierung ist gemäß KOPPETSCH keine generelle Strategie wie KOWITZ & NIEJAHR suggerieren, sondern vor allem in der neuen Mittelschicht verbreitet.

Was die Unterscheidung zwischen "Fusionspaaren" und "Assoziationspaaren" von Norbert F. SCHNEIDER betrifft, so ist ersteres eine Etikette für das "symbiotische Paar", während Letzteres als "individualisiertes Paar" bezeichnet wird.    

Fazit: Der Artikel ist eher oberflächlich und bleibt dem eigenen gut situierten  Akademikermilieu verhaftet, wobei Ambivalenzen ausgeblendet werden.

 
   

Hans-Peter Blossfeld in den Medien

FABIANEK, Birgit-Sara (2002): Die Pflege wird zum Fall für Frauen.
Viele geben für Angehörige ihren Beruf auf
in: Frankfurter Rundschau v. 07.05.

FABIANEK berichtet über die Studie Pflegebedürftige Personen im Haushalt und das Erwerbsverhalten verheirateter Frauen von Hans-Peter BLOSSFELD und Sonja DROBNIC, die auf repräsentativen Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) basiert und in der Zeitschrift für Soziologie erschienen ist. Die Pflege älterer Familienangehöriger war traditionell die Aufgabe der Töchter und ist es weiterhin. Für die USA wies Kathrine R. ALLEN nach, dass Töchter aus Arbeiterfamilien oftmals ehelos blieben, weil sie Familienangehörige pflegen mussten. Pagan KENNEDY hat in ihrem Buch Späte Mädchen den Bruch mit dieser Tradition der "alten Jungfer" thematisiert. Warum BLOSSFELD & DROBNIC ihre Studie auf verheiratete Frauen beschränkt haben, ist deshalb nicht unbedingt nachvollziehbar.

MEISE, Sylvia (2005): Wie viel Globalisierung verträgt der Mensch?
Die Globalisierung wird von Politik und Wirtschaft für vieles verantwortlich gemacht. Doch hat sie auch Auswirkungen auf die persönliche Lebensplanung der Menschen? Eine internationale Studie ist dieser Frage nachgegangen,
in: Psychologie Heute, Nr.12, Dezember

Silvia MEISE berichtet über die Studie Globalife unter der Leitung des Bamberger Soziologen Hans-Peter BOSSFELD.  Die empirischen Lebensverlaufsforschung widerlegt die Annahme nationalkonservativer Bevölkerungswissenschaftler, dass der Familienbildungsprozess aufgrund des Werteverfalls oder der Ichsucht behindert wird:

"Nicht unsoziale Selbstsucht verhindert die Bereitschaft, sich zu binden, sondern vernünftiger Selbstschutz."

Gerade für junge Berufseinsteiger gilt:

"Private Wünsche und die Anforderungen der Arbeits- und Wirtschaftswelt sind kaum noch vereinbar."

 
   

Hans-Peter Blossfeld im WWW

http://www.soziologie-blossfeld.de

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 02. März 2004
Update: 27. September 2015