"This is
the first cross-national study of the educational system as an
increasingly important marriage market. Educational expansion
and the rising educational participation of women have increased
the rate of "assortative meeting" and "assortative mating"
across birth cohorts. The book shows that social inequality is
growing because increasingly better (and worse) educated single
men and women pool their economic and cultural advantages (and
disadvantages) within couples. It demonstrates that there has
been an increasing closure of social structure and social
networks as an unintended consequence of educational expansion.
The book is theoretically driven and combines demographic and
sociological approaches with rational choice theory to explain
assortative mating. Using life-history data from a broad range
of industrialized countries and longitudinal statistical models,
the book analyzes the process of spouse selection in the life
courses of single men and women. The countries included vary
widely in important characteristics such as demographic behavior
and institutional characteristics. The life course approach
explicitly recognizes the dynamic nature of partner decisions,
the importance of educational roles and institutional
circumstances as young men and women move through their life
paths, and the accumulation of advantages and disadvantages
experienced by individuals.
Who Marries Whom is of interest to sociologists, demographers,
economists and students of social structure, social inequality,
social and demographic change."
Zusammenfassung der Ergebnisse:
Zielsetzung und Gegenstand der Studie
"In
einer gerade veröffentlichten international vergleichenden
Studie, die von Professor Dr. Hans-Peter Blossfeld (Universität
Bamberg) und Dr. Andreas Timm (Universität Bremen) geleitet
wurde, ist die Rolle des Bildungssystems als Heiratsmarkt in
dreizehn Ländern genauer untersucht worden. Zu den einbezogenen
Ländern gehören Deutschland, Belgien, Frankreich, die
Niederlande, Italien, Spanien, Großbritannien, die Vereinigten
Staaten von Amerika, Dänemark, Schweden, Ungarn, Slowenien und
Israel. Auf der Grundlage von Längsschnittdaten wurden in diesen
Ländern jeweils die Prozesse der Partnerwahl im Lebenslauf von
ledigen Männern und Frauen Schritt für Schritt nachgezeichnet
und im Generationenverlauf analysiert. In den Untersuchungen
wurde insbesondere Wert gelegt auf die Nachzeichnung der
dynamischen Natur der Partnerentscheidungen, die Bedeutung der
Bildungsbeteiligung für die Partnerwahl und die durch die
Paarbildung ergebende Kumulation von Vorteilen und
Benachteiligungen im Lebenslauf."
Steigende Bildungshomogamie im intergenerationellen Vergleich
"Die Studie
zeigt klar, dass in den letzten 50 Jahren in den meisten
modernen Gesellschaften das Bildungssystem zu einem immer
wichtigeren Partnermarkt geworden ist und dass damit die
Bildungshomogamie über die Generationen deutlich angestiegen
ist.
Aus der Sicht
des Lebenslaufs bedeutet Bildungshomogamie zunächst, dass sich
die bisher im Lebenslauf individuell erfahrenen
Benachteiligungen und Bevorzugungen durch Heirat noch einmal
vergrößern, weil dann die Hochqualifizierten hochqualifizierte
Partner und die Wenigqualifizierten wenigqualifizierte Partner
heiraten."
Wachsende soziale Ungleichheit durch Bildungshomogamie
"Da Bildung
in nachindustriellen Gesellschaften ein zentraler Faktor für den
Berufserfolg (den sozialen Status, das Einkommen, die
Klassenlage und die Mobilitätschancen) ist, bedeutet steigende
Bildungshomogamie über die Generationen, dass es im Prozess der
Paarbildung zu einer wachsenden Kumulation sozialer
Ungleichheiten, zur Schließung sozialer Kreise und indirekt zu
einer Vergrößerung der sozialen und ökonomischen Unterschiede
kommt, unter denen dann die jeweils nächste Generation der
Kinder aufwächst. Mit anderen Worten, in den meisten
Industrieländern hat sich im Zuge der Bildungsexpansion und der
Abnahme geschlechtsspezifischer Bildungsungleichheiten -
gleichsam hinter dem Rücken der Individuen und völlig ungeplant
- die soziale Ungleichheit verstärkt."
Empirische Widerlegung der Individualisierungsthese
"Die
Ergebnisse widersprechen insbesondere der Modernisierungs- und
der Individualisierungstheorie, die davon ausgehen, dass sich
die sozialen Ungleichheiten in der nachindustriellen
Gesellschaft immer mehr auflösen. Stattdessen zeigt sich, dass
es im Zuge der Bildungsexpansion sowohl zu einem Abbau sozialer
Strukturierungen (z. B. hinsichtlich der Angleichung der
geschlechtsspezifischen Bildungschancen) kommt, als auch zu
neuen Strukturbildungen, die die soziale Ungleichheit an anderer
Stelle verstärken. Man kann auch sagen, dass
Individualisierungsprozesse an anderer Stelle mit
Neustrukturierungsprozessen einhergehen."
Die
Ursachen der steigenden Bildungshomogamie
"Wie lässt
sich die steigende Bildungshomogamie über die Kohorten hinweg
erklären und verstehen? Partner- und Heiratsentscheidungen sind
zunächst das Ergebnis eines langfristigen, kumulativen
Lebenslaufprozesses. Die Grundlagen für diese Entscheidungen
werden bereits in der Herkunftsfamilie gelegt und die
Entscheidungskontexte verzweigen sich dann Schritt für Schritt
während der Bildungs- und Berufskarriere. Im Lebenslauf ist
dieser Prozess mit einer kontinuierlichen Restrukturierung der
sozialen Netzwerke und der Interaktionsbeziehungen verbunden. Da
die Partner- und Heiratsentscheidungen vor allem in der
Übergangsphase vom Jugendlichen zum Erwachsenen getroffen
werden, werden sie auch durch die Struktur des Bildungssystems
maßgeblich beeinflusst."
Der
Einfluss des Bildungssystems auf den Prozess der Partnerwahl
"Vor diesem
Hintergrund hat das Bildungssystem drei wichtige Konsequenzen
für den Prozess der Partnerwahl: (1) Da der Ausbildungsprozess
eine Abfolge von Hürden ist, scheiden die Wenigerqualifizierten
jedes Geburtsjahrgangs früher aus dem Qualifikationsprozess aus.
(2) Für die im Bildungssystem verbleibenden Männer und Frauen
erhöhen sich damit die Kontaktchancen zu Gleichqualifizierten
mit zunehmendem Bildungsniveau (...). (3) Da die Ausbildung in
der Regel mit ökonomischer Abhängigkeit der Schüler und
Studenten (von den Eltern oder dem Staat) verbunden ist, sind
diese während der Ausbildung in der Regel nicht zur Heirat
bereit. Die jeweils in der Ausbildung Befindlichen schieben
deswegen häufig ihre Heiratsentscheidung bis zum Abschluss der
Ausbildung auf. (4) Der Ausbildungsabschluss ist deswegen auch
häufig eine wichtige Bedingung für die Heiratsentscheidung und
die Absolventen treffen diese Entscheidungen dann in um so
kürzerer Zeit nach Abschluss der Ausbildung, je länger sie diese
jeweils im Bildungssystem aufgeschoben haben. (5) Das frühere
Eintreten der Wenigerqualifizierten in den Arbeitsprozess ist
schließlich mit einem früheren Anstieg von Kontakthäufigkeiten
zu Personen mit heterogenen Merkmalen wie Alter, Beruf oder
Bildung verbunden, so dass die Homogamieneigung bei geringerem
Ausbildungsniveau niedriger ist."
Die
geschlechtsspezifischen Konsequenzen des Wandels von der Allein-
zur Doppelverdienerehe
"Die Studie von Blossfeld
und Timm hat (...) insbesondere geschlechtsspezifische
Präferenzen in Bezug auf das Bildungsniveau der Partner
betrachtet. (...).
Bei traditioneller
geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung in der Familie und auf
dem Arbeitsmarkt, wie sie bei den älteren Kohorten der Studie
von Blossfeld und Timm noch ausgeprägt war, entsteht (...) eine
wechselseitige Abhängigkeit zwischen den Geschlechtern und die
Orientierungen von Männern und Frauen unterscheiden sich in
Bezug auf die Bildung beträchtlich."
Das
traditionelle Heiratsverhalten: Aufwärtsheirat der Frau und
Abwärtsheirat des Mannes
"Da sich das
Haushaltseinkommen und der Status der traditionellen Familie (z.
B. in den 60er Jahren) vor allem über das Erwerbseinkommen des
Mannes bestimmte, haben Frauen Männer mit einer guten Ausbildung
und damit hohem Einkommenspotential bevorzugt. Das Interesse der
Frauen hinsichtlich des Bildungsniveaus der Männer war damit
strukturell eindeutig.
Bei den traditionellen
Männern war das allerdings nicht so klar. Die Präferenzen sind
hier eher doppeldeutig. Zum einen ziehen traditionelle Männer
dann von ihrer Partnerin die größten Vorteile, wenn ihnen diese
möglichst ähnlich ist; andererseits sind sie wegen der
komplementären geschlechtsspezifischen Rollenstruktur aber auch
an Frauen interessiert, die nicht zu viel in ihre eigene
Karriere und damit in ihre marktmäßig verwertbare Ausbildung
investieren. Mit anderen Worten, die Ausbildung der Frauen ist
für traditionelle Männer erstens von geringerer Bedeutung und
zweitens, wenn Ausbildungsfragen ins Spiel kommen, präferieren
traditionelle Männer möglichst gleichqualifizierte Frauen mit
geringer Erwerbsorientierung.
Da in einem solchen
traditionellen Regime (wie etwa in den 60er Jahren) die Frauen
andere Lebenspläne haben als Männer und durchschnittlich weniger
in ihre Bildung investieren als diese, werden die Frauen rein
strukturell häufiger nach oben und die Männer rein strukturell
häufiger nach unten heiraten müssen.
Bei den älteren
Geburtsjahrgängen zeigt sich diese traditionelle Aufwärtsheirat
der Frauen in der Studie von Blossfeld und Timm in allen Ländern
zunächst sehr deutlich. Im Kohortenverlauf schwächt sich diese
Tendenz dann aber rasch ab, da die lebenslange marktvermittelte
Erwerbsarbeit zunehmend zu einem zentralen Bestandteil der
Lebenskonzeption der (Ehe)Frauen wird. Dieser Wandel bewirkt
nicht nur, dass der Ausbildungsprozess im Leben jeder jüngeren
Generation von Frauen zunehmend wichtiger wird - mit all seinen
Konsequenzen für die strukturelle Chance gleichqualifizierte
Partner zu treffen. Er verändert auch das Entscheidungskalkül
jeder jüngeren Generation von Männern. Denn bei moderner
geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung bestimmt sich das
Haushaltseinkommen (und der „Lifestyle“ der Familie) zunehmend
auch über die Erwerbstätigkeit der Frauen. Das heißt, die Frauen
übernehmen zunehmend einen Teil der Ernährerrolle und die
Bildung beider Partner ist für den sozialen Status junger Paare
zunehmend wichtig."
Die
Zunahme der allein stehenden Frauen als Konsequenz der
gewünschten Aufwärtsheirat bei jungen Frauen
"Junge Frauen präferieren
(...) noch immer Männer mit möglichst hoher oder zumindest
gleicher Bildung (und das erklärt in der Studie von Blossfeld
und Timm bei jungen Frauen in allen Ländern die noch immer
relativ geringe Neigung einen geringer gebildeten Mann als
Partner zu wählen bzw. einen geringer gebildeten Partner zu
heiraten). Bei den jungen Frauen tritt mit zunehmender Bildung
deswegen ein gewisser »Ceiling Effekt« ein und ihr »Heiratspool«
wird mit zunehmender Bildung immer kleiner. Insbesondere
gebildete Frauen bleiben somit, falls sie keinen gleich- oder
besserqualifizierten Mann finden, lieber alleinstehend. Unter
den qualifizierten Frauen steigt deswegen die Quote der
Alleinstehenden rasch über die Kohorten an."
Abnahme der Abwärtsheirat bei jungen Männern
"Aber auch junge Männer
bevorzugen jetzt zunehmend Frauen mit möglichst hoher Bildung
(und Einkommen) und dies erklärt die starke Abnahme des Anteils
der jeweils jüngeren Männer, die noch nach unten heiraten
(obwohl es für diese Männer noch immer sozial akzeptabel und
»normal« ist, auch nach unten zu heiraten)."
Geringe Heiratschancen von unqualifizierten Männern
"Vor allem unqualifizierte
Männer sind aber unattraktive Heiratspartner und sind deswegen
zunehmend unter den Alleinstehenden zu finden."
Bildungsexpansion und Präferenzwandel im Übergang von der
Alleinverdiener- zur Doppelverdienerehe als Faktoren, die
Bildungshomogamie begünstigen
"In der Konkurrenz um
möglichst attraktive Partner kommt es dann bei Männern und
Frauen zu einem Konkurrenz- und Sortierungsprozess von oben nach
unten, mit dem Ergebnis, dass sich vor allem die
Gleichqualifizierten finden. Das heißt, nicht nur die im Zuge
der Bildungsexpansion verbesserten Kontaktchancen zu
gleichqualifizierten Partnern begünstigt die Bildungshomogamie,
sondern auch der Wandel der Präferenzen im Zuge des Übergangs
von der Alleinverdienerehe zur Doppelverdienerehe."
Der
Einfluss der Herkunftsfamilie auf die Ehepartnerwahl
"Nicht wenige Männer und
Frauen steigen (...) gegenüber ihrer Herkunftsfamilie
bildungsmäßig auf (oder ab) und korrigieren diesen
Bildungsaufstieg (-abstieg) durch eine Abstiegs-
(Aufstiegsheirat) wieder. Das gelingt diesen Bildungsauf- und
-absteigern deswegen sehr häufig, weil sie neben ihren
Kontaktnetzen im Bildungssystem noch auf die Kontaktnetze ihrer
Herkunftsfamilie zurückgreifen können.
Das heißt, neben dem
Heiratsmarkt »Bildungssystem« bleiben noch soziale Netzwerke
wichtig, die sich über die Familie vermitteln."
Nichteheliche Lebensgemeinschaften und der Einfluss der
Bildungshomogamie auf die Scheidungsraten
"Man könnte gegen die
Untersuchung von Blossfeld und Timm einwenden, dass die Männer
und Frauen heute zunehmend in nichtehelichen Gemeinschaften
leben, insgesamt weniger heiraten und sich mehr scheiden lassen
als früher. Das ist richtig, aber die in dieser Studie
berichteten Ergebnisse ändern sich durch diese Veränderungen
nicht grundsätzlich, denn:
(1) es zeigt sich, dass auch nichteheliche Partnerschaften hoch
bildungshomogam sind;
(2) es verstärkt sich der Selektionsprozess im stufenweisen
Prozess von »ledig« über die »nichteheliche Gemeinschaft« zur
»Ehe« sogar noch, weil sich bildungsungleiche Paare rascher und
häufiger trennen. Das heißt, nichteheliche Lebensgemeinschaften
stellen sozialstrukturell sogar einen zusätzlichen Filter dar
(darüber hinaus ist zu bemerken, dass noch immer weit mehr als
80-85 Prozent eines Geburtsjahrgangs bis zur Mitte ihres 3.
Lebensjahrzehnts zumindest ein Mal heiraten).
(3) schließlich zeigen die Untersuchungen von Blossfeld und
Müller auch, dass die Scheidungsneigung bei bildungshomogamen
Paaren niedriger ist. Die höchste Scheidungsneigung haben Paare,
bei denen die Frauen einen weniger qualifizierten Partner
geheiratet haben. Sie verstoßen gegen die soziale Norm und
müssen sich mit einer kritischeren Umwelt auseinander setzen."