Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einführung
Teil I: Ökonomie der Marke
Eine kurze Geschichte der Marke
Die Wissenschaft vom Markenwesen
Die Entdeckung des Verbrauchers
Teil II: Soziologie der Marke
Marktwirtschaft und Markt
Werbung und Marke
Produkt und Marke
Konsum und Marke
Milieu und Marke
Gesellschaftliche Differenzierung und soziale
Ungleichheit
Milieus, Szenen, Medien
Sozialisation durch Massenmedien
Die Magie der Marke
Der Systembegriff in der Markenforschung
Die Marke als System und das System der Marken
Nachwort
Zitate:
Helmut Schelsky,
Ulrich Beck und die nivellierte
Mittelstandsgesellschaft
"Schelskys Überlegungen blieben zwar nicht ohne
Resonanz, letztlich waren sie ihrer Zeit aber
voraus. Erst mit dem Vortrag »Jenseits von Stand und
Klasse? Soziale Ungleichheiten, gesellschaftliche
Individualisierungsprozesse und die Entstehung neuer
sozialer Formationen und Identitäten«, den Ulrich
Beck auf dem Soziologentag 1983 hielt, kam die
Überlegung der Auflösung der strikt hierarchisch
aufgebauten Klassengesellschaft - 30 Jahre nach
Schelsky - erneut auf die Agenda der Soziologie
sozialer Ungleichheit und hat sich dort bis heute an
vorderster Stelle fest etabliert.
(...).
Wenn man (...) davon ausgeht, daß sich die moderne
Gesellschaft in erster Linie über das Formprinzip
»funktionale Differenzierung« definiert, wofür sich
schon Schelsky ausgesprochen hatte, dann wird
soziale Ungleichheit zwar nicht verschwinden, aber
ins zweite Glied zurücktreten." (S.396f.)
Die Bedeutsamkeit
von Gerhard Schulze: Die »Erlebnisgesellschaft« mit
ihren sozialen Milieus als kommunikative
Lebenszusammenhänge
"Prominenz erlangte der Milieubegriff wohl erst 1992
mit der Studie »Erlebnisgesellschaft« von Gerhard
Schulze. In dieser Arbeit unternimmt Schulze den
Versuch, die Beschreibung sozialer Ungleichheit auf
der gesellschaftlichen Ebene ausschließlich anhand
des Milieubegriffs vorzunehmen, wobei er das
theoretische Fundament des Milieubegriffs so tief
liegt, daß selbst die Begriffe »Schicht« und
»Klasse« noch als Sonderformen sozialer Milieus
erscheinen (...). Insofern eröffnet Schulze mit
seiner »Erlebnisgesellschaft« die Chance für einen
Neuanfang der Soziologie sozialer Ungleichheit, weil
sein Milieumodell als einheitliche Theorie zur
Analyse von Ungleichheitsstrukturen jeder Art
geeignet erscheint. Schulzes Milieumodell ist ferner
so bedeutsam, weil er Milieus (...) als
kommunikative Lebenszusammenhänge beschreibt." (S.
410)
Arnold Gehlen und
die Entlastungsfunktion von Marken
Die "Wirkung von Marken (beschränkt sich) nicht bloß
auf die Erleichterung der Organisation des Alltags
im Sinne des Convenience-Gedankens (ready to
live)(...). Vielmehr zielen Marken auf eine
Anregung, Vorspiegelung, ja Vorgabe von
Erlebnismöglichkeiten, die sogar die Chance zur
Gemeinschaftsbildung eröffnen. In der Tendenz laufen
diese Ausführungen darauf hinaus, daß Marken etwas
bewirken, was Arnold Gehlen »Magie« nannte, nämlich
den Effekt der Gruppenbildung und Vergemeinschaftung."
(S.427)
Empiriedefizit:
Insiderberichte von Illies, Beigbeder, Bret Easton
Ellis und David Brooks als Darstellung des
Zusammenhangs
"Es fehlt empirische Sozialforschung, was die
Prüfung dieses Zusammenhangs von Lebensführung und
Markenwerbung betrifft (...).
(Der) Erkenntnisstand mit Bezug auf Erwachsene
(beschränkt sich) überwiegend auf literarische
Insiderberichte in der Tradition - nicht Qualität -
der Milieustudien von Honoré de Balzac. Hierzu sind
etwas die Inspektion der »Generation Golf« von
Florian Illies (2000), die Realsatire »Neununddreißigneunzig«
von Frédéric Beigbeder (2001) oder der Roman
»American Psycho« von Bret Easton Ellis (2002) zu
zählen, der im Wall Street-Milieu in New York der
achtziger Jahre spielt (...).
Dieses Problem mangelnder Forschung trifft sogar für
die »Vivisektion« (Tom Wolfe) von David Brooks
Darstellung »Die Bobos« zu, in denen ein reales
Milieu beschrieben wird, dem der Autor selbst
angehört und das wie der relevante Personenkreis in
»American Psycho« über enorme finanzielle Ressourcen
verfügt, weshalb man sich einen Lebensstil leisten
kann, der nahezu ausschließlich auf Marken
zurückgreift, die ihren für die meisten
erschwinglichen Preis haben. (...). Altersmäßig
handelt es sich um die Jahrgänge 1955 bis 1965. Alle
Personen, Männer wie Frauen, haben eine erstklassige
Ausbildung genossen und üben hochdotierte
Tätigkeiten als Anwälte, Designer, Kommunikatins-
und IT-Experten aus." (S.428f.)