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- TROTHA, Trutz von (1990): Zum Wandel der
Familien,
in: Kölner Zeitschrift für Soziologe und Sozialpsychologie,
S.452-473
- TROTHA, Trutz von (1994): Pluralisierung
familialer Lebenswelten? Einleitung
in: Soziologische Revue, Sonderheft 3 "Soziologie familialer
Lebenswelten", S.55-60
- Inhalt:
Trutz von TROTHA kritisiert die Provinzialität
der deutschen familiensoziologischen Debatte:
"Kulturpessimisten und
Modernisten setzen (...) in gleicher Weise voraus, daß die mobile,
egalitäre
Marktgesellschaft, deren Grundfigur angeblich der Alleinstehende ist,
nicht nur mit der Konstanz und der gemeinschaftlichen Ordnung der
Familie unvereinbar ist, sondern daß die Grundsätze der
Marktgesellschaft sich bis in die Familie hinein durchsetzen - als
ob es auf der Welt nicht ganz andere Beispiele wie
Japan und die
ökonomisch aufsteigenden südostasiatischen Staaten oder selbst die
außerordentliche Variationsbreite zwischen den und innerhalb der
westlichen Industriestaaten gäbe. Im Fehlen des Blicks auf Kulturen
jenseits des hochindustrialisierten Okzidents zeigt sich die
soziologische Provinzialität dieser Debatte und die Gefahr, daß sie
kapitalen Fehleinschätzungen unterliegt."
- TROTHA, Trutz von
(2007): Wie machen die das bloß, die Gallierinnen?
in: Frankfurter Rundschau v. 06.03.
- Exklusiv-Story von
single-dasein.de:
Frankreich gilt seit kurzem als
familienpolitisches Vorbild. Im
aktuellen Heft des Nouvel Observateur
wird Frankreich als Europameister gefeiert.
Vergessen ist
mittlerweile, dass die Franzosen noch Ende der 90er Jahre in
Europa als bevölkerungspolitische Blindgänger galten.
Der französische Journalist Jean-Claude GUILLEBAUD geißelte z.B.
noch 1998 in seinem Buch
"Die Tyrannei der
Lust", den Lebensstilpluralismus und forderte aus
bevölkerungspolitischen Gründen die Rückkehr zur klassischen
Familie.
Genauso wie in Deutschland, speist sich auch in Frankreich das
bevölkerungspolitische Herzblut aus der Ex-Linken, die - aus Sicht
der
angegriffenen Poplinken (für Deutschland siehe z.B.
Mark TERKESSIDIS) - zu "neuen Reaktionären" mutiert sind.
Norbert BOLZ ist hierzulande nur die Spitze eines Eisbergs, der
sein wahres Ausmaß in den nächsten Jahren zeigen wird.
Es dürfte auch kein Zufall sein, dass Jean-Claude GUILLEBAUD einer
der Gewährsmänner von Ariadne von SCHIRACH ist, die mit ihrem
gerade erschienenen Buch
"Tanz
um die Lust" sozusagen die deutsche Version der Tyrannei
der Lust verfasst hat.
Der Soziologe Trutz von
TROTHA meint nun in der unterschiedlichen Familienkultur den
Schlüssel zum Verständnis der unterschiedlichen französischen und
deutschen Geburtenentwicklung gefunden zu haben:
"Was macht Frankreich so exzeptionell? Seit längerer Zeit schon
besitzt das Hexagon all die Einrichtungen, die der
wohlfahrtsstaatliche Diskurs einfordert, und die darauf gerichtet
sind, Eltern-, sprich, Mutterrolle und Erwerbsarbeit zu
vereinbaren. Aber anders als die deutsche Debatte unterstellt, ist
dieses institutionelle Instrumentarium selbst wiederum nur der
Ausdruck eines Zusammenhangs, der der Schlüssel für die
demographische Entwicklung ist: eine starke Familienkultur, die
jedoch anders als in Deutschland weniger kindzentriert ist. Das
demographische Problem ist tatsächlich das Problem einer
Familienkultur, die eine neue Balance zwischen Kindzentrierung und
-dezentrierung herstellen muss.
(...).
Die Kindzentrierung der
bürgerlichen und postbürgerlichen Familie hat viele
Erscheinungsformen. (...).
Vor allem anderen gehört
die historisch einzigartige Emotionalisierung der
Eltern-Kind-Beziehung dazu, die mit dem historisch bemerkenswerten
Abbau von Herrschaft und Autorität in der Eltern-Kind-Beziehung
verbunden ist. In der Familienpolitik hat die Kindzentrierung in
den letzten dreißig Jahren zu einer Familienmitgliederpolitik
geführt, welche die Deinstitutionalisierung der Familie und die
Individualisierung ihrer Mitglieder stützt und vorantreibt, (...).
Demographisch am folgenreichsten
ist die Kindzentrierung (...) dadurch geworden, dass sie in ihrem
Schoß eine gegenläufige Entwicklung geboren hat, die
Kinddezentrierung, für welche die kinderlosen ausbildungs- und
mobilitätsbewussten Akademiker - mit den Journalistinnen und
Journalisten an erster Stelle - beispielhaft sind.
Frankreich, wo Familie
und Verwandtschaft im sozialen Leben wesentlich stärker verankert
sind als in Deutschland, hat die zugespitzte bürgerliche und
postbürgerliche Kindzentrierung nicht mitgemacht und ein
ausgewogeneres Verhältnis zwischen Kindzentrierung und
Kinddezentrierung gefunden."
Was TROTHA hier
verschleiernd als "Kinddezentrierung" bezeichnet, das wird
neuerdings auch unter dem Schlagwort
"Kultur der Kinderlosigkeit"
diskutiert.
Außer Acht dagegen läßt
TROTHA, dass - im Gegensatz zu Frankreich - Deutschland eine
vorsintflutliche Bevölkerungsstatistik besitzt. Wer seine Theorien
einzig auf trügerische Kennziffern münzt, der könnte in den
nächsten Jahren gewaltig Schiffbruch erleiden.
Die deutsche
Geburtenentwicklung der jüngeren Generation lässt sich mit den
veralteten Methoden der deutschen Bevölkerungswissenschaft gar
nicht mehr berechnen.
Ein Desaster, das erst seit kurzem auch von
den Bevölkerungswissenschaftlern selber zugegeben wird.
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