"Unmittelbar nach dem Ende des
Ost-West-Konfliktes schienen für eine kurze Zeit die
Hoffnungen vieler Menschen sich erfüllen zu können.
An die Stelle von Optimismus ist jedoch der Abschied
von jeder Ordnung getreten, es herrscht allenthalben
Chaos, Ratlosigkeit. Mit dem Wegfall ihres
Hauptgegners scheint die moderne westliche
Wirtschaftsgesellschaft auch ihrer Koordinaten
verlustig gegangen zu sein. Ist dies Anlaß zu
Pessimismus und Resignation? Ulrich Beck beantwortet
diese Frage mit einem eindeutigen Nein. Für ihn ist
der jetzigen Situation die Möglichkeit gegeben, die
Politik, das Politische, neu zu erfinden, eine
Politik, die sich von dem Entweder-oder-Schema -
entweder Kapitalismus oder Sozialismus, entweder
rechts oder links - befreit und damit zu neuen
kreativen Lösungen in der Lage is. Dieser skeptische
Optimismus resultiert aus Ulrich Becks Analyse des
Zustandes unserer Gesellschaft: diese hat ihre
Modernisierung derart vorangetrieben, daß ihre
eigenen Grundlagen - Markt, Familie, Staat usw. -
aufgezehrt wurden. Notwendig ist also die politische
Neubestimmung allen staatlichen und politischen
Handelns - und dies ist nur möglich, wenn die
Politik selbst neu begriffen wird. Diese
Neubestimmung zu skizzieren ist das Hauptanliegen
der Ausführungen von Ulrich Beck."
Inhaltsverzeichnis
Einleitung:
Die Frage nach dem "und"
Kapitel I - Die Ökologie als moralischer Jungbrunnen
- Ein Dialog zur Einführung
Kapitel II -
Von der kritischen Theorie zur Selbstkritik der
Risikogesellschaft
Zur
Unterscheidung von Reflexion und Reflexivität der
Moderne
Jenseits der Versicherbarkeit: Zum
Epochenunterschied zwischen Industrie- und
Risikogesellschaft
Die Wiederkehr der Ungewißheit
Demokratisierung der Kritik
Kapitel III
- Begriff und Theorie reflexiver Modernisierung
Unfreiwillige Synthese von Innovation und
Revolution
Gewünschtes + Vertrautes = andere Moderne
Die Soziologie als Soziologie der industriellen
Moderne
Grundannahmen einfacher Modernisierungssoziologie
Einfache und reflexive Modernisierungstheorie -
Ein Vergleich
Selbstaufhebung, Selbstgefährdung der
industriellen Moderne - Was heißt das?
Koordinaten des Politischen in der reflexiven
Moderne
Die Industriegesellschaft ist eine halbmoderne
Gesellschaft: Gegenmodernisierung
Zusammenfassung und Ausblick auf die folgenden
Kapitel
Kapitel IV -
Die Nachtseite der Moderne ist hergestellt:
Gegenmodernisierung
Gegenmoderne
meint hergestellte Fraglosigkeit
Die Erfindung der Nation: Nationale Demokratie als
halbierte Moderne
Nationale und globale Moderne: Die
Problematisierung des Fremden
Die militärisch halbierte Demokratie
Feindbilder ermächtigen
Naturalisierung der Weiblichkeit
Dilemmata
Ökologische Ligaturen: Auf dem Wege in die
Ökodemokratie oder Ökodiktatur?
Kapitel V -
Subpolitik - Die Individuen kehren in die
Gesellschaft zurück
Individualisierung - Von der Unlebbarkeit der
Moderne
Politik und Subpolitik
Der Stau - die meditative Streikform der
reflexiven Moderne
Kapitel VI -
Wege in andere Modernen
Weiterdifferenzierung der Industriegesellschaft
Freiheit für die Technik!
Vom Umgang mit Ambivalenz: Das Modell des "Runden
Tisches"
Rationalitätsreform: Code-Synthesen
Der politische Bourgeois
Kapitel VII
- Die Erfindung des Politischen
Politik der
Politik
Die Entkernung des Politischen
Metamorphose des Staates
Der dritte Weg in die Bürgergesellschaft: Was wird
aus den Parteien?
Antistaatlicher Nationalismus?
Jenseits von Rechts und Links
Life-and-Death-Politics
Beruf als politisches Handeln
Kapitel VIII
- Die Kunst des Zweifels
Habe den
Mut, dich deines eigenen Zweifels zu bedienen:
Michel de Montaigne
Wirklichkeitsreichtum
Das politische Programm der radikalisierten
Moderne ist der Skeptizismus
Zivilisierung des Konflikts?
Zweifelskritik
Zitat:
Begriff der
Vollkasko-Individualisierung
"Es ist sinnvoll, zwischen verschiedenen Kontexten
und Formen der Individualisierung zu unterscheiden.
Wir haben es - in einigen Staaten des Westens,
insbesondere in Schweden, der Schweiz und
West-Deutschland - mit einer »Vollkasko-Individualisierung«
zu tun; d.h., hier entstehen
Individualisierungsprozesse aus und im Milieu von
Wohlstand und sozialer Sicherheit (nicht für alle,
aber für viele). Dagegen heben sich die Bedingungen
der »Armuts-Individualisierung« ab, die
teilweise schon im Osten Deutschlands, aber vor
allem in ex-kommunistischen Ländern und den Ländern
der Dritten Welt zu Unruhen ganz anderen Ausmaßes
führen."
(aus: Ulrich Beck "Die Erfindung
des Politischen", 1993, S.160)
Stimmen zum Buch
"Ulrich
Beck zeigt, daß die politische Wirklichkeit
reichhaltiger und differenzierter ist, als es das
Gerede von der »Politikverdrossenheit« glauben
macht. Für die Politische Soziologie setzt er damit
wichtige Zeichen."
(Sighard Neckel in der Kölner
Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie,
H.4/1994)