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Ulrich Beck : Risikogesellschaft

 
       
   

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Risikogesellschaft (1986).
Auf dem Weg in eine andere Moderne
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
     
 

Klappentext

"Dem in allen Teilen des Meinungsmarktes hinreichend entfalteten Schreckenspanorama einer sich selbst gefährdenden Zivilisation bleibt nichts hinzuzufügen; ebensowenig den Bekundungen einer Neuen Ratlosigkeit, der die ordnenden Dichotomien einer selbst noch in ihren Gegensätzen »heilen« Welt des Industrialismus abhanden gekommen sind. Das vorliegende Buch handelt von dem zweiten, darauf folgenden Schritt. Es erhebt diesen Zustand selbst zum Erklärungsgegenstand. Seine Frage ist, wie diese Verunsicherungen des Zeitgeistes, die ideologiekritisch zu leugnen zynisch, denen distanzlos nachzugeben gefährlich wäre, in einem soziologisch informierten und inspirierten Denken zu verstehen, zu begreifen sind. Die theoretische Leitidee, die zu diesem Zweck ausgearbeitet wird, läßt sich am ehesten in einer historischen Analogie erläutern: Ähnlich wie im 19. Jahrhundert Modernisierung die ständisch verknöcherte Agrargesellschaft aufgelöst und das Strukturbild der Industriegesellschaft herausgeschält hat, löst Modernisierung heute die Konturen der Industriegesellschaft auf, und in der Kontinuität der Moderne entsteht eine andere gesellschaftliche Gestalt."   

Inhaltsverzeichnis

Aus gegebenem Anlaß
Vorwort

Erster Teil - Auf dem zivilisatorischen Vulkan: Die Konturen der Risikogesellschaft

Kapitel I - Zur Logik der Reichtumsverteilung und der Risikoverteilung

Kapitel II - Politische Wissenstheorie und Risikogesellschaft

Zweiter Teil - Individualisierung sozialer Ungleichheit. Zur Enttraditionalisierung der industriegesellschaftlichen Lebensformen

Kapitel III - Jenseits von Klasse und Schicht

Kapitel IV - Ich bin Ich: Vom Ohne-, Mit- und Gegeneinander der Geschlechter innerhalb und außerhalb der Familie

Kapitel V - Individualisierung, Institutionalisierung und Standardisierung von Lebenslagen und Biographiemustern

Kapitel VI - Entstandardisierung der Erwerbsarbeit: Zur Zukunft von Ausbildung und Beschäftigung

Dritter Teil - Reflexive Modernisierung: Zur Generalisierung von Wissenschaft und Politik

Kapitel VII - Wissenschaft jenseits von Wahrheit und Aufklärung? Reflexivität und Kritik der wissenschaftlich-technologischen Entwicklung

Kapitel VIII - Entgrenzung der Politik: Zum Verhältnis von politischer Steuerung und technisch-ökonomischem Wandel in der Risikogesellschaft

Zitat:

Individualisierung -  Generationen zwischen Markt und Sozialstaat

"Individualisierung bedeutet Marktabhängigkeit in allen Dimensionen der Lebensführung. (...). Individualisierungen liefern die Menschen an eine Außensteuerung und -standardisierung aus, die die Nischen ständischer und familialer Subkulturen noch nicht kannten.
Diese institutionellen Prägungen des Lebenslauf bedeuten, daß Regelungen im Bildungssystem (...), im Berufssystem (...) und im System sozialer Sicherungen direkt verzahnt sind mit Phasen im Lebenslauf der Menschen.
(...).
Mit der Herabsetzung der Pensionsgrenze wird für eine ganze Generation per Erlaß das
»soziale Alter« erhöht (mit allen damit verbundenen Problemen und Chancen). Zugleich wird eine Umverteilung von Arbeitsanteilen auf die nachwachsenden, jungen Generationen vorgenommen. Gerade Individualisierung bedeutet also: Institutionalisierung, institutionelle Prägung, und damit: politische Gestaltbarkeit von Lebensläufen und Lebenslagen.
(...).
Der Schlüssel der Lebenssicherung liegt im Arbeitsmarkt. (...). Das Bereitstellen und Vorenthalten von Lehrstellen wird so zur Frage des Einstiegs oder Ausstiegs in die oder aus der Gesellschaft. Zugleich können durch konjunkturelle oder demographische
»Hochs« und »Tiefs« ganze Generationen ins existentielle Abseits driften. D.h.: institutionenabhängige Individuallagen lassen gerade entlang von Wirtschafts- und Arbeitsmarkt-Konjunkturen generationsspezifische Benachteiligungen bzw. Bevorzugungen in entsprechenden »Kohortenlagen« entstehen. Diese erscheinen allerdings immer auch als mangelnde Fürsorge- und Versorgungsleistungen staatlicher Institutionen, die auf diese Weise unter Druck geraten, die institutionell vorprogrammierte Chancenlosigkeit ganzer Generationen, Lebensphasen und Altersstufen durch rechtliche Regelungen und sozialstaatliche Umverteilungen zu verhindern bzw. zu kompensieren."
(aus: Ulrich Beck "Risikogesellschaft", 1986, S.212ff.)

Stimmen zum Buch

"Die tumben Toren, die derzeit zu regieren vorgeben, schätzen das Wort Flexibilisierung über die Maßen: im Namen der Wahlfreiheit reden sie einer Verflüssigung von Biographien, Lebensentwürfen und Tagesabläufen das Wort, die nur im Dienste einer vampirhaften ökonomischen Rationalität stünde. Man könnte, schlägt Ulrich Beck vor, dieser Rede auf unerwartete Weise Sinn geben. In der Gesellschaft, die hilfsweise als Zwei-Drittel-Gesellschaft bezeichnet wird und die auf die prekäre Disponibilität aller hinauslaufen würde, wäre von der frühindustriellen Wahlunfreiheit direkt in den spätindustriellen Wahlzwang gesprungen - unter Umgehung eben der vielfach gepriesenen Wahlfreiheit. Genau diese gälte es daher - auch als die Freiheit, nicht wählen zu müssen - zäh zu fördern, etwa durch ein Mindesteinkommen. Und, weit darüber hinaus, durch einen beharrlichen gesellschaftlichen Kampf, der die Alternative Refamiliarisierung oder Durchmarktung, Flucht in die entmachtete Autonomie des Familialen oder die Mühsal der generalisierten Single-Existenz meidet und dem es um die »institutionelle Wiedervereinigungsmöglichkeiten von Arbeit und Leben« (S.201), auch von Haus- und Erwerbsarbeit geht."
(Thomas Schmid im Freibeuter Nr.31/1987)

"Es trifft sicherlich zu, daß die »Zuweisung von Geschlechtscharakteren ... Basis der Industriegesellschaft« ist, und daß »tatsächliche Gleichstellung von Männern und Frauen ... die Grundlagen von Familie (Ehe, Sexualität, Elternschaft usw.) in Frage« stellt (174). Aber damit muß keineswegs gesagt sein, daß diese Individualisierung das Ende »der Familie« überhaupt sein müsse. Zweierlei spricht dagegen: die anthropologische Existenzbedingungen und die (...) Angst. Wenn aus der feudalen »Großfamilie« die bürgerliche »Kleinfamilie« werden konnte - warum aus dieser nicht eine »postindustrielle XY-Familie«? Sie muß ja nicht den Vorstellungen entsprechen, die wir uns jetzt bereits bilden können. Und sie können dennoch sowohl die Reproduktions- und Sozialisationsfunktionen leisten, die für das Individuum in den meisten Fällen unverzichtbar sind wie für die Gesellschaft, wie auch die objektive und subjektive Bewältigung der Angst. Ich könnte mir denken, daß die Angst auch in dem Sinne an die Stelle der Not tritt, daß sie institutionenbildende Energien freisetzt. Gerade wenn sie (...) allgemein ist, wird sie konsensbildendes Potential haben, wie das für die Entstehung von Institutionen notwendig ist." 
(Rainer Mackensen in der Soziologischen Revue, H.1/1988)

     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Der Kampf der Lebensstile und die Normalfamilie der Neuen Mitte
 
   

Rezensionen

SCHMID, Thomas (1987): Die Chancen der Risikogesellschaft,
in: Freibeuter, Nr.31, S.149-154

ESSER, Hartmut (1987): Ulrich Beck: Risikogesellschaft,
in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, H.4, S.806-811

ROTH, Roland (1987): Auf dem Weg in die Risikogesellschaft?
in: SLR, 15

JOAS, Hans (1988): Das Risiko der Gegenwartsdiagnose,
in: Soziologische Revue, H.1

MACKENSEN, Rainer (1988): Die Postmoderne als negative Utopie,
in: Soziologische Revue, H.1

WAGNER, Peter (1988): Sind Risiko und Unsicherheit neu oder kehren sie wieder?
in: Leviathan H.2, S.288-296

 
   

Das Buch in der Debatte

Neu:
HONDRICH, Karl Otto (1996): Lassen sich soziale Beziehungen modernisieren?
Die Zukunft der Herkunftsbindungen,
in: Leviathan H.1

 
   

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Update: 25. Januar 2011