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Thomas Lemke: Die Ökonomisierung des Sozialen

 
 
     
 
     
 
   

Thomas Lemke in seiner eigenen Schreibe

 
   

LEMKE, Thomas/KRASMANN, Susanne/BRÖCKLING, Ulrich (2000): Gouvernementalität, Neoliberalismus und Selbsttechnologie. Eine Einleitung. In: Ulrich Bröckling, Susanne Krasmann und Thomas Lemke (Hg.) Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen, Frankfurt a/M: Suhrkamp, S.72-109

LEMKE, Thomas (2000): Neoliberalismus, Staat und Selbstechnologien.
Ein kritischer Überblick über die governmentality studies,
in: Politische Vierteljahresschrift, 41. Jg., Nr. 1, S. 31-47

BRÖCKLING, Ulrich/KRASMANN, Susanne/LEMKE, Thomas (2004): Ein Glossar der Gegenwart,
in: Leviathan, März, S.113-118

LEMKE, Thomas (2004): Test,
in: Leviathan, März, S.119-124 

 
 
 

Glossar der Gegenwart (2004).
(herausgegeben zusammen mit Ulrich Bröckling & Susanne Krasmann)
Frankfurt a/M:
Suhrkamp

 
     
 

Die Herausgeber zum Glossar

"Das Glossar der Gegenwart richtet den Blick nicht auf die Gesellschaft, um ihre Bewegungsgesetzte und Ordnungsprinzipien aufzudecken, sondern untersucht jene Rationalitäten und Technologien, die Gesellschaft als Einheit überhaupt erst denkbar machen und praktisch herstellen. (...). Statt eine Analyse »von oben« zu unternehmen, konzentriert es sich auf die Mikrotechniken und vielfältigen Denkweisen, die sich zu Makrostrukturen und Diskursen verdichten und verstetigen. Die Gesellschaft bildet dabei weniger den Ausgangspunkt als das Resultat."
(aus: Ulrich Bröckling, Susanne Krasmann, Thomas Lemke in Leviathan, März 2004, S.113)

Subversion als Produktionskraft

"Kritik ist selbst zum integralen Bestandteil einer gesellschaftlichen Modernisierung geworden, welche die Abweichung von der Norm propagiert - die damit selbst zur Norm wird. Konzepte wie Empowerment, Selbstverantwortung, Partizipation und Flexiblität, deren Wurzeln auf die Kämpfe sozialer Emanzipationsbewegungen zurückweisen, haben sich in institutionelle Anforderungen und normative Erwartungen verwandelt - Subversion ist zur Produktivkraft geworden.
(...).
Wo jeder Einspruch als Feedback ins System eingespeist wird und dessen Leistungsfähigkeit steigert, wo Nonkonformismus sich als avancierteste Form der Anpassung erweist, muss Kritik so flexibel werden wie ihre Gegenstände. Das Glossar der Gegenwart übt daher eine Form der Kritik, die weniger bewertet, als die Systeme analysiert."
(aus: Ulrich Bröckling, Susanne Krasmann, Thomas Lemke in Leviathan, März 2004, S.117)

 
     
 
 

Die Beiträge des Glossars

  • BRÖKLING, Ulrich/KRASMANN, Susanne/LEMKE, Thomas - Einleitung
  • KOCYBA, Hermann - Aktivierung
  • DUTTWEILER, Stefanie - Beratung
  • HÄSLER, Jürgen & Wolfgang FACH - Branding
  • KREISSL, Reinhard - Community
  • HOLERT, Tom - Cool
  • ENGEMANN, Christoph - E-Government
  • BRÖCKLING, Ulrich - Empowerment
  • NECKEL, Sighard - Erfolg
  • LEGNARO, Aldo - Erlebnis
  • BRÖCKLING, Ulrich - Evaluation
  • LEMKE, Thomas - Flexibilität
  • SOILAND, Tove - Gender
  • GÖRG, Christoph - Globalisierung
  • BRAND, Ulrich - Governance
  • HEINS, Volker - Humanitäre Intervention
  • HOLERT, Tom - Intelligenz
  • BRÖCKLING, Ulrich - Kontrakt
  • BRÖCKLING, Ulrich - Kreativität
  • VOSWINKEL, Stephan - Kundenorientierung
  • TUSCHLING, Anna - Lebenslanges Lernen
  • BRÖCKLING, Ulrich - Mediation
  • KRASMANN, Susanna - Monitoring
  • KAUFMANN, Stefan - Nachhaltigkeit
  • KAUFMANN, Stefan - Netzwerk
  • WALDSCHMIDT, Anne - Normalität
  • FACH, Wolfgang - Partizipation
  • LEGNARO, Aldo - Performanz
  • BRÖCKLING, Ulrich - Prävention
  • KLOPOTEK, Felix - Projekt
  • SCHMIDT-SEMISCH, Henning - Risiko
  • FACH, Wolfgang - Selbstverantwortung
  • SABLOWSKI, Thomas - Sharholder Value
  • HOLERT, Tom - Sicherheit
  • KRASMANN, Susanne - Synergie
  • SCHEERER, Sebastian - Terror
  • LEMKE, Thomas - Test
  • BRÖCKLING, Ulrich - Unternehmer
  • MARESCH, Rudolf - Virtualität
  • SARASIN, Philipp - Virus
  • GRECO, Monica - Wellness
  • KOCYBA, Hermann - Wissen
  • KREISSL, Reinhard - Zirkulation
  • PATES, Rebecca & Wolfgang FACH - Zivilgesellschaft
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    Rezensionen

    RUNGE, Heike (2004): Evaluation der Elche.
    platte buch,
    in: Jungle World Nr.39 v. 15.09.

    OY, Gottfried (2004): Konturen der Welt.
    Das "Glossar der Gegenwart" analysiert aktuelle Schlüsselbegriffe,
    in: Frankfurter Rundschau v. 27.09.

    "Der Zugang der Herausgeber, allesamt bekannt aus der Gouvernementalitäts-Debatte, ist durch die These bestimmt, dass zeitgenössische Machtpraktiken nicht direkt und allgemein, sondern mittelbar, situativ und kontextbezogen wirken, Gesellschaft also statt von »oben«, erst einmal von »unten«, aus dem Blickwinkel alltäglicher Situationen betrachtet werden sollte. Dass diesem Vorgehen eine Gesellschaftstheorie zugrunde liegt, verhehlen sie nicht: die Analyse des Wechsels von der Disziplinar- zur Kontrollgesellschaft, wie sie Michel Foucault und Gilles Deleuze initiiert haben.
    In konstruktivistischer Manier wird bei nahezu allen Begriffen des Glossars der - im analytischen Sinn - produktive Charakter der Macht betont",

    doziert Gottfried OY. Wer das schon nicht kapiert hat, der wird das Glossar der Gegenwart kaum mit Gewinn lesen können.

    KNIPPHALS, Dirk (2004): Erkenne die diskursive Lage!
    Hinter unserem Rücken arbeiten unsere Begriffe: Das "Glossar der Gegenwart" leistet Gesellschaftskritik durch Diskursanalyse und bietet einen recht hohen Durchschauungsfaktor. Deutlich abgekühlt werden dabei emphatische Verwendungsweisen von Begriffen wie Wellness oder auch Projekt,
    in: TAZ v. 06.10.

    LINTZEL, Aram (2004): Wellness oder Wahnsinn.
    in: Netzeitung.de v. 19.10.

    LINTZEL, Aram (2004): Glossar der Gegenwart.
    Hinter der Sprachkulisse,
    in: fluter.de v. 05.12.

    Neu:
    LINTZEL, Aram (2005): Lebenslänglich Whirlpool.
    Über das "Glossar der Gegenwart",
    in:
    Texte zur Kunst
    , H.57, März

    Angesichts der Ökonomisierung des Sozialen beschreibt Aram LINTZEL zwei Modelle des sanften Widerstandes im bohemistischen Milieu:

    "das strategisch-affirmative Modell des heroischen Scheiterns, wie es in Ingo Niermanns Band »Minusvisionen« ausbuchstabiert wurde. (...). Im »Glossar der Gegenwart« findet sich ein angenehm nüchterner Name für diese (Berliner) Ideologie des narzisstischen Scheiterns: Sighard Neckel nennt es in seinem Eintrag zu »Erfolg« einfach das »Reich des Durchwurstelns«.
          
      Die andere kritische Haltung wäre das unstrategisch verweigernde Modell der abstrakten Negation, wie es in letzter Zeit im Hype um das »I prefer not to...« aus Herman Melvilles »Bartleby« exzessiv durchgespielt wurde. (...). Früher hätte man das das »Null-Bock-Prinzip« genannt.
          
      LINTZEL geht es jedoch um etwas Drittes:
          
      "Ziwschen romatisch-heroischem Scheitern und romantisch-heroischem Absentismus wäre eine dritte Form kritischer Lebensführung noch zu erfinden. sie müsste sich für unterschiedliche gesellschaftliche Zonen je eigene Formen der Gegen-Gouvernementalität ausdenken."

    LINTZEL bemängelt, dass das »Glossar der Gegenwart« zwar eine wichtige Gegenwartsdiagnose leistet, aber für eine kritische Haltung kaum Ratschläge an die Hand gibt.

     
       

    Gouvernementalität der Gegenwart (2000).
    Studien zur Ökonomisierung des Sozialen
    (herausgegeben zusammen mit Ulrich Bröckling & Susanne Krasmann)

    Frankfurt a/M:
    Suhrkamp

     
       
         
     

    Klappentext

    "Der Sammelband enthält die deutsche Übersetzung von Foucaults Vorlesung »La Gouvernementalité« von 1978. Er erschließt Foucaults Regierungsbegriff als Instrument der Analyse aktueller gesellschaftlicher Umbrüche und der neoliberalen Ökonomisierung des Sozialen"

    Der Gegenstand der Gouvernementalitätsstudien

    "Die Gouvernementalitätsperspektive erlaubt es (...), das neoliberale Programm des »Rückzugs des Staates« als eine Regierungstechnik zu dechiffrieren. Die Krise des Keynesianismus und der Abbau wohlfahrtsstaatlicher Interventionsformen führen weniger zu einem Verlust staatlicher Regelungs- und Steuerungskompetenzen (im Sinne eines Nullsummenspiels), sondern lassen sich eher als eine Umorganisation oder eine Restrukturierung der Regierungstechniken begreifen, die die Führungskapazitäten vom Staat weg auf »verantwortliche« und »rationale« Individuen verlagern. (...). Damit verschiebt sich der Ansatzpunkt möglicher politischer und sozialer Interventionen: Nicht gesellschaftlich-strukturelle, sondern individuell-subjektive Faktoren sind für die Lösung von Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Kriminalität, Kindesmissbrauch etc. maßgeblich. »Self esteem« hat daher wesentlich mehr mit Selbsteinschätzung als mit Selbstachtung zu tun."
    (aus: "Neoliberalismus, Staat und Selbsttechnologien" 2000, S.39f.)

     
         
     
     
       

    Die Beiträge des Sammelbands

    FOUCAULT, Michel - Die Gouvernementalität

    FOUCAULT, Michel - Staatsphobie

    ROSE, Nikolas - Tod des Sozialen? Eine Neubestimmung der Grenzen des Regierens

    FACH, Wolfgang - Staatskörperkultur. Ein Traktat über den "schlanken Staat"

    BRÖCKLING, Ulrich - totale Mobilmachung. Menschenführung im Qualitäts- und Selbstmanagement

    SCHMIDT-SEMISCH, Henning - Selber schuld. Skizzen versicherungsmathematischer Gerechtigkeit

    KRASMANN, Susanne - Gouvernementalität der Oberfläche. Aggressivität (ab-)trainieren beispielsweise

    LEMKE, Thomas - Die Regierung der Risiken. Von der Eugenik zur genetischen Gouvernementalität

    GRECO, Monica - Homo Vacuus. Alexithymie und das neoliberale Gebot des Selbstseins

    LEGNARO, Aldo - Subjektivität im Zeitalter ihrer simulativen Reproduzierbarkeit: Das Beispiel des Disney-Kontinents

     
       

    Thomas Lemke im WWW

    www.thomaslemkeweb.de
     
       

    weiterführende Links

     
         
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 19. Juni 2003
    Update: 23. Mai 2015