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- BECK, Ulrich
(1971): Zu einer Theorie der
Studentenunruhen in fortgeschrittenen
Industriegesellschaften (unter Mitarbeit
von Elisabeth Gernsheim),
in: Kölner
Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie,
S.439-477
- BECK, Ulrich
(1983): Jenseits von Klasse und Stand?
in: Kreckel, R.
(Hg.) Soziale Ungleichheiten, Sonderband
2 der Sozialen Welt,
Göttingen: Schwartz, S. 35-74
- BECK, Ulrich
(1984): Jenseits von Stand und Klasse.
Auf dem Weg in die individualisierte
Arbeitnehmergesellschaft,
in: Merkur. Deutsche
Zeitschrift für europäisches Denken,H.5,
Juli, S.485-497
- BECK, Ulrich (1987):
Die Zukunft der Familie,
in: Psychologie Heute,
November
- BECK, Ulrich &
Elisabeth BECK-GERNSHEIM (1990): Freiheit oder
Liebe.
Gesellschaftliche
Individualisierungsprozesse und soziale Lebens-
und Liebesformen,
in: Frankfurter
Rundschau v. 27.03.
- BECK, Ulrich (1994):
Phänomen mit Überlebenschancen.
Zum statistischen Ringkampf
um die Familie,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 13.01.
- BECK, Ulrich (1994):
Eigenes Leben - eigene Armut.
Wo verläuft die Grenze
zwischen Risiko- und Gefahrenbiographie?
Massenhafte Labilisierung bis in die
gesellschaftliche Mitte hinein als latente
Gefahr,
in: TAZ
v. 30.04.
- BECK, Ulrich (1994):
Den Frosch küssen.
Leben in der unbekannten
Gesellschaft Europas,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 07.05.
- BECK, Ulrich (1994):
The Debate on the "Individualization
Theory" in Today's Sociology in Germany,
in: Soziologie.
Special Edition 3, S.191-200
- BECK, Ulrich (1995):
Die "Individualisierungsdebatte",
in: Bernhard SCHÄFERS (Hg.) Soziologie
in Deutschland. Entwicklung,
Institutionalisierung und Berufsfelder,
theoretische Kontroversen,
Opladen: Leske + Budrich, S.185-195
- BECK, Ulrich (1995):
Solidarischer Individualismus.
An sich denken ist die Voraussetzung eines
Daseins für andere,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 02.03.
- BECK,
Ulrich (2002): Arbeit ist ein bewegliches Ziel.
Schröder
regiert wie Kohl. Die Arbeitslosigkeit wird
ausgesessen. Die zentrale Frage bleibt: Wie
schafft man trotz Rezession und Globalisierung
neue Jobs? Versuch einer Antwort,
in:
Die ZEIT Nr.7 v. 07.02.
- Kommentar:
Nichts Neues bei
Ulrich BECK! Bereits im TAZ-Gespräch
vom 31.01. hat BECK
seine zweitmoderne Linie vom starken
Sicherheitsstaat ("ein Land kann
sich auch zu Tode
neoliberalisieren") bei
gleichzeitigem Abbau des Sozialstaats
("Weltwohlfahrtsnische
Deutschland") erklärt.
Nur in
diesem Kontext ist auch seine Behauptung
zu verstehen, dass SCHRÖDER sich beim
Aussitzen des Arbeitslosenproblems auf
den Geburtenrückgang verlassen hat.
Außer Ulrich BECK wissen aber alle
Experten, dass die
Entlastung
des Arbeitsmarktes durch den
Geburtenrückgang
- wenn überhaupt -
erst in einem Jahrzehnt eintritt. Was das
Gerede vom Ende der
Vollbeschäftigungsgesellschaft soll, vor
dem wir angeblich gerade stehen, das
weis auch nur BECK. Seit Mitte der 70er
Jahre gibt es keine
Vollbeschäftigungsgesellschaft mehr.
Diese sprachmagischen Formeln werden erst
verständlich, wenn er zum letzten Punkt
kommt: "es gibt knallharte
wirtschaftspolitische Gründe für
Zuwanderung. Sie ist ein Mittel gegen die
drohende Vergreisung der deutschen
Gesellschaft".
Das Wort
von der "Vergreisung
Deutschlands" stammt ursprünglich
aus dem Jahr 1960. Damals stand
Deutschland ein einzigartiger Babyboom
bevor.
In der damaligen
Situation erschien das Buch "Die
Überalterung. Ursachen, Verlauf,
wirtschaftliche und soziale Auswirkungen
des demographischen
Alterungsprozesses" von
Franz-Xaver
KAUFMANN im Zürcher Polygraphischen
Verlag.
Ein Jahr
später, 1961, erschien im Econ Verlag
das Buch
"Gebrannte Kinder. Jugend
in der Nachkriegszeit" von Richard
KAUFMANN. In diesem Buch finden sich
bereits alle Argumente der gegenwärtigen
bevölkerungspolitischen Debatte:
"Selten findet man mehr als zwei
Generationen (Eltern und Kindern) in einer Wohnung, oft aber
nur noch eine Generation, was sich statistisch leicht
nachweisen lässt. Ein Viertel aller Ehen des Jahres 1957 war
kinderlos. Mangel an Tradition, Verzicht auf Familienerbe
und -bindung sind geradezu Kennzeichen der modernen
Siedlung", heißt es dort. Die Vereinbarkeit von Beruf und
Familie wird auch damals bereits in Frage gestellt und die
Konkurrenz zwischen kinderloser Frau und Müttern behauptet:
"Die kinderlose Form der Ehe erhält ein sichtbares Plus -
sie wird belohnt (...). Demgegenüber schneidet die 'Ehe mit
Kindern' oftmals schlecht ab."
KAUFMANN nennt ein
Beispiel, das in der Sozialschmarotzer-Debatte heute genauso
aktuell ist wie damals:
"Der
vierundzwanzigjährige Monteur, der 700
Mark im Monat verdient, und seine Frau,
die dreiundzwanzigjährige Buchhalterin,
die netto etwas mehr als 500 Mark
erhält, haben gemeinsam eine Kaufkraft
von über 1000 Mark. Davon können sie
sich eine Junggesellenwohnung mit Dusche
und Kochnische einrichten, können
auswärts essen und den Urlaub in Italien
verbringen. Bekommt die Buchhalterin aber
nacheinander zwei Kinder und gibt ihre
Stellung auf, um sich den Kindern zu
widmen, dann leben plötzlich vier
Menschen in einer zu engen Wohnung von
700 Mark, und das heißt, daß sie in
ihrem Lebensstandard nicht mehr mit
anderen, kinderlosen Ehepaaren Schritt
halten können. Auch solche Hilfen wie
Steuervergünstigung oder Kindergeld
können den Ausfall an barem Geld, das
konsumiert werden darf, nicht entfernt
ersetzen. Die Konkurrenz zwischen Mutter
und Berufstätiger ist so eindeutig für
die berufstätige (kinderlose) Frau
entschieden, daß es darüber keine
Zweifel mehr geben kann."
Auch das
HEDONISMUS-Argument fehlt nicht:
"Eine Bürovorsteherin sagte mir
kürzlich, daß viele junge Mädchen
ihres Büros (...) 2/3 bis 3/4 ihres
Gehaltes für Kleidung, Friseur,
Kosmetik, Reisen und Vergnügungen
ausgeben. Bei vielen jungen Männern ist
es ähnlich... So kommt bei jung
verheirateten Ehepaaren die Angst: wie
soll es reichen".
Der Autor vermisst die
"selbstverständliche Mütterlichkeit" der früheren
Generationen. Kinder werden deshalb zur "Mangelware" und die
"Überalterung" schreitet fort.
Das Thema "Vaterlosigkeit" fehlt
genauso wenig wie das Lieblingsthema von
Susanne GASCHKE: die "Luxusverwahrlosung" der
Mittelschichtkinder.
Die
Prognosen der Bevölkerungsentwicklung
sind durchaus umstritten.
So erschien z.B. am
20. Dezember 2001 in dem Mitteilungsblatt
"beziehungsweise" des
Österreichischen Instituts für
Familienforschung der Aufsatz
"Was beeinflusst die
Bevölkerungszahl?" von
Wolfgang LUTZ. Darin werden die
Unsicherheitsfaktoren bei der
Bevölkerungsprognose genannt. LUTZ
vertritt die darin die Ansicht, dass
"relativ geringfügige
Veränderungen der Fertilität die
Größe und Altersstruktur der künftigen
Bevölkerung deutlich beeinflussen."
Mit Fertilität ist hier die Geburtenrate
gemeint. Er nennt bei der Berechnung der
Geburtenrate auch das Hauptproblem,
"dass wir nicht wissen, bis zu
welchem Grad diese Trends auf
verändertes Timing zurückzuführen
sind, d.h. auf ein Aufschieben von
Geburten".
Die
Polarisierungsthese der deutschen
Bevölkerungswissenschaftler und deren
Adepten von den TICHYs bis zu
Meinhard MIEGEL
behauptet eine deutliche Zunahme von lebenslang Kinderlosen.
Dagegen spricht jedoch,
dass die Kinderlosenanteile vom Institut für
Bevölkerungswissenschaft in den letzten Jahren ständig nach
unten korrigiert werden mussten. Es handelt sich also in
erster Linie um eine Erhöhung des Alters bei den
Erstgebärenden.
-
BECK, Ulrich (2004): Orwell lässt grüßen.
"Rückschritt ist Innovation",
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.01.
- Inhalt:
"Wer
auf den Ausbau der »Dienstleistungsgesellschaft« setzt, vertraut auf die
Grenzen der nationalen Dienstleistungsgesellschaft. Und auch wer »jobless
growth« und den »Export von Arbeitsplätzen« anprangert, nimmt die
Wirklichkeit noch immer in nationalstaatlichen Begriffen wahr. Im
besten Fall wird es ein Wirtschaftswachstum geben, das vielleicht
sogar neue, attraktive Arbeitsplätze erfordert. Diese aber entstehen
in der entgrenzten Wirtschaft dann nicht innerhalb, sondern
außerhalb Deutschlands, also in Indien, China, Polen und so weiter",
schreibt der Transnationalist
Ulrich BECK.
-
BECK, Ulrich (2004): Von Freunden umzingelt.
Deutschlands Misere in
europäischer Perspektive
Am Beispiel Deutschlands und seiner derzeitigen Befindlichkeiten
lässt sich studieren, wie falsch es wäre, die drängenden
gesellschaftlichen Probleme - Arbeitslosigkeit, Alterssicherung,
Migration - im Rahmen nationalstaatlicher Konzepte anzugehen. Es
gilt, einen europäischen, einen kosmopolitischen Realismus zu
entwickeln,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.06.
- Kommentar:
Ulrich BECK verabschiedet sich vom kurzen
Traum immerwährender bürgernaher Subpolitik und definiert nun den
Bürger als politischen Störfaktor, der durch eine europäische
Politik eliminiert werden soll. Als Beispiel einer solchen
bürgerfeindlichen Politik beschreibt BECK das Feld der
Demografiepolitik:
"Weder ist der
Bevölkerungsrückgang das nationale Problem einzelner
Gesellschaften (wie das bis jetzt sowohl
bevölkerungswissenschaftlich als auch öffentlich-politisch
diskutiert wird, im Banne des «methodologischen Nationalismus»),
noch kann es im nationalen Alleingang angemessen gelöst werden.
Wohin man schaut, dieselbe Situation überall in Europa.
Die Überalterung droht,
die Rentensysteme funktionieren nicht mehr, aber die notwendigen
Reformen werden durch den organisierten Widerstand der betroffenen
Gruppen blockiert.
Ein wichtiger Schritt vorwärts aus dieser Falle könnte darin
liegen, den Zusammenhang von Bevölkerungsrückgang, alternder
Gesellschaft, notwendigen Reformen der sozialen Sicherungssysteme
und einer gezielten Migrationspolitik als ein europäisches Problem
zu definieren und kooperativ zu bearbeiten. Alle Regierungen, die
sich in der nationalen Sackgasse mit Scheinlösungen begnügen
müssen, können davon profitieren: Angenommen, es würde ein
EU-Konzept entwickelt und verabschiedet, wie die Probleme
Alterssicherung und Migration angesichts einer schrumpfenden
Bevölkerung angegangen werden können und sollen. Dieses Vorhaben
würde die nationalen Regierungen entlasten."
Wenn Ulrich BECK das
Buch "Methusalem-Komplott" von Frank SCHIRRMACHER zur
"Deutschland erwache!"-Literatur zählt, dann könnte man BECKs
Ausführungen zur Kategorie "Europa erwache!"-Literatur" zählen.
Beide Kategorien ziehen ihre Legitimation aus Horrorszenarien,
deren Realitätsgehalt mehr als fragwürdig ist.
-
BECK, Ulrich (2004): Die zweite Moderne.
Warum Geisteswissenschaften? Sozialwissenschaften im globalen
Kontext,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.07.
- Kommentar:
Ulrich BECK hält seinen kosmopolitischen
Ansatz (d.h. die Welt wird aus der Sicht der globalen Klasse
beschrieben) für jenes Paradigma, dem sich die ganze
Sozialwissenschaft unterwerfen soll, weswegen er von der zweiten
Moderne parliert.
U. a. warnt
BECK vor dem
"Youth Bulge":
Europa (ist) durchgängig von einem Schwund
seiner Bevölkerungen und damit von einem Alterungsprozess
gekennzeichnet, der nicht nur den wohlfahrtstaatlichen
Sicherungssystemen (Renten, Gesundheitsversorgung) die Grundlage
entzieht, sondern auch den »alten« Kontinent im Vergleich und in
Konkurrenz mit den aufstrebenden, zahlenmäßig von Jungen
dominierten Bevölkerungen und Ländern der Welt wirklich »alt«
aussehen lässt."
Die Polarisierung
in junge und alte Länder ist eine Schimäre, wenn es stimmt, dass
weltweit die Bevölkerungen nicht mehr weiter wachsen.
Phillip LONGMAN
("The Empty Cradle", 2004) schreibt z.B. über den rapiden
Alterungsprozess in den so genannten unterentwickelten Ländern:
"Wissenschaftler
am International Institute for Applied Systems Analysis sagen
voraus, dass die Bevölkerungsentwicklung mit neun Milliarden
Menschen um 2070 ihren Höhepunkt erreichen und dann zurückgehen
wird. Lange vorher werden jedoch viele Staaten weniger Einwohner
haben, und das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung wird
dramatisch in die Höhe gehen. Den schnellsten Überalterungsprozess
wird es im Nahen Osten und in anderen unterentwickelten Regionen
der Welt geben. In diesem Jahrhundert dürfte sogar das südliche
Afrika älter werden, als es Europa heute ist.
(...).
In dem Maße, wie
die Entwicklungsländer Industrien aufbauen und dadurch städtischer
geprägt werden, erleben sie dieselbe demografische Entwicklung,
aber in einem schnelleren Tempo. Wenn Amerikaner beispielsweise
jetzt an Mexiko denken, haben sie die Fernsehbilder verzweifelter,
arbeitsloser Jugendlicher vor Augen, die durch den Rio Grande
schwimmen oder durch den Grenzzaun schlüpfen. Weil aber die
Geburtenraten in Mexiko drastisch zurückgegangen sind, altert das
Land inzwischen fünf Mal schneller als die USA. Während das
Durchschnittsalter der Amerikaner in den letzten 50 Jahren um nur
fünf Jahre (von 30 auf 35 Jahre) stieg, wird sich in Mexiko in den
nächsten 50 Jahren das Durchschnittsalter nach Angaben der Uno um
20 Jahre erhöhen, sodass die halbe Bevölkerung über 42 Jahre alt
sein wird. Das amerikanische Durchschnittsalter wurde für 2050 mit
39,7 Jahren errechnet.
Die Fernsehbilder von verzweifelten arbeitslosen Jugendlichen aus
dem Nahen Osten vermitteln ähnlich missverständliche Eindrücke.
Die Geburtenraten fallen im Nahen Osten schneller als anderswo
sonst auf der Welt. Die Bevölkerung altert in einem beispiellosen
Tempo. Algerien wird einen Anstieg des Durchschnittsalters von
21,7 auf 40 Jahre verkraften müssen, wenn man Uno-Angaben zugrunde
legt. Der Iran hat nach der Revolution einen Geburtenrückgang um
nahezu zwei Drittel erlebt und wird 2030 mehr ältere Menschen als
Kinder haben.."
(Rheinischer Merkur vom 01.07.2004)
Die Globalisierung
mit ihrem Export der Industrie in die Entwicklungsländer sorgt
dafür, dass auch in jenen Ländern, die heutzutage noch jung
erscheinen, der gleiche Alterungsprozess einsetzt wie in Europa...
- BECK, Ulrich (2004): So macht
Gleichheit Ungleiche aus uns allen.
Und kann es so etwas wie eine europäische Gesellschaft überhaupt
geben?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.10.
-
BECK, Ulrich (2005): Die Gesellschaft des Weniger.
Arbeitslosigkeit, Hartz IV: ein Land steigt ab,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.02.
- Kommentar:
Vom Fahrstuhl-nach-oben-Guru hat sich Ulrich
BECK zum Fahrstuhl-nach-unten-Guru gewandelt.
Sein Mantra dürfte
die Herrschenden beruhigen, denn dank Individualisierung wird die
größer werdende soziale Ungleichheit von den Bürgern weiterhin
hingenommen.
BECK beschreibt die
Ökonomisierung des Sozialen folgendermaßen:
"Die Gesellschaft des Mehr
nahm den Staat in die Verantwortung, die Gesellschaft des Weniger
setzt auf das Individuum (...). Dahinter verbirgt sich vielleicht
eine neue Herrschaftsstrategie. Diese folgt nicht mehr dem Prinzip
von Fürsorge und Bevormundung, sondern dem der Selbstverantwortung
und Selbstzurechnung (...). Selbstentfaltung heißt: Jeder wird nun
zum Dompteur seiner Anpassung zum Weniger."
Es könnte
aber auch ganz anders kommen.
Heinz BUDE hat vor kurzem die Re-Politisierung der
bislang unpolitischen Eliten beschrieben.
Peter GLOTZ hat schon vor
längerem hervorgehoben, dass der "Digitale Kapitalismus" seine
neuen Gegeneliten hervorbringt.
Vor über 10 Jahren
hat der Poptheoretiker
Diedrich DIEDERICHSEN den
Umschlagspunkt der neuen Ernsthaftigkeit in der Gesellschaft des
Weniger beschrieben:
"Exakt an dem Punkt,
wo sich die zugestandene Aufschiebung des Ernstes des Lebens
(ewige Studentenzeit, erträgliche Einnahmen in den
Schattenökonomien der Indie-Szene und der Kunstwelt) in einen
erzwungenen Aufschub (Arbeitslosigkeit, Rezession auch im
Kulturbereich, Steigerung des Anteils auch der Beschäftigten, die
nicht mehr dauerhafte Jobs haben, sondern sich von Job zu Job
hangeln, wodurch Leute unfreiwillig bohemisiert werden, aber of
die betreffenden Verhaltensweisen und Denkgewohnheiten entwickeln)
verwandelt, wird aus der fröhlichen Dissidenz des theoretischen
Selberdenkers politischer Ernst." ("Gefühlte Paprika - Die
politische Subjektivität der Boheme" in:
Texte zur Kunst,
September 1993, S.70)
-
BECK, Ulrich (2006): Gott geht, das Wagnis kommt.
Doch Paul Nolte wirbt für eine nicht allzu riskante
Moderne,
in: Welt v. 25.03.
- Kommentar:
Ulrich BECK rächt sich mit einer
"Nicht-Besprechung" an dem Historiker Paul NOLTE. Das Buch
"Riskante Moderne" wird
ganz nebenbei abgefertigt:
"Aus
Deutschland sei eine »Risikovermeidungsgesellschaft«
geworden, kritisiert Nolte. Darin schwingt wohl auch die
Enttäuschung mit, daß die »Generation Reform« (so ein
früherer Buchtitel Noltes) sich als
Reformvermeidungsgeneration entpuppt hat. Warum das so
sein könnte, darüber lohnt es sich allerdings tiefer
nachzudenken, als es Nolte tut.
(...).
Während meine Generation die Universität ohne jeglichen
Zweifel verlassen konnte, daß sie einen gutbezahlten
Arbeitsplatz finden würde (den Index für die später
auszuzahlende Rente hätten wir nur nachschlagen müssen),
stehen heute selbst die Besten, die Erfahrensten,
Risikobereitesten zunächst meist vor den verschlossenen
Türen des Arbeitsmarktes. Wie man zwei Karrieren, einen
Haushalt und Elternschaft verbindet, ist zu einem
riskanten Kunststück geworden, das keiner Generation zuvor
selbstverständlich abverlangt wurde. Es braucht wenig
Soziologie, um zu verstehen, daß selbst der unbändige
Kinderwunsch sich, wenn noch nicht einmal (wie in
Frankreich oder Schweden) Kindertagesstätten angeboten
werden, in ein Risiko verwandelt, das Mann und Frau nicht
mehr eingehen wollen."
Der
Rest ist typischer BECK-Sound, der NOLTE offensichtlich
Pate steht.
-
BECK, Ulrich (2006): Falscher Alarmismus.
Der Streit um die Bevölkerungsentwicklung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.08.
- Anmerkung:
Im Buch
"Die Single-Lüge"
wird dem Soziologen Ulrich BECK vorgeworfen, dass er dem
Nationalkonservatismus Vorschub geleistet hat. Nun beklagt
BECK den methodologischen Nationalismus der
"Nabelschau-Demographie". Aber kann es einen richtigen
Alarmismus à la Ulrich BECK geben? [mehr]
- BECK, Ulrich (2008):
Nicht nur Stilfragen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 06.11.
- Inhalt:
"Für
Deutschland könnte Obamas kosmopolitischer Realismus
erhebliche Folgen haben. Er wird (...) von Europa,
insbesondere aber auch von Deutschland mehr
kosmopolitisches Engagement verlangen. Der Rückzug ins
nationale Schneckenhaus wird für Deutschland deutlich
schwieriger werden",
meint der Soziologe Ulrich BECK zum Wahlausgang in den
USA.
- Neu:
BECK, Ulrich (2009): Es gibt keine Anderen mehr.
Weltinnenpolitik,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.11.
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- PONGS, Armin (1999):
Ulrich Beck - Die Risikogesellschaft,
in: In welcher Gesellschaft
leben wir eigentlich? Gesellschaftskonzepte im
Vergleich,
Band 1, München: Dilemma Verlag
- KOCH,
Hannes (2002): "Attac in den
Währungsfonds".
Der
Soziologe Ulrich Beck will Stimmrecht in
transnationalen Organisationen für
Globalisierungskritiker,
in: TAZ
v. 31.01.
- Kommentar:
Der Soziologe Ulrich BECK, ein
Sprachrohr der zweitmodernen,
transnationalen Eliten, muss eingestehen,
dass die globalen Nomaden auf die
vor-zweitmodernen Sicherheitsstaaten
angewiesen sind, denn sie haben ein
existentielles - notgedrungen
körperlich-geografisches - Interesse
"an einem sicheren Leben, an
Wohlstand und Bildung".
BECK
fordert deshalb eine
"Weltinnenpolitik", d.h. eine
Politik, die Nationalstaaten dazu zwingen
soll, die zweitmodernen Interessen der
transnationalen Eliten gegen die
erstmodernen Interessen der jeweiligen
Staatsbürger durchzusetzen. Damit dies
auch moralisch korrekt erscheint, werden
die zweitmodernen, transnationalen Eliten
zu Anwälten von Flüchtlingen und
Migranten.
- WEIDT, Birgit (2004): Die Utopie des
Weniger.
Ein Traum geht zu Ende: Immerwährender Wohlstand und soziale
Sicherheit sind in Deutschland nicht mehr zu garantieren. Wir sollen
die bittere Medizin der Reformen schlucken, damit alles wieder
besser wird. Aber unsre Idee vom Fortschritt ist ausgehöhlt - und es
wird auch nie mehr so, wie es mal war. Zeit für ein neues
Gesellschaftsideal, meint der Soziologe Ulrich Beck,
in:
Psychologie Heute, Nr.10,
Oktober
- Kommentar:
Die Überschrift führt in die falsche
Richtung, denn Ulrich BECK redet in erster Linie über die
Bedingungen des Weniger, denen mit der Wiedervereinigung zum
Durchbruch verholfen wurde.
Die so genannte
Multioptionsgesellschaft erhält dadurch einen neuen
Sinn:
"Wir alle müssen immerzu wählen,
aber nicht mehr zwischen Chancen, sondern zwischen Übeln."
Auch der
Begriff der "Vollkaskoindividualisierung"
wird nun mit neuer Bedeutung gefüllt:
"PH: Sie haben einmal von der
Vollkaskoindividualisierung geschrieben. Schlägt die jetzt um in
eine Gefahren-Individualisierung?
BECK: Ja, die Politiker sprechen von einer Stärkung der
»Eigenverantwortung«. Aber das ist oft nur eine beschönigende
Bezeichnung, ein Lückenbüßer für leere Kassen und Ratlosigkeit.
Die Risiken, die früher der Staat auf sich nahm, werden jetzt auf
die Menschen abgewälzt".
Der
Terror der Individualisierungsthese,
bei dem Ulrich BECK an vorderster Front mitgewirkt hat, bleibt
dagegen ausgeklammert.
-
MÜLLER-NEUHOF, Jost (2004): "Das ist ein Umsturz".
DIE GRENZEN DER REFORMEN: Was der Staat für seine Bürger leisten
muss. Der Soziologe Ulrich Beck über den Abschied von der sozialen
Sicherheit – und was danach kommen wird,
in: Tagesspiegel v. 10.10.
-
HILLENKAMP, Sven (2008): "Jeder kann seinen eigenen Gott
erschaffen".
Neue Religiosität und leere Kirchen sind für Ulrich Beck kein
Widerspruch: Buddhismus, Pilgerwandern, Koran – moderner Glaube ist
ein spiritueller Baukasten,
in: Tagesspiegel v. 20.07.
-
KOCH, Hannes (2008): "Die Finanzkrise hat aus Schurken Helden
gemacht".
Milliardenhilfen für die Banken? Das darf nicht die einzige Folge
der Finanzkrise sein, sagt der Soziologe Ulrich Beck im
SPIEGEL-ONLINE-Interview. Er fordert: Der Staat muss die Chance
nutzen, die Wirtschaft endlich wieder sozial und demokratischer zu
machen,
in: Spiegel Online v. 15.10.
-
UNIVERSITAS (2008): Auf der Suche nach dem eigenen Gott.
Gespräch mit Ulrich Beck,
in: Universitas,
November
- WIDMANN, Arno (2008): Handeln im
Zustand des Nicht-Wissens.
Ulrich Beck, Theoretiker der Risikogesellschaft, über die
Wendehälse der Finanzkrise und die Bedeutung Europas,
in: Frankfurter
Rundschau v. 05.11.
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