"Die »Zweite
Moderne« Ulrich Becks, so der Autor
dieses Bandes, ist die kulturelle
Reflexionsform eines neoliberalen
Umbaus von Wirtschaft, Gesellschaft
und Staat, der seit den 90er Jahren
im Gange ist. Becks Theoreme einer
reflexiven Modernisierung"
werden unter drei Aspekten
betrachtet: der Wahlverwandtschaft
mit ihrer neoliberalen Konkurrenz,
ihrem autoritären Wesen und ihrem
Ästhetizismus. Dabei entpuppt sich
die »Zweite Moderne« als
geschichtsphilosophisches Konstrukt,
als Revitalisierung einer in ihrem
Kern frühbürgerlichen,
naturrechtlich-vertragstheoretisch
hergeleiteten und deshalb
antiquierten Utopie."
Zitat:
Sprachmagier Beck
"Stimmt meine
Generalthese (...) so hätte das eine
viel radikalere Sprachkritik
verlangt, als ich zu formulieren in
der Lage bin (...). Vielleicht regt
seine Ausweisung ja eine kompetente
Person dazu an, sich der Aufgabe
anzunehmen. Es wäre ein wirklich
lohnenswertes Objekt" (S.18).
Zitat:
Die Argumentationslogik der
Modernisierer
"In den politischen
Auseinandersetzungen kristallisieren
sich drei Fraktionen heraus. Den
Parteigängern der Erstmoderne hält
die zweitmoderne Theorie ihre
hoffnungslose Antiquiertheit entgegen
(...). Die Politik der Verlierer
steht in der Gefahr, den
gesellschaftlichen Wandel pauschal zu
verdammen und sich im Namen
fundamentalistischer Positionen von
ihm abzuschotten. Beim Sieg dieser
Fraktion droht der Rückfall in eine
Gegenmoderne. Die dritte politische
Kraft, die Modernisierungsgewinner,
bejaht den gesellschaftlichen Umbruch
und treibt ihn voran, ist also per
definitionem progessiv, Subjekt des
»Dritten Weges«" (S. 56).
Zitat:
Der Vorteil multipler
Anschlussfähigkeit
"Inhaltlich gleicht
Becks Modernisierungssoziologie (...)
einem Supermarkt, dessen Sortiment
jedes, auch das gegensätzlichste
Bedürfnis zu befriedigen versucht
(...). Mit Ausnahme der
Gegenmodernisierer und der
Erstmodernisten will er (...) die
anderen politischen Richtungen
zumindest partiell bedienen und ein
Stück weit die verschiedensten
politischen Bedürfnisse befriedigen,
was ihn seinerseits zum Berater für
auf den ersten Blick so
gegensätzliche politische Kräfte
wie die bayerisch-sächsische
Zukunftskommission und den
amtierenden Bundeskanzler
qualifiziert. Sein darstellerisches
Chaos hat also durchaus System"
(S.60).
Zitat:
Beck als Wiedergänger von Helmut
Schelsky
"Gesamtgesellschaftliche
handelt es sich bei seiner
Individualisierungstheorie (...) um
eine Neuformulierung der These einer
nivellierten
Mittelstandsgesellschaft"
(S.135).
Zitat:
Michel Houellebecq als Literat
der individualisierten
Gesellschaft
"Im Ergebnis
reduzieren sich die freiheitlichen
Potenzen seiner Individualisierung,
bei denen es sich in Wirklichkeit um
die Vergrößerung von Freiräumen
und die Verflüssigung des Selbst
handelt, auf seine Konsum- und
Therapiegesellschaft. Der Öde,
Leere, Hohlheit, Verzweiflung und
Angst der in ihnen praktizierten
individuellen Selbst-Kultur eines
ungelebten Lebens hat jüngst Michel
Houellebecq (1999; 2000)
literarischen Ausdruck verschafft.
Seine Darstellung des modernen Lebens
der akademischen
Mittelklasse-Individuen deckt sich
mit den (...) theoretischen Befunden.
In ihren Analysen konstatieren sie
die Erosion des Individuums in dem
Maße wie die vor- und
nichtkapitalistischen Lebensbereiche
und Moralbestände aufgezehrt und
durch Ware-Geld-Beziehungen
substituiert werden" (S. 142f.).