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Debatte und weiterführende Literatur (teilweise verlinkt)

 
   

Die Zukunft der Grünen:

 
   

Imagewandel: Von der Single- zur Familienpartei oder die neueste Revolte aus deutschen Pfarrhäusern

 
       
     
       
   
 
 

"Kinder, sagt man, treten in die Fußstapfen ihrer Eltern, oder sie machen alles anders. Ich liege irgendwo dazwischen.
Sicher, gemessen an den Idealen meiner Erzeuger bin ich ein reichlich missratener Spross, aber im praktischen Leben sind wir gar nicht so verschieden. Ich lebe zum Beispiel in einer Wohngemeinschaft. Das finden die Renate und der Eberhard ziemlich cool, ihr Sohn wohnt in 'ner WG! Zugegeben, es handelt sich um eine Doppelhaushälfte - doch wir leben da zu viert. Zwei Paare. Marion und A gehören zusammen und meine Angetraute und ich natürlich.
Ohne denen, die in sentimentalen Erinnerungen an ihre Kommunenzeit schwelgen, allzu nahe treten zu wollen, aber unser Zusammenleben klappt bestens."
(Jess Jochimsen "Das Dosenmilchtrauma. Bekenntnisse eines 68er-Kindes", 2000, S.41)

Die Grünen - Auf dem Weg zur Partei der Kinder von Ulrich Beck und VW Golf?

Das Pfarrhaus im Thüringschen Ingersleben ist nach BUCHSTEINER (ZEIT v. 10.05.2001) der Ort gewesen, an dem die Grünen der Generation Golf einen "Aufstand mit ungewissen Folgen geprobt" haben. Es war der Versuch einer Antwort auf den Düsseldorfer Parteitag der FDP, die mit Guido WESTERWELLE auf Freiheit und Bildung setzte. Die Grünen scheinen sich die FDP-Parole vom "Kampf gegen den Abstieg" zu eigen machen zu wollen. Von einer Partei, die sich am Abgrund sieht, kann man jedoch keine vernünftige Politik, sondern nur hektische Imagepflege erwarten. Revolten, die im Pfarrhaus beginnen, haben in Deutschland zudem einen zweifelhaften Ruf. Ob hier gar Benjamin STUCKRAD-BARRE Pate gestanden hat? Schließlich ist Familie derzeit Pop!
Von Katrin GÖRING-ECKARDT ist jedenfalls der Satz überliefert: "Wir Jüngeren müssen zeigen, dass wir keine 68er-Partei mehr sind".

      Es sieht aber nicht danach aus, als ob diese Grünen wüssten, wovon sie reden. Sie sind jedoch offensichtlich gelehrige Schüler des Soziologen Ulrich BECK aus der 68er-Kohorte. Die 68er wollten ursprünglich zurück zur Großfamilie und lebten deshalb in Kommunen, die im Laufe der Zeit zu Wohngemeinschaften und Hausgemeinschaften mutierten. Die 68er wollten also die Kleinfamilie zugunsten einer älteren Familienform überwinden. Es muss als eine Ironie der Geschichte angesehen werden, dass diese neuen Wohnformen der 68er wesentlich zum rapiden Anstieg der Single-Haushalte geführt haben, weil das Statistische Bundesamt weder Wohn- noch Hausgemeinschaften kennt.
      Ulrich BECK hat diesen Wandel der Haushaltsformen als Beleg dafür genommen, dass Deutschland auf dem Weg in die "Single-Gesellschaft" ist. Auch jene 68er, die zurück zur Großfamilie wollten, kritisierten die Vereinzelung und Individualisierung. BECK hat diese Kritik lediglich aufgegriffen und weitergeführt. Seit BECK will man jedoch nicht mehr zurück zur Großfamilie, sondern zurück zur Kleinfamilie. Und da wären wir genau bei diesen Grünen um GÖRING-ECKARDT.
      Das Gemeinsame der 68er und der Grünen aus der Generation Golf ist die Orientierung an Familienmythen. Die Großfamilie war kein historisch weit verbreitetes Familienmodell, sondern ein bürgerliches Familienideal. Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung wäre die Großfamilie heutzutage erstmals wirklich lebbar, aber das gegenwärtig gelebte Modell ist die Multilokale Mehrgenerationen-Familie. Die postmodernen Grünen wollen hinter dieses Modell zurück. Dem stehen jedoch sowohl die Zwänge der zukünftigen Wissensgesellschaft, als auch das veränderte Lebenslaufregime und die veränderten Wohnbedingungen entgegen.
      Der Lebenslauf der Menschen wird bildungs- und damit arbeitsmarktabhängiger als je zuvor. Die Rede vom "lebenslangen Lernen" ist Ausdruck dieser Veränderung. Die gestiegene Lebenserwartung führt dazu, dass mehr Generationen als jemals zuvor miteinander auskommen müssen und dass die Familienphase an Bedeutung verliert. Eine 80jährige Frau ist nur ein halbes Erwachsenenleben gebärfähig. Elternschaft ist jedoch nicht nur in diesem biologischen Sinne, sondern auch im sozialen Sinne zu verstehen. Ältere Frauen können soziale Eltern sein und sind dies oftmals auch.
      Der Hinweis darauf, dass Haushalte mit Kindern in der Minderzahl sind, verführt zu falschen Schlussfolgerungen. Haushaltsübergreifende Generationenzusammenhänge und Erziehungszusammenhänge werden statistisch nicht sichtbar. Kürzlich hat der Soziologe Bruno HILDENBRAND (siehe Ostthüringische Zeitung v. 25.05.2001) darauf hingewiesen, dass gerade in den Städten die Entfernung zwischen Familienangehörigen wesentlich niedriger ist als auf dem Land. Hausgemeinschaften von Eltern und Kindern in Einliegerwohnungen werden genauso wenig erfasst wie jene von Singles, Paaren und Familien. Wer - wie die Grünen - die gemeinsame Wohnung zum Zentrum des Familienbegriffs macht, der blendet viele Familienformen und soziale Wohnformen aus.
      Wenn Fritz KUHN (siehe Welt v. 16.05.2001) fordert, "dass in der Partei auch diejenigen für Kinder einstehen, die selbst keine haben" und dies als Beitrag zur Überwindung einer "Spaltung der Gesellschaft in Eltern und Kinderlose" bewertet, so unterstellt er den Kinderlosen, dass sie bisher nicht für Kinder eingestanden sind. Eine solche Sichtweise ist ungerechtfertigt. Es deutet aber vor allem darauf hin, dass innerparteiliche Willensbildungsprozesse, in denen Kinderlose ihre spezifische Perspektive einbringen möchten, unerwünscht sind. Wenn eine kinderfreundliche Gesellschaft aber zur Kinderlosenfeindlichkeit führt, dann ist dies bedenklich, weil Familien und Singles in Zukunft in verstärktem Masse miteinander auskommen müssen. Nicht weil - wie allgemein unterstellt wird - die Zahl freiwilliger Kinderloser zunehmen wird, sondern aufgrund struktureller Kinderlosigkeit.
      Die strukturelle Kinderlosigkeit ist wie bereits erwähnt die Folge der steigenden Lebenserwartung, desweiteren gibt es seit längerem einen Männerüberschuss bei den jüngeren Jahrgängen. Kinderlosigkeit wird also zunehmend das Schicksal von Männern werden. Hinzu kommt, dass Männer sich immer noch als Alleinernährer von Familien verstehen. In der Dienstleistungsgesellschaft nehmen jedoch die McJobs zu, die eine "standesgemäße" Familiengründung unmöglich machen. Nicht vergessen werden darf die Zunahme von Unfruchtbarkeit.
      Grüne Familienpolitik kann deshalb nicht allein heißen, Politik für Familienhaushalte zu machen, sondern Familienpolitik muss ihre Aufgabe auch darin sehen, die sozialen Potenziale der beiden Lebensformen "Single" und "Familie" zu fördern. Wer die Spaltung der Gesellschaft in Eltern und Kinderlose verhindern will, der muss Integrationsangebote machen. Ein Beispiel wäre z.B. die Förderung von Hausgemeinschaften, bei denen Singles, Paare und Familien jeweils ihren besonderen Beitrag zum Gemeinwohl leisten können.
      Das Beispiel des Bremer Beginenhofs zeigt, dass einerseits ein gesellschaftlicher Bedarf dafür besteht, andererseits aber eine geschlechtsspezifische Spaltung bei den Wohnformen droht. Eine solche Spaltung ist jedoch genauso wenig wünschenswert wie eine generationenspezifische Spaltung, die dann droht, wenn die Zeitdimension "Lebenslauf" bei der familienpolitischen Debatte vernachlässigt wird und die multilokale Mehrgenerationen-Familie nicht als Familienform wahrgenommen wird.

 
 
 
       
   

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Die Debatte um die grüne Familienpartei:

 
   
  • BUCHSTEINER, Jochen (2001): Lasset die Kinder zu uns kommen.
    Der grüne Führungsnachwuchs rüstet zum Kampf. Noch vor der Wahl soll ein neues Image her: "Wir, die Familienpartei",
    in: Die ZEIT Nr.20 v. 10.05.
  • BRUNS, Tissy & Stephan HASELBERGER (2001): Ab in die Mitte,
    in: Welt v. 16.05.
  • KÖNIG, Jens (2001): "Kein Krieg gegen Singles",
    in:
    TAZ v. 29.05.
    • Interview mit Katrin Göring-Eckardt (siehe dort)
  • FRIED, Nico & Andreas HOFFMANN (2001): "Glückliche Eltern produzieren glückliche Kinder".
    Die grüne Agrarministerin fordert eine Neuausrichtung der Politik am Wohl der Familie / 600 Mark Kindergeld, bessere Spielplätze, mehr Wohnraum,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 05.06.
    • Inhalt:
      Interview mit Renate KÜNAST über grüne Familienpolitik
      "Der traditionelle Familienbegriff gilt nicht mehr. Familie ist heute, wo Kinder sind.
      SZ: Die potenzielle Wählerschaft der Grünen verbindet man nicht unbedingt mit Kinderreichtum. Das sind vor allem junge Leute, Studenten, Singles...
      Künast: ...auch Singles können Kinder haben, wenn ich mir diesen Hinweis erlauben darf."
  • MARTENSTEIN, Harald (2001): Ein Herz für Kinder.
    Über das neue Lieblingsthema der Grünen,
    in: Tagesspiegel v. 06.06.
  • WEILAND, Severin (2001): Grüne kennen nur noch Kinder.
    Eine Gruppe von Bundes- und Landespolitikern der Grünen legt ein Papier zur Kinder- und Familienpolitik vor. Flügelübergreifend wird jede Sparte der Politik von Umwelt bis Soziales mit kinderfreundlichem Blick betrachtet. Fazit: Was den Kleinen nutzt, ist sowieso grün,
    in: TAZ v. 07.06.
  • WEILAND, Severin (2001): Grüne entdecken die Familie.
    Für einen Augenblick haben die Grünen ihre Flügelkämpfe beiseite gelegt: In einem Papier fordern Bundes- und Landespolitiker eine kindgerechte Politik - mit Familien als "Verantwortungsgemeinschaften" sowie kostenlosen Kitas und Ganztagsschulen,
    in: TAZ v. 07.06.
  • PÖTTER, Bernhard (2001): Harte Politik, kein Kinderspiel.
    Die Grünen sind auf dem Weg zu einer gerechteren Familienpolitik,
    in: TAZ v. 07.06.
    • Kommentar:
      Die Grünen betreiben eine Romantisierung der Familienpolitik.
            Der Begriffswandel von der "Familienpolitik" zur "Kinderpolitik" soll einen Politikwechsel andeuten. Nicht mehr Frauen- oder Eheförderung, sondern Kinderförderung und damit die Lebensqualität von Kindern soll nach WEILAND im Zentrum der neuen grünen Politik stehen.
            Fragt sich nur, wie dies durchgesetzt werden soll. Wer kann verhindern, dass das Kindergeld nicht den Eltern, sondern den Kindern zugute kommt? Ein Kasten Bier mehr für den Familienvater, eine Flasche Champagner für die Mutter. Schließlich sind die Eltern die neuen Leistungsträger der Gesellschaft und das Kindergeld quasi Ersatzlohn!
            Wie soll verhindert werden, dass die Kluft zwischen den benachteiligten Kindern - also den familienlosen Kindern sowie den ungewollten Kindern - und den besser gestellten Kindern fördernder Eltern nicht noch größer wird?
      Durch einen Kinderschutzbeauftragten wie PÖTTER fordert? Dagegen spricht die bürgerliche Privatreligion "Kind". Der Staat soll zwar die Familie fördern, aber gefälligst die Privatsphäre Familie unangetastet lassen, denn die Familie ist in romantischer Sicht das letzte Bollwerk gegen den globalen, digitalen Kapitalismus wie es Peter GLOTZ oder Michel HOUELLEBECQ formulieren.
            Auch die demographische Entwicklung erfordert gemäß deutschem Mainstream mehr Kinder, um den Wohlstand der heutigen Erwachsenen zu sichern. Es erstaunt jedoch, dass selbst ostdeutsche Politiker fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen für den Kindermangel verantwortlich machen.
      Gerade die neuen Bundesländer zeigen jedoch, dass sich Geburtenausfall und Vorhandensein von Kinderbetreuungseinrichtungen keineswegs ausschließen.
      In Ostdeutschland mit seiner kinderfreundlichen Infrastruktur liegt die Geburtenrate gegenwärtig bei 1,1, während sie in Westdeutschland mit seiner kinderfeindlichen Infrastruktur bei 1,5 liegt.
            Die Babyflaute muss also auch andere Ursachen haben, die sich nicht mit einer Familienpolitik für wohlhabende Großstadtyuppies mit Kinderwunsch (Die Stadtsoziologin Monika ALISCH hat hierfür den Begriff "Family-Gentrification" geprägt) aus der Welt schaffen lassen. Die Schaffung sicherer, zukunftsfähiger Arbeitsplätze, mit denen sich Familien ernähren lassen, ist möglicherweise die bessere Familienpolitik. Eine Kindergrundsicherung ist dagegen das Eingeständnis, dass die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik versagt hat.
  • LOHSE, Eckart (2001): Noch hat das schöne Papier vom Kinderparadies keine Flecken.
    Über die Finanzierung ihrer Vorschläge beraten die jungen Grünen ein andermal,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.06.
    • Kommentar:
      LOHSE vergleicht das Thesenpapier der Familiengrünen mit den "romantisierenden Zeilen" des Popstars Herbert GRÖNEMEYER ("Kinder an die Macht"). LOHSE spricht von einem "Formelkompromiss", der sowohl den Realos als auch dem linken Flügel gerecht wird. Der Preis dafür ist jedoch die Ausklammerung der Finanzierungsfrage.
  • MONATH, Hans (2001): Alternativ - und konservativ.
    Die Grünen entdecken die Kinder - und versöhnen sich nebenbei mit sich selbst,
    in: Tagesspiegel v. 08.06
  • KÖNIG, Jens (2001): Zwei gute Gründe Angst zu haben,
    in:
    TAZ v. 10.07.
    • Kommentar:
      "Fischer hat seine Partei aufgefordert, mit fünf einfachen, plakativen Losungen in den Bundestagswahlkampf zu gehen: die Grünen als Partei der Energiewende, des Verbraucherschutzes, der Zuwanderung, der kinderfreundlichen Gesellschaft und als Europapartei."
            Wer möchte nicht eine kinderfreundliche Gesellschaft? Aber wenn das heißt, dass dazu Familien und Generationen gegeneinander ausgespielt werden müssen, dann sollte dies misstrauisch machen. Die familienpolitische Wende der Grünen setzt auf die Polarisierung "Familien versus Singles" und nicht auf einen Familienbegriff, der allen Altersgruppen gerecht wird. Die Grünen bleiben damit familienpolitisch eine Ein-Generationenpartei.
  • HASELBERGER, Stephan (2001): Grüne wollen im Wahlkampf nicht die Partei der Familie sein.
    Kerstin Müller: Kinder keine Klammer für Politik,
    in: Welt v. 11.07.
    • Kommentar:
      Nach dem Imageverlust der Partei regt sich erster Widerstand gegen den geplanten Imagewandel der Grünen zur Familienpartei.
            Eine rein ablehnende Haltung wie jene von Kerstin Müller ist jedoch keine Lösung. Leerformeln wie "Grüne als Partei des sozialen Interessenausgleichs" helfen da kaum weiter.
            Gefordert ist eine Programmatik, die nicht auf eine polarisierende Begrifflichkeit setzt (Familien- versus Single-Haushalte), sondern soziale Beziehungstypen, generationentypische Lebensläufe und alterstypische Lebensphasen berücksichtigt. Solange diese gesellschaftliche Debatte nicht geführt wird, werden die politischen Parteien ihre veralteten Familienbegriffe nicht aufgeben.
  • GASEROW, Vera (2001): Kopf oder Sonne.
    Bei den Grünen knirscht es an vielen Ecken, und in der bundesweiten Rangskala ist nicht mal mehr Platz vier sicher,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.07.
  • FRIED, Nico (2001): Ach, Kinder!
    Führende Grüne wollen die Partei in der Familienpolitik profilieren - bislang ist das die einzige Gemeinsamkeit in dieser Frage,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.07.
  • HASELBERGER, Stephan (2001): Kuhn: Wir sind die Kinderpartei.
    Der Grünen-Vorsitzende ruft zur Mäßigung bei der Debatte über das neue Grundsatzprogramm,
    in: Welt v. 14.07.
  • MEISNER, Matthias & Hans MONATH (2001): Kinder, Kinder.
    Die Grünen wollen mit neuem Programm erwachsener wirken. Und diskutieren über den Wert der Familie,
    in: Tagesspiegel v. 16.07.
    • Kommentar:
      Die Autoren sehen in dem Entwurf keine Vorentscheidung über den Stellenwert einer "Politik für Kinder". Grüne Kinderpolitiker der "Generation Golf" möchten die Kontroverse "Familien versus Singles" ins Zentrum grüner Politik rücken. Damit konnten sie sich jedoch nicht durchsetzen. Der Tagesspiegel nennt neben Fritz Kuhn auch Joschka Fischer als Fürsprecher von Kinderpolitik.
  • SCHLÜTER, Christian (2001): Verraten und verkauft.
    Und das ist auch gut so: Bündnis 90/Die Grünen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 18.07.
    • Inhalt:
      SCHLÜTER zeichnet den Weg von den "jugendbewegten Protestler aus den 70-ern" als kurzen Weg von der Selbstverwirklichung bis zum hedonistischen Materialismus, von "Histomat" zum "Hedomat". Das Grünen-Milieu beschreibt er als Milieu des Verdachts - das Gegen- oder Anti- nach innen wie nach außen - den Grünen "eher affektiven als programmatischen Zusammenhalt" verschaffte. Vor diesem Hintergrund analysiert SCHLÜTER das neue Grundsatzprogramm, das den Übergang von der "Anti-Parteien-Partei" zur "Reformpartei" markieren soll. Er liest das Programm als Anleitung, "wie zukünftig mit dem Verrat umzugehen sei, oder als offene Frage, ob und wie die Grünen ohne ihren affektiven Glutkern leben können." SCHLÜTER zufolge haben die Grünen ihr Dilemma, dessen sichtbarer Ausdruck ihr rasanter Imageverlust ist, durch eine Programmatik der Inhaltslosigkeit gelöst: "Ihr neues Grundsatzprogramm ist inhaltlich so dünn, dass an ihm Verrat zu begehen fortan nicht mehr möglich ist."
  • LEHMANN, Anna (2004): Am Elend vorbeifahren.
    Die Grünen sind die Partei der gut Verdienenden. Das ist nicht überraschend. Um grün zu sein, braucht man Geld
    in: TAZ v. 17.08.
    • Kommentar:
      Die Grünen sind die Partei des linken Establishment, eine Öko-FDP, die sich jetzt nur noch von den letzten Resten des schlechten Gewissens verabschieden muss, um sich zum rundum selbstgefälligen neuen Bürgertum der Bobos zu wandeln:

            
        "Der gesellschaftliche Aufstieg der Alt-Grünen ist unübersehbar, personifiziert in einer gut betuchten Ministerriege, die so gar nichts gemein hat mit dem Klischee des in gebatiktes Nesseltuch gewandeten Naturschützers. Den modernen, umfassend gebildeten, Rotwein trinkenden Grünen unterscheidet wenig vom smarten Rotwein trinkenden FDPler. Beide sind Vertreter einer überschaubaren und privilegierten Schicht. Bei den Grünen sammeln sich eher die Professorentöchter, die Pastorensöhne und die Lehrerkinder, die FDP zieht den Unternehmernachwuchs an. Doch auch da klauen die Grünen den Gelben die Wähler"
 
   

Die Grünen der Generation Golf

 
     
   
  • DELIGÖZ, Ekin

    • Biografie
    • MEISNER, Matthias (2001): "Mit einfacher Umverteilung ist nichts zu erreichen".
      Wie Grünen- Politikerin Armut verhüten möchte,
      in: Tagesspiegel v. 18.04.
 
   
  • GÖRING-ECKARDT, Katrin

    • Biografie
    • SCHMITZ, Heinz (2001): "Weniger Rentenbeiträge für Eltern",
      in:
      Handelsblatt v. 05.04.
    • KÖNIG, Jens (2001): "Kein Krieg gegen Singles",
      in:
      TAZ v. 29.05.
    • SCHUMACHER, Oliver & Nico FRIED (2002): "Wir müssen Eltern aus der Schmuddelecke holen".
      SZ-Interview mit Katrin Göring-Eckardt. Die Grünen-Politikerin über die Initiative ihrer Partei für Familien, bessere Kinderbetreuung - und die Kosten,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 01.03.
    • GÖRING-ECKARDT, Katrin (2002): Eltern wollen Wahlfreiheit.
      Die Gesellschaft muss allerdings dafür sorgen, dass Mütter und Väter ihre Kinder so erziehen, wie sie es für richtig halten, wie sie es können, wie es ihnen möglich ist
      in: Welt v. 03.06.
      • Inhalt:
        Die grüne Kinderpolitikerin reagiert auf einen Artikel von Konrad ADAM in der Welt vom 15.05.2002.
    • ULRICH, Bernd (2002): Auf dem Schleichweg zur Macht.
      Katrin Göring-Eckardt könnte der Prototyp der neuen Grünen-Generation sein - morgen soll sie neben Krista Sager neue Fraktionschefin werden,
      in: Tagesspiegel v. 15.10.
      • Kommentar:
        Bernd ULRICH stellt die grüne Kinderpolitikerin Katrin GÖRING-ECKARDT in altväterlicher Manier als sein "Mädchen" vor und betreibt nebenbei familienpolitische Identitätspolitik à la STOIBER.

              
        Die Grüne verkörpert ULRICHs Ideal einer konservativen Familienpolitikerin, die bei den Grünen für einen Generationenwechsel stehen soll:
              
        "Kerstin Müller, die scheidende Fraktionschefin. Drei Jahre ist sie nur älter als Katrin Göring-Eckardt. Trotzdem wird für die unter dem Rubrum Generationswechsel geworben. Zu Recht. Denn Müller ist gewissermaßen die letzte 68erin. Sie hat es in den frühen 80ern immerhin noch geschafft, trotz ihrer Jugend in eine der absterbenden K-Gruppen einzutreten. Während Göring-Eckardt die erste Ganz-und-gar- nicht-68erin wäre, die den Posten bekleidet".
              
        ULRICH macht keinen Hehl daraus, dass das Familienministerium für die Durchsetzung einer anderen Familienpolitik nur zweite Wahl ist, denn Familienpolitik wird überall gemacht, am wenigsten jedoch im dafür vorgesehenen Ressort. Dies zeigt sich auch an den gegenwärtigen Koalitionsvereinbarungen. Nur konservative Zeitungen wie die WELT sind daran interessiert, dass eine ihnen genehme Ministerin wie Renate SCHMIDT oder Katrin GÖRING-ECKARDT das Ressort zu geschlagen bekommt.
    • NAUMANN, Julia & Lisa ARNS (2002): "Joschkas Mädchen" führen die Grünen-Fraktion.
      Sager und Göring-Eckardt gelten als treue Parteigängerinnen des grünen Fürsten - Beide haben Realo-Erfahrung,
      in: Saarbrücker  Zeitung v. 17.10.
      • Inhalt:
        Die Autorinnen porträtieren die neuen Fraktionsspitzen u.a. die grüne Kinderpolitikerin Katrin GÖRING-ECKARDT:

              
        "Mitte der 90er Jahre verlagerte sie ihr Wirken immer mehr in die Bundespartei. Zusammen mit anderen jungen Grünen wie Cem Özdemir gehörte sie zur so genannten »Pizza-Connection« und traf sich regelmäßig mit CDU-Abgeordneten zum Meinungsaustausch. 1998 kam Göring-Eckardt dann selbst in den Bundestag und wurde gesundheits- und rentenpolitische Sprecherin. (...). In der Fraktion gilt sie als kommunikativ - eine Abgeordnete, die Kontakte pflegen kann und gerne die Fäden in der Hand hat. (...). Im Mai 2000 gründete sich die »Ingerslebener Familie« auf Initiative von Göring-Eckardt."
    • BÖHME, Christian/MONATH, Hans/SIRLESCHTOV, Antje (2003): Wie will Rot-Grün das noch schaffen, Frau Göring-Eckardt?
      Die Grünen-Fraktionschefin über Reformen, Rentner - und die Amerikaner,
      in: Tagesspiegel v. 16.02.
      • Inhalt:
        Die Kinderpolitikerin GÖRING-ECKARDT verkündet die aktuelle Leitlinie der Grünenfraktion zur Rentenreform:

              
         "Aufgrund der dramatischen demographischen Veränderungen reicht das bisherige Rentensystem nicht mehr, um ein sorgenfreies Leben im Alter zu sichern. Wir brauchen einen höheren Anteil Privatvorsorge und das Einsehen der jetzigen Rentner, dass dieser Prozess an ihnen nicht spurlos vorbeigehen wird. Wir müssen den Rentenbeitrag kurzfristig wieder senken. Der Beitrag zur Rentenversicherung muss bis zum Ende der Legislaturperiode unter 19 Prozent sinken. Das ist das Ziel. Und er muss in den nächsten 30 Jahren deutlich unter 20 Prozent bleiben".
    • WIRNER, Stefan (2003): KGE geht aufs Ganze.
      Mal kurz durchatmen? Nicht mit den Grünen! Die Mehrheit der Partei unterstützt die Agenda 2010. Der Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt kann der Sozialabbau gar nicht schnell genug gehen,
      in: Jungle World Nr.24 v. 04.06.
 
     
   
  • MÜLLER, Klaus

    • Biografie
    • WILLE, Joachim (2001): "Wir halten eisern an weiteren Ökosteuer-Schritten fest".
      Der schleswig-holsteinische Umweltminister Klaus Müller über die Grünen als Partei, die nicht kuscht, sondern die Zukunft der Kinder plant,
      in: Frankfurter Rundschau v. 28.05.
 
     
     
     
   

Der Fürsprecher

 
   
  • Kuhn, Fritz

    • Biografie
    • BRUNS, Tissy & Stephan HASELBERGER (2001): Ab in die Mitte,
      in: Welt v. 16.05.
      • Kommentar:
        "DIE WELT: In der Grünen-Spitze sind Sie der Einzige, der Kinder hat.
        Kuhn: Es gibt eine ganze Reihe profilierter Grüner mit Kindern. Ich will aber, dass in der Partei auch diejenigen für Kinder einstehen, die selbst keine haben. Wir müssen die Spaltung der Gesellschaft in Eltern und Kinderlose überwinden, wenn Deutschland kinderfreundlicher werden soll."

              Herr KUHN geht von einem Kinderlosen-Begriff aus, der an der Realität dieser Gesellschaft vorbeigeht. Wer nur Haushalte mit Kindern als Familien ansieht, der schafft erst die Spaltung der Gesellschaft in Eltern und Kinderlose, die in dieser Weise gar nicht vorhanden ist.
              Familie wird heutzutage mehrheitlich als multilokale Mehrgenerationen-Familie gelebt. Wer dies ignoriert, der möchte "böse" Eltern, deren Kinder aus dem Haus ausgezogen sind oder vorzeitig gestorben sind (Haushalte ohne Kinder) gegen "gute" Eltern, die mit ihren Kindern zusammenleben (Haushalte mit Kindern) ausspielen. KUHN möchte keine Pluralität der Familienformen, sondern Familien im Sinne der "50er-Jahre-Filmidylle".
              KUHN möchte den Begriff der "Nachhaltigkeit" in die Familienpolitik einführen. Dies ist aber nur ein weiterer Schritt zur Verdinglichung von Kindern. Haben die traditionellen Parteien die Kinder schon zum gesellschaftlichen Leistungsträger stilisiert, was den ökonomisch denkenden "Homo Oeconomicus" voraussetzt und das Kind analog zum "Arbeitnehmer" auffasst, so wollen die Grünen Kinder nun als eine neue Art von "nachwachsenden Rohstoffen" ansehen. Dies setzt den "Homo oecologicus" voraus, der Kinder als Produkt auffasst, das dem Ressourcenmanagement zu unterwerfen ist. Weit und breit ist keine Partei sichtbar, die sich für Kinder "um der Kinder willen" einsetzt. Sie sind Mittel zum Zweck: Entweder zur Wohlstandssicherung der Rentner oder als potentielle Arbeitsmarktteilnehmer.
    • HASELBERGER, Stephan (2001): Kuhn: Wir sind die Kinderpartei.
      Der Grünen-Vorsitzende ruft zur Mäßigung bei der Debatte über das neue Grundsatzprogramm,
      in: Welt v. 14.07.
      • Interviewauszug:
        "DIE WELT: Kinder und Familie spielen in dem Programmentwurf eine herausgehobene Rolle, aber keine Hauptrolle, wie von einer Reihe junger Grüner gefordert. Warum nicht?
        Kuhn: Wir sind die Kinderpartei, daran gibt es keinen Zweifel. "Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt" - dieser Spruch war für uns vor 20 Jahren von zentraler Bedeutung und ist es heute noch. Das findet sich in dem Programm auch an vielen Stellen wieder. Wir machen Kinderpolitik, aber nicht als Lobbypolitik für Lebensgemeinschaften mit Kindern gegen Menschen, die keine Kinder haben. Alle haben etwas davon, wenn es den Kindern gut geht."
 
   

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