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"They hurt
you at home and they hit you at school
They hate you if you're clever and they
despise a fool
Till you're so * crazy you can't follow their
rules
A working class hero is something to be
A working class hero is something to be"
(aus: John Lennon "Working Class Hero",
1970)
"Die
Berufsarbeit ist nicht so sehr zugeschnitten
auf den »familienfreien Mann«, sondern
genauer auf den »familienfreien Ehemann«
Idealtypisch gefordert ist eine Ehebeziehung,
in der keinerlei Anforderungen und Ansprüche
an den Mann herangetragen werden, im
Gegenteil möglichst nur Entlastung und
Befreiung von allen Alltagssorgen
erfolgt."
(Elisabeth
Beck-Gernsheim "Das halbierte Leben", 1980)
"Jede/r
hat so seine Haßfiguren, die persönlich
abgelehnt, deren Eigenschaften, Besitz oder
Erfolg aber heimlich begehrt werden: (...)
der blöde Yuppie, der sich alles leisten
kann, der Aufschneider, auf den jeder
reinfällt. (...) Stillschweigend bewundert
man, was lauthals abgelehnt wird,
»neidlose« Anerkennung oder scheinbar nur
Gleichgültigkeit hinterläßt. Doch knapp
unter der Oberfläche des dargestellten
Selbst frißt sich das Gefühl, zu kurz
gekommen zu sein, immer tiefer in die eigene
Seele"
(aus: Sighard
Neckel "Neid - Ein Gefangenendilemma",
in: Ästhetik und Kommunikation, 1991, Heft 77)
"Bei
den Männern ist eine gewisse Polarisierung
erkennbar: Zwar sind viele erfolgreich im
Beruf, aber - verglichen mit gleichaltrigen
Verheirateten - arbeiten auch
überdurchschnittlich viele als un- und
angelernte Arbeiter. Insgesamt sind nicht
alleinlebende Männer etwas erfolgreicher als
Single-Männer. Bei den Frauen dominiert der
Berufserfolg (...).
Die Gründe hierfür liegen, neben den
bekannten, Frauen oft hinderlichen
Mechanismen des Arbeitsmarkts darin, daß
Männer durch Paarbeziehungen und
Familienstrukturen häufig Entlastung,
Motivation und Begünstigung erfahren, Frauen
hingegen Belastungen"
(Stefan
Hradil "Die
'Single-Gesellschaft'", 1995)
"Die
Kohabitation (Anm.d.Verf.: nichteheliche
Lebensgemeinschaft) wurde (...) in den
siebziger Jahren als neue Lebensform
etabliert, zunächst nicht als Alternative
zur Ehe im allgemeinen, sondern als
Alternative zur frühen Ehe, zum Alleinleben
und zum längeren Verweilen im Elternhaus.
Ihre Träger waren die jungen Erwachsenen der
Bildungsexpansionsphase.
Hier taucht die Frage auf, ob vielleicht
diese Generation der Bildungsexpansion
besonders anfällig ist für das Scheitern
von Ehe und Familie, nicht nur, weil sie die
erste ist, die das Experiment versucht,
anders zu leben (...), sondern auch, weil es
sich dabei häufig um soziale Aufsteiger
handelt. Bei ihnen sind Probleme mit der
habituellen Übereinstimmung in der
Partnerschaft wahrscheinlicher, sind sie doch
hin- und hergerissen zwischen dem
Herkunftsmilieu (meist Arbeiter- oder
kleinbürgerliches 'Harmoniemilieu') und dem
durch den Gang ins Bildungsmilieu erworbenen
Selbstverwirklichungsdiskurs."
(Günter
Burkart "Lebensphasen - Liebesphasen", 1997,
S.90f)
"Einer
der wichtigsten Faktoren für die Zunahme der
jüngeren (...) Singles im mittleren Alter
ist die Bildungsexpansion, weil sie vor allem
für Frauen die Möglichkeit geschaffen hat,
unabhängig von einer Versorgungsehe sich
Lebensunterhalt und Identität über eine
berufliche Tätigkeit selbst zu
sichern."
(Günter
Burkart "Lebensphasen - Liebesphasen", 1997,
S.157)
"Auffällig
sind zum einen die relative
Konfliktlosigkeit, mit der die
Gentrifizierung (Anm.d.V.: Aufwertung) der
Innenstädte durchgesetzt werden konnte, und
zum anderen die Ignoranz der
stadtsoziologischen Gentrificationsforschung
gegenüber jenen städtischen Konflikten, die
infolge der Modernisierungen der Stadtteile
entstanden sind. Die typischen Stadtteile der
Gentrifizierung werden keineswegs dominant
von Möchtegern-Yuppies eingenommen, sondern
insbesondere von (...) ökologisch
orientierten erfolgreichen
Mittelschichten"
(Claudia
Ritter "Lebensstile und Politik:
Zivilisierung - Politisierung - Vergleichgültigung", 1997)
"In
der Öffentlichkeit dient »Neid« als
politischer Kampfbegriff, den (...) vor allem
besser Gestellte benutzen. Wer stets alles
haben kann, was er begehrt, mag mühelos das
Ressentiment bei jenen entdecken, deren
Bestrebungen weniger vornehm aussehen. In den
symbolischen Kämpfen um die Verteilung von
Gütern und Positionen ist der Neidvorwurf
eine beliebte Rhetorik, um Forderungen nach
größerer Teilhabe als Ausdruck häßlicher
Charaktereigenschaften zu diskreditieren.
Darin teilt sich auch immer die Botschaft
sozialer Verachtung mit, wollen sich bessere
Kreise hiermit doch auch moralisch über den
gewöhnlichen Menschen erheben."
(Sighard
Neckel "Blanker Neid, blinde Wut?", in:
Levian, 1999, Nr.2)
"Eine
hohe berufliche Platzierung bzw. beruflicher
Erfolg gehen bis in die 1980er Jahre noch mit
der institutionalisierten Lebensform der Ehe
einher (...). Dieser Zusammenhang zwischen
den beiden Lebensgereichen löst sich
innerhalb von nur zehn Jahren auf. Mit der
Zunahme anderer privater Lebensformen, vor
allem der nichtehelichen Lebensgemeinschaft,
sind diese nicht mehr mit beruflichen
Nachteilen gekoppelt. Die Einschätzung, die
in den 1990er Jahren sowohl im
wissenschaftlichen Kontext als auch in den
Medien häufig zum Ausdruck kam, daß
»Singles« aufgrund der
Arbeitsmarktanforderungen in ihren
Berufskarrieren im Vorteil seien, trifft
jedoch nicht zu - sie haben nur
aufgeholt."
(Angelika
Tölke "Private Lebenssituation und
Karriereentwicklung in männlichen
Biographien", 2000)
"Männer
auf Jobsuche, die sich als »verheiratet«
vorstellen, kriegen Pluspunkte. Das
signalisiert: Ich habe eine Familie zu
ernähren, also bin ich hoch motiviert - und
zu Hause sorgt meine Frau für das wohlige,
die Arbeitskraft erhaltende Nest.
Überdurchschnittliches »Engagement« ist in
Führungspositionen fest eingeplant, eine
intensive Vater-Kind-Beziehung nicht
vorgesehen. Männern, die Erziehungsurlaub
beantragen, droht die soziale Ausgrenzung, im
schlimmeren Fall Mobbing oder sogar die
Kündigung. »Neue« Väter, die mehr als
Sonntagspapa sein wollen, werden als
unsichere Kantonisten eingestuft. Wie Mütter
sind sie einer mittelbaren Diskriminierung
ausgesetzt: Sie sind einfach nicht so mobil
und zeitlich flexibel wie die Kollegen, die
das Hausfrauenmodell
praktizieren."
(Thomas
Gesterkamp "Mann gönnt sich ja sonst
nichts", 2000)
"Ihr
Geld ist nicht geerbt wie bei anständigen
Leuten, so ein Bonmot, sondern selbst
verdient: Nouveau riche. Und um diese Stufe
des Erfolgs und des Prestiges zu erreichen,
wird hart gekämpft, werden radikal die
Wurzeln abgeschnitten, verschämt die Eltern
und Großeltern versteckt, als wäre man aus
dem Nichts geboren."
(Astrid von
Friesen "Ex und hopp und nicht
nach gestern gefragt", Süddeutsche
Zeitung v. 29.04.2000)
"Zumindest
in einem Punkt hat sich seit den fünfziger
Jahren nichts geändert: Für Akademiker mit
Doktortitel ist das gut situierte Elternhaus
nach wie vor das entscheidende Sprungbrett,
um auf einen Spitzen-Posten in der Wirtschaft
zu gelangen"
(Jörg Feuck
"Elternhaus dient als Sprungbrett",
Frankfurter Rundschau v. 04.01.2001)
"Nerds
sind die Menschen, die früher in der Schule
stets als erste die Matheaufgaben gelöst
hatten, beim Sport aber übrig blieben, wenn
die Mannschaften gewählt wurden. Nerds
tragen in der Regel Brillen, oft mit
Schmierfilm und in Modellen jenseits jeder
Mode. Später werden sie keine Freundin haben
- allerdings ohne darunter zu leiden. Sie
haben einen hohen IQ, ein gestörtes
Sozialverhalten, ein Abo für eine abartige
Zeitschrift und eine grässlich anzusehende
Homepage. Der Nerd lebt anspruchslos und
verträglich in Bibliothekskellern,
Gemeindearchiven oder im Silicon Valley. Er
kann stundenlang vorm Bildschirm sitzen,
wobei er Bettfrisur, Hochwasserhosen und
verknöpfte hellblaue Oberhemden trägt.
Weibliche Nerds sind eher selten, weil sich
Frauen weniger gern aus dem sexuellen
Selektionsprozess heraus katapultieren. Die
meisten Nerds verdienen aus Versehen viel
Geld. In sehr frühen Gesellschaften war der
Nerd nicht überlebensfähig, heute besetzt
er ohne sonderliches Interesse an seiner
Umgebung wichtige Schaltstellen. Das ist das
Problem aller anderen."
(Ulrich Steinmetzger "Und über allen wacht Ober-Nerd Bill
Gates", Saarbrücker Zeitung v. 09.01.2001)
"Mit
dem 'Bildungsboom' der siebziger Jahre, und
das war von allen 'Kulturbrüchen' im Gefolge
von '68 mit Abstand der größte, hielten an
den Gymnasien und an den
geisteswissenschaftlichen Fakultäten jene
Heerscharen Einzug, die in erster Generation
mit Gelehrsamkeit konfrontiert wurden. (...).
Der Loslösung von ihrer
proletarisch-kleinbürgerlichen Herkunft
bedürftig (...) waren sie die denkbar
leichteste Beute jener (...)
Weltverbesserungspläne, die damals an den
Universitäten grassierten. Sie kamen aus dem
intellektuellen Nichts und fraßen brav, was
ihnen angeboten wurde. Wie auch anders? Sie
kannten ja nichts, von Haus aus. Dies sollte
nun ihre geistige Heimat sein, und da
schlugen sie umso tiefere Wurzeln, je
kompromissloser sie mit ihren jetzt meist
verachteten Ursprungsmilieus brachen."
(Tilman
Krause "Achtung, erste Generation", Welt
v. 27.01.2001)
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Die Neue Mitte und ihr Interesse an der
Polarisierungsthese "Singles contra Familien"
Die Debatte um die Singlegesellschaft
und die These von der Polarisierung
Singles contra Familien ist Ausdruck der
deutschen Neidgesellschaft. Die
Polarisierungsthese wird vor allem von jenen
vertreten, die selbst Angehörige von wohlhabenden
Familien der Neuen Mitte sind. Sie ist
Ausdruck eines härter werdenden
Verteilungskampfes um sozialstaatliche
Ressourcen.
Seit der Bildungsexpanison
der 60er Jahre ist eine neue
Bildungselite entstanden, die sich nicht im
gleichen Masse im Erwerbssystem widerspiegelt.
Die Folge ist eine Polarisierung zwischen
einer neuen Mittelschicht und einem
"Bildungsproletariat". Diese
Polarisierung ist jedoch nicht so zu verstehen,
dass es zwischen diesen beiden Gruppen keine
Übergänge gibt. Es ist gerade die Angst
vor dem Absturz (Barbara EHRENREICH),
die die Vehemenz des Kampfes der Lebensstile
erklärt.
Peter GLOTZ (1999) hat
dieses Thema für den Digitalen Kapitalismus
variiert. Er beschreibt die Gefahr von
Kulturkämpfen zwischen Beschleunigern
(jene, die ihre Chance in der globalisierten New
Economy sehen) und Entschleunigern (jene, die
sich als Anwälte der Globalisierungsverlierer
verstehen)
. Das jetzige
"Bildungsproletariat" bekommt durch die
New Economy die Chance zum sozialen
Aufstieg. Dies ist eine Bedrohung für
die "alte Mitte". Dieser Kampf ist
bereits im Gange und dokumentiert sich in der heftigen
Debatte um die Neuen Medien und die neuen
Stereotypen Nerds und Yetties
. Sozialer
Aufstieg ist vor allem im Bereich der Neuen
Medien und den neuen technischen Berufen
möglich. Die neuen Medien stellen das
Informationsmonopol der alten Medien und damit
die "alte Mitte" in Frage. Es müssen
neue Themen etabliert werden, um sich
abzugrenzen. Dies wird auch Auswirkungen auf die
Debatte um die Singlegesellschaft haben. Die
gegenwärtige Debatte um die
68er-Generation ist Ausdruck dieses
Kampfes, denn die 68er-Generation besetzt
Schlüsselpositionen im Bereich der alten Medien
und der Politik.
Yuppisierung:
Dichtung und Wahrheit
Alle Studien über
Singles heben die höhere Bildung vor allem bei
den Frauen hervor. Dagegen gibt es so gut wie
keinerlei Untersuchungen über den Zusammenhang
zwischen beruflicher Position und Lebensform. Die
These von der Yuppisierung hat
die öffentliche Debatte so erfolgreich besetzt,
dass wissenschaftliche Untersuchungen gar nicht
erst durchgeführt werden müssen. Die wenigen
Forschungen, die sich diesem Thema widmen, (z.B.
TÖLKE) sprechen eindeutig gegen den behaupteten
Zusammenhang.
Wenn über Singles geredet wird, dann
überwiegend verallgemeinernd. Dies drückt sich
in der Nennung von Durchschnittswerten aus. Durchschnittswerte
verschleiern die vorhandenen Polarisierungen
innerhalb von Singles. Ein hohes
Durchschnittseinkommen bei Singles täuscht
darüber hinweg, dass es hier sowohl bei Männern
als auch bei Frauen extreme Unterschiede gibt. Der kleinen Gruppe von Yuppies
stehen die gut gebildeten, aber beruflich
blockierten (Sozialwissenschaftler sprechen hier
von "Statusinkonsistenz") und die sozial
schwachen Singles gegenüber.
Der
Ungleichheitsforscher Stefan HRADIL lenkt in
seinem Buch »Die
"Single-Gesellschaft"« (1995) den
Blick auf die gut gebildeten, gut verdienenden
und erfolgreichen sozialen Aufsteiger.
Er tut dies, indem er erstens Alleinerziehende,
d.h. Singles mit Kind aus der
Betrachtung ausklammert. Dies führt dazu, dass
Männer in den Untersuchungsfokus geraten, denn
nach Scheidungen werden im allgemeinen
geschiedene Männer Alleinlebende und geschiedene
Frauen Alleinerziehende. Zum anderen werden
Ergebnisse von verschiedenen
Single-Untersuchungen mit jeweils ganz
unterschiedlichen Definitionen herangezogen. Die
Vergleichbarkeit wird dadurch verringert und
entscheidende Daten fehlen gänzlich. Bei der
Beschreibung der Singles hinsichtlich Herkunft,
Bildung, Beruf und Einkommensverhältnissen wird
nicht genau genug nach Geschlecht, Alter und
Familienstand der Singles unterschieden, sodass
die Polarisierungen nicht deutlich sichtbar
werden.
HRADILs Ansatz ist jedoch
typisch für die desolate Lage der
Singleforschung. Der Soziologe Günter BURKART
vertritt einen Milieu- und
biographietheoretischen Ansatz. Seine
Arbeiten befassen sich mit dem zentralen Defizit
der Singleforschung, ohne dass bisher dieses
Defizit grundlegend aufgearbeitet worden wäre.
Qualitative Studien wie jene von BURKART können
zwar das Problem deutlich machen, aber sie
können nichts über das zahlenmäßige Ausmaß
aussagen.
Einzig das Deutsche
Jugendinstitut in München (DJI) hat
bisher repräsentative Daten erhoben, die eine
Kritik der gegenwärtigen Forschungspraxis
ermöglichen. Der Haushaltsansatz der amtlichen
Statistik und der
sozialwissenschaftlichen Untersuchungsdesigns
wird damit aus der Netzwerkperspektive
kritisierbar. Die Auswertung der Daten ist
bislang jedoch noch hinter den Möglichkeiten
zurückgeblieben.
Der blinde Fleck der Singleforschung
Singleforschung war bis in
die 90er Jahre weitgehend Frauenforschung und
Forschung von Frauen über Frauen. Die
männlichen Singles kamen erst in den 90er Jahren
in den Blick, was verwundert, da sie im besten
Singlealter die Mehrheit stellen:
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"Die
Zunahme der Ledigen unter den gesamten
Alleinlebenden scheint (...) in erster Linie
von den Männern verursacht zu werden, deren
Anteil trotz eines kurzfristigen Einbruchs
Ende der 60er Jahre kontinuierlich zugenommen
hat. Die Anteile der geschiedenen und
verheiratet getrenntlebenden Männer ist seit
jeher höher als der der Frauen, da Frauen
nach einer Trennung meist mit ihren Kindern
zusammenlebenden und nicht zu den
Alleinlebenden zählen." (BAUEREISS
& BAYER 1995) |
Es besteht also ein fundamentaler
Widerspruch zwischen der Verbreitung männlicher
Singles und der Fokussierung auf die Minderheit
der weiblichen Singles im mittleren Lebensalter,
der sich nur damit erklären lässt, dass Frauen
sowohl in der Forschung als auch in den Medien
die Debatte bestimmen, während männliche
Singles als sozial Benachteiligte ihre
Perspektive weder in der Forschung, noch in den
Medien ausreichend zur Sprache bringen können.
Die so genannte Krise
des Mannes hat daran nur unwesentlich
gerüttelt. Bei der Krise des Mannes geht es in
erster Linie um die Krise der
Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Nicht Männer, sondern die "neuen
Väter" sind das zentrale Thema dieser
Debatte, die nur eine spezifische Variante der
Debatte um die Singlegesellschaft ist.
Michel HOUELLEBECQs Erfolg liegt vor
allem darin begründet, dass seine Anti-Helden zwar zur Neuen
Mitte gehören, aber im
Privatleben gescheitert sind. Dies macht sie zu
Symbolfiguren der Mütter- und Väterbewegung des
ausgehenden Jahrtausends.
Der Ansatz von Arlene Skolnick: Familie als
umkämpftes Paradies
Vor einem Jahrzehnt ist von der
US-amerikanischen Familiensoziologin Arlene
SKOLNICK "Embattled Paradise: The
American Family in an Age of Uncertainty"
erschienen. Dies müsste eigentlich die Bibel
derjenigen sein, die sich für eine pluralistische
Gesellschaft einsetzen. SKOLNICK
beschreibt in diesem Buch die Folgen einer
Verklärung der 50er-Jahre-Familie, die zu einer
Debatte um die Auflösung der Familie geführt
hat.
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Das umkämpfte Paradies
"For either sex, the single
state was regarded almost as a contagious
disease. A young man who remained single for
too long opened himself up to charges of
'emotional immaturity' or 'latent
homosexuality' - phrases that were part of
the basic vocabulary of the 1950s. An
influential book of the period argued that
all bachelors over thirty should receive
psychotherapy and that spinsters should be
legally forbidden to teach schoolchildren on
the grounds of emo-tional incompetence"
(1991, S. 71). |
SKOLNICK entlarvt die These
vom "Tod der Familie" als Strategie
jener, die in der Kernfamilie
(idealerweise das Zusammenleben von Ehemann und
Ehefrau mit ihren beiden Kindern) die einzige,
legitime Familienform sehen.
Bei der öffentlichen
Debatte um den Niedergang der Familie geht es
also um einen Kulturkampf zwischen
verschiedenen Familienleitbildern und
nicht um die Alternative Singles contra Familien,
wie das die These von der Single-Gesellschaft
(Ulrich BECK) nahe legen möchte.
Der Ansatz von Kurt Lüscher: Familienrhetorik
In Deutschland hat der Konstanzer
Familiensoziologen Kurt LÜSCHER seinen Ansatz
der "Familienrhetorik"
entwickelt, mit dem die Verwendung
wissenschaftlicher Familienbegriffe in der
familienpolitischen Debatte zum Gegenstand
gemacht wird. Inwieweit diese Herangehensweise
fruchtbar ist, muss sich erst noch erweisen. Man
müsste bei der derzeitigen Debatte eher von
"Singlerhetorik"
sprechen.
SKOLNICK hat mit ihrem Buch
wichtige Argumente gegen die Individualisierungsthese
von Ulrich BECK vorgebracht. Die 50er Jahre sind
historisch gesehen die Ausnahme und nicht die
Regel. Mit diesem Perspektivenwechsel können die
Veränderungen anders eingeordnet werden.
Der Bundestagswahlkampf um Familienwerte und die
Folgen für Singles
SKOLNICKs Buch ist zudem ein
Dokument des ersten Clinton-Wahlkampfes, in dem
die Familienwerte ("Family values")
eine zentrale Rolle gespielt haben. Seither ist
die Bedeutung eher gestiegen. Der nächste
Bundestagswahlkampf wird ganz im Zeichen der
Familienwerte stehen. LÜSCHER beurteilte 1995
die Relevanz von Familienleitbildern
folgendermaßen:
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"Die Debatte über »family values« im
amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf
1992 hat gezeigt, daß Familienbilder für
die politische Kontroverse
instrumentalisierbar sind. Familienrhetorik
oder Familienbilder sind überhaupt für den
Begründungszusammenhang von Familienpolitik
und Familienrecht von enormer Bedeutung. Nach
wie vor läßt sich feststellen, daß
familienpolitische Maßnahmen und auch
familienrechtliche Reglungen in Deutschland
und auch in anderen Ländern - trotz aller
Veränderungen - weiterhin vielfach am
bürgerlichen Familienideal ausgerichtet
sind. Nicht nur in die Politik, auch in die
Sozialarbeit, in das Gericht oder in die
Therapie fließen Familienbilder ein und
werden vielfach als impliziter Maßstab er
Beurteilung des Familienalltags
verwendet." |
Die These von der Pluralisierung
der Familienformen ist eher auf das
Wertesystem und weniger auf die
Familienwirklichkeit in Deutschland bezogen.
Waren in den 50er Jahren Kernfamilien die Norm
und andere Familienkonstellationen konnten als
Problemfamilien ignoriert werden, so ist
gegenwärtig der Kampf um die Anerkennung
von Familienformen jenseits der Kernfamilie
entbrannt. Begriffe wie Ein-Elternfamilie,
Patchworkfamilie und Multilokale
Mehrgenerationenfamilie verweisen auf
diesen Sachverhalt.
Singles sind in diesem
Kampf der Lebensstile die Leidtragenden. Ihre
Interessen werden im politischen System nicht
repräsentiert.
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Die Single-Lüge - Das Buch zur Debatte
Die
Single-Debatte ist längst in eine Sackgasse geraten. Dies
wird in diesem Buch u.a. der Individualisierungsthese des
Münchner Soziologen Ulrich Beck angelastet.
Das Buch
sollte als Beitrag zur Versachlichung der Debatte
verstanden werden und liefert deshalb Argumente für eine
neue Sichtweise auf das Single-Dasein im Zeitalter der
Demografiepolitik. |
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