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Thema des Monats

 
   

Die Generation Golf zwei

 
   

Florian Illies für Eilige

 
     
       
   
     
 

Der Stil

Florian ILLIES hat die Debatten in den Neue Mitte-Medien der letzten drei Jahre durch die Generation-Golf-Brille betrachtet und im Stile von Matthias HORX' Zeitgeistschreibe zu einem schnell lesbaren Buch für die Info-Elite zusammengebastelt.

 
     
 
   

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Die Generation Golf - Was ist das?

Florian ILLIES hat den Begriff Generation Golf für sein Buch Generation Golf (2000) geprägt. Damit ist seitdem der stilprägende Teil der Kohorte der 1965 - 1975 Geborenen gemeint. ILLIES hat den Begriff folgendermaßen erklärt:

"Die erste Leidenschaft? Der Börsenboom"

"Mit  »Generation Golf« beschreibe ich nur einen kleinen Ausschnitt. (...). Ein Typus, geboren zwischen 1965 und 1975, aufgewachsen in kleinbürgerlich-bürgerlichen Verhältnissen ohne finanzielle Not. Der in fünf bis zehn Jahren das wirtschaftlichen - nicht das politische - Leben in Deutschland bestimmen wird."
(Badische Zeitung vom 30.03.2000)

Im Jahr 2002 hat die Journalistin Katja KULLMANN mit Generation Ally eine Konkurrenzgeneration auf den Markt gebracht, deren Label sich nicht an einer Automarke orientiert, sondern an der erfolgreichen Fernsehserie Ally McBeal. KULLMANN beschreibt die Generation der 1965 - 1975 Geborenen in ihrem Buch als "Töchter der Emanzipation". Damit ist klar: ILLIES hat nur für den männlichen Teil der Kohorte geschrieben.

Bereits Ende der 1990er Jahre hat Heinz BUDE die Generation Berlin erfunden. Damit ist nun u. a. jener Teil der 1965 - 1975 Geborenen gemeint, die das politische Leben der Berliner Republik bestimmen möchte.

 
     
 
   

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Die Eltern sind schuld - Unsere Quarterlife Crisis

Generation Golf zwei

"Es gibt offenbar seit kurzem ein zweites einschneidendes Ereignis in jeder Biographie der nach 1965 Geborenen. Endlich wurde ein Name für jene Ratlosigkeit gefunden, die nicht durch zu viele, sondern durch zu wenige Widerstände entsteht, für jene Erschöpfung, die einen beschleicht, weil man nicht weiß, wofür man eigentlich kämpfen soll. Wenn man kapituliert vor der Fülle der Möglichkeiten. Keine Eltern mehr hat, die einen zwingen, Jura zu studieren, obwohl man doch so gerne Maler geworden wäre. Wenn man alles darf. Was ganz schön anstrengend ist. Das Phänomen heißt Quarterlife Crisis."
(2003, S.27f.)

 
     
 
   

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Die Korrekturen - Das Ende der New Economy

Generation Golf zwei

"Es war besonders passend, dass der Roman, der am Ende dieser Blase stand, Die Korrekturen hieß. Spätere Mentalitätshistoriker werden sich freuen wenn sie zeigen können, dass Jonathan Franzens Bestseller (...) genau zu dem Zeitpunkt erschien, als die einschneidenden Korrekturen an den naiven Wirtschaftsprognosen vorgenommen wurden. Vielleicht lasen einfach alle in der Zeit, in der sie früher über Aktien geredet hatten, erst einmal Die Korrekturen.
      
Ich saß auf dem Sofa und blätterte, weil Die Korrekturen eindeutig zu dick ist, den neuen Focus mit der Titelgeschichte »Mut zur zweiten Karriere«."
(2003, S.70) 

 
     
 
   

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Die Alten sind schuld - Unsere Wirtschafts-Crisis

Generation Golf zwei

"Unglücklicherweise schlittern wir gerade nicht nur kollektiv in die Quarterlife Crisis hinein, sondern werden zugleich mit der deutschen Wirtschafts-Crisis konfrontiert. Man könnte auch sagen: mit der Realität"
(2003, S.29)

"Von den Älteren, so glaubten wir, war nur Verständnis und keine Gefahr zu erwarten.
(...).
Doch als dann Ron Sommer und Thomas Middelhoff gehen mussten und ihre Nachfolger nicht zehn Jahre jünger waren, sondern zehn Jahre älter, da kapierten wir, dass Jungsein langsam, aber sicher auf den Hund kam."
(2003, S.214f.)

"Und all die Utes der Republik, erstarkt durch Fitnessstudios, Botox-Spritzen gegen die Fältchen, jahrelange Hera-Lind-Lektüre und buddhistische Meditationsübungen, schleudern uns, wie Cora Stephan, ein donnerndes  »Fürchtet die über Fünfzigjährigen« entgegen."
(2003, S.216)

 
     
 
   

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Nichts als Gespenster

Generation Golf zwei

"Ich las das neue Buch von Judith Hermann, Nichts als Gespenster, und hoffte auf Trost und Verständnis für die Leiden meiner Generation. Doch dann las ich ausgerechnet (...) ihre Beschreibung einer Gruppe von Dreißigjährigen: »Von Veränderung sind sie alle sehr weit entfernt, viel weiter, als sie eigentlich wollen«.
      
Ich könnte mir vorstellen, auch mal was ganz anderes zu machen. Wenn man andere diesen Satz sagen hört, wird einem die dabei mitschwingende frühzeitige Entschuldigung bewusst, dass am Ende doch nichts anderes gemacht wird". (2003, S.32)

"Wir kämpfen nicht mehr für Freiheit. Uns reicht es offenbar die Möglichkeit zu haben."
(2003, S.33)

 
     
 
   

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Problemzone Konto

Generation Golf zwei

"Alles ist vorbei. Die New Economy. Die Spaßgesellschaft. Die Popliteratur. Der Neue Markt. Die Börse im Ersten aber bleibt"
(2003, S.62)

Im Abschnitt über den Börsen-Crash beschreibt ILLIES fünf Anlegertypen der Generation Golf und wie sie ihr Geld verloren haben: Der Banker, der Journalist, die Ärztin, der Jurist und die Krankengymnastin.

Generation Golf zwei

"Die 68er hatten das alles eh kommen sehen. Mit Leo Kirch sagten sie: »Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen«, und empfanden den Crash als gerechte Strafe dafür, dass sie sich mit dem Kapitalismus und dem Glamour eingelassen hatten."
(2003, S.57)

 
     
 
   

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Die Gewerkschaft ist schuld - Unsere Arbeitslosigkeit

Generation Golf zwei

"Wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir zugeben, dass Arbeitslosigkeit vor gut drei Jahren etwas war, das wir nur als abstrakte Zahl kannten (...). Wir dachten, das habe nichts mit uns zu tun, da gehe es um die Älteren, um die Bergarbeiter im Ruhrgebiet und die Industriearbeiter im Osten. Aber wir?"
(2003, S.63)

"Wir konnten es erst nicht glauben, dass die deutsche »Sozialauswahl« dafür sorgt, dass die gehen müssen, die dem Unternehmen am kürzesten angehören und die wenigsten Kinder haben. Ulrike Winkelmann hat in der taz in ihrer schönen, bösen »Golf«-Kolumne dazu lapidar bemerkt, wie verrückt es sei, dass alle, die immer gehört hätten, dass sie sich durch ein Kind die Karriere zerstören würden, jetzt plötzlich auf der Straße sitzen, weil sie keine Kinder haben"
(2003, S.64)

 
     
 
   

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Betriebsbedingte Kündigung

Generation Golf zwei

"In unserer öffentlichkeitsfixierten Welt ist natürlich noch eine andere Frage wichtig geworden, nämlich wie soll ich es den anderen beibringen? Seit etwa zwei Jahren sind deshalb die Branchendienste aus Werbung, Journalismus, Medien und Internet vor allem damit beschäftigt, nach möglichst harmlosen Synonymen für die Wörter »Entlassung« und »Rausschmiss« zu suchen."
(2003, S.65)

 
     
 
   

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Die Überlegenheit der 68er-Generation

Generation Golf zwei

"Ich versuche zu protestieren und antworte, die meisten Diät-Bücher würden heute an 68er-Frauen verkauft. Da lacht Ute und sagt, das sei schon gut möglich, aber das seien nur die Nachwehen, schließlich hieß Michael Rutschkys Buch über die 68er nicht ohne Grund Erfahrungshunger. »Aber ihr lest ja Diät- und Fitnessbücher, bevor ihr überhaupt angefangen habt zu essen. « Mir fällt leider keine passende Antwort ein, ich tröste mich mit der Erkenntnis, dass Schlagfertigkeit das ist, was einem auf dem Nachhauseweg einfällt".
(2003, S.204f.)

"Wir werden jetzt offenbar nicht mehr, wie einst, verwöhnt (was wir als normal empfanden), nicht mehr beneidet (was wir uns zumindest einbildeten), nicht mehr verachtet (was wir während des ganzen Börsenbooms gar nicht merkten) - sondern bedauert. Auch Joschka Fischer hat uns ja gerade beschimpft: »Eure Generation deprimiert mich, ihr seid eine Heiapopeia-Jugend, ihr seid langweilig und dröge«."
(2003, S.207)

"Die 68er befinden sich zurzeit im Stadium eines gefährlichen Selbstbewusstseins. Bis auf Heinz sehen alle Männer aus wie Richard Chamberlain in Dornenvögel, wie Lehrer Doktor Specht oder wie Ulrich Wickert und werden plötzlich zu gefährlichen Konkurrenten um die schönsten Frauen, die sie uns in der Regel, braun gebrannt und charmant parlierend, beim Stehempfang ausspannen."
(2003, S.215)

 
     
 
   

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11. September 2001 - Das Ende der Spaßgesellschaft

Generation Golf zwei

"Ich hatte auch schon überlegt, Samuel Huntingtons Buch vom Kampf der Kulturen Onkel Burk zu Weihnachten zu schenken, weil er historisch interessiert ist. Mit unserer Wirklichkeit aber schien das alles nicht viel zu tun zu haben.
      
Doch dann kam der 11. September. Und damit das Ende jenes Zustandes , der in Aldous Huxleys Roman Schöne neue Welt  »Happy Ignorance« heißt: das Glück, unbeteiligt zu sein."
(2003, S.105)

"Wir mussten uns eingestehen, dass uns dieser Anschlag so traf, weil es ein Anschlag auf New York war, auf die Stadt, auf die wir all unsere Träume von Selbstverwirklichung projizieren. Der Besuch New Yorks ist für uns fast zu etwas Selbstverständlichem geworden, so wie für die Älteren die Fahrt mit der Ente nach Paris. Es war also auch ein Angriff auf uns selbst".
(2003, S.103)

 
     
 
   

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Wege, der Angst zu begegnen

Generation Golf zwei

"Wer Angst hat, dass nach dem 11. September und dem Irakkrieg die Welt nicht mehr zur Ruhe kommen und sich der  »Megatrend Bombing« durchsetzen wird, und wer Sorge hat, seinen Job zu verlieren, der genießt es, endlich einmal offline zu sein. So wird das heimische Sofa (...) zum Schutzraum vor der Wirklichkeit. Wer Angst hat vor unsichtbaren Bedrohungen, der sehnt sich nach sichtbarer Sicherheit, und die kann dann auch ein Vorhang sein, den man zuzieht, und ein schwerer großer Holztisch, der sich durch nichts erschüttern lässt".
(2003, S.80)

"Als Reaktion auf den 11. September zogen wir uns nicht weniger auf uns selbst zurück, sondern mehr - auf uns, unsere Familie, unsere Freunde, unsere kleinen Sicherheiten."
(2003, S.106)

"Gegen die Angst versuchten wir uns wieder mit jener Sportart zu wappnen, die ja vielleicht 2012 in Leipzig endlich als olympische Disziplin zugelassen wird: dem Verdrängen"
(2003, S.106) 

 
     
 
   

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Alleinreisen

Generation Golf zwei

"Bei meinen älteren Geschwistern habe ich oft genug miterleben müssen, dass sie, wenn sie sich gerade mal wieder von ihrer großen Liebe getrennt hatten, allein verreisten. (...). Ich (...) habe mir deshalb geschworen, nie allein wegzufahren, komme und verlasse mich, was wolle. Denn das halten nur die härtesten Seelen aus, das sind diese Mir-geht-es-so-supergut-allein-Reisenden".
(2003, S.89)

 
     
 
   

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Ich und meine Kommunikationsausstattung

Generation Golf zwei

"Relativ bald ist uns allen klar geworden, dass das Handy als Kommunikationsmittel kaum taugt. Doch es dient zu etwas viel Besserem, es vermittelt uns das gute Gefühl, nicht allein zu sein."
(2003, S.187)

"Weil es immer besetzt war, freute sich meine Mutter, dass ich offenbar eine Freundin hatte, mit der ich stundenlang telefonierte, in Wahrheit surfte ich einsam in den Weiten des Webs".
(2003, S.198)

 
     
 
   

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Heiraten ist weiblich, Vater spielen männlich

Generation Golf zwei

"»Man kann auch glücklich sein, ohne verheiratet zu sein.« Eigentlich ein alter 68er-Spruch, den man aber aus irgendeinem Grund heute nur noch von Männern hört."
(2003, S.119)

"Ich glaube aber, dass er die Windeln nur wechselt, wenn Gäste da sind oder Barbaras Eltern, damit alle denken müssen, wie wahnsinnig gleichberechtigt es bei ihnen zugeht."
(2003, S.128) 

 
     
 
   

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Babyboom in Berlin

Generation Golf zwei

"Wer von den Dreißig- bis Vierzigjährigen genug Zeit in den Straßencafés in der Sonne verbracht hat, darf irgendwann einen Teutonia-Kinderwagen kaufen und wenig später dann auf die andere Straßenseite überwechseln, auf den Bänken Platz nehmen und seinen Kindern beim Spielen zuschauen. Leider verlieren manche auf dem Weg dorthin ihren Partner und sitzen nun allein erziehend auf der Bank."
(2003, S.136)

 
     
 
   

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Feindbild 68er-Generation

Generation Golf zwei

"Nach dem Krieg geboren, mitten hinein ins Wirtschaftswunderland, eine Jugend mit sexueller Revolution und Anti-Baby-Pille, Kiffen nach dem Oberseminar und erfolgreichem Protest gegen Elternhaus und Gesellschaft, danach als Realschullehrer auf Lebenszeit verbeamtet, Baskenmütze, braune Lederumhängetasche und vierzehn Monatsgehälter, ein Reihenhaus und den zweiten Volvo abbezahlt, und nun, rechtzeitig zum Ende der Ära des permanenten Wohlstandszuwachses, mit sicherer Rente in den Ruhestand verabschiedet. Und die neuen Zähne hat ihnen wahrscheinlich die Krankenkasse auch noch voll bezahlt. Wenn wir mal so weit sind, haben die Krankenkassen vermutlich höchstens noch Geld für ein Fläschchen Klosterfrau Melissengeist".
(2003, S.205)

"Und die (...) deutschen Gewerkschaften, dieser inzwischen merkwürdigsten Verkörperung von selbstgefälligem Besitzstandswahrertum der 68er-Generation." (2003, S.224)

 
     
 
   

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Vorbild 68er-Generation

Generation Golf zwei

"Shoppen am Samstag und brunchen am Sonntagmorgen haben uns lethargisch gemacht. Und denken wir an einem Sonntagabend tatsächlich einmal über unser Verhalten nach, dann schieben wir die Schuld für unser Desinteresse an Staat und Gesellschaft den Politikern in die Schuhe. Das ist natürlich furchtbar bequem. Schließlich wurden die 68er ja auch nicht freundlich von Adenauer und Kiesinger gebeten, sich doch mal ein bisschen politisch zu engagieren."
(2003, S.101)

 
     
 
   

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Vorbild Generation Berlin

Generation Golf zwei

"Wir lebten fast dreißig Jahre lang nett, dank der Gnade der sehr späten Geburt, und mussten uns keine Gedanken darüber machen. Für uns gab es eigentlich keine Widerstände mehr, gegen die wir hätten anrennen müssen, und deshalb kamen wir gar nicht in die Verlegenheit, nach Feierabend noch nach irgendwelchen Argumenten für einen Generationenkonflikt zu suchen. Unsere Eltern hatten ohnehin für alles Verständnis."
(2003, S.208)

"Nur Soziologen wie Heinz Bude erkannten, dass das zu keinem guten Ende führen kann:  »Systemtheoretisch ausgedrückt ist der Befund ernst: Gesellschaftliche Innovation fällt aus, Jugend ist nur noch die leicht modernisierte Variante des Alten.«"
(2003, S.209f.)

 
     
 
   

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Vorbildliche Generationsgenossen

Generation Golf zwei

"Immer mal wieder gibt es vereinzelte wütende Aufrufe der Jungen zu mehr Engagement. So versucht Susanne Leinemann in ihrem Buch Aufgewacht. Mauer weg ihre Altersgenossen wachzurütteln und uns klarzumachen, was uns mit der Wiedervereinigung Unglaubliches widerfahren ist. Oder Christoph Amend, der in Morgen tanzt die ganze Welt beschreibt, wie er selbstverliebt tanzende Mädchen in Berliner Clubs anrempeln und zwingen will, etwas zum Irakkrieg zu sagen. Doch er weiß schon im Voraus, sie werden nur mit den Schultern zucken und auf die Tanzfläche zurückkehren"
(2003, S.219)

 
     
 
   

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Arbeits- statt Erlebnisgesellschaft

Generation Golf zwei

"Man fuhr ins Ausland oder in die deutsche Provinz und sagte dann, man müsse jetzt aber wieder dringend zurück nach Berlin. Da gebe es eine wichtige Premiere im Deutschen Theater. Oder da lege der und der auf. Oder da eröffne eine wichtige Ausstellung in der Auguststraße. (...). Doch irgendwann Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts hat das leider zu kippen begonnen, und wir suchen nun nicht mehr nur nach den angesagten Wohnorten, sondern plötzlich auch nach Arbeitsplätzen."
(2003, S.167)

 
     
 
   

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Deutsch, aber glücklich

Generation Golf zwei

"Bernd Ulrich, altersmäßig zwischen den beiden Generationen stehend, hat in Deutsch, aber glücklich sehr genau beschrieben, wie Politik aussehen könnte in Zeiten der Knappheit. Wir wissen, dass wir den Wohlstandszenit überschritten haben. Doch die Älteren müssen das erst noch kapieren. Und das, so weiß auch Ulrich, ist unwahrscheinlich, weil die Politik zurzeit ausschließlich von Menschen verantwortet wird, die gewohnt sind, Besitzstände fortzuschreiben und mehr zu verteilen, als eigentlich da ist. Und wenn die 68er-Generation in den Ruhestand geht, werden die Pensionskassen so belastet, dass noch weniger da ist."
(2003, S.218)

 
     
 
   

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Die Generation Golf wird politisch

Generation Golf zwei

"Der Soziologe Ludwig von Friedeburg schrieb 1965 über die Studenten, die zwei, drei Jahre später zu den aufgebrachten 68ern werden sollten: »In der modernen Gesellschaft bilden Studenten kaum mehr ein Ferment produktiver Unruhe. Es geht nicht mehr darum, sein Leben oder gar die Welt zu verändern, sondern Angebote bereitwillig aufzunehmen und sich in ihr, so wie sie nun einmal ist, angemessen und distanziert einzurichten.« Hallo? Ist hier wirklich von Rudi Dutschke die Rede, von Alice Schwarzer und von Joschka Fischer? Man kann es kaum glauben, fast hat man den Eindruck, alle Vorurteile der 68er gegen die Generation Golf seien nie präziser zusammengefasst worden als hier (...). Aber langsam, es kommt noch besser. Helmut Schelsky, Erfinder der noch älteren »skeptischen Generation«, wusste in derselben Zeit über die späteren 68er zu berichten: »Aber was sich auch ereignen mag, diese Jugend wird nie revolutionär.«. Wahnsinn. Diese Jugend, die angeblich nie revolutionär werden würde, war dann die einzige Jugend seit Menschengedenken, die es wirklich wurde."
(2003, S.220)   

 
     
 
   

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Die Generation Golf wird aufgemuntert

Generation Golf zwei

"Dass ein Generationenkonflikt jetzt mal dringend ansteht, darauf werden wir zurzeit von allen Seiten hingewiesen, am direktesten vielleicht von Harald Martenstein im Tagesspiegel: »Du, Generation Golf! Bald werden indische Germanisten, indische Brezelverkäufer und indische Singvögel über das Land herfallen, sie werden die CDU kaufen, auseinander nehmen und in großen Schiffen nach China transportieren, weil dort Parteien Mangelware sind, sie werden das Brandenburger Tor in ein Hindu-Heiligtum verwandeln und euch eure Playmobil-Männchen und Golfs wegnehmen. So wird es kommen, wenn ihr nicht endlich fleißiger demonstriert!«
(2003, S.221)

 
     
 
   

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Die Rückkehr zur Familie

Generation Golf zwei

"Familie kommt also, das sagt nicht nur Michel Houellebecq, sondern auch Paul Nolte. Vor kurzem glaubten ja noch alle, die Familie werde zum Auslaufmodell, weil sie der totalen Selbstverwirklichung im Wege stehe. Aber je unsicherer die Welt wirkt, umso attraktiver werden die scheinbar altmodischen Werte. Philipp sagt, da finde er aber die allein stehende Salma Hayek weitaus attraktiver. Und auch Nils meint, das sei ihm viel zu optimistisch. Wenn die Familie wieder attraktiv werde, dann höchstens weil der Gesellschaft klar geworden sei, dass sie es sich finanziell nicht mehr leisten könne, eine Single-Gesellschaft zu sein. Denn dann werde sie bald an Überalterung zu Grunde gehen. Mir fällt zwar kein Gegenargument ein, dafür die Asche von der Zigarette."
(2003, S.246)  

 
     
 
   

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Demonstrieren, aber wofür?

Generation Golf zwei

"Ein guter Vorschlag kam vor kurzem von Ulf Poschardt. Er sprach von seinem Traum: »Tausende von Barbour-Jacken-Trägern mit Nickelbrillen wüten vor der Stuttgarter Konzernzentrale, weil Schrempp den Aktienkurs von DaimlerChrysler nach unten gedrückt hat.« Eine sehr realistische Vorstellung: Wir beginnen dann zu demonstrieren, wenn es so richtig an unser Portemonnaie geht. Aber ich glaube, auch wenn es bald einmal gegen die Auswüchse der Gentechnik gehen wird oder gegen die »Lufthoheit der SPD über die Kinderbetten«, könnte es sein, dass wir mit auf die Straße gehen".
(2003, S.223f.)

 
     
 
   

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Die 68er müssen weg

"Die 68er müssen weg", zitiert ILLIES den Soziologen Ralf DAHRENDORF und malt sich schon mal aus, wie das Jahr 2020 aussieht:

Generation Golf zwei

"Auf den Friedhöfen sieht man plötzlich lauter Grabsteine mit Doppelnamen, und im 68er-Museum in Kreuzberg gehen die Besucherzahlen stark zurück, seit Kartenabreißer Hans-Christian Ströbele in den Ruhestand gegangen ist und zudem der Spiegel enthüllt hat, dass die dreiteiligen Anzüge »Modell Joschka seriös« aus dem Museumsshop in Kinderarbeit in Vietnam hergestellt wurden." (2003, S.250)  

 
     
 
   

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Worauf wir jetzt noch warten

Zum Beispiel darauf, dass Katja KULLMANN Generation Ally zwei schreibt und dass Heinz BUDE Generation Berlin zwei schreibt.  Worauf wir gar nicht warten: dass Reinhard MOHR Generation Zaungäste zwei schreibt, wie das in der Welt bereits angekündigt wurde.  Danach kann Florian ILLIES die nächste Runde eröffnen und Generation Golf drei veröffentlichen.

Helmut ZIEGLER hat in der Augustausgabe von GQ dazu bereits das Erscheinungsdatum (2006) festgelegt, das Coverbild (eine Sackgasse) ausgesucht und den Lebenslauf des Autors weitergesponnen: ILLIES wird dann Feuilletonchef der Neuen Zürcher Zeitung sein, ist mit Jana HENSEL verheiratet und hat bereits zwei Kinder. Aber wie ILLIES im Schlusssatz seines Buches schreibt:

Generation Golf zwei

"Doch wir finden das ein bisschen arg deprimierend (...) und deshalb einigen wir drei uns darauf, dass es ja zum Glück dann doch immer anders kommt, als man so denkt."

 
     
 
   

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zitierte Quellen

 
   

Florian Illies - Generation Golf zwei

JÄGER, Stefan (2000): "Die erste Leidenschaft? Der Börsenboom",
in:
Badische Zeitung v. 30.03.

ZIEGLER, Helmut (2003): Fahrt ins Graue.
Mit der Generation Golf 2 setzt der Berliner Erfolgsautor seine Gedankenreise fort. Helmut Ziegler ist ihm von Anfang an gefolgt und ahnt schon mal das Ende voraus,
in: GQ Gentlemen's World, August

HEINE, Matthias (2003): Alle Unlust will Ewigkeit.
In Generations-Gewittern: Das Gejammer über Altersgruppen nimmt kein Ende - man muss den Autoren beherzt "No Future" zurufen,
in: Welt v. 21.07.

Matthias HEINE ist wenig erfreut über den Generationen-Dschungel. Nach Florian ILLIES' Generation Golf zwei bringt das 2. Halbjahr weitere Bücher:

"Bis eben gerade hatten wir uns der trügerischen Hoffnung hingegeben, dass Florian Illies mit seinem neuen Buch nicht nur die »Generation Golf«, sondern auch gleich das ganze Phänomen des Generationen-Machens zu Grabe tragen würde. Dann fiel uns die Ankündigung des Argon-Verlags in die Hände: Dort erscheint bald Reinhard Mohrs »Generation Z«, ein Versuch, den »Zaungästen« oder »78ern«, die Mohr 1992 schon einmal folgenlos erfunden hatte, ein neues zeitgeistiges Label zu verpassen. Und der Journalist Matthias Kalle schreibt für Kiepenheuer & Witsch schon mit 27 ein Buch »über das Versagen seiner Generation«.
Es nimmt kein Ende mit dem Generationsgejammer. Alle Lust will Ewigkeit. Alle Unlust offenbar erst recht. Aber wenn irgendwann der letzte Baum für das letzte Buch gefällt ist, werdet ihr feststellen, dass man Generationen nicht essen kann".

Ein Vorgeschmack darauf, was den Leser bei Reinhard MOHR erwarten könnte, wenn es denn stimmen würde (laut Buchkatalog ist der Argon-MOHR nicht 1955 wie der Spiegel-MOHR geboren, sondern 1969!)  - das liefert bereits eine kürzlich erschienene Titelgeschichte des Spiegel.

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 26. Juli 2003
Update: 01. April 2016