[ Übersicht der Themen des Monats ] [ Rezensionen ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Die Babyboomer (Teil 5)

 
       
   

Begrifflichkeiten und ihre Bedeutung für die Beurteilung des demografischen Wandels am Beispiel der öffentlichen Debatte

 
       
     
   
     
 

Kommentierte Bibliografie (Teil 5: 2015 - 2016)

2015

BARTSCH, Matthias/FICHTNER, Ullrich/JUNG, Alexander/MINGELS, Guido/MÜLLER, Ann-Kathrin (2015): 2030 - Es kommen härtere Jahre.
Zukunft: Nach Jahrzehnten chronischer Geburtenschwäche steht Deutschland vor dem Umbruch: Die Babyboomer erreichen die Rente - und ein ganzes Land muss zittern, ob das wirklich gut gehen kann. Spiegel-Serie über das Megathema Demografie (Teil 1),
in:
Spiegel Nr.12 v. 14.03.

LEHMANN, Anna (2015): Das Versprechen.
Zukunft: Jeder kann es nach oben schaffen. Wenn er sich bildet. Das war der Leitsatz - jahrelang. Heute studieren mehr denn je. Aber wie viele Akademiker brauchen wir?
in: TAZ v. 25.04.

Spätestens seit der Akademikerarbeitslosigkeit der 1980er Jahre und den Studien von Pierre BOURDIEU war klar, dass das Aufstiegsversprechen nicht wirklich eines war. Bereits die Babyboomer wurden im Hochschulsystem geparkt, um den durch die geburtenstarken Jahrgänge überlasteten Arbeitsmarkt zu entlasten. Statusinkonsistenz (oder Postadoleszenz) ist nicht erst das Lebensgefühl der Generation Y - wie der 68er Klaus HURRELMANN in seinem Buch über die heimlichen Revolutionäre behauptet, sondern bereits der deutschen Babyboomer (die Pioniere der Generation X). Das Buch Sexbeat von Diedrich DIEDERICHSEN beschreibt die Generation Praktikum der 1980er Jahre. Denn die Popmoderne bot neben der Bildung die zweite Individualisierungsverheißung. Sind wir noch Bohème oder schon Unterschicht? Diese eher rhetorische Frage stellte sich jedoch noch nicht.

BRUMBERG, Johanna A. (2015): Die Vermessung einer Generation. Die Babyboomer und die Ordnung der Gesellschaft im US-Zensus zwischen 1940 und 1980, Göttinger Studien zur Generationsforschung, Wallenstein Verlag

Die Vermessung einer Generation

"Wie kam es zur Entdeckung der Babyboom-Generation in den USA? Johanna A. Brumberg findet eine Antwort auf diese Frage, indem sie die Verwandlung des statistischen Aufmerksamkeitsregimes zwischen den 1940er und 1980er Jahren genauer untersucht, das den Babyboom überhaupt erst sichtbar machte und die in den geburtenstarken Jahren geborenen Menschen auf eine bestimmte Weise beschrieb.

Die Studie befasst sich mit der Produktion und Verbreitung von sozialem Wissen durch den US-amerikanischen Bevölkerungszensus und liefert damit ein Beispiel für die »Verwissenschaftlichung des Sozialen« sowie für den Prozesscharakter der Generationsrede. Erst die statistische Praxis der gesellschaftlichen Selbstbeobachtung ermöglicht es, den Babyboom als Ergebnis eines zunehmenden Kinderwunsches der white middle class in den suburbanen Vorstädten wahrzunehmen.

Brumberg leistet mit ihrer fundierten Studie einen wesentlichen Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte der Bevölkerungsstatistik in den USA und entschlüsselt zugleich dominante Vorstellungen über die Ordnung der US-amerikanischen Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts."
(Klappentext)

"Die Generierung von Geburten- und Fertilitätsstatistiken durch den Bevölkerungszensus war (...) eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich in den 1980er Jahren die Rede von einer Babyboom-Generation etablieren konnte. Auch wenn sich die Generationsrede der Babyboomer seitdem immer weiter ausdifferenziert hat und heute in ganz unterschiedlichen Kontexten zum Einsatz kommt, rekurriert sie im Kern auf die sich wandelnde Beobachtung einer demographischen Entwicklung. (...). Erst unter Berücksichtigung jener historisch aufgeschichteten Wissensbestände und ihrer statistischen Produktion, die der Formierung der Rede von einer Babyboom-Generation vorausging, lässt sich die heutige Wirkmächtigkeit dieser spezifischen Generationsrede vollständig verstehen" (2015, S.10),

erklärt uns Johanna BRUMBERG, Jahrgang 1981, die Grundlagen der Babyboomer-Debatte in den USA herausarbeitet. Bücher wie The Coming Generational Storm von Laurence. J. KOTLIKOFF & Scott BURNS aus dem Jahr 2005 befeuern auch hierzulande Horrorvisionen, die gerne aufgegriffen werden. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, dem Ursprungsland des Babyboomer-Konzepts, bleibt das Label vage: 

"Die Rede von der Babyboom-Generation, oder einfach den Babyboomern, dient der Beschreibung und Verhandlung ganz unterschiedlicher Sachverhalte, und daher sind die Darstellungen ebenso vielfältig wie unspezifisch. Einerseits wird die Existenz einer Babyboom-Generation vorausgesetzt und zum Erklärungsfaktor wie auch immer gearteten Wandels gemacht, andererseits ist die Generationsrhetorik der Ausgangspunkt, um gemeinsame Erfahrungshorizonte der Babyboomer herauszuarbeiten. Jeder glaubt zu wissen, wer oder was die Babyboom-Generation ist und ebenso implizit wird ihr Vorhandensein mit der demographischen Evidenz des Babybooms begründet. Fast alle Darstellungen beziehen sich dabei - in irgendeiner Form - auf Statistiken aus dem Bevölkerungszensus." (2015, S.10)

BRUMBERG fragt sich deshalb zu Recht, worauf die zunehmende Attraktivität dieser Generationsrede beruht:

"Nimmt man die heutige Popularität des Konzepts Babyboom-Generation ernst, stellt sich die Frage nach der Entstehung und den historischen Wurzeln dieser Generationsrede. Auf welchen Prämissen beruht die Rede von einer Babyboom-Generation, warum konnte sie sich überhaupt entwickeln und was macht ihren Gebrauch so attraktiv? Welche Rolle spielt dabei das statistische Wissen über die Geburtenentwicklung in der Nachkriegszeit? War der Bevölkerungszensus für die Entdeckung eines Babybooms verantwortlich, legte er eine bestimmte Lesart dieses demographischen Phänomens nahe und charakterisierte er schließlich auch die in diesen Jahren geborenen Menschen in einer bestimmten Weise?" (2015, S.10)

Wie auch die deutsche Debatte zeigt, ist das Konzept der Babyboomer eine retrospektive Erfindung, die erst vor dem Hintergrund des Geburtenrückgangs überhaupt evident werden kann:

"Trotz seiner heutigen Popularität ist der Terminus Babyboom-Generation noch relativ jung, und in den medialen und wissenschaftlichen Debatten findet er sich vermehrt erst in den 1980er Jahren. Während des Babybooms, der retrospektiv meist auf die Zeit von Mitte der 1940er bis Mitte der 1960er Jahre datiert wird, spricht noch niemand von einer Babyboom-Generation. (...). Erst an der Wende von den 1970er zu den 1980er Jahren tauchte die Formel der Babyboom-Generation auf" (2015, S.10f.)

BRUMBERG sieht in den 1980er und besonders in den 1990er eine kulturelle Aufladung verbunden mit einer Historisierung der Nachkriegsjahre hinsichtlich des Konzepts der Babyboom-Generation. Während dies in den USA durch die Präsidentschaft des Babyboomers Bill CLINTON geschah, gibt es in Deutschland eine ähnliche kulturelle Aufladung durch die Machtübernahme von Rot-Grün ab 1998. In Deutschland sind jedoch 68er und Babyboomer nicht deckungsgleich wie in den USA, sodass die Aufladung zuerst über die Demografisierung gesellschaftlicher Prozesse erfolgte, während sich die Machtübernahme durch die Babyboomer erst in den letzten Jahren vollzieht.

Fazit: Das Buch beschreibt einen Aspekt, der in der deutschen Debatte bislang noch unterbelichtet ist, aber dringend der Aufarbeitung harrt. Die Konstruktion des Babybooms in Deutschland und die Frage der Bedeutung des demografischen Wandels sind untrennbar miteinander verbunden. Die Konstruktion eines Babybooms ist zudem ohne die Konstruktion geburtenschwacher Jahrgänge nicht hinreichend erklärbar. Erst das Gegenteil erklärt die Attraktivität von Dystopien, die wiederum das Feindbild Babyboomer generieren.

STEEG, Lena (2015): Der Weg ist das Spiel.
Entscheiden, uns selbst vermarkten, uns neu orientieren - rund um die Uhr optimieren wir uns selbst und hoffen, unser Leben in den Griff zubekommen. Weil wir jedoch so fixiert darauf sind, uns große Ziele zu setzen, haben wir das Ankommen verlernt,
in: Neon, Juli

Die Titelgeschichte von Lena STEEG, Mitte der 1980er Jahre geboren,  ist ein Beispiel für die Selbstdarstellung moderner "privileged Poor" (neudeutsch: Prekariat). Wir nennen es Arbeit beschrieb vor fast 10 Jahren dieses neue Selbstbewusstsein jener, die statt der unerreichbaren Festanstellung die Selbstausbeutung wählten, mit der Hoffnung irgendwann einmal zur Elite der kreativen Klasse zu gehören. Dabei ist zum einen die Herkunft aus einem Mittelschichthaushalt und die Zugehörigkeit zur Erbengeneration förderlich und zum anderen: Konformität.

Konformität heißt, dass man seine Selbstdarstellung mit Büchern aus der Bestsellerliste garniert. Bei Lena STEEG sind das die Romane Soloalbum von Benjamin von STUCKRAD-BARRE und Unentschlossen von Benjamin KUNKEL sowie das Sachbuch Die heimlichen Revolutionäre von Klaus HURRELMANN & Erik ALBRECHT. Die Selbstbeschreibung sollte man auf alle Fälle mit ein bisschen Statistik garnieren, um die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der eigenen Existenz aufzuzeigen:

Meine Eltern "gehören zu den Babyboomern, die zwischen 1954 und 1964 geboren wurden. Die Wohlstandsgeneration, sie sie auch genannt wird, erlebte die Vollbeschäftigung in Westdeutschland und einen rasant ansteigenden Lebensstandard. Stabilität und Kontinuität waren möglich, üblich sogar. Die Generation X, die zwischen 1965 bis 1975 geboren wurde, kämpfte schon heftiger mit dem Verlust traditioneller Werte: die klassische Familienstruktur bekam Risse, Scheidungszahlen stiegen, und auch auf dem Arbeitsmarkt wurde es enger. Wenn ich Soziologen erzähle, dass ich dreißig Jahre alt bin, kleben sie mir das Label »Generation Y« auf die Stirn, schauen mitleidig und sagen, dass sich für die heute 15- bis 30-Jährigen die Lage ja noch einmal verschärft habe. 2005, ein Jahr nach meinem Abitur, lag die Arbeitslosigkeit auf dem historischen Hoch von 11,7 Prozent, die Scheidungsquote bei 52 Prozent."

Man kann sich darüber streiten, welchen Sinn es macht, die Babyboomer als 1954 bis 1964 Geborene zu bezeichnen. Der westdeutsche Geburtsjahrgang 1954 umfasste lediglich 816.028 Geburten, während es beim Jahrgang 1969 sogar noch 903.456 Geburten waren. Aber wie gesagt: Konformität ist ausschlaggebender als die Faktenlage.

Auch die Bezeichnung "Wohlstandsgeneration" ist unsinnig, denn 1974 kam das Schlagwort von der Jugendarbeitslosigkeit auf, d.h. 1964 Geborene waren da gerade einmal 10 Jahre alt. 1985 erschien der Bestseller Von der Nutzlosigkeit des erwachsen zu werden, der von der Akademikerarbeitslosigkeit erzählte. 1964 Geborene waren damals Anfang Zwanzig. Der Soziologe Berthold VOGEL beschreibt die Wohlstandsgeneration dagegen als die um 1950 Geborenen, da diese vom Ausbau des Bildungssystems und des Wohlfahrtsstaats profitierten.

Spätestens seit Katja KULLMANNs Buch Echtleben gehört die Lebenskrise zum festen Bestandteil von solchen Selbstdarstellungen. Der taz-Redakteur Dirk KNIPPHALS hat darüber gleich ein ganzes Buch geschrieben: Die Kunst der Bruchlandung. Bilanzen von Dreißjährigen waren bereits für die Single-Generation charakteristisch (z.B. Der schöne Vogel Phönix von Jochen SCHIMMANG). Bei Lena STEEG liest sich das so:

"Irgendwann bot man mir eine Stelle bei der Lokalzeitung an, kein Superjob, aber stabil. Meine Eltern fanden das toll. Ich nicht. Denn ich wollte ja eine Superjournalistin in einer Superstadt werden und einen Supermann finden. Unter Superlativ wollte ich es nicht machen. Also zog ich nach Hamburg, um dort in einem Verlag zu arbeiten. (...). Zwei Monate nach meinem Umzug bat ich um die Auflösung des Vertrags. Zum ersten Mal hatte ich die Kontrolle über mein Leben verloren und wusste nicht weiter. Ich saß alleine in einer fremden Stadt, in einer viel zu teueren Wohnung, ohne Freund, ohne Freund, ohne Arbeit. Dabei hatte ich mich jahrelang doch so konform verhalten, als wäre ich direkt aus einem soziologischen Lehrbuch entsprungen".

Konformität ist keine ahistorische Kategorie wie sie die Sozialpsychologie beschreibt, sondern jede Generation erlernt Konformität im Laufe des Lebens neu. Wer die Konformitätsnormen der vorangegangenen Generation(en) lediglich übernimmt, der ist zum Scheitern verurteilt. Erwachsenwerden im Zeitalter der Demografiepolitik erfordert andere Verhaltensweisen als früher. Und Wir nennen es Arbeit, das 2006, also vor der Finanz- und Bankenkrise, aber nach der Hartz-Reform geschrieben wurde, bietet einen weniger sinnvollen Konformitätsrahmen als z.B. Echtleben aus dem Jahr 2011.

Ist Selbstoptimierung ein dauerhafter Prozeß, der von STEEG kritisiert wird oder eher Ausdruck von Bilanzierungen nach kritischen Lebensereignissen? Das Fazit von STEEG:

"Die Frage ist gar nicht, ob ich schuld daran bin, dass ich mein Ziel noch nicht erreicht habe. Mir bleibt nichts übrig, als die Selbständigkeit anzunehmen und erst mal zu machen. Das tue ich nun seit seinem Jahr. Und der Treppenhausmoment zeigt, dass es mir schwerfällt."

Gibt es wirklich keine Alternativen? Für Neon ist diese unpolitische Haltung natürlich optimal. Das Lifestyle-Magazin kann auf ein gut gefülltes Reservoir von ehrgeizigen Selbstausbeuterinnen zurückgreifen und muss nicht mit einem Aufstand der Freien gegen unwürdige Arbeitsbedingungen rechnen. Und ist es nicht viel bequemer für einen Freien, bei einem etablierten Magazin zu arbeiten als z.B. das Abenteuer eines neuartigen Medienprojekts zu wagen? Und ist das Honorar gar nicht alles, wenn man durch PR für Unternehmen sein prekäres Leben aufbessern kann?

DORBRITZ, Jürgen & Gabriele VOGT (2015): Rasanter demografischer Wandel – Deutschland und Japan im Vergleich,
in: Bevölkerungsforschung Aktuell Nr. 4 v. 28.07.

"In Japan verläuft der Alterungsprozess (...) schneller als in Deutschland und ist weiter vorangeschritten (...). Das liegt daran, dass erstens die japanischen Babyboomer früher geboren wurden, daher älter als die deutschen sind und damit früher in das Rentenalter eintreten. Zweitens verzeichnet Japan eine höhere Lebenserwartung als Deutschland, wodurch der Alterungsprozess beschleunigt wird. Drittens verfügt Japan nicht über eine Zuwanderung, die Alterungseffekte mildern könnte. (...).
Japan ist aufgrund eines nicht funktionierenden Heiratsmarktes durch eine niedrige Verheiratungsquote gekennzeichnet, was quasi automatisch eine hohe Kinderlosigkeit bedeutet. In Deutschland besteht dieser Zusammenhang auch, ist aber deutlich entkoppelter. Alleinerziehende und nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern sind gesellschaftliche Normalität, in Japan kommen diese Lebensformen kaum vor. Daher erscheint in Deutschland ein Geburtenanstieg leichter realisierbar zu sein als in Japan. Versuche der japanischen Regierung, pronatalistisch zu agieren, sind bislang fehlgeschlagen", schreiben DORBRITZ & VOGT.

SAUER, Stefan (2015): Babyboomer auf Jobsuche.
Weil die deutsche Arbeitnehmerschaft altert, steigt auch die Zahl der über 55-Jährigen, die arbeitslos sind. Dabei haben sich die Beschäftigungschancen dieser Altersgruppe verbessert,
in:
Frankfurter Rundschau v. 22.12.

SAUER will uns nun beweisen dass die faktische Zunahme der älteren Hartz-IV-Empfänger allein der Zunahme der über 54-jährigen Bevölkerung, also des Eintritts der Babyboomer in die rentennahen Jahrgänge, geschuldet ist. Dazu präsentiert uns SAUER die Entwicklung der Geburtenzahlen dieser Geburtsjahrgänge:

"Zwischen 1951 und 1955 kamen in Deutschland insgesamt 3,85 Millionen Kinder zur Welt. Diese Jahrgänge vollendeten zwischen 2005 und 2010 das 55. Lebensjahr und gingen somit in die Hartz-IV-Statistik für diese Altersgruppe ein. Dann kamen die geburtenstarken Jahrgänge. Von 1956 bis einschließlich 1960 wurden 4,46 Millionen Geburten in Deutschland registriert was gegenüber den ersten fünf Jahren einem Zuwachs von rund 24 Prozent entspricht."

SAUER präsentiert uns hier keine Geburtenzahlen, denn in den Jahren 1951 bis einschließlich 1955 wurden in Deutschland 5.489.651 Kinder geboren, in den Jahren 1956 bis einschließlich 1960 waren es dagegen 5.984.130 Kinder. Dies waren lediglich rund 500.000 Kinder mehr.

Wenn uns also SAUER nicht die Geburtszahlen der Babyboomer präsentiert, welche Zahlen präsentiert uns SAUER dann? Er müsste uns eigentlich die Zahlen der Geburtsjahrgänge 1951-1955 für die Jahre 2006 - 2010 und der Geburtsjahrgänge 1956-1960 für die Jahre 2011 - 2015 liefern. Diese umfassen jedoch auch die Wanderungen und Sterbefälle und nicht lediglich der Geburten jener Jahre, wie uns SAUER glauben macht.

Auch diese Zahlen kann uns SAUER jedoch nicht liefern, denn für das Jahr 2015 sind sie noch gar nicht bekannt. Welches Spiel treibt also SAUER mit uns? Greift man auf die Bevölkerungsfortschreibung des Jahres 2014 (Stand: 24. September 2015) zurück, dann ergeben sich für die 1951 - 1955 Geborenen eine Gesamtzahl von 5.1197.794 Menschen für den 31.12.2014, selbst wenn man nur die Deutschen nimmt, kommt man auf 4.896.123 Deutsche für jene Jahrgänge. Wie kommt also SAUER auf seine Zahlen? Selbst wenn man die Bevölkerungsfortschreibung am 31.12.2009 nimmt, kommt man auf über 5 Millionen Menschen der Jahrgänge 1951 - 1955. Welche Märchen tischt uns also SAUER auf?

Weder die Geburtenzahlen noch die Bevölkerungsentwicklung ist jener Maßstab, den SAUER anlegt, sondern man muss wohl sowohl die Frührentner als auch die Erwerbsminderungsrentner abziehen, um auf jene Zahl zu kommen, die SAUER uns als Erwerbsfähige der Babyboomer nennt. Dabei wird ausgeblendet, inwiefern sich unter diesen Frührentnern Menschen befinden, die gerne arbeiten würden.   

Wie kommt also SAUER dazu, dass es einen Bevölkerungszuwachs von rund 24 Prozent gegeben hat, der - oh wie wunderbar - ausgerechnet einem Zuwachs von 24 Prozent bei den Langzeitarbeitslosen entsprechen soll? Nehmen wird einmal einen Bevölkerungszuwachs von 24 Prozent an, obwohl wir nachgewiesen haben, dass die Zahlen, die uns SAUER zur "Bevölkerungsentwicklung" präsentiert, nicht nachvollziehbar sind, sondern lediglich Vermutungen aufgestellt werden können ("Erwerbsfähige").

Offenbar setzt SAUER Langzeitarbeitslosigkeit mit Hartz IV-Empfang gleich. Dann hätte es seit dem Jahr 2010 bis zum November 2015 einen Anstieg von 24,8 Prozent gegeben. Damit unterschlägt SAUER jedoch alle jene Langzeitarbeitslosen (länger als 12 Monate auf Jobsuche), die noch nicht Hartz IV, sondern noch Arbeitslosengeld I beziehen, das es längstens 2 Jahre gibt. Und außerdem gibt es sogar langzeitarbeitslose Nichtleistungsempfänger (vgl. auch Broschüre Arbeitsmarktstatistik erklärt der Bundesagentur für Arbeit)

Der Arbeitsmarktbericht 2014 weist 285.065 Langzeitarbeitslose über 55 Jahre aus. Es gab aber gemäß SAUER 318.000 Hartz IV-Empfänger im Jahr 2014, die älter als 55 Jahre waren. Dies zeigt bereits, dass mit Statistiken viel belegt werden kann, und dass ohne Transparenz, auf welche Daten zurückgegriffen wurde und in welchem Erhebungszeitraum die Daten erhoben wurden, eine Nachvollziehbarkeit nicht gegeben ist.

Fazit: SAUER wirft anderen Journalisten vor, dass sie Märchen erzählen. Seine Zahlen lassen sich aber ebenfalls nicht nachvollziehen. Selbst wenn man unterschiedliche Statistiken zur Bevölkerung heranzieht, kommt man nicht annähernd auf jene Zahlen, die uns SAUER präsentiert. Der Artikel ist auch im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen.

2016

GROSSARTH, Jan (2016): Harter Aufstieg.
Wer gute Arbeit macht, kann sich vom Lohn ein kleines Vermögen aufbauen. So war es einmal. Für die junge Generation wird das viel schwieriger, als es noch für die Babyboomer war,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.03.

"Es bringt nichts, die Leute zu fragen, welche Generation es wirtschaftlich am besten hatte. Es ist längst erwiesen, dass die Menschen sich mit denen vergleichen, die es besser hatten, und ein Hang zum Jammern sehr verbreitet ist. (...). Also muss man die Statistiker fragen",

rechtfertigt Jan GROSSARTH die Vorstellung des Ökonomen Timm BÖNKE, der sich angeblich am besten mit der Generationenungerechtigkeit auskennt. Diese Charakterisierung soll verhindern, dass konkurrierende Experten, z.B. Politikwissenschaftler wie Christina MAY oder Soziologen, die Vorgehensweise relativieren könnten.

Allein schon die Tatsache, dass BÖNKE lediglich westdeutsche Männer der Geburtsjahrgänge 1935 bis 1972 betrachtet hat, lässt das Unternehmen fragwürdig erscheinen, denn weder Frauen noch Haushalte oder gar Ostdeutsche werden damit berücksichtigt. Da nützt es auch nichts, dass BÖNKE die Lebenseinkommen berechnet und zum Ergebnis kommt:

"Nie war das mittlere Lebenseinkommen höher als im Jahrgang 1955"

Auch die Differenzierung zwischen Ärmsten, Mittelverdiener und Bestverdiener hilft da nichts, wenn Frauen, Haushalte und Ostdeutsche ausgeklammert sind.

Zum Schluss zieht GROSSARTH den aktuellen Vermögensbericht der Bundesbank für das Jahr 2014 heran, um darauf hinzuweisen, dass Vermögen wichtiger geworden sind als die Einkommen. Während BÖNKE warnt, dass Bildung an Bedeutung verlieren könnte, wenn das Vermögen an Bedeutung gewinn, setzt GROSSARTH in der Zeitung für Besserverdiener auf den privaten Generationenvertrag. Urbane Penner nannte vor einigen Jahren Mercedes BUNZ solche Postadoleszenten, deren Lebensstil von den Eltern finanziert wird.

PLICKERT, Philip (2016): Kinder-Stimmen gegen Rentnerdemokratie.
Der Sonntagsökonom: Wenn die Wählerschaft überaltert, droht eine Herrschaft der Greise. Wer denkt da noch an die Zukunft?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.03.

"Schon jetzt gibt es rund 20 Millionen Menschen im Rentenalter. Diese Zahl wird stark steigen, da nun die Generation der Babyboomer das Ruhestandsalter erreicht", erklärt uns Philip PLICKERT.

KLAUS, Julia & Alexander NEUBACHER (2016): Absturz der Normalos.
Wohlstand: Die Mittelschicht war das Rückgrat der deutschen Gesellschaft. Doch die Politik hat es ihr nicht gedankt. Eine neue Studie belegt: Die Mitte schrumpft und verliert ihren Halt,
in: Spiegel Nr.19
v. 07.05.

Fallbeispiel 3 erzählt uns die Story von der Generationengerechtigkeit: Ein 65-jähriger pensionierte Lehrer sorgt sich um seine vier Kinder, die alle studiert haben. Die Autoren zitieren eine Studie von Timm BÖNKE und kommen zu folgender Aussage:

"Ihn interessierten die Erwerbsbiografien westdeutscher Männer, die zwischen 1935 und 1972 geboren, worden sind. Bönke wollte wissen, welches reale Gesamteinkommen die einzelnen Jahrgänge in den ersten 40 Lebensjahren jeweils erreicht haben.
Er fand heraus, dass es bis 1950 mit jedem Geburtsjahrgang zunächst bergaufging (...).
Doch bei den später als 1950 Geborenen setzte in der alten Bundesrepublik bereits eine Spaltung ein."

Interessant ist nun, dass die Studie bereits in der FAZ zitiert wurde. Dort wurde jedoch der Schnitt erst beim Jahrgang 1955 gesetzt. Woher also diese Differenz?

"Die Mittelschicht blieb mit ihrem Einkommen ab dem Geburtsjahrgang 1958 zunächst auf dem Niveau ihrer Vorgänger. Bei den geburtenstarken Babyboomer-Jahrgängen stagnierte das Lebenseinkommen. Doch ab dem Jahrgang 1965 setzte auch hier der Niedergang ein. Die später Geborenen erreichten das Lebenseinkommen in der Regel nicht",

erzählen uns KLAUS & NEUBACHER die Story weiter. Aber ist die Mittelschicht von BÖNKE identisch mit der Mittelschicht des DIW? Offenbar nicht. Und was heißt Lebenseinkommen, wenn lediglich das Einkommen bis zum 40. Lebensjahr betrachtet wird? Die jüngeren Geburtsjahrgänge könnten die Einbußen später durchaus wettmachen. Weder werden Haushalte, Ostdeutsche oder gar berufstätige Frauen betrachtet. Was will uns also der Spiegel hier suggerieren? Dass die Ängste des Pensionärs berechtigt sind?

ROLL, Evelyn (2016): Wie bitte?
Die Babyboomer kommen jetzt in die Jahre. Sie haben noch immer die viel zu lauten Rocksongs ihrer Jugend im Ohr. Über die Generation der Schwerhörigen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.05.

KITTLITZ, Alard von (2016): Ihr macht uns arm!
Ansage: Die Babyboomer hatten in unserem Alter Kinder, Autos und Häuser. Wir haben wechselnde Beziehungen, ein Fahrrad und den Dispo am Anschlag,
in:
Die ZEIT Nr.21 v. 12.05.

Früher konnte man höchstens Klassensprecher werden, heute wird man Generationensprecher:

"Schlechte Zeiten nämlich für mich und meine Generation, die zwischen 1980 und 1995 Geborenen, die sogenannte Generation Y",

beschreibt Alard von KITTLITZ (Jahrgang 1982, 861.000 Geburten) seine Generation mit einer einzigen Eigenschaft:

"Uns eint (...), dass wir politisch nicht ins Gewicht fallen."

Angesichts der Tatsache, dass diese Geburtsjahrgänge mit bis zu 905.000 Geburten pro Jahr den geburtenschwachen Jahrgängen der 1970er Jahre als geburtenstarke Jahrgänge erscheinen könnten, ist die Konstruktion einer solchen Generation durch nichts zu rechtfertigen, außer dass sie als Feuilletonerfindung durch die Gazetten geistert.

Leithammel dieser Sicht auf die Rentnerdemokratie ist der Marktradikale und Babyboomer Rainer HANK (Jahrgang 1953, 1,095 Millionen Geburten). Wer sind eigentlich die Babyboomer?

"Sie besetzen die Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft. Die stärkste Alterskohorte waren die zwischen 1950 und 1965 Geborenen schon immer",

erklärt uns KITTLITZ, der offenbar nicht rechnen kann:

Jahrgang 1950: 1,12 Millionen
Jahrgang 1965: 1,36 Millionen

Wenn man den Jahrgang 1950 dazu zählt, dann gehören mindestens noch die Jahrgänge 1966 - 1969 dazu, die alle mehr Geburten als der Jahrgang 1950 umfassten.

Minderheiten sind viel durchsetzungsfähiger als Massenbewegungen. Denn wenn Masse zählen würde, dann müssten Eltern, die sich gerne zu Verlierern stilisieren, die Gewinner dieser Gesellschaft sein. Aber wie man am Beispiel von FINKE sieht, giften sich Eltern gerne gegenseitig an, weil sich die einen Eltern gegenüber den anderen Eltern benachteiligt fühlen oder diese gar nicht als richtige Eltern anerkennen. Und wie sieht es mit den Eliten aus? Sind das etwa Viele? Warum sind sie dann an der Macht und nicht längst davon gejagt, wenn Masse zählen würde?

KITTLITZ fordert ein Beschäftigungsprogramm für junge, einheimische Berufstätige, das er als "New Deal für Flüchtlinge" vermarktet:

"in diesen Programmen fände unsereins, die Jungen, unbefristete, vernünftig bezahlte, steuerpflichtige Arbeit."

Was hat das eigentlich mit der Rentendebatte zu tun? Schließen sich Renten, die den Lebensstandard erhalten, und vernünftige Löhne für Beschäftigte aus? KITTLITZ baut einen Popanz auf, mit dem er Scheinkämpfe führt.

Fazit: KITTLITZ jammert über Babyboomer wie FINKE und HANK und diese jammern über die Rentendebatte. Dies zeigt bereits, dass Generationengerechtigkeit ein Scheinargument ist. In unserer Klassengesellschaft ist es entscheidender, ob jemand wie die beiden Autoren zur gut situierten Mittelschicht gehören oder nicht.

FINKE, Christine (2016): Der wahre Rentenskandal.
Alleinerziehende werden dafür bestraft, dass sie sich um ihre Kinder gekümmert haben,
in:
Die ZEIT Nr.21 v. 12.05.

Die ZEIT präsentiert uns heute die angeblichen Verlierer der nächsten Rentenreform (wie immer die überhaupt aussehen mag): zum einen die Alleinerziehenden und zum anderen die Jungen.

Den Anfang macht Christine FINKE, bloggende Alleinerziehende, von der im März das Buch Allein, alleiner, alleinerziehend erschien, und Stadträtin für das Junge Forum in Konstanz, die ihre 3 Kinder, aber nicht ihren Geburtsjahrgang nennt: 1966, also Angehörige der Generation Golf bzw. Ally. Von Generationenkriegern wie Alard von KITTLITZ einfach Babyboomer genannt: 1,318 Millionen Geburten.

Rentenpolitik ist auch gar nicht das Thema von FINKE, sondern fehlende Arbeitsplätze, fehlende Kitaplätze und Steuererleichterungen für Alleinerziehende. In Deutschland gibt es ca. 1,6 Millionen Alleinerziehende, das sind kaum mehr als im Jahr 1966 Kinder geboren wurden. In ihrem Buch schreibt FINKE über sich:

"Ich muss etwas beichten: Erst seitdem ich selbst alleinerziehend bin, fällt mir auf, dass ich früher nie einen Gedanken an Alleinerziehende verschwendet habe. (...).
Seit sechs Jahren bin ich eine dieser Frauen, die ich früher nicht wahrnahm: Ich lebe mit meinen drei Kindern alleine." (2016, S.7)

Jetzt also ist FINKE alleinerziehend und so wie sie früher nie an Alleinerziehende gedacht hat, denkt sie nun nur noch an Alleinerziehende. In Zeiten der Lifestyle-Soziologie hieß es: Armut ist nur eine Scheidung weit entfernt. In Zeiten der neuen Unterschicht vollzieht sich jedoch eine Wandlung, die noch nicht bis zu allen durchgedrungen ist. 

FINKE kritisiert die Debatte um die Stärkung von Betriebsrenten und die Privilegierung der privaten Altersvorsorge als Mittel gegen die Altersarmut von Alleinerziehenden als ungeeignet.  

WILLEKE, Stefan (2016): Antwort auf Alard Kittlitz.
Ansage: Ich wette, dass euer erstes selbst finanziertes Fahrrad teurer war als unser erstes Auto. Ihr wollt über Renten streiten, über materielle Wellness? Ganz schön spießig,
in:
Die ZEIT Nr.22 v. 19.05.

Im Jahr 1985 erschien der Roman Von der Nutzlosigkeit erwachsen zu werden, der im Milieu der Jungakademiker spielte, denen damals die Arbeitslosigkeit drohte. Stefan WILLEKE, Jahrgang 1964, spielt darauf an, wenn er darauf verweist, dass aus den damaligen Jungakademikern viele Karriere gemacht haben. Die Generation Praktikum, einst von der Zeit erfunden und nach einiger Zeit auch wieder widerrufen, wird ebenfalls ins Felde geführt.

Tatsächlich sind diese inszenierten Generationenkonflikte mehr als öde, weil sie sich in jeder Generation nach dem gleichen Schema wiederholen. WILLEKE hat dann auch nur die üblichen Stereotypen, die über die Generation Y kursieren, auf Lager. Gestern 68er-Generation gegen Generation Golf und umgekehrt. Heute: Babyboomer gegen Generation Y und vice versa. Nur sind diese Generationenkonflikte nicht mehr politisch, sondern setzen auf die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme. Zeugen oder Maul halten, kreischen die einen - Generationengerechtigkeit grölen die anderen. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner dieser öden Generationenvertrags-Tiraden. Wutjournalisten spielen Wutbürger! Geht's noch dümmer?

LÜTGERT, Christoph (2016): Antwort auf Stefan Willeke.
Ansage: Wir sind die Schmarotzer, die schamlose Generation. Wir haben nicht gesät, aber wir fahren eine satte Ernte ein,
in:
Die ZEIT Nr.25 v. 25.05.

Teil 3 folgt dem klassischen Schema von Generationvertrags-Tiraden: Christoph LÜTGERT, Angehöriger der 68er-Generation, verteidigt die Enkelgeneration Y und kritisiert die Kindergeneration der Babyboomer. LÜTGERT liefert eine Selbstanklage, die leider 13 Jahre zu spät erscheint und deshalb belanglos für die aktuelle Rentendebatte ist. Wo sind die Kinder? fragte damals Susanne GASCHKE ihre Generation, um gleichzeitig 68er wie LÜTGERT und ihre luxuriösen Renten zu verteidigen. Warum schrieb also LÜTGERT damals nicht diesen Artikel?

Auf Scheindebatten à la Wohlfühl-Zeit können wir gerne verzichten!

HAERDER, Max (2016): Kassensturz.
Blickpunkte: Sind wir im Alter alle arm? Ist Riester gescheitert? Arbeiten wir bald bis zum Umfällen? Politiker schüren in der Rentenpolitik Ängste, malen zu schwarz und wecken teure Sehnsüchte. Zeit für nüchterne Zahlen und bessere Ideen,
in:
Wirtschaftswoche Nr.23 v. 03.06.

Die Deutschlandrente soll der privaten Altersvorsorge auf die Beine helfen, weil diese ansonsten zu unlukrativ ist. Sanfter Zwang ist dafür notwendig.

"Schließlich bleiben gerade noch gut zehn Jahre, bis die ersten Babyboomer dem Berufsleben den Rücken kehren. Spätestens in 15 Jahren wird aus einer ganzen Generation meist gut verdienender Leistungsträger eine riesige Zahl an Leistungsempfängern geworden sein",

jammert uns HAERDER die Ohren voll. Wenn uns stattdessen die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bzw. in den Universitäten vor Augen geführt werden soll, werden aus den vielen Leistungsträgern vorwiegend Trottel, denen man nur unter größten Mühen überhaupt das Nötigste beibringen kann. Und warum waren dann in den 1990er Jahren und Anfang des Jahrtausends so viele dieser supertollen Leistungsträger arbeitslos? Werden uns die Generationen gerade so präsentiert, dass wir unseren Journalisten ihre Jammerarien abkaufen? Offenbar werden wir Leser als dement betrachtet, die heute nicht mehr wissen, was vor 10, 20 oder 30 Jahren Sache war.

RETTBERG, Udo (2016): Altersvorsorge im Zinstief.
Das Nullzinsumfeld erfordert mehr Eigeninitiative, Finanzmarktwissen und Besonnenheit, um rentabel und nachhaltig Vorsorge zu betreiben,
in: Trend Report. Beilage des Handelsblatt
v. 27.06.

Der Trendreport ist eine Art Werbeblatt der deutschen Wirtschaft um den Absatz ihrer Produkte zu verbessern, der auch an Schulen als Zielgruppe anvisiert. Uns werden jedoch absurde Thesen aufgetischt:

"Noch kommen auf einen Rentner drei erwerbsfähige Erwachsene. 2030 werden es nur noch zwei sein. Ein Jahr später erst gehen die Babyboomer in Rente."

Mit Babyboomer wäre in dieser Sicht der Geburtsjahrgang 1964 gemeint, der im Jahr 2031 die derzeit gültige Regelaltersgrenze von 67 Jahren erreicht. Nach ihm kommen aber nicht noch geburtenstärkere Jahrgänge wie hier suggeriert wird, sondern geburtenschwächere Jahrgänge. Außerdem können bereits 2029 nach derzeitiger Gesetzeslage jene mit 45 und mehr Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen. Seit diesem Jahr können die Ersten des Geburtsjahrgangs 1951 regulär in Rente gehen (ca. 1,1 Millionen bei Geburt), der gerade einmal rund 200.000 Menschen weniger umfasst als der geburtenstärkste Jahrgang 1964 und nur ca. 7.000 Menschen weniger als der Geburtsjahrgang 1971. Wenn man den Begriff Babyboomer als jene Generation definiert, die pro Geburtsjahrgang mehr als 1 Millionen Geborene umfasst hat, dann wären dies die Jahrgänge 1947 - 1971. Oder anders formuliert: die ersten Babyboomer sind längst in Rente und nach 2030 sind die meisten Babyboomer bereits im Ruhestand. Damit sind also nicht die Babyboomer das Problem, sondern es kommt darauf an wie viele Beitragszahler es in Deutschland dann gibt. Deren Zahl hängt jedoch nicht von den bei uns Geborenen ab, sondern auch von Zuwanderern, die hier arbeiten.   

Nicht etwa die Kapitalmärkte werden aus der Sicht von RETTBERG und der Finanzdienstleistungsbranche als Problem angesehen, sondern der demografische Wandel, als ob nicht die Banken- und Finanzkrise schuld an der gegenwärtigen Lage wäre. Uns wird hier suggeriert, dass auf die gesetzliche Rente aufgrund des demografischen Wandels nicht gebaut werden kann. Dies ist falsch: Nicht der demografische Wandel ist das Problem, sondern die neoliberale Politik, die der Finanzdienstleistungsbranche günstig Profite verschafft.

MENKENS, Sabine (2016): Die Enkel der Babyboomer.
In Deutschland werden wieder deutlich mehr Kinder geboren. Doch sie können die Lücke, die durch Sterbefälle entstehen, nicht schließen,
in: Welt
v. 01.07.

MÜLLER, Ann-Katrin/NEZIK, Ann-Katrin/REHAGE, Ruben (2016): Die Ohnmächtigen.
Generationen: Den Wohlstand ihrer Eltern, der Babyboomer, werden viele junge Deutsche kaum erreichen. Gegen die Lobby der Alten kommen sie nicht an,
in: S
piegel Nr.28 v. 09.07.

Ann-Katrin MÜLLER, Jahrgang 1987, Ann-Katrin NEZIK, Jahrgang 1986, und Ruben REHAGE werden von den Alten Säcken des Spiegels als Vertreter der Generation Y an die Generationenfront geschickt, um etwas Lärm zu machen. Ihr Feindbild: Die Babyboomer, die uns im Gegensatz zu anderen Mainstreamartikeln als 1954 (1,1 Millionen Geburten) bis 1969 Geborene (1,1 Millionen Geburten) präsentiert werden. Diese 16 Geburtsjahrgänge werden uns als rund 16,5 Millionen Babyboomer präsentiert. Ende des Jahrs 2014 lebten in Deutschland jedoch rund 20 Millionen dieser Babyboomer - weiter reicht die Bevölkerungsfortschreibung bislang noch nicht. Wie viele dieser Babyboomer das Rentenalter erreichen und Rente beziehen werden, darüber wird höchstens spekuliert. Die ersten sind jedenfalls bereits in Frührente.

Als Erster der konfliktscheuen Generation Y werden wir mit Wolfgang GRÜNDINGER konfrontiert, der gerade das Buch Alte Säcke Politik bewirbt. Darin werden die Babyboomer als 1955 bis 1969 Geborene definiert, was schon einmal rund 1 Millionen weniger Babyboomer als im Spiegel-Artikel wären.

"Nicht die Jungen schießen gegen die Alten, wie es die 68er oder die Punks taten. Das Gegenteil ist der Fall: Attacken gegen die Nachgeborenen gehören zum Repertoire der Altersgruppe 50 plus",

behauptet die Spiegel-Autoren, die diese Zeit höchstens aus Veteranen-Erzählungen nach der Jahrtausendwende kennen. Da wollte plötzlich jeder Punkt gewesen sein, der zu Punkzeiten höchstens Punks von Weitem gesehen hat. Dass diese in den Medien gegen die Alten geschossen haben sollen, ist eine Legende, wie jeder im Spiegel-Archiv überprüfen kann. Höchstens in Fanzinen, die keiner gelesen hat, und in Songs, die nur in Szenekreisen kursierten, wurde der Aufstand geprobt - aber keineswegs gegen die Alten, sondern gegen das Establishment. Ein Begriff, der heutzutage eher antiquiert erscheint.

Die Generation Y sei abgehängt, wollen uns die Autoren weismachen, als ob das ein Alleinstellungsmerkmal wäre. Spätestens seit sich die privilegierte 78er-Akademikergeneration in dem Arbeitslosen-Manifest Von der Nutzlosigkeit des Erwachsenwerdens wieder erkannte, sind verlorene Generationen zur intellektuellen Fingerübung nachfolgender Generationen geworden. Jede Generation galt fortan als jene, die es schlechter hatte als ihre Vorgänger die 68er-Generation. Noch vor einem Jahrzehnt projizierte die Generation Golf ihre Zukunftsängste auf die 68er-Generation. Nun da die 68er im Ruhestand sind, werden die gleichen Ängste auf die Babyboomer projiziert. Ob Jungendarbeitslosigkeit (eine Begriffsschöpfung Mitte der 1970er Jahre), Akademikerarbeitslosigkeit (Begriffsschöpfung der 1980er Jahre), Massenarbeitslosigkeit (1990er Jahre), Jobkrise der Generation Golf, Generation Praktikum und nun die Jammeriade der Generation Y. Immer ging es der Jugend schlechter als ihren Vorgängern und das schon seit 40 Jahren. Die Apokalypse ist unsere Begleitmusik und der perfekte Sturm (Guardian) ist nur ihre aktuelle Version.

Offenbar ist den Autoren am Ende der zweiten Seite plötzlich klar geworden, dass ihr Gejammer doch ganz schön luxuriös ist. Nun werden prominente Experten an die Front geschickt: Der Jugendforscher Klaus HURRELMANN ("Die heimlichen Revolutionäre", der die Babyboomer genauso definiert wie GRÜNDINGER, der das aktuelle Mantra vorträgt:

"Die Jungen werden das Wohlstandsniveau ihrer Eltern nicht erreichen."

Keine Ahnung, woher diese Gewissheit genommen wird, vor allem wenn mit der Generation Y nur der privilegierte Teil dieser Geburtskohorten gemeint sind. Der Ökonom Thomas STRAUBHAAR sieht in den Babyboomern Glückspilze, was vor 10 Jahren noch der 68er-Generation zugeschrieben wurde. Was STRAUBHAAR jedoch unter den Begriff Babyboomer subsumiert, das wird nicht erwähnt - vielleicht weil er ganz andere Jahrgänge damit bezeichnet?

Nachdem uns also Autoritäten ihre Meinung mitgeteilt haben, wird uns ein Angehöriger der Generation Y als Prototyp der verlorenen Generation präsentiert: 26 Jahre alt, also Jahrgang 1980 und damit gerade an der Grenze zur Vorgängergeneration, nimmt man die Definition der Spiegel-Autoren (1980 - 1995 Geborene). Nähme man die Expertendefinition des zitierten HURRELMANN, der die Grenze bei 1985 zieht, hätte man es also gar mit einem Angehörigen der Generation X zu tun - ein Begriff übrigens, den bereits die Punks verwendeten (Iggy Pop).

"Voigts Eltern sind nicht wohlhabend, aber gehören doch zur Mittelschicht. Sein Vater ist selbständiger Versicherungsvertreter, seine Mutter gelernte Apothekenhelferin. »Meine Eltern hatten in meinem Alter mehr erreicht, obwohl sie keine Akademiker sind«, sagt Voigt, »sie hatten eine Doppelhaushälfte, ein Auto und ein Kind«.

Geht man 26 Jahre zurück, dann ist man - welch Wunder - im Jahr 1964 und wohl kaum zufällig beim geburtenstärksten Jahrgang, der vor zwei Jahren geradezu abgöttisch gefeiert wurde. Ginge man nochmals 26 Jahre zurück, dann wäre man beim Jahrgang 1938, also bei den 68ern.

Uns wird ein Klassenkonflikt als Generationenkonflikt verkauft. Die jetzigen Alten können ihre Position nicht mehr verbessern, während die Jungen dies können, von daher wird uns hier ein Scheinkonflikt serviert. Spätestens in 20 Jahren wird sich zeigen, ob sich diese verlorene Generation nicht genauso in Wohlgefallen aufgelöst hat wie all die verlorenen Generationen zuvor, die uns die Mainstreampresse als Verlierergenerationen beschrieben hat.

Zum Schluss werden uns noch die Prognosen des Nationalkonservativen Ökonom Martin WERDING vorgesetzt:

"Bereits 2030, also in 14 Jahren also, werden in Deutschland halb so viele Rentner wie Erwerbstätige leben. 2060 wird sich das Verhältnis noch stärker zugunsten der Rentner verschoben haben, auf 63 zu 100."

Das soll offenbar als Drohszenario gelten, verfehlt aber seine Wirkung angesichts der Tatsache, dass sich das Verhältnis bereits in der Vergangenheit dramatisch verschlechtert hat - ohne dem Wohlstand zu schaden, weil gerne der Produktivitätsfortschritt vergessen wird. Weil diese noch zu harmlos ist, wird uns die Situation im Jahr 2060 geschildert - Kaffeesatzleserei nennen das ganz zu Recht Bevölkerungsstatistiker. Ökonomen sind nicht einmal in der Lage Prognosen für ein Jahr zu erstellen, obwohl die Bevölkerungsentwicklung dabei noch nicht einmal eine Rolle spielt. Bleibt uns weg, mit solchen dämlichen Prognosen.

Angeblich müssen die nachfolgenden Generationen höhere Beiträge bezahlen als die Babyboomer. Dabei wird jedoch die Umstellung von der vor- auf die nachgelagerte Besteuerung außer Acht gelassen.

Fazit: 2030 werden wir überprüfen können, was von dem, was der Spiegel heute geschrieben hat, eingetreten ist. Denn für uns gilt: Traue nur jener Prognose, die du selber gefälscht hast. Ökonomie ist keine Prognosewirtschaft, sondern eine Rechtfertigungslehre! 

BRAUNBERGER, Gerald (2016): Finanzplanung mit Mitte fünfzig.
Das große Thema noch aktiver Babyboomer: Wie lässt sich der Ruhestand vorbereiten (Teil 1 einer Reihe),
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.08.

"Langfristige Finanzplanung ist sehr wichtig, aber sie wird von vielen Menschen unterschätzt. Um solche Themen für einen breiten Leserkreis zu behandeln, hat diese Redaktion vor einigen Jahren zehn »Mustermenschen« unterschiedlichen Alters und Geschlechts präsentiert, anhand deren sich typische Fragen der langfristigen Finanzplanung nicht nur abstrakt, sondern am konkreten Beispiel beschreiben lassen.
Einer dieser Mustermenschen ist Fazzi Indecks, heute 55 Jahre alt und damit noch ein Mitglied der »Babyboomer«-Generation",

erklärt uns Gerald BRAUNBERGER den Zweck der neuen Reihe. Fazzi ist keiner von uns Babyboomern, sondern als BWL-Student ein typischer Angehöriger der nachfolgenden Popper-Generation Golf. Mit seinem Bruttojahreseinkommen liegt er weit über dem Standardrentner, aber noch unter der Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherungen. Typisch ist auch nicht, dass der Vater noch lebt, während die Mutter bereits gestorben ist. Auch die 1-Kind-Familie ist nicht für die Babyboomer in Westdeutschland typisch, sondern für Ostdeutschland - und erst recht nicht für jene, die ein Eigenheim in der süddeutschen Provinz besitzen (eher für Speckgürtelbewohner oder Bewohner innenstadtnaher Stadtviertel). Aber FAZ-Leser sind eben auch nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.

SIEVERS, Markus (2016): Trügerisches Zwischenhoch.
Noch profitiert Deutschland von der Demografie,
in:
Frankfurter Rundschau v. 03.08.

Markus SIEVERS heult uns die Ohren voll, obwohl wir bereits seit einem Jahrzehnt schrumpfen müssten und alle Sozialsysteme längst kollabiert sein müssten, hätten die Apokalyptiker des demografischen Wandels Recht. Wir wollen diese bevölkerungspolitische Theologie nicht mehr hören. Jetzt sollen wir uns in einem demografischen Zwischenhoch befinden? Haben unsere Prognostiker dieses Zwischenhoch verschlafen oder warum bemerkt man dies erst jetzt post hoc?

"Experten wie der Sachverständigenrat de Wirtschaftsweisen sprechen von einem »demografischen Zwischenhoch«, in dem sich die Bundesrepublik entgegen der allgemeinen Wahrnehmung noch befindet."

Ach nee? Allgemeine Wahrnehmung? Sind damit unsere blinden Ökonomen und Journalisten gemeint? Und wann hat man dieses "demografische Zwischenhoch" aus dem Ärmel gezaubert?

Der Begriff findet sich erst im Jahresgutachten 2013/14 (Bundestagsdrucksache 18/94 vom 15.11.2013), als die Ökonomen erschreckt feststellten, dass sich der demografische Wandel nicht an die Bevölkerungsvorausberechnungen gehalten hat, die durchschnittlich alle 3 Jahre erneuert werden müssen, weil sich die Realität nicht an die bevölkerungspolitisch motivierten Annahmen der Bundesstatistiker hält.

Der Begriff findet sich lediglich im Zusammenhang mit der Entwicklung der Rentenzugangszahlen und damit mit den Ausgaben der Rentenversicherung. Im Kapitel 7 des Jahresgutachtens heißt es deshalb:

"Deutschland befindet sich mit Blick auf die öffentlichen Finanzen derzeit demografisch in einer besonderen Zwischenphase. Während bereits in den Jahren unmittelbar nach der Jahrtausendwende der Anteil der Rentner und Pensionäre an der Gesamtbevölkerung angestiegen war und langfristig weiter sehr deutlich zunehmen wird, waren die Zuwächse in den fünf vergangenen Jahren spürbar geringer. Betrachtet man die Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter, so zeigt sich, dass in den Jahren 1999 bis 2006 der jährliche Zuwachs dieser Bevölkerungsgruppe bei durchschnittlich 404 000 Personen lag. In den Jahren 2007 bis 2018 wird er gemäß der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts jedoch nur bei durchschnittlich 164 000 Personen liegen. Ab dem Jahr 2019 ist zu erwarten, dass die jährlichen Zuwächse ansteigen (2013, S.315)."

Zwischen dem demografischen Wandel, den Rentenzugangszahlen und den Ausgaben der Rentenversicherung besteht jedoch gar nicht der starke Zusammenhang, den uns SIEVERS weismachen will.

"Demographischer Wandel" ist in diesem Zusammenhang lediglich ein ideologischer Sündenbockbegriff. Die Frage stellt sich nämlich, ob sich die Rentenzugangszahlen und der Anteil der 65-Jährigen und Älteren, der vom Sachverständigenrat hier unterstellt wird, auch in der Realität wieder findet oder ob nicht ganz andere Faktoren ausschlaggebend für die Kostenstruktur sind.

Man darf also gespannt sein, was in den nächsten Jahren aus dem "demografischen Zwischenhoch" tatsächlich wird. Dem Geschwafel von Ökonomen und Journalisten glauben wir jedenfalls schon lange nicht mehr, sondern wir werden überprüfen inwiefern dieser Zusammenhang tatsächlich besteht.

"Die niedrigen Rentenzugangszahlen sind trügerisch, weil aktuell die geburtenschwachen Jahrgänge der Nachkriegsjahre das Rentenalter erreichen. Diese werden jedoch etwa ab dem Jahr 2020 von der Generation der Babyboomer abgelöst, so dass der demografische Übergang dann voll zuschlagen wird",

zitiert SIEVERS aus dem Jahresgutachten, das noch auf der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes basiert. Diese ist inzwischen bereits durch die 13. Bevölkerungsvorausberechnung überholt, die wiederum bereits veraltet ist. SIEVERS bombardiert uns also mit Fakten, die längst von der Realität überholt wurden. Wo bleiben neue Fakten?

Stattdessen jammert uns SIEVERS die Ohren voll wegen der Rente ab 63 und der Mütterrente, die im Zeichen dieses angeblichen "demografischen Zwischenhochs" beschlossen wurden und deshalb fatal seien.

Die Absurdität des Begriffs "demografisches Zwischenhoch" wird dann sichtbar, wenn es heißt:

"Erschwerend kommt hinzu, dass die schwarz-roten Reformen das demografische Zwischenhoch verkürzen. Vor allem die Rente mit 63 animiert ältere Berufstätige, früher aus dem Arbeitsleben auszuscheiden."

Seit wann können politische Entscheidungen die Demografie beeinflussen? Damit wird deutlich: wir haben es hier mit einer Demografisierung gesellschaftlicher Probleme zu tun. Nicht der demografische Wandel, d.h. die Alterung der Bevölkerung, sondern die Steuerung des Rentenzugangs und deren politischen Parameter sind das Thema. Aus einem bevölkerungspolitischen Thema muss wieder ein gesellschaftspolitisches Thema werden. Aber solche Debatten hassen unsere Eliten, die lieber Politik per Gutsherrenart machen möchten und deshalb den angeblichen Sachzwang "demografischer Wandel" präsentieren.

CZIMMER-GAUß, Barbara (2016): Stuttgart zieht junge Leute an.
Bevölkerung: Die demografische Entwicklung hat lange die Angst vor Überalterung geschürt. Doch mehr und mehr Menschen zwischen 18 und 30 Jahren finden Gefallen an der Stadt,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 01.09.

Barbara CZIMMER-GAUß berichtet aus einem Artikel von Attina MÄDING u.a. im Statistikheft der Stadt Stuttgart vom Februar über die Entwicklung der Einwohnerentwicklung der Stadt. Der Begriff "Überalterung" wird nicht definiert, sondern jeder Leser muss sich dazu seinen Teil denken. Die Überalterung kommt auf uns als eine Art Überalterungswalze in Form der Babyboomer (1960 bis 1970 Geborene) zu, die 2015 zwischen 45 und 55 Jahre alt waren. Dieser Babyboomer-Kohorte werden uns die 18- bis 30-Jährigen als Gegengift gegenübergestellt. In dieser Sicht sind die 56-Jährigen und Älteren bereits abgeschrieben - quasi als Tote von Übermorgen. Während die Babyboomer noch über uns hinwegrollen.

KUNTZ, Michael (2016): Wer früher geht, lebt kürzer.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (24): Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Sterberisiko wächst, wenn Berufstätige vorzeitig in den Ruhestand wechseln: Viele fallen in ein Loch, weil sie nicht mehr gefragt sind, der Frust wächst. Familie, Freunde und Hobbys können helfen, den neuen Lebensabschnitt zu genießen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 13.09.

"Von den in den 1960er Jahren geborenen Babyboomern hat ein Drittel keine Kinder",

lügt uns KUNTZ an, denn diese Fehleinschätzung von Herwig BIRG Anfang des Jahrtausends ist längst durch Erhebungen widerlegt. Ledig rund 20 % dieser Babyboomer bleiben kinderlos. Dass dies ein Problem sei, ist allenfalls Spekulation und kein empirischer Beleg.

BOLLMANN, Ralph (2016): Schluss mit der Rentenpanik!
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.

Die Rentenprognose bis 2045 interpretiert BOLLMANN nicht als dramatisch, sondern als Anzeichen einer entspannten Lage. Er entdeckt nun sogar Generationen, statt nur Altersgruppen bei der Rentendebatte:

"Wer über die Neurentner des Jahres 2045 spricht, der redet über Menschen, die kurz vor dem Jahr 1980 geboren sind. Ein Mittdreißiger von heute hat Anspruch darauf zu wissen, was er aus der staatlichen Rentenversicherung zu erwarten hat, nachdem er ein Arbeitsleben lang die Altersbezüge der vorausgegangenen Babyboomer finanzierte. Bei den Renten des Jahres 2045 geht es um Wohltaten für die heute Jungen, nicht für die Alten. Das dreht die Debatte auf erfrischende Weise um."

VAILLANT, Kristina (2016): Die verratenen Mütter. Wie die Rentenpolitik Frauen in die Armut treibt, München: Knaur Verlag

Die verratenen Mütter

"Sieben Millionen Frauen aus den geburtenstarken Jahrgängen gehen in den nächsten Jahren in Rente. Zwei Drittel dieser Frauen, vor allem die Mütter unter ihnen, werden nicht mehr als 600 Euro Rente bekommen. Ihnen droht ein Leben in Armut, und sie werden Unterstützung vom Sozialamt brauchen – obwohl sie gut ausgebildet sind und berufstätig waren. Kristina Vaillant beschreibt in ihrem neuen Sachbuch das Ausmaß dieses Renten-Skandals und nennt die Ursachen der kommenden weiblichen Alters-Armut: eine Renten-Politik, die die Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht verringert, sondern systematisch vergrößert. Die Renten-Expertin beklagt diese Diskriminierung von Frauen/Müttern und fordert Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. Kristina Vaillant verweist auf erfolgreiche Alternativen zum deutschen Renten-System, zum Beispiel in den Niederlanden, in Großbritannien und Skandinavien. Dort wird die Lebensleistung von Frauen/Müttern auch bei der Renten-Berechnung gewürdigt."
(Klappentext)

Kristina VAILLANT, Jahrgang 1964, charakterisiert ihre Generation der weiblichen Babyboomer folgendermaßen:

"Wenn die knapp sieben Millionen Frauen der geburtenstarken Jahrgänge 1958 bis 1968 in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren in Rente gehen, könnte eine Lawine weiblicher Altersarmut auf uns zurollen. Denn etwa ein Drittel dieser Frauengeneration, mehr als zwei Millionen Frauen, erwartet Renten von maximal 600 Euro.
Anfang 2012 hatten zwei Sozialwissenschaftlerinnen der Freien Universität Berlin eine Studie vorgelegt, die erstmals die Rentenerwartungen der Frauen der geburtenstarken Jahrgänge in den Blick nahm. Wider Erwarten stellten sie fest, dass die hochgerechneten durchschnittlichen Renten dieser Frauen mit einem Plus von knapp 100 Euro nur unwesentlich über den Renten liegen, die Frauen der Geburtsjahrgänge 1947 bis 1951 erhalten, von denen die meisten schon heute Rentnerinnen sind. Und das, obwohl die Frauen der geburtenstarken Jahrgänge wesentlich höhere Bildungsabschlüsse erreicht haben und zu über 80 Prozent berufstätig sind.
(...). Mit anderen Worten: Millionen Frauen der Babyboomer-Generation, gut ausgebildet und überwiegend berufstätig, werden mit ihren niedrigen Renten womöglich auf Grundsicherung angewiesen sein: eine Fürsorge-Leistung des Sozialstaats, die eigentlich für den Notfall vorgesehen ist." (2016, S.26)

Zwei Jahre zuvor erschien das Buch Die verratene Generation, das VAILLANT zusammen mit Christina BYLOW, Jahrgang 1962, verfasste. Dort hieß es noch:

"Frauen der geburtenstarken Jahrgänge, auf die Welt gekommen in den Jahren zwischen 1958 und 1968 (...). Über sechseinhalb Millionen Frauen sind heute zwischen 45 und 55 Jahre alt. (...) Etwa ein Drittel von ihnen, das sind über zwei Millionen Frauen, werden voraussichtlich eine Rente von maximal 600 Euro bekommen. Wenn diese Frauen in den Jahren zwischen 2023 und 2035 in Rente gehen, kann das ein Alter in Armut bedeuten." (2014, S.59f.)"

Die aktuelle Bevölkerungsfortschreibung 2015, erschienen im Dezember 2016, weist für die Frauenjahrgänge 1958 bis 1968 für Ende Dezember rund 7,333 Millionen Frauen aus. Ende Dezember 2014 waren es erst 7,328 Frauen. Ende Dezember 2012 waren es rund 7,325 Millionen Frauen. Die weibliche Babyboomer-Generation ist also zwischen 2012 und 2015 um rund 8000 Frauen gewachsen, d.h. die Wanderungszugewinne waren höher als die Verluste durch die Sterblichkeit.

Mit ihren Befürchtungen zur Altersarmut bezieht sich VAILLANT auf die Studie Die Lebens- und Erwerbsverläufe von Frauen im mittleren Lebensalter. Wandel und rentenpolitische Implikation von Barbara RIEDMÜLLER & Ulrike SCHMALRECK aus dem Jahr 2012. In der Studie wurden lediglich die Frauenjahrgänge 1962 bis 1966 untersucht. Erhebungszeitpunkt war das Jahr 2008 bzw. der Zeitraum 1999 - 2008 (SOEP).

Im Gegensatz zu VAILLANT, die einen großen Unterschied zwischen den Babyboomerinnen und ihren Vorgängerinnen erkennen will, sind diese Unterschiede bei RIEDMÜLLER & SCHMALRECK eher bescheiden. Keineswegs sind die Babyboomerinnen "gut ausgebildete Generation", sondern die "Bildungsstarken" machen gerade einmal 7 Prozent der Babyboomerinnen aus. Bei RIEDMÜLLER & SCHMALRECK heißt es zu dieser Gruppe:

"Während unter den anderen Typen der Kohorte die kumulierte Ausbildungszeit nach dem 15. Lebensjahr jeweils etwa 5 Jahre beträgt. Und auch das Bildungsniveau der Typen kaum Unterschiede ausweist, zeichnet sich die Bildungsstarke durch eine lange Ausbildungszeit von durchschnittlich 12 Jahren und einem hohem Qualifikationsniveau aus. 87% der Bildungsstarken verfügt über ein hohes und 13% über ein mittleres Bildungsniveau. Auch lässt sich unter den Frauen der höchste Anteil an akademischen Berufen beobachten. Fast die Hälfte übt als Beamtin oder Freiberuflerin einen akademischen Beruf aus (44%). Der Anteil der Dienstleistungsberufe ist mit 3% besonders gering. Auch die Berufe im Gesundheits-, Pflege- und sozialem Bereich werden mit 13% seltener als bei den anderen Typen ausgeübt. Das mittlere Einkommen aus selbstständiger oder abhängiger Beschäftigung entspricht mit rund 22.900 Euro brutto jährlich fast dem der Vollzeiterwerbstätigen." (2012, S.48)

Auch wenn die betrachteten Babyboomer-Jahrgänge nicht identisch sind, so zeigt sich doch, dass die Unterschiede zu den 1947 - 1951 geborenen Frauen keineswegs so gewaltig sind, wie VAILLANT das gerne hätte. Auch der Typus der langzeitarbeitslosen Babyboomerin (6 % der Kohorte) ist keineswegs so stark präsent wie das bei VAILLANT erscheint. Das Vereinbarkeitsproblem ist bei den Babyboomerinnen nur graduell größer gewesen.

Die endgültigen Kinderzahlen der Frauenjahrgänge zeigen, dass der Babyboomer-Jahrgang 1958 (1,66 Kinder pro Frau) nur unwesentlich weniger Kinder bekommen hat als der Jahrgang 1968 (1,51 im Alter von 48 Jahren). Beim Jahrgang 1947 waren es 1,77 Kinder pro Frau. 1951 noch 1,69.

Fazit: Die Zahlen, die VAILLANT präsentiert, stammen aus der Zeit vor der Einführung der Mütterrente und könnten sich durch die geplante Mütterrente II weiter verändern. Hinzu kommt, dass die Zahlen die Situation des Jahres 2008 wiederspiegeln.        

STELTZNER, Holger (2016): Rentnerdemokratie.
Die sozialen Kosten der Schrumpfung sind hoch - und Verteilungskonflikte unausweichlich und hart,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.11.

"Viele Kinderlose unter den Babyboomern sind im Alter auf Zahlungen jener Nachfahren angewiesen, die sie selbst nicht geboren und großgezogen haben",

kommt uns STELTZNER als Moralapostel. Wenn schon Aufrechnung, dann richtig: Mütter, deren Kinder nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, müssten dann genauso an den Pranger gestellt werden! Man sollte diese Art von Polemik also ein für allemal aus Rentendebatten heraushalten.

Und wer leichtfertig von "demographischem Abgrund" spricht, der sollte sich die Fehleinschätzungen der Bevölkerungspolitiker seit der Wiedervereinigung anschauen (Ganz zu schweigen davon, dass man vor 30 Jahren mit Bevölkerungszahlen rechnete, über die man heute nur noch den Kopf schütteln kann. Oder kennt jemand einen Bevölkerungswissenschaftler, der vor 1989 das Szenario Wiedervereinigung einkalkuliert hat?).

Wer Begriffe wie "atmendes Rentensystem" für die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung erfindet, der will uns eher die Luft zum Atmen nehmen!

SCHOBIN, Janosch (2016): "Armenbestattungen" im modernen Sozialstaat.
Zeitliche Entwicklung, Ursachen und Probleme des Ordnungsbestattungswesens in deutschen Groß- und Mittelstädten,
in:
Zeitschrift für Sozialreform, Heft 3, S.301-329

"Personen aus Kohorten, die weniger Kinder haben, haben im Kohortenvergleich auch seltener einen Ehepartner/Lebenspartner (Lengerer 2011). Nun ist es aber gerade so, dass die Jahrgänge, die in den letzten Jahren gestorben sind, für den Babyboom nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich waren. (...). In der Hauptsache waren in etwa die weiblichen Jahrgänge von 1926/1927 bis 1939/1940 und die männlichen Jahrgänge von 1924/25 bis 1937/1938 für den Babyboom der Nachkriegszeit verantwortlich. (...). Schaut man nun auf die Sterbetafeln der letzten Jahre (hier die Tafel für 2009/2011), stellt man fest, dass ca. 70 Prozent der weiblichen Todesfälle in die Altersgruppe zwischen 72 und 93 Jahren fallen. Bei den Männern liegen ca. 70 Prozent der Todesfälle in der Altersgruppe der 65- bis 90-Jährigen (Statistisches Bundesamt 2013). (...). Der typische Verstorbene der letzten Jahre stammt folglich aus den Geburtsjahrgängen der Babyboomer-Eltern und gehörte demnach zu einer Kohorte, die relativ viele Kinder hatte und besonders heiratsfreudig war. Das würde erklären, warum der kontinuierliche Zuwachs des relativen Anteils an ordnungsbehördlichen Bestattungen in den letzten Jahren ins Stocken gekommen ist. Es legt aber auch nahe, dass das »dicke Ende« erst noch kommt. (...). Rein demographisch spricht demnach vieles dafür, dass der relative Anteil an Ersatzvornahmen auch in den nächsten Jahren im Mittel weiter steigt. Es gibt noch zwei weitere starke Gründe, dies zu vermuten. Erstens die Entwicklung der Altersarmut, deren Anstieg nach dem Stand der Dinge besonders in Ostdeutschland stark prononciert sein wird (...). Zweitens weisen die Nachkriegskohorten (ab 1946) höhere Scheidungsraten auf (...). Scheidungen hängen kausal mit der Entfremdung von bestattungspflichtigen Angehörigen, speziell von Kindern von ihren Vätern zusammen. Dies leitet zu einer wichtigen Beobachtung über: Von Ordnungsamtsbestattungen sind besonders Männer betroffen."

DAVIES, Sally C. (2016): Annual Report of the Chief Medical Officer 2015. On the State of the Public’s Health Baby Boomers: Fit for the Future, London: Department of Health

Der Report des britischen Gesundheitsministeriums beschreibt zwei Babyboomer-Kohorten in England, die sich in ihren gesellschaftlichen Bedingungen unterscheiden:

"The post-Second World War baby boom cohorts are clearly visible. In England, the immediate rise in births in 1946 and 1947 was followed by a drop in births during the 1950s and it was only from the late 1950s onwards that births rose again, peaking in 1964. This contrasts with the situation in the USA, where the baby boom following the return of soldiers from Europe and across the globe was sustained right through the late 1940s and the 1950s. Thus, England can be thought of as having experienced two distinct baby boom cohorts: the first born in the mid to late 1940s and the second born in the 1960s.
It is important to distinguish between the two baby boom cohorts as they have experienced very different economic and social environments at different life stages. The first baby boomers (1945–49) were born in a period of post-war austerity, experiencing rationing and selective education. However, when they entered the labour market the economy was entering a period of relative prosperity. Not only was there a buoyant job market, but the rapid expansion of higher education in the 1960s also meant that a growing number stayed on at school and entered university.
In contrast, the second baby boom cohort (1960–64) were born in a period of prosperity, experiencing the consumer spending boom of the 1960s and comprehensive secondary education. However, by the time this generation came to enter the labour market at the end of the 1970s, the economy was entering a recession, resulting in sharp rises in unemployment. Individuals born during the peak birth year of 1964 reached school leaving age in 1979, at the height of recession. These very different economic and social environments have affected the respective life chances of the different cohorts, as well as cohort members’ expectations of employment, the welfare state and life in general." (2016, S.19)

Im Vereinigten Königreich (England, Wales, Schottland und Nordirland) gab es zwei Gipfel: 1947 mit 1.025.427 Lebendgeburten und 1964 mit 1.014.672 Lebendgeburten. Eine Allianz-Studie aus dem Jahr 2014 bezeichnet die Jahrgänge 1956 bis 1968 in England und Wales als Babyboomer-Kohorten. Die folgende Tabelle enthält die Zahlen zu Lebendgeburten und Geburtenziffern des Office for National Statistics (ONS) für die Jahre 1945 bis 1975:

Tabelle: Lebendgeborene und Geburtenrate im Vereinigten Königreich bzw.
England/Wales in den Jahren 1945 - 1975
Jahr

Vereinigtes Königreich

England/Wales

Lebendgeborene Zusammen-gefasste
Geburtenziffer (TFR)
Lebendgeborene Zusammen-gefasste
Geburtenziffer (TFR)
1945 795.868 k. A. 679.937 2,04
1946 955.266 k. A. 820.719 2,47
1947 1.025.427 k. A. 881.026 2,68
1948 905.182 k. A. 775.306 2,38
1949 855.298 k. A. 730.518 2,27
1950 818.421 k. A. 697.097 2,18
1951 796.645 k. A. 677.529 2,14
1952 792.917 k. A. 673.735 2,16
1953 804.269 k. A. 684.372 2,22
1954 794.769 k. A. 673.651 2,21
1955 789.315 k. A. 667.811 2,22
1956 825.137 k. A. 700.335 2,35
1957 851.466 k. A. 723.381 2,45
1958 870.497 k. A. 740.715 2,52
1959 878.561 k. A. 748.501 2,56
1960 918.286 2,71 785.005 2,68
1961 944.365 2,78 811.281 2,77
1962 975.635 2,87 838.736 2,85
1963 990.160 2,90 854.055 2,88
1964 1.014.672

2,95

875.972

2,93
1965 997.275 2,88 862.725 2,85
1966 979.587 2,80 849.823 2,75
1967 961.800 2,69 832.164 2,65
1968 947.231 2,61 819.272 2,57
1969 920.256 2,51 797.538 2,47
1970 903.907 2,44 784.486 2,40
1971 901.648 2,40 783.155 2,37
1972 833.984 2,20 725.440 2,17
1973 779.545 2,03 675.953 2,00
1974 737.138 1,92 639.885 1,89
1975 697.518 1,81 603.445 1,78
Quelle: Office for National Statistics, Vital Statistics: Population and Health Reference Tables (annual Data); Stand 20.11.2017

Die Zahlen zeigen, dass die Abgrenzung der Babyboomer durch die Allianz-Studie nicht unbedingt plausibel ist. Es wird nicht der erste, sondern nur der zweite Babyboom herausgegriffen. Die Abgrenzung des Gesundheitsministerium wiederum beinhaltet beim ersten Babyboom auch zurückgehende Geburtenraten, während dies beim zweiten Babyboom nicht der Fall ist.

In dem Buch Renewing the Family. A History of the Babyboomers von Catherine BONVALET u.a. aus dem Jahr 2015 wird der Babyboom in England/Wales mit Frankreich verglichen. In beiden Ländern hat der Babyboom zwei Höhepunkte, wobei in Frankreich das Niveau zwischen den beiden Gipfeln höher ist als in England/Wales. Es gibt also durchaus ganz unterschiedliche Möglichkeiten das Babyboom-Phänomen zu betrachten und damit die Babyboomer-Kohorten zu konstruieren.

 
     
 
       
   

weiterführender Link

 
       
     
       
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002-2018
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 02. April 2018
Update: 11. April 2018