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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland

 
       
   

Eine Bibliografie der Debatte um die Geburtenentwicklung (Teil 13)

 
       
     
       
   
     
 

Vorbemerkung

Die mediale Berichterstattung zur Geburtenentwicklung richtet sich nicht nach der Faktenlage, sondern nach politischen Interessen. Um diese deutlich zu machen werden in dieser Bibliografie ab heute (02.07.2012) nach und nach ausgewählte Medienberichte und Literatur zum Thema chronologisch dokumentiert. Die Kommentare entsprechen jeweils dem Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, falls nichts anderes vermerkt ist.

Kommentierte Bibliografie (Teil 13: 2016)

2016

DESTATIS (2016): Jedes 27. Neugeborene war im Jahr 2014 ein Mehrlingskind.
Zahl der Woche,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts  v. 12.01.

DESTATIS (2016): Deutlicher Bevölkerungsanstieg im Jahr 2015 auf mindestens 81,9 Millionen,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 29.01.

"Die Anzahl lebend geborener Kinder dürfte danach 705 000 bis 730 000 betragen haben, die Anzahl der Sterbefälle 905 000 bis 930 000. Die Geburten würden damit in etwa das Niveau des Vorjahres erreichen und allenfalls leicht ansteigen, die Sterbefälle würden aber deutlich höher als im Jahr 2014 liegen. Das Geburtendefizit – die Differenz aus Geburten und Sterbefällen – wird 2015 bei 190 000 bis 215 000 erwartet. Im Vorjahr hatte es wegen angestiegener Geburten- (715 000) und sehr niedriger Sterbezahlen (868 000) nur 153 000 betragen.
Der Saldo aus Zuzügen aus dem Ausland und Fortzügen ins Ausland konnte bereits in den Jahren 2011 bis 2014 das Geburtendefizit mehr als nur kompensieren. Für 2015 wird der Schätzung zufolge ein Saldo von mindestens + 900 000 Personen erwartet. Der Wanderungssaldo läge damit nicht nur über dem Ergebnis des Vorjahres mit + 550 000 Personen, sondern sogar über dem bisherigen Rekordwert des Jahres 1992 mit knapp + 800 000 Personen",

meldet das Statistische Bundesamt. Letztes Jahr wurden für das Jahr 2014 nur 675.000 - 700.000 Geburten geschätzt. Im August 2015 wurde dann die vorläufige Zahl der Geburten auf 715.000 beziffert und die Geburtenrate wurde im Dezember 2015 mit 1,47 Kindern pro Frau (TFR) angegeben. Die jetzt geschätzten Geburtenzahlen für 2015 würden eine weitere Steigerung der Geburtenzahlen und möglicherweise auch der Geburtenrate bedeuten. Da die Geburtenrate jedoch von der Anzahl der potentiellen Mütter abhängig ist, kann darüber derzeit nur spekuliert werden.

JAEGER, Mona (2016): Die Geburtenrate bleibt niedrig.
Wie bei anderen familienpolitischen Maßnahmen ist auch beim Betreuungsgeld die Wirkung gering,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04.

Mona JAEGER geht es nicht um Familienpolitik, sondern um Bevölkerungspolitik. In ihrem Beitrag geht es einzig und allein um die Steigerung der Geburtenrate und nicht z.B. um Armutsvermeidung.

Anlässlich einer Studie zur Wirkung des Betreuungsgeldes wendet sich JAEGER gegen Transferleistungen, die 85 % der familienpolitischen Maßnahmen ausmachen, während lediglich 15 & als "Realtransfers" direkt für Bildung und Kitaplätze ausgegeben werden, die jedoch eine größere Wirkung auf die Geburtenrate hätten.

"Und die Einführung des Elterngeldes? Kein Gesamteffekt. 2011, vier Jahre nach der Umstellung von Erziehungsgeld auf Elterngeld, hatte die Geburtenrate sogar ihren bisherigen Tiefsstand erreicht",

lügt uns JAEGER an. Die Geburtenrate lag 2011 genauso hoch wie 2010 (1,39). Erst durch den Zensus 2011 wurde sie im Nachhinein auf 1,36 korrigiert. Auch diese Geburtenrate liegt weit über diejenige des Jahres 1995 (1,25). Offenbar hat die wirtschaftliche Entwicklung und ihre Auswirkung auf die Arbeitsplatzsituation weit größeren Einfluss auf die Geburtenrate als familienpolitische Maßnahmen.

WEISS, Marlene (2016): Die Zwillings-Pille.
In Deutschland hat sich der Anteil der Mehrlingsgeburten seit den Achtzigerjahren verdoppelt. Das liegt auch an einem Medikament,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

Marlene WEISS berichtet über die Ursache der Zunahme von Mehrlingsgeburten. Im Mittelpunkt steht dabei der Einfluss des Medikaments Clomifen, das den Eisprung anregt, auf die Zunahme, während der Anteil der Reproduktionsmedizin und des Erstgeburtsalters nur im letzten Drittel erwähnt wird. Der Beitrag erweckt zudem den Eindruck, dass die Reproduktionsmedizin bzw. Kinderwunschzentren ihren Tätigkeitsbereich immer mehr auch auf ganz normale Geburten ausdehnen möchten:

"Es klingt nicht so, als könne er der unkontrollierten Romantik (...) besonders viel abgewinnen. Bei seinem Team, mit genauer Ultraschall-Überwachung, lägen die Zwillingsquoten unter Clomifen nahe bei null",

wird die Position eines Kinderwunschzentrum-Leiters wiedergegeben. Die Entwicklung der Mehrlingsgeburten beschreibt WEISS folgendermaßen:

"Heute kommen auf 1000 Geburten 18,4 Zwillingsgeburten, das ist etwa jede 54. Geburt. Der Anteil hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr als verdoppelt, jener der Drillinge vervierfacht. Ab den Fünfzigerjahren fiel mit dem damals sinkenden Alter der Mütter der Anteil der Frauen, die Zwillinge bekamen, lange stetig ab; im Jahr 1978 war bei einer von 111 Geburten der Tiefstand erreicht. Danach ging es steil bergauf"

Das Statistische Bundesamt meldete Anfang dieses Jahres dagegen:

"2014 (war) bereits jedes 27. neugeborene Kind in Deutschland ein Mehrlingskind. Unter den gut 700 000 Neugeborenen waren knapp 27 000 Mehrlingskinder (25 954 Zwillinge, 846 Drillinge sowie 44 Vierlinge). Damit war der Anteil der Mehrlingskinder an allen Neugeborenen so hoch wie nie zuvor.
Den geringsten Anteil an Mehrlingskindern hatte es im Jahr 1977 gegeben. Von den gut 800 000 geborenen Kindern waren damals knapp 15 000 Mehrlingskinder. Damit war 1977 nur jedes 56. Kind ein Mehrling gewesen, der Anteil der Mehrlinge war somit nicht einmal halb so hoch wie 2014."

SYLVESTER, Regine (2016): Gestern war ich doch noch jung.
Das Altern wirft jede Menge Fragen auf: Werde ich halbwegs gesund bleiben? Werde ich schwierig werden? Starrsinnig, jammernd? Eine Suche nach Antworten,
in:
Berliner Zeitung v. 24.05.

"Um 2030 wird jeder Jahrgang, der in Rente geht, doppelt so groß sein wie der Jahrgang, der einen Beruf beginnt. Wir haben zu wenige Kinder bekommen, als wir es noch gekonnt hätten",

droht uns Regine SYLVESTER. Doch stimmt diese Rechnung überhaupt? Wer nur auf die Geburten schielt, der übersieht die Zuwanderung und Sterbefälle.

Nimmt man den Geburtsjahrgang 1990, dann umfasste dieser ca. 905.000 Geburten. Nimmt man das Jahr 2014, dann umfassen die 1990 Geborenen (24-25-Jährige) ca. 1,04 Millionen Menschen. Innerhalb von 25 Jahren ist der Jahrgang also durch Zuwanderung um 100.000 Personen gewachsen und es können noch viel mehr dazu kommen.

Dagegen umfasste der Geburtsjahrgang 1964 ca. 1,35 Millionen Menschen. Bis zum Jahr 2014 ist er nur um ca. 70.000 Personen, die 1964 geboren wurden, angewachsen. Der Jahrgang 1964 schrumpft bereits, weil Zuwanderer im Alter oftmals in die alte Heimat zurückkehren und die Sterbefälle zunehmen. Während der Jahrgang 1964 im Jahr 2009 noch ca. 1,45 Millionen Personen umfasste, waren es im Jahr 2014 schon fast 26.000 weniger (dies wurde aber auch durch den Zensus 2011 mitverursacht).

Dass das Verhältnis zwischen Berufsanfängern und Rentnern wesentlich günstiger aussieht, zeigt ein Vergleich der Jahrgänge 1949 und 1974:

  Jahrgang 1949 Jahrgang 1974
Lebendgeborene 1.106.825 805.500
40-Jährige   930.754
65-Jährige 962.406  

Obwohl im Jahr 1949 über 300.000 Personen mehr geboren wurden als im Jahr 1974, waren die beiden Geburtsjahrgänge im Jahr 2014 fast gleich groß (Unterschied von nur noch ca. 32.000 Personen). Während der Geburtsjahrgang 1974 durch Zuwanderung stark angewachsen ist, ist der Jahrgang 1949 durch Abwanderung und Sterbefälle bereits im Alter von 65 Jahren stark dezimiert worden.

Wie es im Jahr 2030 in Deutschland aussieht, das hängt also nicht allein vom Geburtenverhalten ab, sondern auch vom Wanderungsgeschehen bzw. den Sterbefällen. Aber in erster Linie hängt die Situation im Jahr 2030 von nicht-demografischen Entwicklungen der Wirtschaft, d.h. von den Produktivitätsfortschritten und der Arbeitsmarktsituation ab. Darüber können die Ökonomen jedoch lediglich spekulieren.

BUNZENTHAL, Roland (2016): Schrumpfszenario trotz Rekordwerts.
Noch nie war die Bevölkerung so groß wie heute - ab 2030 setzt Schrumpfung ein,
in:
Neues Deutschland v. 26.05.

"In den ersten elf Monaten 2015 kamen 665.500 Kinder zur Welt, 200 weniger als zuvor. Hochgerechnet auf das volle Kalenderjahr gab es somit zuletzt 726.000 neue Bundesbürger - gleichermaßen 2015 als auch 2014. Das ergibt sich aus Zahlen des Statistischen Bundesamts, die »nd« vorliegen",

erzählt uns Roland BUNZENTHAL. Stellt sich nur die Frage, was will uns der Journalist damit sagen?

BUNZENTHAL hat offenbar erfahren, dass in den ersten 11 Monaten des Jahres 2015 ca. 200 Babys weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres geboren wurden. Nun geht er her und teilt die 665.500 durch 11 Monate und nimmt diese Zahl mal zwölf. Dies ergibt die 726.000 Lebendgeborene für 2015.

Dummerweise gibt es jedoch Monate, in denen gewöhnlich mehr bzw. weniger Kinder geboren werden. 2014 kamen ca. 715.000 Lebendgeborene zur Welt und nicht 726.000 wie uns BUNZENTHAL vorrechnet. Daraus könnte man zwei verschiedene Schlussfolgerungen ziehen: Entweder werden im Monat Dezember gewöhnlich weniger Kinder geboren als in anderen Monaten des Jahres. Also könnte die Geburtenzahl dieses Jahr niedriger sein als letztes Jahr. Der Wissenschaftsjournalist Björn SCHWENTKER hat die Geburtentrends der letzten Jahrzehnte visualisiert. Demnach ist der Dezember ein geburtenschwacher Monat.

Damit es dieses Jahr genauso viele Kinder wie letztes Jahr gäbe, müssten in diesem Dezember also mehr Kinder geboren werden als letztes Jahr. Es wird wohl noch einige Wochen dauern bis das Statistische Bundesamt die Geburtenzahlen für 2015 veröffentlicht, denn die Rechnung von BUNZENTHAL ist eher wenig hilfreich.

Die Schätzung des Statistischen Bundesamt vom Januar 2016 läuft - im Gegensatz zur Meldung von BUNZENTHAL - auf mehr Geburten für das Jahr 2015 hinaus, aber auch die Schätzungen des Statistischen Bundesamtes sind in der Vergangenheit nicht immer treffsicher gewesen.

Fazit: Wir warten lieber auf die Veröffentlichung der offiziellen Zahlen, statt mit BUNZENTHAL zu spekulieren!

Worauf der Artikel, der keine konkrete Bevölkerungsvorausberechnung nennt, abzielt, das wird erst im letzten Absatz deutlich:

"Besonders in der Rentenpolitik spielen solche Szenarien eine wichtige Rolle. So will die Bundesregierung noch in diesem Jahr ein Altersvorsorgekonzept für die Zeit nach 2030 vorstellen, das den Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung Rechnung trägt."

BALZTER, Sebastian (2016): Sex and the City.
Der Sonntagsökonom: Plötzlich bekommen die Leute in der Großstadt mehr Kinder als auf dem Dorf. Am Storch liegt das nicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.06.

"Stadtluft macht frei, Landluft macht fruchtbar. So lässt sich zusammenfassen, was Bevölkerungsforscher in den vergangenen Jahrzehnten über unser Fortpflanzungsverhalten herausgefunden haben: Auf dem Land gab es stets mehr kinderreiche Familien als in der Stadt, weswegen manche Demographen sich sogar schon angewöhnt haben, die Metropolen als "Fertilitätsfallen" zu bezeichnen.
(...).
Jetzt aber scheint sich dieses Muster auf spektakuläre Art ins Gegenteil zu wenden. In Europa und in den Vereinigten Staaten liegen die Geburtenraten seit Anfang des Jahrtausends in den Großstädten nämlich deutlich über dem jeweiligen Landesdurchschnitt",

erzählt uns Sebastian BALZTER anlässlich einer Allianz-Auftragsstudie von Jessica FORMBY, Greg LANGLEY und Richard WOLF ("Bigger Cities, More Babies?"). Die Autoren haben weltweit 41 Großstädte mit der landesweiten Geburtenrate verglichen, indem sie aus den rohen Geburtenziffern die Geburtenrate von Frauen im Alter von 15-44 Jahren (nicht 15-49 Jahren wie neuerdings aufgrund des steigenden Erstgebäralters üblich) berechnet haben. Die Studie ist leserunfreundlich, weil keine exakten Angaben zum Erhebungszeitraum der Daten gemacht wird, nur dass sie 2012 oder später erhoben wurden.

"In Deutschland führen Frankfurt (plus 13 Prozent) und München (plus fünf Prozent) die Tabelle an, Berlin verzeichnet immerhin noch einen Aufschlag von knapp zwei Prozent gegenüber dem Durchschnitt",

schreibt BALZTER zur Entwicklung in deutschen Millionenstädten und vermerkt dazu - ohne dies belegen zu können:

"Gerade in den durchgentrifizierten Gutverdienervierteln des Landes hat sich mit Blick auf die erstrebenswerte Kinderzahl offenbar die Losung »Drei sind die neue Zwei« durchgesetzt."

Hamburg wird verschwiegen, denn das Minus von 1,7 % passt nicht ins Bild. Die schlechten Zahlen für Berlin und Hamburg könnten damit zusammenhängen, dass es sich im Gegensatz zu München und Frankfurt um Stadtstaaten und nicht um kreisfreie Städte handelt, deren Geburtenraten durch das Umland verzerrt werden. Auch das wird von BALZTER nicht berücksichtigt. Natürlich darf ein Hinweis darauf nicht fehlen, dass ein solcher "Mini-Babyboom" nicht ausreiche, um die magische Zahl nationalkonservativer Bevölkerungswissenschaftler zu erreichen. Magisch deshalb, weil diese Wunderwaffe als Allheilmittel gilt, obwohl weltweit das Gegenteil zu beobachten ist.

DESTATIS (2016): 2015: Mehr Geburten, Sterbefälle und Eheschließungen,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 30.06.

"Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 738 000 Kinder lebend geboren",

meldet das Statistische Bundesamt. Das waren 23.000 Neugeborene oder 3,2 % mehr als im Jahr 2014.

Bereits Ende Mai spekulierte Roland BUNZENTHAL in der Zeitung Neues Deutschland über die Geburtenzahl. Damals wurden von ihm nur 726.000 Neugeborene erwartet. Das Statistische Bundesamt hatte die Geburtenzahl Ende Januar auf 705.000 - 730.000 geschätzt, was immer noch niedriger lag als die heute veröffentlichten vorläufigen Geburtenzahlen. Aufgrund der hohen Zuwanderung im Jahr 2015 sind Aussagen über die Geburtenrate, über die bei solchen Veröffentlichungen in den Medien gerne spekuliert wird, mit großer Vorsicht zu genießen.

RHEIN-NECKAR-ZEITUNG-Tagesthema: Mehr Lust auf Kinder?
In Deutschland hat ein neuer Babyboom eingesetzt - doch die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen 

SCHAIBLE, Ira (2016): Mehr Babys - mehr Hochzeiten.
Familie steht wieder hoch im Kurs - Trotzdem wird die Kluft zwischen Sterbefällen und Geburten größer,
in:
Rhein-Neckar-Zeitung v. 01.07.

Die RNZ veröffentlicht eine dpA-Meldung mit Stellungnahmen von Jürgen DORBRITZ (BIB), Harald ROST (Bayerisches Staatsinstitut für Familienforschung in Bamburg) und Rembrandt SCHOLZ (Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock). DORBRITZ geht von einer geringen Erhörung der Geburtenrate aus, nennt aber keine Zahlen.

Während DORBRITZ auf mehr Zuwanderung setzt, will SCHOLZ die sozialen Sicherungssysteme umbauen.

BIK (2016): Babyboom auch in Heidelberg.
Stadt wächst kontinuierlich,
in:
Rhein-Neckar-Zeitung v. 01.07.

"Seit 2003 übersteigt die Zahl der Geburten in Heidelberg auch die der Sterbefälle - mit Ausnahme der Jahre 2003 und 2005. Heidelberg wächst also natürlich, auch ohne die Zuzüge. Nur 2005 und 2008 wurden mehr Weg- als Zuzüge registriert",

wird uns etwas umständlich erklärt. "Natürlich" ist eine befremdliche Beschreibung angesichts zum einen einer mobilen Gesellschaft und zum anderen aufgrund der Tatsache, dass künstliche Befruchtungen zum Alltag in Deutschland gehören.

ALTMEIER, Christian (2016): Überaltert.
Kommentar zu den steigenden Geburtenzahlen,
in:
Rhein-Neckar-Zeitung v. 01.07.

Christian ALTMEIER behauptet, dass nicht nur die Geburtenzahl, sondern auch die Geburtenrate gestiegen ist. Das ist jedoch reine Spekulation, weil diese Zahl erst später im Jahr veröffentlicht wird.

Angeblich ist unser Sozialsystem darauf ausgelegt, dass es mehr Junge als Alte gibt. Das ist falsch. Junge sind genauso eine Soziallast wie Alte, wenn man diese Begriffe überhaupt benutzen will. Lediglich die mittlere Altersgruppe muss sowohl für die Jungen als auch für Alten sowie die Kranken und Arbeitslosen aufkommen. Inwiefern also Sozialsysteme umgebaut werden müssen, ist nicht nur eine Frage der Kosten, sondern Junge und Alte sind immer auch ein Wirtschaftsfaktor. Meist wird jedoch die Alterung lediglich als Problem, aber nicht als Chance - höchstens im Sinne von Profitmaximierung - gesehen.

BERNDT, Christina (2016): Zwergenaufstand.
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland so viele Kinder geboren wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Ist das eine Zeitenwende? Oder nur das Ergebnis eines kleinen Babybooms in den 1980er-Jahren?
in: Süddeutsche
Zeitung v. 01.07.

Jubelrufe wie aus dem Bundesfamilienministerium angesichts der steigenden Geburtenzahlen sind für Christina BERNDT verführt, denn genaue Zahlen zur Geburtenrate gibt es nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes - im Gegensatz z.B. zu Frankreich, wo um Geburtenraten kein langes Rätselraten veranstaltet werden muss wie hierzulande - erst Ende des Jahres.

"In den Jahren 1981 bis 1991 gab es einen kleinen Babyboom in Deutschland, damals stieg die Zahl der Geburten stark an",

zitiert BERNDT Anja CONRADI-FREUNDSCHUH vom Statistischen Bundesamt. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn die Geburtenzahlen schwankten in den 1980er Jahren beträchtlich. Sie lagen zwischen 812.292 (1984) und 905.657 (1991). Die Frauen sind 2015 zwischen 24 und 34 Jahre alt, d.h. die Spätgebärenden, die mittlerweile einen großen Anteil am Geburtenaufkommen haben, werden bei dieser Betrachtung gar nicht berücksichtigt. Diese gehören derzeit jedoch zu den geburtenschwachen Jahrgängen Ende der 1970er Jahre, weswegen der Babyboom auch schwächelt.

Die Zuwanderung sei gegenüber der Familienpolitik (Ausbau der Kinderbetreuung, Einführung des Elterngeldes) kein entscheidender Faktor zitiert BERNDT den Rostocker Demografen Sebastian KLÜSENER. Norbert SCHNEIDER (BIB) sieht in den Familienleitbildern in Deutschland ein Hemmnis.

Die Medien tragen hier eine große Mitschuld, was BERNDT uns jedoch verschweigt. Im Kampf ums Elterngeld, ums  Betreuungsgeld oder die richtige Form der Kinderbetreuung (Fremd- vs. Selbstbetreuung) wurden berufstätige und nicht-berufstätige Mütter gegeneinander ausgespielt. Zudem wurde mit überhöhten Kinderlosenzahlen argumentiert, wodurch potenzielle Mütter verschreckt wurden. SCHNEIDER versucht hier also lediglich Schadensbegrenzung.

Inzwischen wird uns aus den Medien ein Trend zum Drittkind verkündet, der nun mit Propaganda das zerschlagene Porzellan wieder kitten soll:

"Als Einzelkind-Eltern fühle man sich in einer zum Drittkind neigenden Umwelt mitunter fast wie kinderlos, klagen manche."

Die zu pessimistischen Einschätzungen neigende Olga PÖTZSCH will diesen Trend nicht bestätigen, denn erst in diesem Jahr wird die Anzahl der Kinder pro Frau per Mikrozensus erhoben. Dies geschieht nur alle vier Jahre und wurde während der politischen Auseinandersetzung um die richtige Familienpolitik von den Parteien mit Erfolg verhindert, sodass Kinderlosenzahlen Anfang des Jahrtausends politisch missbraucht werden konnten. Erst nachdem das Elterngeld durchgesetzt war, sind bis auf wenige  ewiggestrige Nationalkonservative wie Herwig BIRG und Thilo SARRAZIN, die immer noch weiter mit zu hohen Kinderlosenzahlen operierten, die Debatten um Kinderlosigkeit sachlicher geworden. Angesichts der Erfolge von Nationalkonservativen könnte sich diese Versachlichung jedoch wieder ändern. Die Debatte um den Brexit und eine "Diktatur der Alten" zeigt deutlich, dass die Standards hier wieder verloren gehen.

BERNDT baut dann eine Kluft zwischen Kinderlosen und Eltern in Westdeutschland auf, eine Polarisierung, die sich verstärken könnte. Verschwiegen wird dabei jedoch, dass das Elterngeld dazu wesentlich beiträgt, indem Nicht-Akademiker-Mütter diskriminiert werden. Kinder Besserverdienender sind seit 2007 mehr Wert als Kinder von Geringverdienern oder nicht-berufstätigen Müttern.

BERNDT, Christina (2016): Willkommenskultur für Babys.
Kommentar,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 01.07.

MENKENS, Sabine (2016): Die Enkel der Babyboomer.
In Deutschland werden wieder deutlich mehr Kinder geboren. Doch sie können die Lücke, die durch Sterbefälle entstehen, nicht schließen,
in: Welt
v. 01.07.

Sabine MENKENS konfrontiert uns zuerst mit einer angeblich schlechten Nachricht, nämlich:

"der Sterbeübschuss lag mit knapp 187.609 (...) so hoch wie nie seit 1990."

Dies ist erstens falsch, denn 2009, 2011 und 2013 lag der Sterbeüberschuss höher als 2015. 2013 lag er sogar bei 211.756. Bereits im Jahre 1975 hätte er bei über 207.000 gelegen, wenn es damals bereits eine Gesamtstatistik für BRD und DDR gegeben hätte.

Dies hätte eigentlich aus der Grafik, die uns die Print-Welt - im Gegensatz zum Internetartikel - mitgeliefert hat, ersichtlich sein müssen, aber offenbar hat der Grafikersteller lediglich jene Jahre, die auch auf der Skala aufgelistet sind (1990, 1995, 2000, 2005, 2010, 2014, 2015) aus einer Tabelle übertragen und dann einfach miteinander verbunden. Dem fielen jene Sterbeüberschüsse, die höher waren - einfach zum Opfer. War dies einfach nur Gedankenlosigkeit oder Absicht? Aus Büchern wie Lügen mit Zahlen kann man lernen, wie man solche Verzerrungen in Grafiken erkennen kann.  

Und für Kritiker der Überalterung der Bevölkerung ("Vergreisung") müsste das - zweitens - eigentlich eine frohe Botschaft sein, denn ein Sterbeüberschuss ist identisch mit einer Verjüngung der Bevölkerung, wenn dieser in erster Linie alte Menschen betrifft.

Der guten Nachricht widmet sich dann MENKENS fast den ganzen Artikel. Im Gegensatz zur SZ ist sie jedoch nicht am Rückgang der Kinderlosigkeit interessiert, sondern nur am Rückgang der Akademikerinnenkinderlosigkeit.

MENKENS präsentiert uns wie LUDWIG in der Stuttgarter Zeitung Weisheiten der Geografin Franziska WOELLERT (wird uns aber als "Demografiexpertin" vorgestellt!), aber glücklicherweise bleibt uns hier wenigstens der größte Unsinn erspart. Dafür wird uns anderer Unsinn präsentiert:

"Möglicherweise beruht ihr Anstieg (Anm.: gemeint ist die Geburtenrate) seit 2011 sogar auf einem simplen Rechenexempel. »Beim Zensus 2011 wurde plötzlich festgestellt, dass weniger Menschen in Deutschland leben als gedacht. Deshalb wird die Zahl der Geburten auch auf weniger Frauen aufgeteilt – die Geburtenziffern steigen mithin an«."

Dies ist deswegen falsch, weil inzwischen zensuskorrigierte Zahlen ab 2011 vorliegen. Seitdem ist die Geburtenrate real gestiegen. Für 2011 wurde nach unkorrigierten Daten noch eine Geburtenrate von nur 1,36 gemessen, korrigiert waren es jedoch 1,39 - d.h. der Unterschied lag bei 0,3. Auch die endgültige Kinderzahl von Geburtsjahrgängen (CFR) hat sich dadurch verändert.

MENKENS, Sabine (2016): Boom, Baby, boom.
Kommentar,
in: Welt
v. 01.07.

LUDWIG, Werner (2016): "Die Bevölkerung wird weiter schrumpfen".
Interview: Die Berliner Demografie-Expertin Franziska Woellert sieht im Anstieg der Geburtenzahlen noch keine grundsätzliche Wende,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 01.07.

Die Stuttgarter Zeitung präsentiert uns zur Agenturmeldung über die Geburtenzahlen 2015 die Geografin Franziska WOELLERT vom neoliberalen privaten Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, das uns seit Anfang des Jahrtausends mit Rankings zur Bevölkerungsentwicklung traktiert.

Bereits die Frage von LUDWIG ist falsch, denn in den vergangenen Jahren sind die Geburtenzahlen nicht rückläufig gewesen, sondern gestiegen. WOELLERT disqualifiziert sich selber, da sie dem nicht widerspricht. Seit 2011 sind die Geburtenzahlen von 662.685 auf rund 738.000 gestiegen. Die Geburtenrate ist von 1,36 im Jahr 2011 auf 1,47 im Jahr 2014 gestiegen, die Zahlen für 2015 werden später im Jahr veröffentlicht. WOELLERT zeigt lediglich, dass sie keine Ahnung hat, wenn sie uns etwas anderes erzählt.

Zu Frankreich erzählt uns WOELLERT ebenfalls Unsinn, denn dort sind berufstätige Mütter und nicht-berufstätige Mütter - im Gegensatz zu Deutschland - gleichermaßen gesellschaftlich akzeptiert. Feministinnen haben in der Vergangenheit gerne nur das eine betont und uns das andere verschwiegen. Tatsächlich ist dort die Geburtenrate rückläufig, aber wegen der schlechten Arbeitsmarktlage und nicht wegen ihrer Firmenkultur wie uns WOELLERT suggeriert, wenn sie die skandinavische Firmenkultur hervorhebt.

Dieser Versuch einzelne Aspekte aus den politischen Systemen anderer Länder hervorzuheben, während andere verschwiegen werden, ist typisch für neoliberale Desinformation, denn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nicht das Ideal von allen Müttern, sondern der Versuch Familie arbeitsmarktkompatibel zu machen und zwar nicht in erster Linie wegen mehr Geburten, sondern um eine genügend große Arbeitsmarktreserve bereithalten zu können. Denn sonst müssten Erwerbstätige besser bezahlt werden.

THELEN, Peter (2016): Berliner Geburts-Tag.
Die Zahl der Neugeborenen steigt auf höchsten Stand seit 15 Jahren. In den Ballungszentren birgt der Boom neue Probleme,
in:
Handelsblatt v. 01.07.

"Klar ist jedoch, dass Deutschland nach wie vor hinter den Geburtenzahlen zurückbleibt, die nötig wären, um ein  Schrumpfen der Bevölkerung zu verhindern: 2,1 müsste dann die Geburtenziffer betragen",

desinformiert uns Peter THELEN. 2,1 ist lediglich jene Zahl, bei der ohne Wanderungen eine Bevölkerung stabil bleibt. Um in Deutschland ein Schrumpfen zu verhindern benötigt man eine höhere Geburtenrate als 2,1. Oder eine niedrigere, wenn man hohe Wanderungsüberschüsse mit einrechnet. Eine vorübergehende, geringe Schrumpfung wäre jedoch überhaupt kein Problem, denn Weniger sind mehr, wie der verstorbene Soziologe Karl Otto HONDRICH in seinem gleichnamigen Buch aufzeigte.

Aufgrund der Mediendebatten um das Aussterben der Deutschen werden wir nun damit konfrontiert, dass aufgrund des nicht berücksichtigten Kindersegens der Ausbau von Kinderbetreuung und Schulen insbesondere in Ballungszentren verschlafen wurde. Die Bevölkerungsvorausberechnungen der letzten Jahrzehnte gingen alle von einer gleich bleibenden Geburtenrate (z.B. auch die aktuelle 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes) oder sogar von einem Rückgang aus. Das rächt sich nun!

RÜFER, Lisa (2016): Drei gewinnt.
Vater, Mutter, zwei Kinder: das Ideal von einer Familie. Doch wie viel Nachwuchs verträgt ein Paar?
in: Süddeutsche
Zeitung v. 02.07.

"Als Einzelkind-Eltern fühle man sich in einer zum Drittkind neigenden Umwelt mitunter fast wie kinderlos, klagen manche",

erzählte uns Christina BERNDT gestern anlässlich der Veröffentlichung der Geburtenzahlen für das Jahr 2015. Nun erklärt uns Lisa RÜFER, die mit ihrem Mann nur eine Tochter hat und sich nicht einmal zu einem zweiten entschließen konnte:

"Von anderen werden wir (...) oft als unvollständig wahrgenommen"

Um sich nicht zu alleine zu fühlen mit ihrer Einzelkind erklärt sie allen, die in der gleichen Situation sind:

"Wir sind nicht die einzige Dreierkonstellation, Ein-Kind-Familien nehmen weltweit zu. Einer Analyse der Universität Wien zufolge bekommen Einzelkinder später häufiger selbst nur ein Kind, in der Konsequenz werden die Familien also kleiner."

Dieser Unsinn wurde in Zeiten in die Welt gesetzt, als Frank SCHIRRMACHER mit seinem Pamphlet Minimum deutsche Journalistinnen in helle Panik versetzte und in Wien die "Niedrig-Fertilitäts-Falle" aus der Taufe gehoben wurde. Aus gesunkenen Kinderwünschen - eine Folge der absurden politischen Debatten dieser Jahre - wurde auf eine ständige Abwärtsspirale bei den Geburten geschlossen. Spätestens seit das Elterngeld durchgesetzt war und uns die Mainstreamjournalistenmeute nicht mehr die Köpfe mit Überbietungswettkämpfen um die schlechtesten Nachrichten zur Geburtenlage voll dröhnen mussten, sind in Umfragen die Kinderwünsche auch wieder gestiegen und die Niedrig-Fertilitäts-Falle löste sich in Wohlgefallen auf. RÜFER hat das offenbar alles nicht mitbekommen, sonder tischt uns Kinderwunschmärchen aus vergangenen Tagen auf:

"Und das, obwohl 2015 die Zahl der Geburten auf den höchsten Stand gestiegen ist. Traurig ist die Lücke zwischen den zwei Kindern, die sich Frauen wünschen, und den 1,47 Kindern, die sie laut Statistik bekommen, dennoch."

Es gibt eine solche Lücke nicht in dieser Form, sondern sie ist ein Forschungsartefakt, d.h. eine Phantom, das durch falsche Interpretation der Daten entstanden ist. Dies wurde merkwürdigerweise erst öffentlich als die politischen Schlachten bereits geschlagen waren! Aber offensichtlich ist dies noch nicht bis zu den Mainstreamjournalisten durchgedrungen, wie der Artikel von RÜFER zeigt.

BÜSCHER, Wolfgang & Freia PETERS (2016): Sehnsucht nach dem Apfelbaum.
Voriges Jahr wurden in Deutschland so viele Babys geboren wie seit 15 Jahren nicht. Gerade in den großen Städten trauen sich Familien wieder, mehr Kinder zu bekommen. Dennoch bleibt der Traum von einer ländlichen Kindheit stark,
in:
Welt am Sonntag v. 10.07.

Die Welt kompakt, die sich an eine modernere und jüngere Leserschaft richtet, titelt heute Kinder gehören in die Stadt. Der nationalkonservativen Leserschaft der WamS erklären die Autoren den Namen Audrey PODANN folgendermaßen:

"keine ausländischen Wurzeln, nur experimentierfreudige Eltern, was Namen angeht".

Es könnte ja sonst ein Eingeborener denken, man hätte es hier nur mit einer Pass-Deutschen zu tun. So etwas wäre vor einem Jahr noch nicht derart hervorgehoben worden. Aber wenn eine Frau drei Kinder geboren hat, dann lautet das von der WamS zelebrierte Vorurteil seit Jahren: Sozialhilfemutter mit Migrationshintergrund. Gunnar HEINSOHN hat hier immerhin jahrelange Vorarbeit geleistet.

Nun da deutsche Akademikerinnen ohne Migrationshintergrund mehr als zwei Kinder haben müssen, um in nationalkonservativen Kreisen als gesellschaftsfähig zu gelten, sind die Ressentiments, die HEINSOHN in der WamS verbreitet hat, zum Kollateralschaden geworden.

Mit Spekulationen zur Geburtenrate halten sich die WamS-Autoren zurück, schließlich war die Welt/WamS in der Vergangenheit damit meist voll daneben gelegen. Stattdessen bauen sie einen Gegensatz zwischen Stadt und Land auf:

"Eines aber kann man sicher sagen: Die Stadtkinder laufen den Landkindern davon. Bezieht man die Zahl der Geburten in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen auf die Bevölkerung, wurden hier deutlich mehr Babys geboren als in den Flächenländern. In Berlin (3,5 Millionen Einwohner) kamen voriges Jahr über 38.000 Kinder zur Welt – in Brandenburg (2,45 Millionen) waren es nur rund 19.000 Kinder und damit im Verhältnis weniger. Und das, darin sind sich die Forscher einig, ist tatsächlich ein Trend. Städter kriegen mehr Kinder als Landbewohner."

Dabei ist es gerade einmal ein Jahrzehnt her, dass uns die Mainstreamjournalisten das Land als fruchtbare Oase im Meer der unfruchtbaren Städte beschrieben haben. Der Landkreis Cloppenburg oder Laer bei Münster galten als Vorbild. Jetzt wird uns der suburbane Stadtteil Vauban in Freiburg als kinderreichster Deutschlands gepriesen:

"Ein ganzes Viertel haben Familien am Stadtrand in Freiburg gestaltet. Im autofreien Vauban leben rund 6000 Menschen in Öko-Siedlungen mit Solardächern auf dem Gelände einer früheren Kaserne. Ein Drittel der Bewohner ist jünger als 18. Vauban gilt als der kinderreichste Stadtteil Deutschland."

Nicht mehr die Geburtenrate, sondern der Anteil von unter 18-Jährigen gilt jetzt als neuer Indikator. Offenbar ist die Geburtenrate in diesem Freiburger Stadtteil nicht so vorteilhaft - falls es dazu überhaupt Daten gibt.

PÖTZSCH, Olga (2016): (Un-)sicherheiten der Bevölkerungsvorausberechnungen.
Rückblick auf die koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen für Deutschland zwischen 1998 und 2015,
in:
Wirtschaft und Statistik, Heft 4

"Wenn die absehbaren Auswirkungen durch neue Trends oder gerade aufgrund von Gegensteuerung abgemildert oder gar nivelliert werden, muss die Realität von der Bevölkerungsvorausberechnung zwangsläufig abweichen."

Wenn also Treffsicherheit ein belangloses Kriterium von Bevölkerungsvorausberechnungen wäre, dann werden die Annahmen dieser Vorausberechnungen umso bedeutsamer, denn sie müssten sofort korrigiert werden, wenn erkennbar ist, dass sie unhaltbar sind. Dies jedoch geschieht ebenfalls nicht, wie das Beispiel der steigenden Geburtenrate zeigt. Immer noch wird die Geburtenrate mit 1,4 Kinder pro Frau bis 2060 fortgeschrieben. Die Bundesbank betrachtet nicht einmal mögliche Alternativen mit 1,5 oder 1,6 Kinder pro Frau.

PÖTZSCH jedenfalls will als Kriterium für Bevölkerungsvorausberechnungen nur "richtige Signale senden" gelten lassen. Damit wird die Debatte von der Treffsicherheit in Bezug auf zukünftige Entwicklungen jedoch nur auf die getroffenen Annahmen verlagert, aber die grundsätzliche Kritik an solchen Bevölkerungsvorausberechnungen nicht aus der Welt geschafft:

"Ihrer Aufgabe, richtige Signale im Hinblick auf die künftige demografische Entwicklung zu senden, können Bevölkerungsvorausberechnungen allerdings nur dann gerecht werden, wenn sie auf möglichst treffenden Analysen der Gegenwart beruhen. Ein besonderes Augenmerk wird deshalb auf die Ableitung und Begründung der Annahmen zu einzelnen demografischen Komponenten gelegt. Diese sind die eigentliche Herausforderung bei der Weiterentwicklung der Bevölkerungsvorausberechnungen." (2016, S.39)

Und es kommt hinzu, dass dann der Einfluss von politischen Entscheidungen auch kausal belegt werden müsste, denn sonst könnten ja falsche Rückschlüsse gezogen werden aus der Differenz zwischen Vorausberechnung und Realität. Was wenn die Veränderungen gar nicht auf Politik, sondern auf ganz andere - nicht berücksichtigte Faktoren - zurückzuführen wären? PÖTZSCH baut sich hier ein Kartenhaus auf, das sehr einsturzgefährdet ist. Uns interessiert vor allem die Begründung der Annahmen zur Geburtenentwicklung, da darin gegenwärtig der größte Sprengstoff im Hinblick auf die Bundesbank-Berechnungen und der Debatte um die zukünftige Finanzierung der Renten liegt. Erstmals wird uns einigermaßen ausführlich erklärt, dass die Annahmen zur Geburtenentwicklung sich nicht einfach aus der zusammengefassten Geburtenziffer ergeben, sondern aus der jeweiligen Verteilung der altersspezifischen Geburtenziffern:

"Die zusammengefasste Geburtenziffer steht erst am Ende eines iterativen Annahmenfindungsprozesses und beeinflusst indirekt – über die altersspezifischen Geburtenziffern – die Stärke der neuen Geburtsjahrgänge und somit die künftige Bevölkerungsgröße und -struktur.
Die eigentlichen Annahmen werden zur Entwicklung der altersspezifischen Geburtenziffern getroffen. Sie beruhen einerseits auf einer linearen Extrapolation der altersspezifischen Trends und andererseits auf den Hypothesen zur Weiterentwicklung der Kohortenfertilität. Die Parametrisierung der Zielverteilung erfolgt schließlich mithilfe eines Quadratic-Spline-Modells von Carl Schmertmann (2003). Die zusammengefasste Geburtenziffer ergibt sich anschließend aus der Summation der extrapolierten altersspezifischen Werte. Infolgedessen können der gleichen zusammengefassten Geburtenziffer von 1,4 Kindern je Frau im Jahr 2005 und im Jahr 2020 unterschiedliche altersspezifische Verteilungen zugrunde liegen. Ihr lang anhaltendes annähernd konstantes Niveau kommt dadurch zustande, dass der Rückgang der Geburtenhäufigkeit im jüngeren gebärfähigen Alter durch den Geburtenanstieg im höheren Alter kompensiert wird. Bei der Formulierung der Annahmen wird deshalb oft neben dem Wert für die zusammengefasste Geburtenziffer auch das durchschnittliche Gebäralter als Verteilungsmaß genannt."

Nur wird dies bislang in keiner einzigen Broschüre explizit nachprüfbar aufgeführt. Wenn also den Annahmen derart immense Wichtigkeit zukommt, warum also legt das Statistische Bundesamt diese Annahmen nicht offen, sodass darüber öffentlich diskutiert werden kann. Stattdessen wird eine Art Geheimwissenschaft betrieben. Die Beschränkung auf eine einzige Annahme zur Geburtenentwicklung in der 9. und 10. koordinierten Bevölkerungsentwicklung wird lapidar mit der damaligen schlechten Datenlage begründet, denn die Verbesserung der Datenlage wurde bis zum Beschluss des Elterngeldes von den politischen Parteien und ihren Handlangern in Medien und Wissenschaft erfolgreich verhindert, weshalb uns PÖTZSCH nun scheinheilig mitteilt: 

"Für alternative Annahmen lagen keine empirischen Hinweise vor."

Wichtig sei stattdessen allein das Geburtenverhalten ostdeutscher Frauen gewesen:

"Zum Entstehungszeitpunkt dieser Berechnungen war zudem vor allem relevant, wie schnell sich die stark gesunkene Geburtenhäufigkeit in den neuen Ländern erholen und an das westdeutsche Niveau anpassen wird (Statistisches Bundesamt, 2000, 2003). Es wurde eine Annäherung zwischen 2005 und 2010 angenommen. Tatsächlich hat sich die zusammengefasste Geburtenziffer im Jahr 2007 in beiden Teilen Deutschlands beim Wert von 1,37 Kindern je Frau angeglichen. In den neuen Ländern stieg sie anschließend weiter und überholte das westdeutsche Niveau deutlich."

PÖTZSCH drückt sich in dem Beitrag jedoch um das Eingeständnis, dass die Geburtenentwicklung in den Bevölkerungsvorausberechnungen gravierend falsch eingeschätzt wurde, denn es fehlt ein für den Leser nachvollziehbaren Vergleich mit der realen Entwicklung. Stattdessen wird uns zum Schluss erklärt:

"Andererseits erscheinen einige im Zeitraum von 1998 bis 2015 getroffene Annahmen aus heutiger Sicht überholt. (...). Die Annahme eines kontinuierlichen Rückgangs der zusammengefassten Geburtenziffer entspricht zumindest nicht der Entwicklung der letzten Jahre." (2016, S.51)

STATISTISCHES LANDESAMT BW (2016): Baden‑Württemberg: Höchste Geburtenrate seit 1974.
Im Schnitt 1,51 Kinder je Frau – Pforzheim landesweit Spitzenreiter,
in: Pressemitteilung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg v. 18.08.

Die Pressemeldung vermischt die Begründungen für die Geburtenentwicklung in Baden-Württemberg. Zuerst werden uns nicht - wie der Leser vielleicht vermuten würde, die Gründe für den Anstieg der zusammengesetzten Geburtenziffer (TFR; umgangssprachlich auch als Geburtenrate bezeichnet), sondern nur für den Anstieg der absoluten Geburtenzahlen genannt: 

"In Baden‑Württemberg wurden im vergangenen Jahr rund 100.300 Kinder lebend geboren und damit ca. 4.600 mehr als 2014. Somit übertraf die Zahl der Lebendgeborenen nach Angaben des Statistischen Landesamts zum ersten Mal seit 2001 wieder die Marke von 100.000 und lag zum vierten Mal in Folge höher als im jeweiligen Vorjahr. Die Ursache für diesen positiven Trend wird in der in den vergangenen Jahren enorm angestiegene Zuwanderung gesehen, die auch zu einer Zunahme der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter geführt hat. Hinzu kommt, dass nun Kinder der geburtenstarken Jahrgänge Anfang der 1960er-Jahre, die sogenannten Babyboomer, selbst wieder Kinder bekommen."

Erst danach kommt die Pressemeldung zum wesentlich wichtigeren Anstieg der Geburtenrate (TFR):

"Schließlich ist die relativ hohe Geburtenzahl auch auf einen Anstieg der Geburtenrate, also der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau, zurückzuführen. Diese lag im vergangenen Jahr bei 1,51 Kindern je Frau. Damit stieg diese Kennziffer auch im vergangenen Jahr weiter an und lag so hoch wie seit 1974 nicht mehr."

Anders als die Pressemeldung behauptet, werden uns jedoch nicht die Ursachen dieser Entwicklung genannt, sondern lediglich familien- bzw. bevölkerungspolitisch motivierte Deutungen und spezielle Rahmenbedingungen der Entwicklung der zusammengefassten Geburtenziffer. Ursachen wären dagegen zum einen die Entwicklung der kohortenspezifische Geburtenrate (CFR) und zum anderen Veränderungen des Timings, d.h. des Erstgebäralters, denn dieses könnte die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR) verzerren, was zu Fehlschlüssen führen kann.

Die uns verkündete zusammengefasste Geburtenziffer ist - anders als vielleicht vermutet - kein verlässliches Kennmaß für den Anstieg der Fruchtbarkeit, sondern lediglich ein Indikator. Einzig die Entwicklung der Geburtenrate von Frauenjahrgängen (CFR) ermöglicht verlässliche Aussagen über eine Trendumkehr. Angaben zu dieser Geburtenrate werden jedoch in der Pressemeldung nicht gemacht.

Lassen sich aus der Geburtenrate (TFR) Rückschlüsse auf die zu erwartende bundesweite Geburtenrate ziehen? Aufschluss darüber bietet die folgende Tabelle eines Vergleichs der Entwicklung beider Indikatoren in Deutschland und Baden-Württemberg in den letzten Jahren:

Tabelle: Vergleich der Entwicklung der zusammengefassten
Geburtenziffer in Baden-Württemberg und Deutschland in den
Jahren 2011 bis 2015
Gebiet Zusammengesetzte Geburtenziffer (TFR)
  2011 2012 2013 2014 2015
Baden-Württemberg 1,36 1,39 1,41 1,46 1,51
Deutschland 1,39 1,41 1,42 1,47 ?
Quellen: Statistisches Bundesamt (Seitenabruf: 19.08.2016);
Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg
vom 18.08.2016

Da die zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland in den letzten Jahren höher lag, ist es wahrscheinlich, dass die Geburtenrate auch in Deutschland im Jahr 2015 auf über 1,5 Kinder pro Frau gestiegen ist.

SCHMÄHL, Winfried (2016): "Bismarcks Rentenversicherung" und der dadurch mitausgelöste Geburtenrückgang in Deutschland.
Kritische Prüfung hierzu vorgelegter Begründungen,
in:
Deutsche Rentenversicherung, Heft 2, S.74-92

DESTATIS (2016): 2 von 10 der 2015 geborenen Babys hatten eine Mutter mit ausländischer Staatsangehörigkeit,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 21.09.

MICHLER, Inga (2016): Geburten ausländischer Mütter erreichen Rekord.
Mehr Kinder mit Migrationshintergrund stellen das Bildungssystem vor Herausforderungen. Ifo-Experte fordert gut durchmischte Gruppen,
in:
Welt v. 22.09.

BIB (2016): Trendwende bei der Geburtenrate.
Grafik des Monats,
in:
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung v. 23.09.

MICHLER, Inga (2016): Historische Trendwende bei Geburten.
Frauen in Deutschland bekommen mehr Kinder. Ein Grund ist der verstärkte Ausbau von Kitas,
in:
Welt v. 24.09.

Historische Trendwende bei Geburten? Das ist keineswegs eine Neuigkeit wie uns Inga MICHLER weismachen möchte. Schon seit etlichen Jahren ist diese Trendwende bei der Kohortenfertilität der 1970er Jahre Geborenen bekannt. Erstmalig wurde die Trendwende im Jahr 2003 nachgewiesen - also lange vor der Einführung des Elterngeldes oder des Ausbaus der Kinderbetreuung. Martin BUJARD vom BIB spricht schon länger von einer Trendwende, im Gegensatz zum Statistischen Bundesamt, das sich beharrlich weigert diesen Trend anzuerkennen, denn dann müsste die Bevölkerungsvorausberechnung vom letzten Jahr korrigiert werden. Diese wurde aber erst kürzlich von Olga PÖTZSCH verteidigt. Bevölkerungsvorausberechnungen sollen politische Maßnahmen rechtfertigen, so ihre Sicht. Eine Trendwende bei der Geburtenrate wäre da nur störend. Zumal auch die neoliberale Rentendebatte dramatische Entwicklungen benötigt, um weitere Rentenkürzungen rechtfertigen zu können.

MICHLER, Inga (2016): Mehr Kinder, mehr Chaos!
Kommentar,
in:
Welt v. 24.09.

BRACHAT-SCHWARZ, Werner (2016): Enorme Zuwanderung und überraschend viele Geburten.
Zur Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg im Jahr 2015,
in:
Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg, Heft 9

Werner BRACHAT-SCHWARZ berichtet über die Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg im Jahr 2015. Dabei wird vor allem die Geburtenentwicklung hervorgehoben:

"Im Südwesten wurden im vergangen Jahr rund 100.300 Kinder lebend geboren - immerhin ca. 4.600 mehr als 2014. Damit übertraf die Zahl der Lebendgeborenen zum ersten Mal seit 2001 wieder die Marke von 100.000 und lag zum vierten Mal in Folge höher als im jeweiligen Vorjahr."

Den Anstieg schreibt BRACHAT-SCHWARZ drei Faktoren zu:
1) Zunahme der Frauen im gebärfähigen Alter durch Zuwanderung aus dem Ausland.
2) Zunahme der potenziellen Mütter aufgrund der Kinder der Babyboomer ("Echoeffekt") und
3) Leichter Anstieg der Geburtenrate.
Eine begründete Gewichtig dieser Faktoren bleibt BRACHAT-SCHWARZ schuldig.

"Die Zahl der von ausländischen Müttern geborenen Kindern stieg (...) um immerhin knapp 2.900 auf rund 23.600 an. (...).
(D)ie Zahl der Lebendgeborenen von deutschen Frauen (hat sich) um etwa 1.800 erhöht und lag im vergangenen Jahr bei 76.600"

erläutert uns der Autor. Die Geburtenrate lag 2015 bei 1,51 Kindern pro Frau. Ausländische Frauen kamen auf 1,79 Kinder pro Frauen, deutsche Frauen immerhin auf 1,45.

BUJARD, Martin & Harun SULAK (2016): Mehr Kinderlose oder weniger Kinderreiche?
Eine Dekomposition der demografischen Treiber in unterschiedlichen Phasen des Geburtenrückgangs in Deutschland,
in:
Kölner Zeitschrift für Soziologe und Sozialpsychologie, Heft 3, S.487-514

NIEJAHR, Elisabeth (2016): "Uns fehlt das dritte Kind".
Der Bevölkerungsforscher Martin Bujard erklärt, warum Vorurteile gegen Großfamilien Deutschland zurückwerfen,
in:
Die ZEIT Nr.42 v. 06.10.

DESTATIS (2016): Geburtenziffer 2015: Erstmals seit 33 Jahren bei 1,50 Kindern je Frau,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 17.10.

Das Statistische Bundesamt, das dem Innenminister untersteht, spielt Einheimische und Migrantenmütter gegeneinander aus. Dabei fällt ein erstaunliches Ergebnis unter den Tisch: Ausgerechnet die ostdeutschen Sachsen (1,59), Thüringen (1,56), Mecklenburg-Vorpommern (1,55)  und Sachsen-Anhalt (1,54), während Bayern (1,48) zu den Schlusslichtern gehört.

Wie passt das damit zusammen, dass angeblich deutsche Frauen weniger Kinder als Ausländerinnen bekommen? Die ostdeutschen Bundesländer sind nicht dafür bekannt, dass es dort eine kräftige Zuwanderung gegeben hätte, während Bayern, das sich seiner vielen Zuwanderer brüstet, zu den Schlusslichtern gehört.

Fazit: Analysen, die die quer liegenden Fakten ignorieren, malen ein falsches Bild von der Geburtensituation in Deutschland. Man muss sich deshalb schon fragen, ob diese Pressemitteilung nicht ausgesprochen interessengeleitet ist und wichtige Aspekte unter den Teppich kehrt.

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Einwanderer treiben Geburtenrate hoch.
Erstmals seit 1982 steigt die Geburtenziffer auf 1,5 Kinder je Frau. Ist das die Wende in der deutschen Bevölkerungsentwicklung? Grund zur Entwarnung gibt es nicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.10.

"(E)in Vergleich verschiedener amtlicher Modellrechnungen bis 2060 (zeigt:)(...) Die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte bis dahin wird selbst bei einer deutlich erhöhten Geburtenrate um mehrere Millionen Personen sinken",

lügt uns Dietrich CREUTZBURG an, denn er präsentiert uns lediglich zwei Varianten einer einer einzigen Bevölkerungsvorausberechnung aus dem letzten Jahr. Würde man stattdessen verschiedene Bevölkerungsvorausberechnungen vergleichen, dann würden krasse Fehleinschätzungen zur Bevölkerungsentwicklung offenbar werden. Schließlich sollte Deutschland bereits seit 10 Jahren dauerhaft schrumpfen. Das große Schrumpfen prophezeite uns z.B. Cordula TUTT noch im Jahr 2007.

CREUTZBURG wählt die Varianten 2 und 5, die sich durch einen niedrigen Anstieg der Lebenserwartung und einen Zuwanderungssaldo von 200.000 auszeichnen. Lediglich bei den Geburten wird eine konstante Geburtenrate von 1,4 angenommen - die bereits seit 2012 überschritten wurde. Die angeblich "deutlich höhere Geburtenrate" - das Statistische Bundesamt spricht dagegen bei dieser Variante von "leichtem Anstieg" (2015, S.31) - zeichnet sich durch folgende Annahmen aus:

"Bis zum Jahr 2028 erreicht die zusammengefasste Geburtenziffer 1,6 Kinder je Frau bei gleichzeitigem Anstieg des durchschnittlichen Gebäralters um ein Dreivierteljahr und bleibt danach konstant. Die endgültige Kinderzahl entwickelt sich anfangs ähnlich wie in der Basisannahme. Bei den späten 1980er Jahrgängen nimmt sie allmählich zu auf gut 1,6 Kinder je Frau und bleibt danach annähernd konstant. Bei dieser Hypothese wird angenommen, dass die Kinderlosigkeit von derzeit 22 % auf 20 % sinken und die Struktur der Mütter nach der Zahl der geborenen Kinder auf dem Niveau der 1960er Kohorten mit durchschnittlich 2,0 Kindern je Mutter bleiben wird."

Hinter der Geburtenrate von 1,6 stecken also zahlreiche Annahmen, die jede einzeln falsch sein kann. Erst recht auf den langen Zeitraum bis 2060. CREUTZBURG tut dagegen so, als ob es eine Art Naturgesetz sei, dass im Jahr 2040 nur 200.000 Personen in einer nicht näher bestimmten "Altersgruppe" gäbe.

Ganz davon abgesehen, geht CREUTZBURG von der Annahme aus, dass auch 2060 noch genauso viele Arbeitskräfte gebraucht würden wie heutzutage - was sich aufgrund von Digitalisierung und Roboterisierung als Trugschluss erweisen könnte.

KNOP, Carsten (2016): Die Angst der Deutschen.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.10.

Carsten KNOP nimmt den Steilpass der DESTATIS-Pressemeldung auf, und erklärt die Bevölkerungspolitik für gescheitert:

"Wer jetzt aber jubelt, dass gerade die staatlichen Maßnahmen rund um Elterngeld und bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten die Bereitschaft gesteigert hätten, eine Familie zu gründen, trifft damit die Wahrheit nur zu einem kleinen Teil."

Dies ist natürlich hanebüchener Unsinn, denn die Geburtenziffer bezieht sich keineswegs nur auf die Familiengründung, sondern vor allem auf die Familienerweiterung. Die niedrige Geburtenrate in Deutschland beruht jedoch vor allem auf dem Fehlen kinderreicher Familien. Welchen Anteil das Elterngeld und die Kinderbetreuung hat, das bedürfte einer genaueren Analyse, die jedoch unterbleibt.

Der Versuch deutsche Mütter gegen ausländische Mütter auszuspielen, ist allein schon deshalb falsch, weil gerade in jenen Bundesländern, in denen der Ausländeranteil am niedrigsten ist, die Geburtenrate am höchsten ist.

DRIBBUSCH, Barbara (2016): Importierte Geburtshilfe.
Demografie: Die deutsche Geburtenrate pro Frau ist auf dem höchsten Stand seit 30 Jahren. Das liegt auch an Frauen aus Südosteuropa sowie Kriegs- und Krisenländern,
in: TAZ
v. 18.10.

Barbara DRIBBUSCH zitiert die Amtsstatistikerin Olga PÖTZSCH, die nicht gerade für fortschrittliche Beurteilungen der Geburtenentwicklung bekannt ist. Ihre Devise lautet: Zugegeben wird nur, was sich nicht mehr verleugnen lässt. Mit dieser Defensivstrategie wurde der Anstieg der Geburtenrate bei den in den 1970er Jahren geborenen Frauen immerhin 10 Jahre lang dementiert.

"»Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit war es im Jahr 2014 zu einem Anstieg der Geburtenrate gekommen, der sich so im Jahre 2015 nicht weiter fortgesetzt hat», berichtet Demografieexpertin Olga Pötzsch vom Statistischen Bundesamt. Besonders bei den jungen Frauen im Alter zwischen 25 bis 29 Jahren hatte die Geburtenhäufigkeit 2014 leicht zugelegt. Doch dieser Trend hat sich nicht weiter fortgesetzt",

wird uns erklärt. Dies zeigt jedoch nur, dass Spätgebärende in Deutschland weiterhin als unerwünscht gelten, möglicherweise ein Grund, warum Kinderreiche, die ja bekanntlich ihr letzten Kinder im höheren Alter bekommen, von Amtsstatistikern immer noch nicht gebührend berücksichtigt werden.

Die zusammengesetzte Geburtenziffer (TFR) ist jedoch keineswegs eine ausreichende Analysegrundlage, sondern es fehlen noch Zahlen zur biologischen Rangfolge der Geburten in Deutschland. Auch die Ergebnisse zur Entwicklung der Kinderlosigkeit, die mit dem Mikrozensus 2016 erhoben werden, fehlen. Erst wenn alle diese Daten vorliegen, ist eine genaue Analyse möglich.

DRIBBUSCH, Barbara (2016): Botschaft an das Schulwesen.
Kommentar zu den hohen Geburtenraten der Geflüchteten,
in: TAZ
v. 18.10.

Barbara DRIBBUSCH fokussiert auf die hohen Zahlen von Geburten bei Geflüchteten, während die SZ den Politikwissenschaftler Martin BUJARD abwiegeln lässt:

"Die Frauen unter den knapp 900.000 Flüchtlingen, die im Vorjahr nach Deutschland kamen, können in den Berechnungen aus Wiesbaden aber noch keine große Rolle spielen. »Sie hätten schon bei ihrer Einreise schwanger sein müssen«, sagte Forschungsdirektor Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung dem Evangelischen Pressedienst."

WELT (2016): Weniger Mütter bekommen mehr Kinder.
Dank Zuwanderung: Geburtenziffer erreicht erstmals seit 33 Jahren den Wert 1,5,
in:
Welt v. 18.10.

GERSEMANN, Olaf (2016): Kein Gedöns.
Kommentar,
in:
Welt v. 18.10.

Olaf GERSEMANN behauptet, das Elterngeld wäre unnötig, denn der damit induzierte Bewusstseinwandel sei nun vollzogen:

"Forscher beobachten, dass Kinder gerade auch beim urbanen Akademikermilieu wieder fest zur Lebensplanung gehören."

GERSEMANN fordert deshalb - im Einklang mit lange zurückgehaltenen Erkenntnissen über die wahren Gründe des Geburtenrückgangs - ein Kindergeld ab dem dritten Kind. Die Welt gehörte zu denen Zeitungen, die eine Erhöhung des Kindergelds mit Verweis auf die kinderreichen Sozialhilfemütter - strikt ablehnte.

SCHIERMAYER, Matthias (2016): Ein kleiner Babyboom.
Geburten: Frauen in Deutschland bringen mehr Kinder zur Welt,
in: Stuttgarter
Zeitung v. 18.10.

Matthias SCHIERMAYER grenzt die geburtenstarken Jahrgänge auf die Kohorten 1981 - 1991 ein. Dies ist insofern falsch, weil das Jahr 1984 neben 1978 einen Tiefstpunkt markiert. In Westdeutschland wurden damals gerade einmal 584.157 Kinder geboren. Auch auf Gesamtdeutschland gesehen trifft das zu.

Die Sache ist also wesentlich komplexer, denn wer nur die "natürliche Bevölkerungsbewegung" betrachtet, übersieht den Einfluss der Zuwanderung. Der Einfluss des "Echoeffekts", den die Kinder der Babyboomer verursachen, muss im Zusammenhang mit der Zuwanderung gesehen werden, die das Reservoir der potenziellen Mütter erhöht.

ÖCHSNER, Thomas (2016): Adenauers Irrtum.
Der Kanzler war einest der festen Meinung: Kinder kriegen die Leute immer - doch die Realität sah anders aus. Nun ist zum ersten Mal seit 1982 die Geburtenziffer wieder auf den Wert von 1,5 Kindern je Frau gestiegen. Doch der positive Trend könnte bald wieder vorbei sein,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.10.

Thomas ÖCHSNER wiederholt die neoliberale ADENAUER-Phraseologie. Der Satz, der Adenauer zugeschrieben wird - aber von keinem einzigen Historiker bislang belegt wurde - wurde im Laufe des Aufstiegs der Neoliberalen erfunden. Er gehört zu den neoliberalen Mythen wie das Amen zur Kirche.

ÖCHSNER erzählt uns ebenfalls hanebüchenen Unsinn:

"Was den Kinderzuwachs ausgelöst hat, ist noch nicht ganz klar: Es gibt jedoch einen sehr naheliegenden Grund: Die Töchter der Babyboomer sind heute diejenigen, die Kinder bekommen können. Es gibt einfach mehr Frauen im Alter zwischen 26 und 36. Deshalb könnte es schon 2020 mit dem positiven Trend vorbei sein".

Dies ist Blödsinn, weil hier die Entwicklung der absoluten Geburtenzahlen mit der Entwicklung der Geburtenrate vermischt wird. Beides ist klar zu unterscheiden: Die Geburtenrate kann steigen, auch wenn die Zahl der absoluten Geburten stagniert oder sogar zurück geht, denn die zusammengesetzte Geburtenziffer hat mit der Anzahl der Mütter wenig zu tun. Auch wenige Mütter können mehr Kinder bekommen.

In den Berichten zur Geburtenentwicklung vermisst man generell einen Blick auf die Kohortenfertilität (CFR), die endgültige durchschnittliche Kinderzahl eines Frauenjahrgangs. Gemäß Martin BUJARD markiert erst der Geburtsjahrgang 1968 den Tiefstpunkt.

"Die Frage nach Zahl der Kinder, die Frauen im Laufe ihres Lebens tatsächlich bekommen haben, kann für Frauenjahrgänge beantwortet werden, die das Ende des gebärfähigen Alters erreicht haben, das statistisch mit 49 Jahren angesetzt wird. Im Jahr 2015 waren es die Frauen des Jahrgangs 1966. Ihre endgültige durchschnittliche Kinderzahl betrug 1,53 Kinder je Frau",

meldet nun das Statistische Bundesamt. Der Jahrgang 1965 lag dagegen bei 1,55 Kinder pro Frau.

"Es gibt zunehmend Frauen, die ihre Kinder später zur Welt bringen. (...). Laut Statistischem Bundesamt sind Mütter von Erstgeborenen Mittlerweile im Durchschnitt bereits 29 Jahre und sieben Monate alt",

berichtet uns ÖCHSNER. Es ist noch nicht lange her, da wurde lediglich das Erstgebäralter von Frauen in bestehenden Ehen richtig erfasst. Erstmals im Herbst 2006 wurden Zahlen zum Erstgebäralter aller Frauen erhoben, die im Dezember 2012 veröffentlicht wurden.

SCHROEDER, Vera (2016): Die Kinderlein kommen.
Kommentar zur Geburtenrate: Ist es das Elterngeld? Sind es die Zuwanderer?
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.10.

Vera SCHROEDER erzählt uns den komplementären neoliberalen Mythos zur ADENAUER-Praseologie:

"Sobald Menschen eine Altersvorsorge haben, brauche sie nicht mehr so viele Kinder. Türkische Frauen haben in Deutschland 2015 erneut weniger Kinder bekommen als in den Jahren zuvor. Und bevor deutsche Frauen in ein Rentensystem einzahlen konnte, war die Geburtenrate aus heutiger Perspektive ebenfalls extrem hoch",

phantasiert SCHROEDER. Diese neoliberale Mär wurde von Verfechtern der Kapitaldeckung erfunden und ist gegen die gesetzliche Rentenversicherung, die auf dem Umlageverfahren basiert, gerichtet. Das ehemalige Sozialbeiratsmitglied Winfried SCHMÄHL hat erst kürzlich diesen Mythos entkräftet.

SCHROEDER verkündet uns einen Bewussteinswandel bei den 30-Jährigen, wobei wohl nur das Akademikermilieu gemeint ist, denn der Rest der Gesellschaft interessiert unsere Elite sowieso nicht:

"Mit dem Argument, keine Kinder zu wollen, weil das individuelle Freiheiten einschränken könnte, dürfte man heute bei einer Abendessenseinladung von um die 30-Jährigen zumindest einen mittleren Shitstorm auslösen."

THEILE, Merlind (2016): In diese Welt ein Kind setzen? Oh ja!
Die Geburtenrate in der Bundesrepublik ist so hoch wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Das spricht für einen Mentalitätswandel der Deutschen - und für ihre Zuversicht,
in:
Die ZEIT Nr.44  v. 20.10.

Merlind THEILE übt sich im Spagat zwischen "langfristig nach unten zeigender Geburtenkurve" und Mentalitätswandel bei der oberen Mittelschicht:

"Standen Frauen bis in die neunziger Jahre hinein noch häufig vor der Wahl, sich zwischen Beruf und Elternschaft entscheiden zu müssen, ist die Kombination von beidem heute immer selbstverständlicher."

Bei Susanne GASCHKE klang das noch Mitte der Nuller Jahre ganz anders: Akademikerinnen drohten zu 50 Prozent kinderlos zu bleiben. Der Pessimismus dauerte bis zur Durchsetzung des Elterngelds. Danach folgte die 180-Grad-Kehrtwende: Optimismus ist seitdem Pflicht! Das Wohlfühlmilieu ist nun mit sich zufrieden!

BOLLMANN, Ralph (2016): Warum Kinder wieder Mode sind.
In Deutschland werden wieder mehr Kinder geboren. Einwanderer tragen dazu viel bei - vor allem die aus Osteuropa,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.10.

In der Stadtzeitung erklärt uns Ralph BOLLMANN, dass Kinder in erster Linie in den Städten geboren werden, er beruft sich dabei auf seine subjektive Empirie (und das, obwohl doch Anfang des Jahrtausends Journalisten viele Zeitungsspalten nur damit füllten, uns deutlich zu machen, dass uns unser Gefühl trügt!) BOLLMANN beruft sich zu dem auf MPlDR-Forscher, um uns deutlich zu machen, dass der Trend auch in Zukunft weiter anhält:

"Die Wissenschaftler vom Rostocker Max-Planck-Institut für demographische Forschung glauben (...), dass die Geburtenrate in Wahrheit viel schneller steigt - und dass diese Entwicklung auf absehbare Zeit anhalten wird. Nach ihren Prognosen werden die Frauen des Geburtsjahrgangs 1979, die heute 37 Jahre alt sind, am Ende sogar durchschnittlich 1,57 Kinder zur Welt gebracht haben."

Dass diese Prognose auf Daten beruht, die bereits 4 Jahre alt sind, das verrät uns BOLLMANN dagegen nicht. Ein vernichtendes Urteil fällt BOLLMANN implizit über Frank SCHIRRMACHERs apokalyptisches Minimum-Pamphlet. Darin klagte der Oberjammerer, dass Deutschland sich aufgrund der zusammengefassten Geburtenziffer in einer Abwärtsspirale befände. Diese »Low Fertility Trap Hypothese« stellt nun BOLLMANN auf den Kopf:

"Einiges spricht dafür dass der jüngste Kinderboom sich selbst verstärkt. Mehr Nachwuchs im Freundeskreis animiert dazu, auch selbst über eine Familiengründung nachzudenken."

Bei diesen naiven Vorstellungen zur Geburtenentwicklung ergibt sich das zentrale Problem, dass sich Trendwenden nicht erklären lassen. Selbstverstärkungsprozesse wie sie SCHIRRMACHER oder BOLLMANN propagieren, laufen immer nur in eine Richtung.

Es kommt hinzu, dass sich diese Vorstellungen an der zusammengefassten Geburtenziffer festmachen - ein Indikator, der untauglich ist, um Geburtenentwicklungen zu erklären. Wir haben es hier nicht mit wissenschaftlichen Erklärungen, sondern mit Populismus zu tun. Im Gegensatz zur zusammengefassten Geburtenziffer (TFR) weist die endgültige Kinderzahl (CFR) immer noch nach unten. Lediglich Prognosen gehen von einer Trendwende aus. Diese Prognosen sind jedoch nur dann richtig, wenn das Erstgeburtsalter seine Richtung beibehält. Ändert sich dieser so genannte Tempoeffekt, dann sind auch die Prognosen unzutreffend. Erst in drei Jahren wird sich zeigen, ob die prognostizierte Trendwende tatsächlich erfolgt ist, denn dann wird die endgültige Kinderzahl des Frauenjahrgangs 1969 feststehen. Diese müsste dann höher ausfallen als jene des Frauenjahrgangs 1968: das Minimum.

FRITZEN, Florentine (2016): Der Mini-Baby-Boom,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.11.

Nach Ralph BOLLMANN darf nun auch Florentine FRITZEN ihre Meinung zur Entwicklung der Geburtenrate kundtun. Angeblich orientieren sich Menschen an Vorbildern, weshalb es Jahre dauert, bis die Familienpolitik wirkt. Dadurch will sie erklären, dass Elterngeld und Kita-Ausbau erst jetzt zu einem Anstieg der Geburtenrate (TFR) führt. Belege dafür muss sie schuldig bleiben, weshalb sie auf subjektive Alltagserfahrungen ausweicht.

"(I)n Städten, in denen der Betreuungsplatz für das vierte Kind kostenlos ist und Familien auch sonst viel geboten wird: Da werden tatsächlich mehr vierte Kinder geboren",

erzählt uns FRITZEN. Leider vergisst sie uns zu verraten wie diese Städte heißen. Als nicht mehr ganz so junge Konservative kritisiert sie den Arbeitszwang von Eltern:

"Wenn eine Mutter von 40 Prozent auf 80 aufstockt, der Vate3r aber nur von 100 auf 90 reduziert, arbeiten die beiden künftig also 170 Prozent statt vorher 140. Eine aktuelle Studie des Allensbach-Insituts und der Prognos AG geht davon aus, dass Väter im Jahr 2030 zweieinhalb Wochenstunden weniger arbeiten werden - und Mütter sechs Stunden mehr. Zwei Drittel der Deutschen befürchten demanch, dass Eltern dann noch mehr unter Druck stehen."

STICHT, Christina (2016): Kinderkriegen wird zum Problem.
Seit 1991 schlossen 40 Prozent der Kreißsäle - die Geburtenrate sank nur um zwölf Prozent,
in:
Neues Deutschland v. 25.11.

 
     
 
       
   

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Update: 21. Mai 2017