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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Die Reproduktionsmedizin und die Fruchtbarkeitskrise

 
       
   

Eine Bibliografie der Debatte um Geburtenrückgang und ungewollte Kinderlosigkeit (Teil 7)

 
       
     
   
     
     
 

Einführung

Seit 1978 das erste "Retortenbaby" geboren wurde, ist die künstliche Befruchtung zum Alltag von Reproduktionsmedizinern in der ganzen Welt geworden. Dies hat auch den Blick auf die Kinderlosigkeit verändert. Diese Veränderung des Blicks auf Kinderlose und die Einflüsse von Professionsinteressen und bevölkerungspolitischen Interessen sollen in dieser kommentierten Bibliografie im Vordergrund stehen.

Kommentierte Bibliografie (Teil 7 - 2013 bis 2014)

MÜHL, Melanie (2013): Wunschkind auf Bestellung.
Der amerikanische Reproduktionsmediziner Jeffrey Steinberg garantiert Eltern ein Baby mit dem gewünschten Geschlecht. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt, die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Bereits ist es technisch möglich, Haar- und Augenfarbe auszuwählen,
in: Weltwoche Nr.6 v. 03.01.

HUMMEL, Katrin (2013): Leiblich.
Einst liebte ein Mann eine Frau. Seine Liebe schwand, doch aus seinem Sperma, das er mal hatte einlagern lassen, ließ sie sich von einem Arzt Kinder machen. Die Frage ist: Wer muss denen jetzt Unterhalt zahlen?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.01.

SPOERR, Kathrin (2013): Das Wunschkind.
Titelgeschichte: Eigentlich läuft alles nach Plan im Leben von Gabriela Schmidt*. Nur eines fehlt: ein Baby. Jahrelang lässt sie sich ärztlich behandeln, um schwanger zu werden – ohne Erfolg. Und der Kinderwunsch wird mit jedem Scheitern größer. Unsere Autorin hat sie bei ihrem letzten Versuch begleitet,
in:
Welt am Sonntag v. 17.02.

CADENBACH, Christoph (2013): Bis später, Baby.
Die biologische Uhr lässt sich jetzt anhalten. Diese Frau hat ihre Eizellen einfrieren lassen - wenn sie will, kann sie also auch mit 40, 50, 60 noch Mutter werden. Der letzte Schritt zur Vollendung der Emanzipation?
in: SZ-Magazin Nr.10 v. 08.03.

POLKE-MAJEWSKI, Karsten (2013): Schicksal ungewollt kinderlos.
Unfruchtbarkeit: Wer kein Kind bekommen kann, leidet im Verborgenen. Zwar gilt Zeugungsunfähigkeit als medizinisch behebbar, aber sie ist gesellschaftlich ein Tabu,
in: ZEIT Online v. 08.04.

Angeblich ist ungewollte Kinderlosigkeit ein Tabuthema (oder doch eher gewollte Kinderlosigkeit?). Vielleicht sind die Medien selber schuld, wenn niemand mehr mit ihnen über ihre Kinderlosigkeit reden will. Schließlich wurde das Thema Kinderlosigkeit von den Medien in polarisierender Weise politisiert (Die ZEIT stand dabei an vorderster Front) und die Hetze gegen Kinderlose nimmt in Bundestagswahlkampfjahren bekanntlich zu. Selbstkritik ist aber nicht die Sache der Medien! Die Rede vom Tabuthema hat dabei eine nicht unerhebliche Entlastungsfunktion.

Die Themenwoche der Online-ZEIT lässt sich zudem in die Großoffensive gegen Kinderlosigkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz einordnen, die eine Gruppe von bevölkerungspolitisch motivierten Wissenschaftlern in ihrem Buch Zukunft mit Kindern gefordert hat.

Angeblich steigt die Kinderlosigkeit weiter, neue Zahlen muss  POLKE-MAJEWSKI schuldig bleiben, denn diese werden - offenbar um sie wahlkampfpolitisch besser missbrauchen zu können - erst in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes veröffentlicht. Die in der Vorweihnachtszeit veröffentlichte BIB-Broschüre, auf die  verlinkt wurde, ist dagegen kein Beleg.

FETZ, Steffi (2013): Zu arm zum Kinderkriegen.
Künstliche Befruchtung: Ist Kinderwunschbehandlung nur etwas für Reiche? Paare wie Marie und Sebastian kommen an ihre Grenzen, wenn die Kasse nicht mehr zahlt,
in: ZEIT Online v. 11.04.

KLÖCKNER, Lydia (2013): "Kinder kann man nicht erzwingen".
Medizinethik: Die Reproduktionsmedizin suggeriert absolute Machbarkeit. Das ist falsch, sagt Medizinethiker Giovanni Maio. Manchmal ist es besser, Kinderlosigkeit zu akzeptieren,
in: ZEIT Online v. 12.04.

EMMA-Dossier: Mutter werden mit 50plus

LOUIS, Chantal (2013): Homo-Mütter. Wie es geht!
Rechtlich ist in Sachen künstlicher Befruchtung in Deutschland vieles unklar. Wie es gehen könnte, wird hier erklärt,
in: Emma, Mai/Juni

Chantal LOUIS beschreibt die rechtliche Grauzone anhand des Filmes Zwei Mütter von Anne ZOHRA BERRACHED und der Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion der Bundesärztekammer aus dem Jahr 2006, wonach partnerlose Frauen und gleichgeschlechtliche Paare von der künstlichen Befruchtung ausgeschlossen werden. Diese Empfehlung ist jedoch nicht verbindlich und es existieren deshalb bundesländerspezifische Unterschiede in Deutschland. Berlin hat in Sachen Regenbogenfamilien eine Art Vorreiterrolle übernommen. Dort hat auch das erste Regenbogenfamilienzentrum Deutschlands eröffnet. Nicht zuletzt wird aufgrund der unsicheren Rechtslage in Deutschland auch der Reproduktionstourismus ins Ausland, z.B. Dänemark, beschrieben. Die

"biologische Mutter gilt so lange als alleinerziehend, bis die Co-Mutter den Antrag auf die Stiefkindadoption bewilligt bekommt. Das kann dauern. (...).
Deshalb fordert der LSVD (Anm.: Lesben- und Schwulenverband in Deutschland), dass auch hier gleiches Recht für alle gilt: EIn Kind, das in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft geboren wird, ist automatisch das Kind der beiden Partnerinnen, wie in der Heteroehe",

erläutert LOUIS die Problematik der Adoption.

ZEIT-Dossier: Fortpflanzung? Später!
Ein neues medizinisches Verfahren stellt die biologische Uhr der Frau ab. Bis ins hohe Alter kann sie jetzt schwanger werden. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind?

SPIEWAK, Martin (2013): Die biologische Uhr anhalten.
Kinderwunsch: Etwa 3000 Euro kostet es Frauen, ihre eigenen Eizellen einfrieren zu lassen. Plus jährliche Gebühr für die Lagerung: Eine Versicherung, die vom Zeitdruck in der Lebensmitte befreit,
in: Die ZEIT
Nr. 29 v. 11.07.

FOCUS-Titelgeschichte: Projekt Kind.
Mit High-Tech-Medizin zum Baby - aber kann man Glück planen?

GOTTSCHLING, Claudia (2013): Kinderwunsch auf Eis.
Spätes Mutterglück? Kein Problem, sagen Mediziner. Frauen sollten nur rechtzeitig daran denken, ihre Eizellen einfrieren zu lassen. Doch den meisten kommt die Idee sehr spät,
in:
Focus Nr.41 v. 07.10.

taz-Wochenendthema: Gegen alle Umstände.
Schwangerschaft: Die Eizellspende ist für manche Paare oft der einzige Weg, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. In Deutschland ist das Verfahren verboten. Ärzte, die Frauen dennoch helfen, müssen mit Strafen rechnen. Wie es gelingen kann, illegal ein legales Kind zu bekommen

HAARHOFF, Heike & Gilda SAHEBI (2013): Die Eizelle aus Spanien.
Familien: In Deutschland ist in der Reproduktionsmedizin einiges verboten, was in anderen Ländern Europas längst legal praktiziert wird. Deshalb muss eine Frau für ihr Kind weit reisen. Und ein Arzt steht vor Gericht,
in:
TAZ v. 12.10.

WANDLER, Reiner (2013): Den Körper zu Markte tragen.
Not: Arme Frauen lassen sich in Spanien auf die risikoreiche Eizellspende ein - die Wirtschaftskrise befördert das. Denn obwohl das Gesetz untersagt, dass für Eizellen Geld fließt, tut es dies doch,
in:
TAZ v. 12.10.

"Rund 55 Prozent der europaweit gezählten Eizellenspenden finden in Spanien statt. Über 8.000 Spenderinnen sind das im Jahr. "In den letzten vier Jahren ist die Zahl der Frauen, die Eizellen spenden, sprunghaft angestiegen. Es fällt schwer zu glauben, dass dies nichts mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage zu tun hat", heißt es auf »Trótula crítica«, einer Seite für gynäkologische Themen. Seit Beginn der Krise - mit nunmehr 26 Prozent Arbeitslosigkeit, und unter Jugendlichen ist jeder Zweite ohne Job - ist die Zahl der Spenderinnen laut Presseberichten um 20 Prozent gestiegen. Im Internet wird die Eizellenspende ganz offen als Geldquelle gepriesen", berichtet Reiner WANDLER aus Spanien.

FRITZEN, Florentine (2013): Der Albtraum der ewigen Fruchtbarkeit.
Späte Mütter gab es schon immer. Heute sind sie ein Trend. Das hat Folgen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.10.

BERNHARD, Albrecht (2013): Spätes Glück.
Es ist ein Segen für viele Frauen - mit neuen medizinischen Methoden können sie ihre Fruchtbarkeit konservieren. Etwa warten, bis der Richtige kommt. Aber: Was bedeutet das für die Gesellschaft?
in:
Stern Nr.48 v. 20.11.

GLOMP, Ingrid (2013): Unerfüllter Kinderwunsch,
in: Psychologie Heute,
Dezember

2014

HAARHOFF, Heike (2014): Der Professor und das Babyglück.
Kinderwunsch: Ein österreichischer Arzt befruchtet Eizellen mit umstrittenen Methoden - und macht deutschen Medizinern Konkurrenz. Die sind empört. Der Streit beschäftigt die Justiz. Es geht vor allem um viel Geld,
in: TAZ v. 11.01.

PANY, Thomas (2014): Wenn die Mama ein Mann ist.
In den USA werden Transgender mit Kinderwünschen als der "nächste Grenzbereich" der Reproduktionsmedizin ausgemacht,
in: Telepolis v. 14.01.

taz-Wochenendthema: Das gläserne Baby

HAARHOFF, Heike (2014): "Babys entwirft man nicht".
Grenzen: Christiane Woopen ist Ärztin, Mutter und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Eltern dürfen nicht alles über ihre Kinder wissen, sagt sie,
in: TAZ v. 01.03.

BERNARD, Andreas (2014): Kinder machen. Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie, Frankfurt a/M: Fischer Verlag

Kinder machen

"Immer mehr Babys werden mit medizinischer Unterstützung gezeugt. Diese Kinder, Samenspender und Leihmütter sind die neuen Akteure der Reproduktionsmedizin doch was bedeutet das für unser Verständnis von Familie? Was passiert, wenn biologische Elternschaft sich von sozialer entfernt? Von der Ukraine über Deutschland bis nach Kalifornien hat Andreas Bernard die maßgeblichen Orte, u.a. Samenbanken und Labore, aufgesucht, Eltern, Spender und Mediziner nach ihren Motiven befragt, die Schicksale der Kinder recherchiert. Gleichzeitig hat er die Geschichte des Wissens um die Reproduktion aufgearbeitet und Erstaunliches zutage gefördert. In Verbindung aus Reportage und Wissenschaftsgeschichte gelingt ihm eine glänzend erzählte Bestandsaufnahme aller Aspekte der künstlichen Zeugung von Menschen und was das für die Ordnung der Familie bedeutet."
(Klappentext)

Die Dresdner Rede "Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod" in der Debatte

KNIPPHALS, Dirk (2014): Eine schreckliche Tirade.
Rede: Künstliche Befruchtung sei "widerwärtig", Onanie müsse verboten werden, sagt die Büchnerpreisträgerin Lewitscharoff. Wie kommt sie bloß dazu?
in:
TAZ Online v. 06.03.

FEDDERSEN, Jan (2014): Warum schweigen sie bloß?
Rede: Sibylle Lewitscharoff drückt ihre Abscheu vor homosexuellen Familien aus. Das kann sie ruhig machen. Aber: Warum protestiert niemand?
in:
TAZ Online v. 06.03.

PLATTHAUS, Andreas (2014): Halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas.
Rettungslos verrannt: Die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff hat Kindern, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, den Status von "Halbmenschen" zugesprochen,
in:
faz.net v. 06.03.

SPIEGEL, Hubert (2014): Die Frau, die Leben schenkte.
Sie hat in 30 Jahren 10 000 Kinder in der Petrischale gezeugt. Aber eigene Kinder wollte sie nie. Die Embryologin Helena Angermaier über die Geheimnisse ihrer Arbeit - und über die Gefahren,
in:
SZ-Magazin Nr.10 v. 07.03.

Social Freezing wird in den Mitte-Zeitungen landauf, landab als Methode für spät gebärende Akademikerinnen gepriesen. Helena ANGERMAIER hält dies für unseriös:

"Meines Erachtens ist das bislang kein verlässliches Verfahren. Im Moment wird es eher von IVF-Zentren ins Spiel gebracht, die damit einfach Geld scheffeln wollen: Frauen wird vermittelt, sie könnten durch Hormonstimulation eine Vielzahl von Eizellen produzieren und dann nach 15 oder 20 Jahren wiederkommen, um ein Kind zu bekommen. Es ist aber überhaupt nicht gesagt, dass der Konservierungsprozess so lange funktioniert."

SPIEGEL, Hubert (2014): Darf ich nicht sagen, was ich denke?
Die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff hat die Reproduktionsmedizin in einer Rede für "abartig" erklärt und bezeichnet Retortenkinder als "Halbwesen". Wir haben nachgefragt, wie sie das genau meint,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.03.

RBL/UJW (2014): Ist künstliche Befruchtung gegen die Natur?
Grenzen der Selbstermächtigung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 14.03.

Die NZZ nutzt die Hysterie um die Schriftstellering Sibylle LEWITSCHAROFF zur Debatte um die künstliche Befruchtung. Die Medizinethikerin Bettina SCHÖNE-SEIFERT, die Philosophen Robert SPAEMANN und der Agenda-Philosoph Otfried HÖFFE nutzen die Gelegenheit zur Positionierung während Sibylle LEWITSCHAROFF Kinderlosen die Adoption als bessere Alternative zum Designer-Baby empfiehlt:

"Mir ist der alte Weg der Adoption sympathisch. Er ist schwierig, denn man muss dabei auf die Eigensucht verzichten, dem Kind das eigene biologische Potenzial mitzugeben. Ich ziehe meinen Hut vor Menschen, die solches gewagt und ein bereits vorhandenes Kind aus entsetzlicher Not gerettet haben."

Das Designer-Baby ist aber nichts anderes als die technologische Weiterentwicklung des Wunschkindes. Letztlich wäre also ein Verbot von Verhütung und Abtreibung die einzige logische Konsequenz einer solchen Argumentation, denn nur dann wäre dem LEWITSCHAROFFschen Reinheitsgebot ("Selbstlosigkeit") Genüge getan. Alles andere ist nun mal "eigensüchtiges" Verhalten, das der "Natur" ins Handwerk pfuscht und nicht Schicksal.

Wollen wir also mit Sibylle LEWITSCHAROFF zurück in die Vormoderne?

WEIGUNY, Bettina (2014): Wo kommen all die Babys her?
Mehr als 10 000 Kinder werden Jahr für Jahr im Labor gezeugt - allein in Deutschland. Und eine ganze Branche verdient prächtig,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.03.

"Jedes siebte Paar bleibt unfreiwillig kinderlos. Der Grund: Die Paare gründen immer später eine Familie, die Fruchtbarkeit aber nimmt ab einem bestimmten Alter rapide ab",

informiert uns Bettina WEIGUNY. Für die Reproduktionsmedizin ist Deutschland angesichts des Rückstandes auf andere Länder ein lukrativer Zukunftsmarkt:

"Weltweit verdankt eine viertel Million Kinder jährlich der Befruchtung in der Petrischale ihr Leben. In Europa sind es 110 000 Kinder, das sind zwei Prozent aller Babys, die so auf die Welt kommen. In Ländern wie Slowenien, Dänemark, Schweden und Spanien, wo viel erlaubt ist und/oder der Staat sich großzügig zeigt, sind es mehr (4,5 Prozent eines Jahrgangs), in Deutschland 1,8 Prozent."

Nicht wegen ethischer Bedenken, sondern weil Kinderwunschbehandlungen nicht von den Krankenkassen bezahlt werden, ist für WEIGUNY die Zahl der Retortenkinder so niedrig, aber die Politik steuert bereits um. Jedoch es ist die klassische Familie, die subventioniert wird, während die "Regenbogenfamilie" weiterhin diskriminiert wird.

SCHMIDBAUER, Wolfgang (2014): Auch Retortenbabys sind Kinder der Liebe.
Fertilitätsmedizin belastet Paare - Kinderlosigkeit aber noch mehr. Die Lewitscharoff-Debatte aus Sicht des Paartherapeuten,
in: Neues Deutschland
v. 25.03.

BUSINESS WEEK-Titelgeschichte:
Freeze Your Eggs, Free Your Career.
A new fertility procedure gives women more choices in the quest to have it all
 

ROSENBLUM, Emma (2014): Later, Baby.
Will Freezing Your Eggs Free Your Career?
in:
Business Week v. 17.04.

WELTWOCHE-Titelgeschichte:
Die nächste Revolution
 

SCHLAG, Beatrice (2014): Herz und Bauch für schwule Väter.
Die Kalifornierin Omena Markarian ist im dritten Monat schwanger. Rechtmässige Eltern des Babys ­werden zwei homosexuelle Chinesen mit Wohnsitz in Belgien sein. Es ist das dritte Kind, das die Leihmutter für schwule Väter austrägt,
in:
Weltwoche Nr.17 v. 23.04.

SCHLAG, Beatrice (2014): Bestellte Babys.
Fortpflanzung: Eizellen-Spende, Leihmütter für Singles – in Kalifornien legal und immer beliebter,
in:
Weltwoche Nr.17 v. 23.04.

LANGNER, Carsta (2014): Die Angst vor der Norm,
Carsta Langner kritisiert die derzeitige Diskussion über die Präimplantations- und Pränataldiagnostik,
in:
Jungle World Nr.25 v. 19.06.

LINDNER, Roland (2014): Für immer gebärfähig.
In Amerika überlisten Frauen die biologische Uhr. Sie lassen ihre Eizellen einfrieren und vertagen das Kinderkriegen. Der Trend wird zum großen Geschäft auch in Deutschland,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 29.06.

NEW YORK TIMES MAGAZINE-Titelgeschichte:
The Brave New World of Three-Parent I.V.Fk

TINGLEY, Kim (2014): The Brave New World of Three-Parent I.V.F,
in: New York Times Magazine v. 29.06.

ABÉ, Nicola (2014): Gefrorene Zeit.
Essay: Warum das Konservieren von Eizellen Frauen Freiheit verschafft,
in:
Spiegel Nr.29 v. 14.07.

MASKOS, Rebecca & Andrea TRUMANN (2014): Diagnose Mensch.
Im Jungle World-Dossier "Die Angst vor der Norm" (25/2014) kritisierte Carsta Langner den Artikel "Das genormte Wunschkind" aus dem Sammelband »The Mamas and the Papas«. Eine Erwiderung,
in:
Jungle World Nr.29 v. 17.07.

BERNDT, Christina (2014): Glück auf Eis,
Kinder oder nicht? Um diese Entscheidung aufzuschieben, lassen immer mehr Frauen Eiszellen einfrieren. Kann das Folgen haben wie einst die Anti-Baby-Pille?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.07.

STEPHAN, Cora (2014): Kein Recht auf Kinder.
Die Reproduktionsmedizin macht es möglich. Heute kann jeder Nachwuchs bekommen. Doch ist diese Option wirklich sinnvoll? Cora Stephan bezweifelt es,
in:
Welt am Sonntag v. 03.08.

"Die ultimative Waffe der Frauen, nach dem Sex auch das Kinderkriegen zu verweigern, zieht nicht mehr",

meint Cora STEPHAN angesichts von Leihmüttern und politischen Forderungen nach künstlicher Befruchtung auch für gleichgeschlechtliche Paare.

"Angesichts des globalen Bevölkerungswachstums ist der Trend in den Industrienationen zu weniger Kindern doch eigentlich vorbildlich. Deutschland stirbt nicht gleich aus, nur weil seine Frauen weniger Kinder kriegen. Die Klage, dass Frauen partout nicht tun, was sie den Männern voraushaben, nämlich gebären, ist insbesondere im Hinblick auf die leidige Rentenfrage unanständig. Nur weil unser Rentensystem auf falschen Annahmen beruht (...), gibt es keine Pflicht zum Kind. Und nur weil Kinder in den Industrienationen seltener werden, muss man das weibliche Alleinstellungsmerkmal nicht zu einer käuflichen Ware für jedermann machen",

meint deshalb Cora STEPHAN.

BECK-GERNSHEIM, Elisabeth (2014): Die neuen Weltbürger.
Die globalisierte Fortpflanzungsmedizin lässt den Kinderwunsch-Tourismus boomen. Mit merkwürdigen Auswüchsen, wie jüngst ein Beispiel zeigte. Welche Regeln gelten auf diesem Markt?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.08.

DJERASSI, Carl (2014): Unbefleckt.
Frauen werden immer älter, ehe sie schwanger werden. Der Ausweg ist Fortpflanzung ohne Geschlechtsverkehr, meint der Erfinder der Antibabypille,
in:
Welt v. 13.08.

ABÉ, Nicola (2014): Der entsorgte Vater.
Beziehungen: Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, ohne festen Partner ein Kind zu bekommen. Ist der Verzicht auf eine traditionelle Familie ein Akt der Befreiung?
in:
Spiegel Nr.34 v. 18.08.

DIEHL, Sarah (2014): Schlachtfeld Frauenkörper.
In der Debatte über Leihmutterschaft ­finden sich Parallelen zur Debatte über Sex- und Hausarbeit. Es geht um die patriarchale Regulierung des weiblichen Körpers, den es zu "schützen" gilt,
in:
Jungle World Nr.35 v. 28.08.

WELT AM SONNTAG-Titelgeschichte: Sehnsucht nach Unsterblichkeit

ETTEL, Anja/KAISER, Tina/TRENTMANN, Nina (2014): Leben auf Eis.
Der Traum des Menschen, unsterblich zu sein, hat eine gigantische Industrie hervorgebracht. Firmen und Stiftungen verdienen Milliarden damit, für den Tag X tote Körper, Eizellen oder das Blut Neugeborener einfrieren zu lassen,
in:
Welt am Sonntag v. 31.08.

ZEIT-Dossier: Das fremde Kind im eigenen Bauch.
Jetzt kann man sogar Embryonen adoptieren

AHR, Nadine & Christiane HAWRANEK (2014): Die gespendeten Kinder.
Dossier: Embryonen, die nach einer künstlichen Befruchtung nicht mehr gebraucht werden, lagern teils jahrzehntelang auf Eis, werden vernichtet - oder an kinderlose Paare vermittelt. In Deutschland ist die Methode neu. In den USA gibt es längst Teenager, die erzählen können, wie ein Leben mit zwei leiblichen Müttern ist,
in: Die ZEIT Nr.40
v. 25.09.

Das Dossier von AHR & HAWRANEK stellt die Geschichte zweier ungewollt kinderloser Paare in den Mittelpunkt und transportiert damit das  Gedankengut der christlichen Rechte, denn "Embryonenadoption" ist kein technologisches Verfahren der Reproduktionsmedizin, sondern ein wertender Begriff für die Embryonenspende, der eine ganz bestimmte Sicht auf Embryonen darstellt:

"»Für unsere Paare sind es nicht einfach Zellen», sagt er. »Sondern kleine Kinder.«",

zitieren die Autorinnen den Hans-Peter EIDEN, Geschäftsführer des Netzwerks Embryonenspende. Statt über diese Ideologie aufzuklären, wird das Thema Eizellspende mehr oder weniger einseitig aus der Sicht der religiösen Rechte behandelt. Wie aber stellt sich das Problem für die Embryonenspenderin dar?

"Von den Ärzten wurde sie zwar über die gesundheitlichen Risiken ihrer Behandlung aufgeklärt, aber dass nach einer künstlichen Befruchtung Embryonen übrig bleiben könnten, sagte ihr niemand. Jetzt hat sie drei Kinder und zwei mögliche auf Eis. Auf dem Küchentisch liegt die Halbjahresrechnung fürs Einfrieren: 148,75 Euro. (...). Ihr Arzt hat ihr jetzt vorgeschlagen ihre Embryonen anderen Paaren zu spenden. Geld würde (sie)(...) dafür nicht bekommen. Aber vielleicht ein gutes Gefühl?"

beschreiben die Autorinnen die "Geschäftsgrundlage", die zum Handel mit Embryonen in Deutschland führt. Während in Deutschland dieser Handel erst seit letztem Jahr betrieben wird, ist die Embryonenspende in den USA bereits seit 17 Jahren eine gängige Praxis. "Embryonenadoption" ist dort das Geschäftsfeld der religiösen Rechte.

Am Ende der Reportage steht der Reproduktionstourismus nach Tschechien:

"Die Embryonen sind in der Regel nicht bei einer künstlichen Befruchtung übrig geblieben. Sie werden aus einer Samen- und Eizellspende kreiert. Sie werden gemacht nach den Vorstellungen der Kunden (...).
Die Frauen, sie ihre Eizellen spenden, sind jung, die Männer, die ihr Sperma geben, potent. Die Chance, ein Kind zu bekommen, sei dadurch um 30 Prozent höher als bei den verwaisten Embryonen aus Deutschland, werben die Mediziner."

GREINER, Ulrich (2014): Die Herstellung des Menschen.
Wir gewöhnen uns an sie, aber sie bleibt ein Skandal: Mit der Reproduktionsmedizin handeln wir uns nicht nur ein Züchtungsprojekt ein, sondern verlieren auch eine große kulturelle Errungenschaft, die Genealogie,
in: Die ZEIT Nr.40
v. 25.09.

GENIES (2014): Im Dienste der Biologisierung.
Die Legalisierung von Leihmutterschaft und Eizelltransfer käme einer neoliberalen Deregulierung gleich. Daher ist es sinnvoll, an Verboten festzuhalten,
in:
Jungle World Nr.41 v. 09.10.

Eine Gruppe, die sich im Gen-ethischen Netzwerk organisiert, mahnt eine herrschaftskritische Position in Sachen Reproduktionsmedizin an, die auf drei Ebenen ansetzt:

"Eine herrschaftskritische Perspektive sollte auf drei Ebenen artikuliert werden. Erstens gegenüber wertkonservativen Positionen der »Lebensschützer«, die den als isoliert verstandenen, mit Menschenwürde behafteten Embryo verteidigen, um Frauenrechte einzuschränken und die Norm der heterosexuellen Kleinfamilie als »naturgegeben« zu propagieren. Zweitens gegenüber den reproduktionsmedizinischen Versprechen eines qualitativ hochwertigen »eigenen« Wunschkindes, das eine genetisch-biologische Genealogie zum Ausgangspunkt von Bindungen zwischen Menschen macht und die Praxis der Selektion in Gang setzt. Schließlich gegenüber der expansiven kapitalistischen Dynamik der Verdinglichung und Inwertsetzung von Körpermaterialien, Körperprozessen und Körperprodukten, die deren Marktförmigkeit überhaupt erst ermöglicht."

Die Gruppe wendet sich gegen die Eigeninteressen von Reproduktionsmedizin und ungewollt Kinderlosen und setzt mit dieser defensiven Strategie auf den Staat, der die Legalisierung von Leihmutterschaft und Eizellspende verhindern soll. Eine solche Strategie erscheint angesichts der Demografisierung sozialer Probleme mehr als aussichtslos.

SZ-Wochenendthema: Ein unerfüllter Traum

BERNDT, Christina (2014): Baby gesetzlos.
In Deutschland gelten besonders strenge Regeln fürs Kindermachen. Doch Ärzte und Paare wissen die Lücken immer besser zu nutzen - legal, illegal und halblegal,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

SCHRÖDER, Vera (2014): "»Entspannt euch« ist kein guter Rat".
Die psychologische Belastung bei unerfülltem Kinderwunsch ist enorm hoch. Wie können Außenstehende helfen? Gespräch mit der Paar- und Sexualtherapeutin Elvira Holl,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

SCHRÖDER, Vera (2014): "Wir wollten die PID und kein Pech mehr" (35jährige Frau),
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

SCHRÖDER, Vera (2014): "Und plötzlich fuhr ich zur Eizellspende" (46jährige Frau),
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

BERNDT, Christina (2014): "Als schwules Paar werden wir Eltern!" (48jähriger Mann),
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

BERNDT, Christina (2014): "Kinder entstehen, die keine Chance hatten" (Hans-Peter Eiden, Netzwerk Embryonenspende),
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

BERLINER ZEITUNG-Thema: Jetzt nicht!

REST, Jonas (2014): Das Projekt iZelle.
Facebook und Apple zahlen Einfrieren von Eizellen,
in:
Berliner Zeitung v. 16.10.

BRÜNING, Anne (2014): Belastend, teuer und nur selten sinnvoll.
Das Einfrieren von Eizellen ist in Sonderfällen sinnvoll. Für das Kind ist es aber ein riskantes Verfahren,
in:
Berliner Zeitung v. 16.10.

BAUER, Katja (2014): Ökonomisch optimiert leben.
Frauen: Mit dem Einfrieren von Eizellen folgen Firmen ihren Interessen, nicht denen von Frauen,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 17.10.

STÖHR, Nora (2014): Eiskalte Frauenförderung.
Kinderwunsch: Apple und Facebook bezahlen das Einfrieren von Eizellen,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 17.10.

FROST, Simon/KARBERG, Sascha/MONATH, Hans/KELLER, Claudia (2014): Apple, Facebook und der neue Weg für Karriere-Frauen.
Frage des Tages: Das Angebot von Apple und Facebook, Eizellen einfrieren zu lassen, empört Politik und Kirche. Was bezwecken die Unternehmen damit?,
in:
Tagesspiegel v. 17.10.

MARTENSTEIN, Harald (2014): Apple und Facebook machen Frauen zu Leibeigenen.
Die Mitarbeiterinnen von Apple und Facebook sollen auf Firmenkosten ihre Eizellen einfrieren können. Angeblich geht es um die Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Doch das ist eine Lüge. Ein Kommentar,
in:
Tagesspiegel v. 19.10.

BERNARD, Andreas (2014): Seid fruchtbar, aber später!
Ist "Social Freezing", das Einfrieren der Eizellen, der nächste Schritt in die kontrollierte Gesellschaft?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.10.

BUDRAS, Corinna (2014): Einladung zum Eizelleneinfrieren.
Facebook und Apple unterstützen ihre Mitarbeiterinnen dabei, ihren Kinderwunsch auf später zu verschieben. Was hat das mit uns zu tun?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.10.

HOLLERSEN, Wiebke (2014): Eine schrecklich tiefgefrorene Familie.
Apple und Facebook wollen Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen finanzieren. Bisher wird diese Methode, die Fruchtbarkeit zu verlängern, sehr selten angewendet,
in:
Welt am Sonntag v. 19.10.

AUGSBURGER ALLGEMEINE-Thema: Erst die Karriere - dann das Kind

KNIEFEL, Claudia (2014): Kinderwunsch auf Eis gelegt.
Ein Kind, ja, aber bitte erst später. Frauen können ihre Eizellen einfrieren lassen und so ihre Familienplanung verschieben. Doch ganz einfach ist das nicht. Und umstritten
in:
Augsburger Allgemeine v. 20.10.

SCHLÜTER, Christian (2014): Eisige Planung.
Apple und Facebook sei Dank: Social Freezing als großes Befreiungsversprechen und mächtiger Karrierebooster. Was bleibt davon, wenn man genauer hinschaut?
in:
Frankfurter Rundschau v. 20.10.

SDO (2014): Junge Deutsche zeigen sich offen für Social Freezing.
Die Deutschen spüren kaum Druck des Arbeitgebers auf die Karriereplanung, zeigt eine ZEIT-Umfrage. Ein Drittel kann sich dennoch vorstellen, Eizellen einlagern zu lassen,
in:
ZEIT Online v. 22.10.

FUCHS, Claudia (2014): Danke, Apple! Danke, Facebook!
Ist Social Freezing nur ein weiteres Mittel, das Leben der Frau dem Kapitalismus zu unterwerfen? Nein, meint unsere Autorin Claudia Fuchs. Social Freezing ist ein grandioser Fortschritt auf dem Weg zur weiblichen Selbstbestimmung, so wichtig wie einst die Erfindung der Anti-Baby-Pille,
in:
Berliner Zeitung Online v. 22.10.

ZEIT-Thema: Dürfen Firmen Familien planen?
Frauen sollen ihre Eizellen einfrieren lassen, wenn es ihrer Karriere nützt. Was bislang nur Apple und Facebook fördern, könnte Schule machen. Aber viele junge Deutsche finden das wichtig

RUDZIO, Kolja (2014): Ein Kind von Apple.
US- Firmen zahlen Mitarbeiterinnen Geld, damit sie ihre Eizellen einfrieren und den Kinderwunsch aufschieben. Eine Umfrage der ZEIT zeigt: Viele junge Deutsche halten das Angebot für attraktiv,
in:
Die ZEIT Nr.44 v. 23.10.

NIEJAHR, Elisabeth (2014): Meine Eierstöcke, mein Baby und ich.
Warum ich meine gefrorenen Eizellen aufbewahren ließ - und mich dafür schäme,
in:
Die ZEIT Nr.44 v. 23.10.

ALBRECHT, Bernhard (Pro) & Helen BÖMELBURG (Contra) (2014): Leben nach Plan.
Das Einfrieren von Eizellen verspricht Frauen größtmögliche Freiheit bei Karriere- und Familienplanung. Facebook und Apple bezahlen ihren Mitarbeiterinnen die Prozedur. Segen oder Fluch?
in:
Stern Nr.44 v. 23.10.

SAUERBREY, Anna (2014): Die Frau von heute: Sklavin oder Asset?
Das "Eizellen-Gate" zeigt, dass es in der Gleichstellungspolitik immer seltener um Gerechtigkeit und immer häufiger um Geld geht - und dass die demographische Entwicklung eine große Chance ist. Ein Kommentar,
in:
Tagesspiegel v. 23.10.

KAILITZ, Susanne & Ulrike PLEWNIA (2014): Leiden fürs Wunschkind.
Tausende Paare in Deutschland wollen ein Baby - sind aber unfruchtbar. Medizinische Hilfe müssen sie sich oft im Ausland suchen, weil veraltete Gesetze Erfolg versprechenden Methoden verbieten,
in:
Focus Nr.44 v. 27.10.

Susanne KAILITZ & Ulrike PLEWNIA nutzen die aufgeregte Debatte um das Social Freezing, um auf die unzeitgemäßen Beschränkungen der Reproduktionsmedizin in Deutschland aufmerksam zu machen:

"Während die Gesellschaft über Social Freezing diskutiert, treibt der Gesetzgeber Zehntausende Frauen mit Kinderwunsch ins Ausland - nach Spanien, Belgien, Tschechien, Polen oder sogar in die Unkraine. Ohne dass sich jemand darüber laut empört. Unfruchtbaren Paaren wird nicht so geholfen, wie es medizinisch möglich wäre und anderswo längst praktiziert wird. Einziger Maßstab in Deutschland ist das Embryonenschutzgesetz, das fast 25 Jahre alt ist."

LINSINGER, Eva (2014): Eiertänze.
Das Fortpflanzungsgesetz ist hoffnungslos veraltet, realitätsfremd und verlogen,
in:
Profil Nr.45 v. 03.11.

"Der deutsche Bundestag hat vorexerziert, wie Politiker mit medizinisch-ethischen Fragen umgehen können. Ausdrücklich ohne Fraktionszwang wurde quer über die Parteigrenzen sensibel diskutiert und abgestimmt, was erlaubt und was verboten sein soll. In Österreich scheuen Politiker die überfällige Debatte und überlassen grundlegende Fragen der Bioethik lieber den Höchstgerichten",

lobt Eva LINSINGER die deutschen Verhältnisse, während der deutsche Focus erst vor kurzem die österreichischen Verhältnisse lobte:

"In ihrer Verzweifelung begann Anna Stahr nach Alternativen zu suchen. Sie stieß auf Nicolas Zech. Der Reproduktionsmedizin im österreichischen Bregenz wirbt gezielt um deutsche Patientinnen - mit dem Versprechen, bei ungewollter Kinderlosigkeit besser helfen zu können als seine deutschen Kollegen. (...).
Der Reproduktionsexperte profitiert davon, dass hierzulande die Gesetze zur künstlichen Befruchtung im Vergleich zu Österreich und dem Rest Europas am restriktivsten sind."

Und die Moral von der Geschichte? Nationale Zeitungen oder Magazine sind gestrig! Sie sind an einer Leserschaft ausgerichtet, die noch nationale Grenzen kennt, statt sich grenzüberschreitend zu informieren. Solidarität mit einem Journalismus, der so engstirnig ist?

LENZEN-SCHULTE, Martina (2014): Der Fetisch mit den Frischzellen.
Social Freezing ist keine soziale Wohltat, sondern ein medizinisches Experiment. Wir unterschätzen die Komplikationen später Schwangerschaften und haben nicht einmal diskutiert, welche positiven Effekte eine frühe Mutterschaft mit sich bringt. Wer die Arbeitskraft der Frauen will, muss sie auch als Mütter anerkennen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.11.

DJERASSI, Carl (2014): Unbefleckte Empfängnis.
Warum es der Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen dient, wenn sie Sex und Fortpflanzung voneinander trennen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.11.

NIENHAUS, Lisa (2014): Babys ohne Sex.
Um ein Kind in die Welt zu setzen, braucht es keinen Geschlechtsverkehr. Die Produktion übernimmt eine profitable Industrie. Und das soll Fortschritt sein,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.11.

HAHNE, Silke (2014): Cryostore konserviert den Kinderwunsch.
Unter dem Stichwort "Social Freezing" hat das Angebot von Apple und Facebook, Eizellen ihrer Mitarbeiterinnen auf Firmenkosten einzufrieren, eine Debatte losgetreten. Das Unternehmen Cryostore aus Essen legt Kinderwünsche tagtäglich buchstäblich auf Eis - beziehungsweise in Stickstoff,
in:
DeutschlandRadio v. 21.11.

OESTREICH, Heide (2014): Streicht die Ehe.
Die Krankenkassen können Zuschüsse zur künstlichen Befruchtung nur an Verheiratete zahlen. Das sei rechtens,
in:
TAZ v. 22.11.

FRITZEN, Florentine (2014): Baby.
Das gibt Ärger: Deutsche Gerichte schützen die Ehe. Dabei verlangt das Grundgesetz gerade das. Derweil entsteht ein Markt für Babys,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.11.

FEHLING, Maya (2014): Will es. Muss es. Muss ich?
Körper: Wie geht es einer Frau, deren Fruchtbarkeit stetig sinkt, während Kind und passender Vater bislang fehlen? Ein Brief an die eigenen, noch nicht eingefrorenen Eizellen,
in:
TAZ v. 06.12.

JESSEN, Jens (2014): Der neue Mensch.
Befreit von allen Fesseln der Natur: Ein Jahresrückblick auf die Debatten um Social Freezing, Gendertheorie und Sterbehilfe,
in:
Die ZEIT Nr.52 v. 17.12.

MÜLLER, Reinhard (2014): Abschied von der Mutter.
Der Bundesgerichtshof hat den Weg zur Leihmutterschaft freigemacht. Leibliche Mutterschaft spielt keine Rolle mehr, die Leidtragenden sind die Kinder,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.12.

BAUREITHEL, Ulrike (2014): Selbstbestimmung im Gefrierschrank.
Social Freezing - wie viel Autonomie birgt die Technisierung der Reproduktion?
in:
TAZ v. 20.12.

BUBROWSKI, Helena (2014): Körper zu vermieten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.12.

 
     
 
       
   

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Update: 23. Januar 2017