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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland

 
       
   

Eine Bibliografie der Debatte um die Geburtenentwicklung (Teil 3)

 
       
     
       
   
     
 

Vorbemerkung

Die mediale Berichterstattung zur Geburtenentwicklung richtet sich nicht nach der Faktenlage, sondern nach politischen Interessen. Um diese deutlich zu machen werden in dieser Bibliografie ab heute (02.07.2012) nach und nach ausgewählte Medienberichte und Literatur zum Thema chronologisch dokumentiert. Die Kommentare entsprechen jeweils dem Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, falls nichts anderes vermerkt ist.

Kommentierte Bibliografie (Teil 3: 2005)

2005

SCHWÄGERL, Christian (2005): Das Umfeld zählt:
Wenn Kinderlose von Kindern träumen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.01.

"Einer Studie des Allensbach-Instituts zufolge sind 47 Prozent der Kinderlosen, die selbst keine Kinder möchten, seltener als einmal im Monat mit Kindern zusammen, 53 Prozent der Kinderlosen mit Kinderwunsch seltener als dreimal im Monat. Daraus wird deutlich, wie tiefgreifend die Halbierung der Geburtenzahl von 1,4 Millionen (1964) auf 706.000 Kinder im Jahr 2003 bereits das Alltagsleben verändert hat".

Die statistische Begründung von Christian SCHWÄGERL zeigt das Problem unserer neuen Familienfundamentalisten. Wer im Westen aufgewachsen ist, für den galt, dass sich die Geburtenzahl von 1,065 Millionen (1964) auf 576.468 Kinder im Jahr 1978 fast halbierte. Seitdem ist die Geburtenzahl im Westen immer höher gewesen.

SCHWÄGERLs Zahlen suggerieren also eine Vergangenheit, die es so nie gab, sondern sie ist eine NACHTRÄGLICHE Konstruktion, die für die historische Bewusstseinsbildung keinerlei Bedeutung haben kann.
Aber was interessiert den hysterischen Familienkrieger der Popmoderne schon die Realität der Kinderlosen?

BRUNS, Tissy (2005): Kleine Freuden.
Junge Eltern brauchen Vorbilder, junge Frauen Mut - die "Allianz für die Familie" soll helfen,
in: Tagesspiegel v. 19.01.

Nach der Springer-Presse droht uns Tissy BRUNS nun mit einer Untersuchung im Auftrag der ZEIT zur Situation der Familie in Deutschland:

"Gute Partnerin, erfolgreich im Beruf, perfekte Mutter. Wie sehr das traditionelle Familienbild die Entscheidungen prägt, spiegelt sich im »Familienatlas 2005« wieder, den die Prognos AG im Auftrag des Bundesfamilienministeriums in Zusammenarbeit mit der »Zeit« heute veröffentlicht. Die Untersuchung von 439 Kreisen und Städten findet überdurchschnittliche Geburtenraten und Kinderzahlen dort, wo niedrige Arbeitslosigkeit, geringe Kriminalität – und eine vergleichsweise schlechte Kinderbetreuung anzutreffen ist."

Tissy BRUNS schwärmt von Geburtenraten für ganz Deutschland wie in Cloppenburg, doch ohne den dazu notwendigen Katholizismus.

WEHNER, Markus (2005): Die letzte lebenslange Bindung,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.01.

In der FAS wird der Paradigmenwechsel von der Förderung armer Familien zur Förderung der Mütterelite begrüßt. Eine "bevölkerungsorientierte Familienpolitik" soll die Geburtenrate auf 1,8 Kinder pro Frau anheben. Der in der FAS berichtete Ausgangswert von 1,3 Kindern pro Frau ist zu niedrig angegeben. Auch die Angabe, dass 31 % der 1965 Geboren kinderlos bleiben werden ist längst gegenstandslos. Durch die Zunahme der Spätgebärenden, die in die traditionellen Berechnungen nicht einfließen, wird die Geburtenrate unterschätzt. Deutschland ist heute bereits kinderfreundlicher als dies die amtliche Statistik anzeigt. Selbst nach der zurückhaltenden Interpretation von Jürgen DORBRITZ vom Institut für Bevölkerungswissenschaft, steht Deutschland besser da, als hier berichtet wird.

KASTNER, B./LUTZ-TEMSCH, B./MAIER-ALBANG, M. (2005): Münchner Kind sind wieder in Mode.
Zahl der Geburten in der Stadt nimmt stetig zu. Der Trend geht zum Viertkind - auch junge Akademikerinnen entdecken die Lust am Nachwuchs,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.01.

Im Gegensatz zur taz ist bei der SZ Optimismus erste Journalistenpflicht. Zielgruppe dieses Beitrags ist offenkundig die kinderlose Yuppiefrau, denn der Artikel wurde bereits einen Tag vorher ins Netz gestellt. Der Anstieg der Geburten wird zum Baby-Boom umgedeutet! Tatsächlich ist nur die Geburtenrate, also die Anzahl der Kinder pro gebärfähiger Frau ausschlaggebend. Der Trend zum Viertkind wird dagegen nur behauptet, aber nicht belegt. Die Zahl der Single-Haushalte wird dagegen völlig überbewertet, wie die neue Serie von single-generation.de zeigen wird. Das bevölkerungspolitische Ziel bestimmt die Berichterstattung, Wahrheit war gestern!

WINKELMANN, Ulrike (2005): Nachwuchssorgen seit 125 Jahren.
Aber jetzt wirds ganz schlimm, sagen die Statistiker. Doch sie vergessen ältere Mütter,
in: TAZ v. 21.01.

Am 14.08.2003 hat Susanne GASCHKE einen dreisten Artikel in der ZEIT publiziert. Seitdem verging kaum ein Tag, in dem nicht darauf hingewiesen wurde, dass ein Drittel der 1965 geborenen Frauen lebenslang kinderlos bleiben werden.
Einzig single-generation.de hat dem mit einer umfassenden Kritik widersprochen. In einem Essay vom Februar 2004 wurde die Geburtenkrise als politische Konstruktion bezeichnet und dargelegt, warum die lebenslange Kinderlosigkeit der 1965 Geborenen überschätzt wird. Noch im Juni 2004 legte Jürgen DORBRITZ eine halbherzige Widerlegung von GÜRTLERs Ansicht vor, dass die Geburtenrate aus politischen Gründen zu niedrig angegeben wird. Single-generation.de wies damals darauf hin, dass die Kinderlosigkeit der 1965 Geborenen weiterhin zu hoch angesetzt wird. Bereits im Jahr 2001 war bekannt, dass es höchstens 27 % sind.
Nun argumentiert plötzlich Ulrike WINKELMANN (ein Leserbrief mit gleicher Argumentation von single-generation.de an die taz, anlässlich ihres Artikels vom 13.September 2003 wurde nicht publiziert, weil er damals politisch inkorrekt war) auf der Linie des Essays über die Geburtenkrise:

"Statistiken sind etwas Wunderbares. In der aktuellen Debatte über Demografie und Kinderproduktion spielen prägnante, wissenschaftlich fundierte Zahlen eine große Rolle. Besonders gut kommt die meist mit aufgerissenen Augen dargebotene Quote: »Vierzig Prozent aller Akademikerinnen bleiben kinderlos« - vierzig Prozent! Das möchte man schon fast zur Hälfte aller Akademikerinnen aufrunden! Dramatisch.
Doch das mit Statistiken ist so ein Problem. Die berühmten vierzig Prozent zum Beispiel sind zwar »amtlich«. Sie entstammen dem Mikrozensus, einer jährlichen Haushalts- und Familienbefragung, deren Ergebnisse beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden ausgewertet werden. Bei näherem Hinsehen stellt sich jedoch heraus, dass in der Kinderlosigkeits-Erhebung erstens nur die 35- bis 39-jährigen Frauen erfasst wurden. Frauen, die mit 40 oder 41 ihr erstes Kind bekommen, interessieren gar nicht - dabei hat ihr Anteil in den vorigen Jahren kontinuierlich zugenommen, vor allem unter Akademikerinnen.
Zweitens werden bei so einer Haushaltsbefragung nur die Kinder pro Haushalt erfasst: Ist ein Kind bei Oma, gilt die gezählte Frau als kinderlos. Den Statistikern in Wiesbaden ist dieses Problem mittlerweile überaus bewusst - allerdings bleiben sie bei ihrer 40-Prozent-Schätzung.
Eine Auswertung etwa des Sozio-ökonomischen Panels, einer Datensammelstelle am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, ergibt jedoch ganz andere Zahlen. Demnach sind weniger als 25 Prozent der Frauen, die zwischen 1950 und 1960 geboren sind, 2003 - also mit mindestens 43 Jahren - kinderlos gewesen.
Mit ähnlich spitzen Fingern sollte die
Angabe »ein Drittel aller Frauen bleibt kinderlos« angefasst werden, die seit der jüngsten Allensbach-Umfrage (taz, 12. 1. 2005) wieder kursiert. Hier sind die Wiesbadener Schätzer auch schon vorsichtiger geworden. Im jüngsten Bevölkerungsbericht heißt es etwa: »Die um 1965 geborenen Frauen werden zu ca. 20 Prozent kinderlos bleiben.« Das ist ein Fünftel.
"

Die Argumentation von single-generation.de wird damit nachträglich bestätigt.
Genugtuung bereitet dies nicht, denn in der Zwischenzeit wurden einige singlefeindliche Reformen durchgesetzt. Und nicht einmal die Singles haben dagegen protestiert...

BERTH, Felix (2005): Statistik auf Erstklässler-Niveau.
Wegen schlechter Datenerhebung lässt sich die tatsächliche Kinderlosigkeit in Deutschland nicht genau beziffern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.02.

DESTATIS (2005): 2004: Weniger Geburten und Sterbefälle, mehr Eheschließungen,
in:
Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 07.03.

"Wie das Statistische Bundesamt miteilt, zeigen vorläufige Ergebnisse für das Jahr 2004 eine Abnahme der Geburten und Sterbefälle und einen Anstieg der Eheschließungen in Deutschland. Im Jahr 2004 heirateten 395.000 Paare, im Jahr 2003 waren es 383.000 gewesen. Damit ist die Zahl der Eheschließungen leicht angestiegen (+3,0%). Seit Anfang der 90er Jahre nimmt die Zahl der standesamtlichen Trauungen ab. Diese rückläufige Tendenz war nur 1999 und 2002 unterbrochen worden. Im Jahr 2004 wurden 712.000 Lebendgeborene Kinder registriert, 3.000 oder 0,5% weniger als 2003. Die Zahl der Geburten geht seit 1991, mit Ausnahme der Jahre 1996 und 1997, zurück. Die Zahl der Sterbefälle war von 1993 bis 2001 ständig gesunken und dann 2002 sowie 2003 wieder angestiegen. Mit rund 821.000 Sterbefällen ist für das Jahr 2004 wieder ein Rückgang um 37.000 bzw. 4,3% gegenüber 2003 zu verzeichnen. Im Jahr 2004 starben somit etwa 110.000 Menschen mehr als Kinder geboren wurden. Im Jahr 2003 war das Geburtendefizit um etwa 33.000 höher ausgefallen", meldet das Statistische Bundesamt.

SCHIRRMACHER, Frank (2005): Deutschland-Thriller,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.03.

Frank SCHIRRMACHER holt zum nächsten Schlag gegen die Kinderlosen dieser Republik aus. Nachdem Herwig BIRG den Deutschen 10 Lektionen in Bevölkerungspolitik erteilt hat. Dreißig Jahre nach zwölf nannte SCHIRRMACHER seinen Erstschlag. Jetzt hat er ein ZEIT-Dossier aus dem Jahr 1979 ausgegraben, das die demografische Entwicklung exakt prognostiziert habe:

"Im Januar 1979 veröffentlichte Joachim Nawrocki in der Wochenzeitung »Die Zeit« ein zweiteiliges Dossier. Der erste Teil trug den Titel »Kinder unerwünscht«, der zweite hieß »Die Angst der Eltern vor dem Säugling«. Wer dieses Dossier heute liest erkennt, daß Nawrocki vor einem Vierteljahrhundert bei ganz wenigen Prognosefehlern exakt vorhersagt, was wir heute erleben. Nicht nur das: Alles was Nawrocki über die Probleme von Berufstätigkeit, Müttern, Familien und Kindern schreibt, liest sich, als sei es heute formuliert."

Am 2. Februar 1985 - also 6 Jahre später, das erwähnt SCHIRRMACHER nicht - hat Joachim NAWROCKI das ZEIT-Dossier Im Jahr 2030: Raum ohne Volk? veröffentlicht. Dort werden die Folgen des Geburtenrückgangs folgendermaßen beschworen:

"1995 wird es halb so viele Studenten geben wie heute geben, im Jahr 2000 nur halb so viele Hochschulabgänger und Heiratskandidaten wie 1990, und 2035 nur halb so viele Pensionierungen wie zehn Jahre zuvor."

Wie wir alle wissen, kam - keine 5 Jahre später - die Wiedervereinigung und machte alle diese Prognosen zunichte. Und ob diese Prognosen ohne Wiedervereinigung zutreffend gewesen wären, dass wäre noch zu überprüfen.

SCHIRRMACHER behauptet nun, Albrecht MÜLLER, der vor kurzem das Buch Reformlüge veröffentlicht hat, sei daran schuld, dass in Deutschland nicht rechtzeitig gehandelt worden sei, da er 1979 eine Entgegnung auf NAWROCKI geschrieben habe. Man fragt sich da eigentlich nur: WO WAR DAMALS DIE ALLMÄCHTIGE FAZ? Und war nicht die CDU seit 1983 an der Macht? Und vor allem: stimmen die heutigen Prognosen überhaupt? Es ist ein offenes Geheimnis, dass unsere Bevölkerungsstatistik nicht das Papier wert ist, auf das sie geschrieben wird!

SCHIRRMACHER geht es ja auch um etwas ganz anderes. Er weist auf eine neue Studie des Instituts für Altersvorsorge hin. Dies ist eine Interessensvertretung der Versicherungsindustrie, die sich in Zukunft durch die Privatisierung der Altersvorsorge hohe Renditen erhofft. Meinhard MIEGEL vertritt die Interessen dieser Branche. SCHIRRMACHER macht sich zum Handlanger von Brancheninteressen.
SCHIRRMACHER droht nun den Jahrgängen 1960 bis 1980 unverhohlen damit, dass sich diese Jahrgänge nicht einmal mehr auf das positive Image einer Lost Generation berufen werden können:

"Sie werden von allen Seiten bedrängt werden: als die, die daran schuld sind, daß zu wenig Kinder geboren wurden, als die, die den Jüngeren die Arbeitsplätze wegnehmen, als die, die zu lange leben und so weiter."

SCHIRRMACHER schreibt nun das, was von single-generation.de bereits seit dem Jahr 2001 immer wieder prognostiziert wurde, dass nämlich Singles längst in die Defensive geraten sind. Bereits im Jahr 2002 nahm single-generation.de das Ende des bevölkerungspolitischen Tabus vorweg. In den jeweiligen Jahresrückblicken 2002, 2003 und 2004 wurden die Tendenzen zur Verschärfung der Situation von Singles beschrieben und weitere Restriktionen für Singles vorhergesagt.
Nun lässt sich das auch in den Mitte-Medien nachlesen:

"Wenn für die Mehrheit einer Demokratie etwas »zu spät« oder verloren ist und diese Mehrheit das Unausweichliche der Verspätung auch begreift, dann wird, wie es nach Kriegen oder großen Katastrophen zu geschehen pflegt, die individuelle Biographie von unzähligen Menschen dramatisch politisiert.
In dieser Lage befinden wir uns bereits. Daß im Augenblick über Kinder plötzlich wieder biographisch geredet wird, liegt daran, daß der typische Deutsche heute älter als vierzig ist.
Die Frauen des Geburtsjahrgangs 1964 - des letzten der Baby-Boomer -, die bisher keine Kinder bekamen, werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch keine mehr bekommen. Was einst als privatester aller privaten Entschlüsse galt, entwickelt sich jetzt vor den fassungslosen Augen der Beteiligten zu einem Politikum.
"

SCHIRRMACHER hat den Familienwahlkampf zur Landtags- und Bundestagswahl hiermit eröffnet. Damit müsste nun auch dem letzten jungen Single klar werden, dass das Ende der Schonzeit angebrochen ist. Die vor 1960 Geborenen haben Euch damit den Krieg erklärt!
Wer sich mit der schönen jungen Welt auf eine Insel der Seligen träumt, dem dürfte in den nächsten Jahren ein böses Erwachen bevorstehen.

SOLDT, Rüdiger (2005): Kinderlose Akademikerinnen?
Die Demographie braucht genauere Zahlen zur Geburtenstatistik,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.03.

BARBIER, Hans D. (2005): Wer heute vierzig ist, schaue in den Spiegel und sage "Selbst schuld!".
Ordnung des Landes (9): Wer soll welche Risiken tragen? Bernd Raffelhüschen im Gespräch über die Renten, den Wohlfahrtsstaat und die Bevölkerungsentwicklung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.04.

Der Vierzigjährige Bernd RAFFELHÜSCHEN sollte in den eigenen Spiegel schauen, statt anderen Ratschläge erteilen!

Wer Politik macht, der sollte zuerst dafür sorgen, dass seriöse Daten zur demografischen Lage vorhanden sind. Die deutsche Geburtenstatistik - das zeigt sich mittlerweile immer deutlicher wie die Kritik von Michaela KREYENFELD und Christian SCHMITT zeigt - ist VORSINTFLUTLICH! Obwohl in Deutschland die lebenslange Ehe nicht mehr die Regel ist - ist die Bevölkerungsstatistik immer noch darauf ausgerichtet. Dies hat FATALE FOLGEN! Das Ausmaß der Kinderlosigkeit wird deshalb überschätzt. Die Geburtenrate lässt sich mit dem veralteten Instrumentarium nicht angemessen erfassen. Die Folge: Die Geburtenrate der älteren Jahrgänge wird zu positiv beschrieben und die jüngeren Jahrgänge kommen zu schlecht weg.

Eine Betrachtung der Geburtenraten nach Geburtsjahrgängen - wie sie KREYENFELD & KONIETZKA ansatzweise versucht haben - wäre erforderlich. Dies jedoch ist politisch gar nicht gewollt. Man möchte sich mit den älteren Rentnern nicht anlegen, was angesichts deren Wahlmacht verständlich, aber nicht sozial gerecht ist. Bereits der nostalgisch verklärte Babyboom der 60er Jahre war nicht in erster Linie ein Anstieg der Fruchtbarkeit, sondern die Konsequenz des Zusammentreffens zweier unterschiedlicher Familiengründungsmuster.
Die zu niedrig ausgegebenen Geburtenraten der jüngeren Generation sind die Konsequenz des Anstiegs des Erstgebäralters. Dies sagt jedoch nichts aus über die endgültige Kinderzahl. Diese könnte in den jüngeren Generationen höher sein als bei älteren Jahrgängen. Bevor uns die Politik also mit Schuldzuweisungen kommen kann, sollte sie ihre Hausaufgaben machen und seriöse Daten statt politisch korrekte Spekulationen liefern. Wer sich dagegen nicht wehrt, der lebt verkehrt. Wir sagen Euch hiermit den Kampf an! Wider die Betonfraktion der Amtsstatistiker...

SCHMITT, Cosima (2005): Die Papa-Lügen.
Die Diskussion um Babyflaute und Kinderfeindlichkeit deutscher Männer verstärkt eine Reihe von Klischees, die aktuelle Studien nur selten bestätigen,
in: TAZ v. 14.05.

STERN-Titelgeschichte: Land ohne Kinder.
Die familienfeindliche Gesellschaft: Wie Deutschland seine Zukunft verspielt

ROSENKRANZ, Stefanie & Anne SCHÖNHARTING (2005): Land ohne Kinder.
Deutschland hat die niedrigste Geburtenrate in der Europäischen Union. Die Republik vergreist - Resultat völlig verfehlter Familienpolitik. Wir investieren viel Geld in Familien, aber mit weit weniger Erfolg als die Franzosen. Und die letzten mutigen Mütter bezahlen einen schmerzhaft hohen Preis,
in: Stern Nr.27 v. 30.06.

Die Vertrauensfrage ist noch nicht gestellt, aber der Stern läutet bereits den Familienwahlkampf ein. Diesmal kein Sozialschmarotzer-Titel, sondern eine Kombination von Deutschland im Jahr 2030 (Stern Nr.18 vom 26.04.2001) und familienpolitische Klientelpolitik für die Neue Mitte.  Die Stern-Autoren konstruieren die Geburtenkrise durch unseriöse Berichterstattung. Nicht die Geburtenrate (TFR oder CFR) wird als Maß für internationale Vergleiche verwendet, sondern die rohe Geburtenziffer. Zu den Kinderlosen werden auch potenzielle Mütter bzw. Eltern, deren Kinder nicht mehr im elterlichen Haushalt leben, hinzugezählt.

Gert HULLEN hat nachgewiesen, dass in der amtlichen Statistik die Kinderlosigkeit der Frauen, die in den 1960er Jahren geboren wurden, überschätzt wird. Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen wird zu hoch angegeben. Begriffe wie "Bevölkerungsimplosion" oder "demographischer Kollaps" suggerieren einen Notstand, der antidemokratische Affekten Vorschub leistet.

Familienpolitisch wird Fremdbetreuung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Mittelpunkt gestellt. Damit grenzt sich der Stern gegen die FAZ ab, die sowohl die Aufwertung der deutschen Mutter betreibt als auch für das Elterngeld, das Spitzenmüttern zugute kommt, plädiert. Ursula von der LEYEN und nicht mehr Renate SCHMIDT wird als Modell Deutschland propagiert, damit wir implizit ein Paradigmenwechsel von Aufstieg zu Herkunft vollzogen. Verkauft wird das, indem der Aspekt Fremdbetreuung in den Vordergrund gerückt wird. Man darf gespannt sein, wen der Stern im Familienwahlkampf als Nächstes ins Visier nimmt...

STÖTZEL, Regina (2005): Wer hat Angst vorm alten Mann?
Die Rede von der »überalterten Gesellschaft« dient vor allem dazu, den Sozialabbau voranzutreiben,
in: Jungle World Nr.31 v. 03.08.

STÖTZEL beschäftigt sich mit dem Mythos Demografie, bleibt dabei jedoch brav auf der harmlosen Gewerkschaftsfunktionärslinie.
Sie schreibt zwar von "gängigen Berechnungen", verschweigt jedoch, dass es alternative Berechnungen gibt. Warum? Offenbar ist es mit einer Kritik doch nicht allzu weit her.

Das Statistische Bundesamt hat im Juni 2005 einen Beitrag von Olga PÖTZSCH veröffentlicht, der bereits einen Vorgeschmack auf künftige Bevölkerungsvorausberechnungen und das neue bevölkerungspolitische Feindbild der Familienfundamentalisten gibt. Die nächste Bevölkerungsvorausberechnung steht bereits im Jahr 2006 an, wäre also rechtzeitig zum Bundeswahlkampf gekommen. Nun muss der Familienwahlkampf ohne diese Schützenhilfe auskommen.

Im Demografiekrieg ist mittlerweile eine neue Front eröffnet worden.
Nachdem die 1965 geborenen Frauen die Prognosen der Demografen bezüglich ihres Geburtenverhaltens Lügen gestraft haben. Noch vor kurzem sprach man von einem Anteil der Kinderlosen über 30 %.

Gert HULLEN vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung kam jedoch zum Ergebnis, dass die in den 1960er Jahren geborenen Frauen sogar einen geringeren Anteil von Kinderlosen aufweisen als die in den 1950er Jahren geborenen Frauen. Nun, da sich also die früheren Berechnungen als haltlos erwiesen haben, wird den um 1970 Geborenen der Prozess gemacht.

Single-generation.de hat bereits vor einiger Zeit diese neue Front anhand des Romans Die Jugend von heute von Joachim LOTTMANN beschrieben.

Nichts von alledem ist bei STÖTZEL zu lesen. Stattdessen wird lediglich wiedergekäut, was bereits in den Mainstream-Medien zu lesen war. Als Zugabe gibt es ein bisschen kritisches Bewusstsein. Das vorgestellte Spektrum reicht vom letzten Spiegel-Deutschen über die so genannte Kinderpolitik der Katrin GÖRING-ECKART, den Auflöser des Bundestages Horst KÖHLER bis zu Thomas STRAUBHAAR, der bezüglich des Bevölkerungsrückgangs im Gegensatz zu seinen Ökonomiekollegen keine Probleme sieht, solange wir auf dem geraden Weg zum Klassenstaat sind.

SEZGIN, Hilal (2005): Kinder.
Times Mager,
in: Frankfurter Rundschau v. 08.08.

Die FR vollzieht eine 180 Grad-Kehrtwendung. Noch im Juli 2003 schrieb Martina MEISTER über den medial inszenierten Baby-Boom, der sich umgekehrt proportional zur Geburtenrate verhält. Nun schreibt SEZGIN:

"Dass Statistik eventuell auch mal lügen kann, war ja klar. Wie schamlos sie ihr Potential bei Bedarf aber ausnützt, also das lässt einem die Kinnlade runterklappen. Mit dieser runtergeklappten Kinnlade sieht man dann genauso gescheit aus wie eine Katze, die gerade feststellt, dass der Nachbarsdackel ihre Milch tatsächlich weggeschlabbert hat, und man fragt sich dabei: Hab ich nicht kürzlich erst wieder gelesen, dass die ganze bundesdeutsche Bevölkerungsentwicklung gefährdet ist, weil in diesem Land keine Kinder mehr geboren werden?
Man hat. Was man aber auch hat ist: freie Sicht auf Kinder in allen Richtungen."

Die Mitte-Zeitungen schrieben bisher gegen den Augenschein an, und beriefen sich auf Statistiken, die gegen einen Geburtenboom sprechen. Nun kehrt SEZGIN die Beweislast quasi um:

"Es gibt (...) keine Gebärverweigerung. Die Deutschen sind Gebärweltmeister! Das ist die Wahrheit."

Single-dasein.de hat bereits im September 2003 Susanne GASCHKEs These von der Gebärfaulheit der Generation Golf widersprochen, aber nicht einmal die taz wollte damals etwas davon wissen. Die politische Konstruktion der Geburtenkrise war von Anfang an ein zentrales Thema dieser Website.

Bahnt sich nun eine Gesinnungswandel bei den Mitte-Medien an?
Ein Ende der Kontroverse um die Geburtenkrise ist nicht absehbar, denn die Fraktion der Familienfundamentalisten hat bereits eine
neue Frontlinie im Demografiekrieg eröffnet.

GASCHKE, Susanne (2005): Kinder, Küche, Karriere? Nicht bei uns.
Deutschland hat weltweit eine der niedrigsten Geburtenraten. Und es sind vor allem die Akademikerinnen, die sich auf ein Leben ohne Kinder einstellen. Helfen kann nur ein neuer Geschlechtervertrag,
in: Die ZEIT Nr.33 v. 11.08.

DESTATIS (2005): Deutliche Ost-West-Unterschiede im Ausmaß der Kinderlosigkeit",
in:
Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 06.09.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden greift in den Bundestagswahlkampf ein. Das Thema der kinderlosen Akademikerinnen - ist nicht zuletzt seit dem Angriff von Doris SCHRÖDER-KÖPF auf die kinderlose Akademikerin Angela MERKEL - im Brennpunkt des öffentlichen Interesses.

In der Zeitschrift Wirtschaft und Statistik, Ausgabe August, ist der Aufsatz Kinderlosigkeit von Frauen im Spiegel des Mikrozensus. Eine Kohortenanalyse der Mikrozensen 1987 bis 2003 von Klaus Jürgen DUSCHEK und Heike WIRTH erschienen, auf dem die Pressemeldung basiert (Der Aufsatz ist als PDF-Datei über die Pressemeldung downloadbar).

Leider wird in der Publikation die Auseinandersetzung der Autoren mit der Kritik an ihrem Ansatz nur unzureichend deutlich. Die wegweisenden Arbeiten von Christian SCHMITT zum Thema werden nicht einmal erwähnt. Der Beitrag von Manfred SCHAREIN & Rainer UNGER vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ist den Autoren nur eine Fußnote wert. Der Mikrozensus weist gravierende Mängel hinsichtlich der Erfassung der Kinderlosigkeit auf, weswegen im Jahr 2006 eine Zusatzerhebung geplant ist (siehe hierzu auch Reiner KLINGHOLZ in der heutigen FAZ). Offenbar ist dem Bundesamt jedoch weniger an Seriosität gelegen, sondern an Öffentlichkeitswirksamkeit. Der Zweck heiligt wieder einmal die Mittel. Zu dem unterschiedlichen Geburtenverhalten in Ost und West sowie zu den gravierenden Mängeln der Geburtenstatistik hat Michaela KREYENFELD wichtige Arbeiten vorgelegt.

MÖNCH, Regina (2005): Überschätzte Kinderlosigkeit?
Aus dem Gewächshaus,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

SCHWENTKER, Björn (2005): Von wegen 40 Prozent.
Obwohl es der Mikrozensus so weismachen will: Akademikerinnen sind mitnichten schuld am deutschen Babyschwund,
in: Die ZEIT Nr.42 v. 13.10.

KRÄTSCHMER-HAHN, Rabea & Karl Otto HONDRICH (2005): Glücksfall Geburtenrückgang.
...denn ihm haben wir es zu verdanken, dass wir älter werden dürfen, ohne uns gegenseitig totzutrampeln. Und außerdem: Kinderreiche und kinderlose Gesellschaften ergänzen sich vortrefflich,
in: Emma, November/Dezember

LOHSE, Eckart (2005): Wege aus dem Zeugungsstreik.
Überraschung: Es sind die Männer, mehr noch als die Frauen, die keine Kinder wollen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.12.

Es gibt keine "rückläufige Geburtenrate" wie LOHSE behauptet. Nicht einmal die singlefeindlichen deutschen Bevölkerungswissenschaftler behaupten solchen Unsinn!

Der Bericht Starke Familie, den LOHSE vorstellt, zeigt das genaue Gegenteil dessen auf, was LOHSE gerne hätte. Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen ist zurückgegangen! Sie ist aber nicht in dem Maße zurückgegangen wie das Nationalkonservative gerne hätten.
Der Bevölkerungsgeschichtler Josef EHMER widerlegt in seiner
Bevölkerungsgeschichte und Historischen Demographie die Mär, dass der Babyboom in der Nachkriegszeit oder die nationalsozialistische Geburtenpolitik den langen Trend zur 2-Kinder-Familie gebrochen hätte:

"Die Frauengeneration, die in den 1850er Jahren geboren wurde, brachte im Durchschnitt etwas mehr als fünf Kinder zur Welt. Erst die folgenden, zwischen 1860 und 1900 geborenen Frauengenerationen standen am Beginn des Übergangs zur bewussten Geburtenkontrolle und Familienplanung. Die »durchschnittliche Kinderzahl« sank in wenigen Jahrzehnten von rund fünf auf rund zwei. Die »Zwei-Kinder-Familie« wurde zum vorherrschenden gesellschaftlichen Ideal. Dies löste in der Zeit um den »Großen Krieg« und noch mehr in den 1920er und 1930er Jahren heftige politische Debatten aus, die nationalistisch, »völkisch« und zunehmend auch rassistisch aufgeladen wurden. Der Rückgang der Geburten wurde als Ausdruck von Dekadenz, als »Volkstod« oder »Rassetod« interpretiert.
Die Entwicklung der »Fruchtbarkeitsrate« verlief parallel, wies aber gravierende kurzfristige Schwankungen auf. Im ersten Weltkrieg beschleunigte sich der langfristige Trend des Geburtenrückgangs enorm, gegen Ende des Krieges sank die Rate auf einen bis dahin kaum vorstellbar niedrigen Wert von fast 1,5. In den Nachkriegsjahren stieg sie rasch wieder an (...). Dieser Anstieg war allerdings von sehr kurzer Dauer. Schon in den 1920er Jahren gingen die »Fruchtbarkeitsraten« wieder zurück, um in der Wirtschaftskrise 1932 einen neuerlichen Tiefpunkt von 1,7 zu erreichen. Am Beginn des »Dritten Reichs« erfolgte ein Anstieg, in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs ein neuerlicher dramatischer Rückgang. (...).
Nach dem Zweiten Weltkrieg fand, wie es schien, der langfristige Trend des Rückgangs sein Ende. Die in der Zwischenkriegszeit geborenen Frauen prägten die Geburtenentwicklung in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik und der DDR. Ihre Generation war die Trägerin des »Babybooms« der 1950er und 1960er Jahre. In der Mitte der 1960er Jahre stieg die »Fruchtbarkeitsrate« auf über 2,5, ein Wert, der seit dem Beginn des ersten Weltkriegs nicht erreicht worden war. Die »durchschnittliche Kinderzahl« lag aber auch in dieser Periode nur knapp über zwei, ein Hinweis darauf, dass auch im »Babyboom« das nun etablierte Ideal der »Zwei-Kinder-Familie« nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt wurde." (S.44).

Bedenkt man also die Tatsache, dass der »Babyboom« der 1960er Jahre ein völlig außergewöhnliches Ereignis war und dass selbst damals nicht die Drei-Kinder-Familie, sondern nur die Zwei-Kinder-Familie das Ideal war, dann muss man sich fragen, ob das Ziel der Nationalkonservativen um Herwig BIRG und Hans-Werner SINN nicht völlig unrealistisch ist. Es könnte nur durchgesetzt werden, wenn wir zu einer vormodernen, mittelalterlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsweise zurückkehren würden. Dies bedeutet aber auch: hohe Sterblichkeit und grenzenlose Armut für weite Teile der Bevölkerung! Wer dies möchte, der sollte das bitte auch öffentlich verkünden und sich nicht hinter einer Debatte über den demografischen Wandel verstecken. Dies ist feige!

Wenn LOHSE andauernd von einer "stabilen Bevölkerungsentwicklung" spricht und dann behauptet, dass dazu eine Geburtenrate von 2,1 notwendig sei, dann ist das zudem fremdenfeindlich! Der Statistiker Eckard BOMSDORF hat in der Zeitschrift Deutsche Rentenversicherung (8-9/2005) nachgewiesen, dass bereits eine Geburtenrate von 1,7 ausreichend sei, um bei einer begrenzten Zuwanderung die Bevölkerung stabil zu halten. Eine solche Geburtenrate könnte ohne große Probleme in den nächsten Jahren erreichbar sein. Bereits um die Jahrtausendwende lag die Geburtenrate der in den 1960er Jahren geborenen Frauen bei über 1,5, obwohl diese Frauen ihren Gebärzyklus nicht vollendet hatten und die Anzahl der Spätgebärenden überproportional zugenommen hat.

Ganz zum Schluss noch kurz zum Zeugungsstreik, der genauso ein Hirngespinst ist wie der Gebärstreik. Die Zahlen, die LOHSE präsentiert, beziehen sich nicht auf lebenslange Kinderlosigkeit, sondern auf das Leben mit Kindern im Haushalt. Hier wurde bereits darauf hingewiesen, dass sich dahinter ein Missbrauch des Sozialstaats verbergen könnte, aber nicht unbedingt eine höhere Kinderlosigkeit der Männer vorliegen muss. So lange keine seriösen Zahlen dazu vorgelegt werden können, sollten sich Männer dieser Scheindebatte verweigern!

HICKMANN, Christoph (2005): Ihr Kinderlein kommet!
Insel der Seligen - im münsterländischen Heek werden fast doppelt so viele Babys geboren wie im Bundesdurchschnitt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.12.

HICKMANN hält die Tatsache, dass in Heek 14 Lebendgeborene pro 1000 Einwohner geboren werden, für sensationell. Um das beurteilen zu können, ist diese rohe Geburtenziffer jedoch nicht ausreichend. Die Altersstruktur könnte z. B. vom Bundesdurchschnitt extrem abweichen. Dann würde es sich schlicht um eine gewöhnliche Zeitungsente handeln. Dagegen spricht aber, dass der Bevölkerungswissenschaftler Karl SCHWARZ bereits im Jahr 1979 schrieb:

"Die Landkreise mit einer immer noch relativ hohen Geburtenhäufigkeit liegen vor allem im Emslang und im »Oldenburgischen Münsterland«" ("Die Geburtenentwicklung in Stadt und Land und daraus zu erwartende Konsequenzen für die Bevölkerungsentwicklung" in: BUSE, Michael (Hg) Bevölkerungsentwicklung und Kommunalpolitik, S.41).

Als Merkmale solcher Gemeinden sieht SCHWARZ eine niedrige Bevölkerungsdichte, einen hohen Anteil landwirtschaftlicher Bevölkerung und einen niedrigen Stand der formalen Schulbildung an. Ob dies auch für Heek zutrifft, das müsste überprüft werden. HICKMANN bietet dagegen nur Folklore...

DW (2005): Kinderlose Akademiker und eine überraschende Studie,
in: Welt v. 21.12.

"Eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kommt (...) zu etwas anderen Ergebnissen. Danach haben 79 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluß im Alter zwischen 35 und 44 Jahren eigene Kinder",

muss die Welt melden. Diese Meldung ist umso peinlicher, da ja 43 % der Akademikerinnen lebenslang kinderlos sein müssen. Deshalb versucht man diese Zahlen mit großem Aufwand zu dementieren. Da werden dann 43 % Kinderlose gar zu "jeder zweiten Frau" und damit auf 50 % aufgebläht. Wie konnte so ein Fehler passieren? Zwischen 21 und 50 % kinderlosen Akademikerinnen liegt also der  Interpretationsspielraum. Man darf davon ausgehen, dass das Ausmaß der lebenslangen Akademikerinnen-Kinderlosigkeit weit geringer ist, als dies die amtlichen Zahlen ausweisen. Die Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist ja keineswegs die einzige Studie, die nachweist, dass das Problem dramatisiert wird.

 
     
 
       
   

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Update: 29. Januar 2017