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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

 
       
   

Abschied von der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse oder Rückbesinnung der Politik auf die Stärkung von Gebieten jenseits der Großstädte und Ballungszentren? Eine kommentierte Bibliografie der Debatte

 
       
     
   
     
 

Vorbemerkung

Urbanität gilt in der Wissenschaft seit langem als Leitbild und spätestens seit neoliberale Standortortpolitik und Identitätspolitik eine Liaison eingegangen sind, wurde der ländliche Raum abgeschrieben. Die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme hat dazu beigetragen, dass die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse kein Wert mehr ist, sondern das angeblich Alternativlose wurde auch noch politisch gefördert. Seit jedoch der Rechtspopulismus den neoliberalen Konsens gefährdet, wurde auch in Deutschland der ländliche Raum als Möglichkeit zur politischen Profilierung entdeckt. Die kommentierte Bibliothek soll einen Überblick über diese Debatte ermöglichen.   

Kommentierte Bibliografie (Teil 1: 2001 - 2007)

2001

MOZ (2001): Schwedt.
Die Stadt junger Familien wurde zur Single-Stadt,
in: Märkische Oderzeitung v. 26.06.

Wer einen Einpersonenhaushalt führt, der ist so etwas wie ein Untermensch. Berichte über die Veränderung der Haushaltszahlen klingen deshalb so ähnlich wie Berichte von der Front, wenn klar ist, dass die Schlacht verloren ist. Welche Stadtteile sind schon in der Hand der Singles? Wann fällt der nächste Stadtteil? Bange Fragen. Familien sind schließlich eine aussterbende Gattung!

Solange Journalisten nur Haushalte zählen und nicht die Menschen, lässt sich dieses verzerrte Gesellschaftsbild aufrechterhalten. Aber da 85 % der Bevölkerung in Deutschland nicht im Einpersonenhaushalt lebt, wäre eine solch stumpfsinnige Auflistung ziemlich öde und langweilig. Kriegsberichtserstattung ist da eben spannender!

VOLLWEITER, Rainer (2001): Im Vordertaunus ist das schwache Geschlecht stark vertreten.
Frauenüberschuss in Kronberg und Bad Homburg bietet Anlass zu Spekulationen. Neuerdings mehr männliche Babys
in: Frankfurter Rundschau v. 14.08.

KRANICH, Michael (2002): Schönbohm hält Baby-Begrüßungsgeld für fragwürdig.
Kommunen mit üppig gefüllter Gemeindekasse können Bargeldzuwendungne an Neugeborene als "Patenschaftsgeld" deklarieren,
in: Märkische Allgemeine v. 09.01.

Bericht über den Streit um die Geburtenprämie, die von der Gemeinde Basdorf in Brandenburg eingeführt wurde:

"Um dem Kinderwunsch Nachdruck zu verleihen, hatte Basdorf auf eigene Faust beschlossen, neue Erdenbürger mit 1000 Mark Begrüßungsgeld zu empfangen. Das war Bestandteil eines ganzen Systems von kinder- und familienfreundlichen Maßnahmen und hat Familienminister Alwin Ziel (SPD) so gut gefallen, dass er Basdorf im Mai 2001 sogar zur familienfreundlichsten Gemeinde des Landes Brandenburg gekürt hat."

CARSTENS, Peter (2001): Geburtenrückgang und wachsende Mobilität in Sachsen.
Der Bevölkerungsrückgang ist nur bedingt auf die Abwanderung in die alten Bundesländer zurückzuführen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.06.

Bericht über eine Untersuchung zu den Ursachen des Bevölkerungsrückgangs in Sachsen:

"Wesentlich für den Bevölkerungsrückgang ist die Tatsache, dass in Sachsen weniger Kinder zur Welt kommen als früher, die Geburtenrate liegt bei 1,2, im Westen beträgt sie etwa 1,5".

Was in der familienpolitischen Debatte immer verschwiegen wird: der wiedervereinigungsbedingte Geburtenausfall in den neuen Bundesländern drückt die gesamtdeutsche Geburtenrate. Das ganze Ausmaß ist auch hier nicht sichtbar, sondern nur in einem Vergleich über die Jahre von 1989 bis heute. Eine Familienpolitik, die diesen Aspekt ausblendet, muss scheitern.

HONNIGFORT, Bernhard & Franz SCHMIDER (2001): Zur Arbeit ohne Rückfahrkarte.
Eine ostdeutsche Familie: Der Vater jobbt in Bayern, die Mutter in Sachsen und die Töchter in Baden-Württemberg,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.06.

"Living apart together" nannte sich Anfang der 1990er Jahre die freiwillige Bindungsform der "Aristokraten der Liebe" (Matthias HORX), heutzutage stehen dagegen die berufsbedingten Formen der "Spagatfamilie" (Ulrich BECK), "Commuter-Ehe" (Rüdiger PEUCKERT) oder "Fernliebe" im Brennpunkt.

Die Romantisierung der Familienpolitik - wie sie z.B. im Imagewandel der Grünen zum Ausdruck kommt (siehe taz vom 07.06.2001) - verkennt die Realitäten in Deutschland. Fehlende Arbeitsplätze und damit verbundene Abwanderungsprozesse führen genauso zum Bevölkerungsrückgang wie die Hoffnungslosigkeit der Daheimgebliebenen:

"was Tochter Nicole in Lörrach auffiel (...): 'Man sieht hier so viele Kinder überall.' Im letzten Jahr vor der Wende wurden in den ostdeutschen Ländern noch 220 000 Kinder geboren. 1994 waren es gerade noch 79 000, im vergangenen Jahr 104 000. Nirgendwo sonst auf der Welt werden weniger Kinder geboren als in Ostdeutschland: 1,1 pro Frau (...). Die fünf ostdeutschen Länder haben in den vergangenen zehn Jahren eine Million Einwohner verloren. Hält der Trend an, wird die Bevölkerungszahl bis 2020 noch einmal um eine halbe Million sinken. Europaweit haben Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die höchsten Abwanderungsraten. Nur die portugiesische Armenregion Alentejo weist vergleichbare Zahlen auf. Noch schmerzlicher als die reine Zahl ist, dass vor allem die hoch qualifizierten und jungen Menschen den Osten verlassen."

2002

RAMELSBERGER, Annette (2002): Wo Altersheime die Zukunft sind.
In Grimmen wandern ganze Schulklassen in den Westen ab,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.04.

Annette RAMELSBERGER war im Osten, dort wo es zwar eine kinderfreundliche Infrastruktur gibt, aber kaum Menschen mehr, die dort eine Familie gründen möchten.

HILLA, Dieter (2002): Krefeld gehen die Kinder aus.
Im Jahr 2015 werden 18 000 Menschen weniger in Krefeld wohnen als heute. Dies geht aus der jüngsten Studie zur Bevölkerungsentwicklung hervor. OB Dieter Pützhofen forderte gestern Gegenmaßnahmen.
in: Rheinische Post v. 19.06.

Man wird in 13 Jahren den heutigen Bericht auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen können. Nur wird dann keiner mehr sagen können, ob die Prognose je hätte Realität werden können, denn die Politik reagiert auf eine Problemdefinition und verändert damit das Problem selbst. Allein die Plausibilität der Problemdefinition reicht aus, um politische Projekte durchsetzen zu können. So wird in Krefeld offenbar der demografische Wandel dazu benutzt, um Neubaugebiete gegen missliebige Umweltschützer durchzusetzen. Ob solche kleinräumige Bevölkerungsprognosen überhaupt einen Sinn machen, diese wichtige Frage wird erst gar nicht gestellt. Es belegt jedoch, dass die bevölkerungspolitische Problemdefinition mittlerweile zur Selbstverständlichkeit in der politischen Alltagsrhetorik geworden ist. Christoph BUTTERWEGGE bezeichnet eine solche Strategie als Biologisierung sozialer Konflikte.

SOMMER, Bettina & Hermann VOIT (2002): Bevölkerungsentwicklung 2000,
in:
Wirtschaft und Statistik, Heft 7, S.557-565

BISKY, Jens (2002): Angenehm leer.
SZ-Serie In der demographischen Zeitenwende (4): Ziellos mobil,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.09.

2003

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Land ohne Leute.
ZEIT-Serie Die vergreiste Republik. Deutschland verliert jährlich 200000 Einwohner, da mehr Menschen sterben als geboren werden. Es wächst ein demografisches Problem ungeheuren Ausmaßes heran, doch die Politiker ignorieren es,
in: Die ZEIT Nr.2 v. 02.01.

HUMMEL, Katrin (2003): Kinder, Kinder, Kinder.
Im Landkreis Cloppenburg wären die Renten noch sicher - wenn es den Rest Deutschlands nicht gäbe,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.01.

MELLE, Stefan (2003): Wiederbelebungsversuch.
Wo es an Arbeit fehlt, schrumpfen die Städte. Die Kultur soll neue Impulse geben,
in: Berliner Zeitung v. 22.02.

Für Sozialpopulisten wie Meinhard MIEGEL oder Hermann ADRIAN ist die Sache klar: Der demographische Wandel bzw. Kinderlose sind schuld an allen Problemen unserer Gesellschaft, also auch an schrumpfenden Städten. Tatsache ist jedoch: Die Bevölkerung wächst dort, wo Arbeitsplätze entstehen, die Menschen ernähren können. Diesen Ansatz stellt Stefan MELLE vor:

"In den meisten Häusern, die in Ostdeutschland abgerissen werden, hätten noch lange Leute wohnen können. Aber sie ziehen weg aus Leinefelde, Schwedt oder Suhl - wie die Industrie, die sie ernährte. Die leeren Häuser verfallen und kosten Geld. Also beseitigen Bund, Länder und Kommunen sie für viel Geld als unerwünschte Ruinen.
Aber der Abriss ist für die Städte keine Dauerlösung, und er vergeudet Ressourcen. Daher will die Bundeskulturstiftung jetzt die kulturellen Folgen für schrumpfende Städte international untersuchen. Denn seit 1950 büßten 136 Großstädte aller Kontinente jeweils mehr als 100 000 Einwohner ein. In Afghanistan eher durch Kriege. Im Osten der USA oder in Großbritannien aber wie in Ostdeutschland durch den Umbau der Wirtschaft.
            Das Projekt vergleicht die US-Autostadt Detroit sowie Liverpool und Manchester, die alle rund die Hälfte der Bewohner verloren - mehr als die Region Halle/Leipzig, die in dem Projekt besonders beleuchtet wird."

BOLLWAHN DE PAEZ CASANOVA, Barbara (2003): König Ludwigs Volk soll leben.
Babyprämie in einer bayerischen Kleinstadt: In Marktoberdorf im Allgäu zahlt der Zigarrenhändler Peter Fendt 1.000 Euro Prämie für das dritte und jedes weitere Kind einer Familie. Ausländer und Heiden kriegen nichts. Denn der Mann will, dass sich die bayerische Bevölkerung erhält. Am Ende des Projekts steht die Unabhängigkeit des Freistaats,
in: TAZ v. 26.02.

ROSENFELD, Dagmar (2003): Land ohne Leute.
Auf einer Wiese stehen rostige Pfosten, hier war mal ein Fußballplatz. Jetzt brauchen sie keinen mehr, der Nachwuchs fehlt. In Mecklenburg-Vorpommern entvölkern sich Städte und Dörfer. In 50 Jahren ist es in ganz Deutschland so, sagen Experten. Ein Blick in die Zukunft,
in: Tagesspiegel v. 15.07.

Mit dem Konstrukt "demografischer Wandel" hat sich die Politik elegant aus der Verantwortung geschlichen! War früher ein Land ohne Leute ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Land seine Leute nicht ernähren konnte - strukturschwaches Gebiet hieß so etwas einmal - , so wird heute einfach die Argumentation umgekehrt. Das Problem der Arbeitslosigkeit wird umgedeutet in das Problem des Geburtenrückgangs. In seinem Buch Vorbild Deutschland deckt der Wirtschaftsjournalist Detlef GÜRTLER diesen Betrug auf. Dort wo die Menschen solche Arbeit finden, die eine Familie standesgemäß ernährt, dort wächst auch die Bevölkerung.

ZEKRI, Sonja (2003): Eine Stadt bleibt übrig.
Mezzogiorno an der Ostsee: Im vorpommerschen Wolgast schließen schon die Schulen.
Serie: Völkerwanderung in Deutschland (1)
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.08.

WINKELMANN, Ulrike (2003): Vom Jugendwahn verschont geblieben.
taz-Dossier: Was heisst das: Alt sein im Jahr 2030? Wer in einem Kurort aufgewachsen ist, weiß, wie sich das Leben im Rentnerpark Deutschland künftig anfühlen wird,
in: TAZ v. 13.09.

TKALEC, Maritta (2003): Die neue Republikflucht ist weiblich.
Viel mehr junge Frauen als Männer ziehen in den Westen,
in: Berliner Zeitung v. 07.10.

"Warum sind unter den 620 000 Menschen, die der Osten zwischen 1991 und 2001 an den Westen verlor, 409 000 Frauen und nur 211 000 Männer?"

fragt sich Maritta TKALEC und spekuliert über die Gründe:

"Bekannt aus alter Zeit ist die Dienstmädchenmigration, die junge Frauen massenhaft vom Land in die Städte führte. Historisch üblich ist es, dass die Frau eher dem Manne an dessen Wohnort nachzieht. Traditionell trifft zu, dass Frauen ihren Mann gern dort suchen, wo sie Gutverdiener vermuten. Und noch immer gilt die alte Regel, wonach der Arbeitsmarkt der größte Heiratsmarkt ist.
Der Osten jedenfalls wird als Heiratsmarkt immer unattraktiver. Und weil Frauen ihre Kinder dort bekommen, wo sie wohnen, hat der Osten zwischen seinen Rentnern bald noch mehr Platz für die Ansiedlung von Wölfen und Bären als heute schon."

MAYER, Verena (2003): Liebe in den Zeiten der Arbeitslosigkeit.
Frankfurt an der Oder hat es schwer. Die geplante Chip-Fabrik wird nicht gebaut, und nirgendwo in Deutschland werden mehr Ehen geschieden als hier. Warum ist in dieser Stadt kein Platz für die Liebe?
in: Tagesspiegel v. 14.12.

2004

SCHLEGEL, Matthias (2004): "Wenn Arbeitslose gehen, ist das eine Entlastung".
Wirtschaftsforscher sieht in der Abwanderung kein Drama. Nach seiner Einschätzung ziehen mehr Höherqualifizierte in den Osten,
in: Tagesspiegel v. 02.01.

Herbert BUSCHE vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle über die nicht vorhandenen demografischen Probleme des Osten:

  • "Die niedrige Geburtenrate in Ostdeutschland verschärft ja noch das demografische Problem.
    Das wird sich bald wieder entschärfen: Zu DDR-Zeiten haben die Frauen mit 18 bis 20 Jahren Kinder bekommen. Nach der Wende haben sie sich westdeutschen Verhältnissen angepasst und warten damit zehn Jahre länger. Diesen Knick in der Geburtenrate werden wir bald hinter uns haben.
    Bleibt nicht die Zukunftsfähigkeit des Ostens insgesamt auf der Strecke, wenn so viele junge Leute weglaufen?
    In der DDR gab es damals eine Geburtenrate von 2,2, im Westen von 1,4. 1990 ging sie im Osten sprunghaft auf 1,1 zurück. Wir schieben dort also immer noch einen Geburtenüberschuss vor uns her. Auch deshalb ist die Abwanderung von jungen Leuten unter dem Strich kein Drama.
    "

HÖGE, Helmut (2004): Zurück aufs Land!
Das "freiwillige ökologische Jahr" auf dem Land wird immer beliebter. Die Landverschickung von Künstlern und Schriftstellern auch. Sind auch Sie bereit fürs Land? tazzwei wird ab heute in unregelmäßiger Folge die "Agronauten" zu Wort kommen lassen,
in: TAZ v. 12.01.

Helmut HÖGE droht eine neue taz-Serie an. Was für die einen das Zurück zur Familie ist, das ist für andere das Zurück zum Land. Im schwarz-grünen Zukunftsmodell ist beides konsequent zusammengedacht. In der Krise entdeckt unsere neue Werteelite nun die Gegenmoderne.

Kolja MENSING hat die Annäherung von Stadt und Land bereits letztes Jahr zum Thema eines Buches gemacht, während Bodo MORSHÄUSER die letzte Landkommunenbewegung aufgearbeitet hat.

Die Stadtsoziologen haben sich allzu lange mit der Yuppisierung der innenstadtnaher Wohngebiete beschäftigt, währenddessen die Suburbanisierung die Topografie umgestaltet hat.

Nun, da die besser verdienenden Family-Gentrifier die Innenstädte in Besitz nehmen, entdecken die Stadtsoziologen das Suburbane.

HUMMEL, Katrin (2004): Wie eine Gemeinde die Geburtenfreude steigert.
Das Beispiel Laer bei Münster. Wo die Ganztagsbetreuung gesichert ist, entscheiden Frauen sich leichter fürs Kinderkriegen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.

HERRMANN, Ulrike (2004): Wo Deutschland jung ist.
In religiös geprägten Gegenden kommen viele Kinder zur Welt. Bald öd und leer: Gelsenkirchen und Löbau-Zittau
in: TAZ v. 23.04.

GRASSMANN, Philip (2004): Forscher sehen Deutschland auf dem Weg in die zweite Liga.
Studie über Folgen der Überalterung und des Wegzugs junger Menschen. Schlechte Zukunftschancen für den Osten, aber auch für einige Regionen im Westen/Bayern und Baden-Württemberg am besten gerüstet,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

Philip GRASSMANN weist darauf hin, dass die 5 Landkreise mit der schlechtesten Zukunftsfähigkeit allesamt Leidtragende des Zusammenbruchs traditioneller Industrien seien: "Altenburger Land (Braunkohletagebau), Wismar und Bremerhaven (Schiffbau), Gelsenkirchen (Kohle), Löbau-Zittau (Textilwirtschaft)."

SCHWÄGERL, Christian (2004): Im alten Land.
Raum ohne Volk: Zwischen Usedom und Fichtelgebirge wird man schon im Jahr 2020 kaum noch Menschen begegnen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.

BÄUMLISBERGER, B/BEHREND, T./FUHRER, A./HEISSMEYER, A./SCHWAB, F. (2004): Die geteilte Republik.
Bis zum Jahr 2020 öffnet sich eine Riesenkluft zwischen Boomregionen und Landschaften, die veröden. Der Abstieg trifft nicht nur den Osten, sondern auch Teile des Westens,
in: Focus Nr.18 v. 26.04.

GEO-Titelgeschichte: Deutschlands Zukunft.
Wie werden wir leben? Wo werden wir leben? Welche Aussichten hat unsere Gesellschaft?

SPARMANN, Anke (2004): "Vielleicht irgendwann...".
Geburtenreichtum und -armut sind ungleich verteilt. Im Kreis Cloppenburg bekommen Frauen doppelt so viele Kinder wie in Heidelberg. In Hoyerswerda leben viele Männer ohne Aussicht auf eine eigene Familie. Liegt das am Geld oder am Glauben? An Beruf, Bildung oder Beziehungen? Die Suche nach den Ursachen hat überraschende Einsichten zutage gebracht - wenn auch keine einfachen Antworten,
in: GEO. Das neue Bild der Erde, Mai

MICHAL, Wolfgang (2004): Region der Zukunft.
...haben Raumplaner die entvölkerten Gebiete in Deutschlands Mitte genannt. Weil es hier schon heute aussieht wie bald vielerorts auf dem Land: verlassen. Ein Teufelskreis aus Landflucht, Alterung und wegbrechenden Steuereinnahmen, dem Politiker ohnmächtig gegenüberstehen. Schulen, Geschäfte und Bahnhöfe machen dicht. Zurück bleibt demographisches Ödland, zu schwach für einen Neuanfang,
in: GEO. Das neue Bild der Erde, Mai

GEO -Extrabeilage: Kreise und Städte im Test. Der demographische Wandel: Daten, Trends und Analysen

Kreise und Städte im Test

Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung von 2000 bis 2020:

"Während die Bevölkerung auf Bundesebene - eben durch ausländische Zuzügler - weiter gewachsen ist, haben in den 1990er Jahren bereits ein Drittel aller Kreise Einwohner verloren. Bis 2020 wird sich ihre Zahl fast verdoppeln und die Gesamtbevölkerung amtlichen Prognosen zufolge zurückgehen. Zugewinne sind dann in 428 von 440 Kreisen nur noch durch inenrdeutsche Umverteilungen und den Wettbewerb um Immigranten zu erzielen."  (2004, S.4)

Baden-Württemberg: "In den Kreisen Freudenstadt, Rastatt, dem Bodenseekreis und dem Landkreis Heilbronn wird die Zunahme (...) über zehnt Prozent betragen. Einzelne Städte dagegen schrumpfen, am stärksten der Kurort Baden-Baden. Jeder Vierte ist Rentner: bis 2020 wird die Stadt etwa 14 Prozent ihrer Einwohnerschaft verlieren" (2004, S.6)

Bayern: "Nur Oberfranken im Norden Bayerns erlebt demographisch einen Niedergang: die Bevölkerung der Landkreise Wunsiedel, Hof und Kronach wird bis 2020 um etwa 15 Prozent schrumpfen. Die Region war im Gegensatz zum Rest des Bundeslandes schon früh industrialisiert - nun wird ihr, mit dem Zusammenbruch der Porzellan-, Textil- und Möbel-Industrie in den 1990er Jahren, der einstige Vorsprung zum Verhängnis." (2004, S.7)

Kassel: "Bis 2020 wird die bereits seit 1994 schrumpfende Stadt voraussichtlich weitere fünf Prozent an Einwohnern verlieren." (2004, S.8)

Nordhessen: "Besonders stark wird die Bevölkerung in den strukturschwachen ländlichen nordhessischen Regionen im ehemaligen Zonenrandgebiet zurückgehen - im Werra-Meißner-Kreis sogar um 15 Prozent." (2004, S.8f.)

Pirmasens in Rheinland-Pfalz: "Bis 2020 könnte die Stadt im Vergleich zu 1999 rund 18 Prozent an Bevölkerung verlieren" (2004, S.12)

Sachsen: "Zu den leidtragenden Gebieten zählen vor allem die Oberlausitz im Osten und das Erzgebirge im Südwesten. Im Kreis Löbau-Zittau etwa kamen zudem im Jahr 2001 in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen auf 100 Männer nur noch knapp 80 Frauen, und 9,3 Prozent der Einwohner waren älter als 75 Jahre. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung sagt für die Region bis 2020 einen weiteren Bevölkerungsverlust von rund 15 Prozent voraus." (2004, S.13)   

Die Beilage macht viele Worte, hat jedoch nur wenig Fakten zur regionalen Bevölkerungsentwicklung zu bieten. Die Fakten werden durch Noten verschleiert, die viel Spielraum für Spekulation lassen.

Für folgende Kreise und Städte werden starke Bevölkerungsverluste bzw. -zugewinne prognostiziert:

Tabelle: Bevölkerungsentwicklung der Landkreise und kreisfreien Städte im Zeitraum 2000-2020
Landkreise und Städte mit Bevölkerungsverlusten
von 15 und mehr Prozent (Note 6)
Landkreise und Städte mit Bevölkerungswachstum von 10 und mehr Prozent (Note 1)
Stadt Coburg (Bayern) Bodenseekreis (Baden-Württemberg)
Kronach (Bayern) Freudenstadt (Baden-Württemberg)
Wunsiedel im Fichtelgebirge (Bayern) Landkreis Heilbronn (Baden-Württemberg)
Cottbus (Brandenburg) Rastatt (Baden-Württemberg)
Oberspreewald-Lausitz (Brandenburg) Landkreis Augsburg (Bayern)
Prignitz (Brandenburg) Bad Tölz-Wolfratshausen (Bayern)
Spree-Neiße (Brandenburg) Dachau (Bayern)
Uckermark (Brandenburg) Deggendorf (Bayern)
Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) Ebersberg (Bayern)
Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) Eichstätt (Bayern)
Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) Erding (Bayern)
Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) Freising (Bayern)
Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) Ingolstadt (Bayern)
Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) Kelheim (Bayern)
Goslar (Niedersachsen) Landsberg am Lech (Bayern)
Northeim (Niedersachsen) Landkreis Landshut (Bayern)
Stadt Osnabrück (Niedersachsen) Neuburg-Schreobenh. (Bayern)
Osterode am Harz (Niedersachsen) Pfaffenhofen a. d. Ilm (Bayern)
Salzgitter (Niedersachsen) Landkreis Regensburg (Bayern)
Wilhelmshaven (Niedersachsen) Stadt Rosenheim (Bayern)
Wolfsburg (Niedersachsen) Landkreis Rosenheim (Bayern)
Bremerhaven (Bremen) Starnberg (Bayern)
Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) Straubing-Bogen (Bayern)
Hagen (Nordrhein-Westfalen) Weilheim-Schongau (Bayern)
Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) Barnim (Brandenburg)
Pirmasens (Rheinland-Pfalz) Dahme-Spreewald (Brandenburg)
Aue-Schwarzenberg (Sachsen) Havelland (Brandenburg)
Chemnitz (Sachsen) Märkisch-Oderland (Brandenburg)
Görlitz (Sachsen) Oberhavel (Brandenburg)
Löbau-Zittau (Sachsen) Potsdam-Mittelmark (Brandenburg)
Mittweida (Sachsen) Teltow-Fläming (Brandenburg)
Riesa-Großenhain (Sachsen) Main-Taunus-Kreis (Hessen)
Aschersleben-Staßfurt (Sachsen-Anhalt) Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern)
Bernburg (Sachsen-Anhalt) Nordwestmecklenburg (Mecklenburg-Vorpommern)
Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) Ammerland (Niedersachsen)
Dessau (Sachsen-Anhalt) Cloppenburg (Niedersachsen)
Mansfelder Land (Sachsen-Anhalt) Harburg (Niedersachsen)
Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) Lüneburg (Niedersachsen)
Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) Stadt Oldenburg (Niedersachsen)
Schönebeck (Sachsen-Anhalt) Landkreis Osnabrück (Niedersachsen)
Stendal (Sachsen-Anhalt) Stade (Niedersachsen)
Wittenberg (Sachsen-Anhalt) Borken (Nordrhein-Westfalen)
Altenburger Land (Thüringen) Rhein-Sieg-Kreis (Nordrhein-Westfalen)
Eichsfeld (Thüringen) Alzey-Worms (Rheinland-Pfalz)
Greiz (Thüringen) Mainz-Bingen (Rheinland-Pfalz)
Jena (Thüringen) Neuwied (Rheinland-Pfalz)
Kyffhäuserkreis (Thüringen) Leipziger Land (Sachsen)
Saale-Orla-Kreis (Thüringen) Muldentalkreis (Sachsen)
Saalfeld-Rudolfstadt (Thüringen) Sächsische Schweiz (Sachsen)
Sonneberg (Thüringen) Weißeritzkreis (Sachsen)
Unstrut-Hainich-Kreis (Thüringen) Ohrekreis (Sachsen-Anhalt)
  Saalkreis (Sachsen-Anhalt)
Quelle: Geo-Beilage Heft 5, 2004, S.22ff. 

MEHLITZ, Johannes (2004): West gegen Ost.
RM-Spezial Deutschland - Uneinig Vaterland: Hoyerswerda blickt in eine blasse Zukunft,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.

BESSING, Joachim (2004): Lob der Provinz.
Warum will alle Welt in die Großstadt ziehen? Plädoyer für ein Leben im Abseits,
in: Welt am Sonntag v. 22.08.

OCHS, Birgit (2004): Wie schafft man eine lebenswerte Stadt für alle.
Gendermainstreaming im Städtebau, das ist bisher vor allem Theorie. Nun experimentieren Dessau und Pulheim, ob und wie sich die Interessen von Männern und Frauen in den Alltag kommunaler Stadtplanung übertragen lassen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.08.

KIRBACH, Roland (2004): Die letzten Kinder.
23.000 Menschen leben in Weißwasser in Sachsen. Jedes Jahr verlassen 1.000 Bewohner den Ort. Auch der 19-jährige Paul überlegt, ob es an der Zeit ist zu gehen,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 30.09.

Während die Schlagzeile behauptet, dass jedes Jahr 1000 Bewohner den Ort verlassen, heißt es im Text dagegen, dass der Ort jedes Jahr ca. 1000 Einwohner verliert. Das ist aber ein Unterschied: ob 1000 Bewohner wegziehen oder 1000 Bewohner durch Bevölkerungsbewegungen (Geburten, Sterbefälle, Zuwanderungen und Abwanderungen) verloren werden. Die Homepage der Stadt Weißwasser nennt lediglich die folgende Entwicklung der Einwohnerzahlen:

Jahr Einwohner Differenz zum Vorjahr
2000 26.107  
2001 24.815 - 1.292
2002 23.862 - 953
2003 22.966 - 896
2004 22.218 - 748
2005 21.498 - 720
2006 20.823 - 675
2007 20.298 - 525
2008 19.906 - 392
2009 19.615 - 291
2010 19.055 - 560
2011 17.887 - 1.168
2012 17.541 - 346
2013 17.288 - 253
Quelle: http://www.weisswasser.de/zahlen_fakten (Stand: 04.06.2015) und eigene Berechnungen

Betrachtet man diese Entwicklung, dann war die Aussage, dass der Ort jedes Jahr 1000 Einwohner verliert, bereits in der Tendenz irreführend, weil die Verluste bereits seit dem Jahr 2001 zurückgingen. Die hohen Verluste der Jahre 2010/2011 sind durch Bereinigungen der Statistik im Zusammenhang mit dem Zensus 2011 verursacht.

Nähme man die Aussagen von Roland KIRBACH ernst, dass der Ort jedes Jahr 1000 Einwohner verliert, dann hätte Weißwasser im Jahr 2013 nur noch 13.000 Einwohner zählen dürfen. Tatsächlich haben sich die Verluste weiter minimiert. Warum, das lässt sich an diesen Zahlen nicht ablesen.

KLINGHOLZ, Reiner (2004): Abstieg in die zweite Liga.
RM-Spezial Deutschland im Jahr 2020: Einwohnerschwund nicht ausgleichen. Der wirtschaftliche Niedergang ist programmiert,
in: Rheinischer Merkur Nr.42 v. 14.10.

HAMANN, Götz (2004): Wie schrumpft man eine Stadt?
Wir werden weniger (3):
Sachsen erlebt, was westliche Bundesländer noch vor sich haben: Verlassene Wohnungen und verfallende Viertel in fast jeder Kommune. Stadtplaner, Politiker und Bürger lernen allmählich, mit der neuen Leere umzugehen,
in: Die ZEIT Nr.45 v. 28.10.

2005

DIENEL, Christiane (Hrsg.)(2005): Abwanderung, Geburtenrückgang und regionale Entwicklung. Ursachen und Folgen des Bevölkerungsrückgangs in Ostdeutschland, Verlag für Sozialwissenschaften

Abwanderung, Geburtenrückgang und regionale Entwicklung

"Der Bevölkerungsrückgang in Ostdeutschland ist ein mittlerweile auch öffentlich wahrgenommenes Krisensymptom und eine Herausforderung für die politische Gestaltung. In diesem Band wird, ausgehend von der Fallstudie Sachsen-Anhalt, erstmals eine interdisziplinäre Gesamtschau der regionalen Bevölkerungsentwicklung in Ostdeutschland und ihrer Einflussfaktoren vorgelegt. Der vergleichende Blick auf andere Regionen in Deutschland, Italien, Irland, Finnland und Portugal ermöglicht neue Blickwinkel auf regionale"
(Klappentext)

SCHIRRMACHER, Frank & Dieter BARTEZKO (2005): Wir altern im wachsenden Schatten von Riesen.
Was bedeutet die Vergreisung Deutschlands für die Städte? Man wird in Gespensterquartieren hausen und die vitalen Metropolen der Dritten Welt beneiden. Ein Gespräch mit Albert Speer,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 23.02.

BURGER, Reiner (2005): Der trügerische Babyboom.
In Sachsen wurden 2004 so viele Kinder geboren wie lange nicht - und doch schrumpft der Freistaat,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 24.02.

BIRG, Herwig (2005): Die innerdeutsche Migration.
Grundkurs Demographie - Neunte Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 03.03.

KNIE, Andreas & Susanne SCHÖN (2005): Wenn der Staat schrumpft.
taz-Serie: Die Daseinsvorsorge gehört zum Kernbestand des deutschen Staatswesens. Bisher. Angesichts dramatischer Bevölkerungswanderungen kann er gleichwertige Lebensbedingungen nicht mehr garantieren. Das eröffnet neue Freiheiten. Ein Essay,
in: TAZ v. 12.04.

Ist die taz nicht überflüssig, wenn Deutschland schrumpft? Diese Frage stellt sich die taz leider nicht. Was passiert eigentlich, wenn es keinen Bevölkerungsrückgang bis zum Jahr 2020 gibt? LBS-Research zweifelt die politisch korrekten Schrumpfungsszenarien aufgrund der Kluft zwischen Bevölkerungsvorausschätzungen und Bevölkerungsentwicklung nach 1989 an. Was in Deutschland fehlt, ist eine Debatte über die Angemessenheit der Vorausschätzungen. Aber hier herrscht einvernehmliches Stillschweigen.

PLATZECK, Matthias (2005): Hier Entvölkerung, dort Verdichtung.
Brandenburg erlebt beispielhaft für andere Bundesländer eine gegenläufige demografische Entwicklung. Der Osten hat die Chance, den Bevölkerungsrückgang selbst zu bewältigen. Der Aufbau Ost ist längst nicht am Ziel. Dabei macht die Abnahme der Bevölkerung schwierige Anpassungsprozesse nötig. Das Land Brandenburg will die Entwicklung aus eigener Kraft steuern,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.04.

Warum ist jetzt plötzlich das Thema "Demografische Entwicklung" bei Politikern so überaus populär? Offenbar eignet es sich dazu, aktuelles Politikversagen zu verschleiern. Falsche Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik kann elegant zum demografischen Problem umdefiniert werden. Tatsache aber ist: das so genannte demografische Problem ist weder für die Abwanderung aus den neuen Bundesländern verantwortlich noch ist der Geburtenrückgang Ursache für ökonomische Probleme schlechthin. Würde in den neuen Bundesländern die Wirtschaft florieren, dann gäbe es dort auch ausreichend Arbeitnehmer. Der Versuch, die Kausalitäten umzukehren mag populär sein, ist aber ein billiger Taschenspielertrick von Politikern, die ihre Verantwortung gerne anderen zuschieben... 

BILLERBECK, Liane von (2005): Nichts wie weg.
Was ist weiblich? Warum mehr junge Frauen als Männer den Osten verlassen,
in: Die ZEIT Nr.17 v. 21.04.

In der Reportage von BILLERBECK werden ohne Reibungsverluste die Antworten der Sozialwissenschaftlerin Christiane DIENEL reportagemäßig umgesetzt. Das mag pädagogisch wertvoll, ganz sicher politisch korrekt sein, aber der Heterogenität der Lebensverhältnisse wird es sicher nicht gerecht.

BURGER, Rainer (2005): Silberbergwerke, Braunkohlebergbau, Brachland.
Demographie-Politik in Sachsen: "Modellregionen" sollen zeigen, wie es weitergeht, wenn kaum noch jemand weiß, wie es weitergehen soll,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.04.

SCHÄUBLE, Juliane (2005): Wild auf den Westen.
Junge Frauen kehren Ostdeutschland den Rücken. Zurück bleibt eine "männerlastige Bevölkerung",
in: Tagesspiegel v. 13.08.

"In ganz Ostdeutschland gibt es keine einzige Region mit einem Frauenüberschuss, dafür teilweise 20 Prozent weniger weibliche als männliche Einwohner", berichtet Juliane SCHÄUBLE über eine Studie von Torsten OBST.

BOLLWAHN, Barbara (2005): Über zurückgebliebene Männer.
Im Osten gibt es Regionen, aus denen Frauen in Scharen abwandern. Das ist fatal für das männliche Geschlecht
in: TAZ v. 17.08.

Barbara BOLLWAHN versucht sich eine missratene Grillparty zu erklären. Da kommt ihr eine Studie über den Männerüberschuss in Ostdeutschland gerade recht.

WILTON, Jennifer (2005): Ein Viertel der Männer geht leer aus.
Wo in Deutschland großer Frauenmangel herrscht: Der thüringsche Ilm-Kreis steckt in Schwierigkeiten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.10.

Jenniger WILTON war im thüringschen Arnstadt. In der Reportage geht es darum, dass junge, gut gebildete Frauen dem Osten den Rücken kehren und ein Männerproletariat zurückbleibt.

Ergänzt wird die Reportage durch Statements von Bernhard NAUCK, Reiner KLINGHOLZ und Christiane DIENEL zu den Folgen dieser Migration.

2006

KRÖHNERT, Steffen/MEDICUS, Franziska/KLINGHOLZ, Reiner (2006): Die demographische Zukunft der Nation. Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen? München: Dtv, April

Die demographische Zukunft der Nation

Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung von 2004 bis 2020:

Deutschland: "Tatsächlich hat die Bevölkerung Deutschlands erst seit dem Jahr 2003 angefangen zu schrumpfen. Im ersten Jahr lag der Verlust bei 5.000 Einwohnern, im nächsten waren es 31.000. Diese Zahlen werden über die Jahre weiter steigen, weil immer stärker besetzte Kohorten ins hohe Alter kommen und sich gleichzeitig der Nachwuchsmangel verschärft".  (2006, S.6)

"Selbst die Lebenserwartung differiert aufgrund ungleicher Lebensverhältnisse: Sieben Jahre leben die Frauen im bayerischen Kreis Fürstenfeldbruck länger als im pfälzischen Pirmasens. Bei den Männern beträgt der Unterschied sogar acht Jahre zwischen dem (reichen) bayerischen Kreis Starnberg und dem (armen) mecklenburgischen Demmin." (2006, S.9)

Frauenmangel im Osten: "Zwischen 1991 und 2004 haben 513.000 Frauen die neuen Bundesländer verlassen, die meisten davon im besten Familiengründungsalter zwischen 18 und 29 Jahren. Damit waren 63 Prozent aller Fortzügler weiblich. Dies hat zu einem historisch einmaligen zahlenmäßigen Missverhältnis der Geschlechter zwischen Vorpommern und dem Vogtland geführt. Mittlerweile gibt es dort in den jungen Erwachsenenjahrgängen der 18- bis 29-Jährigen ein Defizit von etwa 140.000 Frauen. Je 100 Männer dieser Altersklasse lebten 2004 in Ostdeutschland (einschließlich Berlin) nur noch 90 Frauen." (2006, S.23f.)

Landflucht: "Bereits heute erfahren abgelegene, ohnehin schon dünn besiedelte Regionen einen starken Bevölkerungsrückgang, der sich bis 2020 nicht nur fortsetzen, sondern ausdehnen wird. (...). So sterben nach und nach die Dörfer - vor allem in den ostdeutschen Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Zeitversetzt erleben Nordhessen, Südniedersachsen oder Oberfranken die gleiche Entwicklung. Europaweit ist dieses Phänomen der Landflucht zu beobachten." (2006, S.28)

Wohnungsleerstand: "Hoyerswerda ist überall: Allein in Ostdeutschland stehen etwa 1,3 Millionen Wohnungen leer - etwa 16 Prozent des Bestandes. Städte wie Gera und Dessau, aber auch Pirmasens oder Bremerhaven im Westen tragen inzwischen das Stigma des Verfalls" (2006, S.42f.)

Abwärtsspirale: "Für die 15 kreisfreien Städte, die seit 1995 die größten Bevölkerungsverluste vermelden, werden bis 2020 weitere prognostiziert. Wer so viel verloren hat, wird weiter verlieren." (2006, S.43)

Anmerkung: Folgenden kreisfreien Städten wird ein weiterer Bevölkerungsrückgang prognostiziert: Hoyerswerda, Cottbus, Halle a.d.Saale, Suhl, Görlitz, Neubrandenburg, Dessau, Brandenburg, Gera, Chemnitz, Magdeburg, Stralsund, Zwickau, Bremerhaven und Pirmasens (vgl. 2006, S.42). 

Baden-Württemberg: "In den Kreisen Freudenstadt, Rastatt, dem Bodenseekreis und dem Landkreis Heilbronn wird die Zunahme (...) über zehnt Prozent betragen. Einzelne Städte dagegen schrumpfen, am stärksten der Kurort Baden-Baden. Jeder Vierte ist Rentner: bis 2020 wird die Stadt etwa 14 Prozent ihrer Einwohnerschaft verlieren" (2004, S.6)

Bayern: "Nur Oberfranken im Norden Bayerns erlebt demographisch einen Niedergang: die Bevölkerung der Landkreise Wunsiedel, Hof und Kronach wird bis 2020 um etwa 15 Prozent schrumpfen. Die Region war im Gegensatz zum Rest des Bundeslandes schon früh industrialisiert - nun wird ihr, mit dem Zusammenbruch der Porzellan-, Textil- und Möbel-Industrie in den 1990er Jahren, der einstige Vorsprung zum Verhängnis." (2004, S.7)

Kassel: "Bis 2020 wird die bereits seit 1994 schrumpfende Stadt voraussichtlich weitere fünf Prozent an Einwohnern verlieren." (2004, S.8)

Nordhessen: "Besonders stark wird die Bevölkerung in den strukturschwachen ländlichen nordhessischen Regionen im ehemaligen Zonenrandgebiet zurückgehen - im Werra-Meißner-Kreis sogar um 15 Prozent." (2004, S.8f.)

Pirmasens in Rheinland-Pfalz: "Bis 2020 könnte die Stadt im Vergleich zu 1999 rund 18 Prozent an Bevölkerung verlieren" (2004, S.12)

Sachsen: "Zu den leidtragenden Gebieten zählen vor allem die Oberlausitz im Osten und das Erzgebirge im Südwesten. Im Kreis Löbau-Zittau etwa kamen zudem im Jahr 2001 in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen auf 100 Männer nur noch knapp 80 Frauen, und 9,3 Prozent der Einwohner waren älter als 75 Jahre. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung sagt für die Region bis 2020 einen weiteren Bevölkerungsverlust von rund 15 Prozent voraus." (2004, S.13)   

Für folgende Kreise und Städte werden starke Bevölkerungsverluste bzw. -zugewinne prognostiziert:

Tabelle: Vergleich der Bevölkerungsentwicklung der Landkreise und kreisfreien Städte im Zeitraum 2000-2020 und 2004-2020 (Die fettgedruckten Regionen wurden in beiden Prognosen mit der besten oder schlechtesten Note bewertet. Die grün und rot markierten Regionen verbesserten bzw. verschlechterten sich um mindestens 2 Noten)
Landkreise und Städte mit Bevölkerungsverlusten
von 15 und mehr Prozent (Note 6)
Landkreise und Städte mit Bevölkerungswachstum von 10 und mehr Prozent (Note 1)
Stadt Coburg (Bayern); 2004: Nur noch 5-10 % Bodenseekreis (Baden-Württemberg)
Kronach (Bayern); 2004: Nur noch 5-10 % Freudenstadt (Baden-Württemberg)
Wunsiedel im Fichtelgebirge (Bayern); 2004: Nur noch 10-15 % Landkreis Heilbronn (Baden-Württemberg)
Cottbus (Brandenburg); 2004: Nur noch 10-15 % Rastatt (Baden-Württemberg)
Oberspreewald-Lausitz (Brandenburg) Landkreis Augsburg (Bayern)
Prignitz (Brandenburg) Bad Tölz-Wolfratshausen (Bayern)
Spree-Neiße (Brandenburg) Dachau (Bayern)
Uckermark (Brandenburg) Deggendorf (Bayern)
Demmin (Mecklenburg-Vorpommern); 2004: Nur noch 10-15 % Ebersberg (Bayern)
Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) Eichstätt (Bayern)
Rostock (Mecklenburg-Vorpommern); 2004: Nur noch 5-10 %

- 2004: 198.993 Einwohner
- 2015: 206.011 Einwohner
- Bevölkerungswachstum 2004-2015: ca.3,4 %

Erding (Bayern)
Rügen (Mecklenburg-Vorpommern); 2004: Nur noch 5-10 % Freising (Bayern)
Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern); 2004: Nur noch 10-15 % Ingolstadt (Bayern)
Wismar (Mecklenburg-Vorpommern); 2004: Nur noch max. 5 Prozent

- 2004: 45.442 Einwohner
- 2015: 42.557 Einwohner
- Bevölkerungsrückgang 2004-2015: ca. 6,3 %

Kelheim (Bayern)
2000: Goslar; 2004: Göttingen (Niedersachsen) Landsberg am Lech (Bayern)
Northeim (Niedersachsen); 2004: Nur noch 10-15 % Landkreis Landshut (Bayern)
Stadt Osnabrück (Niedersachsen); 2004: Nur noch 5-10 % Neuburg-Schrobenhausen (Bayern)
Osterode am Harz (Niedersachsen) Pfaffenhofen a. d. Ilm (Bayern)
Salzgitter (Niedersachsen); 2004: Nur noch 5-10 % Landkreis Regensburg (Bayern)
Wilhelmshaven (Niedersachsen); 2004: Nur noch 5-10 % Stadt Rosenheim (Bayern)
Wolfsburg (Niedersachsen); 2004: Nur noch 5-10 % Landkreis Rosenheim (Bayern)
Bremerhaven (Bremen); 2004: Nur noch 10-15 % Starnberg (Bayern)
Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen); 2004: Nur noch 5-10 % Straubing-Bogen (Bayern)
Hagen (Nordrhein-Westfalen); 2004: Nur noch 10-15 % Weilheim-Schongau (Bayern)
Wuppertal (Nordrhein-Westfalen); 2004: Nur noch 10-15 % Barnim (Brandenburg)
Pirmasens (Rheinland-Pfalz); 2004: Nur noch 10-15 % Dahme-Spreewald (Brandenburg)
Aue-Schwarzenberg (Sachsen) Havelland (Brandenburg)
Chemnitz (Sachsen) Märkisch-Oderland (Brandenburg)
Görlitz (Sachsen) Oberhavel (Brandenburg)
Löbau-Zittau (Sachsen) Potsdam-Mittelmark (Brandenburg)
Mittweida (Sachsen); 2004: Nur noch 10-15 % Teltow-Fläming (Brandenburg)
Riesa-Großenhain (Sachsen) Main-Taunus-Kreis (Hessen)
Aschersleben-Staßfurt (Sachsen-Anhalt) Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern)
Bernburg (Sachsen-Anhalt) Nordwestmecklenburg (Mecklenburg-Vorpommern)
Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) Ammerland (Niedersachsen)
Dessau (Sachsen-Anhalt) Cloppenburg (Niedersachsen)
Mansfelder Land (Sachsen-Anhalt); 2004: Nur noch 10-15 % Harburg (Niedersachsen)
Quedlinburg (Sachsen-Anhalt); 2004: Nur noch 10-15 % Lüneburg (Niedersachsen)
Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) Stadt Oldenburg (Niedersachsen); 2004: Nur noch max. 5 %
Schönebeck (Sachsen-Anhalt); 2004: Nur noch 10-15 % Landkreis Osnabrück (Niedersachsen); 2004: Nur noch max. 5 %
Stendal (Sachsen-Anhalt); 2004: Nur noch 10-15 % Stade (Niedersachsen)
Wittenberg (Sachsen-Anhalt) Borken (Nordrhein-Westfalen)
Altenburger Land (Thüringen) Rhein-Sieg-Kreis (Nordrhein-Westfalen)
Eichsfeld (Thüringen); 2004: Nur noch 10-15 % Alzey-Worms (Rheinland-Pfalz)
Greiz (Thüringen); 2004: Nur noch 10-15 % Mainz-Bingen (Rheinland-Pfalz)
Jena (Thüringen); 2004: Nur noch 10-15 % Neuwied (Rheinland-Pfalz)
Kyffhäuserkreis (Thüringen) Leipziger Land (Sachsen)
Saale-Orla-Kreis (Thüringen); 2004: Nur noch 10-15 % Muldentalkreis (Sachsen)
Saalfeld-Rudolfstadt (Thüringen) Sächsische Schweiz (Sachsen); 2004: Nur noch max. 5 %
Sonneberg (Thüringen) Weißeritzkreis (Sachsen)
Unstrut-Hainich-Kreis (Thüringen); 2004: Nur noch 10-15 % Ohrekreis (Sachsen-Anhalt)
  Saalkreis (Sachsen-Anhalt)
Kreise und Städte für die erst 2006 ein Bevölkerungsrückgang von 15 Prozent und mehr prognostiziert wurde
Elbe-Elster (Brandenburg)  
Döbeln (Sachsen)  
Hoyerswerda (Sachsen)  
Niederschlesischer Oberlausitzkreis (Sachsen)  
Zwickau (Sachsen)  
Gera (Thüringen)  
Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt)  
Halberstadt (Sachsen-Anhalt)  
Weißenfels (Sachsen-Anhalt)  
Quelle: Geo-Beilage Heft 5, 2004, S.22ff., Die demografische Lage der Nation, 2006, S.56ff. 

BISKY, Jens (2005): Ost gegen West.
Der große Graben (3). Das Tabu, ängstlich gehütet: Die deutsche Einheit ist gescheitert,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.08.

MANGOLD, Ijoma (2005): Stadt gegen Land.
Der große Graben (7). Parasiten im Speckgürtel: Warum wir die City brauchen
Gigantische Pendlerströme fallen Tag für Tag in die Großstädte ein. Doch bislang wollten immer weniger Menschen in den Metropolen wohnen. Jetzt feiert die Stadt Renaissance,

in: Süddeutsche Zeitung v. 08.09.

HEINSOHN, Gunnar (2005): Ausblutende Landschaften.
Gunnar Heinsohn fragt, warum sich Deutschland nicht um die besten Köpfe der implodierenden Staaten Osteuropas bemüht, sondern lieber Städterückbau betreibt,
in: Welt am Sonntag v. 13.11.

KLOEPFER, Inge (2006): Deutschland 2020.
Demographischer Wandel: Gewinner und Verlierer,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.02.

Inge KLOEPFER stellt eine Analyse der Bertelsmann Stiftung vor. Jena ("Boom-Town des Ostens"), Hamburg ("Zukunft für Junge"), Ahrensfelde ("Aufstieg mit Berlin") werden als Gewinner porträtiert. Dagegen werden Gelsenkirchen ("Trauer auf Schalke"), Chemnitz ("Abstieg ohne Ende") und Mittenwald ("Berge ohne Kinder") als Verlierer beschrieben.

SCHRÖDER, Miriam (2006): Der Osten verliert, der Süden profitiert.
Eine aktuelle Studie zeigt: Große Teile Ostdeutschlands und manche Gebiete im Westen verlieren schon jetzt dramatisch viele Einwohner. In den nächsten 15 Jahren drohen ganze Landstriche auszubluten,
in: Spiegel Online v. 15.03.

Spiegel Online bläst die Studie Die demografische Lage der Nation gleich zu einer ganzen Serie über das Verlorene Land, verlassene Land auf. Der 68er Jochen BÖLSCHE erzählt Wohlfühlgeschichten (MARTENSTEIN), denn hierzulande boomt nur noch die Apokalypse-Industrie.

In den 1970er und 1980er Jahren sind die 68er extra in die Toscana und die Provence gefahren, um sich in den niedergehenden Regionen zu erholen oder sogar für immer niederzulassen. Warum also plötzlich diese Aufregung?

Offenbar verstellt der demografische Tunnelblick einen nüchternen Blick auf die Realitäten: Wenn Wirtschaft und Politik ganze Regionen fallen lassen - dafür hat zuletzt Jens BISKY unter viel Beifall plädiert - dann ist es ziemlich verlogen, wenn dies als demografischer Wandel debattiert wird. Die Menschen tun nur das, was unter den gegebenen Bedingungen sinnvoll ist.

BERG, Lilo (2006): Das Land zerfällt.
BERLINER ZEITUNG-Serie Volk mit Falten:
Eine neue Studie benennt die Gewinner und Verlierer der demografischen Wende. Die Schere zwischen starken und schwachen Regionen öffnet sich immer weiter,
in: Berliner Zeitung v. 16.03.

ZYLKA, Regine (2006): Deutschlands Osten schrumpft.
BERLINER ZEITUNG-Serie Volk mit Falten,
in: Berliner Zeitung v. 16.03.

SCHUH, Hans (2006): Systematischer Frauenklau.
Demografische Analysen zeigen: Städte ziehen junge Frauen an, im Osten droht regional der Niedergang,
in: Die ZEIT Nr.12 v. 16.03.

WAGNER, Richard (2006): Frohe Botschaft!
Die Strukturprobleme einer Gesellschaft sind primär ökonomisch und organisatorisch bedingt. Es gibt kein Nachwuchsproblem. Allen demographischen Krisenmeldungen zum Trotz: Die Lage ist besser als die Stimmung. Nachrichten aus einem guten Land,
in: TAZ v. 15.04.

RIECHELMANN, Cord (2006): Mythen in den Bevölkerungsdebatten.
Wer sagt eigentlich, wann ein Territorium über- oder unterbevölkert ist? Ein Blick auf die überholten Gegensätze in den Studien zur demografischen Lage der Nation,
in: TAZ v. 06.05.

METZNER, Thorsten (2006): In der Altmark.
TAGESSSPIEGEL-Themenausgabe Gutes, altes Deutschland: Brandenburg organisiert den Generationenwandel,
in: Tagesspiegel v. 28.05.

MARETZKE, Steffen (2006): Regionale Rankings - ein geeignetes Instrument für eine vergleichende Bewertung regionaler Lebensverhältnisse?
in: Informationen zur Raumentwicklung, Heft 6-7, S. 325-335

Am Beispiel der Kreisregion Eichstätt zeigt Steffen MARETZKE, dass sich für strukturstarke Regionen große Rangplatzunterschiede in Abhängigkeit des Rankingverfahrens ergeben können. So erreicht Eichstatt im einem Verfahren den 22. und im anderen Verfahren den 175. Rangplatz bei insgesamt 394 Kreisregionen.

TUTT, Cordula (2006): "Man wird Jeep und Handy brauchen".
FTD-Serie Deutschland schrumpft: Brandenburg,
in: Financial Times Deutschland v. 18.07.

LUCIUS, Robert von (2006): Das deutsche Sibirien.
Die Jungen verlassen Gardelegen, weil es an Arbeitsplätzen fehlt - eine wirtschaftliche Perspektive für die alte Stadt in Sachsen-Anhalt ist nicht in Sicht,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.08.

AUS POLITIK UND ZEITGESCHICHTE-Thema: Ländlicher Raum

NEU, Claudia (2006): Territioriale Ungleichheit - Eine Erkundung,
in:
Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.37 v. 11.09.

BARLÖSIUS, Eva (2006): Gleichwertig ist nicht gleich,
in:
Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.37 v. 11.09.

SCHIRRMACHER, Frank (2006): Nackte Aste.
Die neue soziale Basis der NPD ist eine demographische,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.09.

ARNING, Matthias (2006): Überall Nägel.
Schirrmacher mit Hammer,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.09.

Der Sozialpsychologe Harald WELZER und der Historiker Wolfgang BENZ halten nichts von SCHIRRMACHERs biopolitischen Thesen vom Vortrag. Für sie ist die hohe Arbeitslosigkeit und die fehlende demokratische Tradition  entscheidender als die demografischen Verhältnisse.

NIEDENTHAL, Clemens (2006): Die oberen 10.000.
Die Jungen ziehen weg, die Alten sterben aus. Was anderswo Gemeinden ruiniert und ganze Landstriche entvölkert, kommt dem Örtchen Wunsiedel sehr gelegen. In Zukunft will das fränkische Kleinstädtchen am demografischen Wandel genesen, indem es sich ganz auf die Zuwanderung älterer Menschen einrichtet,
in: TAZ v. 22.09.

PAETZ, Berthold (2006): Sonderstudienpläne für Schwangere.
Menschenschwund und Back-Home-Bewegung: Gibt es einen Halt auf der schiefen Ebene der ostdeutschen Demografie?
in: Freitag Nr.52 v. 22.12.

2007

PROKLA-Thema: "Bevölkerung"
Kritik der Demographie

BARLÖSIUS, Eva & Claudia NEU (2007): "Gleichwertigkeit - Ade?"
Die Demographisierung und Peripherisierung entlegener ländlicher Räume,
in: Prokla 146, H.1, März

PLATH, Jörg (2007): Wachstum gibt's nicht mehr.
Cordula Tutt: "Das große Schrumpfen",
in:
DeutschlandRadio v. 23.04.

DIETRICH, Stefan (2007): Männer in Not,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.05.

HONNIGFORT, Bernhard (2007): Frau = schlau = weg.
Sie geht, er bleibt. In Ostdeutschlands Döfern leben zunehmend Problem-Männer,
in: Frankfurter Rundschau v. 31.05.

OSCHLIES, Renate & Andrea Beyerlein (2007): Junge Frauen verlassen den Osten.
Sozialstudie: 18- bis 29-Jährige suchen Jobs im Westen. Dramatischer Männerüberschuss in den neuen Ländern / Forscher warnen vor neuer Unterschicht und rechten Tendenzen,
in: Berliner Zeitung v. 31.05.

SCHLEGEL, Matthias (2007): Osten ohne Frauen,
Schwestern, zur Sonne...,
in: Tagesspiegel v. 31.05.

TRETBAR, Christian (2007): Junge Frauen verlassen den Osten.
Studie warnt vor "neuer männerdominierter Unterschicht". Grund ist unterschiedliches Bildungsniveau,
in: Tagesspiegel v. 31.05.

BURGER, Reiner (2007): Zurückgelassen in der Ödnis,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.06.

WEDEL, Mathias (2007): Not am Mann.
Dem Osten laufen die Frauen weg,
in: Freitag Nr.23 v. 08.06.

MARTENSTEIN, Harald (2007): Über den Frauenmangel,
in: Tagesspiegel v. 01.06.

"Ich bin für Emanzipation und all das. Gleichzeitig sehe ich, dass die Chancengleichheit den Karrieredruck auf uns Männer wahnsinnig erhöht. Einerseits haben wir jetzt all die ehrgeizigen Frauen als Konkurrentinnen, andererseits werden wir, wenn wir es nicht nach oben schaffen, dadurch zusätzlich bestraft, dass wir keine Partnerin finden oder sogar Nazis werden müssen. Es gibt wirklich sehr nette Fensterputzer!" meint Harald Martenstein zur Not am Mann.

GÜNTNER, Joachim (2007): Opfer einer Damenwahl,
in: Neue Zürcher Zeitung  v. 09.06.

"Noch lässt sich der ostdeutsche Mann in Not mit hängenden Schultern darstellen. Steht er bald stramm, wie es bereits heute einige tun, reckt den geschorenen Kopf und die Hand zum unheilvollen Gruss? Über Skinheads und Neonazis sang die Punkrock-Band «Die Ärzte» 1993 sinnig: «Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe / Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit.»", fragt sich GÜNTNER angesichts der Studie Not am Mann, die von FAZ und Spiegel gehypt wird.

HEYMANN, Nana (2007): Aufbruch Ost,
in: Tagesspiegel v. 24.06.

Nana HEYMANN berichtet anlässlich der Studie Not am Mann über Herzberg im Landkreis Elbe-Elster.

KIRCHBACH, Roland (2007): Zum Dreinschlagen.
Der Frust Jugendlicher auf dem Dorf nimmt zu. TV und Internet zeigen ihnen eine unerreichbare Welt, sagt der Berliner Soziologe Hartmut Häußermann,
in:
Die ZEIT Nr.28 v. 05.07.

Im ZEIT-Dossier über die Samstagnacht auf dem Land, macht der 68er Hartmut HÄUßERMANN den Frauenmangel für Exzesse mitverantwortlich:

"Wenn man in einem so beschränkten Handlungskreis lebt, wie es ein Dorf darstellt, dann gibt es einen Energiestau, der sich irgendeinen Ausweg sucht – vor allem bei jungen Männern, Frauen sind davon ja kaum betroffen. Wahrscheinlich ist sogar der Frauenmangel mit ein Grund, warum sich solche Männlichkeitsrituale austoben können. Außerdem gibt es einen kollektiven Teilnahmezwang."

REENTS, Heino (2007): Hoffnungszeichen für Eigenheimbesitzer.
WELT-Serie Besser altern: Warum der demografische Wandel nicht automatisch zum Preisverfall bei Wohnimmobilien führt,
in: Welt v. 01.08.

BOECKER, Arne (2007): Haus der Geborgenheit.
Wie sich die ostdeutsche Stadt Eggesin mit ihrem Bürgermeister gegen Abwanderung und Überalterung stemmt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.08.

HOLLSTEIN, Miriam (2007): Ostdeutschland wird zum Rentnerparadies.
WELT-Serie Besser altern: Der Osten entwickelt sich zu einem Ruhesitz für Westdeutsche. Während die einen sich über den Zuwachs freuen, fürchten die anderen, dass Städte wie Görlitz und Weimar in Zukunft ausschließlich als Altersresidenz angesehen werden könnten,
in: Welt v. 09.08.

RATHENOW, Lutz (2007): Leben und trinken in der Trostlosigkeit.
Der Osten zerfällt: In den Städten herrscht der Erfolg, in der Provinz dagegen jugendlicher Stumpfsinn,
in:
Tagesspiegel v. 27.08.

NIKOLOW, Rita (2007): Einbußen durch Abwanderung und Geburtendefizit,
in:
Tagesspiegel v. 30.08.

"Sachsen-Anhalts Bevölkerung schrumpft: Seit 1990 ist die Zahl der Einwohner von 2,9 Millionen auf weniger als 2,4 Millionen gesunken", berichtet Rita NIKOLOW.

SYLVESTER, Regine (2007): Männer allein zu Haus.
Im deutschen Osten wandern die jungen Frauen ab,
in: Berliner Zeitung v. 15.09.

"Ueckermünde. 10 500 Einwohner, früher 12 000. Die meisten sind schon älter. Bei den 18- bis 25-Jährigen - Anfang 2006 nur noch 943 Personen - waren 504 junge Männer und 439 junge Frauen. Ein Unterschied von mehr als zehn Prozent. Und im gesamten Landkreis Uecker-Randow mit vielen kleinen Ortschaften kommen in derselben Altersgruppe auf hundert Männer nur noch 77 Frauen, das sind dann schon fast 25 Prozent. Ein deutlicher Unterschied.
Es ist Zufall, dass ich in Ueckermünde bin
",

schreibt SYLVESTER zu ihrer Reportage. Ganz so zufällig war es doch nicht, denn am Anfang stand die Studie Not am Mann des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung:

"Man kann sie im Internet runterladen und selber lesen, dass im deutschen Osten eine Situation entstanden ist, die es noch nie in der deutschen Geschichte gab und die man an keinem anderen Ort in Europa findet - auch in den entlegensten und frostigsten Gegenden kommt ein solcher Frauenmangel nicht vor",

behauptet SYLVESTER, doch Beweise dafür bleibt sie schuldig.

MÜLLER, Uwe (2007): Der Osten altert schneller als der Westen.
Glaubt man den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus Wiesbaden, dann sieht es düster aus für Deutschlands Osten: Er vergreist. Nach Berechnungen von WELT ONLINE rückt Sachsen-Anhalt zum "Altersheim der Republik" auf. Jung ist nur noch der reiche Süden der Republik,
in: Welt v. 24.11.

TAGESSPIEGEL (2007): Not am Mann.
Zum Beispiel in Großharthau, Sachsen: Auf 100 Männer kommen hier nur 46 Frauen. "Die Mädels haben sich einfach fortgemacht", heißt es an vielen Orten Ostdeutschlands. Es entsteht eine Gesellschaft von Junggesellen, die sich oft als Versager fühlen, sagt eine Studie. Und manche driften in die rechte Szene ab,
in: Tagesspiegel v. 03.12.

Die unzähligen Presse-Geschichten über die Not am Mann gleichen sich wie ein Ei dem anderen: Sie spielen im Osten, sie handeln vom Männerüberschuss und sie bedienen die Angstlust des Lesers am (Rechts-)extremismus, die der Soziologe Gunnar HEINSOHN mit seinem Pamphlet Söhne und Weltmacht auf die Spitze getrieben hat.

Mit dieser Demografisierung gesellschaftlicher Probleme wird man jedoch dem Thema Menschen ohne Beziehungserfahrung nicht gerecht, denn gerade in Westdeutschland, wo durch die sexuelle Revolution Beziehungsunerfahrenheit zur Domäne von Jugendlichen unter 18 geworden ist, gibt es eine beachtliche Minderheit von Beziehungsunerfahrenen, die unfreiwillig bis Mitte zwanzig, seltener darüber hinaus partnerlos geblieben sind.

Wer dieses Problem auf spektakuläre Fälle im Osten reduziert, der verkennt, dass unfreiwillige Partnerlosigkeit weniger mit Ungleichgewichten auf dem Partnermarkt zu tun hat, sondern mit den Mechanismen des modernen Partnermarktes an sich.

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 12. Januar 2016
Update: 06. April 2017