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Singles
in Frankreich:
Literatur
und gesellschaftlicher Wandel
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Verzeichnis der
Schriftsteller
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Verzeichnis der Sachbuchautoren
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- BRUCKNER,
Pascal - Letzter Ausweg - Abenteuer Alltag
- DEBORD, Guy
- Die Gesellschaft des Spektakels
-
DEMONPION, Denis -
Houellebecq: Die unautorisierte Biografie
- FINKIELKRAUT, Alain -
Die neue Liebesunordnung
- GUILLEBAUD, Jean-Claude - Der
Familienmensch als Widerstandskämpfer
-
HIRIGOYEN, Marie-France - Solotanz: Anleitung zum Alleinsein
- MAIER, Corinne - Bonjour Paresse
- NOGUEZ,
Dominique - Houellebecq, en fait
-
TOLEDO, Camille de - Goodbye Tristesse
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Verzeichnis der
Wissenschaftler
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-
BADINTER, Elisabeth - Die Wiederentdeckung der Gleichheit
-
BOLOGNE, Jean-Claude - Nacktheit und Prüderie
-
BOLTANSKI, Luc - Der neue Geist des Kapitalismus
-
BOURDIEU, Pierre - Suburbanisierung
- CASTEL,
Robert - Die soziale Frage
- CHAUVEL,
Louis - Das Schicksal der Generationen
-
DESROSIÈRES, Alain - Die
Politik der großen Zahlen
-
EHRENBERG, Alain - Das erschöpfte Selbst
- KAUFMANN, Jean-Claude -
Singles in Frankreich
-
LINDENBERG, Daniel - Die neuen Reaktionäre
-
MOSSUZ-LAVAU, Janine - Das sexuelle Leben in Frankreich
-
SAINT MARTIN, Monique de - Der
Adel und seine Strategien in der Mediengesellschaft
-
SIRINELLI, Jean-François - Die
Baby-Boomer
- TARDE,
Gabriel de - Die Gesetze der Nachahmung
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französische
Singles und gesellschaftlicher Wandel in den Medien:
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- LANZEZ, Emilie (1995):
La planète de célibataires,
in: Le Point
Nr.1197 v. 26.08.
- PETITJEAN,
Gerard (1999): Femmes le boom des vies en solo.
A
Paris, une femme sur quatre vit seule,
in: Nouvel
Observateur Nr. 1789 v.
18.02.
- PETITJEAN,
Gerard (1999): Une idée neuve dans l'histoire.
Vivre
heureuse en solo,
in: Nouvel
Observateur Nr. 1789 v.
18.02.
- Interview mit dem Familienhistoriker André
Burguière
- DUBOIS,
Jean-Paul (1999): Drague sur dossier.
Etat-Unis:
la solitude du bomeur moderne.
in: Nouvel
Observateur Nr. 1789 v.
18.02.
- CRIGNON,
Anne (1999): Les allumées suédoises.
Au
royaume des célibataires,
in: Nouvel
Observateur Nr. 1789 v.
18.02.
- LANEZ, Emilie (1999):
En attendant le prince charmant,
in: Le Point
Nr.1379 v. 20.02.
- HURET,
Marie/BOTTREL, Roselyne/MARRONDE, Agnès/SOUSSE,
Michel/TIBERGHIEN, Nathalie (2001): Hommes,
femmes.
Le
bonheur en solo. Les "solobataires"
in: L'Express
v. 18.01.
- Kommentar:
Das französische
Nachrichtenmagazin bringt diese Woche
eine umfangreiche Cover-Story über die
"Neuen Singles"
Die
franösischen Singles haben mit der "l'Union
nationale des groupes d'action des
personnes qui vivent seules
(Unagraps)" einen
Interessenverband, der beansprucht, die
Alleinlebenden politisch zu vertreten.
Davon können deutsche Singles nur
träumen, denn hierzulande gibt es nur
Splittergruppen, die für ihre eigene
Sub-Klientel sozialstaatliche Vorteile
sichern möchte. Am erfolgreichsten sind
noch die Alleinerziehenden, denn sie
haben als anerkannte Familien moralische
Vorteile. Ansonsten sind Singles vor
allem in "Heimatlosenvereinen"
(neudeutsch: Single-Club) organisiert. Ob
der kommende Familienwahlkampf daran
etwas ändert, ist fraglich, stehen doch
Singles unter dem Generalverdacht Yuppies
zu sein, während Familien und wenn sie
noch so wohlhabend sind, politisch
korrekt am Hungertuch nagen.
Beim
L'Express ist noch der glückliche Single
- und nicht das glückliche Paar - das
Thema. Man orientiert sich dabei an der
Modezeitschrift ELLE, die in ihrer
neuesten Ausgabe einen Bericht über die
Freiheiten des Single-Lebens
veröffentlicht hat. Daneben wird der
französische Soziologe Jean-Claude
KAUFMANN zitiert, der 1999 einen
Bestseller über die alleinlebenden
Frauen und ihre Sehnsucht nach dem
Prinzen veröffentlicht hat. Aber Bridget
JONES und das Drama der einsamen
Karrierefrau, die verzweifelt nach ihrem
Mann der Träume sucht, ist megaout.
Aber so
ganz selbstbewusst können die
französischen Singles auch nicht sein,
denn die Werbeindustrie vermeidet es,
Singles zu offensiv als Zielgruppe zu
umwerben. Und die üblichen Stimmen vom
unfreiwilligen Single finden sich auch.
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NOUVEL
OBSERVATEUR - Dossier:
Femmes seules - Comment trouver un jules
-
GAUTHIER,
Ursula (2001): Trouver un jules.
2 millions de
femmes seules à la recherche de l'âme
soeur,
in: Nouvel
Observateur Nr.1919
v. 16.08.
- Kommentar:
GAUTHIER
klärt partnerlose Frauen ab 35
bzw. 40 Jahren über ihre
schlechten Chancen auf dem
Heiratsmarkt auf:
"Le taux de vie en couple
culmine à 40 ans pour les
femmes, à 55 ans pour les
hommes. Les chances de se
remettre en couple après une
rupture sont cinq fois moindres
à 50 ans qu'à 25 ans pour une
femme."
Ausgehend von den USA (siehe
hierzu die
Kritik
von Susan FALUDI in ihrem Buch
"Backlash")
wird seit Anfang der 80er Jahre
immer wieder versucht ein
statistisch ermitteltes
Geschlechterungleichgewicht in
einen mehr oder weniger direkten
Zusammenhang mit dem Partner-
bzw. Heiratsmarkt zu bringen. Mit
stichhaltigen Zahlen belegt wird
dieser angebliche Heiratsengpass
von GAUTHIER jedoch nicht. Als
Gründe für den konstatierten
Heiratsengpass werden die
unterschiedlichen
Partnerwahlmuster von Mann und
Frau genannt. Ältere Männer
heiraten demnach bevorzugt junge
Frauen.
Nachdem den Partnerlosen ihre
schlechten Heiratschancen vor
Augen geführt wurden, werden
ihnen anschliessend
Möglichkeiten genannt ihre
Chancen gegenüber der Konkurrenz
zu verbessern.
Der Titel des Beitrags ist
identisch mit einem neu erschienenen
Parisführer für Partnersuchende
von Valérie APPERT, einem
35jährigen Journalisten:
"Bridget Jones drague à
Londres, Ally McBeal cherche à
Chicago et vous c'est à Paris
que vous allez LE trouver. Et
même si trouver un jules dans
notre Capitale relève parfois du
parcours de la combattante, cette
grande ville peut être un
terrain de jeu rêvé pour les
célibataires en tout
genre", verheisst der Klappentext.
Für
Deutsche sucht
Ally
McBeal
natürlich nicht in Chicago,
sondern in Boston.
- GAUTHIER,
Ursula (2001): Audrey et les mecs bien,
in:
Nouvel
Observateur Nr.1919
v. 16.08.
- LEMONNIER,
Marie (2001): Mettez un gay dans votre
jeu.
Consolateur,
chevalier servant, relookeur au besoin,
un peu rabatteur aussi, l'ami homo est
décidément irremplaçable
in: Nouvel
Observateur Nr.1919
v. 16.08.
- LEMONNIER,
Marie (2001): Rendez-vous sur la Toile,
in:
Nouvel
Observateur Nr.1919
v. 16.08.
- Inhalt:
Bericht
über Partnersuche im Internet.
-
BOULET-GERCOURT,
Philippe & Julie PÊCHEUR (2001):
Scènes de chasse à Manhattan. Pour un
moment ou pour la vie.
A
New York, on dénombre 500 000 femmes
seules de plus que d'hommes seuls. Pour
capturer l'oiseau rare, il ne suffit pas
d'être attirante, talentueuse et
intelligente...
in: Nouvel
Observateur Nr.1919
v. 16.08.
- Kommentar:
Manhattan,
das ist der amerikanische
Single-Mythos par excellence -
sowohl im Positiven als auch im
Negativen. Seit den 80ern wird
immer wieder über die New Yorker
Single-Hölle berichtet:
"La Grosse Pomme est une
véritable réserve de
célibataires, et un paradis pour
les dragueurs : on y compterait
537 111 femmes seules de plus que
d'hommes seuls !"
Frauenüberschuss wie nicht
anders zu erwarten. Aber zu
glauben diese Frauen wären alle
Partnerlose - wie das der Artikel
nahe zu legen versucht - ist
natürlich falsch. Aber irgendwie
muss man ja den Leser bei der
Stange halten.
Das Treibhaus "Grosse
Pomme" (Big Apple)
jedenfalls ist der Nährboden
für solche Serien wie "Sex
and the City", die das Thema
Männerjagd in den Vordergrund
stellen.
"Sex
and the Single Girl" von
Helen Gurley Brown
hat dieses Genre - unter anderen
Vorzeichen - Anfang der 60er
Jahre begründet.
- LEMONNIER,
Marie (2001): "J'ai peur des femmes
qui cherchent".
Hommes:
L'embarras du choix.
Pour
les mâles solitaires, la situation est
à première vue idéale. Mais le coeur a
ses raisons que la démographie ne
connaît pas...
in: Nouvel
Observateur Nr.1919
v. 16.08.
- Inhalt:
Die Angst
der knappen Singlemänner vor den
einsamen Karrierefrauen...
- GARCIA,
Laure (2001): La vie en solo est un
roman.
Nous sommes
toute des Bridget Jones. Les tribulations
des « célibattantes » sont devenues un
filon littéraire. Des histoires crues,
grinçantes et surtout très drôles.
Dans lesquelles beaucoup de femmes se
reconnaissent,
in: Nouvel
Observateur Nr.1919
v. 16.08.
- Kommentar:
Bridget
JONES soll angeblich das
gegenwärtige Leitbild der
alleinlebenden Frau sein. Wenn
dies auch nicht zutreffend ist,
zumindest ist Bridget Jones zum
Vorbild für andere schreibende
Frauen geworden...
- HEIMGÄRTNER,
Sabine (2002): Post aus Frankreich.
Kindersegen
für die Grande Nation,
in:
Tagesspiegel v. 10.02.
- KRÖNCKE,
Gerd (2002): Paris: Wie, wie oft, mit wem?
Manche nennen es Liebe,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 07.03.
- Kommentar:
KRÖNCKE hat die
Coverstory "Enquête sur la vie
sexuelle en France" im
französischen Nachrichtenmagazin
L'Express vom 28.02.2002 gelesen und
berichtet darüber ohne die Quelle zu
nennen. Er zitiert u.a. aus dem Interview
mit der französischen Soziologin Janine
MOSSUZ-LAVAU, deren
Studie demnächst als Buch erscheint
("Les Lois de l'amour").
-
FISCHER, Heimo (2003): Beamte wollen kämpfen.
Premierminister Jean-Pierre Raffarin muss gegen den Widerstand
aller Beteiligter das marode Rentensystem reformieren,
in: Rheinischer Merkur Nr.8 v. 20.02.
- Kommentar:
Wenn man FISCHER glauben darf, dann soll das kinderfreundliche Frankreich teilweise noch größere Probleme mit dem
Rentensystem haben als Deutschland.
-
RAHIR, Kim (2006): Wo man sich Hausfrauen nicht leisten kann.
Doppelverdiener - Zwei Kinder: Familie in Frankreich,
in: Spiegel Online v. 09.05.
-
REBHANDL, Bert (2007): Sehnsucht nach Entscheidungen.
Der Philosoph André Glucksmann im STANDARD-Interview,
in: Der Standard v. 10.04.
- Anmerkungen:
Frankreich gilt diesseits des Rheins als
bevölkerungspolitisches Musterland, während gleichzeitig
die deutsche Reformschwäche beklagt wird. Jenseits des Rheins schaut
man dagegen neidvoll auf Deutschland:
"André Glucksmann: Ich glaube,
dass Frankreich eine Weichenstellung braucht - deswegen Sarkozy. Ich
verspreche mir von ihm eine energische Entscheidung. Warum diese
notwendig ist, verdeutlicht ein Blick aus Frankreich auf
Deutschland: Da haben wir zwei Nachbarländer, beide mit einer
sozialen Marktwirtschaft. Beide müssen das System verbessern, es
braucht Einschnitte. Ich konstatiere: Deutschland macht das viel
besser. Die Armut ist nicht so ausgeprägt, und das Land hat immerhin
16 Millionen »Ossis« absorbiert. Frankreich hat in derselben Zeit
fünf Millionen Menschen in den Banlieues praktisch aufgegeben."
Im Buch
"Weniger sind mehr" löst der
deutsche Soziologe Karl Otto HONDRICH das deutsch-französische
Paradoxon auf. Bevölkerungspolitik ist nicht die Lösung, sondern das
Problem:
"Wenn Kultur und Politik (...)
können sie allem Anschein nach den Fall der Geburtenrate aufhalten.
Ein Erfolg für das politische System. Aber mit welchen Folgen? Die
Jugendarbeitslosigkeit ist in Frankreich durchgehend doppelt so hoch
wie in Deutschland. In den Vorstädten der Großstädte erreicht sie 40
bis 50 Prozent. Die Unzufriedenheit der Jungen macht sich in Unruhen
und Brandstiftungen Luft. (...).
Wenn viele Kinder geboren werden,
die mit dem Credo der Chancengleichheit und der Verheißung
beruflicher Ingetration heranwachsen, macht sich die Enttäuschung in
offener Gewalt und latenter Aggressivität Luft. Was von der Politik
so lebhaft beklagt wird, ist doch auch von ihr zu verantworten. Denn
einen Bevölkerungspolitik (...) kann zwar Geburtenraten hoch halten.
Mit diesem seinem »Erfolg« überfordert das politische System sich
aber selbst. Denn seine Macht reicht nicht aus, um für die
heranwachsenden Jugendlichen, auf deren große Zahl es mit nationalem
Stolz blickt, Arbeitsplätze zu schaffen. Die Eigenlogik des
wirtschaftlichen Systems (...) steht dem entgegen." (2007, S.246f.)
Das britische Magazin
New Statesman hat in seiner aktuellen Titelgeschichte Frankreich
ein Special gewidmet, in dem unter anderem von Frédéric NIEL auf die
verlorene französische Jugend ("Lost
youth") eingegangen wird.
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